Nachrichten aus der Gruft – das Magazin lebt!

Selbstverständlich besitzt die Stadtbibliothek ein sogenanntes „Magazin“. Dieses ist ein Ort, in dem Dinge gestaut werden, die „oben“, d.h. im Publikumsbereich, nicht so recht hinpassen. Dazu zählen z.B. in die Jahre gekommene Bücher, die dennoch weiterhin gültig, wichtig oder einfach bezaubernd schön sind. Oder auch sehr alte, wertvolle Schriften, die geschützt und klimatisiert aufbewahrt werden müssen. Unser Magazin liegt ganz klassisch tief im Keller.
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Seit dem Umzug 2012 in die Stadtbibliothek am Neumarkt haben wir ein topmodernes Magazin mit allen Schikanen, das gleichwohl die unterkühlte und sterile Atmosphäre einer Pathologie hat. Und dennoch existiert dort Leben, wenn auch nur in Form eines etwas lästigen Gespenstes, weswegen wir das Magazin an dieser Stelle nur noch „die Gruft“ nennen wollen. Wie ist es dazu gekommen? Bislang haben wir diesen Mitbewohner immer verheimlicht, doch seitdem wir auch naseweise Kinder durch die Gruft führen, ist es an der Zeit, offen über unser Gespenst zu sprechen – bevor die Gerüchte vollends ins Kraut schießen. Es folgt nun die überaus tragische Geschichte des Bibliotheks­ge­spen­stes Wilhelm Fritzenkötter, ehemals Bibliothekar in der Stadtbibliothek Bielefeld.

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Bibliothek post mortem

Wilhelm Fritzenkötter starb den typischen Tod eines Bibliothekars: Er wurde von Büchern erschlagen. Und das kam so: Im Jahr 1968 war in der Stadtbibliothek gerade eine Lieferung mit alten, wertvollen Atlanten eingetroffen und Wilhelm sollte diese im Magazin verstauen. Nachdem  der gute Mann die schweren Bände ganz allein ins Regal gewuchtet hatte, bekam er aber einen Schwächeanfall – er hatte an dem Tag leider nicht gefrühstückt -, fiel gegen das Regal, welches schrecklich zu  wackeln begann, so dass die Atlanten von ganz oben aus dem Regal herunter fielen und den Ärmsten unter sich begruben. Das war Wilhelms Ende. Hätte er doch gefrühstückt!

Herrn Fritzenkötters Rachegelüste

In seiner maßlosen Wut über die mörderisch schweren Bücher schwor Wilhelm Fritzenkötter sodann ewige Rache und ist seitdem als Gespenst in der Stadtbibliothek verblieben. Die kostbaren Atlanten aber – Johan Blaeus „Atlas Maior“  – mussten seitdem in einem anderen Raum untergebracht werden; undenkbar, was Fritzenkötter selig anstellen würde, wenn er sie in die Finger bekäme. Seine Rache wäre entsetzlich.

Ein treues Gespenst

Seitdem sind wir ihn leider nicht losgeworden, er ist sogar mit uns umgezogen und hat sich im Hauptmagazin im 2. Untergeschoss breit gemacht. Schwierig: Wilhelm mag kein elektrisches Licht und wird sehr garstig, wenn es zu hell ist. Aufgrund dessen betreten wir das Hauptmagazin auch nur mit Stirn- oder Taschenlampe, wie Höhlenforscher. Dennoch freut sich unser Gespenst über Besuch und wenn den Fritzenkötter der Schalk packt, macht er auch mal Tintenpfützen in gewisse Ecken. Um sein Ektoplasma zu regenerieren, ruht sich unser Bibliotheksgeist gelegentlich in einem Eimerchen aus, Wellness für den Glibber. Leben und leben lassen …

Gespenst 2.0

Dass die Bibliothek jetzt auf allen Kanälen funkt, ist auch unserem Gruftie nicht verborgen geblieben: Der Alt-68er möchte mitreden! Über Kunst & Krempel, Raritäten und überhaupt Neues aus der Gruft parlieren. Nun, vielleicht wird es ja interessant? Hat die Welt schon ein bloggendes Gespenst gesehen? Achtung: Lesen auf eigenes Risiko, wir übernehmen keine Haftung. Demnächst mehr an dieser Stelle …

Alice

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