Mittendrin Mittwoch #38

Er hatte eine entsetzliche Angst vor Schmerzen, er dachte nur an das: vielleicht weil er jung war. Ich dachte nicht viel darüber nach, und es war nicht die Angst vor den Schmerzen, die mich schwitzen ließ. (Seite 29)

Die Mauer : französische Erzählungen aus der klassischen Moderne ; Französisch/Deutsch. – ISBN 3-9501612-6-0

 

 

Die Mauer : französische Erzählungen aus der klassischen Moderne ; Französisch und Deutsch / [Sartre – Camus – Aymé – Aragon – Yourcenar – Ionesco – Prassinos.] Mit sieben Zeichn. von Irene Neumann. [Hrsg. von Friedrich Stockmann]. – Bad Vöslau : Stockmann, 2004. – 269 S. – (Die doppelte Bibliothek ; Bd. 7)
Standort:  Französisch Maue

 

Sartre, Jean-Paul : Die Mauer. – Hamburg : Rowohlt, 1962.
Standort: Magazin 664-2875

Jean-Paul Sartres Erzählung „Le mur“, so der Originaltitel, wurde zuerst 1937 in der Literaturzeitschrift Nouvelle Revue Française veröffentlicht, 1939 war sie die titelgebende Erzählung in einem Novellenband mit insgesamt fünf Erzählungen . „Die Mauer“ (in manchen Übersetzungen auch „Die Wand“) spielt in der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs, drei Republikaner erhalten ihr Todesurteil und warten auf ihre Erschießung. Sartre schildert die Todesangst in allen Facetten: der Ich-Erzähler, der abgeklärt erscheint und sich selbst fast wie von außen betrachtet analysiert, der Kämpfer, der sich nicht rechtfertigen will, keine Gefühle zeigen will und der junge, unschuldige Mann, der sein Schicksal gar nicht fassen kann und von der Angst geschüttelt wird. Dazu kommen die kaltschnäuzigen Wächter und ein Arzt, der die Todeskandidaten studiert.

Noch vor seinen großen philosophischen Werken, mit denen Sartre zum Vordenker und Hauptvertreter des Existenzialismus wurde, befasste er sich literarisch mit Menschen in Grenzsituationen, Menschen, die sich ihrer Existenz nicht stellen wollen, aber zu einer Entscheidung gedrängt werden.

Auf die Erzählung „Die Mauer“ von Jean-Paul Sartre bin ich nur wegen des Titels gestoßen. Ich suchte gestern Bücher zum Thema Mauer, vor allem Berliner Mauer, aber auch Mauern anderer Art: Chinesische Mauer, die Mauer im Garten, … – Hauptsache das Wort „Mauer“ taucht irgendwie im Titel auf; Bücher jeder Art, egal ob Sachbuch, Roman, Comic. Was immer mir dann gefiel, sollte kurz über unseren Twitter-Account vorgestellt werden. (Wenn Ihr dort unter dem Hashtag #LesezeichenderWoche stöbert, könnt Ihr das Ergebnis sehen). Aber ich schweife ab.

An Sartre hatte ich bei dem Thema offen gesagt nicht gedacht, aber ein zweisprachiges Buch mit französischen Erzählungen aus der klassischen Moderne ist nach dieser Geschichte benannt: Die Mauer. Die Titelgeschichte hat nur knapp 30 Seiten, trotzdem war ich gestern zu müde und bin mittendrin hängengeblieben. Eigentlich sollte man Erzählungen in eins durchlesen, um sie so als Ganzes auf sich wirken lassen zu können; aber für diese Blog-Rubrik passt die Unterbrechung ja.

Ich bin froh, auf meiner Suche eigentlich nach etwas ganz anderem auf diese meisterhafte Erzählung gestoßen zu sein. Aber so ist das schon mal in einer Bibliothek: Man sucht und stöbert – und findet das Unerwartete.

hilda

Elizzy von read books and fall in love hat sich die Blogaktion ausgedacht. Der „Mittendrin Mittwoch“ besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

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