Über Weggehen und Neuankommen: Nachts ist es leise in Teheran …

Das Thema Migration und Flüchtlinge ist insbesondere seit dem August letzten Jahres in aller Munde. Es wurden viele und verschiedene Bücher über das Thema geschrieben, und immer wieder kommen neue dazu.

Das Buch von Shida Bazyar „Nachts ist es leise in Teheran“ lässt diejenigen zu Wort kommen, für die solche Begriffe wie Flucht, Migration, Heimatsverslust, Neuankommen keine fremden, in der Zeitung gelesenen oder in den Nachrichten gehörten Begriffe sind. Das Buch erinnert uns erneut daran, dass die „Welle“ des Sommers und Herbstes 2015 natürlich nicht die erste Flüchtlingswelle nach Deutschland war und kann uns zugleich Antworten auf die Frage liefern, was mit den Leuten, die hier in Deutschland schon früher Fuß gefasst haben geschah. Anders gesagt: Warum diese Flucht, wozu war das gut?

Shida Bazyar ist in Deutschland geboren, ihre Familie floh nach der Machtübernahme durch das Mullah-Regime im Iran im Jahre 1979. In dem Buch – ihrer Familie gewidmet – lässt die Autorin fünf Mitglieder einer iranischen Familie aus zwei Generationen, Vater, Mutter, Sohn und Töchter,  jede/n aus seiner eigener Perspektive über Iran und Deutschland, Nähe und Ferne, Familie und Freunde, Flucht und Ankommen berichten. Mal witzig, mal traurig sind die Geschichten der Protagonisten, alle erzählen irgendwie über das Gleiche und sind alle doch irgendwie so ganz unterschiedlich. Unterschiedlich die Erfahrungen, unterschiedlich das Erlebte, unterschiedlich die Beziehungen zum Iran und der eigenen Familie dort, unterschiedlich die Verbindung zu Deutschland als Gastland.

Die Autorin nimmt uns mit nach Teheran, erlaubt uns Einblicke in das Leben und Treiben auf iranischen Straßen, auf iranischen Bazaren, in iranischen Cafés und in iranischen Häusern. Gleichzeitig kommen wir zusammen mit den Protagonisten in die skurrile Welt der deutschen Ausländerbehörde mit Bergen von Formularen, langen Wartezeiten, vielen und manchmal unerklärlichen Regelungen, wir nehmen an Begegnungen und Gesprächen teil, erfahren wie sich das Leben in Deutschland für die Familie entwickelt.

Die Eltern bleiben auch nach Jahrzehnten in Deutschland wohnende Iraner, die Kinder sind jedoch zu Deutschen iranischen Herkunft geworden – wie weit ist das noch davon entfernt, „richtig“ Deutsch sein?  Und kann man das überhaupt werden?  Und ist das überhaupt nötig? 

Ich weiß nicht wie viel autobiographisches in diesem Roman ist, es ist aber anzunehmen, dass die Autorin vieles von den selbsterlebten und aus erster Quelle Gehörtem miteinfließen ließ. Eine zweifellose Bereicherung für die Literatur in deutscher Sprache, die uns auf hervorragende Weise die Geschichte der zugewanderten Menschen kennenlernen lässt und zum Nachdenken bringt, wie wir alle, zusammen, das Beste daraus machen können.

Und  noch sehr wichtig – Shida Bazyar liest am Freitag, den 14. Oktober, aus ihrem Roman im Rahmen unserer Literaturtage – was mit Sicherheit ein sehr bereicherndes Erlebnis wird!

Advertisements

Ein Gedanke zu “Über Weggehen und Neuankommen: Nachts ist es leise in Teheran …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s