Elisabeth Plessen: Die Unerwünschte

Literaturtage Bielefeld 2019: Wir lesen laut!

„So viel Familie, zum Ersticken.“ (Elisabeth Plessen)

„Die Unerwünschte“ ist der letzte Teil einer autofiktionalen Roman-Trilogie, die sich mit der Geschichte einer norddeutschen Adelsfamilie beschäftigt. Denn Elisabeth Plessen wurde als Elisabeth Charlotte Marguerite Gräfin von Plessen in Holstein geboren. Ihre Herkunft und die daraus resultierenden Folgen für ihr Leben sind bereits in den Romanen „Mitteilung an den Adel“ (1976) und „Das Kavaliershaus“ (2006) Thema. In allen drei Büchern reibt sich die Erzählerin an der tradierten Frauenrolle:

„Kinder, vor allem Töchter, waren Gänse, die zu stopfen waren und zu gehorchen hatten.“

Zudem kritisiert die Autorin ein Geschichtsbewusstsein, welches sich vor allem auf die eigene Herkunft und Bewahrung von Tradition und Besitz versteht, aber nicht auf die Vergangenheit bzw. Verantwortung Deutschlands vor und während des zweiten Weltkrieges. Mit dem Roman „Mitteilung an den Adel“, in dem sie sich konsequent von dem Adelsgeschlecht derer von Plessen und damit der Elterngeneration abwendet, löst sie einen Skandal aus. In “Das Kavaliershaus“ erzählt die Autorin die Pubertätsgeschichte einer höheren Tochter in den 1950er Jahren. Oberstes Ziel der Erziehung war offenbar die Zurichtung der Mädchen für eine standesgemäße Heirat. Sich dem zu widersetzen, war ein schmerzhafter Prozess.

Nach vierzig Jahren besucht Elisabeth Plessen erneut ihre Familie und beschreibt deren Geschichte anhand starker und eigensinniger Charaktere. Wieder sind es die Frauen, die im Fokus stehen. Stephanie, Charlotte, Alma – drei Generationen spiegeln über siebzig Jahre Familienvergangenheit und ihren mühsamen Kampf um Emanzipation.

Elisabeth Plessen veröffentlichte mehrere Romane, Erzähl- und Gedichtbände und ist auch als Übersetzerin bekannt. Für ihr Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

Die Katalogdaten zu ihren Werken in der Stadtbibliothek Bielefeld findet Ihr hier.
Wer lieber unser Literaturverzeichnis ausdrucken möchte: PDF Plessen.

Eine ausführliche Buchrezension findet man hier bei WDR 3: zum Hören oder Lesen, mit einigen Zitaten aus dem Roman – eine Empfehlung von Jutta Duhm-Heitzmann.
Der Deutschlandfunk sendete ein Interview mit Elisabeth Plessen, kann man hier hören und lesen.

Mittwoch, 2. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Angelika Teller
Musikalische Begleitung: Anna Suzuki, Gesang und Flügel
Eintrittspreis: 8,– €, ermäßigt 6,– €, Dauerkarte 50,– €

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