Lutz Seiler: Stern 111

Literaturtage Bielefeld 2020
Eine Art von Wahrheit

„Ich bin achtundzwanzig, und es ist so gut wie nichts geschehen.“ (Rainer Maria Rilke)

Lutz Seiler wurde zunächst als Lyriker bekannt. Seine literarischen Anfänge fallen in die Zeit kurz nach dem Mauerfall. Jene Zeit, in der sein zweiter Roman „Stern 111“ spielt. Dafür erhielt er den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse. Sein Vorgängerroman „Kruso“ aus dem Jahr 2014 wurde mit dem Deutschen Buchpreis prämiert, auf Theaterbühnen gespielt und verfilmt. Die beiden Geschichten weisen Ähnlichkeiten auf und sind eng miteinander verbunden.

Roman "Stern 111" mit Programmheft Literaturtage 2020Stern 111 ist der Name eines im VEB Stern-Radio-Berlin gebauten Kofferradios. Und dieses Medium war für viele Jugendliche ein Tor zur Welt. Man empfing, je nach Wohnort in der DDR, denn nicht überall gab es „Westempfang“, Radio Luxemburg, AFN, Rias.

Carl Bischoff heißt der junge Mann, der am 10. November 1989 ein Telegramm seiner Eltern erhält, er möge dringend nach Hause, nach Thüringen kommen. Sie überraschen ihn mit der Mitteilung, dass sie in den Westen gehen wollen, bevor sich die Grenzen vielleicht wieder schließen. Das Mantra der Eltern: „Ab Gießen getrennt!“ Carl sollte in der elterlichen Wohnung die Stellung halten. Aber nach beklemmenden Wochen dort, flieht er. Er fährt mit dem Shiguli seines Vaters, einem sowjetischen Fiat-Nachbau, nach Berlin, dem Epizentrum der Veränderungen. Dieses Auto entwickelt sich zu einer wichtigen Nebenfigur des Romans.

Berlin-Mitte, Prenzlauer Berg, Kollwitz-Platz, 1989 –  das sind die Koordinaten. Carl, der jetzt Shigulimann genannt wird, gerät in die Ostberliner Hausbesetzer-Szene und ist Teil der Untergrund-Kneipe „Assel“, fühlt sich als Dichter und trifft seine Jugendliebe Effi wieder. Lutz Seiler entwirft ein schillerndes Panorama dieser ersten anarchischen Zeit nach dem Mauerfall.

Und en passant wird uns die Geschichte seiner Eltern erzählt. Über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime folgen sie einem lang gehegten Traum, von dem auch Carl nichts weiß.

„Der Roman fällt heraus aus allem, was bisher zu lesen war, weil Lutz Seiler nostalgiefrei etwas erzählt, was so bislang weder als Literatur noch als offizielle Geschichtsschreibung, sondern nur als mündliche Erinnerung existiert hat.“ (Christoph Schröder vom Deutschlandradio Kultur über Seilers Roman)

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Lutz Seiler im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.
Das Literaturverzeichnis zur Lesung gibt es hier als PDF: LutzSeiler

Der Roman wurde oft im Feuilleton besprochen, einige Rezensionen haben wir verlinkt:

Jana Hensel führte für die Reihe „Suhrkamp DISKURS“ ein Gespräch mit Lutz Seiler über seinen Roman: Interview (ca. 25 Min.)

Auf der Internetseite von Lutz Seiler findet Ihr weitere Informationen über Leben und Werk, aktuelle Termine, Texte aus der Werkstatt u.v.m.

Mittwoch, 7. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Angelika Teller
Musikalische Begleitung: Valentin Katter, Gesang und Trompete; Leon Brames, Schlagzeug; Milan Böse, Bass
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit dem Verein der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, e.V.

Die Lesung ist bereits ausverkauft.
Wenn Ihr den Livestream buchen wollt: Hier entlang, bitte – LIVESTREAM

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