Vorlesetipp: „Es war einmal und wird noch lange sein“

Ich arbeite in der Bibliothek hauptsächlich im Erwachsenenbereich. Kinderliteratur lese ich also aus privatem Interesse: Ich mag und sammle – in Maßen – Märchenbücher, ich finde gut gemachte Kindersachbücher sehr anschaulich als Einstieg in eine Thematik. Und ab und zu lese ich auch Bilderbücher – zusammen mit meinem Vater, der mir hilft, geeignete Vorlesebücher zu finden.

Ich weiß nicht mehr, wo ich die Empfehlung gelesen hatte, aber vor einigen Monaten habe ich das Bilderbuch von Johanna Schaible für mich gekauft. Zum Vorlesen in großer Runde ist es doch wohl weniger geeignet. Das Buch mit seiner Reise durch die Zeit ist eher ein schönes Buch zum Blättern, Lesen und Träumen vor dem Zu-Bett-Gehen.

Johanna Schaible: Es war einmal und wird noch lange sein. Hanser 2021

Erst blättert man sich von der Urzeit bis in die Gegenwart, dann träumt man sich Seite für Seite in die Zukunft. Der Text ist sehr sparsam, eine kurze Aussage über die Zeit pro Seite:

„Vor Milliarden von Jahren formte sich das Land.“

„Vor Tausenden von Jahren bauten die Menschen große Dinge.“

„Vor einem Monat war noch Herbst.“

In der zweiten Hälfte werden Fragen an die Zukunft gestellt:

„Wann stehst du morgen auf?“

„Wie feierst du nächstes Jahr deinen Geburtstag?“

„Was wünschst du dir für die Zukunft?“

Die Bilder geben viel Spielraum für eigene Gedanken und Interpretationen. Ungewöhnlich ist das Format: Die Seiten mit den ganzseitigen Illustrationen werden bis zur Mitte des Buches immer kleiner und dann in der zweiten Hälfte wieder größer, so dass alle Seiten einen bunten Rahmen für das Zentrum bilden: „Jetzt! Wünsch dir was!“ – lautet auf diesem zentralen Blatt der Text.

Das ist eine sehr poetische Zeitreise, nicht nur für Kinder.

„Für die Erwachsenen von morgen
und die Kinder von gestern“

So lautet die treffende Widmung. Das Bilderbuch ist ein Kunstwerk für jedes Alter. Mein Vater jedenfalls hat lange darin geblättert – und er hat die Fragen an die Zukunft verschmitzt lachend beantwortet: „Das verrate ich dir nicht!“

Johanna Schaible ist mit „Es war einmal und wird noch lange sein“ für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022 in der Kategorie Bilderbuch nominiert.
Eine ausführliche Rezension von Thomas Linden wurde im deutschlandfunk veröffentlicht.
Vor einigen Tagen gewann die Autorin bei den Solothurner Literaturtagen den Schweitzer Kinder- und Jugendbuchpreis 2022, dazu gab es beim SRF Schweizer Radio und Fernsehen eine schöne Rezension (mit Bildern) von Britta Spichiger hier.

Unsere Katalogdaten sind hier

HilDa

Vorlesetipp: Die Tiefseetaucherin

Ein Sachbuch als Vorlesetipp ist vielleicht ungewöhnlich. „Die Tiefseetaucherin“ erzählt aber auch eine Abenteuergeschichte, die Entdeckungsreise mit dem kleinen U-Boot Ulf bis zur tiefsten Stelle im Ozean. Die junge Entdeckerin ist das Mädchen Juli, nicht älter als die Zielgruppe dieses Kinderbuches: Jungforscher und Forscherinnen zwischen 6 und 10 Jahren. Da kann der eine oder die andere ja auch schon selber lesen, benötigt aber vielleicht noch etwas Unterstützung.

Bilderbuch "Die Tiefseetaucherin"; das Cover zeigt eine bunte Grafik mit einem tauchenden Mädchen inmitten einer lichtdurchfluteten Unterwasserszene mit Korallen, einer Qualle, einigen Fischen und einigen roten Krakenarmen, die hinter einem Felsen hervorkommen.

In einem Sachbuch erwartet man natürlich Wissen und Informationen. Hier geht es um die großen Ozeane und vor allem das, was bisher noch ziemlich unbekannt ist: die Tiefsee, ein Lebensraum, der uns fremder ist als die Mondoberfläche.

Von Doppelseite zu Doppelseite geht es tiefer hinab. Juli begegnet dabei ganz unterschiedlichen Lebewesen: Wale und ihre verschiedenen Jagdmethoden, Riesenkraken, die sogar mit zehn Armen winken können, Blobfische, die fast ganz aus Gelee bestehen und vieles mehr. Wir erfahren etwas über die Meeresverschmutzung und ihre Folgen. Und wusstet Ihr, dass in 8.000 Meter Tiefe ein Wasserdruck herrscht, als würden 1.600 Elefanten auf dem kleinen U-Boot stehen? Vor allem aber sehen wir die Schönheit und die skurrilen Lebensformen unter Wasser.

Für uns, die wir kein U-Boot haben, wird diese geheimnisvolle Welt sichtbar gemacht durch die Illustratorin Iris Ott. Überwiegend naturalistisch, kindgerecht und mit kräftigen Farben lässt sie uns die Unterwasserwelt miterleben. Text und Grafik erklären und laden zum eigenen Entdecken in den großformatigen Bildern ein. Da kommt man beim Vorlesen vielleicht auch schnell zum Fabulieren und Selbsterfinden von Abenteuern in der Tiefsee. Und spätestens da hat man sicher alle Kinder mit im (U-)Boot. 😉

Eine eigene Tiefseefahrt „buchen“ könnt Ihr mit unserem ganz neuen Exemplar in der Kinderbibliothek, Katalogdaten hier.

HilDa

Vorlesetipp: Der etwas andere Nikolaus

Ja, das ist ein Buch passend für die Adventszeit, denn die Handlung spielt rund um den Nikolaustag. Aber es ist kein Weihnachtsbuch im engeren Sinne, denn wenn man Nikolaus heißt, ich ja eigentlich jeder Tag ein Nikolaustag. 😉 Und für Bielefelder ist das Bilderbuch noch mal besonders interessant, darum der Vorlesetipp auch außerhalb der Weihnachtszeit:

Nikolaus ist der Name eines weißen Hahns, der von seinem Besitzer einfach ausgesetzt wurde, weil er keine Eier legen kann. Nun irrt der einsame Vogel durch die Stadt und sucht eine neue Aufgabe, denn nur wenn er nützlich ist, so glaubt er, wird er ein neues Heim finden. Also will er es der Maus gleichtun, doch er passt nicht durch das Schlupfloch. Auch beim Wetterhahn auf dem Kirchturmdach findet er keine Antwort, denn der ist aus Kupfer und ganz platt und stumm. Der seltsame Mann mit rotem Mantel und langem Bart, der den Kindern auf dem Weihnachtsmarkt so viel Freude bringt, könnte ja vielleicht einen neuen Helfer brauchen. Doch Nikolaus der Hahn ist viel zu schwach, um den großen Sack mit den Geschenken seines menschlichen Namensvetters zu tragen.

So zieht der arme Vogel hinaus aus der Stadt und entdeckt einen Hof, der ihm heimelig vorkommt. Er sucht sich einen Unterschlupf, wo er vorerst gegen Schnee und Kälte Schutz findet.

Der nächste Morgen ist der 6.12., Nikolaustag. Eine Schar Hühner findet den Hahn – und sie heißen den Heimatlosen willkommen. Er muss nichts mitbringen, keine besonderen Fähigkeiten vorweisen, keine außergewöhnliche Aufgabe übernehmen: Er kann einfach so bleiben, denn der Hof ist ein Gnadenhof, auf dem verstoßene Tiere ein Zuhause finden. Ab und zu krähen wäre schön und vor Greifvögeln warnen – ja, das kann Nikolaus. Endlich hat er ein schönes neues Heim und neue Freunde gefunden.

Die Aussage der Geschichte passt in jede Jahreszeit: Du musst nichts Besonderes leisten, du darfst einfach sein wie du bist, und du bist willkommen. Trotz des vorweihnachtlichen Rahmens kann man das zu jeder Zeit vorlesen.

Das Bilderbuch hat noch eine andere Botschaft: Den weißen Hahn namens Nikolaus gibt es nämlich wirklich; er fand an einem Nikolaustag zum Begegnungs- und Gnadenhof Dorf Sentana bei Bielefeld und erhielt so seinen Namen. Niemand weiß, woher er kommt, denn ein echter Hahn kann seine Lebensgeschichte ja nicht erzählen.

Also erfanden Christiane Wittenburg und die Illustratorin Linda Mieleck diese Bilderbuch-Geschichte. Das Buch soll auch Werbung für das Dorf Sentana machen und um Spenden für den Gnadenhof werben. Übrigens: Nicht nur der Hof ist in der Nähe von Bielefeld, auch der Verlag CalmeMara hat in unserer Stadt seinen Sitz. Und die Künstlerin Linda Mieleck ist ebenfalls Bielefelderin. Da empfehlen wir das schön gemachte Kinderbuch doch besonders gerne.
Unsere Katalogdaten findet Ihr hier.

HilDa

Buchtipp: Mein Buch vom Mond

Der nächste Vollmond kommt bestimmt.

Unter unseren neuen Büchern entdeckte ich ein Buch mit einem wunderschönen Titelbild.

Der Text ist von Laura Cowan.  Die Illustrationen sind von Diana Toledano.

Gedacht ist das Buch für Kinder ab 5 Jahren. Erwachsene dürfen aber auch! Es ist ein Buch für alle Menschen, die neugierig sind und sich von den schönen Illustrationen verzaubern lassen möchten.

Gleich auf der dritten Seite finden sich viele Fragen zum Mond. Die Antworten gibt es auf den folgenden Seiten. Spannend finde ich, dass nicht nur naturwissenschaftliche Fragen beantwortet werden, sondern dass auch Geschichten und Mythen aus aller Welt erzählt werden. Wer kennt das Kaninchen auf dem Mond?

Auch von Forschern aus aller Welt wird berichtet. Von den Mondlandungen erfährt man natürlich auch. Alles ist auf 32 Seiten mit abwechslungsreichen und wunderschönen Illustrationen zu entdecken. Ein toller Einstieg in das Thema.

Ganz unüblich für ein Bilderbuch ist das Register am Ende. Also ein richtiges Sachbuch wie es sich gehört. Naja zugegeben – ein Inhaltsverzeichnis gibt es nicht.

Hier die Katalogdaten.

Rieke

Lieblingsklassiker

Heute habe ich ein Buch für euch, welches (für mich) zu den Klassikern gehört. Nicht Schiller, Goethe, Brecht … sondern eins, was schon 1970 erschien, in der Kinderbuchabteilung beheimatet und kein bisschen angestaubt ist:

Mog, der vergessliche Kater“ von Judith Kerr.

Kennt ihr ihn? Über diesen Kater muss ich immer wieder schmunzeln. Zuhause habe ich übrigens auch so ein Exemplar- einer unserer Kater steht Mog vom Aussehen und Verhalten in nichts nach.

Zurück zu dem Bilderbuch-Felltier.
Mog ist, wie der Titel schon vermuten lässt, etwas schusselig und gerade deswegen ein Herzenskater. Sämtliche Familienmitglieder haben ihn lieb aber regen sich diverse Male über ihn auf: weil er die Sicht auf den Fernseher versperrt oder die Blumen kaputt trampelt oder oder oder. Doch als er eines Abends wieder nicht die Katzenklappe ins wohlige Heim findet, hat er seinen großen Auftritt…

Einfach, aber klar gezeichnet und erzählt, tapst sich dieser Kater in die Kinderherzen und ganz bestimmt auch in die der Erwachsenen.

kwk

Buchtipp: Das NEINhorn

Muss ich dieses Buch noch empfehlen? In meinem Freundeskreis wird es längst überall herumgereicht, war ein beliebtes Geschenkbuch – und zwar unter Erwachsenen, auch wenn es ein Kinderbilderbuch ist. Ja, natürlich haben auch Kinder ihre Freude am NEINhorn (Katalogdaten zu Buch und Hörbuch hier), aber eben auch die Erwachsenen, egal ob beim Vorlesen, gemeinsam Lesen oder selbst Entdecken. Die herrlichen Sprachspielereien waren bei uns sogar schon Partygespräch.

Aber wen wundert’s, spätestens wenn der Name des Autors fällt, ist alles klar: Marc-Uwe Kling (Katalogdaten zu seinen Werken in der Stadtbibliothek hier) ist längst berühmt für seine Känguru-Chroniken, Bestsellerautor mit „Qualityland“ und jetzt eben ein Kinderbuch, das genauso wenig in ein Schema passt wie sein Känguru – dafür ist es aber schön illustriert von Astrid Henn.

Nun ja, das NEINhorn will ja auch schlichtweg nicht in irgendein Schema passen. Alle rosa und regenbogenbunten Einhörner wissen, was sich für Einhörner gehört. Alle. Nur das NEINhorn tanzt aus der Reihe. Immer. Ja, es ist ein wenig anstrengend. Aber irgendwie kann man es auch verstehen, denn die ewig gut gelaunten, plüschig-langweiligen anderen Einhörner mit ihrem Anspruch, alles müsse immer auf diese eine Art geschehen, können auch nerven. Wie gut, dass es da noch andere Wesen gibt, die auch so ihre Eigenarten haben: der nie richtig zuhörende WASbär zum Beispiel oder der NAhUND, dem einfach alles egal zu sein scheint.

An diesen Namen erkennt man schon, der Autor liebt das Spiel mit Sprache; seine Einfälle wirken nur auf den ersten Blick schlicht – aber die Phantasie kennt keine Grenzen. Und die schönste Stelle im Buch ist sowieso der Aufruf an die kleinen und großen Leser, weitere seltsame Wesen zu erfinden. Das macht nicht nur Kindern Spaß.

Für mich die größte Freude ist aber das laute Lesen, um dabei die kleinen Minidramen zwischen den unterschiedlichen Charakteren mit je eigenen Stimmen und Stimmungen zu interpretieren: Nein! – Waaas? – DOCH! – Na und?

Daraus kann man vielleicht auch ein Spiel entwickeln: Einer stellt Fragen und der andere antwortet motzig mit Variationen von „Nein“; geht auch mit mehreren Mitspielern, die dann die Eigenarten anderer Figuren nachahmen. Das ist so einfach, dass auch Kinder mitmachen; das könnte aber auch zu einem Improvisationsspiel mit Sprache und Betonung für Amateurdarsteller ausgebaut werden.
Oder gar zu einem Partyspiel.
Ach, nur so eine alberne Idee aus dem einsamen HomeOffice zu Coronazeiten. Ich mag nämlich keine Partyspiele.
NEIN!

Damit die Erwachsenen nicht immer das NEINhorn-Bilderbuch aus der Kinderbibliothek für sich blockieren, kaufen wir noch ein Exemplar für den Bereich Comics für Erwachsene. Und wenn Ihr das unpassend findet, ist mir das doch egal!
WAS? – NA UND!

HilDa

Winterzeit ist Märchenzeit #3

Die Bremer Stadtmusikanten

Die Bremer Stadtmusikanten / illustriert von Bernadette

Für ein privates Vorhaben benötigte ich Informationen und vor allem Bildmaterial zu dem Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“. Zum Glück bin ich ja regelmäßig in einer großen Bibliothek 😉und wurde dort fündig. So fündig, dass dieser Beitrag vielleicht etwas bildlastig wird.

„Die Bremer Stadtmusikanten“ ist eines der beliebtesten Märchen der Brüder Grimm. Als Quelle nennen sie in ihren Anmerkungen „aus dem Paderbörnischen“, es stammt also hier aus unserer Heimatregion, übermittelt von der Familie von Haxthausen, so zumindest der Stand in der Märchenforschung.

Die Bremer Stadtmusikanten / illustriert von Gerda Muller

In der ersten Auflage der „Kinder- und Hausmärchen“ war die Geschichte allerdings noch gar nicht enthalten. Erst seit der zweiten Auflage 1819 gehört die Tierfabel zum Grundbestand der Grimm’schen Sammlung als KHM 27 und wurde dann 1825 von Wilhelm Grimm auch als eines der 50 schönsten Märchen für die Kleine Ausgabe ausgewählt. Heute fehlt es in kaum einer Märchensammlung. Viele Illustratoren haben sich dem Thema gewidmet und so fand ich sehr verschiedene Bilderbücher in unserem Bibliotheksbestand.

Die Bremer Stadtmusikanten / von Marko Simsa und Doris Eisenburger

Die Märchenbilder von Bernadette (Bernadette Watts) sind schon Klassiker. Die niederländische Künstlerin Gerda Muller hat die Geschichte ebenfalls fabelhaft illustriert. Das Konzept der Musikbilderbücher von Doris Eisenburger und Marko Simsa ist besonders reizvoll, da kann man (vor-)lesen, schauen und mitsingen. Und dann ist da noch Janosch, der nicht nur frech-ironische Bilder zum Märchen liefert, sondern die Geschichte auch auf seine ganz eigene Art erzählt. Im Buchhandel fand ich ein Bilderbuch illustriert von Markus Lefrançois, bei dem mir schon die Umschlaggestaltung mit ihren vielen Details gefiel – kam gleich in meine private Märchensammlung.

Die Bremer Stadtmusikanten / illustriert von Markus Lefrançois

Hier unsere Katalogdaten zu den genannten Bilderbüchern:

 

„Die Bremer Stadtmusikanten“ waren schon einmal Thema eines interkulturellen (Schüler-)Projektes in unserer Bibliothek; aber dass wir so viele Ausgaben in den unterschiedlichsten Sprachen haben, war für mich doch eine Überraschung: Das Janosch-Bilderbuch gibt es in Englisch, Französisch, Niederländisch, Türkisch, Chinesisch, Russisch; dann gibt es zweisprachige Ausgaben von „The Buskers of Bremen“ von Henriette Barkow in Englisch/Albanisch sowie Vietnamesisch, Persisch, Serbo-Kroatisch, Russisch.
All das findet Ihr in unserer Interkulturellen Bibliothek, ebenso die Mappe „Die Bremer Stadtmusikanten in 20 Sprachen; ein Beitrag zum interkulturellen Unterricht“ (mit einer ausführlichen Einleitung und mit Anregungen für den Unterricht).

Die Bremer Stadtmusikanten / von Janosch (mehrsprachig)

The Buskers of Bremen / von Henriette Barkow (mehrsprachig)

Die Bremer Stadtmusikanten in 20 Sprachen

 

 

 

 

 

 

Die Bremer Stadtmusikanten als Graffito

Graffito beim DRK-Kita Weltweit

Das schönste Bild zu den Bremer Stadtmusikanten fand ich übrigens zu meiner Überraschung bei einem Spaziergang ganz in der Nähe der Stadtbibliothek vor einem Kindergarten im Ostmannturmviertel. Man muss also nicht extra nach Bremen fahren. Obwohl – das Stadtmusikanten-Denkmal vor dem Rathaus (von Gerhard Marcks) und ganz besonders die fröhlich-bunte Skulptur in der Stadtbibliothek Bremen möchte ich schon einmal vor Ort sehen.

hilda

 

Winterzeit ist Märchenzeit #1

Regal mit Märchenbüchern

Märchenbücher in der Kinderbibliothek

 

Natürlich kann man Märchen zu jeder Jahreszeit lesen. Aber traditionell spielen Theater zur Adventszeit ein Weihnachtsmärchen für Kinder (in Bielefeld war es 2017 „Schneeweißchen und Rosenrot„), für viele die erste, prägende Theatererfahrung. Und wenn sich früher, so anno dunnemal, die Familie an den langen Winterabenden im einzig beheizten Raum um den Ofen versammelte, dann wurden halt Geschichten erzählt; Märchen wurden so von Generation zu Generation weiter gegeben.

Aufgeschrieben und in Büchern veröffentlicht wurden diese Volkserzählungen (Oberbegriff für die hauptsächlich mündlich überlieferten Märchen, Sagen und Legenden ) verhältnismäßig spät, erst in der deutschen Romantik wurde mit wissenschaftlichem Ehrgeiz gesammelt (Brentano, Grimm). Gleichzeitig wurde dieses Genre auch bei Dichtern sehr beliebt; sie griffen Motive, Themen und den scheinbar schlichten Erzählstil der Märchen und Sagen auf und schufen Kunstmärchen. Die bekanntesten Märchendichter sind Hans Christian Andersen und Wilhelm Hauff. Aber auch Goethe, E.T.A. Hoffmann, Oscar Wilde, Adelbert von Chamisso (um nur die auch heute noch bekanntesten zu nennen) schufen Weltliteratur in Märchenform. Und im 20. Jahrhundert entstand als Mischung aus Märchenroman, Sage, Heldenepos und anderen Elementen der Phantastik das neue Genre der Fantasy-Literatur.

Märchen sind natürlich nicht gleichzusetzen mit Kinderliteratur. Genau wie die anderen mündlichen Erzählformen wurden sie meist von Erwachsenen für Erwachsene erzählt. Da war also nicht nur die Märchenomi, die am gemütlichen Kachelofen der Kinderschar von Aschenputtel oder Dornröschen erzählte – so unsere romantisierende Vorstellung der klassischen Märchenübermittlung. Auch am Kneipentisch oder in fröhlicher Runde nach getaner Arbeit wurde erzählt – entsprechend derbe kann es auch in Märchen zugehen. Für einige Geschichten entstanden so vielleicht unterschiedliche Varianten; und einige Märchen wurden eben gar nicht erzählt, wenn Kinder dabei waren.

viele Bilderbücher mit Märchen

Märchen-Bilderbücher in der Kinderbibliothek

In der Bibliothek haben wir Märchen aus aller Welt sowohl für Kinder als auch im Erwachsenenbereich; die Märchen für Kinder sind oft überarbeitet, es gibt einzelne Märchen im Bilderbuch und Märchensammlungen, die aber nicht zu umfangreich sind. Die Märchensammlungen im Erwachsenenbereich sind meist nicht oder nur wenig illustriert, sie sind kaum überarbeitet und haben oft umfangreiche Vor- oder Nachworte, denn sie sollen die Märchen der Völker (und auch die Kunstmärchen) als Kulturgut präsentieren.

Es ist also nicht nur zu jeder Jahreszeit, sondern auch in jedem Alter interessant, sich mit Märchen zu beschäftigen. Doch zum Winter passen sie nach wie vor besonders gut.

Viel Freude beim Lesen, Vorlesen und Erzählen.

hilda