Reisen mit dem Zug

Ich fahre gerne mit dem Zug, auch wenn es hin und wieder mal zu Verspätungen oder Ausfällen kommt. Das Schöne am Zugfahren ist nicht nur das Ziel. Viele Strecken führen an sehenswerten Land- und Ortschaften vorbei. Wenn nicht, dann kann man im Zug wunderbar lesen.

Neulich ist mir das Buch „Reisen auf Schienen“ von Daniela Schetar (Cdp Scheta) in die Hände gefallen. Auf je zwei Seiten werden sehenswerte Strecken aus aller Welt beschrieben. Darunter die Kanonenbahn zwischen Trier und Koblenz oder der Rasende Roland auf Rügen. Aber auch die größten Bahnhöfe oder schnellsten Züge werden vorgestellt. Die Beiträge sind mit vielen Bildern versehen, dadurch fällt die Vorstellung natürlich recht kurz aus. Dennoch ist es ein schönes Buch zum Schmökern.

Ähnlich ist „Auf Schienen um die Welt“ von Klaus Viedebantt (Wkl 1 Vied). Auf jeweils zwei bis sechs Seiten werden 55 Strecken weltweit vorgestellt. Es geht durch die Rocky Mountains, mit der Bergenbahn durch Norwegen oder dem Shinkansen durch Japan. Die Beiträge sind mit vielen, teils ganzseitigen Bildern versehen. Zusätzlich zur Beschreibung der Strecken werden Highlights der Strecke und weitere gute Tipps und Informationen mitgegeben. Eine Streckenkarte zeigt den Reiseverlauf.

Auf die Geschichte einzelner Bahnstrecken fokussiert und nicht auf das Reisen an sich ist „Einsteigen!“ (Wkl 1 Koch) von Karl-Wilhelm Koch. Darunter die Brockenbahn, Wuppertaler Schwebebahn oder die Strecken entlang von Rhein und Mosel. Daneben wird der Hauptbahnhof Köln, der Hundertwasserbahnhof Uelzen und das Dampflokwerk Meiningen vorgestellt. Jedes reich bebilderte Kapitel enthält zusätzliche Informationen zum Betrieb und eine Streckenbeschreibung. Auf einer Karte sind jeweils die Trassenverläufe skizziert.

Inspiration für Zugreisen innerhalb Europas findet man in einigen Büchern: In „Fast CO2-frei – Zug statt Flug“ (Ce Ecker) werden 52 Städte in Europa vorgestellt, die mit dem Zug in wenigen Stunden erreichbar sind. Sie sind eingeteilt in die Kapitel „Auf in den Norden!“, „Go West!“, „Ostwärts!“ und „Ab in den Süden!“. Hamburg, Köln, Berlin und München dienen dabei als Ausgangspunkte. Zu jedem Ziel wird die durchschnittliche Reisezeit angegeben. Für jede Stadt werden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten beschrieben. Zudem gibt es Tipps für nachhaltige Restaurants, Hotels, regionale Einkaufsmöglichkeiten, sowie für bewusstes Erleben. Das Buch ist reich bebildert, teils ganzseitig. 

Cindy Ruch legt im „Reisehandbuch Europa mit dem Zug“ (Cdn 1 Ruch) den Fokus auf das europäische Streckennetz. Für jedes Land und den jeweiligen Nachbarländern sind auf einer Übersichtskarte die Hauptverbindungen sowie einige wichtige Städte eingezeichnet. Ruch stellt besonders schöne Strecken vor und informiert über Streckennetz, Züge, Preise und Anreise. Zudem gibt es Literaturvorschläge für das jeweilige Land. Das Buch bietet auf jeweils zwei Seiten einen guten Überblick und enthält zudem viele Bilder, teils ganzseitig. Aber nicht alles steht im Inhaltsverzeichnis. Der Untertitel „Geheimtipps von Freunden“ verrät, warum: Verschiedene Autoren verraten hier ihre Lieblingsstrecken. Hier erfolgt eine ausführlichere Beschreibung als innerhalb der Länderporträts. Da möchte man am liebsten gleich losfahren.

In „Die schönsten Reisen mit dem Zug“ (Cdn 1 Schoen) werden 30 Touren in Europa vorgestellt. Darunter Rundreisen in Irland, Schottland oder Portugal. Aber auch Fahrten quer durch Europa, von Amsterdam nach Budapest oder durch Skandinavien. Zu jeder Tour gibt es nebst zahlreicher Fotos eine illustrierte Übersichtskarte mit Anreise, Fahrzeiten und Hör- bzw. Lesetipps. Die Touren sind zwischen 5 (Rumänien) und 14 (Irland) Tagen lang. Für jeden Ort und Tag werden die wichtigsten und schönsten Sehenswürdigkeiten beschrieben. Abschließend gibt es praktische Infos zu Bahngesellschaften und Tickets in den bereisten Ländern und Anreisemöglichkeiten ausgehend von München, Köln, Berlin oder Hamburg.

Von der Faszination des Bahnfahrens schreibt Jaroslav Rudiš in „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“ (Cdn 1 Rudi). Aufgewachsen in einer Eisenbahnerfamilie in Lomnice (CSSR, heute Tschechien) wollte er ebenfalls zur Bahn, was ihm aber aufgrund seiner Sehschwäche verwehrt blieb. Durch den Anschluss Lomnices an das Bahnnetz 1906 – was eine ähnliche Sensation war wie die örtliche Brauereieröffnung ein paar hundert Jahre früher – waren viele Ziele erreichbar. Jahre später konnte man aufgrund des Eisernen Vorhangs viele Orte nur auf Karten erreichen.

Während Schulfreunde geschmuggelte LPs aus dem Westen besaßen, hatte Rudiš eine LP mit Dampflokgeräuschen und sammelt aktuelle und historische Kursbücher. Er erzählt von seiner ersten Fahrt als Lokführer, zu der er schließlich doch noch kam. Von Spitznamen der Loks, wie dem Adler, der am 7. Dezember 1835 die 7 Kilometer lange Strecke von Nürnberg nach Fürth fuhr, oder der Lok Taurus, die beim Ein- und Ausfahren die Tonleiter spielt.

Rudiš schreibt über die Schönheit von Bahnstrecken und verweist auf Autoren und Komponisten, die sich von der Bahnfahrt haben inspirieren lassen. Ausgewählte Fahrten werden in eigenen Kapiteln ausführlicher beschrieben. Zum Bespiel begibt sich Rudiš in „Vierzig Stunden Eisenbahn. Ein Experiment“ auf eine 40-stündige Rundreise auf Deutschlands Schienen – ohne größere Verspätungen.

Joseph von Eichendorff beschrieb das Zugfahren wie folgt:

„An einem schönen warmen Herbstmorgen kam ich auf der Eisenbahn vom andern Ende Deutschlands mit einer Vehemenz dahergefahren, als käme es bei Lebensstrafe darauf an, dem Reisen, das doch mein alleiniger Zweck war, auf das allerschleunigste ein Ende zu machen. Diese Dampffahrten rütteln die Welt, die eigentlich nur noch aus Bahnhöfen besteht, unermüdlich durcheinander wie ein Kaleidoskop, wo die vorüberjagenden Landschaften, ehe man noch irgendeine Physiognomie gefaßt, immer neue Gesichter schneiden, der fliegende Salon immer andere Sozietäten bildet, bevor man noch die alten recht überwunden.“

(Quelle: http://www.zeno.org – Contumax GmbH & Co.KG. Vollständiger Text http://www.zeno.org/nid/20004740726)

Manchmal lohnt es sich, den langsameren Zug zu nehmen, wie Rudiš schreibt. Und das gilt hier auch für das Lesen. Man bekommt viele Eindrücke, erinnert sich an eigene Erlebnisse mit der Bahn. So ist es gut, ein paar Kapitel zu lesen, und diese erstmal wirken zu lassen. Eine Gebrauchsanweisung im eigentlichen Sinne ist das Buch nicht, sondern vielmehr eine schöne und lesenswerte Hommage an das Reisen mit der Bahn.

Was aber liest man, wenn man gerade keine sehenswerte Strecke vor sich hat? Das, was man gerne lesen möchte und gut auf eine Fahrt mitnehmen kann. Wenn man beim Thema Zug bleiben möchte, bieten sich natürlich Jaroslav Rudiš oder Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ sowie „16 Uhr 50 ab Paddington“ an. Literatur zum Schienenverkehr selbst, wie zur Geschichte der Eisenbahn oder zu Dampfloks, steht im Bereich Technik in den Gruppen Wkl 1 und Wkl 11.

Auch handliche Bücher, die man auf eine Zugreise mitnehmen kann und nicht nur für Bahnliebhaber interessant sind: Eine Sammlung von Fakten und Kuriositäten aus Eisenbahngeschichte und Technik sowie Superlativen ist „101 Dinge die ein Eisenbahnliebhaber wissen muss“ (Wkl 1 Frie). ). Umfangreicher ist „333x Schienenverkehr“ (Wkl 1 Doerf). Vorteil ist hier, dass die Beiträge in neun Unterkapitel wie ‚Superlativen‘, ‚Pannen, Unglücke und Kriege‘, ‚Gelungener und Schöner‘ oder ‚kurioser und spaßiger‘ eingeteilt sind. Aus beiden Reihen sind unter anderem auch Bände zum Thema Dampflok vorhanden (Wkl 11 Knip und Wkl 11 Koch).

Juliane

2 Gedanken zu “Reisen mit dem Zug

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