Terry Pratchett – Scheibenwelt-Zyklus

Vor einiger Zeit habe ich mir vorgenommen, die 41 Romane umfassende Reihe um Terry Pratchetts Scheibenwelt in chronologischer Reihenfolge zu lesen. Wie der Name vermuten lässt, ist diese Welt eine Scheibe – eine von vielen im Universum. Sie ruht auf 4 Elefanten, die auf der Riesenschildkröte Groß-A’Tuin stehen. Pratchett parodiert Fantasy- und Sci-Fi-Motive, aber auch Themen aus der realen Welt.

Derzeit bin ich bei Band 21, „Fliegende Fetzen“. In der Bibliothek befindet sich die englische Ausgabe unter dem Titel „Jingo“. Hier sorgt eine Insel, die wie aus dem Nichts aus dem Meer aufsteigt, für einen Konflikt zwischen zwei Ländern. Zwei Fischer – einer aus Ankh-Morpork, einer aus dem Land Klatsch – beanspruchen jeder für sich, die strategisch gut gelegene Insel zuerst gesehen zu haben. Das bringt gewisse Probleme mit sich. Nachdem in Ankh-Morpork ein Attentat auf den Botschafter von Klatsch verübt wird, stehen die Zeichen auf Krieg…

„Die Farben der Magie“ und „Das Licht der Fantasie“ – Band 1 bzw. Band 2 – sind als Film unter dem Titel „The color of magic“ verfügbar. Mit Zweiblum begibt sich der weltweit erste Tourist in die Stadt Ankh-Morpork. In seiner Heimat, dem Achatenem Reich, arbeitet er bei einer Versicherung, die er auch gleich in Ankh-Morpork einführt und als eine Art Wette erklärt: Man wettet darum, dass eine Kneipe nicht abbrennt. Brennt sie doch, muss die Versicherung zahlen. Natürlich brennt es wenig später.

Betreut wird Zweiblum von dem mäßig begabten Zauberer Rincewind, der nicht zaubern kann, da er einst einen Zauberspruch verschluckt hat, der sich jedes Mal in den Vordergrund drängt, wenn er zu zaubern versucht. Niemand weiß, was dieser Spruch bewirkt, so versucht er das Aussprechen zu verhindern.
Zu Beginn wird Rincewind verpflichtet, auf Zweiblum achtzugeben. Sowohl der Herrscher des Achatenen Reiches, als auch der Patrizier von Ankh-Morpork stimmen überein, dass schlechte Erfahrungen Zweiblums den Ruf Ankh-Morporks schaden könnten. Später sieht man im Achatenem Reich die Gefahr, dass die „Krankheit der Unzufriedenheit“ mit Zweiblums Rückkehr ins Land kommt – sie sollte also mit Hilfe der Assassinen-Gilde verhindert werden. Rincewind und Zweiblum müssen Ankh-Morpork verlassen und begeben sich auf eine Reise durch die Scheibenwelt.

In dem Roman „Alles Sense“ (Band 11 , als Hörbuch verfügbar) wird der Tod in den Ruhestand geschickt, ohne dass bereits ein geeigneter Nachfolger bereitsteht. TOD ist eine anthropomorphe Personifizierung in Form eines Skeletts mit Umhang und Sense. Eigentlich spielt für ihn Zeit keine Rolle, ab dem Zeitpunkt seiner Verrentung ist er aber sterblich und verdingt sich auf einer Farm.

Die Abwesenheit eines Todes bringt einige Probleme mit sich. Gestorben wird weiterhin, es ist aber niemand da, der die Verstorbenen ins Jenseits geleitet: Windle Poons, Erzkanzler der unsichtbaren Universität für Zauberer, erfährt dies als einer der ersten. Als Zauberer kennt Windle den Zeitpunkt seines Todes und genießt das Privileg, von TOD höchstpersönlich ins Jenseits befördert zu werden.
Windle stirbt zwar, muss aber als Zombie weiterexistieren, da TOD nicht erscheint. Er schließt sich einer Selbsthilfegruppe für Untote an, die eine Gleichstellung der Toten mit den Lebenden erreichen wollen.
Im weiteren Verlauf sammelt sich immer mehr Lebensenergie an, was das Gefüge der Welt aus dem Gleichgewicht bringt. Auch Dinge fangen an zu leben. Schließlich muss sich TOD auch noch seinem Nachfolger gegenüberstellen.

Band 18, „Mummenschanz“, ist als eBook in der Onleihe verfügbar: In der städtischen Oper in Ankh-Morpork möchte Agnes, die mit sich selbst im Duett singen kann, eine Karriere als Opernsängerin starten. Der Besitzer bevorzugt aber Christine, die zwar besser aussieht, aber nicht singen kann. Agnes muss bei Aufführungen also immer hinter Christine stehen und ihr ihre Stimme leihen. Daneben muss man sich noch mit einer Mordserie in der Oper beschäftigen… Das Werk, an das dieser Roman angelehnt ist befindet sich sowohl als DVD als auch als CD im Bestand der Stadtbibliothek.

Ich finde die Romane spannend und auch lustig geschrieben. Pratchett parodiert Fantasy-Motive wie Zauberer, Drachen und Hexen, aber auch Themen aus der realen Welt. Beginnend mit dem Tourismus bekommen später auch Film- und Musikindustrie ihr Fett weg. Ebenso gibt es auf der Scheibenwelt den Schneevater, das Äquivalent zum Weihnachtsmann.

Die Romane sind unterteilt in Zauberer-, Hexen-, Tod- und Ankh-Morpork-Geschichten. Letztere drehen sich hauptsächlich um die Geschehnisse in der Hauptstadt Ankh-Morpork. Man kann sie also chronologisch oder thematisch lesen. Natürlich kann auch mit einem Buch neuerem Datums begonnen werden, da jeder Roman in sich abgeschlossen ist. Aber es kann passieren, dass eine Geschichte auf ein früheres Buch Bezug nimmt und möglicherweise Hinweise auf dessen Ausgang gegeben werden.

Neben aktuellen Bänden sind einige der früheren Romane auf Englisch in der Bibliothek (eigentlich sollte man sie auch im Original lesen, da manches von Pratchetts Humor durch Übersetzung verloren geht) und einige in der Onleihe verfügbar. Das Phantom der Oper und andere Musicals stehen unter fC im 1. OG in der Rotunde.

Juliane

26 Buchstaben – 26 Tage forschen, bauen und staunen

Wisst ihr, was ein Taschenlampen-Graffiti ist oder wie man mit Farbe seine Freunde verknotet? Habt ihr euch schon mal einen Tee mit drei Spiegeln und Sonnenwärme gekocht??

Nein? Dann wird es Zeit, all das und noch viel mehr in der spannenden Buchreihe Forschen, Bauen, Staunen von A bis Z zu erfahren. Für jeden Buchstaben gibt es ein Buch. Von A wie Abenteuer über Q wie Quatsch bis hin zu Z wie Zaubern …. Was könnte wohl für das Y stehen ? 🙂

„Gut möglich, dass Erwachsene sie genauso spannend finden wie du. Sei großzügig und lass sie mitmachen!“ Das ist doch mal eine nette Einladung. Also los: Buch ausleihen und losexperimentieren!

Diese Reihe gibt es in Brackwede unter „Allgemeines Leit“ und in der Kinderbibliothek unter „Experimente Leit“.

K.M.

Von hier wech – für euch da #2

Während des ersten Lockdowns haben wir in Kooperation mit dem Kulturamt eine Lesereihe unter dem Titel „Von hier wech – für auch da“ gestartet. Wir luden KinderbuchautorInnen aus der Region ein, und baten Sie um eine Lesung vor der Kamera. Diese Lesungen möchten wir euch in nächster Zeit genauer vorstellen, denn auch jetzt haben wir wieder keine Möglichkeit live einem Autoren oder einer Autorin zu lauschen. Die erste Lesung mit Sabine Lipan haben wir euch bereits auf dem Blog vorgestellt und hier findet ihr die Lesung um ein geklautes Hühnerei bei YouTube zum Anschauen.

Heute soll es aber um die Lesung von Christian Tielmann gehen. Er hat uns sein Buch Der Tag, an dem wir Papa umprogrammierten, für Kinder ab 7 Jahre, mitgebracht. Darin entdecken Jolante und Carlo, dass der Papa, der während Mamas Abwesenheit auf sie aufpassen soll, gar nicht ihr echter Papa, sondern ein Roboter ist! Und nachdem sie den An- und Aus-Schalter gefunden haben, bekommen sie auch schnell heraus, wie man den Roboter-Papa neu programmieren kann. Das kann lustig werden!

Schaut doch mal rein in die Geschichte um den programmierbaren Papa, die Christian Tielmann mit viel Leben und Witz füllt!

Der Tag an dem wir Papa umprogrammierten und andere Bücher von Christian Tielmann findet ihr auch zur Ausleihe bei uns vor Ort oder in der Onleihe.

lga

Buchtipp: Das Spiel von Stephen King

Jessie und ihr Mann Gerald haben sich in ihr einsam gelegenes Sommerhaus zurückgezogen. Gerald möchte etwas Schwung ins Eheleben bringen, in dem er Jessie mit Handschellen ans Bett fesselt. Doch Jessie verliert schnell die Lust an Geralds Spiel und hält ihn mit einem kräftigen Fußtritt auf Abstand. Für Geralds Herz war der Tritt zu viel und so liegt er kurze Zeit später tot neben dem Bett – an das Jessie noch immer gefesselt ist.

Was ich an der Geschichte spannend fand, war vor allem, wie Jessie mit der Situation umging. Die Fluchtversuche oder Pläne an Wasser zu kommen, die sie sich überlegt, aber auch wohin ihre Gedanken in den Phasen wandern, in denen sie außer Nachdenken nichts zu tun hat, wobei  lange verdrängte Erinnerungen an die Oberfläche kommen.

King schreibt ja nicht nur Horror, dieses Buch ging aber auf jeden Fall in die unheimliche Richtung. Nicht nur, dass die Lage, in der Jessie sich befindet, schon für genug Horror sorgt, auch ihre Kindheitserinnerungen sind unangenehm schaurig und als es bei Jessie Nacht wird, geschehen Dinge, nach denen ich tatsächlich erst mal in alle – durchaus gut beleuchteten – Ecken des Zimmers spähen musste, ob die auch wirklich leer sind. Das Ende war dann ganz anders als erwartet und hat die unheimlichen Begebenheiten eigentlich noch grauseliger gemacht.

Falls ihr euch auch mal ein kleines bisschen gruseln wollt: Ausleihen könnt ihr das Buch als eBook in der Onleihe OWL. 🙂

lga

Noch mehr eBooks! Mit OverDrive.

Seit kurzem bieten wir unseren Bibliotheksnutzern einen Zugang zu einer weiteren Plattform für E-Medien an. Neben der Onleihe gibt es nun auch OverDrive bei uns zu entdecken. Momentan findet ihr dort gut 200 Titel, viele davon auch in englischer Sprache. Den inhaltlichen Schwerpunkt haben wir bisher auf Literatur für Jugendliche und junge Erwachsene sowie eBooks zum Thema Handarbeiten gelegt.

Zugang erhaltet ihr, wie üblich bei unseren Online-Angeboten, mit einer gültigen Bibliothekskarte. Dabei ist die Nummer auf der Rückseite der Karte der Benutzername, das Passwort ist das Geburtsdatum (tt.mm.jjjj), soweit ihr es nicht schon auf unserer Website geändert habt.

Lesen könnt ihr die eBooks im Browser, ihr könnt sie vom PC oder Laptop aber auch auf einen eReader übertragen. Für Mobilgeräte gibt es die kostenfreie Libby-App.

Da wir momentan über OverDrive noch nicht so viele eBooks im Angebot haben, gibt es eine Begrenzung auf drei eBooks, die gleichzeitig ausgeliehen werden können. Zudem können drei Vormerkungen getätigt werden.

Wir möchten das Angebot von OverDrive nun für einige Zeit testen. Daher freuen wir uns auch über jede Rückmeldung – ob positiv oder negativ – von euch. Wenn ihr nach dem Stöbern in den eBooks und dem Ausprobieren der Funktionen ein Feedback für uns habt, schreibt uns gerne eine E-Mail an stadtbibliothek.digitaledienste@bielefeld.de.

lga

Buchtipp: Annette, ein Heldinnenepos

Annette Beaumanoir ist 17 Jahre alt, sie lebt in Frankreich während des zweiten Weltkriegs. Sie schließt sich der Resistance an, rettet zwei jüdischen Kindern das Leben. Nach dem zweiten Weltkrieg wird sie Ärztin, gründet eine Familie – und muss feststellen, dass in einem neuen Konflikt plötzlich Frankreich auf der Seite der Unterdrücker steht. Im Algerienkrieg setzt sie sich für die Unabhängigkeit Algeriens ein, arbeitet für den FLN, die nationale Befreiungsfront, und wird deshalb in Frankreich zu 10 Jahren Haft verurteilt. Doch sie kann fliehen und arbeitet später sogar in der ersten unabhängigen Regierung Algeriens.

Spektakulär und abenteuerlich klingt das alles und als wären es viel zu viele Erlebnisse für ein einziges Leben. Doch Annette Beaumanoir gibt es wirklich. Die Autorin Anne Weber trifft die heute 96-jährige vor einigen Jahren in Frankreich. Fasziniert von ihrer Geschichte schreibt sie ihr ein Epos. Auch wenn Annette zum fertigen Buch sagt, dass das gar nicht wirklich sie sei. Also doch die Geschichte von Annette Beaumanoir wie Anne Weber sie sieht und verstanden hat. Dennoch bleibt die Geschichte von Annette abenteuerlich, tatsächlich eine Geschichte, die dieses epenhafte vertragen kann.

Und wie habe ich Annette verstanden? Sie scheint eine Frau mit starkem Gerechtigkeitssinn zu sein, die bereit ist, für ihre Überzeugungen viel zu riskieren. Die nicht für ihr Land und ihre Landsleute, sondern für ihre Überzeugungen kämpft. Gleichzeitig ist sie aber auch abenteuerlustig, es schien mir fast, als wäre sie nicht recht für ein ruhiges normales Leben geschaffen. Auch wenn wir die reale Annette nicht wirklich kennen lernen – ein Heldinnenepos hat sie alle mal verdient.

Gespannt bin ich nun, den Text von Anne Weber selbst zu hören. Denn im Rahmen der Literaturtage ist sie am Donnerstag, den 29. Oktober um 20 Uhr bei uns zu Gast.

Dieses Jahr können wir aufgrund gewisser Viren (Corona, fühl dich ruhig angesprochen) weit weniger Karten für die Veranstaltungen der Literaturtage bereitstellen. Die Karten können online über unsere Website erworben werden oder auch vor Ort in der Stadtbibliothek am Neumarkt. Zur Lesung mit Anne Weber sind momentan noch einige Karten da. Zwei Veranstaltungen sind aber schon ausverkauft, es empfiehlt sich also, nicht zu lange mit dem Kartenkauf zu warten. 🙂

lga

Zugfahrten mit Corona

Mein Arbeitsweg führt mich jeden Morgen an einen Bahnhof und in einen Zug, der mich nach Bielefeld bringt. Eigentlich mag ich Zugfahrten auch sehr gerne. Zum einen, weil ich dann kein Auto fahren muss. Das ist mir entweder zu langweilig oder ich rege mich viel zu sehr über die ganzen verrückten Autofahrer auf, die über die Straßen brausen. Zum anderen ist das meine fest eingeplante Lesezeit. Selbst wenn viel los ist und ich sonst keine Zeit zum Lesen finde, habe ich zumindest die 30 bis 40 Minuten, die ich täglich im Zug sitze. Das einzige, was ich dabei immer befürchte ist, irgendwann einmal so versunken in ein Buch zu sein, dass ich meine Station verpasse. Bisher ist mir das zum Glück noch nie passiert (vor ein paar Monaten hatte ich zwar einen Moment der Panik, weil die Durchsage plötzlich schon die nächste Station verkündete, ein Blick nach draußen brachte aber Beruhigung – da hatte sich wohl jemand vertan, das sah doch noch nach Bielefeld aus 🙂 ).

Versperrte Sicht

Nur leider vermiest mir Corona so ein bisschen meinen Lesespaß im Zug. Die Brillenträger werden es kennen: Brille plus Mundschutz verträgt sich nicht immer so super miteinander. Vor allem wenn man vorher schon mit dem Fahrrad zum Bahnhof geeilt ist und es sommerlich warm ist. Und mit beschlagener Brille liest es sich wiederum nicht so gut. Und ohne Brille auch nicht, da müsste ich die Nase wortwörtlich ins Buch stecken, um ordentlich sehen zu können, das ist auch nicht das Wahre.

Daher habe ich in letzter Zeit oft Hörbücher gehört und achte immer darauf einen Sitzplatz mit freier Sicht nach draußen zu suchen. In dem Zug, den ich am häufigsten nehme, befindet sich nämlich bei vielen Plätzen, genau auf meiner Augenhöhe eine Fensterunterteilung. Ein eindeutiger Konstruktionsfehler – da haben die Zugplaner selber wohl nie in einem Zug gesessen und mal nach draußen schauen wollen. 🙂

Ansonsten macht Zug fahren gerade aber richtig viel Spaß, weil es so schön leer und damit oft auch ruhig ist. Dauerhaft sind so unausgelastete Züge wohl nicht so toll und auf lange Sicht werden sie sich hoffentlich wieder füllen. Bis dahin erfreue ich mich aber an den leeren Zügen und nehme eben mit meinen Hörbüchern vorlieb. 🙂

lga

Buchtipp: Space Girls

Maiken Nielsen erzählt in Space Girls die Geschichte der Mercury 13. Es sind Frauen, allesamt Pilotinnen, die in den 1960er Jahren erfolgreich die selben Tests wie zuvor die Mercury-Astronauten durchliefen. Neben den realen Frauen, folgen wir der fiktiven Juni. Sie wächst in den 1950er Jahren in New Orleans auf. Schon früh nimmt ihr Stiefvater Ben sie mit auf den Flughafen und sie ist von Anfang an vom Fliegen begeistert. Sie wird Pilotin und ist Feuer und Flamme, als das Angebot für die Astronautentests kommt.
Wir folgen aber auch Junis Mutter Martha, die mit der kleinen Juni aus Nazideutschland über Frankreich in die USA fliehen musste.

Es war sehr spannend zu verfolgen, welche Hürden den Pilotinnen immer wieder in den Weg gelegt wurden und wie sie viele dieser Hürden trotzdem überwunden haben.
Es tauchten zudem auch immer wieder kurze Kapitel auf, in denen Wernher von Braun zu Wort kommt. Nachdem er in Deutschland während des zweiten Weltkriegs, die V2 Rakete mitentwickelte, mit der unter anderem London bombardiert wurde, holten ihn die Amerikaner nach dem Krieg, seiner Forschung wegen, in die USA. Dort erlangte er immer größere Popularität, da er öffentlich für die Raumfahrt warb und so zu einer prominenten Persönlichkeit auf dem Weg zur Mondlandung wurde.

Es war interessant, in Space Girls von diesen zwei Seiten von Wernher von Braun zu lesen. Einerseits seine absolute Leidenschaft für die Raumfahrt und wie er diese Begeisterung an andere weitergibt. Andererseits seine Vergangenheit, die zeigt, dass er für seinen Traum, ins Weltall zu fliegen, bereit war viel Schreckliches in Kauf zu nehmen. Irgendwie eine sehr ambivalente Persönlichkeit. Ich habe schon geschaut, und natürlich haben wir auch ein paar Biografien zu von Braun, da werde ich mir demnächst mal eine aussuchen. Bisher habe ich immer eher über seine Errungenschaften in der Raumfahrt gelesen, die natürlich nicht abzustreiten sind. Dennoch würde ich gerne erfahren, was er im Nationalsozialismus alles getan hat und ob man ihn nicht kritischer betrachten sollte.

Neben von Braun waren auch immer wieder kurze Kapitel aus der Sicht von Michael Collins eingefügt. Collins war zusammen mit Neil Armstrong und Buzz Aldrin in der Mannschaft für die erste Mondlandung. Während die anderen beiden auf dem Mond landeten, blieb Collins allein im Raumschiff.

Aber vor allem standen natürlich die faszinierenden Geschichten der Pilotinnen im Vordergrund. Dabei spielte Junis Geschichte die wichtigste Rolle. Ihr Leben auf dem Weg zur Pilotin, ihre Vergangenheit, die ihre Mutter jahrelang vor ihr verheimlicht.
Mir hat auch gefallen, wie Maiken Nielsen die Geschichte der Space Girls beginnend mit einer Flucht aus Deutschland, über Junis Kindheit und Erwachsenwerden in New Orleans bis hin zur Mondlandung, ab und an unterbrochen durch Gedanken von Wernher von Braun und Michael Collins, erzählt hat.

Spannend fand ich auch noch Nielsens Nachwort, in dem sie kurz darlegt, wo ihr Roman auf Tatsachen beruht und wo nicht und welche Sachbücher ihr bei diesem Thema empfehlenswert erscheinen (noch mehr Bücher, die ich lesen möchte… 🙂 ).

Hier seht ihr, wo ihr das Buch bei uns ausleihen könnt.

lga

Buchtipp: Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse

Laut der Kartenapp war sie fast da. Charlotte hob die Hand, um ihre Augen abzuschirmen, und als sie es plötzlich direkt vor sich erblickte, wusste sie, dass sie angekommen war.

Es war ein typisch viktorianisches Stadthaus. Der obere Teil war aus Backstein gemauert, der untere mit einer zinnoberroten Fassade versehen, es sah charmant englisch aus. Das Einzige, was das Bild störte, war, dass jemand massenhaft Gerümpel in das überfüllte Schaufenster gestellt hatte. Ansonsten wirkte es sehr ansprechend.

Charlottes Herz machte einen Sprung. Zwar war das Gebäude eher klein und stand etwas eingequetscht zwischen zwei anderen da, dennoch hatte es mit seinen Fensterläden und anderen Blumenkästen einen eigenen Charakter, und aus irgendeinem Grund beschleunigte das ihren Puls.

Ein Taxi hupte wütend, als sie über die Straß ging, ohne sich umzusehen, doch sie konnte den Blick einfach nicht von dem Haus wenden. Über dem vollgestopften Schaufenster prangten vergoldete Buchstaben. The Riverside Bookshop, las Charlotte.

Die kleine Buchhandlung an der Themse / von Frida Skybäck. Seite 27

Als ich das Buch bei uns in der Bibliothek aus dem Rückgabe-Korb fischte, musste ich es mir einfach genauer ansehen. Denn nicht nur der Titel sprach mich sofort an, sondern auch das hübsch gestaltete Buchcover. Nachdem ich schnell noch den Klappentext gelesen hatte, war die Sache beschlossen: Das gute Stück ausleihen und zum Lesen mit nach Hause nehmen. 🙂

Schon nachdem ich die ersten Seiten gelesen hatte, war mir klar: das ist so ein nettes Buch, das muss ich einfach auf dem Blog vorstellen. Da ich alles in allem schreiben kann: Es ist nicht nur optisch ansprechend, es ist auch wunderbar zu lesen. Gut geeignet, wenn es mal nichts allzu Aufregendes, Spannendes oder Dramatisches sondern ein wenig gemäßigt sein soll.
Vielleicht kaufe ich es mir sogar noch, nicht nur wegen des adretten Aussehens, sondern weil es sich sicherlich auch gut ein zweites Mal lesen lässt. 🙂

Charlotte lebt in Schweden und ist dort eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Ihr gehört die Kosmetikfirma c/o Charlotte, die sie seit dem Unfalltod ihres Mannes Alex vor etwas mehr als einem Jahr, alleine führt. Da es ihr immer noch schwer fällt seinen Verlust zu akzeptieren, vergräbt sie sich seitdem gerne in ihrer Arbeit und meidet – soweit möglich – den Kontakt zu anderen Menschen. – Bis die junge Witwe eine Buchhandlung in London erbt: den Riverside Bookshop. Zu Verdanken hat Charlotte diese unerwartete Erbschaft ihrer Tante Sara, der Schwester ihrer Mutter Kristina, der sie obendrein kein einziges Mal im Leben begegnet ist.

Es hilft alles nichts, Charlotte muss nach London reisen. Ihr Plan: Den Laden so schnell wie möglich verkaufen, um mindestens genau so schnell wieder nach Schweden zurückzukehren. Doch als Charlotte das erste Mal vor dem Laden steht, geraten ihre Pläne ins Wanken. Denn sie ist vom ersten Augenblick an von dem urigen Geschäft fasziniert. Nichtsdestotrotz hält sie an ihrem Beschluss fest. Bis ihr Vorhaben mehr und mehr durchkreuzt wird: Durch den Laden selbst, der hoch verschuldet ist, was aber niemand wusste – schon gar nicht die Mitarbeiter; durch die mit der Zeit entstehende Freundschaft zu eben jenen; durch Familiengeheimnisse die gelöst werden wollen – in die Gegenwart fließen immer wieder Kapitel aus der Vergangenheit, die die Geschichte von Sara und Kristina erzählen; durch William, ein smarter Autor, der ausgerechnet in einer der beiden Wohnungen über der Buchhandlung wohnt (in der anderen, die Charlotte während ihres Aufenthalts für sich beansprucht, lebte ihre Tante Sara); und nicht zuletzt durch Saras eigenen Kater Tennyson, der sie zu ihrer neuen Freundin auserkoren hat.

Alle „diese Umstände“ tragen dazu bei, dass Charlotte sich mehr und mehr wohlfühlt und länger in London bleibt als beabsichtigt. Aber: Wird es ihr gelingen, den Geheimnissen auf die Spur zu kommen? Gelingt es ihr, herauszufinden, warum Sara die Buchhandlung ausgerechnet ihr vererbt hat? Und vor allem wird Charlotte es wagen, einen Neuanfang zu starten?

Lest selbst nach – ausleihen könnt ihr das Buch vor Ort oder in der Onleihe.

kte

Buchtipp: Das Evangelium der Aale

Wie viel kann man eigentlich über einen Aal wissen? Oder über einen Menschen? Das fragt sich Patrik Svensson in Das Evangelium der Aale.
Er erzählt von der Erforschung des Aals, vom Wissen, dass über die Jahre über ihn erlangt wurde – oder eher gesagt all das, was wir noch nicht wissen.

Geboren wird der Aal vermutlich in der Sargassosee im Atlantik, lässt sich von Meeresströmungen tragen, um schließlich vom Salz- ins Süßwasser zu wechseln. Er wandert Flüsse hinauf, bis er einen Platz findet, an dem er sich nieder lässt. Dort bleibt er Jahre, manchmal Jahrzehnte, um dann wieder zur Sargassosee zu wandern und abzulaichen. Dabei durchläuft er erstaunliche Metamorphosen seiner Gestalt. Doch bei all dem gibt es unzählige offene Fragen: Warum schwimmen manche Aale schon im Alter von 7 Jahren und andere wiederum erst nach 20 Jahren zurück ins Meer? Warum hat man in der Sargassosee zwar unzählige Larven, aber bisher noch keine erwachsenen Aale gefunden? Wie findet er überhaupt seinen Weg zurück in die Sargassosee?

Bevor man vor einigen Jahrzehnten die Sargassosee als Geburtsort der Aale ausfindig machte, gab es vielfältige Spekulationen seine Herkunft betreffend. So vermutete Aristoteles, dass der Aal aus dem Schlamm in Seen und Flüssen geboren werde.

Auch auf die Geschichte des Aalfangs und die damit verbundenen Traditionen wirft Svensson einen Blick und geht auch auf das Vorkommen des Aals in der Literatur ein. Und er spricht über die Bedrohung des Aals, der, wie so viele Tierarten, vom Aussterben bedroht ist.

Dabei kehrt er immer wieder zurück zu seiner eigenen Geschichte mit dem Aal. Wie er in seiner Kindheit mit seinem Vater angeln ging und was sie dabei selbst über den Aal gelernt haben. Welche Rolle der Aal ganz allgemein für ihn und sein Leben spielt und gespielt hat.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. All die Details über den Aal waren sehr faszinierend und ich habe jede Menge verblüffende Sachen gelernt. Auch die eher literarische Herangehensweise an das Thema mochte ich.

Wenn ihr euch auch einmal mit dem Aal beschäftigen wollt: Ausleihen könnt ihr das Buch bei uns vor Ort. Details zum Standort findet ihr hier.

lga