Literaturtage: Hans Pleschinski „Wiesenstein“

„Der Opel Blitz kroch über die Mordgrundbrücke.“

So beginnt der biographische Roman um einen der erfolgreichsten deutschsprachigen Großschriftsteller, Gerhart Hauptmann, in seinen letzten beiden Lebensjahren.

Roman „Wiesenstein“ mit dem Programmheft der Literaturtage 2018

„Wiesenstein“ von Hans Pleschinski,
Literaturtage Bielefeld, 9.10.2018

März 1945, Dresden: Während Millionen Reichsdeutsche in Massen vor der roten Armee nach Westen fliehen, will allein der 82jährige Nobelpreisträger ausgerechnet nach Osten. Zurück in seine mondäne Villa „Wiesenstein“ ins Schlesische Gebirge, wo er Freunde und Prominente, Künstler und Politiker bei opulenten Soireen im Frack empfangen hat. Wieder so leben, als könne alles so weitergehen: bedient und umhegt von seiner Frau Margarete, dem persönlichen Masseur, Zofe, Buttler und Gärtner. Das Ungeheuerliche der Zeit wird, inspiriert durch bisher unveröffentlichte Tagebuchaufzeichnungen des Ehepaares, prägnant herausgearbeitet: das plötzliche Verschwinden von Nazis und Sicherheitskräften, das Leben im Machtvakuum, die Grausamkeiten, die ersten Begegnungen mit russischen Truppenteilen und polnischen Milizen und Neusiedlern. Wie werden die neuen Herrschenden den Dichter der „Weber“, den Hauptakteur des literarischen Naturalismus, behandeln, der sich politisch derart ambivalent in der NS-Zeit positionierte? Erhält er einen der begehrten Schutzbriefe oder wird er deportiert? In der lähmenden Wartezeit überarbeitet Hauptmann mit seiner Sekretärin Anne Pollak detailversessen seine Werke und bietet damit immer wieder Einblicke in die literarische Arbeit des Schriftstellers, der von seinem Rivalen Thomas Mann als „Volkskönig“ etikettiert und in dessen „Zauberberg“ verulkt wurde.

 „… einem Holländer, einem Säufer, … einer intellektuellen Ruine, … zieht Thomas Mann meine Kleider an.“
(Beschwerde über die Zeichnung der „Zauberberg“-Figur Mijnheer Peeperkorn im Brief Gerhart Hauptmanns vom 4. Januar 1925 an S. Fischer.)

Hans Pleschinski lebt als freier Autor in München. In seinem letzten Roman „Königsallee“ zeigte er auf amüsante Weise, wie Thomas Mann 1954, erstmals nach seinem US-Exil nach Deutschland zurückgekehrt, in einem Düsseldorfer Luxushotel ausgerechnet seine unterdrückte homoerotische Liebe wiedertreffen könnte.

Dienstag 9. Oktober 2018
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.00 Uhr
Moderation: Klaus-Georg Loest
Musikalische Begleitung: Thomas Schweitzer, Saxophon
Eintrittspreis 8,– €, ermäßigt 6,– €, Dauerkarte: 50,– €.

Die von Hans Pleschinski geschriebenen oder herausgegebenen Werke in der Stadtbibliothek findet Ihr in unserem Katalog hier.

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