Mittendrin Mittwoch #106

Lotty war sehr bleich. Als wir zur Ecke Novaragasse kamen, blieb sie stehen, die Augen fest zugekniffen. Sie hatte diese Straße zuletzt als Neunjährige an dem Morgen gesehen, als ihr Großvater sie und ihren Bruder und die heulende Käthe Saginor zum Bahnhof brachte. Die Polizei (…) hatte damals ihren Teddy mit Bajonetten durchbohrt, um sich zu vergewissern, dass ihre Familie keine Juwelen darin versteckt hatte. (Seite 516)

Die Geschichte ist grausam. Unsere Geschichte. Was Menschen anderen Menschen schreckliches antun: aus Macht- und Geldgier, Geltungssucht, Rassismus, Sadismus, weil sie blind Befehlen gehorchen, ohne zu hinterfragen irgendwelchen Autoritäten und Hierarchien folgen, den Hasspredigern einer Ideologie oder Religion, einer Phantasmagorie oder Wahnvorstellung auf den Leim gehen – was auch immer sie zur Abstumpfung ihres Gewissens und als „Erklärung“ für ihre Verbrechen vorschieben. Menschen zu allen Zeiten und aus allen gesellschaftlichen Schichten. Und manche könnten unsere Nachbarn, Vorgesetzten oder Kollegen sein oder gar unsere Familienangehörige. Was für ein Horror.

98BD34C8-B314-43BC-955C-F262105C5193Der Thriller von Sara Paretsky beginnt in einer verwüsteten Meth-Küche. So möchten wir uns die Verbrecher vorstellen: gewissenlose Dealer und durchgeknallte Süchtige, denen zwar alles zuzutrauen ist, denen man das Böse aber immerhin ansieht. Und die nicht sind wie wir, das möchten wir zumindest glauben. Doch „Kritische Masse“ führt uns in viel schlimmere Abgründe.

Zeitlich umfasst der Roman die letzten 100 Jahre, beginnend mit den Sternstunden physikalischer Forschung im frühen 20. Jahrhundert, doch dann folgte die Perversion der Wissenschaften einschließlich der hemmungslosen Entmenschlichung bei den Nazis und später im Kalten Krieg, die Suche um jeden Preis nach neuen Massenvernichtungswaffen bis ins heutige Computerzeitalter mit den totalen Überwachungsmöglichkeiten. Ja, das steckt alles drin in diesem Krimi. Dabei ermittelt die Detektivin gar nicht in einem richtigen Fall, die Gefälligkeit für eine Freundin führt erst einmal ins Drogenmilieu. Doch wer hätte gedacht, dass sie dann ausgerechnet in der Chefetage eines IT-Konzerns und in den Häusern von Nobelpreisträgern recherchieren muss – und unfassbares aufstöbert.

Ich habe erst kürzlich Liza Cody für mich entdeckt, Sara Paretsky konnte ich jetzt bei meiner Urlaubslektüre wiederentdecken (endlich wurde wieder einer ihrer Romane übersetzt!) – zwei Großmeisterinnen des Thriller-Genres. Paretskys toughe Detektivin V.I. Warshawski ist ja schon fast legendär, aber auch im sogenannten reiferen Alter (es ist ihr 16. Fall) noch immer unverwüstlich, mit sicherem Instinkt und Scharfblick, gut vernetzt, mitfühlend – und kompromisslos hart. Eben eine echte Hardboiled Detective.
Der rasante Thriller mit historisch-politischem Hintergrund taucht unsere Zeitgeschichte in ein brutales Licht, ohne aber in dieser Brutalität in Bild und Sprache zu baden.

Ich stehe jetzt gut 20 Seiten vor dem Finale, den großen Showdown habe ich soeben gelesen und atme vor der Auflösung erst einmal durch. Schreibe, um noch ein wenig die Spannung zu halten, das Ende hinauszuzögern. Aber mehr will ich jetzt hier wirklich nicht verraten – und auch nicht länger die Lektüre unterbrechen.
Lesen!

Paretsky, Sara : Kritische Masse / Deutsch von Laudan & Szelinski. – Deutsche Erstausgabe. – Hamburg : Argument Verlag, 2018. – 539 Seiten. – (Ariadne ; 1236)
Originaltitel: Critical mass
Standort und Katalogdaten hier

HilDa

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

UnderCover #2

Krimi-Neuerwerbungen im Frühjahr, Teil 2

Ich beginne mal mit einer norwegischen Krimi-Autorin, nicht zuletzt weil Norwegen im Herbst Gastland der Frankfurter Buchmesse sein wird. Karin Fossum ist für versierte Krimi-Leser*innen wahrscheinlich keine Unbekannte; seit den 90er Jahren wurden mehrere Romane ins Deutsche übersetzt (von Gabriele Haefs) und immer wieder neu aufgelegt. So auch diese bereits älteren Titel, die wir aufgrund eines Leserwunsches wieder angeschafft haben.

Drei Romane von Karin Fossum

Evas Auge“ ist im Original 1995 erstmals erschienen, 1998 die deutsche Übersetzung. Eine Frau wird aus Neugier Zeugin eines Mordes und gerät dann immer tiefer in den Mahlstrom des Verbrechens. Der raffinierte psychologische Thriller war der erste Fall mit Kommissar Sejer.

Fremde Blicke“ ist von 1996, deutsch 2000; mit diesem Roman wurde Karin Fossum zur Bestseller-Autorin. Kommissar Konrad Sejer will den Tod der jungen Annie aufklären. Sie war in dem norwegischen Dorf sehr beliebt, doch die Bewohner bleiben schwer durchschaubar und scheinen ein dunkles Geheimnis wahren zu wollen.

Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein“ ist schon der elfte Fall mit Kommissar Sejer. Bei einem tragischen Unfall stirbt ein kleiner Junge, die Eltern sind untröstlich. Doch für Sejer stimmt so einiges an diesem Unglück nicht.
Karin Fossum schreibt mehr als Whodunnit-Krimis, in ihren Romanen zeigt sie die Abgründe der menschlichen Seele.

Die nächsten drei Autoren und ihre Thriller führen uns zu sozialen Brennpunkten, in prekäre Verhältnisse und in ein Umfeld der Chancenlosigkeit, der Vorverurteilung, der Korrumpierbarkeit; eine Welt, in der Opfer und Täter, Sieger und Besiegte sich kaum unterscheiden.

Drei Romane

Drei Thriller aus dem Polar-Verlag: „Nichts ist verloren“ von Cloé Mehdi; „Desert Moon“ von James Anderson; „Bluebird, Bluebird“ von Attica Locke

Die Schriftstellerin Cloé Mehdi gewann mit ihrem Roman „Rien ne se perd“ in Frankreich schon viele Preise; die deutsche Übersetzung „Nichts ist verloren“ ist von Cornelia Wend, im Stuttgarter Polar-Verlag erschienen. Erzählt wird aus der Perspektive des elfjährigen Mattia, der in einem Pariser Banlieue bei einem Vormund aufwächst. Als im Viertel alte Wunden aufbrechen und er begreift, dass das Leben seines Vaters vor 15 Jahren durch den umstrittenen Tod des Jungen Said aus der Bahn geworfen wurde, will Mattia die Wahrheit herausfinden. Eine ausführliche Rezension zu dem Roman im Deutschlandfunk von Kirsten Reimers findet Ihr hier.

„The Never-Open Desert Diner“, deutsch (aus dem Amerikanischen von Harriet Fricke) „Desert Moon„, ist der Debütroman von James Anderson. Ingeborg Sperl schreibt in Der Standard kurz und knapp, der Roman „arbeitet mit genauen, quasi pastellgetönten Stimmungen, die in detaillierten Schockbildern enden. Die Wüste lebt, aber nicht alle überleben.“

Genau wie die beiden vorgenannten Titel stand auch „Bluebird, Bluebird“ von Attica Locke in diesem Jahr auf der Krimibestenliste, im Februar sogar auf Platz 1. Darren Matthews ist eben nicht Anwalt, sondern Texas Ranger geworden, weil er vor allem Hassverbrechen aufklären will; und die zwei Morde in dem kleinen Kaff in Osttexas scheinen ihm rassistisch motiviert zu sein – allerdings sieht nur er das so. Thekla Dannenberg zeigt sich in ihrer Krimikolumne „Mord und Ratschlag“ bei Perlentaucher von der Handlung und dem Thema des Romans mitgerissen und berührt, sprachlich allerdings weniger überzeugt.

Krimi-Taschenbuch

„Versammlung der Toten“ von Tomás Bárbulo

 

Im gleichen Beitrag bespricht sie auch „Versammlung der Toten“ von Tomás Bárbulo, eine schräge Krimikomödie um einige verpeilte Gauner, allesamt Verlierer der Wirtschaftskrise in Spanien, und um einen Juwelenraub in Marokko, der so ganz anders verläuft als abgesprochen.

 

 

„Desperation Road“ von Michael Farris Smith

 

Aber noch mal zurück in die Südstaaten der USA mit Michael Farris Smith und seinem düsteren Roman „Desperation Road„: Zwei Verlorene ohne Chance – der Ex-Häftling Russell Gaines, der gerade nach elf Jahren Haft einen Neuanfang sucht, und die obdachlose Maben, die zusammen mit ihrer Tochter auf der Flucht ist. Iris Tscharf ist in ihrer Rezension für CulturMag ganz begeistert.

 

„Die Plotter“ von Un-Su Kim

 

Brutale Gewalt gepaart mit Humor – und eine Bibliothek als Tarnung für Auftragskiller. Na, wenn das kein passender Abschluss unserer heutigen UnderCover-Liste ist. Der koreanische Schriftsteller Un-Su Kim hat mit seinem ersten Thriller „Die Plotter“ gleich international Furore gemacht. Der Krimi Noir wird hier von Sonja Hartl bei Deutschlandfunk Kultur besprochen.

Viel Freude beim Lesen.

HilDa

 

 

Mittendrin Mittwoch #104

Ich bin keine Detektivin. Bloß weil es einen Mord gab, muss er noch lange nicht aufgeklärt werden. Es ist zwanzig Jahre her! Ich schreib an einer Biografie, nicht an einem scheiß Thriller. (Seite 258)

Aber es ist ein Thriller. Und Liza Cody versteht es, diesem Genre eine ganz eigene Note zu geben.
Ok, diese Metapher konnte ich mir jetzt nicht verkneifen, geht es doch in diesem Buch um eine geniale Musikerin und die (selbst-)zerstörerische Musikszene.

Die kleine, unscheinbare Elly ist ein Phänomen. Nein, sie war es:

(…) Elly Astoria, berühmt für ihren kurzen kometenhaften Aufstieg und noch berühmter für die abartigen Umstände ihres Todes. (Seite 19)

„Ballade einer vergessenen Toten“ von Liza Cody

Damit ist gleich zu Beginn klar, wie kurz und tragisch das Leben der armen kleinen Elly war. Jahrzehnte später entschließt sich die vom Leben enttäuschte Schriftstellerin Amy spontan, eine Biografie über Elly zu schreiben.

Das sieht trotz der Andeutungen vorerst gar nicht nach einem Krimi aus. Die Kapitel des Romans liefern Puzzleteile aus unterschiedlichen Perspektiven zu Ellys Leben und Amys Recherchen: Rückblicke, Interviews, Notizen, Briefe und E-Mails. Mal begleiten wir Amy bei ihrer Suche, lesen ihre Aufzeichnungen und Entwürfe, mal erzählt ein Zeitzeuge, mal ein auktorialer Erzähler. Die Puzzleteile passen nicht so ganz zusammen, denn jeder Beteiligte hat nicht nur seine eigene Sicht und Interessen – eigentlich reden alle mehr über sich selbst.

Und Elly verschwindet wie immer irgendwo im Hintergrund. Ihre Entdecker haben Ellys Talent erkannt und gefördert, aber das leichtgläubige Mädchen ausgenutzt und dann im Stich gelassen; Ellys Songs sind berühmt und haben vielen Künstlern zu Hits verholfen, doch ihre zwielichtigen Berater und Manager haben nur sich selbst die Taschen gefüllt. Die ungebildete Elly war offensichtlich ein leichtes Opfer. Aber wer hat sie so brutal ermordet? Erst jetzt in der zweiten Hälfte des Buches rückt diese Frage in den Vordergrund – ob Amy, die Biografin, das nun will oder nicht.

Einen Roman von Liza Cody wollte ich schon lange lesen, sie wird für ihre Milieuschilderung, ihre Charaktere und Sprache von Krimirezensenten geradezu gefeiert. Darum habe ich in der Buchhandlung nicht gezögert, als ich dieses neue Buch von ihr fand. „Ballade einer vergessenen Toten“ spielt geschickt mit den unterschiedlichen Blickwinkeln auf das kurze, tragische Leben der (fiktiven) Elly Astoria – und gibt so nebenbei einen verstörenden Einblick in das Musikgeschäft. Liza Cody kennt sich übrigens in der Szene bestens aus und lässt auch große (reale) Namen einfließen.

Das ist großartig geschrieben, kommt bisher so gar nicht wie ein klassischer Thriller daher und ist doch ungemein spannend. Darum schreibe ich jetzt auch nicht weiter, ich möchte ja viel lieber weiterlesen.

Cody, Liza : Ballade einer vergessenen Toten / Deutsch von Martin Grundmann. – Hamburg : Argument-Verlag, 2019. – 411 Seiten. – (Ariadne ; 1238)
Originaltitel: Ballad of a dead nobody
ISBN 978-3-86754-238-8

PS: Inzwischen wird der Roman in der Stadtbibliothek eingearbeitet, Katalogdaten findet Ihr hier.

HilDa

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

UnderCover #1

Krimi-Neuerwerbungen im Frühjahr

Ihr sucht zwischen den Buchdeckeln ein bisschen Spannung? Oder darf’s auch gerne etwas mehr thrill sein? Dann zeigen wir hier jetzt einige Neuerwerbungen im Krimi-Regal. Nur eine Auswahl, mit der wir auf Titel aufmerksam machen wollen, die nicht auf der Bestsellerliste stehen, und auf Autor*innen, die (noch) eher unbekannt und zu entdecken sind.

Leonardo Padura gehört allerdings nicht zu den unbekannten: Er gilt als einer der meistgelesenen kubanischen Autoren; mit seiner Krimireihe „Das Havanna-Quartett“ wurde er auch hierzulande bekannt; seine Romane standen immer wieder auf der Krimi-Bestenliste und wurden mit Preisen gewürdigt. Die Figur des Polizeileutnant Mario Conde aus dem Havanna-Quartett und der darauf beruhenden Netflix-Serie „Four Seasons in Havanna“ spielt auch in „Die Durchlässigkeit der Zeit“ die Hauptrolle.
Er arbeitet mittlerweile als Detektiv, doch diesmal hilft er einem Freund, um eine wertvolle gestohlene Schwarze Madonna wieder zu beschaffen. Verdächtigt wird ein ehemaliger Freund des Opfers, doch dann gerät Conde an gerissene Kunsthändler – und in die Unterwelt Havannas.

Für ihre ausgefeilten Romane wird Jeong Yu-jeong auch schon mal als „die koreanische Stephen King“ bezeichnet. „Der gute Sohn“ erwacht blutverschmiert und erinnert sich nicht mehr an den letzten Abend. Als er seinen roten Fußabdrücken folgt, findet er seine ermordete Mutter. Alles deutet auf ihn selbst als Täter … – mehr verrate ich besser nicht.

Melissa Scrivner Love hat eine ungewöhnliche „Heldin“ für ihren Thriller im Gang-Milieu: Die titelgebende Lola ist unscheinbar und offenbar nur eine von den vielen chicas in dieser Latino-Macho-Welt. Tatsächlich ist sie die Chefin einer Gang, die sich bewusst unauffällig verhält. Doch plötzlich gerät sie mitten in einen Krieg zwischen etablierten Großdealern, einem mexikanischen Kartell und Drogen-Großlieferanten. Und Lolas Achillesferse ist ihre Familie … .
Bei Anne Goldmann sind es in „Das größere Verbrechen“ drei sehr unterschiedliche Frauen, die alle ihre Geheimnisse haben. Bei der unsicheren Theres bricht durch einen Anruf das wohl geordnete Familienidyll zusammen, Putzhilfe Ana macht für andere den Dreck weg und interessiert sich nicht für die Probleme dieser Mittelständler, die alte Frau Sudic hat in Bosnien furchtbares überlebt. Reale und imaginäre Bedrohungen eskalieren für die drei plötzlich zu einer tödlichen Achterbahnfahrt.

Bleiben wir doch bei weiblichen Krimi-Hauptfiguren. Kerstin Cantz lässt das „Kriminal-Fräulein“ Zeisig in München ermitteln: „Fräulein Zeisig und der frühe Tod„. Im Schwabing der 60er Jahre liefern sich Studenten Straßenkämpfe mit der Polizei, die Stimmung in der Stadt ist aufgeheizt. Die neue Münchner WKP, die Weibliche Kriminalpolizei, wurde vor allem für die Vernehmung von Frauen und Kindern gegründet. Doch dann werden die Talente von Elke Zeisig für eine Mordermittlung gebraucht. Und sie muss auch noch ihren verschwundenen Bruder suchen.
Die Drehbuch- und Romanautorin verknüpft historisches Zeitgeschehen, Lokalkolorit und Krimihandlung.

Weitere Neuerwerbungen demnächst.

HilDa

 

Mittendrin Mittwoch #63

„Wo steckt er bloß. Annika? Hast du was von Gösta gehört?“ „Keinen Mucks. Vielleicht hat er ja verschlafen“, rief Annika vom Empfang.
„Dann begleite ich dich eben“. Mellberg faltete die Zeitung zusammen.
„Nicht nötig, ich warte auf Gösta. Er muss jeden Augenblick hier sein. Du hast bestimmt Wichtigeres zu tun.“ Patrik geriet in Panik. Wenn man Mellberg zu einer Vernehmung mitnahm, konnte das nur in eine Katastrophe münden.

Camilla Läckberg, „Die Engelmacherin„, S. 148

Eigentlich dachte ich, ich lese in meinen drei Wochen Urlaub ruck zuck einiges durch. Doch bei der Wärme konnte ich mich nicht wirklich konzentrieren, es hat leider nur zu einer Reisezeitschrift und dem Kreuzworträtselheft gereicht.

Wie ihr es schon erahnen könnt, hat es mich nun wieder ins schöne Fjällbacka verschlagen. Patrik und seine Kollegen haben wieder einiges zu tun. 1974 verschwand eine Familie spurlos aus ihrem Haus auf einer kleinen Insel, einzig die kleine Tochter Ebba wurde weinend im Esszimmer gefunden. Der Fall wurde nie aufgeklärt und nun findet besagte Tochter bzw. deren Mann bei der Renovierung des Schullandheims der Insel Blut unter den Bodendielen. Patrik rollt den Fall neu auf, nichts ahnend, dass sich seine Frau Erica für ein neues Buch auch heimlich mit dem Fall beschäftigt- mit Hilfe von Gösta, der scheinbar in der o.g. Textstelle verschlafen hat. Chef Mellberg beschließt, zu einer Vernehmung mit zu kommen. Armer Patrik, aber für den Leser recht amüsant. 😉

kwk

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

Mittendrin Mittwoch #49

„Wie kommst du denn mit der…Hochzeit voran?“ Ihr Ton war auf einmal wieder ganz sachlich. Seit sie begriffen hatte, dass sie bei der Planung nicht das Kommando führen würde, sprach sie das Wort „Hochzeit“ wie „Hundekacke“ aus.
„Danke der Nachfrage, es läuft ausgezeichnet.“ Erica lächelte zuckersüß. Im Geiste dachte sie sich die schlimmsten und gröbsten Schimpfwörter, die ihr einfielen. Jeder Seemann wäre stolz auf ihren Wortschatz gewesen.

Camilla Läckberg, „Die Totgesagten„, S. 231

EIgentlich lese ich keine Krimis. Außer Simon Beckett. Aber nun habe ich Camilla Läckberg für    mich entdeckt, das ist schon das dritte Buch der „Erica-und-Patrik“-Reihe, welches ich geradezu  verschlinge. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass es in Schweden spielt, die Polizei ständig Zimtschnecken im Büro isst, dass alle sich duzen oder dass es nicht so blutrünstig zugeht… wahrscheinlich der Mix aus allem. 😉

Ich bin gerade mittendrin in den Hochzeitsvorbereitungen von Autorin Erica und Polizist Patrik. Wie es immer so ist, möchte auch ihre Schwiegermutter Hand anlegen, aber die hat so ganz andere Vorstellungen von der Feier als das Brautpaar.  Kurzentschlossen stellt sich Ericas Schwester Anna an die Spitze der Vorbereitungen, was glaube ich für alle Beteiligten (außer besagter Schwiegermutter) ein Segen ist. Patrik steht unterdessen vor einem Berg ungelöster Fragen: Eine Frau, die so gut wie nie Alkohol angerührt hat, wird tot mit 6,1 Promille in ihrem Wagen gefunden und Müllmann Leif findet die Leiche einer Teilnehmerin der Realityshow „Raus aus Tanum“ in einer Mülltonne. Und dann ist da ja noch die neue Kollegin Hanna, die mir als Leser irgendwie merkwürdig vorkommt…

Wer mal Lust auf einen „netten“ Krimi hat, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen! 🙂

kwk

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Undercover – Spannung zwischen den Buchdeckeln

Hier eine kleine Auswahl Krimi- und Thriller-Neuerwerbungen aus dem ersten Halbjahr, Empfehlungen jenseits der Bestsellerlisten:

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Krimi-Trilogie von Tim Parks

Tim Parks Krimi-Trilogie – „Der ehrgeizige Mr Duckworth“, „Mr Duckworth wird verfolgt“ und „Mr Duckworth sammelt den Tod“ – dreht sich um einen mittellosen Englischlehrer, der in die bessere Gesellschaft Veronas aufsteigen will – und er schreckt dabei vor nichts zurück. Ein ehrgeiziger Hochstapler ohne Skrupel, denn Schuld sind für ihn sowieso immer die anderen. Doch selbst als er Reichtum, Erfolg und Ansehen wie gewünscht gewonnen hat, muss er sich mit seiner mörderischen „Genialität“ schützen. Der britische Schriftsteller Tim Parks lebt selbst in der Nähe von Verona. Die ersten beiden Bände wurden bereits in den 90ern veröffentlicht, 2013 setzte er die schwarze Krimikomödie über einen Serienmörder mit Charme fort. (Alle drei Bände sind in der Stadtbibliothek als Druckausgabe und als eBook ausleihbar)

Auch Massimo Carlottos Romanfigur Giorgio Pelegrini will endlich ein bürgerliches Leben und geht dafür über Leichen. Bei Carlotto ist das aber ganz gewiss keine Komödie, sondern er führt mit seinem Thriller mitten hinein ins korrupte, mafiöse Italien. (Am Ende eines öden Tages / von Massimo Carlotto)

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Nur eine Auswahl unserer neuen Krimis

In Hans Schefczyks Roman sind es Mitglieder einer militanten Zelle, die sich mit einer Kaufhauserpressung Mittel für ein Leben nach dem Untergrund sichern wollen. Aber ganz so einfach und idiotensicher wie geplant ist das nicht. (Das Ding drehn / von Hans Schefczyk)

Marina Heib lässt in „Drei Meter unter Null“ eine Frau aus ihrem Normalleben ausbrechen und zur Mörderin werden. Ein Thriller über Rache aus einer tiefen Verzweiflung heraus. (Drei Meter unter Null / von Marina Heib; Buch + eBook)

Rache ist auch das Motiv der Lehrerin in dem Psychothriller „Geständnisse“: Sie gibt ihren Schülern die Schuld am angeblichen Unfalltod ihrer kleinen Tochter. Der japanische Bestseller von Kanae Minato wurde von der Kritik hochgelobt, z. B. von Elmar Krekeler in der WELT vom 26.04.2017. (Geständnisse / von Kanae Minato; Buch + eBook)

Der Thriller von Jenny Milewski „Angstmädchen“ bedient sich im Horror-Genre: Die schüchterne Studentin Malin scheint mit ihrem neuen Zimmer im Wohnheim großes Glück zu haben – doch dann beginnt der Schrecken … (Angstmädchen / von Jenny Milewski; Buch + eBook)

Graeme Macrae Burnets historischer Kriminalroman „Sein blutiges Projekt“ fällt aus unserer Auswahl etwas heraus. Der psychologische Thriller spielt an der schottischen Nordwestküste im Jahr 1869. Der junge Roderick Macrae leugnet nicht die furchtbaren Morde, für die er angeklagt ist. Aber was waren seine Motive? Ist er überhaupt schuldfähig? In Form eines Dokumentarromans erzählt der Autor mit seiner fiktiven Geschichte auch über das soziale Elend Mitte des 19. Jahrhunderts in Schottland und über die Anfänge der heutigen Kriminalistik und Forensik. (Sein blutiges Projekt / von Graeme Macrae Burnet)

Zuletzt wieder eine Krimi-Komödie, in Frankreich ein Bestseller. Das „Kommando Abstellgleis“ ist ein neues Kommissariat in Paris, in das einfach alle unbequemen und arbeitsunwilligen Mitarbeiter abgeschoben wurden. Kommissarin Anne Capestan, selber schon einmal suspendiert, soll diese verkrachten Existenzen eigentlich nur still halten. Stattdessen lösen sie gemeinsam mit unkonventionellen Methoden alte Fälle – nicht unbedingt zur Freude ihrer Vorgesetzten. (Kommando Abstellgleis / von Sophie Hénaff; Buch + eBook)

Viel Freude beim Lesen.

hilda

Mittendrin Mittwoch #15

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

Man nannte es, das wusste er bereits von seinen Kontakten in der Fleet Street, „Die große Suchaktion“. Es klang recht flott – wenn das keine Ergebnisse zeitigte, nun, dann wüsste er auch nicht weiter. Kenward hatte die letzten beiden Tage damit verbracht, eine weitere Suche nach Mrs Christie vorzubereiten. In den Zeitungen würden noch am selben Tag Aufrufe erscheinen, um Freiwillige zu finden, die nach Newlands Corner kommen und bei der Suche nach der vermissten Autorin mithelfen würden.

Er hatte bereits ein riesiges Heer zusammengetrommelt: Wenn seine Berechnungen stimmten, würde es dreiundfünfzig von je einem Polizisten geleitete Suchtrupps geben; …

(Agathas Alibi, S. 308)

Buchcover mit Puppe

Agathas Alibi / von Andrew Wilson

Mir war endlich mal wieder nach einem Krimi und bei diesem konnte ich nicht widerstehen: nicht von Agatha Christie, sondern mit ihr als Hauptfigur. Der Titel ist zweideutig und spielt auf eines der berühmtesten Werke der englischen Autorin an; aber auch sie selbst benötigt ein Alibi, wird sie doch in ein perfides Verbrechen verstrickt. Andrew Wilson greift ein tatsächlich mysteriöses, bis heute nicht aufgeklärtes Ereignis in der Biografie der bekanntesten englischen Krimilady auf: Im Dezember 1926 verschwand Agatha Christie, man fand ihr Auto, doch sie blieb für mehrere Tage trotz großer Suchaktionen und Zeitungsaufrufe unauffindbar. Genauso plötzlich tauchte sie wieder auf. Es gab nie eine Erklärung – aber unzählige Spekulationen. Nervenzusammenbruch? Gedächtnisverlust? Werbegag? Oder gar ein Verbrechen?

In diesem Roman wird natürlich letzteres angeboten, ist ja ein Krimi. Andrew Wilson hat hier keinen Whodunnit geschrieben: Dass Mrs Christie am Ende wieder auftauchen wird, wissen wir ja; und den eigentlichen Bösewicht lernt der Leser bereits zu Beginn kennen. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber Wilson konstruiert eine fast ausweglose Falle für seine Romanheldin. Mrs Christie wird in einer ohnehin schon sehr belastenden Situation (Tod der Mutter, Eheprobleme, Schreibblockade, Selbstzweifel und Depression) zum Opfer eines wirklich furchtbaren Menschen. Ein skrupelloser Arzt zwingt sie … . Nein, mehr nicht über den Inhalt.

Leider sind die Figuren eher zweidimensional; man könnte sie sich gut in einem dieser gut ausgestatteten BBC-Krimiserien vorstellen, gute Schauspieler könnten ihnen Leben einhauchen – die Worte des Autors vermögen das nicht so recht. Auch die Spannung bleibt zwischenzeitig etwas auf der Strecke, nimmt aber jetzt auf den letzten 100 Seiten wieder Fahrt auf. Und ich bin ganz gespannt auf das Nachwort, das mehr über das echte Verschwinden der Agatha Christie erzählen wird, hoffe ich.

Unterhaltsame Krimikost für alle, die in die gute alte Zeit eintauchen wollen – und hinter dem Vorhang der Gutbürgerlichkeit das Böse unter der Sonne wittern. 😉

Wilson, Andrew : Agathas Alibi / aus dem Englischen von Michael Mundhenk. – München : Pendo, 2017. – 379 S.
Originaltitel: A Talent for Murder
Standort in der Stadtbibliothek Bielefeld: Krimi Wils

hilda

 

Krimi, Thriller und Co.

Vor einiger Zeit habe ich euch schon einmal das Genre der Fantasyliteratur mit den verschiedenen Subgenres vorgestellt.

Nun werde ich mich heute mit einem anderen Thema bezüglich Genres beschäftigen, nämlich wo genau der Unterschied zwischen einem Krimi und einem Thriller besteht.

Ein Krimi beschäftigt sich in der Regel mit der Aufklärung einer schweren Straftat, wie etwa Erpressung oder Mord. Die Aufklärung wird übernommen von einem Ermittler, das kann sowohl ein Kommissar, ein Detektiv oder auch eine Privatperson sein. Dieser Ermittler findet im Verlauf des Krimis die Hintergründe der Tat und den Täter heraus.

Bei einem Thriller ist ein Hauptmerkmal, dass er kontinuierlich Spannung erzeugen soll, wie sich auch schon aus der Bezeichnung selbst entnehmen lässt (engl. thrill „Schauer, Erregung, Sensation“). Des Weiteren geht es hier nicht darum ein Verbrechen aufzuklären, sondern eher darum eines zu verhindern. Der Held rettet am Ende sich selbst oder auch andere vor einem Widersacher, wobei es auch vorkommen kann dass der Held dabei stirbt.

Ein bekanntes Subgenre ist der Psychothriller. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Beschreibung der Figuren und deren Psyche, bei einem normalen Thriller wird eher Wert gelegt auf die Beschreibung der Handlung. Thema des Psychothrillers ist häufig ein emotionaler Konflikt zwischen mehreren Personen oder auch innerhalb einer Person. Zudem werden bei Psychothrillern Vorgeschichten häufig ausführlich thematisiert.

Ich muss sagen, dass ich beide Genres sehr gerne lese. Mir gefallen zum Beispiel sehr die Krimis von Simon Becket rund um David Hunter oder auch die Reihe um Carl Morck von Jussi Adler Olsen. Genauso gerne lese ich aber auch all die Psychothriller von Sebastian Fitzek, bei denen ich mir immer wieder aufs Neue die Haare raufen könnte.

lga