Marente de Moor: Phon

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

Weil man einen, der sich austauscht,
und sei es mit sich selbst, nicht einsam nennen kann.

Seite 296

Manchmal klingt es wie ein urzeitliches Tier. Es ist ein bisschen tektonisch, sagen Nadja und Lev zueinander zur Beruhigung. Aber diese dunklen Geräusche gab es nicht immer in der Luft über ihrem Haus in den russischen Wäldern. Das Biologenpaar verließ die Universität im alten Leningrad, baute ein Refugium für verwaiste Bärenjunge auf und bot jungen Freiwilligen aus den Euroländern, vermittelt durch die unnahbare Holländerin Esther, die Chance zur Begegnung mit ursprünglicher Natur. Aber diese kommen nicht mehr, die Nachbarn sind weggezogen, die einzige Fabrik ist längst verfallen. Einsamkeit macht sich breit. Und während Lev seinem Gedächtnis nicht mehr trauen kann, kämpft Nadja gegen ihre Erinnerungen. Was passierte in dem Jahr, von dem sie nichts mehr wissen will? Und wohin ist plötzlich auch noch Lev verschwunden?

Phon zeigt, wie Menschen allein, weit entfernt von der zerrütteten Gesellschaft, aus der sie geflohen sind, mit der Natur und ihren Erinnerungen in Beziehung stehen. Wenn dann aber die Gewissheiten verloren gehen, ist es die Fantasie in diversen Formen, die sie über Wasser hält: da ist die Hexe mit dem Raben, dort der Traum vom Lokführer als Liebhaber.

Für „Phon“ erhielt Marente de Moor den Bordewijk-Prijs für das beste niederländisch-sprachige Prosawerk des Jahres: „Een met meesterhand geschreven ideeënroman … van de eigenzinnigste auteurs van het Nederlands taalgebied.“

Marente de Moor, 1972 in Den Haag geboren, lebte in den 90er Jahren in St. Petersburg, wo sie als Korrespondentin für niederländische und russische Medien arbeitete. Zurück in den Niederlanden publizierte sie 2007 ihren ersten Roman: „Amsterdam und zurück“. Vor zwei Jahren erschien auf Deutsch: „Aus dem Licht“, in dem sie das Zeitalter der Erfindung des Films porträtiert.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Marente de Moor im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier:

Wir haben auch eine Literaturliste als PDF:

Eine Rezension gab es in der SZ:

  • Meike Fessmann schreibt, „Phon“ sei „keine Dystopie, sondern ein starker Gegenwartsroman“, hier.

Dienstag, 26. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Antje Doßmann
Musikalische Begleitung: Nils Rabente, Flügel
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit dem Verein der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, e.V.

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