Buchtipp: „Tagebuch eines Buchhändlers“ von Shaun Bythell

Kuriose Mitarbeiter, unverschämte Kunden, Wasserrohrbrüche, verschwundene Kater, Buchfestivals – Shaun Bythell hat so einiges aus seiner Buchhandlung zu berichten. Die trägt den zwar nicht kreativsten aber bestimmt treffendsten Namen: The Bookshop. Also Die Buchhandlung.

Seine Buchhandlung für gebrauchte Bücher befindet sich in der schottischen Stadt Wigtwon, auch bekannt als „Scotlands National Book Town“. Neben Shauns Buchhandlung gibt es dort noch viele weitere und ein jährliches Buchfestival. The Bookshop ist die größte Secondhand Buchhandlung in Schottland.

In seinem Tagebuch berichtet er für ein Jahr aus seinem Arbeitsalltag. Er erzählt von den Menschen, die ihm Bücher verkaufen wollen und aus welchen Beweggründen sie das tun. Wir lernen seine etwas kuriose Mitarbeiterin Nicci kennen, die gerne mal Shauns Ordnung der Bücher durcheinander bringt. Immer wieder gibt es auch neue und ehemalige Mitarbeiterinnen oder Praktikanten, die durch Shauns Buchhandlung streifen. Und natürlich die Kunden. Arbeit mit Menschen ist etwas echt tolles, zumindest mache ich das bei uns in der Bibliothek sehr gerne. Aber: es gibt halt auch diese Leute, die es einfach drauf haben, einem den Tag zu vermiesen. Man sollte das gar nicht so an sich ran lassen. Den ganzen Tag hatte man nur Kontakt zu netten Menschen und dann kommt ein Miesepeter, und das ist der einzige, an den man sich erinnert. Shaun beschreibt diese Leute mit sehr trockenem Humor (der sich eh durch das ganze Buch zieht) und man kann sich nur mit ihm über Kunden amüsieren, die um jeden Euro feilschen, Bücher aus Regalen ziehen, um scheinbar größtmögliches Chaos zu hinterlassen oder ihn nach Büchern fragen, die sie dann offensichtlich im Anschluss lieber bei Amazon bestellen. In diesen Beschreibungen blitzt wohl eine etwas misanthropische Haltung durch. 🙂

Bibliothekare sind leider auch nicht seine Lieblingsmenschen – die stempeln Bücher, kleben Signaturen und Barcodes auf ansonsten schöne Einbände oder bekleben sie gleich ganz mit schmutzabweisenden Folien. Für eine Secondhand-Buchhandlung nicht der idealste Buchzustand, da muss ich ihm Recht geben. 😉

Amazon ist auch so ein Lieblingsthema von Shaun. Irgendwie ist er darauf angewiesen, aber sein Verhältnis zum großen A zeigt sich ganz gut durch eine Trophäe, die er in der Buchhandlung aufgehängt hat: ein wortwörtlich erschossener Kindle.

Ganz nebenbei berichtet Shaun uns von seiner jeweils aktuellen Lektüre. Da verbirgt sich noch der ein oder andere Literaturtipp, den man gerne mitnimmt.

Shaun durch das Jahr in seiner Buchhandlung zu begleiten, war ein sehr unterhaltsames Unterfangen. Mittlerweile hat er sogar noch weitere Bücher geschrieben. Bisher ist jedoch nur das hier vorgestellte ins Deutsche übersetzt, da muss ich mir die anderen vielleicht mal im Original besorgen.

Das Buch könnt ihr bei uns in der Onleihe oder vor Ort ausleihen.

lga

Buchtipp: Carsten Henn – Der Buchspazierer

Der Buchhändler Carl Kollhoff liefert nach Ladenschluss Bücher an Kunden aus, für die er häufig der einzige Kontakt zur Außenwelt ist. Auf einem seiner Spaziergänge trifft er auf die neunjährige Schascha, die ihn von nun an begleitet. Durch sie lernt Carl seine Kunden besser kennen und lernt, dass er nicht die Bücher liefern muss, die sie wollen, sondern solche, die sie brauchen. Denn jeder hat mit eigenen Problemen zu kämpfen wie Einsamkeit, Analphabetismus oder Gewalt.

Schließlich verstirbt Carls ehemaliger Chef, mit dem er eng befreundet war. Die neue Inhaberin sieht in Carls Service ein Relikt aus vergangenen Tagen und kündigt ihm schließlich. Nach einem Unfall benötigt er selbst die Macht der Bücher und die Hilfe von Schascha.

Der Buchspazierer ist eine Hommage an Bücher und die Brücken, die sie zwischen Menschen schlagen können. Mir haben Buch und Personen sehr gut gefallen.

Carl, der eigentlich bereits im Ruhestand sein könnte, kann sich schlecht Namen merken, so dass er seine Kunden treffend nach Romanfiguren benennt. Wie sein ehemaliger Chef glaubt er, man könne jeden zum Lesen bringen, wenn man ihm nur das richtige Buch gibt. Auch bei Praktikant Leon, der – obwohl Fußballfan – das von Carl offensichtlich platzierte ‚Fever Pitch‘ von Nick Hornby nicht anfasst – gibt er die Hoffnung nicht auf.

Durch ihre offene Art bewirkt Schascha, dass sich Carls Kunden öffnen und man sie besser kennenlernt. Sie sieht mehr zwischen den Zeilen als Carl und ist davon überzeugt, dass sich ein Problem einfacher lösen lässt, wenn man erst einmal ein Eis isst. Und natürlich versucht Carl auch für sie einen Namen aus einem Roman zu finden.

Juliane


Wir haben die Kolleginnen und Kollegen nach ihren Lesetipps für diesen Sommer gefragt und werden diese so nach und nach hier veröffentlichen.


Viel Freude beim Lesen!