Buchtipp: „Frau Shibatas geniale Idee“ von Emi Yagi

Im Blog Literarische Abenteuer bin ich kürzlich auf das Buch Frau Shibatas geniale Idee der Japanerin Emi Yagi gestoßen.

Unsere alleinstehende Protagonistin, Frau Shibata, ist gefangen in einem einengenden Büroalltag. Vor allem ihre männlichen Kollegen scheinen das Problem zu sein. Obwohl sie genug mit ihrer eigentlichen Arbeit zu tun hat, ist immer sie es, die Kaffee für Besprechungen kochen muss, die Küche aufräumen, den Müll entsorgen oder Geschirr wegräumen soll. Weil sie eine Frau ist und für die Männer in ihrem Büro selbst Instant-Kaffee zu kochen scheinbar eine nicht zu meisternde Aufgabe darstellt.

Die Arbeitstage werden immer länger und diese auf sie abgeladenen Aufgaben immer lästiger. Bis ihr aus einer Eingebung die geniale Idee kommt. „Ich kann nicht.“, sagt sie dem Abteilungsleiter, als sie wieder einmal anderer Leute benutzte Kaffeetassen aufräumen soll. „Ich bin schwanger.“. Und sogleich passiert es – sie darf pünktlich Feierabend machen und wird vom ewigen Kaffeekochen befreit. Man nimmt plötzlich Rücksicht auf sie. Weil eine Frau in der japanischen Gesellschaft erst geschätzt wird, wenn sie schwanger wird? Also ihren eigentlichen Zweck erfüllt?

Frau Shibata lädt sich eine Schwangerschafts-App herunter und verliert sich immer mehr in der Vorstellung schwanger zu sein, sie stopft sich etwa den Bauch aus oder meldet sich für einen Aerobic-Kurs für Schwangere an. Und irgendwann spürt sie sogar eine Bewegung in ihrem doch eigentlich kinderlosen Bauch. In Kapiteln, die nach den einzelnen Schwangerschaftswochen unterteilt werden, folgen wir Frau Shibata durch ihre oft surreal anmutende „Schwangerschaft“.

Gefallen hat mir auch der von subtilem Humor begleitete Blick in die japanische Gesellschaft. Dahingehend fand ich auch schon Die Ladenhüterin von Sayaka Murata sehr interessant, dass ich vor einiger Zeit bei uns in der Onleihe als Hörbuch gehört habe. Auch dort geht es um eine alleinstehende Frau, die – allerdings auf andere Weise – den Druck der Gesellschaft zu spüren bekommt.

Das Buch habe ich mir über die Fernleihe bestellt, da wir es nicht in unserem Bestand haben. Wir haben zwar schon Unmengen an Büchern aber natürlich können wir nicht alles vorhalten. Für solche Fälle gibt es die Fernleihe. Hier könnt ihr nach einer Anmeldung mit euren Zugangsdaten (Ausweisnummer und Passwort) nach Medien, die ihr bei uns nicht findet, recherchieren und Titel bestellen. Wir beschaffen dann das gewünschte Buch aus einer anderen Bibliothek in Deutschland. Plant etwas Zeit ein, eine Bestellung kann ein bis zwei Wochen dauern und kostet 3 €.

lga

Es war einmal…die Fernleihe!

Am 1. September vor fast 40 Jahren habe ich die Ausbildung in der Stadtbibliothek Bielefeld begonnen. Damals befand sich die Bibliothek in der Alfred-Bozi Str.. Im EG des Gebäudes gab es zwei Eingänge, rechts die Anmeldung und links die Verbuchung, also Ausleihe und Rückgabe der Bücher. Es wurde fotoverbucht , ein graues, eisernes Gerät, unter welches man die Bibliothekskarte, eine Lochkarte und die Buchtasche schob, machte ein Foto von den drei Papieren. Heute sind wir da um einiges weiter: Selbstverbuchung, Rückgabeautomat, Kassenautomat.

Die Auszubildenden kamen damals, wie auch heute, erst mal in eine der Zweigstellen und wurden dort in den Bibliotheksalltag eingeführt. Da habe ich erst mal erkannt, dass eine Ausbildung in einer Bibliothek nicht nur viele interessante Bücher um mich herum bedeutet, sondern auch Arbeit. Jeden Tag mehr oder weniger die Gleiche , als 17 jährige fand ich das eher langweilig. Die zwei Jahre der Ausbildung vergingen ziemlich schnell, das Arbeiten in der Bibliothek machte mir immer mehr Spaß, auch die einzelnen Abteilungen, in denen ich zeitweise eingesetzt war, bis auf die Fernleihe: ich begriff einfach nicht, in welcher Bibliographie ich was nachschlagen sollte, ein Graus! In dieser Abteilung wollte ich niemals, niemals landen.

So, nun 39 Jahre später sitze ich in der Fernleihe, und so schlimm ist es gar nicht, das komplizierte Nachschlagesystem ist lange abgeschafft worden und vieles ist vereinfacht.

Unsere Leser können bequem von zu Hause ihre Medienwünsche online abschicken, ein Server leitet die Bestellungen weiter an die gebenden Bibliotheken in ganz Deutschland. Auch Sonderwünsche von Lesern werden fast immer erfüllt.

Die bestellten Titel treffen nach 7-14 Tagen bei uns ein. Die Medien werden für die Ausleihe bereitgestellt, ein Datenträger ermöglicht die Ausleihe an den Leser. Genauso verleihen wir Medien aus unserem Bestand an Leser anderer Bibliothek in Deutschland und manchmal sogar ins Ausland. Besonders begehrt sind Bücher und Videofilme aus dem Magazinbestand und die Neuanschaffungen.

Die Bestellungen werden vom zentralen Fernleihserver (HBZ Köln) an uns weitergeleitet, wir suchen die bestellten Titel heraus, verbuchen die Bücher, DVD s, CD s usw. und bereiten die Medien für den Transport vor.

So spannend (oder auch nicht?) ist die Arbeit in der Fernleihe!

MRo