Unterwegs im Bremer Schnoor

Wer kennt es nicht – zumindest vom Hörensagen: Das Schnoorviertel in Bremen.

Kleine Häuschen, enge Gassen… – ein wahrer Besuchermagnet. Bei unserem letzten Besuch in der Hansestadt wollte ich unbedingt den Schnoor aufsuchen, gibt es doch dort einen für mich interessanten Laden. Los ging es also. Um kurz vor zehn waren wir da, aber erstaunlicherweise nicht viele andere Touristen. „Wie schön“, dachte ich mir. Um dann festzustellen, dass die meisten Geschäfte dort erst um elf Uhr ihre Türchen öffnen. Okay, genug Zeit, um „meinen“ Laden zu suchen, hatten wir ja dann. Herrlich war es, ohne Menschenmassen durch die kleinen Straßen zu schlendern. Leider gab es den gesuchten Laden nicht mehr. Nach kurzem Schmollen meinerseits machte ich das Beste draus und genoss einfach die Atmosphäre. Ich versuchte, mir die Häuser genauer anzusehen und zu fotografieren. Kind Nr. 1 fand es sehr witzig, das Viertel zu erkunden und so hatte ich ein halbes Auge auf die Häuser und der Rest verfolgte das Kind. Welches natürlich zielstrebig in die „Bremer Bonbonmanufaktur“ wanderte. Zweimal. 😉

Woher kommt eigentlich der Name „Schnoor“? Das ist das niederdeutsche Wort für „Schnur“ und meint wohl die wie auf einer Schnur aufgezogenen, aneinander gereihten Häuser. Im 13. Jahrhundert wurde das Viertel erstmals schriftlich erwähnt, dort wohnten in dieser Zeit hauptsächlich Fischer, Handwerker und Gewerbetreibende. Bis heute hat eine Bausubstanz aus dem 14. Jahrhundert überdauert. Aus dieser Zeit stammt auch die Kirche St. Johann, sie gehörte zu einem Franziskanerkloster, welches am Rand des Schnoorviertels lag. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Schnoor allerdings zum Armenviertel – ein Grund war, dass Autos die Schmalen Gassen nicht passieren konnten. Auch heute sind die Straßen dort autofrei, mittlerweile wird das aber nicht mehr als Nachteil empfunden, sondern lädt geradezu zum Flanieren auf dem altertümlichen Kopfsteinpflaster ein.

Hier einfach mal ein paar Impressionen 🙂 :

kwk

Besuch der Bibliotheken in Köln-Kalk und Düsseldorf

Für den 19.07.2022 war ein Besuch der 2018 umgebauten Stadtteilbibliothek Köln-Kalk, sowie der neuen Düsseldorfer Stadtbibliothek geplant. Der Tag versprach mit über 30 Grad warm zu werden – im nicht weit entfernten Duisburg wurde wohl die höchste Temperatur gemessen. Aber es war ein interessanter Tag, an dem wir zwei schöne, aber ganz unterschiedliche Bibliotheken besichtigt haben.

Stadtteilbibliothek Köln-Kalk

Die im September 2018 neu eröffnete Stadtteilbibliothek Köln-Kalk wurde zusammen mit dem niederländischen Architekten Aat Vos gestaltet, der sich auf Bibliotheksdesign spezialisiert hat. Zudem wurden über Umfragen die Bedürfnisse der Nutzer*innen abgefragt. Entstanden ist ein sogenannter „Dritter Ort“, der zum entspannten Lesen, Lernen und Arbeiten einlädt sowie Raum für verschiedene Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche bietet.

Moment – was bitte ist ein „Dritter Ort“? Das Konzept stammt aus der Soziologie und wurde erstmals 1989 von Ray Oldenburg vorgestellt – wenn auch nicht auf Bibliotheken bezogen. Der „Erste Ort“ ist demnach die eigene Wohnung, der „Zweite Ort“ der Arbeitsplatz und „Dritte Orte“ für jede*n zugängliche Orte, an denen man sich treffen und austauschen kann, dies aber nicht zwingend muss.

Die Besichtigung fand während des Open-Library-Betriebs statt, die Räumlichkeiten wurden auf eigene Faust erkundet. Verschiedene Bereiche sind Räumen einer Wohnung nachempfunden. Die Regale dienen hierbei als Raumtrenner. Es gibt ein ‚Wohnzimmer‘ mit einer Sofaecke, die so auch bei den Großeltern stehen könnte, ein ‚Kinderzimmer‘ mit einem großen Stoffhasen zum Spielen oder als Sitzmöglichkeit zum Lesen, sowie eine ‚Küche‘ mit großem Tisch.

Als Regalbeschriftung dienen Schreibtafeln, die natürlich auch flexibel einsetzbar und gestaltbar sind. So sind LÜK-Hefte mit „nicht LÜK-los in die Schule“ beschriftet oder Bücher thematisch zusammengestellt, wie Skandinavien-Krimis unter „Morden im Norden“. Viele verschiedene Sitzmöglichkeiten laden zum Lesen, Lernen oder einfach zum Aufhalten ein. Auffällig sind auch die vielen Pflanzen – manche echt, manche nicht – und Deko, die man eigentlich nicht in einer Bibliothek erwarten würde.

Im Obergeschoss ist der Makerspace untergebracht. Außerdem ist hier viel Platz zum Lernen oder für Brettspiele. Führungen und regelmäßige Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche finden hier ebenfalls statt.

Zentralbibliothek Düsseldorf im KAP1

Im November 2021 zog die Zentralbibliothek nach zweijähriger Bauzeit in die neuen Räume am Konrad-Adenauer-Platz 1 – daher auch die Abkürzung KAP1 – direkt am Bahnhofsvorplatz. Vor Umbau und Umzug holte man sich zum einen Inspirationen aus anderen Bibliotheken, zum anderen wurden Umfragen durchgeführt. An der Planung wurden auch Personen beteiligt, die die Bibliothek gar nicht nutzten, aber dennoch gute Ideen einbringen konnten.  

Die Bibliothek nutzt das zweite und dritte Obergeschoss im KAP1 und ist in zwei große Bereiche aufgeteilt: im 2. OG befindet sich das ‚Herz‘ und ein Café, im oberen Geschoss das ‚Hirn‘ und ein Bibliotheksgarten. Im Café wird auf Nachhaltigkeit und möglichst wenig Abfall geachtet. So gibt es keine Einweg-To-Go-Becher.

An der Aufteilung erkennt man bereits: im ‚Hirn‘ sind Sachbücher und Lernräume untergebracht. Hier ist eine ruhige Atmosphäre. Im ‚Herzen‘ gibt es ebenfalls Arbeitsplätze, hier kann es aber lauter sein. Neben Romanen, AV-Medien, Zeitschriften, Saatgutbibliothek und einer Bibliothek der Dinge befinden sich hier auch das LibraryLab, Jugendbibliothek und Kinderbibliothek. Diese drei Bereiche sind durch Glaswände von der übrigen Bibliothek abgetrennt. So bleiben sie einsehbar, in der Jugendbibliothek kann aber gelernt werden, während es in der Kinderbibliothek etwas lauter sein kann.

Bibliothek der Dinge? LibraryLab? Aus einer Bibliothek der Dinge können Gegenstände entliehen werden, die man eher selten benutzt oder für den einmaligen Gebrauch anschaffen würde. Zentralbibliothek und Zweigstellen decken dabei verschiedene Bereiche ab. Im KAP1 sind das Technik, Musik und Gaming. Hier kann man sich z.B. ein Energiekostenmessgerät oder eine Ukulele ausleihen. Eine Zweigstelle legt den Schwerpunkt auf Outdoor mit Nachtsichtgerät oder Hängematte. Im LibraryLab können unter anderem 3D-Drucker genutzt, VR-Brillen ausprobiert oder eigene Projekte verwirklicht werden. Gaming findet hier ebenfalls statt.

Die Regale sind so hoch wie hier in Bielefeld am Neumarkt, allerdings wird hier mit verschiedenen hellen Farben gearbeitet: im ‚Hirn‘ sind verschiedene Bereiche so auch optisch voneinander abgegrenzt. Im ‚Herz‘ beschränkt sich das Farbspiel nicht nur auf die Regale: die Belletristik steht auf einem hellen Grün, eingerahmt in beigen „Wegen“. So entsteht der Eindruck, man ginge durch einen Park. In der Kinderbibliothek gibt es ähnliche Farbspiele und passend dazu eine Brücke über den Rhein.

Es gibt sehr viele unterschiedliche Sitz- und Arbeitsmöglichkeiten. Im Krimibereich sogar mit Agatha-Christie-Kamin. Bei schönem Wetter lädt der kleine Dachgarten zum Verweilen ein. Sehr gut gefallen hat uns die große Regalbeschriftung, wie man auf einem der Fotos sehen kann. Auch sind z.B. Ausleih- oder Kassenautomat nicht mit ‚Ausleihe‘ oder ‚Kasse‘ beschriftet, sondern mit ‚ausleihen‘ oder ‚bezahlen‘.

Wir haben zwei sehr unterschiedliche aber schöne Bibliotheken besichtigt. Köln-Kalk hat dabei einen sehr wohnlichen Charakter mit seinen nachempfundenen Wohnräumen. Die Zentralbibliothek Düsseldorf bietet ebenfalls sehr viel Raum zum Lernen, Aufhalten oder für Veranstaltungen und ist hell und einladend gestaltet. Eine Zweigstelle ist dabei natürlich nicht mit einer Hauptstelle vergleichbar. Aber vielleicht geht es das nächste Mal in die Zentralbibliothek Köln, die ab 2023 umgebaut wird – wie in Köln-Kalk ist hier Aat Vos beteiligt. Aber das dauert eben noch ein bisschen.

Juliane

Warum in die Ferne schweifen …

… wenn das Gute liegt so nah 🙂 Nach zwei Corona-Jahren mit eingeschränktem Reiseradius wollten wir mal wieder etwas Auslandsluft schnuppern und mussten dafür nicht weit reisen, denn unser Nachbarland Niederlande ist ja quasi „ums Eck“. Und es hat uns einmal mehr begeistert, das „Land des Wassers“ mit seinen vielen Wasserwegen: eine Landschaft aus Gräben, Kanälen, Teichen, Seen, Flüssen, Poldern und Deichen. Wenn ich jeden Tag aufs Wasser schauen könnte, wäre ich bestimmt auch so entspannt und gelassen wie die Holländer es sind. 🙂

Ein Augenschmaus sind auch die vielen Mühlen und die wunderschönen Hansestädte mit ihren historischen Stadtkernen und charmanten Häfen: Leiden, Gouda, Hoorn, Delft, Deventer – um nur einige zu nennen.

Und wer kennt sie nicht, die holländischen Mitbringsel mit den lustigen Namen: Hagelslag (Schokostreusel), Pindakaas (Erdnussbutter), Klompen (Holzschuhe), oder den Verzehr von Poffertjes, Stroopwaffels, Kaas und Kibbelingen.

Für Fahrradbegeisterte ist Holland ein Paradies – „Fietspads“ so weit das Auge reicht. Von dem ausgeklügelten Radwegenetz sind wir hier zwar noch einiges entfernt, aber immerhin haben wir uns schon das Knotenpunktsystem (Fietsknooppunten) von den Nachbarn abgeguckt … jetzt fehlen nur noch ein paar km mehr Radwege. 🙂

Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass auf den dortigen Radwegen auch „Bromfietsen“ fahren dürfen, also Mopeds und Roller. Die Holländer sind auf ihren Rädern im Übrigen recht flott unterwegs, ob mit oder ohne E-Antrieb – trotzdem sind Fahrradhelme dort Fehlanzeige. Da die Radfahrer mindestens gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind und es zudem so viele von ihnen gibt, hat das Fahrrad einen anderen Stellenwert als bei uns.

Holland ist übrigens nur ein Teil der Niederlande: es besteht aus den Provinzen Nordholland und Südholland (welche größtenteils unterhalb des Meeresspiegels liegen). Korrekt heißt das ganze Land daher Niederlande, aber der Name Holland hat sich eingebürgert und wird auch gerne von den Niederländern selbst benutzt.

Auch wer statt Natur eher Kultur schätzt, ist hier richtig: eine lange Geschichte, historische Städte, berühmte Maler und eine vielfältige Museumslandschaft – auch das sind die Niederlande.

Unser Nachbarland ist so nah und so schön, und es muss auch kein einwöchiger Urlaub sein – ein Wochenende reicht schon, um in eine kleine andere Welt einzutauchen: z.B. im Dörfchen Giethoorn, das als „Venedig des Nordens“ bekannt ist, oder im Advent in Deventer einen besonderen Weihnachtsmarkt erleben, das „Charles-Dickens-Festival“.

Qu

Stippvisite nach nebenan: Stadtbibliothek Paderborn

Es ist gute alte Tradition: Wenn Bibliotheksmitarbeiterinnen irgendwo im Urlaub sind, besuchen sie die örtliche Bibliothek! Nun, ich war nicht sehr exotisch unterwegs, ich war in Paderborn – meine Heimatstadt. Eigentlich erstaunlich, ja, unverzeihlich, dass ich hier nicht schon früher mal über die Paderborner Stadtbibliothek geschrieben habe, schließlich ist sie Bibliothek des Jahres 2021 (ein Zeitungsbericht hier)!

Ich erinnere mich noch gut an das Gebäude der alten Domdechanei, als es nur eine Ruine war. Einmal stand die stählerne Baustellentür offen und ich konnte einen Blick ins Innere werfen: ein großer, über mehrere Stockwerke entkernter Raum, dunkel und verrußt; irgendjemand erzählte, da würden Ratten hausen. Und Gespenster. Brrr, der Bau war der kleinen HilDa unheimlich.

Doch dann wurde renoviert und hinter die barocke Fassade zog eine moderne Stadtbibliothek mit ungewöhnlich offenem Raumkonzept. Endlich hatte auch Paderborn eine Stadtbibliothek, das war Ende der 70er. Bis dahin gab es ein katholisches Medienzentrum, durchaus auch gut, aber mit anderer Funktion (das Medienzentrum gibt es übrigens immer noch; davon vielleicht ein anderes Mal mehr, ich bin ja öfter in Paderborn 😉 ).

Die Vorderseite eines barocken Gebäudes, weiß verputzt und mit Sandsteinumfassungen um Fenster und Eingangstür; über der Tür ein Wappen

Anfang 1984 durfte ich die Stadtbibliothek in einem sechswöchigen Praktikum während meines Studiums näher kennenlernen – nach einem ersten Semester, bei dem mir doch Zweifel an meiner Berufswahl gekommen waren. Das Praktikum half mir aber und überzeugte mich: Ja, ich wollte Bibliothekarin werden und dann in genau so einer Öffentlichen Bibliothek und vor allem in so einem tollen Team arbeiten. (Nun, mein Wunsch hat sich erfüllt, allerdings einige Kilometer entfernt in einer anderen Stadt namens Bielefeld – aber das ist eine andere Geschichte.☺️)

Seitdem ist schon wieder viel Zeit vergangen, die Bibliothek hat sich verändert, erhielt zusätzliche Räumlichkeiten, übernahm neue Aufgaben und erweiterte ihre Angebote und den Service. Vor einiger Zeit wurde auch die Zentralbibliothek erneut umgebaut, ein neues Raumkonzept und neue Inneneinrichtung. Auch das Bibliotheksteam hat sich natürlich verändert in den letzten fast 40 Jahren, aber offensichtlich ist es noch immer großartig – anders kann man nicht Bibliothek des Jahres werden!

Ein Gewässer im Vordergrund, dahinter eine Bruchsteinmauer, efeubewachsene Bäume ohne Laub. Durch die Bäume sieht man die barocke Fassade eines zweigeschossigen Gebäudes. Im Hintergrund der markante Turm des Paderborner Doms.

Wenn Ihr also mal Paderborn besucht, empfehle ich auch einen Besuch in und um die Zentralbibliothek. Die liegt sowieso mitten im Zentrum der Altstadt, im Schatten von Dom und Kaiserpfalz, umrahmt von einigen Paderarmen und deren Quelltöpfen. Eine der schönsten Ecken von Paderborn: direkt nebenan die Fachwerkhäuser an der Dielenpader und der Geißelsche Garten als kleines Inselwäldchen mitten in der Stadt. Das schönste Fachwerkhausensemble Paderborns ist nur eine Straße weiter: das Adam-und-Eva-Haus, daneben der „Erzengel“, gegenüber das Deelenhaus (ein Kultur- und Veranstaltungsraum mit besonderer Atmosphäre). Leider sieht das Adam-und-Eva-Haus zurzeit so aus:

Gerüst mit Plane verhüllt komplett eine Hausfassade

Aber die gute Nachricht – und da sind wir wieder bei der Stadtbibliothek – nach Restaurierung und Umbau wird hier eine neue Zweigstelle eröffnet. Nur wenige Schritte neben der Zentrale? Ungewöhnlich. Aber das denkmalgeschützte Dechanei-Gebäude kann nun mal nicht einfach erweitert werden – doch die Stadtbibliothek erweitert ihre Angebote. Zu den Plänen und dem neuen Konzept findet Ihr hier etwas.

Ganz egal, ob Ihr Euch für die Bibliothek und ihren Service interessiert, für die restaurierten Gebäude oder die Innenarchitektur oder ob Ihr „nur“ die Altstadt und die schönen Ecken von Paderborn erkunden wollt, das alles ist jedenfalls sehenswert. Wenn Ihr Gelegenheit habt, schaut mal rein. Zurzeit entsteht da noch mehr Neues und Interessantes. Nun, Stillstand gibt es für eine Bibliothek des Jahres natürlich nicht.

Falls jetzt jemand den Eindruck haben sollte, dass ich stolz auf die preisgekrönte Stadtbibliothek meiner Heimatstadt bin – ja, stimmt, isso. Der Preis ist verdient! Noch mal Gratulation an die Kolleginnen und Kollegen in Paderborn.🏆

HilDa

LWL-Freilichtmuseum Detmold

Jeder hier in der Region kennt wahrscheinlich das Freilichtmuseum, zumindest dem Namen nach. Und fast alle, die in den letzten Jahrzehnten in OWL zur Schule gegangen sind, haben mindestens einmal einen Ausflug nach Detmold gemacht. Also ich schon, das muss irgendwann in den 70ern gewesen sein. Oha, das war also schon vor mehr als 40 Jahren! Offen gesagt, ich habe keine konkreten Erinnerungen an diesen Schulausflug mehr.

Damals stand das Freilichtmuseum wohl noch in den Anfängen, es feiert nämlich in diesem Jahr sein 50jähriges Bestehen. Unser Betriebsausflug im September erlaubte es mir, meine Erinnerungen aufzufrischen. Immerhin bin ich auch in einem alten Fachwerkhaus aufgewachsen und habe die Ferien meist auf dem Bauernhof von Freunden verbracht, da ploppten viele Kindheitserinnerungen bei mir auf – allein schon beim Duft des Heus in einem Schober.

Großer Bauernhof aus vorindustrieller Zeit, Rückansicht

Wenn Bibliotheksleute einen Betriebsausflug machen, gehört Kultur und Wissen mit ins Programm – beides ist in einem Museum ja auch gegeben. Wir hatten eine Führung, genauer, wir teilten uns in drei Gruppen, jede Gruppe zog in eine andere Richtung und hatte einen anderen Schwerpunkt. Bei uns ging es um das großbäuerliche Leben lange vor der Industrialisierung. Auf dem ersten Blick erinnerten der schön restaurierte Hof und der herrliche Bauerngarten an die märchenhafte Vorstellung von der „guten alten Zeit“. Doch selbst auf einem reichen Hof war das Leben hart. Für den Bauern und seine Familie gab es immerhin einen abgetrennten Wohntrakt, der zumindest etwas Privatsphäre bot. Die Mägde und Knechte schliefen beim Vieh, weit weg von der einzigen Feuerstelle. Fast alle Arbeiten mussten im Freien verrichtet werden, nicht nur die Feldarbeit. Im Haus war es meist zu dunkel, also musste möglichst das Tageslicht draußen genutzt werden – zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter. Das galt auch für ganz alltägliche Verrichtungen. Kein fließend Wasser im Haus, nur der Brunnen draußen. Das Wasser, das z. B. für die Große Wäsche gebraucht wurde, musste aufwändig auf der offenen Herdstelle im Haus erhitzt und nach draußen geschleppt werden, bei der benötigten Menge erforderte das allein schon strategische Planung. Die Große Wäsche nahm mindestens einen ganzen Tag ein, an dem alle mit anpacken mussten. Natürlich brauchte es auch einen Tag mit sonnigem, warmem Wetter zum Trocknen und Bleichen. Für uns überraschend war, dass der Aufwand für die Große Wäsche nur einmal im Jahr gemacht wurde (kleinere Waschtage gab es etwas öfter).

Herdstelle im Bauernhaus
Backhaus mit Brunnen

Der große Ofen im Backhaus wurde nur alle zwei Wochen angeheizt, auch das ein aufwändiges Verfahren, das viel Holz kostete und viel Arbeit. Da musste die Hitze auch optimal ausgelastet werden: Verschiedene Backwaren wurden vorbereitet, damit der Ofen bis zum letzten Flecken beladen werden konnte, sobald er auf Temperatur war; zuerst alles, was kurze, große Hitze benötigt, dann die Backwaren, die im langsam wieder erkaltenden Ofen länger garen müssen, ohne dass sie verbrennen dürfen. Um die Ofenhitze und Fläche optimal auszunutzen, bedurfte es guter Planung und Vorbereitung. Und mit dem frisch Gebackenen, den verschiedenen Broten, Pasteten, Kleingebäcken und evtl. auch Kuchen musste man nun mindestens zwei Wochen auskommen und alle auf dem Hof einschließlich möglicher Gäste versorgen.

Die gute alte Zeit. Die meisten Menschen auf dem Lande lebten damals als Knechte, Mägde oder gar nur als Tagelöhner, abhängig vom Wohl und Wehe des Bauern, und der wiederum abhängig vom Wetter. Dürre oder zu viel Regen, Extremwetter oder eine andere Naturkatastrophe konnten für alle Not, Hunger, Tod bringen. Wer keine Arbeit mehr fand oder sein Land verlor, musste fortziehen: in eine andere Region als Tagelöhner oder später als Arbeiter in die Industriestädte; man ließ sich anwerben vom Militär oder fuhr zur See; oder man wanderte aus. Wenn nur die Männer fortzogen, blieben Frauen und Kinder zurück mit der Hoffnung, dass sie nachgeholt würden, sobald der Mann ein neues Leben aufgebaut hat. Nicht selten meldeten sich die Männer aber nie wieder, vielleicht weil sie es leider nicht geschafft hatten, manche aber auch, weil sie ihr neues Leben lieber unabhängig und frei oder mit einer neuen Familie gestalten wollten. Jaja, die gute alte Zeit: hohe Kindersterblichkeit (die wenigsten überlebten das Kleinkindalter, die Geburtensterblichkeit war enorm hoch – und Schwangerschaft und Geburt waren auch das größte Risiko für die Frauen), harte Arbeit schon von Kindesbeinen an, prekäre Arbeitsverhältnisse, keine Absicherung bei Krankheit oder Alter. Nun ja, die wenigsten wurden alt! Nein, ich glaube nicht, dass wir uns in diese „gute alte Zeit“ zurückwünschen.

Bauerngarten mit Fachwerkhaus
Bürgerhaus im Paderborner Dorf
Eingang zum Laden

Im Freilichtmuseum gibt es noch mehr zu sehen als alte Bauernhäuser. Im „Paderborner Dorf“ haben wir uns im Restaurant zum Mittagessen getroffen. Dort gibt es auch alte Bürgerhäuser, einen Kaufladen („Kolonialwarenladen“) und Handwerkswerkstätten zu besichtigen. Auch hier lohnt ein Blick hinter die Fassaden.

Tischlerei-Werkstatt im Paderborner Dorf

Besonders beliebt war die Bäckerei, fast jeder hat sich dort mit einem frischen Brot eingedeckt. Ich hatte passend zur Jahreszeit ein Apfelbrot, schmeckte zum Frühstück wunderbar einfach nur mit Butter bestrichen oder auch mit einem herzhaften Belag.

Das Wetter war leider nicht so gut: Kurze, kräftige Schauer gingen in typisch westfälischen Landregen über. Nicht so einladend für ausgedehnte Spaziergänge über das weitläufige Gelände. 😒 Aber so bleibt beim nächsten Besuch noch etwas zu entdecken; ich werde nicht wieder 40 Jahre damit warten, aber mir einen sonnigen Tag aussuchen, bei dem ich dann mehr über die alten Kulturpflanzen und Haustierarten erfahren möchte, die auf dem Gelände und in den Gärten gepflegt werden.

Das Museum bietet verschiedene Workshops an, vor Ort, aber auch einiges online. Und es gab ein Jubiläumsprogramm. Man kann aber auch einfach spazieren gehen und nach schönen Fotomotiven suchen.

Und sich allein durch den Duft von Heu in die Kindheit zurückversetzen lassen.

Nun ja, jetzt ist die Saison aber beendet, das Freilichtmuseum öffnet erst ab April wieder. Wer schon für 2022 einen Ausflug in die westfälische Alltagskultur der Vergangenheit planen will, findet Informationen hier.

HilDa

Stadtwanderung

Ich habe auch zu denen gehört, die zur Kirschblüte in die Straße „Auf dem langen Kampe“ gepilgert sind, um ein Foto von der Blütenpracht zu machen. Dabei stand unter fast jedem Baum bereits ein Grüppchen junger Leute, die sich gegenseitig in allen möglichen Posen mit der rosa Allee im Hintergrund fotografierten: lächelnd, hüpfend, scherzend, allein, zu zweit im Arm liegend, küssend; Eltern hockten mit den Kindern auf der Straße für ein Foto, da mussten die Autos halt kurz warten. Es gab viele Spaziergänger wie mich und auch Radfahrer. Nahezu jeder hatte sein Smartphone griffbereit und suchte die eine besondere Perspektive, das eine originelle Motiv. Oder beobachtete die anderen bei ihren Posen. Ich habe mich gar nicht getraut, mein Handy zu zücken. Wer möchte schon inmitten all der Möchtegern-Influencer* für eine Möchtegern-Influencerin gehalten werden?

Aber bei diesem einen Baum fast schon am Ende der Allee, der als einziger weiße Blüten hatte, konnte ich dann doch nicht widerstehen. Blöderweise waren kurz zuvor Wolken aufgezogen, so sieht man nicht gut, dass der Baum auch einige Äste mit rosa Blüten hat, eine botanische Besonderheit, die gerade niemanden sonst interessierte. Nun ja, ich bin auch keine gute Fotografin, ein Filter hat etwas geholfen.

Ihr werdet im Netz mit dem Hashtag #AufDemLangenKampe genügend Bilder finden: Schnappschüsse, Selfies, professionelle Fotografien, jeder Baum einzeln, die volle Blütenpracht in der Totalen und sogar Luftaufnahmen.

Die Straße ist übrigens auch zu jeder anderen Jahreszeit ein Spaziergang wert, nicht nur in den wenigen überlaufenen Tagen der Kirschblüte. Zumal man die Allee in einen Rundweg einbauen kann, als Spaziergang ein ordentlicher Marsch und auch als kleine Radtour gut geeignet. Mein Abendspaziergang nach dem Dienst hatte natürlich die Bibliothek am Neumarkt als Ausgangspunkt. Bis zum Ostbahnhof gibt es einen etwas versteckten Fußweg durch Kleingartenanlagen (parallel zur Werner-Bock-Straße hinter der Seidenstickerhalle vorbei, dann Am Stadtholz überqueren und rechts an der Feuerwache vorbei bis zur Bleichstraße).

Graffiti an einer Kleingarten-Vereinshütte

Ich muss gestehen, dort habe ich etwas die Orientierung verloren und bin einmal im Kreis gegangen, aber man kommt an der Bleichstraße in der Nähe des Ostbahnhofs heraus, an dem auch schon die insgesamt 1,3 km lange, mit Japanischen Kirschbäumen gesäumte Wohnstraße mit dem ungewöhnlichen Namen Auf dem Langen Kampe beginnt. Am anderen Ende erreicht man die Radrennbahn und kann von dort auch noch weiter wandern oder fahren z. B. in Richtung Heepen. Ich habe den Rückweg an den Lutter-Stauteichen vorbei gewählt. Bis zur Teutoburger Straße kann man durch einen Grünzug gehen und danach durch verkehrsberuhigte Wohnstraßen ins Zentrum gelangen (Ravensberger Straße). Auch ohne Kirschblüten gibt es genug zu sehen auf dieser Wanderung oder Radtour: Schrebergärten, Wasservögel, Spielplätze u.v.m. Ganz zu schweigen von den Menschen, die man unterwegs trifft, denn nicht nur zur Kirschblütenzeit haben auch andere diese stadtnahen Möglichkeiten entdeckt und nutzen sie bei schönem Wetter ausgiebig. Natürlich verrate ich hier alles andere als einen Geheimtipp; ich empfehle in dieser Zeit sicher nicht, dass sich jetzt halb Bielefeld zur gleichen Abendrunde aufmachen soll – während der Kirschblüte war es anstrengend genug, den Abstand einzuhalten, ein Slalomlauf.

Spielplatz in einer Wohnsiedlung
Weg zwischen Kleingärten
Stauteich in der Abendsonne

Bielefeld und seine nähere Umgebung bieten viele Möglichkeiten für Spaziergänge oder Radtouren. Es muss gar nicht die großgeplante Tour sein. Selbst ein Spaziergang durch das eigene Wohnviertel, durch Straßen und Fußwege, die man sonst nie nutzt, kann zu interessanten Entdeckungen und Beobachtungen in der eigenen Stadt führen: Mich interessieren zum Beispiel die Siedlungsarchitektur, die Bepflanzung und Gestaltung in Vor- und Schrebergärten, alte Hausfassaden, Haustüren aus Holz, schmiedeeiserne Gitter und Geländer, originelle Graffiti, … . Und dann sind da noch die Naturbeobachtungen, die man ohne viel Aufwand machen kann: zurzeit das Ergrünen und Aufblühen im Frühling, Schwäne und Enten mit ihren Küken, Reiher in Lauerstellung, Singvögel bei Nestbau oder Futtersuche, …

Ihr müsst nur los ziehen, die Augen offen halten und aufmerksam sein.

Die fabelhafte Wibke Ladwig (@sinnundverstand) nennt es ihre #CoronaWanderreisen, in denen sie ihre Stadt Köln neu kennen lernt. Und ihren #GangInsHeimbüro, bei dem sie in ihrem eigenen Viertel ungewöhnliche Alltagsentdeckungen macht. Die Fotos mit ihren witzigen Kommentaren findet Ihr bei Instagram und Facebook oder auch in einigen Beiträgen ihres Blogs (z.B. Gang ins Heimbüro hier). Ihr besonderer Blick für scheinbare Kleinigkeiten war es, der mich zu nun auch zu meinen Stadtspaziergängen angeregt hat. Und ihre wertschätzende Offenheit ist ein gutes Vorbild. Ich kann zumindest sagen: Es tut mir gut.

Im Juni ist in Bielefeld wieder für drei Wochen Stadtradeln, auch eine gute Gelegenheit, sein Umfeld neu zu „erfahren“.

HilDa

Fernweiterbildung – Das erste Jahr

Schloss Sanssouci

Vor gut einem Jahr, im November 2019, habe ich mit der Berufsbegleitenden Fernweiterbildung Bibliothekswissenschaft an der Fachhochschule Potsdam begonnen. Die Perspektive etwas neues zu lernen, neue Leute zu treffen, mich mit anderen Bibliotheksmenschen auszutauschen und ab und an nach Potsdam zu fahren, fand ich ziemlich ansprechend. Größtenteils findet die Fernweiterbildung online über Moodle statt, aber vier Mal im Jahr gibt es je zwei Präsenztage an der FH Potsdam. Und Potsdam ist wirklich richtig schön. Gleich die erste Präsenz habe ich im Voraus für einen kleinen Kurzurlaub mit zwei Freundinnen genutzt (da konnte man noch bedenkenlos reisen), und wir haben unter anderem Schloss Sanssouci besichtigt. Und auch bei der zweiten Präsenz im März 2020 konnte ich Potsdam noch ein bisschen weiter erkunden. Der Märztermin war auch echt lustig, wir kannten uns alle schon etwas besser und haben ein ganz tolles Restaurant entdeckt, in dem wir im Juni 2020 eigentlich wieder Cocktails trinken wollten. Durch Corona ist es bisher aber bei zwei Präsenzen in Potsdam geblieben.

Seitdem finden unsere Präsenzen online statt. Über Zoom können wir uns immerhin trotzdem sehen, und am ersten Abend unserer Zweitagespräsenzen konnten wir uns jeweils für ein paar Stunden in Zoom „treffen“. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist das schon, vor allem, wenn man vorher schon den ganzen Tag vorm Computer gesessen hat. Aber so konnten wie uns dennoch austauschen und schöne Abende miteinander verbringen. Ein bisschen Spaß muss schließlich auch sein.

Jetzt habe ich aber noch gar nicht über die Weiterbildung an sich gesprochen. Da gab es bisher tolle Module und eher langweilige – wie das halt so ist. Ein Highlight war auf jeden Fall unser Englisch-Dozent. Den haben wir im letzten November und März auch noch persönlich kennenlernen können. Und sind so in den Genuss seiner selbstgebackenen Kekse gekommen! Das Modul hat generell viel Spaß gemacht. In einem anderen Modul haben wir wissenschaftliches Arbeiten gelernt und auch gleich die erste Hausarbeit geschrieben. Da war ich ja schon unsicher, weil ich tatsächlich bisher nicht mal eine Facharbeit im Abi schreiben musste (warum auch immer) – aber letztens kamen endlich die Noten, und es hat doch besser geklappt als gedacht bzw. gefürchtet.

Auch in der letzten Präsenz im November haben wir wieder Einführungen in neue Module erhalten und zwar Informationsrecht, Projektmanagement sowie Informationsverhalten und Wissenschaftssoziologie. Und mein Internet hat mich während der Einführungen nur einmal im Stich gelassen, als gerade nichts Wichtiges besprochen wurde. Glück gehabt! Die Verbindung ist bei mir meistens gut. Nur zwischendurch hängen Bild und Ton mal, es hält sich aber noch in Grenzen.

Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Treffen im März, auch wenn ich bis dahin noch einiges zu tun habe. Über Weihnachten, Neujahr und Urlaub habe ich die FH eventuell etwas vernachlässigt… 🙂 Aber bis März ist ja noch Zeit, das sollte ich noch gut schaffen.

Im Großen und Ganzen klappt das Lernen neben dem Vollzeitarbeiten für mich recht gut. Ganz ohne ist es aber manchmal nicht. Bei einer Hausarbeit dachte ich eigentlich, zeitlich gut geplant zu haben, doch dann war privat und hier auf der Arbeit so viel los, dass ich kaum dazu gekommen bin an der Arbeit zu schreiben. Zum Glück hat es letztendlich doch noch geklappt, und für die nächsten Male weiß ich, dass ich am besten mit allem so früh wie möglich anfange. Dann kann auch mal was dazwischen kommen, ohne das eine Abgabefrist unerwartet schon vor der Tür steht. 🙂

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass ich demnächst zu den Präsenzen wieder in Potsdam präsent sein kann. Für März wurde uns schon angekündigt, dass der Temin per Zoom stattfinden wird, aber wer weiß schon, wie es danach weitergeht. Vielleicht ist Ende des Jahres ja doch mal wieder eine kleine Reise nach Potsdam möglich und wir können das Cocktail-Trinken endlich nachholen!

lga

Zugfahrten mit Corona

Mein Arbeitsweg führt mich jeden Morgen an einen Bahnhof und in einen Zug, der mich nach Bielefeld bringt. Eigentlich mag ich Zugfahrten auch sehr gerne. Zum einen, weil ich dann kein Auto fahren muss. Das ist mir entweder zu langweilig oder ich rege mich viel zu sehr über die ganzen verrückten Autofahrer auf, die über die Straßen brausen. Zum anderen ist das meine fest eingeplante Lesezeit. Selbst wenn viel los ist und ich sonst keine Zeit zum Lesen finde, habe ich zumindest die 30 bis 40 Minuten, die ich täglich im Zug sitze. Das einzige, was ich dabei immer befürchte ist, irgendwann einmal so versunken in ein Buch zu sein, dass ich meine Station verpasse. Bisher ist mir das zum Glück noch nie passiert (vor ein paar Monaten hatte ich zwar einen Moment der Panik, weil die Durchsage plötzlich schon die nächste Station verkündete, ein Blick nach draußen brachte aber Beruhigung – da hatte sich wohl jemand vertan, das sah doch noch nach Bielefeld aus 🙂 ).

Versperrte Sicht

Nur leider vermiest mir Corona so ein bisschen meinen Lesespaß im Zug. Die Brillenträger werden es kennen: Brille plus Mundschutz verträgt sich nicht immer so super miteinander. Vor allem wenn man vorher schon mit dem Fahrrad zum Bahnhof geeilt ist und es sommerlich warm ist. Und mit beschlagener Brille liest es sich wiederum nicht so gut. Und ohne Brille auch nicht, da müsste ich die Nase wortwörtlich ins Buch stecken, um ordentlich sehen zu können, das ist auch nicht das Wahre.

Daher habe ich in letzter Zeit oft Hörbücher gehört und achte immer darauf einen Sitzplatz mit freier Sicht nach draußen zu suchen. In dem Zug, den ich am häufigsten nehme, befindet sich nämlich bei vielen Plätzen, genau auf meiner Augenhöhe eine Fensterunterteilung. Ein eindeutiger Konstruktionsfehler – da haben die Zugplaner selber wohl nie in einem Zug gesessen und mal nach draußen schauen wollen. 🙂

Ansonsten macht Zug fahren gerade aber richtig viel Spaß, weil es so schön leer und damit oft auch ruhig ist. Dauerhaft sind so unausgelastete Züge wohl nicht so toll und auf lange Sicht werden sie sich hoffentlich wieder füllen. Bis dahin erfreue ich mich aber an den leeren Zügen und nehme eben mit meinen Hörbüchern vorlieb. 🙂

lga

Mixed-Trees

Als Hausbesitzer benötigt man öfter mal Dinge aus dem Baumarkt. Und nebenbei gesagt, gehe ich gerne durch Baumärkte. Die Hälfte der Dinge dort kenne ich nicht mit Namen und weiß nicht, wofür man sie benötigt, aber gerade das finde ich durchaus faszinierend.
Bei den Pflanzen angekommen überlegte ich, welche Exemplare denn noch in den heimischen Garten einziehen könnten. Ich wühlte mich durch die tropfenden Regale und stand dann bei den Bäumen. „Och, die kann ich mir ja auch noch ansehen“ dachte ich mir. Mein Kind saß friedlich im Wagen und war vollauf damit beschäftigt dieses Metallteil, was man zur Sicherung der Wagen benötigt, zu inspizieren. Wie heißt das Ding eigentlich…ihr wisst, was ich meine oder? Diese Kette, für die man einen Chip oder einen Euro braucht, um seinen Wagen von den anderen los zu ketten.

Egal, zurück zur Natur. Nun denn, die Bäumchen.
Ich erwartete Apfelbäume, Birnenbäume… was man halt so kennt und es womöglich auch in kleinen Züchtungen für kleine Gärten gibt. Was ich sah, war anders. Dort stand nirgendwo ein normaler Obstbaum. Man bekam Züchtungen, deren Namen ich beim Lesen quasi wieder vergessen habe. Kreationen wie „Granatapfel-Passionsfrucht-Mix“, „Pflaume-Elefantenfrucht-Mix“ und derartige Geschichten. Ich war durchaus fasziniert, möchte so etwas aber nicht im Garten stehen haben. (Nennt mich ruhig altmodisch 😉 ). Zu guter Letzt sah ich noch ein Eukalyptusstämmchen… ob es den Koala beim Kauf von mehreren dazu gab? Und dann sind wir, das Kind, der Einkaufswagen und ich, gegangen. Zuhause war ich noch immer verdattert, besuchte die Homepage des Marktes und sah sehr erleichtert, dass online sehr wohl Apfel „Elstar“ und Co. zu erstehen waren. Na, zum Glück. 🙂

kwk

Der Turm der Sparrenburg – wie hoch ist er wirklich?

Vor einiger Zeit wurde der Turm der Sparrenburg von Radio Bielefeld und einem Vermessungsbüro neu vermessen. Dabei stellte sich heraus, dass der Turm nicht wie gedacht 37 m hoch ist, sondern kleiner ist als gedacht. Nur 31,5 m misst der Turm tatsächlich. Die Sparrenburg selbst liegt 60 Meter über der Stadt. Das ist immer noch hoch genug, wie ich finde.

Urkundlich erstmals erwähnt wurde sie im 13. Jahrhundert, und im Laufe der Jahrhunderte erweitert. Sie ist die nördlichste Spornburg Deutschlands. Eine Spornburg hat zu mindestens zwei Seiten steil abfallendes Gelände. Außerdem hat man einen sehr guten Überblick über das umliegende Gebiet. Nach dem 30-jährigen Krieg verliert die Sparrenburg ihre Bedeutung als Festung. Sie wird als Gefängnis genutzt und schließlich dem Verfall preisgegeben. Um 1840 gründete sich ein Komitee zur Wiederherstellung des Turmes. 40 Jahre später kaufte die Stadt Bielefeld die Burg vom Staat Preußen für 8.934,90 Mark.

Zurück in das Jahr 2020 vor einigen Wochen auf der Sparrenburg: Ich hatte das schöne Wetter für einen Spaziergang zur Sparrenburg genutzt. Der Weg führte mich in den Burghof und anschließend einmal rum. Als ich den Hof verlassen wollte, wurde dieser von einer Familie betreten. Das etwa 4-jährige Kind sah nun den Turm und rief: „WOW! Ist der hoch!“ Hier hatte sich der Tag also schon mal gelohnt. Auf der anschließenden Runde fiel mir ein etwa 10 bis 12-Jähriger auf (ich kann schlecht schätzen), der – wie man das heute so macht – sein Smartphone in Richtung Turm hielt und andächtig sprach: „Das ist der Turm der Sparrenburg. Wie im Mittelalter. Einfach genial!“ Ob für eine Instagram-Story oder vielleicht doch für eine Schulaufgabe ist nicht überliefert.

Juliane