Buchtipp: Fever von Deon Meyer

Fever von Deon Meyer ist eigentlich kein Buch, dass man während einer Pandemie lesen möchte. Denn – es geht auch da um eine Pandemie. Und die ist auch noch ebenfalls von Coronaviren ausgelöst worden! Und es sterben 95 Prozent der Weltbevölkerung an diesem Virus, dass die Überlebenden Fieber nennen. Irgendwie hatte ich da in der jetzigen Situation doch ein etwas mulmiges Gefühl, als es plötzlich um Coronaviren ging. Der Teil, wo es über die Herkunft des neuen tödlichen Virus ging, war aber zum Glück recht kurz.

Es geht dann nämlich gar nicht so sehr um die Pandemie. Die ist am Anfang des Buches schon vorbei. Wir folgen dem 13-jährigen Nico, der mit seinem Vater Willem in ihrer Heimat Südafrika unterwegs ist. Bis sie schließlich Willems Ziel erreichen. Eine Stadt, gelegen an einem Damm, der vor dem Fieber zur Stromerzeugung diente. Geschützt gelegen ist die Stadt, sodass sie gut zu verteidigen ist. Willem hat alles genau überdacht, es scheint ihm der perfekte Ort, um eine neue Siedlung zu gründen und die Zivilisation wiederzubeleben. Nur geht das natürlich nicht ohne Probleme von statten.

Das größte Problem: Nicos Vater wird ermordet werden. Nico erzählt uns die Geschichte, als er selbst schon viel älter ist und arbeitet darauf hin, uns erfahren zulassen wer seinen Vater warum ermordet hat. Dass er sterben wird lernen wir schon direkt zu Anfang, es zieht sich wie ein unheilvoller roter Faden durch die Geschichte.

Es sind die Anfangsjahre der neu gegründeten Siedlung bis zum Tod seines Vaters, die Nico dem Leser erzählt. Über das Zusammenleben in der Siedlung, kleine und große Hindernisse. Wie verteidigt man diese Siedlung, wenn bewaffnete Bikergangs die Gegend rundherum unsicher machen? Wie sorgt man für die Essensversorgung? Wie schaffen sie es die Stromerzeugung des Damms wieder in Gang zu bekommen? Wie können sie eine faire und gleichberechtigte Gemeinschaft sicherstellen? Wer soll die stetig wachsende Gemeinschaft regieren? Was macht man wenn das Benzin irgendwann schlecht wird?  Was tragen unterschiedliche Charaktere Gutes oder auch Schlechtes zur Gemeinschaft bei? Mir hat es sehr gut gefallen, der Gründung der Siedlung zu folgen und all diese Fragen zu ergründen. Immer wieder gibt es neben Nicos Bericht auch kurze Ausschnitte aus Willems Geschichtsprojekt, für das er die Siedler befragt. Wir erfahren von den unterschiedlichsten Leute was sie erlebt haben als das Fieber ausbrach und auf welchem Wege sie in die Siedlung gelangt sind.

Das war mein erstes Buch von Deon Meyer aber man merkt schon, dass er normalerweise Krimis schreibt. Fever könnte man als Krimi in postapokalyptischem Gewand beschreiben. Das war für mich persönlich eine super Kombination. Die Geschichte war so spannend, dass ich das Buch gar nicht weglegen mochte und es in zwei Tagen durchgelesen hatte. Gefallen hat mir auch das Südafrika-Setting. Ich glaube ich muss mal nach weiteren südafrikanischen Autoren Ausschau halten.

Wenn ihr selbst reinlesen wollt, findet ihr das Buch bei uns zur Ausleihe in der Stadtbibliothek am Neumarkt (ihr könnt es momentan telefonisch oder per Mail bestellen und abholen, da wir für reguläre Besuche noch geschlossen haben).

lga

Schon gesehen? – Inspector Barnaby

… eine zeitlose, alt und doch gleichzeitig modern erscheinende Serie mit einer Ohrwurm-Titelmelodie…

Ich mag keine Thriller. Oder Krimis. Aber ist es draußen regnerisch und bedeckt, habe ich immer Lust auf eine Folge der britischen Krimiserie „Inspector Barnaby“. Es geht um Detective Chief Inspector Tom Barnaby, dessen Wirkungskreis in der fiktiven Grafschaft Midsomer liegt. Kurz gesagt – mit seinem Assistenten klärt er Morde auf. Man muss wissen, die  Geschichten sind keineswegs blutrünstig und die Drehorte durchaus nett anzuschauen. Typisch englisch, ohne ins kitschige abzudriften. Toll ist auch, dass die beiden quasi nie zu einer Tasse Kaffee eingeladen werden, sondern immer eine Tasse Tee angeboten bekommen. Very britisch eben.

Ohje, das Licht spielte mir wieder nicht in die Karten… :-/

Neben Tom und seinem Assistenten (je nach Staffel mit den Nachnamen Troy, Scott oder Jones) spielen Toms Frau Joyce und Tochter Cully mit. Joyce ist oft nörgelig, bekommt Tom doch immer dann die passenden Geistesblitze, wenn die beiden eigentlich gemeinsame Ausflüge machen wollen oder einfach schön essen gehen wollen. Apropos essen gehen – das wird bei der Familie Barnaby recht oft gemacht, Joyce kocht zwar, aber ihre Kochkünste sind nicht so der Hit. 🙂

Tja, und was passiert nun Aufregendes in Midsomer? Es wird erdolcht, erstochen, erhängt, ermistgabelt, erpresst (manchmal auch Menschen in Maschinen gepresst), erschlagen, erschwertet… so ziemlich alles (auch leicht absurdes) ist vorgekommen. Aber bei mittlerweile 21 Staffeln kann man schon mal vergessen, wer nun der Mörder war und sich die Folgen gerne nochmal anschauen. Wie sagte doch die Queen: „Eigentlich dürfte es dort keine Einwohner mehr geben“. Ihre Majestät hat gesprochen.

1997 lief die Serie erstmals in Großbritannien im Fernsehen, bei uns erst ab 2005. Deshalb erscheinen einem die leicht altmodischen Anzüge und Frisuren merkwürdig, aber doch liebenswert. Die Serie hat den Sprung ins digitale Zeitalter mühelos geschafft und stattete die Charaktere irgendwann auch mit Handys, E-Mail und Co. aus. John Nettles, der den liebenswerten Inspector spielt, stieg irgendwann aus der Serie aus (ich glaube in Staffel 13…) und mit ihm seine Frau und Tochter. Den Polizeiausweis übernahm dann sein Cousin John Barnaby, der mit Frau und Hund in ein tolles Landhaus zog und nun die Fäden in der Hand hält. Ein großer Unterschied ist nun, dass seine Frau Sarah keine Hausfrau ist, sondern die Leitung der örtlichen Grundschule übernommen und deshalb beruflich so einiges zu tun hat. So bleibt John oft nur Hund Sykes zum Reden.

Ich kann es drehen und wenden wie ich will, die neuen Folgen sind gut und ich schaue sie gerne, aber für mich bleibt der „alte“ Barnaby eben immer der „richtige“ Barnaby.

kwk

 

Buchtipp: Das Auge von Hongkong

GRENZEN|LOS|LESEN
Hongkong, China

Sechs spektakuläre Kriminalfälle um einen Ermittler und den ihn umgebenden Polizeiapparat in der unübersichtlichen Metropole Hongkong. Kwan ist genial und seine Methoden sind denen eines Sherlock Holmes ebenbürtig: umfassendes Wissen, sehr gute Beobachtungs- und Auffassungsgabe, schnelles Kombinieren gemischt mit Intuition und Menschenkenntnis. Doch im Gegensatz zum eigenwilligen Londoner Detektiv ist Kwan eingebettet in ein Polizeisystem mit zeitgemäßen Regeln und Methoden, mit Hierarchien, Bürokratie, unterschiedlichen Zielvorgaben und mit Kollegen unterschiedlichen Charakters. Hinzu kommen die gravierenden strukturellen Veränderungen im Laufe der Zeit, vor allem rund um die Übergabe der britischen Kronkolonie an China. Kwan wird zum aktiven Teil dieser Veränderungen, wird zu einem Vorbild, ja, einer Art Vaterfigur für seine Kollegen und Schüler. Er hat zwar auch so seine Eigenarten, dehnt auch schon mal Regeln und erlaubt sich Eigenmächtigkeiten (um es vorsichtig zu formulieren); aber er ist wesentlich umgänglicher und auch viel bescheidener und kollegialer als der genial-arrogante Holmes.

Das Problem bei den sechs erzählten Fällen ist so wie bei vielen Whodunit-Krimis voller Rätsel und mit einem überragenden Ermittler. Der Leser wird – wie alle anderen Romanfiguren auch – bis zur Enthüllung des Täters im Dunkeln gelassen; selbst wenn man schon eine Ahnung hat, fehlen Details und Kenntnisse, die nur der Ermittler haben kann, sie werden mir als Leser entweder vorenthalten oder ich werde in die Irre geführt. Die Aufklärung ist also eine Überraschung, erfordert dann aber noch eine entsprechend lange Erklärung. Dieses Krimi-Schema wirkt manchmal ein wenig antiquiert.

Aber in diesem Roman ist die klassische Detektiverzählung einfach nur der Rahmen, um eigentlich eine ganz andere Geschichte zu erzählen: die Geschichte Hongkongs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis fast in die unmittelbare Gegenwart. Das Ungewöhnliche an diesem Roman: Sechs Einzelerzählungen zeigen unterschiedliche Lebensstationen des Ausnahmeermittlers und der Metropole von 2013 bis 1967. Ja, die Erzählungen sind in umgekehrter Chronologie geordnet; so lernen wir Kwan auf seinem Sterbebett kennen, wo er einen letzten Fall klären hilft – für uns Leser ist das aber der erste. Dann geht es zurück bis zu seinen Anfängen im Polizeidienst. Hongkong lernen wir als chinesische Metropole mit neu organisiertem Polizeiapparat innerhalb des chinesischen Systems kennen, mit engagierten Idealisten und angepassten Karrieristen, wir erleben die Zeit des Übergangs, des Umbruchs und gehen zur Zeit des Aufbaus einer effizienten modernen Polizei, dem internen Kampf gegen Korruption und gegen die koloniale Arroganz den Einheimischen gegenüber zurück.

Die großartige Luftbildaufnahme von Hongkong ist in dem Bildband „Weltbilder“ des Projekts AirPano zu finden

Diese umgekehrte Chronologie ermöglicht uns nicht nur ein Zurückschreiten in die Zeitgeschichte bis zum Jahr der Unruhen in Hongkong 1967, es erklärt auch die Entwicklung der Charakterzüge, Eigenarten und Grundwerte des außergewöhnlichen Protagonisten. Und mit dem Schluss des Romans, der ja eigentlich der Anfang einer Karriere ist, schließt sich überraschend ein Kreis. Übrigens ist die letzte Erzählung auch die rasanteste. Mit ihr wird dann auch klar, dass sie am Ende stehen musste, die sechs Kriminalfälle hätten nicht in einer anderen Reihenfolge erzählt werden können. Aber mehr sei nicht verraten.

Wer Freude an verzwickten Kriminalfällen im klassischen Stil hat, dem sei dieser Roman wärmstens empfohlen. Der Autor vermag darüber hinaus, auch einige spektakuläre Actionszenen trefflich zu beschreiben: Es ist schon eine Kunst, eine Verfolgungsfahrt quer durch Hongkong, wie wir sie ähnlich vielleicht aus Filmen kennen, nur mit Worten genauso spektakulär zu entfalten wie der Film mit seinen Special Effects.

Aber die eigentliche Hauptfigur ist Hongkong und seine jüngere Geschichte. Ich gebe zu, ich habe mich bisher nicht sehr für die historischen Zusammenhänge interessiert. Da sind zwar die Nachrichtenmeldungen bis hin zu den aktuellen Protesten einer mutigen Bürgerrechtsbewegung und den Verhaftungs- und Verurteilungswellen der letzten Wochen und Monate; aber eigentlich kannte ich die Metropole eher als mondän-exotische Filmkulisse. Doch dieser Roman hat jetzt meine Neugierde geweckt.

Die Katalogdaten zum empfehlenswerten Hongkong-Krimi gibt es hier.
Übrigens soll in diesem Jahr ein weiterer Krimi von Chan Ho-Kei auf Deutsch erscheinen. Ich bin gespannt.
Die Bildbände „Weltbilder“ und „Neue Weltbilder“ der Künstlergruppe AirPano findet Ihr hier.

Noch eine Anmerkung: Im Chinesischen wird üblicherweise der Familienname vor den Vornamen einer Person gesetzt, Chan ist der Familienname, Ho-Kei der Vorname des Autoren. Darüber hinaus gibt es verschiedene Formen zur Romanisierung chinesischer Schriftzeichen, somit gibt es auch noch andere Schreibweisen des Namens: z. B. Chen Haoji. Wir bemühen uns, im Katalog alle Schreibweisen in lateinischer Umschrift recherchierbar zu machen.

HilDa

Unter der ÜberschrifGrenzen|los|lesen möchten wir Weltliteratur aus anderen Kulturen und Sprachen vorstellen. Der Schwerpunkt soll bei Literaturen außerhalb des europäischen und anglo-amerikanischen Mainstreams liegen.
Wir wünschen viel Freude beim Entdecken und Lesen.

Buchtipp: Die Detektive vom Bhoot-Basar

Der neunjährige Jai schaut am liebsten Polizeiserien im Fernsehen und weiß daher natürlich alles über Detektivarbeit. Als ein Junge aus seiner Klasse verschwindet will er sein Wissen endlich praktisch anwenden. Zusammen mit seinen Freunden Pari und Faiz begibt er sich auf Spurensuche in seinem Basti, seinem Armenviertel, und im nahe gelegenen Bhoot-Basar, wo er sich eigentlich nicht rumtreiben soll. Die drei Kinder nehmen Fährten auf, befragen die Verwandten der Verschwunden und stellen Verdächtigungen an. War es vielleicht Quater? Der ist schon in der neunten Klasse und hat eindeutig Verbrecherpotenzial. Oder hat gar ein böser Dschinn die Kinder mitgenommen?

Die Detektive vom Bhoot-Basar ist eine Geschichte, die mir auch nach Beendigung des Buchs noch im Gedächtnis blieb und wohl auch bleiben wird. Deepa Anappara beschreibt die Umgebung der Kinder und den Kriminalfall durch Jais Kinderaugen. Ja, er lebt in Indien in einem Armenviertel. Die Eltern arbeiten fast rund um die Uhr, Jais Freund Faiz hat auch schon einen Job. Es gibt Spannungen zwischen Hindus und Muslimen. Die Bewohner fürchten, ihr Basti könnte platt gemacht werden, um dort ein neues Hochhaus zu bauen. Und die Polizei ist korrupt und schert sich wenig um ein paar verschwundene Kinder.

So beklemmend das ist – Jai ist eben neun Jahre alt. Trotz allem wirkt er wie ein ganz normales Kind. Er geht in die Schule, aber ungern. Streitet sich mit seiner großen Schwester. Spielt mit seinen Freunden Detektiv. Diese kindlich positive Sicht der Dinge lässt einen beim Lesen manchmal vergessen, wie ernst diese Angelegenheit eigentlich ist. Fast glaubt man Jai, Pari und Faiz würden in bester Fünf Freunde oder TKKG Manier auf die Fährte der Entführer stoßen und am Ende alle verschwundenen Kinder putzmunter wieder finden. Und auch wenn Jai und seine Freunde dem Verbrechen schließlich doch sehr nahe kommen, gibt es hier kein Happy End. Wie sollen die Verschwundenen auch gefunden werden, wenn die Angehörigen völlig auf sich allein gestellt sind und nur ein paar Kinder versuchen, den Fall aufzuklären?

Der Kontrast zwischen dem tristen Leben und Jais Sicht auf die Dinge hat mich sehr berührt. Er ist nun mal ein Kind. Da hat man die Fantasie aus allem ein Spiel zu machen. Da braucht man nicht mal tonnenweise Spielzeug für.

Die verschwundenen Kinder kommen in kurzen Kapiteln ebenfalls zu Wort. Da merkt man dann schon, dass jedes Kind anders ist und manche schwerer zu tragen haben als andere. Da ist ein Junge, der manchmal tagelang im Bhoot-Basar herumstreunt und schläft, weil seine Mutter für eine Woche verreist ist und der Vater seine Kinder dann noch mehr als sonst verprügelt. Oder ein Mädchen, dass von den Eltern die Verantwortung für den Bruder auferlegt bekommt und unter der Bevorzugung des Bruders leidet. Und der Bruder wiederum rutscht gerade in eine Spielsucht  ab und hat ein schlechtes Gewissen seiner Schwester gegenüber.

Diesen Kontrast wollte Deepa Anappara einfangen, wie sie in ihrem Nachwort erklärt. Dort sagt sie:

„Ich interviewte Kinder, die als Müllsammler arbeiteten oder an Straßenkreuzungen bettelten, die wegen schwieriger Umstände kaum zu Hause lernen konnten oder aufgrund religiös bedingter Gewalt gezwungen gewesen waren, die Schule zu verlassen. Trotzdem erweckten die meisten nicht den Eindruck, Opfer zu sein: Sie waren frech, witzig und reagierten oft mit Ungeduld auf meine Fragen.“

Das Buch entstand, weil Anappara es schade fand, dass ihre Artikel, die sie vor Jahren als Journalistin in Indien schrieb, den Humor und die Energie dieser Kinder nicht einfingen.

Mit den Detektiven vom Bhoot-Basar hat sie genau das nun geschafft und eine berührende und trotz allem lebensbejahende Geschichte geschrieben.

Hier geht es zu den Katalogdaten.

lga

Mittendrin Mittwoch #106

Lotty war sehr bleich. Als wir zur Ecke Novaragasse kamen, blieb sie stehen, die Augen fest zugekniffen. Sie hatte diese Straße zuletzt als Neunjährige an dem Morgen gesehen, als ihr Großvater sie und ihren Bruder und die heulende Käthe Saginor zum Bahnhof brachte. Die Polizei (…) hatte damals ihren Teddy mit Bajonetten durchbohrt, um sich zu vergewissern, dass ihre Familie keine Juwelen darin versteckt hatte. (Seite 516)

Die Geschichte ist grausam. Unsere Geschichte. Was Menschen anderen Menschen schreckliches antun: aus Macht- und Geldgier, Geltungssucht, Rassismus, Sadismus, weil sie blind Befehlen gehorchen, ohne zu hinterfragen irgendwelchen Autoritäten und Hierarchien folgen, den Hasspredigern einer Ideologie oder Religion, einer Phantasmagorie oder Wahnvorstellung auf den Leim gehen – was auch immer sie zur Abstumpfung ihres Gewissens und als „Erklärung“ für ihre Verbrechen vorschieben. Menschen zu allen Zeiten und aus allen gesellschaftlichen Schichten. Und manche könnten unsere Nachbarn, Vorgesetzten oder Kollegen sein oder gar unsere Familienangehörige. Was für ein Horror.

98BD34C8-B314-43BC-955C-F262105C5193Der Thriller von Sara Paretsky beginnt in einer verwüsteten Meth-Küche. So möchten wir uns die Verbrecher vorstellen: gewissenlose Dealer und durchgeknallte Süchtige, denen zwar alles zuzutrauen ist, denen man das Böse aber immerhin ansieht. Und die nicht sind wie wir, das möchten wir zumindest glauben. Doch „Kritische Masse“ führt uns in viel schlimmere Abgründe.

Zeitlich umfasst der Roman die letzten 100 Jahre, beginnend mit den Sternstunden physikalischer Forschung im frühen 20. Jahrhundert, doch dann folgte die Perversion der Wissenschaften einschließlich der hemmungslosen Entmenschlichung bei den Nazis und später im Kalten Krieg, die Suche um jeden Preis nach neuen Massenvernichtungswaffen bis ins heutige Computerzeitalter mit den totalen Überwachungsmöglichkeiten. Ja, das steckt alles drin in diesem Krimi. Dabei ermittelt die Detektivin gar nicht in einem richtigen Fall, die Gefälligkeit für eine Freundin führt erst einmal ins Drogenmilieu. Doch wer hätte gedacht, dass sie dann ausgerechnet in der Chefetage eines IT-Konzerns und in den Häusern von Nobelpreisträgern recherchieren muss – und unfassbares aufstöbert.

Ich habe erst kürzlich Liza Cody für mich entdeckt, Sara Paretsky konnte ich jetzt bei meiner Urlaubslektüre wiederentdecken (endlich wurde wieder einer ihrer Romane übersetzt!) – zwei Großmeisterinnen des Thriller-Genres. Paretskys toughe Detektivin V.I. Warshawski ist ja schon fast legendär, aber auch im sogenannten reiferen Alter (es ist ihr 16. Fall) noch immer unverwüstlich, mit sicherem Instinkt und Scharfblick, gut vernetzt, mitfühlend – und kompromisslos hart. Eben eine echte Hardboiled Detective.
Der rasante Thriller mit historisch-politischem Hintergrund taucht unsere Zeitgeschichte in ein brutales Licht, ohne aber in dieser Brutalität in Bild und Sprache zu baden.

Ich stehe jetzt gut 20 Seiten vor dem Finale, den großen Showdown habe ich soeben gelesen und atme vor der Auflösung erst einmal durch. Schreibe, um noch ein wenig die Spannung zu halten, das Ende hinauszuzögern. Aber mehr will ich jetzt hier wirklich nicht verraten – und auch nicht länger die Lektüre unterbrechen.
Lesen!

Paretsky, Sara : Kritische Masse / Deutsch von Laudan & Szelinski. – Deutsche Erstausgabe. – Hamburg : Argument Verlag, 2018. – 539 Seiten. – (Ariadne ; 1236)
Originaltitel: Critical mass
Standort und Katalogdaten hier

HilDa

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

UnderCover #2

Krimi-Neuerwerbungen im Frühjahr, Teil 2

Ich beginne mal mit einer norwegischen Krimi-Autorin, nicht zuletzt weil Norwegen im Herbst Gastland der Frankfurter Buchmesse sein wird. Karin Fossum ist für versierte Krimi-Leser*innen wahrscheinlich keine Unbekannte; seit den 90er Jahren wurden mehrere Romane ins Deutsche übersetzt (von Gabriele Haefs) und immer wieder neu aufgelegt. So auch diese bereits älteren Titel, die wir aufgrund eines Leserwunsches wieder angeschafft haben.

Drei Romane von Karin Fossum

Evas Auge“ ist im Original 1995 erstmals erschienen, 1998 die deutsche Übersetzung. Eine Frau wird aus Neugier Zeugin eines Mordes und gerät dann immer tiefer in den Mahlstrom des Verbrechens. Der raffinierte psychologische Thriller war der erste Fall mit Kommissar Sejer.

Fremde Blicke“ ist von 1996, deutsch 2000; mit diesem Roman wurde Karin Fossum zur Bestseller-Autorin. Kommissar Konrad Sejer will den Tod der jungen Annie aufklären. Sie war in dem norwegischen Dorf sehr beliebt, doch die Bewohner bleiben schwer durchschaubar und scheinen ein dunkles Geheimnis wahren zu wollen.

Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein“ ist schon der elfte Fall mit Kommissar Sejer. Bei einem tragischen Unfall stirbt ein kleiner Junge, die Eltern sind untröstlich. Doch für Sejer stimmt so einiges an diesem Unglück nicht.
Karin Fossum schreibt mehr als Whodunnit-Krimis, in ihren Romanen zeigt sie die Abgründe der menschlichen Seele.

Die nächsten drei Autoren und ihre Thriller führen uns zu sozialen Brennpunkten, in prekäre Verhältnisse und in ein Umfeld der Chancenlosigkeit, der Vorverurteilung, der Korrumpierbarkeit; eine Welt, in der Opfer und Täter, Sieger und Besiegte sich kaum unterscheiden.

Drei Romane

Drei Thriller aus dem Polar-Verlag: „Nichts ist verloren“ von Cloé Mehdi; „Desert Moon“ von James Anderson; „Bluebird, Bluebird“ von Attica Locke

Die Schriftstellerin Cloé Mehdi gewann mit ihrem Roman „Rien ne se perd“ in Frankreich schon viele Preise; die deutsche Übersetzung „Nichts ist verloren“ ist von Cornelia Wend, im Stuttgarter Polar-Verlag erschienen. Erzählt wird aus der Perspektive des elfjährigen Mattia, der in einem Pariser Banlieue bei einem Vormund aufwächst. Als im Viertel alte Wunden aufbrechen und er begreift, dass das Leben seines Vaters vor 15 Jahren durch den umstrittenen Tod des Jungen Said aus der Bahn geworfen wurde, will Mattia die Wahrheit herausfinden. Eine ausführliche Rezension zu dem Roman im Deutschlandfunk von Kirsten Reimers findet Ihr hier.

„The Never-Open Desert Diner“, deutsch (aus dem Amerikanischen von Harriet Fricke) „Desert Moon„, ist der Debütroman von James Anderson. Ingeborg Sperl schreibt in Der Standard kurz und knapp, der Roman „arbeitet mit genauen, quasi pastellgetönten Stimmungen, die in detaillierten Schockbildern enden. Die Wüste lebt, aber nicht alle überleben.“

Genau wie die beiden vorgenannten Titel stand auch „Bluebird, Bluebird“ von Attica Locke in diesem Jahr auf der Krimibestenliste, im Februar sogar auf Platz 1. Darren Matthews ist eben nicht Anwalt, sondern Texas Ranger geworden, weil er vor allem Hassverbrechen aufklären will; und die zwei Morde in dem kleinen Kaff in Osttexas scheinen ihm rassistisch motiviert zu sein – allerdings sieht nur er das so. Thekla Dannenberg zeigt sich in ihrer Krimikolumne „Mord und Ratschlag“ bei Perlentaucher von der Handlung und dem Thema des Romans mitgerissen und berührt, sprachlich allerdings weniger überzeugt.

Krimi-Taschenbuch

„Versammlung der Toten“ von Tomás Bárbulo

 

Im gleichen Beitrag bespricht sie auch „Versammlung der Toten“ von Tomás Bárbulo, eine schräge Krimikomödie um einige verpeilte Gauner, allesamt Verlierer der Wirtschaftskrise in Spanien, und um einen Juwelenraub in Marokko, der so ganz anders verläuft als abgesprochen.

 

 

„Desperation Road“ von Michael Farris Smith

 

Aber noch mal zurück in die Südstaaten der USA mit Michael Farris Smith und seinem düsteren Roman „Desperation Road„: Zwei Verlorene ohne Chance – der Ex-Häftling Russell Gaines, der gerade nach elf Jahren Haft einen Neuanfang sucht, und die obdachlose Maben, die zusammen mit ihrer Tochter auf der Flucht ist. Iris Tscharf ist in ihrer Rezension für CulturMag ganz begeistert.

 

„Die Plotter“ von Un-Su Kim

 

Brutale Gewalt gepaart mit Humor – und eine Bibliothek als Tarnung für Auftragskiller. Na, wenn das kein passender Abschluss unserer heutigen UnderCover-Liste ist. Der koreanische Schriftsteller Un-Su Kim hat mit seinem ersten Thriller „Die Plotter“ gleich international Furore gemacht. Der Krimi Noir wird hier von Sonja Hartl bei Deutschlandfunk Kultur besprochen.

Viel Freude beim Lesen.

HilDa

 

 

Mittendrin Mittwoch #104

Ich bin keine Detektivin. Bloß weil es einen Mord gab, muss er noch lange nicht aufgeklärt werden. Es ist zwanzig Jahre her! Ich schreib an einer Biografie, nicht an einem scheiß Thriller. (Seite 258)

Aber es ist ein Thriller. Und Liza Cody versteht es, diesem Genre eine ganz eigene Note zu geben.
Ok, diese Metapher konnte ich mir jetzt nicht verkneifen, geht es doch in diesem Buch um eine geniale Musikerin und die (selbst-)zerstörerische Musikszene.

Die kleine, unscheinbare Elly ist ein Phänomen. Nein, sie war es:

(…) Elly Astoria, berühmt für ihren kurzen kometenhaften Aufstieg und noch berühmter für die abartigen Umstände ihres Todes. (Seite 19)

„Ballade einer vergessenen Toten“ von Liza Cody

Damit ist gleich zu Beginn klar, wie kurz und tragisch das Leben der armen kleinen Elly war. Jahrzehnte später entschließt sich die vom Leben enttäuschte Schriftstellerin Amy spontan, eine Biografie über Elly zu schreiben.

Das sieht trotz der Andeutungen vorerst gar nicht nach einem Krimi aus. Die Kapitel des Romans liefern Puzzleteile aus unterschiedlichen Perspektiven zu Ellys Leben und Amys Recherchen: Rückblicke, Interviews, Notizen, Briefe und E-Mails. Mal begleiten wir Amy bei ihrer Suche, lesen ihre Aufzeichnungen und Entwürfe, mal erzählt ein Zeitzeuge, mal ein auktorialer Erzähler. Die Puzzleteile passen nicht so ganz zusammen, denn jeder Beteiligte hat nicht nur seine eigene Sicht und Interessen – eigentlich reden alle mehr über sich selbst.

Und Elly verschwindet wie immer irgendwo im Hintergrund. Ihre Entdecker haben Ellys Talent erkannt und gefördert, aber das leichtgläubige Mädchen ausgenutzt und dann im Stich gelassen; Ellys Songs sind berühmt und haben vielen Künstlern zu Hits verholfen, doch ihre zwielichtigen Berater und Manager haben nur sich selbst die Taschen gefüllt. Die ungebildete Elly war offensichtlich ein leichtes Opfer. Aber wer hat sie so brutal ermordet? Erst jetzt in der zweiten Hälfte des Buches rückt diese Frage in den Vordergrund – ob Amy, die Biografin, das nun will oder nicht.

Einen Roman von Liza Cody wollte ich schon lange lesen, sie wird für ihre Milieuschilderung, ihre Charaktere und Sprache von Krimirezensenten geradezu gefeiert. Darum habe ich in der Buchhandlung nicht gezögert, als ich dieses neue Buch von ihr fand. „Ballade einer vergessenen Toten“ spielt geschickt mit den unterschiedlichen Blickwinkeln auf das kurze, tragische Leben der (fiktiven) Elly Astoria – und gibt so nebenbei einen verstörenden Einblick in das Musikgeschäft. Liza Cody kennt sich übrigens in der Szene bestens aus und lässt auch große (reale) Namen einfließen.

Das ist großartig geschrieben, kommt bisher so gar nicht wie ein klassischer Thriller daher und ist doch ungemein spannend. Darum schreibe ich jetzt auch nicht weiter, ich möchte ja viel lieber weiterlesen.

Cody, Liza : Ballade einer vergessenen Toten / Deutsch von Martin Grundmann. – Hamburg : Argument-Verlag, 2019. – 411 Seiten. – (Ariadne ; 1238)
Originaltitel: Ballad of a dead nobody
ISBN 978-3-86754-238-8

PS: Inzwischen wird der Roman in der Stadtbibliothek eingearbeitet, Katalogdaten findet Ihr hier.

HilDa

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

UnderCover #1

Krimi-Neuerwerbungen im Frühjahr

Ihr sucht zwischen den Buchdeckeln ein bisschen Spannung? Oder darf’s auch gerne etwas mehr thrill sein? Dann zeigen wir hier jetzt einige Neuerwerbungen im Krimi-Regal. Nur eine Auswahl, mit der wir auf Titel aufmerksam machen wollen, die nicht auf der Bestsellerliste stehen, und auf Autor*innen, die (noch) eher unbekannt und zu entdecken sind.

Leonardo Padura gehört allerdings nicht zu den unbekannten: Er gilt als einer der meistgelesenen kubanischen Autoren; mit seiner Krimireihe „Das Havanna-Quartett“ wurde er auch hierzulande bekannt; seine Romane standen immer wieder auf der Krimi-Bestenliste und wurden mit Preisen gewürdigt. Die Figur des Polizeileutnant Mario Conde aus dem Havanna-Quartett und der darauf beruhenden Netflix-Serie „Four Seasons in Havanna“ spielt auch in „Die Durchlässigkeit der Zeit“ die Hauptrolle.
Er arbeitet mittlerweile als Detektiv, doch diesmal hilft er einem Freund, um eine wertvolle gestohlene Schwarze Madonna wieder zu beschaffen. Verdächtigt wird ein ehemaliger Freund des Opfers, doch dann gerät Conde an gerissene Kunsthändler – und in die Unterwelt Havannas.

Für ihre ausgefeilten Romane wird Jeong Yu-jeong auch schon mal als „die koreanische Stephen King“ bezeichnet. „Der gute Sohn“ erwacht blutverschmiert und erinnert sich nicht mehr an den letzten Abend. Als er seinen roten Fußabdrücken folgt, findet er seine ermordete Mutter. Alles deutet auf ihn selbst als Täter … – mehr verrate ich besser nicht.

Melissa Scrivner Love hat eine ungewöhnliche „Heldin“ für ihren Thriller im Gang-Milieu: Die titelgebende Lola ist unscheinbar und offenbar nur eine von den vielen chicas in dieser Latino-Macho-Welt. Tatsächlich ist sie die Chefin einer Gang, die sich bewusst unauffällig verhält. Doch plötzlich gerät sie mitten in einen Krieg zwischen etablierten Großdealern, einem mexikanischen Kartell und Drogen-Großlieferanten. Und Lolas Achillesferse ist ihre Familie … .
Bei Anne Goldmann sind es in „Das größere Verbrechen“ drei sehr unterschiedliche Frauen, die alle ihre Geheimnisse haben. Bei der unsicheren Theres bricht durch einen Anruf das wohl geordnete Familienidyll zusammen, Putzhilfe Ana macht für andere den Dreck weg und interessiert sich nicht für die Probleme dieser Mittelständler, die alte Frau Sudic hat in Bosnien furchtbares überlebt. Reale und imaginäre Bedrohungen eskalieren für die drei plötzlich zu einer tödlichen Achterbahnfahrt.

Bleiben wir doch bei weiblichen Krimi-Hauptfiguren. Kerstin Cantz lässt das „Kriminal-Fräulein“ Zeisig in München ermitteln: „Fräulein Zeisig und der frühe Tod„. Im Schwabing der 60er Jahre liefern sich Studenten Straßenkämpfe mit der Polizei, die Stimmung in der Stadt ist aufgeheizt. Die neue Münchner WKP, die Weibliche Kriminalpolizei, wurde vor allem für die Vernehmung von Frauen und Kindern gegründet. Doch dann werden die Talente von Elke Zeisig für eine Mordermittlung gebraucht. Und sie muss auch noch ihren verschwundenen Bruder suchen.
Die Drehbuch- und Romanautorin verknüpft historisches Zeitgeschehen, Lokalkolorit und Krimihandlung.

Weitere Neuerwerbungen demnächst.

HilDa

 

Mittendrin Mittwoch #63

„Wo steckt er bloß. Annika? Hast du was von Gösta gehört?“ „Keinen Mucks. Vielleicht hat er ja verschlafen“, rief Annika vom Empfang.
„Dann begleite ich dich eben“. Mellberg faltete die Zeitung zusammen.
„Nicht nötig, ich warte auf Gösta. Er muss jeden Augenblick hier sein. Du hast bestimmt Wichtigeres zu tun.“ Patrik geriet in Panik. Wenn man Mellberg zu einer Vernehmung mitnahm, konnte das nur in eine Katastrophe münden.

Camilla Läckberg, „Die Engelmacherin„, S. 148

Eigentlich dachte ich, ich lese in meinen drei Wochen Urlaub ruck zuck einiges durch. Doch bei der Wärme konnte ich mich nicht wirklich konzentrieren, es hat leider nur zu einer Reisezeitschrift und dem Kreuzworträtselheft gereicht.

Wie ihr es schon erahnen könnt, hat es mich nun wieder ins schöne Fjällbacka verschlagen. Patrik und seine Kollegen haben wieder einiges zu tun. 1974 verschwand eine Familie spurlos aus ihrem Haus auf einer kleinen Insel, einzig die kleine Tochter Ebba wurde weinend im Esszimmer gefunden. Der Fall wurde nie aufgeklärt und nun findet besagte Tochter bzw. deren Mann bei der Renovierung des Schullandheims der Insel Blut unter den Bodendielen. Patrik rollt den Fall neu auf, nichts ahnend, dass sich seine Frau Erica für ein neues Buch auch heimlich mit dem Fall beschäftigt- mit Hilfe von Gösta, der scheinbar in der o.g. Textstelle verschlafen hat. Chef Mellberg beschließt, zu einer Vernehmung mit zu kommen. Armer Patrik, aber für den Leser recht amüsant. 😉

kwk

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Mittendrin Mittwoch #49

„Wie kommst du denn mit der…Hochzeit voran?“ Ihr Ton war auf einmal wieder ganz sachlich. Seit sie begriffen hatte, dass sie bei der Planung nicht das Kommando führen würde, sprach sie das Wort „Hochzeit“ wie „Hundekacke“ aus.
„Danke der Nachfrage, es läuft ausgezeichnet.“ Erica lächelte zuckersüß. Im Geiste dachte sie sich die schlimmsten und gröbsten Schimpfwörter, die ihr einfielen. Jeder Seemann wäre stolz auf ihren Wortschatz gewesen.

Camilla Läckberg, „Die Totgesagten„, S. 231

EIgentlich lese ich keine Krimis. Außer Simon Beckett. Aber nun habe ich Camilla Läckberg für    mich entdeckt, das ist schon das dritte Buch der „Erica-und-Patrik“-Reihe, welches ich geradezu  verschlinge. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass es in Schweden spielt, die Polizei ständig Zimtschnecken im Büro isst, dass alle sich duzen oder dass es nicht so blutrünstig zugeht… wahrscheinlich der Mix aus allem. 😉

Ich bin gerade mittendrin in den Hochzeitsvorbereitungen von Autorin Erica und Polizist Patrik. Wie es immer so ist, möchte auch ihre Schwiegermutter Hand anlegen, aber die hat so ganz andere Vorstellungen von der Feier als das Brautpaar.  Kurzentschlossen stellt sich Ericas Schwester Anna an die Spitze der Vorbereitungen, was glaube ich für alle Beteiligten (außer besagter Schwiegermutter) ein Segen ist. Patrik steht unterdessen vor einem Berg ungelöster Fragen: Eine Frau, die so gut wie nie Alkohol angerührt hat, wird tot mit 6,1 Promille in ihrem Wagen gefunden und Müllmann Leif findet die Leiche einer Teilnehmerin der Realityshow „Raus aus Tanum“ in einer Mülltonne. Und dann ist da ja noch die neue Kollegin Hanna, die mir als Leser irgendwie merkwürdig vorkommt…

Wer mal Lust auf einen „netten“ Krimi hat, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen! 🙂

kwk

Elizzy von read books and fall in love hat sich die Blogaktion ausgedacht. Der „Mittendrin Mittwoch“ besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.