Mittendrin Mittwoch #12

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

„Wir müssen also feststellen, dass es derzeit in der Wissenschaft keinen Konsens über die Ursache(n) gibt, die vor etwas mehr als 3000 Jahren zum Zusammenbruch dieser zahlreichen, miteinander in Verbindung stehenden Gesellschaften führte(n) – als Übeltäter wurden in letzter Zeit „Feinde aus dem Ausland, sozial motivierte Aufstände, Naturkatastrophen, ein Zusammenbruch des Systems und Veränderungen in der Kriegsführung“ genannt. So, wie es die Wissenschaft in den vergangenen 80 Jahren getan hat, wollen wir nun also auch über diese möglichen Ursachen spekulieren. Dabei sollten wir die verfügbaren Daten möglichst objektiv betrachten, die diese hypothetischen Möglichkeiten stützen – oder eben nicht.“

IMG_0230Eric H. Cline ist ein renommierter Archäologe und Kulturanthropologe mit den Forschungsschwerpunkten biblische Archäologie sowie Militärgeschichte und internationale Beziehungen des Mittelmeerraumes. In diesem Buch beschäftigt er sich mit dem Zeitenumbruch von der Spätbronzezeit zur Eisenzeit, ein Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte, der durch den Niedergang oder gar das Ende mehrerer großer Zivilisationen gekennzeichnet ist: Mykener, Hethiter, Ägypter, um nur einige zu nennen.  Auch so sagenhafte Ereignisse wie der Trojanische Krieg oder sogar der Auszug der Israeliten aus Ägypten werden mit dieser Zeit in Verbindung gebracht. Waren es die mysteriösen Seevölker, die marodierend die östlichen Mittelmeerküsten verunsicherten, ganze Landstriche eroberten, verwüsteten oder neu besiedelten? Woher kamen sie? Waren sie Flüchtlinge, die nach Naturkatastrophen eine neue Heimat suchen mussten und nun ihrerseits durch Krieg und Vertreibung eine Völkerwanderung auslösten? Oder war ein Klimawandel der Auslöser für das Ende einer glorreichen Epoche? In der Spätbronzezeit waren die Machtzentren der Ägäis und des Nahen Ostens auf vielfältige Weise miteinander vernetzt und der Handels- und Kulturaustausch hatte zu einer erstaunlichen zivilisatorischen Blüte geführt. Innerhalb weniger Jahrzehnte um 1200 v. Chr. herum kollabierten diese Gesellschaften jedoch und ein „dunkles Zeitalter“ begann.

Cline nennt die verschiedenen Erklärungsansätze und Theorien, die in der derzeitigen Forschung diskutiert werden. Er beginnt in seinem Buch allerdings schon 300 Jahre vor dem Kollaps der Kulturen und zeigt die Stärken und Schwächen des damals hochgradig miteinander vernetzten Wirtschaftsraumes im östlichen Mittelmeer. Im titelgebenden Jahr 1177 v. Chr. fand eine entscheidende (und durch die Ägypter schriftlich überlieferte) Schlacht gegen die sogenannten Seevölker statt, eines der wenigen Ereignisse, die sich klar zeitlich einordnen lassen und damit ein wichtiger Angelpunkt in Clines Argumentation.

Das obige Zitat von Seite 202 steht zu Beginn des letzten Kapitels. Nachdem Cline die unterschiedlichen Theorien aufgeführt, erläutert, z. T. als widerlegt dargestellt hat, nachdem er vor allem immer wieder betont hat, was wir alles nicht wissen können, weil uns jeglicher Beweis fehlt, und was wahrscheinlich für immer ein Menschheitsrätsel bleiben wird, kommt er jetzt auf den letzten Seiten wohl zu seinen eigenen Schlussfolgerungen. Ich bin gespannt.

Cline, Eric H. : 1177 v. Chr. : der erste Untergang der Zivilisation / aus dem Englischen von Cornelius Hartz. – Theiss-Verlag, 2015. – ISBN 978-3-8062-3195-3
Standort in der Stadtbibliothek Bielefeld: Geschichte Eg Clin

hilda

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