Buchtipp: Der Riss von Hye-Young Pyun

Grenzen|los|lesen
Südkorea

Ein Mann erwacht im Krankenhaus aus dem Koma. Er erinnert sich nicht an den Unfall, bei dem seine Ehefrau starb. Er selbst überlebte nur knapp, ist aber gelähmt und fast vollständig bewegungsunfähig, er kann nicht sprechen, seine Körperfunktionen nicht kontrollieren und wird wohl für immer auf fremde Hilfe angewiesen sein. Ein Riss geht durch sein Leben: Es gibt ein Davor, in dem er an seiner Karriere an der Universität arbeiten konnte, glücklich verheiratet schien, ein eigenes Haus einrichten konnte; und es gibt ein Danach, in dem alles anders ist und auf das niemand vorbereitet sein kann.

Von einigen Kleinigkeiten abgesehen, könnte der Roman auch in meiner Nachbarschaft spielen. Tatsächlich ist der Schauplatz Südkorea. Die Autorin ist dort, so entnehme ich dem Klappentext, sehr bekannt; „Der Riss“ ist bisher ihr einziges ins Deutsche übersetzte Werk. Ich weiß offen gesagt nicht allzu viel über Koreanische Kultur und Geschichte, vielleicht ist mir dadurch die ein oder andere Metapher entgangen. Aber für das Verständnis des Romans ist das irrelevant, die Psychologie der Charaktere ist auch so nachvollziehbar und verständlich.

Ich kann gar nicht genau bestimmen, was diesen Sog bei mir ausgelöst hat, das Buch weiter zu lesen, obwohl mich die Ausgangssituation doch eher abgeschreckt hatte und ungutes Kopfkino bei mir auslöste. Der Klappentext und das erste Drittel des Romans ließen auch nicht vermuten, dass es nachher noch spannend wird. Ich rechnete weiter mit einem Psychogramm des ganz auf seinen Körper und seine Erinnerungen reduzierten Protagonisten. Trotzdem ließ mich das Buch nicht los. Die Schuldfrage, die langsam zurückkehrenden Erinnerungen, die Trauer – ja, vor allem die stille, undurchsichtige Art der Trauer bei der Schwiegermutter berührten mich. Sie ist die einzig verbliebene Verwandte des Mannes, die sich nun um ihn kümmert, obwohl sie doch so sehr um ihre geliebte Tochter trauert.

Kaum besteht bei dem Schwerverletzten die Chance, dass er wenigstens kleine Bewegungsmöglichkeiten zurückgewinnen kann, träumt er wieder von Unabhängigkeit und einer Fortsetzung seiner beruflichen Karriere. Doch die Schwiegermutter scheint so naiv und gibt viel Geld ausgerechnet an einen Sektenpriester statt in die notwendigen Therapien zu investieren. Überhaupt benimmt sie sich immer seltsamer. Ist das noch Folge der Trauer? Oder verfolgt sie einen Plan?

Mehr verrate ich nicht. Man könnte den kleinen Roman durchaus als Psychothriller lesen oder als Psychogramm der Existenzangst, Schuld und Trauer. Jedenfalls geht die Erzählung unter die Haut.

Die Katalogdaten findet Ihr hier.

Noch eine Anmerkung: Im Koreanischen wird üblicherweise der Familienname vor den Vornamen einer Person gesetzt, die Reihenfolge des Namens müsste also Pyun Hye-Young sein, Pyun ist der Familienname, Hye-Young ist der Vorname. Der Verlag hat sich für die europäisierte Reihenfolge entschieden. Darüber hinaus gibt es verschiedene Formen zur Romanisierung koreanischer Schriftzeichen, somit gibt es auch noch andere Schreibweisen des Namens: z. B. Pyeon oder P’yŏn. Wir bemühen uns, im Katalog alle Schreibweisen in lateinischer Umschrift recherchierbar zu machen.

HilDa

Unter der Überschrift Grenzen|los|lesen möchten wir Weltliteratur aus anderen Kulturen und Sprachen vorstellen. Der Schwerpunkt soll bei Literaturen außerhalb des europäischen und anglo-amerikanischen Mainstreams liegen.
Wir wünschen viel Freude beim Entdecken und Lesen.

Buchtipp: Das weite Herz des Landes

GRENZEN|LOS|LESEN
Kanada

Im letzten Jahr war Kanada das Gastland der Frankfurter Buchmesse oder wäre gewesen und wird es in diesem Jahre sein – ach, Ihr wisst schon, alles verschoben aus Gründen. Diesem Schwerpunkt haben wir wohl auch die Neuentdeckung dieses Autors für den deutschen Buchmarkt zu verdanken. Vielleicht aber auch dem gesteigerten Interesse am Nature Writing in den letzten Jahren. Richard Wagamese erfüllt jedenfalls beide Kriterien: Das Erleben der Natur und die Empfindungen, die das bei den Protagonisten auslöst, ist ein wesentlicher Teil im Werk des in Kanada recht bekannten Schriftstellers.

„Das weite Herz des Landes“ ist ein kurzer Roman, eine Vater-Sohn-Geschichte über eine Reise in die Wildnis – als Initiation und als ein Ritt in den Tod (der Originaltitel ist „Medicine Walk“). Es ist eine Erzählung über Schuld und Verdrängung, über die Suche nach der eigenen Identität und der Bedeutung von Familie und Zugehörigkeit. Der junge Mann wurde von einem Pflegevater aufgezogen, weil sein leiblicher Vater ein Trinker ist, der keine Verantwortung für seinen Sohn übernehmen kann oder will. Doch jetzt plötzlich erwartet eben dieser unbekannte Vater, dass sein Sohn mit ihm in die Wildnis reitet, wo der todkranke Mann sterben und eine letzte Ruhestätte wie ein Krieger finden will. Beide wissen kaum etwas voneinander und nur sehr wenig über die alten Riten und Traditionen ihres Stammes. So folgt der Sohn ganz seinem Gefühl, nicht zuletzt mit der Hoffnung, endlich mehr über seine Herkunft und seine Familie zu erfahren.

Es ist auch ein Roman über das Schweigen und über das Reden-müssen. Es gibt Gefühle und Taten, die durch das Schweigen nur noch schlimmer werden für alle Beteiligten. Da hätten ein offenes Gespräch, ein Geständnis oder das Erzählen einer Geschichte wahrscheinlich vieles klären können, Verzeihung gebracht, befreiend gewirkt. Es ist ein Roman über die Macht des Erzählens.

Manchmal ist natürlich auch Schweigen angemessen und ein gutes Zeichen für Respekt und Aufmerksamkeit, für Verständnis und Achtsamkeit. Und wenn man sich in der Natur bewegt, ist Schweigen sogar notwendig, denn in der Wildnis gilt es, mit allen Sinnen auf Zeichen und Spuren zu achten.

Wagamese findet poetische Bilder für die Naturbeobachtungen und die Charakterdarstellung. Die scheinbar recht simple Figurenkonstellation Sohn, Vater und Pflegevater wird durch Rückblenden komplexer und tiefer als erwartet, der Handlungsstrang erhält einige unerwartete Wendungen. Am Ende hat sich im Grunde gar nicht viel verändert – und doch alles.

Hoffentlich werden auch weitere Werke dieses Autoren noch übersetzt bzw. neu herausgegeben. Richard Wagamese starb 2017. Er hat laut Verlag 15 Bücher veröffentlicht, wurde mehrfach ausgezeichnet und gilt als eine wichtige indigene Stimme Nordamerikas. Bei uns ist dieser großartige Erzähler noch zu entdecken.

Die Katalogdaten zum Roman „Das weite Herz des Landes“ von Richard Wagamese findet Ihr hier.
Mehr über den kanadischen Ojibway Autoren und Journalisten findet Ihr in der englischsprachigen Wikipedia.

HilDa

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Buchtipp: „Winter“ von Ali Smith

Die britische Schriftstellerin Ali Smith schreibt eine Jahreszeiten-Reihe, „Winter“ ist nach „Herbst“ (2019) der zweite Band, der ins Deutsche übersetzt wurde. „Frühling“ und „Sommer“ werden demnächst folgen. „Herbst“ hatte mich fasziniert (hier der Blogbeitrag), da war ich natürlich gespannt auf den neuen Band.

Man kann die Bücher unabhängig voneinander lesen. Aber der Vergleich ist natürlich reizvoll. Auch „Winter“ beginnt mit einer surreal wirkenden Szene: Eine Frau sieht einen Kopf durch ihr Haus schweben, Kopf und Schultern eines Kindes, aber kein Torso, keine Gliedmaßen; er spricht nicht, bleibt aber hartnäckig in ihrer Nähe. Danach folgt eine Szene, die auch wieder als Realsatire auf unsere moderne Zeiten gelesen werden kann: Waren es in „Herbst“ die Stolpersteine, die die Bürokratie ihren Bürgern zumutet, so ist es in „Winter“ der Service bzw. Nichtservice einer Bank. Obwohl die Dame im reifen Alter als ehemalige Geschäftsfrau und gute Kundin des Geldinstituts sogar für Extraservice bezahlt hat, wird sie auf die automatisierte Selbstbedienung verwiesen; der junge, arrogante Angestellte will beim „Servicegespräch“ nur überflüssige Versicherungen verkaufen, doch eine einfache Bargeldauszahlung – und mehr möchte die Kundin gar nicht – macht er nicht möglich.

Ali Smith schreibt einen Gegenwartsroman, in dem die Zeitgeschichte aber nicht nur satirischer oder surrealer Hintergrund ist. Da sind die Einwanderer, die ihre Nische in einem fremdenfeindlichen Land suchen, das sie als billige Arbeitskräfte ausnutzen, ansonsten aber am liebsten übersehen will, sie sollen unsichtbar bleiben oder werden hinausgeworfen (sogar aus der Bibliothek 😦 ). Da ist die leidige Brexit-Diskussion. Vor allem aber geht es in Rückblenden immer wieder zurück in die wilden Jugendjahre von Sophia und ihrer Schwester Iris. Letztere ist Aktivistin auf Demonstrationen gegen die atomare Aufrüstung, gegen Umweltzerstörung und die Ungerechtigkeiten in der Welt. Sophia dagegen hat sich ein erfolgreiches Geschäft aufgebaut und verkauft Leuten mit zu viel Geld überteuerten Design-Schnickschnack. (Auch in „Herbst“ kommt eine Mutter vor, sie ist Fan einer Antiquitäten-Show im Fernsehen und wünscht sich all diesen Schnickschnack.)

In der Rahmenhandlung des Romans fährt Arthur (Art) aus London, ein Blogger, der sich als Intellektueller versteht, nach langer Zeit mal wieder zu seiner Mutter Sophia ins ländliche Cornwall. Er hadert mit der Trennung von seiner Freundin und heuert spontan eine unbekannte junge Frau an, die er seiner Mutter unter dem Namen seiner Freundin vorstellen möchte. Doch sie finden Sophia verwirrt vor, das Haus ist kalt und so gar nicht für Besuch und die Weihnachtstage bereit. Es ist ausgerechnet die junge Frau von der Straße mit den vielen Piercings und dem fremden Akzent, die sich erwachsener und verantwortungsvoller benimmt als Art, der Sohn. Und es ist ausgerechnet Iris, die ewige Rebellin, die das seltsame Familienwochenende komplettiert. Sie kommt sofort, um zu helfen, obwohl ihre Schwester seit vielen Jahren nicht mehr mit ihr geredet hat. Vier Menschen, die einander fremd sind, auch und gerade die drei Familienmitglieder. In einem Haus, das für diese drei eine Vergangenheit hat, die dem einen völlig unbekannt ist, für die beiden anderen aber voller verdrängter, geleugneter oder erlogener Erinnerungen.

Das ist alles andere als ein seliges Weihnachtsfest im Kreis der Familie; diese Familie redet ja nicht miteinander, geht sich seit vielen Jahren erfolgreich aus dem Weg. Doch plötzlich verwirren seltsame Visionen. Die Zeitsprünge, Erinnerungen und Perspektivwechsel machen es aber auch dem Leser nicht einfach. Ali Smith lässt sogar die Zeit stillstehen, die Kirchenglocke schlägt Mitternacht – wieder und wieder.

Der Winter ist nicht mehr so, wie er früher war: das Klima erwärmt sich, doch das Zwischenmenschliche wird kälter. Wenn da nicht noch die Fremde wäre, die die Freundin von Art spielen soll (was sie aber schnell gegenüber Sophia eingesteht), die eigentlich nirgendwo dazu gehört, die durch eine Lüge ins Haus kommt und doch die Wahrhaftigste von allen ist. Sie nennt sich Lux.

Wie in „Herbst“ gibt es auch in diesem Roman viele literarische Anspielungen zu entdecken, vor allem natürlich auf Dickens und Shakespeare. Ali Smiths Sprache hat Rhythmus, ihre Dialoge sind bissig. „Herbst“ fand ich poetischer. Aber „Winter“ muss ich ja allein schon für die Bibliotheks-Szene mögen (obwohl: „Triggerwarnung“, liebe Kolleginnen und Bibliotheksfreunde, sie ist nicht unbedingt schmeichelhaft für unsere Zunft).

Wie „Herbst“ wurde auch „Winter“ von den Literaturkritikern auf die SWR-Bestenliste gewählt als eine der empfehlenswertesten Neuerscheinungen. Ausdrücklich wird auch die Übersetzerin Silvia Morawetz gelobt.

Den Roman findet Ihr sowohl in der Papierausgabe wie auch als eBook hier.

HilDa

Terry Pratchett – Scheibenwelt-Zyklus

Vor einiger Zeit habe ich mir vorgenommen, die 41 Romane umfassende Reihe um Terry Pratchetts Scheibenwelt in chronologischer Reihenfolge zu lesen. Wie der Name vermuten lässt, ist diese Welt eine Scheibe – eine von vielen im Universum. Sie ruht auf 4 Elefanten, die auf der Riesenschildkröte Groß-A’Tuin stehen. Pratchett parodiert Fantasy- und Sci-Fi-Motive, aber auch Themen aus der realen Welt.

Derzeit bin ich bei Band 21, „Fliegende Fetzen“. In der Bibliothek befindet sich die englische Ausgabe unter dem Titel „Jingo“. Hier sorgt eine Insel, die wie aus dem Nichts aus dem Meer aufsteigt, für einen Konflikt zwischen zwei Ländern. Zwei Fischer – einer aus Ankh-Morpork, einer aus dem Land Klatsch – beanspruchen jeder für sich, die strategisch gut gelegene Insel zuerst gesehen zu haben. Das bringt gewisse Probleme mit sich. Nachdem in Ankh-Morpork ein Attentat auf den Botschafter von Klatsch verübt wird, stehen die Zeichen auf Krieg…

„Die Farben der Magie“ und „Das Licht der Fantasie“ – Band 1 bzw. Band 2 – sind als Film unter dem Titel „The color of magic“ verfügbar. Mit Zweiblum begibt sich der weltweit erste Tourist in die Stadt Ankh-Morpork. In seiner Heimat, dem Achatenem Reich, arbeitet er bei einer Versicherung, die er auch gleich in Ankh-Morpork einführt und als eine Art Wette erklärt: Man wettet darum, dass eine Kneipe nicht abbrennt. Brennt sie doch, muss die Versicherung zahlen. Natürlich brennt es wenig später.

Betreut wird Zweiblum von dem mäßig begabten Zauberer Rincewind, der nicht zaubern kann, da er einst einen Zauberspruch verschluckt hat, der sich jedes Mal in den Vordergrund drängt, wenn er zu zaubern versucht. Niemand weiß, was dieser Spruch bewirkt, so versucht er das Aussprechen zu verhindern.
Zu Beginn wird Rincewind verpflichtet, auf Zweiblum achtzugeben. Sowohl der Herrscher des Achatenen Reiches, als auch der Patrizier von Ankh-Morpork stimmen überein, dass schlechte Erfahrungen Zweiblums den Ruf Ankh-Morporks schaden könnten. Später sieht man im Achatenem Reich die Gefahr, dass die „Krankheit der Unzufriedenheit“ mit Zweiblums Rückkehr ins Land kommt – sie sollte also mit Hilfe der Assassinen-Gilde verhindert werden. Rincewind und Zweiblum müssen Ankh-Morpork verlassen und begeben sich auf eine Reise durch die Scheibenwelt.

In dem Roman „Alles Sense“ (Band 11 , als Hörbuch verfügbar) wird der Tod in den Ruhestand geschickt, ohne dass bereits ein geeigneter Nachfolger bereitsteht. TOD ist eine anthropomorphe Personifizierung in Form eines Skeletts mit Umhang und Sense. Eigentlich spielt für ihn Zeit keine Rolle, ab dem Zeitpunkt seiner Verrentung ist er aber sterblich und verdingt sich auf einer Farm.

Die Abwesenheit eines Todes bringt einige Probleme mit sich. Gestorben wird weiterhin, es ist aber niemand da, der die Verstorbenen ins Jenseits geleitet: Windle Poons, Erzkanzler der unsichtbaren Universität für Zauberer, erfährt dies als einer der ersten. Als Zauberer kennt Windle den Zeitpunkt seines Todes und genießt das Privileg, von TOD höchstpersönlich ins Jenseits befördert zu werden.
Windle stirbt zwar, muss aber als Zombie weiterexistieren, da TOD nicht erscheint. Er schließt sich einer Selbsthilfegruppe für Untote an, die eine Gleichstellung der Toten mit den Lebenden erreichen wollen.
Im weiteren Verlauf sammelt sich immer mehr Lebensenergie an, was das Gefüge der Welt aus dem Gleichgewicht bringt. Auch Dinge fangen an zu leben. Schließlich muss sich TOD auch noch seinem Nachfolger gegenüberstellen.

Band 18, „Mummenschanz“, ist als eBook in der Onleihe verfügbar: In der städtischen Oper in Ankh-Morpork möchte Agnes, die mit sich selbst im Duett singen kann, eine Karriere als Opernsängerin starten. Der Besitzer bevorzugt aber Christine, die zwar besser aussieht, aber nicht singen kann. Agnes muss bei Aufführungen also immer hinter Christine stehen und ihr ihre Stimme leihen. Daneben muss man sich noch mit einer Mordserie in der Oper beschäftigen… Das Werk, an das dieser Roman angelehnt ist befindet sich sowohl als DVD als auch als CD im Bestand der Stadtbibliothek.

Ich finde die Romane spannend und auch lustig geschrieben. Pratchett parodiert Fantasy-Motive wie Zauberer, Drachen und Hexen, aber auch Themen aus der realen Welt. Beginnend mit dem Tourismus bekommen später auch Film- und Musikindustrie ihr Fett weg. Ebenso gibt es auf der Scheibenwelt den Schneevater, das Äquivalent zum Weihnachtsmann.

Die Romane sind unterteilt in Zauberer-, Hexen-, Tod- und Ankh-Morpork-Geschichten. Letztere drehen sich hauptsächlich um die Geschehnisse in der Hauptstadt Ankh-Morpork. Man kann sie also chronologisch oder thematisch lesen. Natürlich kann auch mit einem Buch neuerem Datums begonnen werden, da jeder Roman in sich abgeschlossen ist. Aber es kann passieren, dass eine Geschichte auf ein früheres Buch Bezug nimmt und möglicherweise Hinweise auf dessen Ausgang gegeben werden.

Neben aktuellen Bänden sind einige der früheren Romane auf Englisch in der Bibliothek (eigentlich sollte man sie auch im Original lesen, da manches von Pratchetts Humor durch Übersetzung verloren geht) und einige in der Onleihe verfügbar. Das Phantom der Oper und andere Musicals stehen unter fC im 1. OG in der Rotunde.

Juliane

Systemrelevant? Echt jetzt?

Zu Beginn des letzten Jahres sah es für kurze Zeit so aus, als würde mit dem Begriff „systemrelevant“ endlich das Augenmerk auch mal auf die Menschen gelenkt, die mit ihrer Arbeit so viel für unser Gemeinwohl und das Funktionieren unseres Alltags tun – oft nur gering entlohnt oder gar unbezahlt. Aber längst wird der Begriff inflationär gebraucht und nahezu jeder beansprucht diese Zuschreibung für sich, seine Berufsgruppe oder seinen gesellschaftlichen Beitrag. Und bei der Frage, wer oder was ist denn nun relevanter, scheiden sich erst recht die Geister.

Sollten wir da nicht einmal fragen: relevant okay, aber in welchem System? In welchem Zusammenhang?

Ich erinnere mich an eine Übung bei einem Seminar vor etlichen Jahren. Wir sollten uns einen Astronauten vorstellen, der mit seinem Raumschiff auf einem fremden Planeten notlanden musste. Hilfe kann erst in einigen Wochen kommen. Es gibt da aber eine verlassene, noch funktionierende Versorgungsstation mit allem, was er für die nächsten Wochen benötigt – nur leider drei Tagesmärsche entfernt. Er muss jetzt aus seinem defekten Raumschiff die wichtigsten Sachen mitnehmen, die sein Überleben bei diesem Marsch ermöglichen. Unsere Aufgabe: Wir sollten eine Liste erstellen, 40 Dinge waren vorgegeben, die mussten nach der Relevanz sortiert und von 1 – 40 durchnummeriert werden.

In unserem Team brach schon gleich über die Position 1 Streit aus. Trinkwasser sei eindeutig das Wichtigste überhaupt, so lernt man es z. B. bei der Bundeswehr; ja selbst mit normalem Schulwissen ist doch klar: Ohne Wasser überlebt man keine drei Tage, bei körperlicher Anstrengung sogar deutlich weniger. Dagegen wirkten die sperrigen Sauerstoffflaschen erst einmal überflüssig, damit sollte der Astronaut lieber nicht belastet werden, schließlich waren sie fast das Schwerste auf unserer Liste.

Wie lange überlebt man noch mal ohne Sauerstoff?

Nirgendwo in der Testbeschreibung stand, dass es auf diesem Planeten atembare Luft gäbe. Allerdings stand da auch ebenso wenig das Gegenteil. Mit unserer normalen Raumschiff-Enterprise-Erfahrung gingen einige also zunächst einmal von letzterem aus. Luft ist doch normal!

Outdoor-Wasserflaschen

Aber Moment mal: Notlandung, fremder Planet! Ist nicht die Erde mit ihrer Sauerstoff-Stickstoff-Atmosphäre ganz einmalig? Zumindest ist bisher kein anderer auch nur annähernd ähnlicher Himmelskörper bekannt. Außer natürlich bei Raumschiff Enterprise und Co. Das brachte aber die Trinkwasser-Fraktion nicht ins Wanken. Da stehe nicht ausdrücklich „toxische Atmosphäre“, also könnten wir getrost davon ausgehen, dass dieser fremde Planet erdähnlich sei.

Nur wenn wir uns irrten, wäre unser Astronaut schon nach Sekunden bewusstlos und in drei Minuten tot. Tja, aber zumindest mit ausreichend Wasser für die nächsten Tage auf dem Rücken.

Den Ausschlag in unserer Diskussion gab dann, dass ich von einem ähnlichen Test schon mal gelesen hatte, ich konnte mich an die ersten beiden Positionen noch sehr gut erinnern: Sauerstoffflaschen! Und dann Trinkwasser. So kam in unserem Team dann doch eine Mehrheit für diese Reihenfolge zusammen, allerdings nur erstaunlich knapp und immer noch unter Protest einiger lautstarker Mitglieder; es war durchaus schwer, sich gegen sie durchzusetzen. Mein Wissen wurde angezweifelt: Ähnlicher Test, aber nicht exakt der gleiche; und an die anderen Positionen konnte ich mich ja nicht mal erinnern, da stimmte wohl etwas mit meinem Gedächtnis nicht; auch fehlten die Beweise, denn blöderweise hatte ich den zufällig in der Bibliothek gelesenen Zeitschriftenartikel ja nicht dabei.

Selbst als dann am Ende das offizielle Ergebnis unser Ranking mit Sauerstoff auf Platz Eins bestätigte, wurde gemurrt: unfaires Szenario, die Informationen waren unvollständig, die Aufgabe nur mit Insiderwissen zu lösen; man selbst hatte aber doch anderes gelernt und was bisher immer richtig war, könne doch jetzt nicht plötzlich falsch sein. Und überhaupt, ohne Trinkwasser wäre der blöde Astronaut dann eben später gestorben. Die Seminarleiter mussten die Diskussion, die auch nach der Bekanntgabe des Ergebnisses noch heftig weiterging, endlich abbrechen. Im Leben sei das eben manchmal so, dass man Entscheidungen treffen müsse, ohne vollständige Informationen zu haben. Und ja, das Leben ist unfair.
Ach.

Manchmal trifft man falsche Entscheidungen und hat mit dem derzeitigen Kenntnisstand sogar gute Gründe dafür. In unserem Fall hätte das zwar tödliche Folgen für den von uns betreuten Astronauten gehabt – zum Glück für ihn war er ja nur fiktiv.

Wenn sich plötzlich die Verhältnisse ändern, können die bisherigen Erfahrungen und Intuitionen in die Irre führen. Die Gefahr für eine Fehlentscheidung ist größer, wenn nur ein Einzelner entscheidet. Besser ist ein Team, das unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen einbringt, sich bespricht und abstimmt. Wichtig ist dabei die Kommunikation innerhalb des Teams, der Respekt vor dem Wissen anderer, das Zuhören und Abwägen miteinander.

Die Diskussion muss aber auch irgendwann zu einem Ergebnis führen, vor allem, wenn die Zeit drängt. Die Verantwortung für die Konsequenzen tragen alle gemeinsam. Weder ein besserwisserisches „Ich hab‘s ja gleich gesagt“ noch ein kleinlautes „Hätten wir doch …“ könnte das Leben des Astronauten im Nachhinein wieder zurückholen. Aber aus Angst vor einer Fehlentscheidung lieber gar nichts machen, hilft eben auch nicht.
Tja, nachher weiß es dann natürlich jeder besser.

Bei unserem Seminar ging es gar nicht um die eine perfekte Lösung. Die Seminarleiterinnen wollten nur unsere Art der Entscheidungsfindung beobachten. Mir ist in Erinnerung geblieben, wie schwer es ist, sich gegen vermeintlich sicheres Wissen durchzusetzen, zumal wenn dieses vehement und lautstark vertreten wird.

Übrigens gab es einige Positionen in dem Übungsergebnis, die ich auch fragwürdig fand. Warum stand das Familienfoto, das für den Astronauten sicherlich eine stark motivierende Bedeutung haben konnte, ganz weit hinten im Ranking, obwohl es doch kaum Platz oder Gewicht beanspruchte? Solche Herzens-Gegenstände können eine ganz eigene Relevanz entwickeln, die selbst der Astronaut nicht vorhergesagt hätte; aber er hätte spontan sicher anders entschieden als die Wissenschaftler und Ingenieurinnen im Controlcenter auf der Erde.

Und dann waren da noch einige Gegenstände auf der Liste, die völlig unsinnig für seinen gefährlichen Marsch erschienen – aber aus diesen Einzelteilen ließ sich mit etwas Geschick und Können ein Handkarren oder Schlitten bauen, der es wiederum erlaubte, noch mehr überlebenswichtige Gegenstände mitzunehmen. Muss man nur erst einmal drauf kommen: Um-die-Ecke-Denken, Improvisation und Kreativität sind für einen Lösungsansatz womöglich genauso wichtig wie Wissen.

In den letzten Monaten musste ich oft an diesen einsamen Astronauten und unsere Entscheidungen für ihn denken. Wenn uns unsere bisherigen Erfahrungen kaum weiterhelfen? Wenn wir sogar darüber streiten, was denn nun das Lebensnotwendigste in einer Krisensituation ist? Wie soll dann noch geklärt werden, was für jeden persönlich gerade besonders wichtig ist, z. B. weil er Ermutigung und Trost braucht.

Bei Mark Watney in „Der Marsianer“ waren es ja auch nicht nur die Vorräte und die selbst angebauten Kartoffeln, die ihn über Monate am Leben hielten. Die einzige Musik, die ihm zur Verfügung stand, war so gar nicht nach seinem Geschmack, aber sie beflügelte und ermutigte ihn trotzdem in seiner monatelangen Einsamkeit, und letztlich half auch sie ihm, das fast Unmögliche zu schaffen und allein auf dem Mars zu überleben. (Film und Buch wirken fast, als wären sie aus „unserem“ Test-Szenario entstanden 😉 .) Den empfehlenswerten SF-Roman hatten wir übrigens schon mal im Blog vorgestellt.

Die eine perfekte Lösung kann es gar nicht geben. Es ist schon schwer genug, für das Wohl eines Astronauten, äh, einer Person zu entscheiden. Für viele Personen oder gar für eine ganze Gesellschaft kann eine Festlegung, egal wie und von wem sie getroffen wird, einfach nicht tadellos gelingen. Wir könnten ewig diskutieren und streiten, wir könnten noch so viel Fach- und Expertenwissen einfordern – aber auch das hätte Konsequenzen, wenn darüber die Zeit davonläuft. Und je komplexer die Zusammenhänge, die dabei bedacht werden müssen, desto unmöglicher ist es, allem und jedem gerecht zu werden. Binsenweisheit.

Noch einmal zurück zum Anfang und dem Fragezeichen in der Überschrift. Der Begriff der Systemrelevanz funktioniert höchstens, wenn der Rahmen, innerhalb dessen er wirken soll, klar definiert ist. So ohne Zusammenhang dahin geworfen, halte ich ihn schlicht für ein aufgeblasenes Modewort. (Dass der Begriff ursprünglich nur im Zusammenhang von Bankenkrisen und Insolvenzen von Großunternehmen gebraucht wurde, macht ihn mir auch nicht sympathischer; siehe hier).

Unsere komplexe arbeitsteilige Gesellschaft funktioniert tatsächlich nur, wenn viele Dienste und Arbeiten ineinandergreifen, da ist viel mehr relevant, als wir bisher in unserem Alltag wahrgenommen haben. Wenn uns der Lockdown dafür die Augen geöffnet hätte, wäre das ja schon ein Gewinn.

Natürlich habe ich diesen überlangen Artikel nicht geschrieben, um jetzt ausgerechnet meine Profession und Öffentliche Bibliotheken allgemein für absolut systemrelevant zu erklären oder um das Lesen als „so wichtig wie die Luft zum Atmen“ zu bewerten. Das wäre doch wohl vermessen! Für den langen Marsch über die lebensfeindliche Planetenoberfläche hätte ich auf mein Lieblingsbuch verzichtet und lieber eine zusätzliche Sauerstoffflasche geschleppt!

Aber für die lange Einsamkeit in der Raumstation hätte ich dann doch gerne den Zugriff auf eine umfangreiche Datenbank voller Wissen und Ideen, auf Literatur, Musik, Filme, Theater- und Opernaufzeichnungen, Konzerte …

Und dass ich damals für unser Astronauten-Szenario den entscheidenden Hinweis einbringen konnte, weil ich zufällig in einer Zeitschrift aus unserer Bibliothek davon gelesen hatte, habe ich doch auch irgendwie geschickt mit einfließen lassen, oder?  🙂

Ebenso wie die auf den Fotos eingeschmuggelten Buchtipps unseres kleinen Astronauten, die ja eigentlich gar nichts mit dem Thema zu tun haben; aber man weiß ja nie, wann sie in irgendeinem Zusammenhang mal relevant werden könnten 😉 :

Ach, habt einfach viel Freude beim Lesen.

HilDa

 

 

 

 

Vorlesetipp: Onkel Tobi

Darf ich vorstellen ?  Das ist „Onkel Tobi“!

Dies ist ein Kinderbuch, das mitten in der Angebotsvielfalt auf dem Kinderbuchmarkt ganz außergewöhnlich ist, so ganz normal altmodisch und gleichzeitig ungewöhnlich nett.

Es geht um einen Onkel, dessen Alter wir auch nach sechzigmal Vorlesen nicht herausgefunden haben, sagen wir mal er ist 50+…  Und er lebt in einer ganz normalen und schön gemütlichen Welt, wo man noch mit dem Pferdewagen in die Stadt einkaufen fährt und über die Straßenpflaster rattert, zum Geburtstag das Zimmer renoviert und aus Möbeln einen Parcours baut, eine Landpartie nach Bullerau unternimmt und sehr viel Zeit mit den Kindern aus der Nachbarschaft verbringt…
Und dabei entstehen viele nette lustige Abenteuer in Vers-Form.

Zum Vorlesen ganz wunderbar: schöne Melodie, schöner Text und ein ganz netter Onkel, der uns alle zurück in die Kindheit mitnimmt.

Hier als kleine Vorkost dazu, passend zu der Jahreszeit und mit einer Empfehlung zur Kinderbeschäftigung, falls mal die Kita wieder geschlossen hat:

Weil man, wenn es draußen regnet,
nur im Zimmer spielen kann,
zeigt der Onkel auch den Kindern,
was man alles malen kann.

Pinsel, Farben und Papier
hat der Onkel immer hier.
Sonne, Wolken, Mond und Sterne
malt er ganz besonders gerne,
(…)

Viele sonderbare Sachen
gibt’s in Onkel Tobis Haus,
hier packt er soeben seine
alte Puppenkiste aus:

(…)

Iulia Capros

Die Geschichten mit Onkel Tobi sind Vorleseklassiker aus den 60er- und 70er-Jahren, geschrieben von Hans Georg Lenzen, illustriert von Sigrid Hanck. In unserem Magazin sind noch zwei alte Bände vorhanden und ausleihbar.
Die Ausgabe mit allen Onkel-Tobi-Geschichten in einem Band ist gerade neu eingearbeitet und steht bei den Vorlese-Bilderbüchern in der Kinderbibliothek.
Die Katalogdaten hier.

Buchtipp: Das Auge von Hongkong

GRENZEN|LOS|LESEN
Hongkong, China

Sechs spektakuläre Kriminalfälle um einen Ermittler und den ihn umgebenden Polizeiapparat in der unübersichtlichen Metropole Hongkong. Kwan ist genial und seine Methoden sind denen eines Sherlock Holmes ebenbürtig: umfassendes Wissen, sehr gute Beobachtungs- und Auffassungsgabe, schnelles Kombinieren gemischt mit Intuition und Menschenkenntnis. Doch im Gegensatz zum eigenwilligen Londoner Detektiv ist Kwan eingebettet in ein Polizeisystem mit zeitgemäßen Regeln und Methoden, mit Hierarchien, Bürokratie, unterschiedlichen Zielvorgaben und mit Kollegen unterschiedlichen Charakters. Hinzu kommen die gravierenden strukturellen Veränderungen im Laufe der Zeit, vor allem rund um die Übergabe der britischen Kronkolonie an China. Kwan wird zum aktiven Teil dieser Veränderungen, wird zu einem Vorbild, ja, einer Art Vaterfigur für seine Kollegen und Schüler. Er hat zwar auch so seine Eigenarten, dehnt auch schon mal Regeln und erlaubt sich Eigenmächtigkeiten (um es vorsichtig zu formulieren); aber er ist wesentlich umgänglicher und auch viel bescheidener und kollegialer als der genial-arrogante Holmes.

Das Problem bei den sechs erzählten Fällen ist so wie bei vielen Whodunit-Krimis voller Rätsel und mit einem überragenden Ermittler. Der Leser wird – wie alle anderen Romanfiguren auch – bis zur Enthüllung des Täters im Dunkeln gelassen; selbst wenn man schon eine Ahnung hat, fehlen Details und Kenntnisse, die nur der Ermittler haben kann, sie werden mir als Leser entweder vorenthalten oder ich werde in die Irre geführt. Die Aufklärung ist also eine Überraschung, erfordert dann aber noch eine entsprechend lange Erklärung. Dieses Krimi-Schema wirkt manchmal ein wenig antiquiert.

Aber in diesem Roman ist die klassische Detektiverzählung einfach nur der Rahmen, um eigentlich eine ganz andere Geschichte zu erzählen: die Geschichte Hongkongs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis fast in die unmittelbare Gegenwart. Das Ungewöhnliche an diesem Roman: Sechs Einzelerzählungen zeigen unterschiedliche Lebensstationen des Ausnahmeermittlers und der Metropole von 2013 bis 1967. Ja, die Erzählungen sind in umgekehrter Chronologie geordnet; so lernen wir Kwan auf seinem Sterbebett kennen, wo er einen letzten Fall klären hilft – für uns Leser ist das aber der erste. Dann geht es zurück bis zu seinen Anfängen im Polizeidienst. Hongkong lernen wir als chinesische Metropole mit neu organisiertem Polizeiapparat innerhalb des chinesischen Systems kennen, mit engagierten Idealisten und angepassten Karrieristen, wir erleben die Zeit des Übergangs, des Umbruchs und gehen zur Zeit des Aufbaus einer effizienten modernen Polizei, dem internen Kampf gegen Korruption und gegen die koloniale Arroganz den Einheimischen gegenüber zurück.

Die großartige Luftbildaufnahme von Hongkong ist in dem Bildband „Weltbilder“ des Projekts AirPano zu finden

Diese umgekehrte Chronologie ermöglicht uns nicht nur ein Zurückschreiten in die Zeitgeschichte bis zum Jahr der Unruhen in Hongkong 1967, es erklärt auch die Entwicklung der Charakterzüge, Eigenarten und Grundwerte des außergewöhnlichen Protagonisten. Und mit dem Schluss des Romans, der ja eigentlich der Anfang einer Karriere ist, schließt sich überraschend ein Kreis. Übrigens ist die letzte Erzählung auch die rasanteste. Mit ihr wird dann auch klar, dass sie am Ende stehen musste, die sechs Kriminalfälle hätten nicht in einer anderen Reihenfolge erzählt werden können. Aber mehr sei nicht verraten.

Wer Freude an verzwickten Kriminalfällen im klassischen Stil hat, dem sei dieser Roman wärmstens empfohlen. Der Autor vermag darüber hinaus, auch einige spektakuläre Actionszenen trefflich zu beschreiben: Es ist schon eine Kunst, eine Verfolgungsfahrt quer durch Hongkong, wie wir sie ähnlich vielleicht aus Filmen kennen, nur mit Worten genauso spektakulär zu entfalten wie der Film mit seinen Special Effects.

Aber die eigentliche Hauptfigur ist Hongkong und seine jüngere Geschichte. Ich gebe zu, ich habe mich bisher nicht sehr für die historischen Zusammenhänge interessiert. Da sind zwar die Nachrichtenmeldungen bis hin zu den aktuellen Protesten einer mutigen Bürgerrechtsbewegung und den Verhaftungs- und Verurteilungswellen der letzten Wochen und Monate; aber eigentlich kannte ich die Metropole eher als mondän-exotische Filmkulisse. Doch dieser Roman hat jetzt meine Neugierde geweckt.

Die Katalogdaten zum empfehlenswerten Hongkong-Krimi gibt es hier.
Übrigens soll in diesem Jahr ein weiterer Krimi von Chan Ho-Kei auf Deutsch erscheinen. Ich bin gespannt.
Die Bildbände „Weltbilder“ und „Neue Weltbilder“ der Künstlergruppe AirPano findet Ihr hier.

Noch eine Anmerkung: Im Chinesischen wird üblicherweise der Familienname vor den Vornamen einer Person gesetzt, Chan ist der Familienname, Ho-Kei der Vorname des Autoren. Darüber hinaus gibt es verschiedene Formen zur Romanisierung chinesischer Schriftzeichen, somit gibt es auch noch andere Schreibweisen des Namens: z. B. Chen Haoji. Wir bemühen uns, im Katalog alle Schreibweisen in lateinischer Umschrift recherchierbar zu machen.

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Zwei Vorlesetipps: Frösche und Eulen

Die heutigen Vorlesetipps kommen aus unserer Schul- und Stadtteilbibliothek Stieghorst und wurden dort auch schon mehrfach bei Veranstaltungen erprobt:

Zwei Frösche, ein Stock und ein Hund“ von Chris Wormell. Ins Deutsche übersetzt von Andreas Steinhöfel.
Düsseldorf : Sauerländer, 2005.

Katalogdaten hier

In der Mitte eines Seerosenteiches sitzen zwei Frösche auf einem Seerosenblatt. Einer der Frösche hält einen Stock in der Hand. Auf die Frage wozu der gut sein soll, antwortet der Frosch: „Zu unserem Schutz“.

Ist es besser vor jeder Gefahr gewappnet zu sein? Eine humorvolle Diskussion beginnt über die große Frage: Was wäre wenn…? Wer bekommt Recht? Der Optimist oder der Pessimist?

Für mich sehr humorvoll geschrieben und illustriert von Chris Wormell. Vielleicht nicht unbedingt für kleine Kinder geeignet.

 

Wir haben es in der Stadtteilbibliothek Stieghorst mit einer OGS-Gruppe gelesen und anschließend einen Frosch gebastelt.

 

 

 

 

Ein Jahr mit den Eulen“ von Thomas Müller.
Hildesheim : Gerstenberg, 2014.
Katalogdaten hier

Was fliegt da so geheimnisvoll um den alten Kirchturm mitten in der Nacht? Es ist eine Schleiereule auf dem Weg zu ihrem Nistplatz. An einem verborgenen Ort hoch oben in der Spitze des Turms zieht das Eulenpaar seine Jungen auf. Die Kleinen werden liebevoll von den Eltern umsorgt, bis sie schließlich selbst auf Mäusejagd gehen können und sich ein eigenes Revier suchen. Damit beginnt ein neues Eulenjahr!

Ich mag dieses Buch sehr, auch die Kinder waren von dem Buch und den eindrucksvollen Zeichnungen begeistert.

 

 

Im Anschluss des Buches haben wir eine Eule getupft, siehe Bild.

 

Leseziel:  Empathie für Natur und Tiere entwickeln.

Heike Lahme

 

Kinderbuchtipp: Der Ruf der Wölfe

Es ist Winter im Norden Deutschlands und der erste Schnee ist gefallen. Jan ist im Wald unterwegs, als plötzlich ein Wolf – groß und bedrohlich – vor ihm steht! …

So beginnt der Verlagstext zum Kinderbuch, das die Kollegin vorstellen möchte – ein Winterlesetipp für Euch aus der Kinderbibliothek – passt also, nun ja, in unseren vorweihnachtlichen Winter-Themenmonat (in jeden anderen Monat aber auch 😉 ):

 

Ich möchte heute ein Buch vorstellen, das heißt: Ruf der Wölfe von Robert Habeck und Andrea Paluch und handelt von einem Jungen, der plötzlich im Wald einem Wolf gegenübersteht.

Während die Erwachsenen das Tier jagen wollen, wird der Junge durch die Begegnung mit dem Thema Tier- und Umweltschutz konfrontiert und beschließt, dass der Wolf gerettet werden muss.

Das Buch ist spannend wie ein Krimi und Abenteuergeschichte zugleich. Ihr lernt gleichzeitig etwas über Ökologie und was passiert, wenn Tierarten aus diesem Kreislaufsystem wortwörtlich herausgeschossen und vernichtet werden – und natürlich ganz viel über den Wolf.

Der Kinderroman ist ab 9 Jahre und für Mädchen und Jungen geeignet.

Viel Spaß beim Lesen

Eure Petra aus der Kinderbibliothek

Die Katalogdaten zum Roman findet Ihr hier.

Vorlesetipp zum Bundesweiten Vorlesetag: Fuchs ganz nah

Logo für den Bundesweiten Vorlesetag

Zum Bundesweiten Vorlesetag am 20. November 2020 geben wir Vorlesetipps.

Heute eine Empfehlung unserer Kollegin aus der Schul- und Stadtteilbibliothek Schildesche:

 

Was passiert, wenn eine Jägerin statt des Rehbocks eine junge Füchsin entdeckt und sich mit Ihr anfreundet, kann man im Buch „Fuchs ganz nah“ von Klaus Echle und Anna Rummel nachlesen. Auch der Förster ist dem Jungfuchs schon begegnet. So freunden sich beide Menschen mit der Füchsin an.

Sophie, die Füchsin, ist etwas ganz Besonderes. Sie ist ungewöhnlich neugierig und mutig. Sie traut sich Kontakt mit den Menschen aufzunehmen und zeigt den Menschenfreunden ihre Welt.

Den Wald aus Fuchssicht kennen zu lernen, ist spannend und die wunderschönen Fotos laden zum Betrachten ein.

Das Buch steht bei uns im Sachbuchbereich für Erwachsene. Aber Kinder werden sicher auch Freude an der Geschichte und an den wirklich wunderschönen Fotos haben.

Das Buch gibt es in der Stadtbibliothek am Neumarkt und in der Stadtteil- und Gesamtschulbibliothek Schildesche.
Fuchs ganz nah: Geschichte einer Freundschaft“ von Klaus Echle und Anna Rummek im BLV-Buchverlag, die Katalogdaten sind hier.

Rieke

Für uns ist natürlich jeder Tag ein Vorlesetag. Darum werden wir auch nach dieser Woche und dem Bundesweiten Vorlesetag weitere Vorlesetipps geben.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen und Vorlesen.
Denn Vorlesen verbindet.