Mittendrin Mittwoch #28

Er sieht, wie Willem erstarrt. „Nein, Jude“, sagt er. „Harold war gar nicht da. Du hast im Fieber halluziniert; es ist überhaupt nichts passiert.“
Er ist sowohl erleichtert, das zu hören, als auch erschrocken. Erleichtert zu hören, dass es nicht wahr gewesen ist; erschrocken, weil es sich so real, so echt angefühlt hat. Erschrocken darüber, was es über ihn, über seine Denkweise und Ängste aussagt, dass er selbst Harold so etwas zutraut. Wie grausam kann sein eigener Verstand sein, dass er ihn dazu zu bringen versucht, sich gegen jemanden zu wenden, zu dem er mühsam Vertrauen aufgebaut hat, jemanden, der immer nur liebenswürdig zu ihm gewesen ist?

„Ein Wenig Leben“ von Hanya Yanagihara, Seite 782

Ich bin schon nicht mehr mittendrin, sondern recht weit am Ende. Von den knapp 1000 Seiten bin ich jetzt auf Seite 782.

Und was ich festgestellt habe bisher, ist vor allem eines: das hier ist kein Buch für den Zug. Es gibt hier so viele Szenen bei denen man am liebsten im Sitz versinken würde, sich die Hände vor die Augen halten möchte, weil einfach viele schwer zu ertragende Sachen passieren oder erzählt werden.

Aber nun erst einmal zum Inhalt. Es geht in dem Buch um die vier College Freunde Jude, JB, Malcom und Willem, die später alle in New York wohnen. So schreibt es jedenfalls der Klappentext, was wie ich finde etwas irreleitend ist. Hauptsächlich geht es nämlich um Jude, der eine grauenvolle Kindheit hinter sich hat. Was genau da passiert ist, erfährt der Leser erst nach und nach. Alles auf einmal wäre auch kaum zu ertragen gewesen. Daneben geht es dann aber auch immer wieder um die anderen drei. Die Geschichte umspannt dabei viele Jahrzehnte der Leben unserer Charaktere. Gar nicht mal so wenig Leben.

Wenn ich ehrlich bin fürchte ich mich nun etwas vor dem Ende und warte auf das nächste Schreckensereignis…

Ein Gedanke zu “Mittendrin Mittwoch #28

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