Mittendrin Mittwoch #57

Eine Traube junger Mädchen in knappen Bikinis brach bei Gregors Anblick in klirrendes Gelächter aus, aber Marlene schritt stoisch weiter, da war sie offenbar ganz anderes gewohnt. Hinter sich hörte Judith das sorglose Schlurfen von Gregors viel zu großen grünen Badelatschen, die ihm, genau wie die schreckliche Mütze, aus unbegreiflichen Gründen extrem gut gefielen. Ihr Neffe lebte in seliger Unkenntnis darüber, was der Anblick einer Schafsfellmütze auf dem Kopf eines pummeligen Vierzehnjährigen in Badehose in einem Hallenbad Ende Juni bei seinen Mitmenschen auslösen konnte.
„Ihr seid auch schön“, rief Gregor den Mädchen zu, die daraufhin in noch hysterischeres Gelächter ausbrachen, sich wie mit Bauchschmerzen krümmten und aneinander festhielten, damit sie nicht vor lauter Gackern ausrutschten und in den Whirlpool fielen, wo ein älteres Ehepaar vor sich hin brodelte und Gregors Mütze sowie das pubertäre Gekreische mit säuerlicher Miene zur Kenntnis nahmen.
„Die freuen sich aber, was?“, meinte Gregor. Er winkte den Mädchen zu.

Das Leben ist manchmal woanders von Ulrike Herwig

Gregor ist 14, Gregor trägt sehr bunte Kleidung und immer eine Pelzmütze.
Gregor ist anders. Gregor ist Autist.
Mit dieser Tatsache werden Judith und Achim konfrontiert. Ihr wohlgeordnetes Leben wird durch die Anwesenheit von Gregor, der nach einem Unfall seiner Mutter eine Zeit lang bei ihnen leben wird, vollkommen durcheinandergebracht. Auch das Leben aller Mieter in dem Mehrfamilienhaus, sei es der einsame Witwer, die Mehrfachmutter, der weibliche ehemalige Musikstar oder der gutmütige Student, ändert sich durch Gregors Anwesenheit. Er begegnet allen Menschen in einer sehr unkonventionellen und direkten Art. Seine Offenheit und seine einfache Sichtweise eröffnen allen Beteiligten eine andere Perspektive auf viele Dinge. So entstehen Kontakte zwischen Menschen und problematische Situationen lösen sich auf.

Der Roman gefällt mir sehr. Der Schreibstil ist leicht verständlich und birgt oft hintergründigen Humor. Für mich ist es ein außergewöhnlicher Roman über das Anders- und Miteinandersein, den man wunderbar auf der Terrasse oder dem Balkon genießen kann. Mein Fazit bisher: Uns allen würde ab und zu ein Gregor guttun. Ich habe noch ca. 50 Seiten zu lesen und habe eine kleine Ahnung, wie sich alles fügt, bin aber trotzdem sehr gespannt auf das Ende.

Hier findet ihr die Katalogdaten zum Buch.

CKK

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s