Mittendrin Mittwoch #15

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

Man nannte es, das wusste er bereits von seinen Kontakten in der Fleet Street, „Die große Suchaktion“. Es klang recht flott – wenn das keine Ergebnisse zeitigte, nun, dann wüsste er auch nicht weiter. Kenward hatte die letzten beiden Tage damit verbracht, eine weitere Suche nach Mrs Christie vorzubereiten. In den Zeitungen würden noch am selben Tag Aufrufe erscheinen, um Freiwillige zu finden, die nach Newlands Corner kommen und bei der Suche nach der vermissten Autorin mithelfen würden.

Er hatte bereits ein riesiges Heer zusammengetrommelt: Wenn seine Berechnungen stimmten, würde es dreiundfünfzig von je einem Polizisten geleitete Suchtrupps geben; …

(Agathas Alibi, S. 308)

Buchcover mit Puppe

Agathas Alibi / von Andrew Wilson

Mir war endlich mal wieder nach einem Krimi und bei diesem konnte ich nicht widerstehen: nicht von Agatha Christie, sondern mit ihr als Hauptfigur. Der Titel ist zweideutig und spielt auf eines der berühmtesten Werke der englischen Autorin an; aber auch sie selbst benötigt ein Alibi, wird sie doch in ein perfides Verbrechen verstrickt. Andrew Wilson greift ein tatsächlich mysteriöses, bis heute nicht aufgeklärtes Ereignis in der Biografie der bekanntesten englischen Krimilady auf: Im Dezember 1926 verschwand Agatha Christie, man fand ihr Auto, doch sie blieb für mehrere Tage trotz großer Suchaktionen und Zeitungsaufrufe unauffindbar. Genauso plötzlich tauchte sie wieder auf. Es gab nie eine Erklärung – aber unzählige Spekulationen. Nervenzusammenbruch? Gedächtnisverlust? Werbegag? Oder gar ein Verbrechen?

In diesem Roman wird natürlich letzteres angeboten, ist ja ein Krimi. Andrew Wilson hat hier keinen Whodunnit geschrieben: Dass Mrs Christie am Ende wieder auftauchen wird, wissen wir ja; und den eigentlichen Bösewicht lernt der Leser bereits zu Beginn kennen. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber Wilson konstruiert eine fast ausweglose Falle für seine Romanheldin. Mrs Christie wird in einer ohnehin schon sehr belastenden Situation (Tod der Mutter, Eheprobleme, Schreibblockade, Selbstzweifel und Depression) zum Opfer eines wirklich furchtbaren Menschen. Ein skrupelloser Arzt zwingt sie … . Nein, mehr nicht über den Inhalt.

Leider sind die Figuren eher zweidimensional; man könnte sie sich gut in einem dieser gut ausgestatteten BBC-Krimiserien vorstellen, gute Schauspieler könnten ihnen Leben einhauchen – die Worte des Autors vermögen das nicht so recht. Auch die Spannung bleibt zwischenzeitig etwas auf der Strecke, nimmt aber jetzt auf den letzten 100 Seiten wieder Fahrt auf. Und ich bin ganz gespannt auf das Nachwort, das mehr über das echte Verschwinden der Agatha Christie erzählen wird, hoffe ich.

Unterhaltsame Krimikost für alle, die in die gute alte Zeit eintauchen wollen – und hinter dem Vorhang der Gutbürgerlichkeit das Böse unter der Sonne wittern. 😉

Wilson, Andrew : Agathas Alibi / aus dem Englischen von Michael Mundhenk. – München : Pendo, 2017. – 379 S.
Originaltitel: A Talent for Murder
Standort in der Stadtbibliothek Bielefeld: Krimi Wils

hilda

 

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