Bibliotheksgeschichte(n) – Oh, was ist das?

Ein weiteres Artefakt aus dem kleinen Museum des Kollegen. Sieht ein bisschen aus wie ein Eiskratzer, oder? 😉

Nein, das kleine Ding macht den Bildschirm des PCs sauber. Quasi ein „Staubkratzer“. Unser Bibliothekssystem, Bibliotheca, haben wir früher von der Firma „Bond“ bezogen. Da gab es dann eben so ein nettes Teil dazu. Um das Jahr 2000 herum muss das gewesen sein. Ich finde es irgendwie ganz niedlich, ob wohl es in die Kategorie „Klüngelkram“ gehört, welcher ganz schnell in den Tiefen der Schreibtischschublade verschwand – und möglicherweise nie benutzt wurde.

kwk

Bibliotheksgeschichte(n) – Die Urica-Datenbank

Im letzten Beitrag hatte ich euch die Bandkataloge gezeigt und ein bisschen erklärt. Darauf folgte der Zettelkatalog, zu dem ich in einem anderen Beitrag auch noch kommen werde. Heute begebe ich mich auf ein für mich noch unbekannteres Terrain. Wir befassen uns heute mit der URICA-Datenbank, dem Nachfolger des Zettelkatalogs. Der Beitrag ist etwas technisch angehaucht, aber auch das gehört eben zu uns. 🙂

Gehört hatte ich das Wort „URICA“ wohl schon, allerdings nur in Gesprächen, die in etwa so lauteten: „Ja, und dann bekamen wir URICA und alles wurde umgestellt…“. Das half mir nur bedingt weiter, also machte ich mich auf die Suche nach mehr. Glücklicherweise vergessen die Kolleg*innen und das Internet nie- einige Telefonate mit der EDV-Abteilung und ein Artikel der „Computerwoche“ aus dem Jahr 1986 verhalfen mir zu mehr Wissen.

Mit der URICA-Datenbank starteten wir 1984, übrigens als erste Bibliothek in Europa. Der Server hatte einen Hauptspeicher von sage und schreibe 1 MB und ein Festplattenlaufwerk mit einem Speichervolumen von 256 MB. Entwickelt wurde die Datenbank vom Flugzeughersteller McDonnell Douglas (MDD) in den USA und war zunächst nur auf anglo-amerikanische Bibliothekssysteme ausgerichtet. Diese Datenbank löste den alten Zettelkatalog nach und nach ab und war der Vorläufer unseres jetzigen Bibliotheca-Systems. Die Oberfläche am PC sah wie eine DOS-Oberfläche aus, schwarzer Bildschirm mit grüner Schrift. Das Ganze war nur über die Tastatur zu bedienen, zur Ausleihe oder Rückgabe von Medien drückte man eine der „F“-Tasten und dann konnten über den Scanner der Barcode der Medien und des Ausweises erfasst werden. Konkreter Umstellungsanlass war die Eröffnung einer weiteren Stadtteilbibliothek und man wollte in die etwas veraltete Technik kein Geld mehr investieren. Zusätzlich zu unserem Bestand wurde der Medien- und Buchbestand des Stadtarchivs mit eingepflegt und wir konnten sozusagen Bestandsübergreifend recherchieren.

Doch zunächst musste der gesamte (!) Bestand mit seinen bibliografischen Daten (Titel, Sachtitel Autoren, Übersetzer, Urheber, Herausgeber, Seitenzahlen, Fußnoten, Schlagwörter, Verleger, Serientitel usw.) erfasst werden. Ein ganzes Team außerplanmäßig eingesetzter Mitarbeiter war damit beschäftigt, von denen viele anschließend bei uns bleiben konnten. 🙂

Das Nachfolgeprodukt von URICA, welches dann von MDD angeboten wurde war HORIZON, welches u.a. die Stadtbibliothek Dortmund einige Jahre noch genutzt hat. Wir haben uns aber dagegen entschieden. 1996 folgte BIBLIOTHECA, damals von der Firma Bond, heute ist der Anbieter OCLC. Und damit schließt sich der Kreis, denn OCLC ist heute in den USA wie damals MDD groß vertreten.

Ich habe leider kein Bild zu URICA – nur diesen Ordner, in dem damals das Benutzerhandbuch abgeheftet war…

kwk