Kinderbuchtipp: „Despereaux“ von Kate diCamillo

Wir hatten vor Jahren wohl mal ein Projekt für Schulkinder rund um das Kinderbuch „Despereaux“ von Kate diCamillo geplant, aber daraus wurde dann nichts. Ich hatte das Buch nie komplett gelesen, aber trotzdem für mich gekauft. Vielleicht wollte ich es verschenken. Jedenfalls lag es in einem Umzugskarton und fiel mir jetzt eher zufällig wieder in die Hände. Zwischen zwei nicht gerade leichten Romanen sollte das Kinderbuch eine kleine auflockernde Lektüre sein. Aber leichte Kost ist „Despereaux“ nun auch wieder nicht.

Die ungewöhnliche, kleine Maus mit den großen Ohren, die sich mit ihren besonderen Vorlieben von allen anderen Mäusen unterscheidet und sich dann auch noch ausgerechnet in eine Prinzessin verliebt, muss durchaus gruselige Abenteuer bestehen. Auch den anderen Figuren wird nichts erspart – nicht gerade eine Geschichte für zarte Gemüter. Kate diCamillo erzählt ganz lakonisch von grausigen Verliesen, von Tod und Misshandlung. Aber sie schreibt auch in poetischen und märchenhaften Bildern und Worten von Mut, Fantasie und Mitgefühl, von der Kraft des Verzeihens und der Liebe.
Ja, vor allem von der Liebe.

Eine Aventiure, wahrhaftig eine Heldenreise für eine kleine tapfere Maus, aber auch für eine verständnisvolle Prinzessin mit dem seltsamen Namen Erbse, für ein armes und leider auch sehr einfältiges Mädchen, das auch einmal Prinzessin werden will, und für einen König, der in seiner Trauer jedes Maß verloren hat, ja, sogar für eine fiese Ratte, die sich nach dem Licht sehnt.

Despereaux und Prinzessin Erbse entsprechen nicht den üblichen Klischees der Märchenhelden und erfüllen doch gerade deswegen alle Voraussetzungen, um am Ende zu bestehen. Allerdings gehört auch noch märchenhaftes Glück dazu.

Das ist kein Kinderbuch für Leseanfänger, keine simple Märchengeschichte. Eher eine Fabel. Und die passt sogar erstaunlich gut in unsere jetzige Zeit: Diese falschen Versprechungen und Verführungen, diese scheinbar einfachen Antworten, mit denen intrigante Ratten die Leichtgläubigen und Hilflosen in die Irre führen und quälen, erinnerten mich doch sehr an so ein paar zeitgeschichtliche Parallelen.

Nun, gute Märchen bieten für alle Zeiten Denkanstöße und Interpretationsspielraum. Despereaux würde ich in genau diese Kategorie packen. Das preisgekrönte Kinderbuch von Kate DiCamillo ist darüber hinaus auch sprachlich bezaubernd schön, allerdings eben auch anspruchsvoll.

Vielleicht wäre das wirklich ein schönes Schülerprojekt, Teil eines literarischen Märchen- und Fabelprojekts für eine Sekundarstufe I zum Beispiel.

Jedenfalls ist dieser verträumte, lesekundige, hoffnungslos verliebte Despereaux, der seine Furcht überwindet, um das Unmögliche zu erlangen, ein wahrer Held, ein wunderbarer Klassiker.

Es gibt übrigens auch eine Verfilmung, den Zeichentrickfilm von 2008 haben wir aber nicht mehr in unserem Bibliotheksbestand. Das Buch aber schon: hier.

HilDa


Buchtipps gegen das Sommerloch

Wir haben die Kolleginnen und Kollegen nach ihren Lesetipps für diesen Sommer gefragt und werden diese so nach und nach hier veröffentlichen.

Viel Freude beim Lesen!

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