Eine Lesung mit Lizzie Doron

Lizzie Doron / © Heike Bogenberger

Am Donnerstag, den 06.06.2019 fand eine Lesung mit der israelischen Autorin Lizzie Doron bei uns in der Bibliothek statt, auf die ich schon im Vorfeld sehr gespannt war.
Vor ein paar Jahren hat eine Mitschülerin aus der Berufsschule mal im Unterricht über das Buch Who the fuck is Kafka von der Autorin berichtet, woraufhin auch unsere Lehrerin und andere Mitschüler das Buch begeistert gelesen haben. Ich habe mich damals auch für das Buch interessiert, es allerdings ungelesene wieder abgegeben (weil ich eventuell manchmal mehr Bücher zeitgleich ausleihe, als ich tatsächlich lesen kann … 🙂 ) und habe es dann auch etwas aus dem Blick verloren. Daher habe ich aber direkt aufgemerkt, als ich erfuhr, dass die Autorin nach Bielefeld kommen würde.

Eingeladen hat die Autorin die Bielefelder Nahost-Initiative e.V. (BNI) und die Stiftung „Begegnung. Deutsch-Palästinensisches Jugendwerk“. Wir waren Kooperationspartner und haben unsere Literaturbühne zur Verfügung gestellt und die technische Betreuung während des Abends übernommen.
Die Vorbereitungen am Abend liefen erstmal sehr gut. Beim Aufbau der Technik stellte ich erleichtert fest, dass alles funktionierte (da ich noch nicht so viel Routine mit der ganzen Technik habe, bin ich immer etwas nervös, dass eine Katastrophe eintritt, á la alle Mikrofone fallen aus, der Bühnenhintergrund will sich nicht anzeigen lassen, der Strom fällt gleich ganz aus oder die Bibliothek stürzt ein und zerstört dabei die ganze Tonanlage. Okay, ganz so viele verrückte Sorgen mache ich mir vielleicht doch nicht, aber ich war auf jeden Fall froh, dass mich die Technik durchweg nicht im Stich gelassen hat.

Etwa 15 Minuten vor Beginn der Veranstaltung wurde es dann aber etwas hektisch. Es kamen doch mehr als die erwarteten 100 Besucher, sodass wir schnell noch Stühle nachstellen mussten. Mit gut 150 Besuchern war die Veranstaltung dann auch richtig gut besucht.

Lizzie Doron erzählte auf Englisch Anekdoten zu Sweet Occupation, die nicht im Buch selbst zu finden sind. Wie sie überhaupt auf die Idee kam das Buch zu schreiben, welche Menschen sie dazu inspirierten und was sie mit diesen erlebte. Aber auch von der Schwierigkeit, ihre jüngsten Bücher, die sich nicht mehr, wie ihre vorherigen Werke mit dem Holocaust beschäftigen, sondern von den Konflikten zwischen Israel und Palästina berichten, zu veröffentlichen. Tatsächlich sind ihre beiden letzten Bücher zuerst in deutscher Sprache erschienen, weil ihr Verleger in Israel aber auch die Verleger in anderen Ländern wie Schweden oder England meinen, ein Buch mit solch einem Thema lasse sich nicht verkaufen. Sie solle doch lieber wieder über den Holocaust schreiben.

Zwischen Lizzie Dorons Erzählungen, mit denen sie das Publikum trotz der ernsten Themen immer wieder zum Lachen brachte und den Übersetzungen ins Deutsche durch Uli Twelker, las die Dortmunder Schauspielerin Jutta Seifert ausgewählte Passagen aus Sweet Occupation.

Der Abend hat mich auf jeden Fall dazu gebracht erneut eines von Lizzie Dorons Büchern auszuleihen – und dieses Mal habe ich es auch tatsächlich gelesen. 🙂

In Sweet Occupation berichtet Lizzie Doron von fünf Männern, die alle Teil der Friedenskämpfer, der Combatants for Peace-Bewegung sind. Drei von ihnen sind Verurteilte Terroristen aus den besetzten Gebieten, zwei sind israelische Kriegsdienstverweigerer. Lizzie Doron berichtet von ihrer ersten Begegnung mit Mohammed, einem der fünf, der über Facebook von ihrem Buch Who the Fuck is Kafka erfuhr, in dem es um Lizzie Dorons Begegnung mit einem palästinensischen Journalisten geht, und das auch ihr erstes Buch war, mit dem sie sich dem Thema Nahostkonflikt zu wandte.
Mohammed forderte sie auf, nun auch ein Buch über die Friedenskämpfer zu schreiben und machte sie im Verlauf eines Jahres mit den anderen vier Männern bekannt, die alle ihre Geschichten mit ihr teilten.
Dabei fällt sie auch selbst immer wieder in Kindheits- und Jugenderinnerungen zurück, an die Freunde, die in den Kriegen gefallen sind und an die Freunde zu denen sie keinen Kontakt mehr hat, da die Toten zwischen ihnen stehen. Sie berichtet von ihren zwiespältigen Gedanken gegenüber den drei palästinensischen Männern. Ihr Gefühl, dass sie nicht mit ihnen mitfühlen sollte, da sie doch Terroristen waren und ihre Leute umbrachten steht der Sympathie gegenüber, die sie ihnen gegenüber trotzdem empfindet. Im Verlauf ihrer Gespräche durchleuchtet die Autorin ihre eigenen Vorbehalte und Ängste und die Männer, vor denen sie anfangs Angst hatte nennt sie schließlich ihre Freunde.

Ich fand es beeindruckend über diese Männer zu lesen, die der Gewalt abgeschworen haben und stattdessen mit Worten für Frieden kämpfen und wie die Autorin sich durch diese Geschichten mit ihren eigenen Vorurteilen auseinander setzte.

Ich mochte auch die Art und Weise wie Lizzie Doron schreibt und möchte mich nun auch noch mit ihren anderen Büchern beschäftigen.

Hier könnt ihr Who the Fuck is Kafka und Sweet Occupation bei uns in der Bibliothek finden.

lga

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