Ein Ferienbesuch in der Stadtteilbibliothek Sennestadt

Mitten in den Sommerferien in eine Stadtteilbibliothek gehen? Aber die sind doch alle geschlossen! Montagnachmittags sowieso! Und es ist sogar schon nach 18:00 Uhr. Tja, Pech, aber da stehst Du wohl vor verschlossener Tür.
Kein Problem in Sennestadt:

Die Stadtteilbibliothek hat erweiterte Öffnungszeiten nach dem sogenannten Open-Library-Konzept. Das bedeutet, erwachsene Nutzer mit gültigem Bibliotheksausweis können die Räume der Stadtteilbibliothek auch dann betreten, wenn gar kein Personal da ist. In Sennestadt ist das an allen Wochentagen (außer an Feiertagen) von 10:00 bis 20:00 Uhr möglich, eben auch dann, wenn das bibliothekarische Personal Pause oder schon Feierabend oder gar Ferien hat.

Paneel zum Öffnen der Tür mit der Bibliothekskarte

Ich war an diesem Ferienmontag und zu dieser ungewöhnlichen Zeit bei weitem nicht die einzige, die die Stadtteilbibliothek nutzte. Noch während ich nach meiner Bibliothekskarte kramte, kamen mir eine Frau mit Teenager zuvor. Ich habe gewartet, bis die Tür wieder zufiel und dann meine eigene Karte eingescannt (schließlich wollte ich den ganzen Vorgang ja selbst testen); man hört ein Sirren und die Tür lässt sich öffnen. Mutter und Tochter stöberten schon bei den Jugendromanen, später bei den Filmen. Zwischen den Romanregalen war noch jemand. Und in den nächsten fast zwei Stunden gab es ein Kommen und Gehen, man grüßte sich schüchtern, Paare suchten flüsternd nach dem passenden Film für den gemeinsamen Abend, andere frischten ihre Urlaubslektüre auf; einige stöberten etwas länger, andere entschieden kurz und schmerzlos und trugen stolz ihre Lesebeute zum Verbuchungsgerät.

Leseecke und Schrank, in dem sich ein Kaffeeautomat verbirgt

Allzu lange blieb allerdings niemand an diesem Tag, denn es war sehr warm und leider auch stickig in den Räumen – da merkt man dann sofort, dass in den Ferien kein Personal da ist, das täglich durchlüftet. Trotzdem suchte ich nach der Kaffeemaschine. Ich Dummerle. Natürlich muss auch die täglich gereinigt werden, wenn aber doch niemand da ist … – der Schrank ist während der Ferien deswegen leider abgeschlossen. Aber normalerweise steht tatsächlich ein Kaffeeautomat zur Verfügung. Es gibt Sitzecken, PC-Arbeitsplätze, WLAN. Letzteres hielt mich dann doch länger in den Räumlichkeiten als geplant: Gelegenheit zum ausgiebigen Twittern und Recherchieren.

Ausleihautomat

Natürlich konnte ich nicht widerstehen und habe mir auch noch etwas Ferienlektüre ausgeliehen – Selbstverbuchung, funktioniert wie in der Zentralbibliothek auch.

Ebenso der Rückgabeautomat, nur dass keine komplizierte und platzraubende Sortieranlage dahinter hängt: man bucht zurück und legt das Medium ins entsprechend gekennzeichnete Regal.

Auch wenn erst einmal kein Personal sichtbar ist, so ganz ohne geht es dann doch nicht. Kurz vor 20:00 Uhr kam der Mann vom Wachschutz. Da war ich gerade aus den Bibliotheksräumen heraus und machte nur noch von außen ein paar Fotos.

Ab und zu kommt auch eine Kollegin vorbei und sieht nach dem Rechten, räumt auf, sortiert die zurückgebrachten Medien ein, packt die Kisten für den Fahrdienst, der wiederum auch mehrmals pro Woche Bücherkisten abholt (Medien, die in Sennestadt abgegeben wurden, aber in andere Stadtteilbibliotheken gehören) und Bücherkisten bringt (Medien aus Sennestadt, die in der Zentralbibliothek abgegeben wurden sowie vorgemerkte Medien).

Letztens meinte eine Leserin, in Sennestadt gäbe es ja „diese komischen Öffnungszeiten“; sie meinte wohl die Unterscheidung zwischen Öffnungszeiten mit Fachpersonal und ohne. Das sieht vielleicht wirklich auf den ersten Blick etwas unübersichtlich aus:

Öffnungszeiten:
Montag:
10 – 20 Uhr (geöffnet)
Dienstag – Freitag:
10 – 13 Uhr (mit Personal)
13 – 15 Uhr (geöffnet)
15 – 18 Uhr (mit Personal)
18 – 20 Uhr (geöffnet)
Samstag:
10 – 13 Uhr (mit Personal)
13 – 20 Uhr (geöffnet)
Sonntag:
10 -20 Uhr (geöffnet)

Feiertags: Geschlossen

Wenn man es zusammenfasst, bleibt schlicht:
            Montag bis Sonntag 10 – 20 Uhr geöffnet (außer an Feiertagen).
Aber nur zu bestimmten Zeiten ist auch Fachpersonal vor Ort (übrigens die gleichen Zeiten wie vor der Open-Library-Ära) und nur dann hat man den vollen Service mit Hilfestellung, Auskunft und Beratung. Auch einige Medien, nämlich Bestseller-Filme und alle Games, stehen ohne Personal nicht zur Verfügung.

Die Sennestädter und so Zugereiste wie ich kommen offensichtlich gut klar mit diesem erweiterten Angebot, die Rückmeldungen sind gut bis begeistert. Aber meine Kolleginnen haben auch gehört, dass einzelne Nutzer es gruselig finden so ganz alleine in der Bibliothek. Nun, bei meinem Testbesuch war alles friedlich und freundlich, bis auf die dicke Luft konnte ich nichts gruseliges entdecken.
Naja, unser Bibliotheksgespenst spukt ja auch in der Zentralbibliothek am Neumarkt. Aber das verrate ich hier lieber nicht, sonst führen wir dort im September die erweiterten Öffnungszeiten ein und Ihr traut Euch nicht. 😉

HilDa


3 Gedanken zu “Ein Ferienbesuch in der Stadtteilbibliothek Sennestadt

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