Krimilesung mit Norbert Horst

Kultur unter der Platane

Am Freitag wurde es nicht spannend unter der Platane auf dem Parkplatz hinter der Bibliothek. Es war Regen angesagt und so haben wir uns lieber in die Bibliothek vor der Platane gesetzt. Und da wurde es richtig spannend. Norbert Horst war zu Gast und las aus seinem Kriminalroman „Bitterer Zorn“.

Norbert Horst war lange Zeit Kriminalkommissar in Bielefeld und ist einer der wenigen, vielleicht der einzige echte Kommissar unter den deutschsprachigen Krimiautoren.  Das merkt man beim Lesen. Nein – die Geschichte spielt nicht in Bielefeld, sondern im Ruhrgebiet.  Aber die realitätsnahe Beschreibung der Polizeiarbeit und der Fälle ist etwas Besonderes.

In dem Krimi geht es um Bandenkriminalität, Entführung, Menschenhandel und Erpressung. Kommissar Thomas Adams, genannt Steiger, und seine Kollegin Jana ermitteln in Kriminalfällen, die miteinander verwoben sind.

Interessant und lustig war der Realitätscheck einer bekannten Fernsehkrimiserie. Ermittler, die mit Straßenschuhen am Tatort rumlaufen, obwohl die Spurensicherung noch arbeitet und ähnliche Ungereimtheiten. Ich will nicht zu viel verraten.

Ich empfehle gerne die nächsten Lesungen mit Norbert Horst in Bielefeld:

20.10.2022 19.00 Uhr in der Stadtteilbibliothek Sennestadt
10.11.2022 19.00 Uhr in der Stadtteil- und Gesamtschulbibliothek Schildesche
17.11.2022 19.00 Uhr in der Stadtteil- und Gesamtschulbibliothek Stieghorst

Und vielleicht gibt es Termine im neuen Jahr – da soll der nächste Krimi erscheinen.

Rieke

Plakat zur Veranstaltungsreihe "Kultur unter der Platane"
Das war das Programm 2022

Buchtipp: Stephen King – „Joyland“

Von Stephen King habe ich länger nichts gelesen. In erster Linie habe ich die frühen Werke wie z.B. „Carrie“, „Friedhof der Kuscheltiere“, „Sie“, oder „Es“ und Werke unter dem Pseudonym Richard Bachman, z.B. „Der Fluch“ oder „Todesmarsch“ gelesen. Das jüngste der Werke war „Puls“. Da wurde es mal wieder Zeit. „Joyland“ stand schon länger auf der Liste.

Zum Inhalt:

In den 70er Jahren jobbt Devin Jones während der Semesterferien im Freizeitpark Joyland. Nachdem ihn seine Freundin verlassen hat, nimmt er eine Auszeit und beschließt, noch ein weiteres Jahr dort zu arbeiten. Bereits am Tag seiner Einstellung erfährt er von einem Mord an einer jungen Frau in der Geisterbahn einige Jahre zuvor. Der Täter konnte nie gefasst werden. Seitdem soll es am Tatort spuken, was natürlich keiner ernst nimmt – wo soll es auch sonst spuken, wenn nicht in einer Geisterbahn. Bis Devin mit seinen Freunden Erin und Tom eine Fahrt unternimmt und Tom tatsächlich den Geist der jungen Frau sieht.

Zunächst dreht sich die Geschichte eher um Devin als um den Mord. Die Ermittlungen nehmen erst nach und nach Fahrt auf. Dennoch ist das Buch nicht langweilig. Es ist flüssig zu lesen und King nutzt die Zeit, ein Bild vom Freizeitpark und den Charakteren, denen Devin begegnet, zu zeichnen und schafft es, den Leser zu fesseln. So als sei man selbst dort.

„Joyland“ ist kein typischer King aus dem Horror-Genre, sondern eher ein Krimi. Einen blutigen Stephen King wie in einigen der erstgenannten Romane darf man also nicht erwarten. Es ist dennoch ein lesenswertes Buch mit erkennbarer Handschrift.

Unsere ausleihbaren Exemplare – gedrucktes Buch, Hörbuch-CD, eBook, eAudio und sogar eine arabische Ausgabe – findet Ihr über unseren Online-Katalog.

Juliane

Buchtipp: The President is missing

Das Buch hat es in sich. Man muss schon politisch interessiert sein um durchzuhalten. 🙂 Aber wie soll es auch anders sein, wenn Bill Clinton mit James Patterson ein Buch schreibt… 😉

Der Inhalt kurz und knapp:

Präsident Jonathan Duncan hat ein Problem. Eine Superhackerin hat ein Virus programmiert, das auf die gesamte Infrastruktur des Landes abzielt. Außerdem droht ihm ein Amtsenthebungsverfahren und es scheint einen Verräter in seinem engsten Beraterkreis zu geben.

Leider hat man beim Lesen manchmal das Gefühl, es geht wieder nur um „America first“. Hmpf. Auch muss der arme Präsident irgendwie immer selber auf die Lösung der Probleme kommen, trotz eines Teams, welches vor Intelligenz nur so strotzt. Natürlich spielt der Terrorismus eine Rolle, auch die Beziehung des Landes zu seinen Veteranen wird kurz angerissen.

Mich hat vor allem der Aspekt des Virus interessiert. Denn es ist schon erschreckend, wie abhängig wir vom Internet sind. Die beiden Autoren beschreiben ganz gut, was passiert, wenn das Virus sozusagen „los gelassen“ wird und was für Möglichkeiten es geben könnte, es zu stoppen. Nun könnte man meinen, das FBI und die CIA müssen doch „nur“ die Programmiererin fassen. Leider wurde diese bei einem Attentat getötet. Der Präsident hat deshalb ihren Freund Augie, eine Gruppe sehr intelligenter junger Computer-Genies und sich selbst in ein Safe House gebracht – dort müssen sie zeigen, was sie können. Und das ist eine Menge. Aber wird es reichen?

Wer wissen möchte, was im Weißen Haus so vor sich geht und wie streng alle möglichen Sicherheitsprotokolle eingehalten werden müssen, für den ist das Buch sicherlich interessant. Ansonsten könnte es leicht langatmig werden. Mir hat es aber gefallen 🙂 Hier geht es zu den Katalogdaten…

kwk

Buchtipp: „Landnahme“ von Sara Paretsky

Sara Paretsky und ihre Hauptfigur, die Detektivin V. I. Warshawski, waren Ende des letzten Jahrhunderts der Krimi-Tipp, vor allem – aber bei weitem nicht nur – für weibliche Thrillerfreunde. Doch dann gab es lange keine neuen deutschen Übersetzungen ihrer Romane, die älteren Titel sind meist nicht mehr lieferbar. Ich dachte, die Bestsellerautorin schreibt nicht mehr und ist in Vergessenheit geraten. Doch die Serie mit Vic Warshawski ging originalsprachig weiter, die Detektivin löst inzwischen ihren 20. großen Fall und kämpft nicht nur gegen die üblichen Schurken, sondern auch mit immer deutlicher spürbarem „Rost in den Gelenken“. Endlich vor drei Jahren lag da wieder ein „neuer“ Warshawski beim Buchhändler meines Vertrauens, genauer ein Titel, der im Original bereits 2013 erschienen war: „Critical Mass“ (deutsch „Kritische Masse“. 2018). Im letzten Jahr kam „Landnahme“ heraus (Original: „Dead Land“. 2020). Eigentlich hatte ich mir den Krimi zum Geburtstag selbst geschenkt 🙂 , bin aber erst am Ende des Jahres zum Lesen gekommen.

Roman "Landnahme" von Sara Paretsky

Vic Warshawski könnte man beschreiben als eine Mischung aus Philip Marlowe und Bruce Willis (á la John McClane in „Die Hard“), nur in weiblich, gebildet und bei aller Härte auch einfühlsam. Wenn sie sich an einem Fall festgebissen hat, ruht sie nicht und riskiert alles, um die Wahrheit herauszufinden. Dabei schliddert sie in kriminelle Verstrickungen, die die offiziellen Ermittlungsbehörden gar nicht sehen, weil sie schnelle und einfache Antworten bevorzugen. Nur Warshawski bohrt weiter. Sie deckt die Hintergründe auf und entlarvt selbst die Strippenzieher aus Hochfinanz, Politik und Geldadel. Sie ist gut vernetzt, nicht korrumpierbar, hartnäckig und stur, hart im Nehmen; sie teilt aber auch ordentlich aus, nicht nur verbal. Ihr Revier ist Chicago, aber der aktuelle Fall bringt sie bis in die Great Plains von Kansas.

Ist das alles manchmal etwas dick aufgetragen? Ja. Darum auch der Bruce-Willis-Vergleich. 😉 Sara Paretsky schreibt Hardboiled Crime Fiction mit einer sehr weiblichen Actionheldin. Die Story ist trotzdem plausibel und selbst dann spannend, wenn die Detektivin mal auf der Stelle tritt und sich für Recherchen in ihr Büro oder in eine Bibliothek (ha, das musste ich jetzt natürlich erwähnen!) zurückzieht – Warshawski ist da ganz auf der Höhe der Zeit, nutzt alle Recherchemöglichkeiten, die das Internet so bietet und hat Kontakt zu einem forensischen Labor (das dem Hightech-Vergleich mit gerade angesagten Fernsehserien aber nicht standhalten kann, da ist Paretsky doch realistischer).

Paretskys besondere Stärke liegt in ihren originellen Figuren: den knorrigen Typen aus Kansas, die frühestens auf den 2. oder 3. Blick Vertrauen fassen; die Obdachlosen von Chicago, die durch unaussprechliche Traumata ihren Halt verloren haben; die Sheriffs und Chiefs und Polizistinnen, für die ihre Machtspielchen wichtiger sind als die Verbrechensopfer; die Prominenten, die Politiker und Diplomaten oder die einfach unverschämt Reichen, die sich für unantastbar halten; die Freunde und Nachbarn mit ihren Eigenheiten und Schrullen. Und nicht zuletzt die Ich-Erzählerin selbst, die unglaublich gute Detektivin, die nur mit Glück und Hilfe durch diesen verzwickten Fall findet – und auch nur knapp überlebt. Im Gegensatz zu vielen anderen Beteiligten, denn es geht um nicht weniger als einen Massenmord bei einem Festival, um Folter, Verschleppung und Mord in einer südamerikanischen Diktatur und um mehrere aktuelle Morde und Mordversuche in Chicago. Warshawski stolpert in diese monströse Verschwörung eigentlich nur, weil sie eine verwirrte Obdachlose sucht, für die sie sich nach einem dummen Fehler ein wenig verantwortlich fühlt. Doch dann muss sie plötzlich ihre Patentochter schützen, sich um einen weiteren Hund kümmern (sie hat schon zwei), eine Räumungsklage verhindern, Gewehrkugeln ausweichen.

Sara Paretsky hat seit 2018 im Argument-Verlag ein neues Zuhause im deutschsprachigen Buchmarkt gefunden, nach „Kritische Maße“ (eine Empfehlung gab es in unserem Blog 2019 hier) und „Altlasten“ ist dies jetzt schon der 3. Band in der schönen Ariadne-Reihe, in der es ja viele lesenswerte und preisgekrönte Krimi-Autorinnen zu entdecken gibt.

Es gibt ein kleines Vorwort von der Übersetzerin Else Laudan und am Ende ein Glossar mit einigen hilfreichen kleinen Erläuterungen und Quellenangaben. Da Musik und Songtexte eine große Rolle im Roman spielen, gibt es auch dazu Erklärungen und Übersetzungen.

Eigentlich frage ich mich, warum so viele Romane aus der Warshawski-Reihe bisher nicht in Deutsch erschienen sind. Das hat zwar keinen Einfluss auf das Leseverständnis bei den einzelnen Bänden – die Anspielungen auf ältere Fälle sind unerheblich für die Handlung und der Charakter der toughen Detektivin ist jetzt auch nicht so vielschichtig, dass wir alles über ihre private Vergangenheit wissen müssten. Aber von diesen süffigen Krimis hätte ich gerne mehr!

Die Romane, die wir von Sara Paretsky in der Stadtbibliothek Bielefeld haben, findet Ihr hier.
Die Katalogdaten speziell zu „Landnahme“ findet Ihr hier.

Viel Freude beim Lesen.
HilDa

Buchtipp: Fever von Deon Meyer

Fever von Deon Meyer ist eigentlich kein Buch, dass man während einer Pandemie lesen möchte. Denn – es geht auch da um eine Pandemie. Und die ist auch noch ebenfalls von Coronaviren ausgelöst worden! Und es sterben 95 Prozent der Weltbevölkerung an diesem Virus, dass die Überlebenden Fieber nennen. Irgendwie hatte ich da in der jetzigen Situation doch ein etwas mulmiges Gefühl, als es plötzlich um Coronaviren ging. Der Teil, wo es über die Herkunft des neuen tödlichen Virus ging, war aber zum Glück recht kurz.

Es geht dann nämlich gar nicht so sehr um die Pandemie. Die ist am Anfang des Buches schon vorbei. Wir folgen dem 13-jährigen Nico, der mit seinem Vater Willem in ihrer Heimat Südafrika unterwegs ist. Bis sie schließlich Willems Ziel erreichen. Eine Stadt, gelegen an einem Damm, der vor dem Fieber zur Stromerzeugung diente. Geschützt gelegen ist die Stadt, sodass sie gut zu verteidigen ist. Willem hat alles genau überdacht, es scheint ihm der perfekte Ort, um eine neue Siedlung zu gründen und die Zivilisation wiederzubeleben. Nur geht das natürlich nicht ohne Probleme von statten.

Das größte Problem: Nicos Vater wird ermordet werden. Nico erzählt uns die Geschichte, als er selbst schon viel älter ist und arbeitet darauf hin, uns erfahren zulassen wer seinen Vater warum ermordet hat. Dass er sterben wird lernen wir schon direkt zu Anfang, es zieht sich wie ein unheilvoller roter Faden durch die Geschichte.

Es sind die Anfangsjahre der neu gegründeten Siedlung bis zum Tod seines Vaters, die Nico dem Leser erzählt. Über das Zusammenleben in der Siedlung, kleine und große Hindernisse. Wie verteidigt man diese Siedlung, wenn bewaffnete Bikergangs die Gegend rundherum unsicher machen? Wie sorgt man für die Essensversorgung? Wie schaffen sie es die Stromerzeugung des Damms wieder in Gang zu bekommen? Wie können sie eine faire und gleichberechtigte Gemeinschaft sicherstellen? Wer soll die stetig wachsende Gemeinschaft regieren? Was macht man wenn das Benzin irgendwann schlecht wird?  Was tragen unterschiedliche Charaktere Gutes oder auch Schlechtes zur Gemeinschaft bei? Mir hat es sehr gut gefallen, der Gründung der Siedlung zu folgen und all diese Fragen zu ergründen. Immer wieder gibt es neben Nicos Bericht auch kurze Ausschnitte aus Willems Geschichtsprojekt, für das er die Siedler befragt. Wir erfahren von den unterschiedlichsten Leute was sie erlebt haben als das Fieber ausbrach und auf welchem Wege sie in die Siedlung gelangt sind.

Das war mein erstes Buch von Deon Meyer aber man merkt schon, dass er normalerweise Krimis schreibt. Fever könnte man als Krimi in postapokalyptischem Gewand beschreiben. Das war für mich persönlich eine super Kombination. Die Geschichte war so spannend, dass ich das Buch gar nicht weglegen mochte und es in zwei Tagen durchgelesen hatte. Gefallen hat mir auch das Südafrika-Setting. Ich glaube ich muss mal nach weiteren südafrikanischen Autoren Ausschau halten.

Wenn ihr selbst reinlesen wollt, findet ihr das Buch bei uns zur Ausleihe in der Stadtbibliothek am Neumarkt (ihr könnt es momentan telefonisch oder per Mail bestellen und abholen, da wir für reguläre Besuche noch geschlossen haben).

lga

Schon gesehen? – Inspector Barnaby

… eine zeitlose, alt und doch gleichzeitig modern erscheinende Serie mit einer Ohrwurm-Titelmelodie…

Ich mag keine Thriller. Oder Krimis. Aber ist es draußen regnerisch und bedeckt, habe ich immer Lust auf eine Folge der britischen Krimiserie „Inspector Barnaby“. Es geht um Detective Chief Inspector Tom Barnaby, dessen Wirkungskreis in der fiktiven Grafschaft Midsomer liegt. Kurz gesagt – mit seinem Assistenten klärt er Morde auf. Man muss wissen, die  Geschichten sind keineswegs blutrünstig und die Drehorte durchaus nett anzuschauen. Typisch englisch, ohne ins kitschige abzudriften. Toll ist auch, dass die beiden quasi nie zu einer Tasse Kaffee eingeladen werden, sondern immer eine Tasse Tee angeboten bekommen. Very britisch eben.

Ohje, das Licht spielte mir wieder nicht in die Karten… :-/

Neben Tom und seinem Assistenten (je nach Staffel mit den Nachnamen Troy, Scott oder Jones) spielen Toms Frau Joyce und Tochter Cully mit. Joyce ist oft nörgelig, bekommt Tom doch immer dann die passenden Geistesblitze, wenn die beiden eigentlich gemeinsame Ausflüge machen wollen oder einfach schön essen gehen wollen. Apropos essen gehen – das wird bei der Familie Barnaby recht oft gemacht, Joyce kocht zwar, aber ihre Kochkünste sind nicht so der Hit. 🙂

Tja, und was passiert nun Aufregendes in Midsomer? Es wird erdolcht, erstochen, erhängt, ermistgabelt, erpresst (manchmal auch Menschen in Maschinen gepresst), erschlagen, erschwertet… so ziemlich alles (auch leicht absurdes) ist vorgekommen. Aber bei mittlerweile 21 Staffeln kann man schon mal vergessen, wer nun der Mörder war und sich die Folgen gerne nochmal anschauen. Wie sagte doch die Queen: „Eigentlich dürfte es dort keine Einwohner mehr geben“. Ihre Majestät hat gesprochen.

1997 lief die Serie erstmals in Großbritannien im Fernsehen, bei uns erst ab 2005. Deshalb erscheinen einem die leicht altmodischen Anzüge und Frisuren merkwürdig, aber doch liebenswert. Die Serie hat den Sprung ins digitale Zeitalter mühelos geschafft und stattete die Charaktere irgendwann auch mit Handys, E-Mail und Co. aus. John Nettles, der den liebenswerten Inspector spielt, stieg irgendwann aus der Serie aus (ich glaube in Staffel 13…) und mit ihm seine Frau und Tochter. Den Polizeiausweis übernahm dann sein Cousin John Barnaby, der mit Frau und Hund in ein tolles Landhaus zog und nun die Fäden in der Hand hält. Ein großer Unterschied ist nun, dass seine Frau Sarah keine Hausfrau ist, sondern die Leitung der örtlichen Grundschule übernommen und deshalb beruflich so einiges zu tun hat. So bleibt John oft nur Hund Sykes zum Reden.

Ich kann es drehen und wenden wie ich will, die neuen Folgen sind gut und ich schaue sie gerne, aber für mich bleibt der „alte“ Barnaby eben immer der „richtige“ Barnaby.

kwk

 

Buchtipp: Das Auge von Hongkong

GRENZEN|LOS|LESEN
Hongkong, China

Sechs spektakuläre Kriminalfälle um einen Ermittler und den ihn umgebenden Polizeiapparat in der unübersichtlichen Metropole Hongkong. Kwan ist genial und seine Methoden sind denen eines Sherlock Holmes ebenbürtig: umfassendes Wissen, sehr gute Beobachtungs- und Auffassungsgabe, schnelles Kombinieren gemischt mit Intuition und Menschenkenntnis. Doch im Gegensatz zum eigenwilligen Londoner Detektiv ist Kwan eingebettet in ein Polizeisystem mit zeitgemäßen Regeln und Methoden, mit Hierarchien, Bürokratie, unterschiedlichen Zielvorgaben und mit Kollegen unterschiedlichen Charakters. Hinzu kommen die gravierenden strukturellen Veränderungen im Laufe der Zeit, vor allem rund um die Übergabe der britischen Kronkolonie an China. Kwan wird zum aktiven Teil dieser Veränderungen, wird zu einem Vorbild, ja, einer Art Vaterfigur für seine Kollegen und Schüler. Er hat zwar auch so seine Eigenarten, dehnt auch schon mal Regeln und erlaubt sich Eigenmächtigkeiten (um es vorsichtig zu formulieren); aber er ist wesentlich umgänglicher und auch viel bescheidener und kollegialer als der genial-arrogante Holmes.

Das Problem bei den sechs erzählten Fällen ist so wie bei vielen Whodunit-Krimis voller Rätsel und mit einem überragenden Ermittler. Der Leser wird – wie alle anderen Romanfiguren auch – bis zur Enthüllung des Täters im Dunkeln gelassen; selbst wenn man schon eine Ahnung hat, fehlen Details und Kenntnisse, die nur der Ermittler haben kann, sie werden mir als Leser entweder vorenthalten oder ich werde in die Irre geführt. Die Aufklärung ist also eine Überraschung, erfordert dann aber noch eine entsprechend lange Erklärung. Dieses Krimi-Schema wirkt manchmal ein wenig antiquiert.

Aber in diesem Roman ist die klassische Detektiverzählung einfach nur der Rahmen, um eigentlich eine ganz andere Geschichte zu erzählen: die Geschichte Hongkongs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis fast in die unmittelbare Gegenwart. Das Ungewöhnliche an diesem Roman: Sechs Einzelerzählungen zeigen unterschiedliche Lebensstationen des Ausnahmeermittlers und der Metropole von 2013 bis 1967. Ja, die Erzählungen sind in umgekehrter Chronologie geordnet; so lernen wir Kwan auf seinem Sterbebett kennen, wo er einen letzten Fall klären hilft – für uns Leser ist das aber der erste. Dann geht es zurück bis zu seinen Anfängen im Polizeidienst. Hongkong lernen wir als chinesische Metropole mit neu organisiertem Polizeiapparat innerhalb des chinesischen Systems kennen, mit engagierten Idealisten und angepassten Karrieristen, wir erleben die Zeit des Übergangs, des Umbruchs und gehen zur Zeit des Aufbaus einer effizienten modernen Polizei, dem internen Kampf gegen Korruption und gegen die koloniale Arroganz den Einheimischen gegenüber zurück.

Die großartige Luftbildaufnahme von Hongkong ist in dem Bildband „Weltbilder“ des Projekts AirPano zu finden

Diese umgekehrte Chronologie ermöglicht uns nicht nur ein Zurückschreiten in die Zeitgeschichte bis zum Jahr der Unruhen in Hongkong 1967, es erklärt auch die Entwicklung der Charakterzüge, Eigenarten und Grundwerte des außergewöhnlichen Protagonisten. Und mit dem Schluss des Romans, der ja eigentlich der Anfang einer Karriere ist, schließt sich überraschend ein Kreis. Übrigens ist die letzte Erzählung auch die rasanteste. Mit ihr wird dann auch klar, dass sie am Ende stehen musste, die sechs Kriminalfälle hätten nicht in einer anderen Reihenfolge erzählt werden können. Aber mehr sei nicht verraten.

Wer Freude an verzwickten Kriminalfällen im klassischen Stil hat, dem sei dieser Roman wärmstens empfohlen. Der Autor vermag darüber hinaus, auch einige spektakuläre Actionszenen trefflich zu beschreiben: Es ist schon eine Kunst, eine Verfolgungsfahrt quer durch Hongkong, wie wir sie ähnlich vielleicht aus Filmen kennen, nur mit Worten genauso spektakulär zu entfalten wie der Film mit seinen Special Effects.

Aber die eigentliche Hauptfigur ist Hongkong und seine jüngere Geschichte. Ich gebe zu, ich habe mich bisher nicht sehr für die historischen Zusammenhänge interessiert. Da sind zwar die Nachrichtenmeldungen bis hin zu den aktuellen Protesten einer mutigen Bürgerrechtsbewegung und den Verhaftungs- und Verurteilungswellen der letzten Wochen und Monate; aber eigentlich kannte ich die Metropole eher als mondän-exotische Filmkulisse. Doch dieser Roman hat jetzt meine Neugierde geweckt.

Die Katalogdaten zum empfehlenswerten Hongkong-Krimi gibt es hier.
Übrigens soll in diesem Jahr ein weiterer Krimi von Chan Ho-Kei auf Deutsch erscheinen. Ich bin gespannt.
Die Bildbände „Weltbilder“ und „Neue Weltbilder“ der Künstlergruppe AirPano findet Ihr hier.

Noch eine Anmerkung: Im Chinesischen wird üblicherweise der Familienname vor den Vornamen einer Person gesetzt, Chan ist der Familienname, Ho-Kei der Vorname des Autoren. Darüber hinaus gibt es verschiedene Formen zur Romanisierung chinesischer Schriftzeichen, somit gibt es auch noch andere Schreibweisen des Namens: z. B. Chen Haoji. Wir bemühen uns, im Katalog alle Schreibweisen in lateinischer Umschrift recherchierbar zu machen.

HilDa

Unter der ÜberschrifGrenzen|los|lesen möchten wir Weltliteratur aus anderen Kulturen und Sprachen vorstellen. Der Schwerpunkt soll bei Literaturen außerhalb des europäischen und anglo-amerikanischen Mainstreams liegen.
Wir wünschen viel Freude beim Entdecken und Lesen.

Buchtipp: Die Detektive vom Bhoot-Basar

Der neunjährige Jai schaut am liebsten Polizeiserien im Fernsehen und weiß daher natürlich alles über Detektivarbeit. Als ein Junge aus seiner Klasse verschwindet will er sein Wissen endlich praktisch anwenden. Zusammen mit seinen Freunden Pari und Faiz begibt er sich auf Spurensuche in seinem Basti, seinem Armenviertel, und im nahe gelegenen Bhoot-Basar, wo er sich eigentlich nicht rumtreiben soll. Die drei Kinder nehmen Fährten auf, befragen die Verwandten der Verschwunden und stellen Verdächtigungen an. War es vielleicht Quater? Der ist schon in der neunten Klasse und hat eindeutig Verbrecherpotenzial. Oder hat gar ein böser Dschinn die Kinder mitgenommen?

Die Detektive vom Bhoot-Basar ist eine Geschichte, die mir auch nach Beendigung des Buchs noch im Gedächtnis blieb und wohl auch bleiben wird. Deepa Anappara beschreibt die Umgebung der Kinder und den Kriminalfall durch Jais Kinderaugen. Ja, er lebt in Indien in einem Armenviertel. Die Eltern arbeiten fast rund um die Uhr, Jais Freund Faiz hat auch schon einen Job. Es gibt Spannungen zwischen Hindus und Muslimen. Die Bewohner fürchten, ihr Basti könnte platt gemacht werden, um dort ein neues Hochhaus zu bauen. Und die Polizei ist korrupt und schert sich wenig um ein paar verschwundene Kinder.

So beklemmend das ist – Jai ist eben neun Jahre alt. Trotz allem wirkt er wie ein ganz normales Kind. Er geht in die Schule, aber ungern. Streitet sich mit seiner großen Schwester. Spielt mit seinen Freunden Detektiv. Diese kindlich positive Sicht der Dinge lässt einen beim Lesen manchmal vergessen, wie ernst diese Angelegenheit eigentlich ist. Fast glaubt man Jai, Pari und Faiz würden in bester Fünf Freunde oder TKKG Manier auf die Fährte der Entführer stoßen und am Ende alle verschwundenen Kinder putzmunter wieder finden. Und auch wenn Jai und seine Freunde dem Verbrechen schließlich doch sehr nahe kommen, gibt es hier kein Happy End. Wie sollen die Verschwundenen auch gefunden werden, wenn die Angehörigen völlig auf sich allein gestellt sind und nur ein paar Kinder versuchen, den Fall aufzuklären?

Der Kontrast zwischen dem tristen Leben und Jais Sicht auf die Dinge hat mich sehr berührt. Er ist nun mal ein Kind. Da hat man die Fantasie aus allem ein Spiel zu machen. Da braucht man nicht mal tonnenweise Spielzeug für.

Die verschwundenen Kinder kommen in kurzen Kapiteln ebenfalls zu Wort. Da merkt man dann schon, dass jedes Kind anders ist und manche schwerer zu tragen haben als andere. Da ist ein Junge, der manchmal tagelang im Bhoot-Basar herumstreunt und schläft, weil seine Mutter für eine Woche verreist ist und der Vater seine Kinder dann noch mehr als sonst verprügelt. Oder ein Mädchen, dass von den Eltern die Verantwortung für den Bruder auferlegt bekommt und unter der Bevorzugung des Bruders leidet. Und der Bruder wiederum rutscht gerade in eine Spielsucht  ab und hat ein schlechtes Gewissen seiner Schwester gegenüber.

Diesen Kontrast wollte Deepa Anappara einfangen, wie sie in ihrem Nachwort erklärt. Dort sagt sie:

„Ich interviewte Kinder, die als Müllsammler arbeiteten oder an Straßenkreuzungen bettelten, die wegen schwieriger Umstände kaum zu Hause lernen konnten oder aufgrund religiös bedingter Gewalt gezwungen gewesen waren, die Schule zu verlassen. Trotzdem erweckten die meisten nicht den Eindruck, Opfer zu sein: Sie waren frech, witzig und reagierten oft mit Ungeduld auf meine Fragen.“

Das Buch entstand, weil Anappara es schade fand, dass ihre Artikel, die sie vor Jahren als Journalistin in Indien schrieb, den Humor und die Energie dieser Kinder nicht einfingen.

Mit den Detektiven vom Bhoot-Basar hat sie genau das nun geschafft und eine berührende und trotz allem lebensbejahende Geschichte geschrieben.

Hier geht es zu den Katalogdaten.

lga

Mittendrin Mittwoch #106

Lotty war sehr bleich. Als wir zur Ecke Novaragasse kamen, blieb sie stehen, die Augen fest zugekniffen. Sie hatte diese Straße zuletzt als Neunjährige an dem Morgen gesehen, als ihr Großvater sie und ihren Bruder und die heulende Käthe Saginor zum Bahnhof brachte. Die Polizei (…) hatte damals ihren Teddy mit Bajonetten durchbohrt, um sich zu vergewissern, dass ihre Familie keine Juwelen darin versteckt hatte. (Seite 516)

Die Geschichte ist grausam. Unsere Geschichte. Was Menschen anderen Menschen schreckliches antun: aus Macht- und Geldgier, Geltungssucht, Rassismus, Sadismus, weil sie blind Befehlen gehorchen, ohne zu hinterfragen irgendwelchen Autoritäten und Hierarchien folgen, den Hasspredigern einer Ideologie oder Religion, einer Phantasmagorie oder Wahnvorstellung auf den Leim gehen – was auch immer sie zur Abstumpfung ihres Gewissens und als „Erklärung“ für ihre Verbrechen vorschieben. Menschen zu allen Zeiten und aus allen gesellschaftlichen Schichten. Und manche könnten unsere Nachbarn, Vorgesetzten oder Kollegen sein oder gar unsere Familienangehörige. Was für ein Horror.

98BD34C8-B314-43BC-955C-F262105C5193Der Thriller von Sara Paretsky beginnt in einer verwüsteten Meth-Küche. So möchten wir uns die Verbrecher vorstellen: gewissenlose Dealer und durchgeknallte Süchtige, denen zwar alles zuzutrauen ist, denen man das Böse aber immerhin ansieht. Und die nicht sind wie wir, das möchten wir zumindest glauben. Doch „Kritische Masse“ führt uns in viel schlimmere Abgründe.

Zeitlich umfasst der Roman die letzten 100 Jahre, beginnend mit den Sternstunden physikalischer Forschung im frühen 20. Jahrhundert, doch dann folgte die Perversion der Wissenschaften einschließlich der hemmungslosen Entmenschlichung bei den Nazis und später im Kalten Krieg, die Suche um jeden Preis nach neuen Massenvernichtungswaffen bis ins heutige Computerzeitalter mit den totalen Überwachungsmöglichkeiten. Ja, das steckt alles drin in diesem Krimi. Dabei ermittelt die Detektivin gar nicht in einem richtigen Fall, die Gefälligkeit für eine Freundin führt erst einmal ins Drogenmilieu. Doch wer hätte gedacht, dass sie dann ausgerechnet in der Chefetage eines IT-Konzerns und in den Häusern von Nobelpreisträgern recherchieren muss – und unfassbares aufstöbert.

Ich habe erst kürzlich Liza Cody für mich entdeckt, Sara Paretsky konnte ich jetzt bei meiner Urlaubslektüre wiederentdecken (endlich wurde wieder einer ihrer Romane übersetzt!) – zwei Großmeisterinnen des Thriller-Genres. Paretskys toughe Detektivin V.I. Warshawski ist ja schon fast legendär, aber auch im sogenannten reiferen Alter (es ist ihr 16. Fall) noch immer unverwüstlich, mit sicherem Instinkt und Scharfblick, gut vernetzt, mitfühlend – und kompromisslos hart. Eben eine echte Hardboiled Detective.
Der rasante Thriller mit historisch-politischem Hintergrund taucht unsere Zeitgeschichte in ein brutales Licht, ohne aber in dieser Brutalität in Bild und Sprache zu baden.

Ich stehe jetzt gut 20 Seiten vor dem Finale, den großen Showdown habe ich soeben gelesen und atme vor der Auflösung erst einmal durch. Schreibe, um noch ein wenig die Spannung zu halten, das Ende hinauszuzögern. Aber mehr will ich jetzt hier wirklich nicht verraten – und auch nicht länger die Lektüre unterbrechen.
Lesen!

Paretsky, Sara : Kritische Masse / Deutsch von Laudan & Szelinski. – Deutsche Erstausgabe. – Hamburg : Argument Verlag, 2018. – 539 Seiten. – (Ariadne ; 1236)
Originaltitel: Critical mass
Standort und Katalogdaten hier

HilDa

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

UnderCover #2

Krimi-Neuerwerbungen im Frühjahr, Teil 2

Ich beginne mal mit einer norwegischen Krimi-Autorin, nicht zuletzt weil Norwegen im Herbst Gastland der Frankfurter Buchmesse sein wird. Karin Fossum ist für versierte Krimi-Leser*innen wahrscheinlich keine Unbekannte; seit den 90er Jahren wurden mehrere Romane ins Deutsche übersetzt (von Gabriele Haefs) und immer wieder neu aufgelegt. So auch diese bereits älteren Titel, die wir aufgrund eines Leserwunsches wieder angeschafft haben.

Drei Romane von Karin Fossum

Evas Auge“ ist im Original 1995 erstmals erschienen, 1998 die deutsche Übersetzung. Eine Frau wird aus Neugier Zeugin eines Mordes und gerät dann immer tiefer in den Mahlstrom des Verbrechens. Der raffinierte psychologische Thriller war der erste Fall mit Kommissar Sejer.

Fremde Blicke“ ist von 1996, deutsch 2000; mit diesem Roman wurde Karin Fossum zur Bestseller-Autorin. Kommissar Konrad Sejer will den Tod der jungen Annie aufklären. Sie war in dem norwegischen Dorf sehr beliebt, doch die Bewohner bleiben schwer durchschaubar und scheinen ein dunkles Geheimnis wahren zu wollen.

Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein“ ist schon der elfte Fall mit Kommissar Sejer. Bei einem tragischen Unfall stirbt ein kleiner Junge, die Eltern sind untröstlich. Doch für Sejer stimmt so einiges an diesem Unglück nicht.
Karin Fossum schreibt mehr als Whodunnit-Krimis, in ihren Romanen zeigt sie die Abgründe der menschlichen Seele.

Die nächsten drei Autoren und ihre Thriller führen uns zu sozialen Brennpunkten, in prekäre Verhältnisse und in ein Umfeld der Chancenlosigkeit, der Vorverurteilung, der Korrumpierbarkeit; eine Welt, in der Opfer und Täter, Sieger und Besiegte sich kaum unterscheiden.

Drei Romane

Drei Thriller aus dem Polar-Verlag: „Nichts ist verloren“ von Cloé Mehdi; „Desert Moon“ von James Anderson; „Bluebird, Bluebird“ von Attica Locke

Die Schriftstellerin Cloé Mehdi gewann mit ihrem Roman „Rien ne se perd“ in Frankreich schon viele Preise; die deutsche Übersetzung „Nichts ist verloren“ ist von Cornelia Wend, im Stuttgarter Polar-Verlag erschienen. Erzählt wird aus der Perspektive des elfjährigen Mattia, der in einem Pariser Banlieue bei einem Vormund aufwächst. Als im Viertel alte Wunden aufbrechen und er begreift, dass das Leben seines Vaters vor 15 Jahren durch den umstrittenen Tod des Jungen Said aus der Bahn geworfen wurde, will Mattia die Wahrheit herausfinden. Eine ausführliche Rezension zu dem Roman im Deutschlandfunk von Kirsten Reimers findet Ihr hier.

„The Never-Open Desert Diner“, deutsch (aus dem Amerikanischen von Harriet Fricke) „Desert Moon„, ist der Debütroman von James Anderson. Ingeborg Sperl schreibt in Der Standard kurz und knapp, der Roman „arbeitet mit genauen, quasi pastellgetönten Stimmungen, die in detaillierten Schockbildern enden. Die Wüste lebt, aber nicht alle überleben.“

Genau wie die beiden vorgenannten Titel stand auch „Bluebird, Bluebird“ von Attica Locke in diesem Jahr auf der Krimibestenliste, im Februar sogar auf Platz 1. Darren Matthews ist eben nicht Anwalt, sondern Texas Ranger geworden, weil er vor allem Hassverbrechen aufklären will; und die zwei Morde in dem kleinen Kaff in Osttexas scheinen ihm rassistisch motiviert zu sein – allerdings sieht nur er das so. Thekla Dannenberg zeigt sich in ihrer Krimikolumne „Mord und Ratschlag“ bei Perlentaucher von der Handlung und dem Thema des Romans mitgerissen und berührt, sprachlich allerdings weniger überzeugt.

Krimi-Taschenbuch

„Versammlung der Toten“ von Tomás Bárbulo

 

Im gleichen Beitrag bespricht sie auch „Versammlung der Toten“ von Tomás Bárbulo, eine schräge Krimikomödie um einige verpeilte Gauner, allesamt Verlierer der Wirtschaftskrise in Spanien, und um einen Juwelenraub in Marokko, der so ganz anders verläuft als abgesprochen.

 

 

„Desperation Road“ von Michael Farris Smith

 

Aber noch mal zurück in die Südstaaten der USA mit Michael Farris Smith und seinem düsteren Roman „Desperation Road„: Zwei Verlorene ohne Chance – der Ex-Häftling Russell Gaines, der gerade nach elf Jahren Haft einen Neuanfang sucht, und die obdachlose Maben, die zusammen mit ihrer Tochter auf der Flucht ist. Iris Tscharf ist in ihrer Rezension für CulturMag ganz begeistert.

 

„Die Plotter“ von Un-Su Kim

 

Brutale Gewalt gepaart mit Humor – und eine Bibliothek als Tarnung für Auftragskiller. Na, wenn das kein passender Abschluss unserer heutigen UnderCover-Liste ist. Der koreanische Schriftsteller Un-Su Kim hat mit seinem ersten Thriller „Die Plotter“ gleich international Furore gemacht. Der Krimi Noir wird hier von Sonja Hartl bei Deutschlandfunk Kultur besprochen.

Viel Freude beim Lesen.

HilDa