Ein Blick zurück auf den Lesefrühling 2022

Schön war’s – unser Lesefrühling. Endlich konnte er wie gewohnt und ohne Einschränkungen vor Publikum stattfinden und so kamen im Mai zwölf bekannte und beliebte Autorinnen und Autoren nach Bielefeld und Gütersloh.

Die Kinder und Erwachsenen genossen es, den Autoren wieder direkt begegnen zu können, begeistert Fragen zu stellen und gebannt den Geschichten zu lauschen.

Den Auftakt machte der als Sänger, Songschreiber und Gründer der Kinder-Rock-Band „Randale“ bekannte Jochen Vahle aus Bielefeld. Mit seinen witzigen, unaufgeregten und ehrlichen Geschichten von Antonius Priemelmann gewann er viele Fans und wir haben alle viel gelacht. Im Herbst soll der zweite Band erscheinen und auch mit einer Weihnachtsgeschichte über Antonius liebäugelt Jochen Vahle.

Die rasch ausverkaufte Veranstaltung mit dem beliebten Bilderbuchautor und Illustrator Alexander Steffensmeier aus Münster war besonders bei Familien mit Kindern ab vier Jahren beliebt. Herr Steffensmeier las und zeichnete die lustigen Geschichten um die Kuh Lieselotte, deren Bilder anschließend heiß begehrt waren.

Viele lustige Szenen und tolle Bilder brachte auch Eva Dax für diese Altersgruppe mit: Ihre Geschichte vom Wichtel Jeppe, der ein Haus für die Wichtelprüfung pikobello herrichten muss und dem frechen Hamster Oskar, der immer wieder alles durcheinanderbringt, begeisterte Kinder und Eltern.

Um Heimat und Fremdsein ging es in dem Buch „Pembo“ von Ayse Bosse, deren Protagonistin ihre Heimat in der Türkei verlassen und nach Deutschland umziehen muss. Ayse Bosse – selbst in einer türkisch-deutschen Familie aufgewachsen – erzählte viel aus ihrem eigenen Leben, vom Anderssein und dem Leben zwischen den Kulturen und machte den Kindern Mut „Man muss sich gar nicht entscheiden, ob man Deutsch oder Türkisch sein will. Man ist eben beides, von allem ein bisschen. Wenn man das einmal kapiert hat, dann lebt es sich leichter“. Das war ein starkes Statement und machte vielen Kindern Mut. Außerdem berichtete sie über viele witzige Zufälle, zum Beispiel, dass die Illustratorin ihres Buches zufällig ihre Kindheit im gleichen Dorf am Meer in der Türkei verbrachte wie Frau Bosse. Deshalb konnte die Illustratorin auch die Bilder so gut umsetzen, weil sie das alles selbst erlebt hat. Kein Wunder, dass Frau Bosse der Star an diesem Morgen war und am Ende von einem Haufen Kinder umringt wurde.

Eine tolle Detektivgeschichte brachte Rieke Patwardhan mit. Ihre „Forschungsgruppe Erbsensuppe“ löst viele spannende Fälle und die Autorin verstand es gleichzeitig, mit ihrem jungen Publikum Wertefragen zu erörtern, wie z. B. „Ist es okay, einem Bandenmitglied heimlich nachzuspionieren?“. Das Verhalten von Protagonisten der Bücher zu reflektieren, das hat auch den Kindern Spaß gemacht, denn hier war deren Meinung ganz aktiv gefragt.

Sven Gerhardt, bekannt durch die beliebte Serie die Heuhafen-Halunken, gestand, dass er als Kind ein richtiger Lesemuffel gewesen sei. Heute schreibt er Bücher und brachte uns eine neue magische Geschichte von der Wanderratte Minna Melone aus dem Wahrlichwald mit. Ratespiele zum Buch und das tolle Video seiner Illustratorin machten die Lesung zu einem Erlebnis.

Spannend und lehrreich war die bei Grundschulen sehr beliebte Sachbuchlesung mit Johanna Prinz, Diplom Biologin und Sachbuchautorin aus Lübeck, die viel über die Tiere im Wald erzählte, über Eichhörnchen, die giftige Pilze essen können, ohne davon krank zu werden, über Blindschleichen, die bei Gefahr ihre Schwanzspitze abwerfen, um den Gegner zu täuschen oder über Ringelnattern, die sich totstellen und ein Stinksekret absondern, wenn sie in Gefahr sind und vieles mehr. Ihr hätten wir alle noch lange zuhören können!

Für die Liebhaber der Fantasy-Literatur lasen Nina Blazon, Holly-Jane Rahlens und Katja Brandis aus ihren Büchern. Nina Blazon – sympathische Autorin mit toller Stimme und Vorlesetalent – ist mit ihren Werken regelmäßig auf der Liste der 100 besten Bücher vertreten und war zum zweiten Mal beim Lesefrühling dabei. Ihre Geschichten sind einfach wunderbar.

Holly-Jane Rahlens hätten wir gern mit einer englischen Lesung engagiert, aber die macht sie nur für älteres Publikum, und so genossen wir mit amerikanischem Akzent vorgetragen „Das Rätsel von Ainsley Castle“, dessen Verfilmung wir voraussichtlich irgendwann im Kino sehen werden.

Das Highlight war sicherlich Fantasy-Serien-Star Katja Brandis, die dank einer Lesereise im Ruhrgebiet einen Abstecher nach Bielefeld und Gütersloh machen konnte. In Bielefeld kamen am Vormittag rund 150 Kinder und ihre Lehrer, darunter viele Kenner und Fans der Seawalkers-Serie, mit Fan-T-Shirt und Stapeln von Büchern, die signiert werden wollten. Sie erzählte überaus spannend und zeigte Bilder von ihren Recherche-Reisen an die Originalschauplätze ihrer Bücher. Schon allein bei der Schilderung ihrer Begegnung mit dem Bullenhai beim Tauchen stockte allen der Atem. Bei einem Quiz konnten die Kinder kleine Souvenirs ihrer Lieblingsautorin gewinnen.

Nicht zu vergessen: die beiden „alten Hasen“ der Kinderbuchszene – Rüdiger Bertram und THiLo, die in Bielefeld immer wieder gern gesehene Gäste sind und ihre Zuhörer mit witzigen Büchern erfreuen. Rüdiger Bertram erhielt in diesem Jahr sogar die Auszeichnung „Lesekünstler des Jahres 2022“.

Begleitet wurden einige Veranstaltungen auch wieder von der Kinderbuchhandlung „Die Kronenklauer“, die neue Ladeninhaberin Sandra Diekmann war zum ersten Mal dabei und begeistert, die Autoren auf diesem Wege mal persönlich kennenlernen zu können.

Wir freuen uns von Herzen, dass wir jedes Jahr so viele treue Kooperationspartner und Sponsoren haben, denn ohne sie wäre die Veranstaltung nicht möglich!

Daher geht ein herzlicher Dank an alle Kooperationspartner der beiden Stadtbibliotheken – das Kulturamt der Stadt Bielefeld mit ihrem Programm kulturextra sowie der Fachbereich Kultur der Stadt Gütersloh. Wir danken der BITel und den Gütersloher Sponsoren Bertelsmann, Osthushenrich-Stiftung, Sparkasse Gütersloh-Rietberg sowie den Bielefelder Sponsoren BGW, Sparkasse Bielefeld, dm, Carolinen, Stadtwerke Bielefeld und dem Förderverein des LC Bielefeld-Marswidis für die Unterstützung.

Habi

Judith Hermann: Daheim

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

„…jeder Satz stimmt.

Ijoma Mangold

Roman "Daheim" von Judith Hermann mit Programmheft der Literaturtage Bielefeld 2021

Daheim. Ein Wort das Beheimatung und Geborgenheit suggeriert. Aber so richtig gemütlich wird es in dem gleichnamigen Roman von Judith Hermann nicht.

Die Ich-Erzählerin ist siebenundvierzig Jahre alt und geschieden. Sie hat eine erwachsene Tochter und lebt seit ungefähr einem Jahr allein in einem kleinen, maroden Haus an der Küste, gleich hinter dem Deich. Sowohl die Landschaft als auch die Gefühlswelt der Protagonistin zeichnen sich durch eine spröde Kargheit aus.

Dabei beginnt die Geschichte zauberisch. Die damals zwanzigjährige trifft in einer Tankstelle einen seltsam anmutenden Mann, der sich als Zauberer entpuppt und sie einlädt, mit ihr den etwas angestaubten Trick der „zersägten Jungfrau“ zu probieren. Dieses Kunststück soll auf einem Kreuzfahrtschiff mit dem Zielhafen Singapur vorgeführt werden. Doch sie, Bandarbeiterin in einer Zigarettenfabrik, lehnt überraschend ab.

Mit dieser Episode bereitet die Autorin das Motiv der Kiste, des Eingesperrtseins vor. Immer wieder wird dieser Gegenstand, in unterschiedlichen Varianten und Ausdeutungen, eine Rolle spielen.

Das überschaubare Figurenensemble besteht aus Menschen, die wie Strandgut an diesen Küstenstreifen gespült wurden. Da gibt es den angeberischen Bruder, die dissoziale Nike, den Ex-Ehemann und Messie Otis, die burschikose Mimi und deren überaus pragmatischen Bruder Arild, sowie ihre Tochter Ann, die irgendwo auf einem Schiff durch die Welt segelt. Allen gemeinsam scheint eine gewisse Verlorenheit, Unbehaustheit. Judith Hermann schreibt keine auserzählten Welten, sondern lässt vieles ungesagt und den Lesern damit viel Freiraum.

Judith Hermann lebt in Berlin und wurde durch ihren 1998 erschienenen Erzählungsband „Sommerhaus. später“ bekannt. Es folgten weitere Erzählbände und ein Roman. Für ihr Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen wie dem Kleist-Preis und dem Friedrich Hölderlin-Preis geehrt.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Judith Hermann im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Hier die Literaturliste als PDF:

Eine Auswahl Rezensionen und Gespräche über den Roman haben wir hier verlinkt:

  • Daheim sei „wahrscheinlich das beste Buch, das Judith Hermann geschrieben hat“, meint Christoph Schröder im Deutschlandfunk, hier.
  • „Das Bezwingende an Judith Hermanns schmalem Roman ist die Atmosphäre“, sagt Maike Albath in ihrem Beitrag für Deutschlandfunk Kultur, hier.
  • „Ein im literarischen Sinne des Wortes zauberhafter Roman“ – so Carsten Otte in seiner Buchkritik für SWR2, hier.
  • Judith Hermann habe „sich als Schriftstellerin neu erfunden“ titelt Carsten Otte dann sogar in der TAZ, hier.
  • Der Roman erzähle „von einer besonderen Gabe, die der Mensch besitzt: der Augenblickswahrnehmung“, meint Terrance Albrecht im WDR, hier.
  • Auch Roman Bucheli von der NZZ ist hingerissen, hier.
  • Ingeborg Jaiser sieht im online-Magazin TITEL-kulturmagazin Judith Hermanns Ruf als große zeitgenössische Erzählerin bekräftigt, hier.
  • In der 3Sat-Kulturzeit gab es einen 2-minütigen Filmbeitrag als Einführung zum Roman (in der Mediathek bis 19.05.2022), hier, und ein Gespräch mit Iris Radisch (ca. 5 Min.), hier.
  • Das lesenswert Quartett im SWR2 mit Denis Scheck, Insa Wilke, Ijoma Mangold und Antje Rávic Strubel lobt in seiner Runde den Roman einstimmig (Video in der SWR-Mediathek, ca. 11:30 Min.), hier.

Dienstag, 2. November, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Angelika Teller
Musikalische Begleitung: Nils Rabente, Flügel, Elmar Lappe, Schlagzeug, und Kevin Hemkemeier, Bass
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

Zum Online-Ticketverkauf

Es wird keinen Livestream zur Lesung geben.

Lena Gorelik: Wer wir sind

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

„Ich erzähle eine Geschichte, die uns allen gehört, ich sammle Geschichten in meiner.“

Roman "Wer wir sind" von Lena Gorelik mit dem Programmheft der Literaturtage Bielefeld 2021

In Lena Goreliks Schreiben spielt die Frage der Identität immer wieder eine wichtige Rolle. In ihrem jüngsten autobiographischen Roman erzählt sie, wie sie als Elfjährige in den frühen 1990er Jahren mit ihren Eltern, ihrem Bruder und der Großmutter Sankt Petersburg verließ, um fortan in Deutschland zu leben. Ob die Familie dort im fremden Ludwigsburg auch eine ‚Heimat‘ gefunden hat, was dies überhaupt bedeuten mag und ob es letztlich auch so etwas, wie ein Ende der Migration geben könnte, all dies beschreibt Lena Gorelik in ihrem hochgelobten Roman «Wer wir sind» (2021). Sie erzählt davon, wie sich Fremdheit anfühlt und wie im fremden ‚Westen‘, dem einstigen Sehnsuchtsort, nun für die Eltern ihre Nostalgie für alles Russische erwächst. Der Roman zeigt Identität dabei als das, was gerade dann besonders drängend wird, wenn sie ihre Selbstverständlichkeit verliert und zugleich als etwas, das immer auch im Zwiespalt zwischen Stolz und Scham, Eigensinn und Anpassung, Fremdsein und allem Dazwischen anzusiedeln ist.

Lena Gorelik, 1981 in Sankt Petersburg geboren, kam 1992 mit ihren Eltern nach Deutschland. Ihr Roman «Hochzeit in Jerusalem» (2007) war für den Deutschen Buchpreis nominiert, der viel­gelobte Roman «Mehr Schwarz als Lila» (2017) für den Deutschen Jugendbuchpreis. Regel­mäßig schreibt Lena Gorelik Beiträge zu gesellschaftlichen Themen, u.a. für die «Süddeutsche Zeitung» oder «Die Zeit». Sie lebt in München.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Lena Gorelik im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Hier die Literaturliste als PDF:

Einige Rezensionen und Interviews haben wir hier verlinkt:

  • Sigrid Löffler besprach den autobiografischen Roman für den Deutschlandfunk Kultur, hier.
  • Ebenfalls im Deutschlandfunk Kultur ist ein Gespräch mit Christine Watty auf dem Blauen Sofa nachzuhören (ca. 18 Min.), hier.
  • Einen kurzen Filmbeitrag gibt es in der BR Mediathek, Kulturmagazin puzzle: Interview moderiert von Özlem Sarikaya (ca. 10 Min.), hier.
  • Ein „Roman wie ein Webteppich“ mit der Sprache als Hauptfigur – schreibt Franziska Wolffheim für den Tagesspiegel, hier.
  • Holger Moos schrieb für das Goethe-Institut über den Roman, hier.
  • Noch einmal ein Interview auf dem Blauen Sofa: Joachim Dicks interviewte für ARD-Forum, mdr (ca. 25 Min.; Video verfügbar bis 30.05.2022) hier.

Donnerstag, 28. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Saskia Fischer
Musikalische Begleitung: Henning Rice, Flügel und Valentin Katter, Trompete und Gesang
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bielefeld

Zum Online-Ticketverkauf

Zur Livestream-Buchung

Marente de Moor: Phon

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

Weil man einen, der sich austauscht,
und sei es mit sich selbst, nicht einsam nennen kann.

Seite 296

Manchmal klingt es wie ein urzeitliches Tier. Es ist ein bisschen tektonisch, sagen Nadja und Lev zueinander zur Beruhigung. Aber diese dunklen Geräusche gab es nicht immer in der Luft über ihrem Haus in den russischen Wäldern. Das Biologenpaar verließ die Universität im alten Leningrad, baute ein Refugium für verwaiste Bärenjunge auf und bot jungen Freiwilligen aus den Euroländern, vermittelt durch die unnahbare Holländerin Esther, die Chance zur Begegnung mit ursprünglicher Natur. Aber diese kommen nicht mehr, die Nachbarn sind weggezogen, die einzige Fabrik ist längst verfallen. Einsamkeit macht sich breit. Und während Lev seinem Gedächtnis nicht mehr trauen kann, kämpft Nadja gegen ihre Erinnerungen. Was passierte in dem Jahr, von dem sie nichts mehr wissen will? Und wohin ist plötzlich auch noch Lev verschwunden?

Phon zeigt, wie Menschen allein, weit entfernt von der zerrütteten Gesellschaft, aus der sie geflohen sind, mit der Natur und ihren Erinnerungen in Beziehung stehen. Wenn dann aber die Gewissheiten verloren gehen, ist es die Fantasie in diversen Formen, die sie über Wasser hält: da ist die Hexe mit dem Raben, dort der Traum vom Lokführer als Liebhaber.

Für „Phon“ erhielt Marente de Moor den Bordewijk-Prijs für das beste niederländisch-sprachige Prosawerk des Jahres: „Een met meesterhand geschreven ideeënroman … van de eigenzinnigste auteurs van het Nederlands taalgebied.“

Marente de Moor, 1972 in Den Haag geboren, lebte in den 90er Jahren in St. Petersburg, wo sie als Korrespondentin für niederländische und russische Medien arbeitete. Zurück in den Niederlanden publizierte sie 2007 ihren ersten Roman: „Amsterdam und zurück“. Vor zwei Jahren erschien auf Deutsch: „Aus dem Licht“, in dem sie das Zeitalter der Erfindung des Films porträtiert.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Marente de Moor im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier:

Wir haben auch eine Literaturliste als PDF:

Eine Rezension gab es in der SZ:

  • Meike Fessmann schreibt, „Phon“ sei „keine Dystopie, sondern ein starker Gegenwartsroman“, hier.

Dienstag, 26. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Antje Doßmann
Musikalische Begleitung: Nils Rabente, Flügel
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit dem Verein der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, e.V.

Hilmar Klute: Oberkampf

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

Hilmar Klute erzählt beeindruckend die Geschichte einer spektakulären Desillusionierung – mit einem Knalleffekt-Ende, das einen lange nicht loslassen wird.  

(Anja Höfer, SWR2)

Roman "Oberkampf" von Hilmar Klute, Galiani-Verlag, Berlin

Der Titel des Buches „Oberkampf“ entlehnt sich dem Namen einer Pariser Metrostation. Gelegen im 11. Arrondissement, einem lebendigen Quartier, in dem sich die Pariser und Touristen zum Feiern treffen. Es gibt zahllose Cafés und Restaurants, Konzerthallen und Museen. Dorthin verschlägt es den Mittvierziger Jonas Becker. Er ist in diese Stadt gekommen, um ein Buch über einen mehr oder minder berühmten Schriftsteller zu schreiben und um aus seinem bisherigen Leben zu flüchten, einem gescheiterten Startup-Unternehmen, einer schon lang erloschenen Liebesbeziehung.

Kurz nach seiner Ankunft wird in diesem Viertel das Attentat auf die Redaktion der Satire Zeitschrift „Charlie Hebdo“ verübt. Dabei werden zwölf Menschen getötet und mehrere verletzt. Paris steht unter Schock. Bei einer spontanen Demonstration sieht er die junge Französin Christine wieder, die er an seinem ersten Abend in der Stadt kennengelernt hat. Sie werden ein Paar und Jonas erlebt, nicht zuletzt durch sie, wie die Menschen versuchen, diese Ungeheuerlichkeit zu bewältigen und sich ihr Leben zurückzuholen.

Gleichzeitig trifft er sich regelmäßig mit dem Autor Richard Stein, der ihn schon früh fasziniert hat. Die Begegnungen mit dem 86jährigen charismatischen, aber auch selbstverliebten Mann werden nach und nach unbehaglich. Denn Stein versteht es, seinen Biographen wie eine Spinne in sein Netz zu locken.

Hilmar Klute ist Streiflicht-Kolumnist der SZ, hat eine Biographie über Joachim Ringelnatz „War einmal ein Bumerang“ geschrieben und 2018 sein vielbeachtetes Romandebüt „Was dann nachher so schön fliegt“ veröffentlicht. Er lebt in Berlin.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Hilmar Klute im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Hier die Literaturliste als PDF:

Einige Rezensionen haben wir hier verlinkt:

  • Anja Höfer, SWR, meint „Klute setzt den schweren Stoff mit Leichtigkeit und Humor um“, hier.
  • Hannes Krauss, literaturkritik.de, lobt Klutes „originelle Milieuschilderungen und präzise Dialoge“, hier.
  • In der ARD-Kultursendung ttt-titel, thesen, temperamente gab es einen Filmbeitrag (ca. 6:20 Min.; nur noch bis zum 23.11.2021 in der Mediathek), hier.
  • Hilmar Klute im Gespräch mit Joachim Scholl im Deutschlandfunk Kultur, hier.

Dienstag, 19. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Angelika Teller
Musikalische Begleitung: Thomas Schweitzer, Saxophon
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

Zum Online-Ticketverkauf

Zur Livestream-Buchung

Hans-Ulrich Treichel: Schöner denn je

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

Eine durchaus psychoanalytische Lektüre, geprägt vom unverwechselbar trockenen Humor Hans-Ulrich Treichels. (…) Das alles liest sich herrlich …

(Claudia Ingenhoven, MDR)

Roman "Schöner denn je" von Hans-Ulrich Treichel, Suhrkamp-Verlag

Das ambivalenter Verhältnis zweier Männer beschreibt der 1952 in Versmold geborene Schriftsteller, Germanist und ehemalige Direktor am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, Hans-Ulrich Treichel, in seinem neuen Roman „Schöner denn je“: Während Erik Filmarchitekt in der glamourösen Welt Hollywoods ist, arbeitet Andreas, der Ich-Erzähler, als Fachdidaktiker für Französisch im ummauerten Westberlin. Immer wenn letzterer in die Lebenswelt Eriks eintaucht, spürt er seine vermeintlichen Defizite. Einmal so wie Erik sein, das hat sich Andreas Reiss sehnsüchtig gewünscht und sich von ihrer gemeinsamen Schulzeit an um eine Freundschaft mit dem zwar stets höflichen und gelassenen, aber letztlich unnahbaren Erik bemüht.

Was letztlich der Grund für Eriks beneidenswertes Lebensgefühl war, wusste ich nicht. Dazu ließ er mich nicht nahe genug an sich heran. Er war freundlich, er war kameradschaftlich, aber jeder wirklich engeren Verbindung wich er aus. Ich hätte einiges darum gegeben, sein bester Freund zu sein. Oder auch nur sein zweit- oder drittbester.

Erik ist gut in der Schule, aber kein Streber, hat Chancen bei den Mädchen, besitzt schon ein Auto, und seine dichten Haare sehen einfach lässig aus, Andreas dagegen fühlt sich eher wie der Typ Buchhalter mit seinen früh sich abzeichnenden Geheimratsecken:

Er war der Star und ich der Fan.

Nach dem Abitur in der norddeutschen Provinz werden die zwei nach Berlin ziehen, verlieren sich aus den Augen, dennoch kann Andreas nicht aufhören, den Schulfreund, den er einen „Wettbewerber des Lebens“ bezeichnet, zu idealisieren, wobei diese Konkurrenz, von der Erik nichts ahnt, meist zu seinen, Andreas‘ Ungunsten ausfällt. Zu einer filmreifen Dreiecksgeschichte wird die Beziehung zwischen den beiden Ungleichen mit dem besonderen Verhältnis des Ich-Erzählers zum Filmstar Hélène Grossmann, für die er seit Jugendjahren schwärmt, die aber offensichtlich auch eine besondere Verbindung mit Erik unterhält. Als Andreas ein paar Tage mit der prominenten Dame verbringt, die quasi von der Leinwand zu ihm herabsteigt, und sich damit zwischen  Erik und der berühmten Schauspielerin stellen kann, hält er sich für „auserwählt“ , bis die Illusionsblase platzt und er sich mit seiner Mittelmäßigkeit zufrieden geben muss

„Schöner denn je“ ist eine lakonisch-komische Geschichte von Freundschaft und Sehnsucht.  Und Andreas Reiss ist einer dieser typischen Treichel-Helden, mit dem der Romancier die Untiefen im Alltag der Gegenwart auslotet. Aber auch für diejenigen, die psychoanalytischen Deutungen zugetan sind, hat der Roman einiges zu bieten.

Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Hans-Ulrich Treichel hat als Lyriker und Prosaautor ein umfangreiches Werk geschaffen, bekannt wurde er vor allem mit den Romanen „Der Verlorene“ (1998) und „Tristanakkord“ (2000). Zuletzt erschien seine Erzählung „Tagesanbruch“ (2016).

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Hans-Ulrich Treichel im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Aber wir haben auch eine Literaturliste als PDF:

Hier einige Links zu Rezensionen über „Schöner denn je“:

  • Aus der Rezension von Claudia Ingenhoven, MDR Kultur, stammt das Zitat zu Beginn dieses Beitrags, hier.
  • Hilmar Klute nennt in der SZ das Buch „einen leichten und doch auch geheimnisvollen kleinen Roman“ und bescheinigt ihm „eine perfekte Dramaturgie“, hier.
  • Jörg Magenau betont im Radiobeitrag des Deutschlandfunk Kultur vor allem die Komik in der „grotesken Beziehungskomödie“: „Verbergen und Vorzeigen, Verrätseln und Enthüllen: Das sind die immanenten Themen dieses Romans.“ hier
  • Peter Mohr nennt im Rezensionsforum literaturkritik.de den Roman traurig-komisch, hier.
  • Judith von Sternburg erklärt in der Frankfurter Rundschau, dass dem Autor ein Paradoxon gelingt: eine uninteressante Hauptfigur erlebe gerade mal halbwegs Interessantes – und das Buch darüber „gelingt ausgezeichnet“, hier.
  • Carsten Otte zeigte sich in seiner Rezension für den SWR etwas enttäuscht im Gegensatz zu den älteren Romanen des Autors, hier.

Freitag, 15. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Dr. Maria Kublitz-Kramer
Musikalische Begleitung: Henning Rice, Flügel und Ismail Özgentürk, Saxophon
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit der Literarischen Gesellschaft OWL

Zum Online-Ticketverkauf

Zur Livestream-Buchung

Andreas Platthaus: Lyonel Feininger

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

„In Feininger spiegelt sich die Zeit“.

Sachbuch "Lyonel Feininger: Porträt eines Lebens" von Andreas Platthaus

Was wissen wir eigentlich über Lyonel Feininger? Viele hängen die Reproduktionen seiner intuitiv als schön wahrgenommenen kristallinen Gemälde in ihre Wohnungen: nur Dekoration? Zum 150. Geburtstag des herausragenden Künstlers Lyonel Feininger zeigt uns Andreas Platthaus den enorm vielfältigen Ausnahmekünstler der Klassischen Moderne. Wir folgen seinem wechselhaften 84jährigen Lebensweg: in New York geboren und dort zu einem Bankier in die Lehre gegeben, als 16jähriger von den Eltern zum Musikstudium nach Deutschland geholt, glücklicherweise dann der eigenwillige Wechsel zum Kunststudium.

Andreas Platthaus ist einer der besten Kenner der Mediengeschichte des Comics, zu deren frühen Höhepunkten Feininger wesentlich beitrug. Heute ist er der einflussreiche Literatur-Ressort-Leiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Schwerpunkt dieses einzigen Sachbuchs, das in unseren Literaturtagen vorgestellt wird, liegt aber bei Feiningers prägendem Einfluss als Meister des Bauhauses. Aus der Analyse von hunderten, bisher nicht in dieser Form aufgearbeiteten Briefen Feiningers wird erstmals verständlich, warum er es als „Unpolitischer“, so beschrieb er sich selbst, vier Jahre im tausendjährigen Reich aushielt, trotz der bedrohlichen Lage für seine Ehefrau, der jüdischen Künstlerin Julia Berg. Dabei war er bereits zum Ende des Ersten Weltkriegs als „feindlicher Ausländer“ diffamiert worden. Als 66jähriger, international vernetzter Künstler ging er, der nie seine US-Staatsbürgerschaft aufgab, erst im Juni 1937 zurück in seine Geburtsstadt, wo sich das Willkommen der Kunstwelt für ihn allerdings sehr in Grenzen hielt. Das Portrait eines Künstlerlebens, präzise recherchiert, leicht erzählt.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Andreas Platthaus im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Literaturlisten zu den Büchern von Andreas Platthaus und zu Lyonel Feininger:

Im Feuilleton gab es einige Besprechungen und Interviews, hier ein paar Links:

  • „Ein Maßstäbe setzendes Buch“ sagt Eva Hepper im Deutschlandfunk Kultur hier.
  • Harald Eggebrecht hebt in der SZ besonders hervor, dass der Autor der Biographie auch „von der dunklen, egomanen Seite des Grafikers und Bauhaus-Meisters“ erzähle, hier.
  • Auch Stefanie Leibetseder lobt im online-Rezensionsforum Literaturkritik.de einen detaillierten und vor allem „einen wohltuend kritischen Blick“, den Andreas Platthaus auf Feininger werfe; hier.
  • Auf dem Blauen Sofa sprach Thorsten Jantschek für Deutschlandfunk Kultur mit dem Autor über sein Buch, hier.

Mittwoch, 13. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Dr. Udo Witthaus
Musikalische Begleitung: Dr. Djamilija Keberlinskaja-Wehmeyer, Flügel
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

Zum Online-Ticketverkauf

Zur Livestream-Buchung

Felicitas Hoppe: Fieber 17 / Die Nibelungen

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

Gestern, endlich, die erlösende Nachricht aus dem Labor. Ich bin nicht bloß müde. Ich bin tatsächlich krank. Und plötzlich erklärt sich alles von selbst.

Fieber 17

Ich wurde verschickt. An einem Sonntagmorgen ging es an der Hand des Vaters erstmals zum Bahnhof. Abenteuer, Sand und Strand wurden versprochen. Ich war Fünf und hatte bloß Asthma. Plötzlich war ich im Zug umzingelt von Wärterinnen, die behaupteten, „Tanten“ zu sein, die für Ordnung sorgten. Später im Kinderkurheim: Ohrfeigen und Morgenappell. Verspottung die Nichtschwimmer am Strand. Pflichtbewusste Wärterinnen, durch und durch lieblos. Nach Hause geschickt wurden fröhliche Ansichtskarten: Mir geht es gut – wie geht es Euch. Als das Kuscheltier eines Nachts verschwindet, taucht erstmals das eigenartige Fieber auf, das das kleine Halborgan, das man früher Seele nannte, befallen hatte.

Äußerst kompakt wird so, mit autobiografischen Anklängen, vom Anfang ihres Lebens als Reisende erzählt – und zugleich vom Trennungstrauma, das Millionen verschickte Nachkriegskinder hierzulande erlitten haben. Es ist eine alptraumhafte Geschichte vom wirklichen Leben, flankiert von einem Essay über die Kindheit und dem vergeblichen Versuch, endlich erwachsen zu werden. Und natürlich ist es wieder ein sprachliches Meisterwerk der Büchner-Preisträgerin, die soeben für „ihren feinen Humor als Haltung zur Welt“ in Kassel ausgezeichnet wurde.

Zudem präsentiert Felicitas Hoppe ihren neuesten Roman: „Die Nibelungen: Ein deutscher Stummfilm“. Das erste gesamteuropäische Heldenepos, ein unschlagbar guter Stoff, so sagt Hoppe, sei der Ausgangspunkt. Was Quentin Tarantino und der deutsche Stummfilm damit zu tun haben, wird die 1960 in Hameln geborene Autorin von „Picknick der Friseure“, „Johanna“ und „Prawda“ uns live erzählen.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Felicitas Hoppe im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Eine Literaturliste als PDF haben wir auch:

Der Roman „Die Nibelungen“ wurde im Feuilleton besprochen, einige Rezensionen haben wir verlinkt:

  • Juliane Bergmann für NDR-Kultur spricht von einem „sprudeligen Feuerwerk“, mit dem Buch gelinge ein „witziges und kluges Experiment“ (hier)
  • Angela Gutzeit im SWR sieht in dem Roman eine „kapitalismuskritische, gleichzeitig aber auch ungemein unterhaltsame Deutung (…) voller sprachlicher Raffinesse, Witz, Verspieltheit und feiner Ironie.“ (hier)
  • Tilman Spreckelsen lobt in der FAZ, die Autorin habe „zu unserem Glück den Nibelungen-Schatz gehoben und ihn sich zu eigen gemacht, um ihn verwandelt zurück in die Welt zu schicken.“ (hier)
  •  Im Rezensionsforum literaturkritik.de glaubt Sascha Seiler am Ende seiner Besprechung, der Roman „wäre ein würdiger Sieger“ des Deutschen Buchpreis 2021. (hier)
  • Carsten Otte titelt in der TAZ, Felicitas Hoppe habe „die Nibelungensaga furios neu geschrieben“. (hier)

Auch zu „Fieber 17“ hier einige Besprechungen und Gespräche mit der Autorin:

  • Svenja Frank ordnet im Rezensionsforum literaturkritik.de die Erzählung und den Essay in das bisherige Werk der Autorin ein. (hier)
  • Judith von Sternburg ist in der FR fasziniert, „wie geschwind und freundlich und keineswegs aufdringlich die Büchnerpreisträgerin Hoppe Gewissheiten aus den Angeln hebt“, wenn sie „die fast tückische Frage nach der glücklichen oder unglücklichen Kindheit“ stelle. (hier)
  • Im Podcast des BR kann man noch bis zum 22.4.2022 eine Autorenlesung mit Gespräch (Redaktion und Moderation: Cornelia Zetzsche) (29 Min.) anhören. (hier und einführenden Text hier)
  • Auch im WDR gab es ein Gespräch mit der Autorin (13 Min.). (hier)

Die Website der Autorin findet Ihr hier.

Freitag, 8. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Klaus-Georg Loest
Musikalische Begleitung: Reinhold Westerheide, Gitarre
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit dem Verein der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, e.V.

Zum Online-Ticketverkauf

Zur Livestream-Buchung

Zora del Buono: Die Marschallin

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

Einen lebenssatteren Roman mit interessanteren Figuren kann man derzeit kaum finden.

Elke Heidenreich

Zora del Buono schreibt über Zora del Buono. Aber sie schreibt nicht über sich, sondern über ihre gleichnamige Großmutter – die Marschallin! Den Namen bekam diese für ihre Verehrung des Marschalls Josip Broz Tito. Gleichzeitig spiegelt diese Titulierung auch ihre herrische Seite wieder, denn Zora del Buono war eine streitbare, eine widersprüchliche Frau. In ihr vereinten sich ganz unterschiedliche Begabungen und Eigenschaften. Sie war klug und kühn, eigenwillig und charismatisch, großzügig und gleichzeitig beängstigend. Geboren wurde sie vor dem ersten Weltkrieg in einem kleinen Ort in Slowenien. Dort lernte sie ihren späteren sizilianischen Ehemann, den Radiologie-Professor Pietro del Buono kennen. Sie folgte ihm nach Bari in Italien. Dort führten die beiden, obgleich überzeugte Kommunisten, ein großbürgerliches Haus mit Angestellten, großen Gesellschaften und einer angeschlossenen Privatklinik. Zora rieb sich an ihrer tradierten Frauenrolle, wollte nicht ausschließlich Mutter sein, wollte gestalten. So entwarf sie die eigene Villa – modern und schnörkellos, verbündete sich während des Krieges mit Partisanen, leistete vehementen Widerstand gegen Mussolinis Faschismus, dominierte das Leben ihrer Brüder und drei Söhne. Gleichzeitig war das Schicksal dieser unbeugsamen Frau geprägt von entsetzlichen Verlusten. Es scheint, als läge ein Fluch über der Familie und damit nicht genug, auch ein fatales Familiengeheimnis.

Zora del Buono ist Schriftstellerin, Architektin und Mitbegründerin der Zeitschrift „mare“. Sie lebt in Zürich und Berlin.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Zora del Buono im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Eine Literaturliste als PDF haben wir auch:

Die web-Adresse von Zora del Buono findet Ihr hier.

Der Roman wurde oft im Feuilleton besprochen, einige Rezensionen haben wir verlinkt:

Im Literaturclub des SRF-Kultur diskutierten vier Literaten am 6.10.2020 über den Roman; mit einer kurzen Lesung durch den Schauspieler Thomas Sarbacher. (Video, insgesamt etwas mehr als 11 Minuten)

Marie Sagenschneider interviewte die Autorin auf dem Blauen Sofa des ZDF am 16.10.2020 (Video, 16 Minuten; in der Mediathek nur noch verfügbar bis 16.10.2021).

Dienstag, 5. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Angelika Teller
Musikalische Begleitung: Valentin Katter, Gesang und Trompete; Leon Brames, Schlagzeug; Milan Böse, Bass
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit dem Verein der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, e.V.

Zum Online-Ticketverkauf

Zur Livestream-Buchung

Martin Mosebach: Krass

Literaturtage 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

Sterne stehen Lichtjahre auseinander und sind dennoch miteinander verbunden.

Krass. Seite 512

Buch und Hörbuch "Krass" von Martin Mosebach, daneben die Broschüre zu den Literaturtagen Bielefeld 2021

Ralph Krass ist ein erfolgreicher, international agierender Geschäftsmann, der sich anscheinend am Golf von Neapel pompös niederlassen will. In einem altmodischen Grandhotel hat er eine kleine Gruppe um sich geschart, die er aushält und die ihn dafür treu begleitet. Als Lidewine, die „betrachtenswerte“ Assistentin eines Zauberkünstlers, die Hotelbar aufsucht, lädt Krass sie ebenfalls ein und schlägt ihr ein finanziell lukratives Spiel vor, das im Eklat endet.

Nach dem handlungsreichen Auftakt in Italien geht es in die karge, arme französische Provinz. Diese völlig andere Welt ist das neue Lebensumfeld des Pechvogels Dr. Jüngel, Geisteswissenschaftler und ehemaliger Sekretär von Ralph Krass, der mit seinen Reflexionen die Neapel-Ereignisse neu beleuchtet. Im dritten und letzten Teil treffen Jüngel und Lidewine zufällig in Kairo wieder auf Krass. In dieser Stadt gehen seine Dollarvorräte zur Neige und sie wird zur staubigen Endstation des Machtmenschen Krass.

Der ehemalige Jurist und Büchner-Preisträger aus Frankfurt, Martin Mosebach, entwirft hochaktuell eine zauberberg‘sche Gesellschaft, der wir hier über zwanzig Jahre gespannt folgen dürfen. Das Thema Reichtum und Macht wird raffiniert, auch parodistisch, zugleich universell präsentiert: ein aberwitziges Lebensdrama ist somit zum klassisch schönen und literarisch beziehungsreichen, neuen Kunstwerk dieses Autors geworden, der, nebenbei bemerkt, auch ein fantastisch guter Vorleser ist.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)

Der Roman stand sowohl auf der SWR-Liste der qualitativ besten Belletristik-Neuerscheinungen, wie auch auf der SPIEGEL-Bestseller-Liste.


Die Katalogdaten zu den Werken von Martin Mosebach im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Eine Literaturliste als PDF haben wir auch:

Der Roman wurde oft im Feuilleton besprochen, einige Rezensionen haben wir verlinkt:

Filmbeiträge und Interviews:

  • In der 3Sat-Kulturzeit vom 09.02.2021 wurde der Roman in einem kurzen Feature mit Martin Mosebach vorgestellt
  • Denis Scheck spricht ausführlich mit Martin Mosebach in seiner Sendung Lesenswert, 3Sat, 24.01.2021

Freitag, 1. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Eröffnung mit Dr. Katja Bartlakowski, Direktorin der Stadtbibliothek Bielefeld
und einem Grußwort durch den Förderverein
Moderation: Klaus-Georg Loest
Musikalische Begleitung: Matthias Klause-Gauster, Flügel
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Streaming 2,– €

In Kooperation mit dem Verein der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, e.V.

Zum Online-Ticketverkauf

Zur Livestream-Buchung