SCHREIBWERKSTATT – Projektbericht

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Am Anfang stand die Skepsis: Würden wir wirklich mindestens sieben jugendliche Teilnehmer für einen Schreib-Workshop finden, der insgesamt elf Termine und regelmäßiges Lernen und Arbeiten zusätzlich zur Schule erfordert? Wir haben über die lokale Presse, unsere Sozialen Medien (Facebook und Twitter) und unsere Website geworben, Plakate in unserer Jugendabteilung „Teen-Bib“ ausgehängt, Handzettel ausgelegt und verteilt, einzelne LehrerInnen als Verteiler angesprochen. Aber bis wenige Tage vor Anmeldeschluss gab es erst eine einzige Interessentin. Wie sollten wir der begeisterten jungen Dame sagen, dass der Kurs nun doch nicht stattfinden könne? Auch für die Autorin tat es mir leid: Die Bielefelder Schriftstellerin Susan Kreller hatte den Honorarvertrag für die Workshop-Leitung angenommen und bereits die ersten Stunden geplant und vorbereitet. Sollte das alles umsonst sein?

Doch dann ging es auf einmal ganz schnell, wir mussten uns sogar Gedanken machen, ob wir eine Obergrenze benennen müssten. 14 TeilnehmerInnen zwischen 10 und 14 Jahren waren es dann, die sich regelmäßig mittwochs vom 26. April bis zum 4. Juli zwischen 17 und 18:30 Uhr in der Bibliothek trafen und unter der Anleitung von Frau Kreller an ihren Texten arbeiteten.

Viele Workshoptage waren sonnig und heiß, außerdem war Fußball-Weltmeisterschaft. Trotzdem kamen alle Jugendlichen regelmäßig, meldeten sich sogar bedauernd ab, wenn sie mal krank oder durch andere Termine verhindert waren. Ich gebe zu, so viel Disziplin hatte ich nicht erwartet.

Raum SO2-klein, eigentlich eingerichtet für das regelmäßige Gaming in der Bib

Der Raum SO2 klein im 2. Obergeschoss der Stadtbibliothek ist für unsere regelmäßigen Gaming-Veranstaltungen eingerichtet, für die Schreibwerkstatt mussten also jedes Mal erst Tische und Stühle aufgebaut werden. Dafür bietet der Raum aber ausreichend Platz und flexible Sitzmöglichkeiten, so dass sich die Kinder auch einzeln oder in kleineren Gruppen zurückziehen konnten, wenn sie entsprechende Aufgaben bekamen. Am letzten Workshoptermin vor der Abschlussveranstaltung konnten die Jugendlichen auf einer „Probebühne“ in einem größeren Veranstaltungsraum (SO2-Saal) üben und auch schon mal ein Mikrophon ausprobieren.

Nicht alle Kinder wollten bei der Abschlussveranstaltung selbst sprechen, anfangs jedenfalls nicht. Frau Kreller als Moderatorin hatte sich den Kindern als Vorleserin angeboten, wenn sie es denn wünschten. Im Laufe der 10 Treffen war die Gruppe zu einer kleinen Gemeinschaft zusammengewachsen. So wollten sie auch gemeinsam im Halbkreis auf der Bühne sitzen – unsere Haustechniker zweifelten sehr, dass die Bühne für so viele nebeneinander stehende Stühle überhaupt groß genug ist. Bei der „Generalprobe“ wurde das alles ausgelotet, und da die Literaturbühne im Erdgeschoss der Stadtbibliothek sogar etwas breiter als die „Probebühne“ ist, waren sich die Kinder zusammen mit Frau Kreller nicht nur über Sitzordnung und Textreihenfolge schnell einig. Auch das Selbstbewusstsein der einzelnen Jungautoren war gewachsen: Jetzt wollten alle ihre Texte selbst vortragen. Und diejenigen, die an dem Abschlussabend leider nicht teilnehmen konnten, hatten in der Gruppe Freunde gefunden, denen sie ihren Text anvertrauen konnten: Er wurde vorgelesen und auch die nichtanwesenden jungen Schriftstellerinnen wurden an diesem Abend gewürdigt.

Teilnehmer der Schreibwerkstatt auf der Literaturbühne Vorstellungsrunde der Teilnehmer bei der Abschlussveranstaltung

Zur Abschlussveranstaltung am 6. Juli kamen Eltern, Geschwister und Freunde der TeilnehmerInnen. Die Familien hatten ein Buffet aufgebaut mit Fingerfood, Kuchen und Süßigkeiten; die Bibliothek stellte die Getränke. Leider habe ich versäumt, ein Foto von all den Köstlichkeiten zu machen. Einige Leckereien passten zu den Texten; so hatte z. B. Frau Kreller extra Muffins gebacken, weil die in einer Geschichte erwähnt wurden.

Die Jugendlichen waren verständlicherweise nervös, das Lampenfieber ließ sie anfangs viel zu schnell vortragen, man konnte kaum folgen. Doch das legte sich bald, nicht zuletzt durch die beruhigende, souveräne Moderation von Susan Kreller. Dabei erzählte sie mir noch kurz vor Beginn der Veranstaltung, dass sie improvisieren müsse, weil die Kinder zusätzlich neue Texte geschrieben hätten und weil drei Teilnehmerinnen durch ein Missverständnis fehlten.

Das Vorlesen war in mehrere Themenblöcke gegliedert und begann mit dem „Anfangen“ – nicht Der erste Text wird vorgelesennur beim Schreiben oft das Schwierigste. Danach wurden Texte mit Innerem Monolog präsentiert (Anmoderation: „Vergessen Sie James Joyce – den Meister des inneren Monologs – , denn jetzt kommen: …“). Ein weiterer Themenblock beruhte auf einer Hausaufgabe mit der Aufgabenstellung: Ein Mann tut einer Frau gegenüber so, als sei er Vegetarier, um ihr zu gefallen; doch sobald sie es nicht sieht, isst er heimlich/hastig/gierig Fleisch – eine Jeckyll-and-Hyde-Variante. Und natürlich wurde auch Fußball thematisiert: Die entscheidende Niederlage der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM war während eines Workshop-Nachmittags bekannt geworden; daraus haben die Kinder spontan Gedichte zum Thema Fußball und Enttäuschung gemacht.

Ein Dankestext wird vorgelesen, eine Blume überreicht

Wir Zuhörer waren beeindruckt, die Eltern sichtlich stolz; es gab viel Applaus.

Berührend war auch der Dank der Jugendlichen an ihre Workshopleiterin: Sie hatten einen Dankestext verfasst, den eine Teilnehmerin vortrug und als Brief an Susan Kreller überreichte, dazu eine kleine Blume im Töpfchen als Erinnerung an 14 Schülerinnen und Schüler, die mit den Aufgaben, Gesprächen und Anleitungen künstlerisch gewachsen waren – und sicher noch weiter wachsen werden.
Susan Kreller war kurz sprachlos.

Ich denke, wir können uns sicher sein, dass wir von diesen Jungautoren aus Bielefeld und Umgebung in Zukunft noch mehr hören werden: eine neue Generation Bielefelder Erzähler, Dichter und Schriftsteller wächst da heran.

 

Teilnahmebestätigung + Schreibkladden

Aus den zur Verfügung gestellten Schreibwerkstatt-Texten werden wir eine Mappe gestalten, die im Regal „Bielefelder Autoren“ in der Stadtbibliothek am Neumarkt präsentiert werden soll. Alle TeilnehmerInnen können sich außerdem ab Mitte August ihre Teilnahmebestätigung abholen.

Susan Kreller hat aber noch mehr geschaffen als „nur“ die Vermittlung des handwerklichen Rüstzeugs. Aus 14 sehr unterschiedlichen Kindern, die sich vorher nicht kannten, war eine kleine Gemeinschaft geworden – vielleicht nur auf Zeit, doch es wurden auch Verabredungen über den Workshop hinaus getroffen, Adressdaten ausgetauscht.

An die Bibliothek ging der ausdrückliche Wunsch nach einer Wiederholung oder einem ähnlichen Workshopangebot. Vielleicht im nächsten Jahr?

HilDa

Finde deine Schreibwerkstatt auf www.SchreibLand-NRW.de

Plakat der SchreiblandNRW-Aktion

 

 

 

Diese Werkstatt wurde gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen von SchreibLand NRW – einer Initiative des Verbands der Bibliotheken des Landes NRW und des Literaturbüros NRW.

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