Kinderbücher von Sasa Stanisic

Dass Saša Stanišić ein großartiger Erzähler ist, wissen wir nicht nur von seinen Romanen. Wir durften ihn einige Male in Live-Veranstaltungen auf der Bühne erleben, wie er aus seinen Büchern nicht etwa vorliest, sondern fast frei erzählt und sein Publikum in den Bann zieht. Da kann ich mir auch gut vorstellen, wie er mit seinem Sohn zusammen fabuliert und phantastische Geschichten für ihn und auch mit ihm zusammen erfindet. Nun, er hat einige davon auch für uns aufgeschrieben und zusammen mit der Illustratorin Katja Spitzer ein Kinderbuch zum Vorlesen und Zuhören daraus gemacht.

Buch und Hörbuch "Hey, hey, hey, Taxi!" von Sasa Stanisic, beide stehen auf einer Fensterbank; durch das Fenster sieht man Bäume und Gebäude

„Hey, hey, hey, Taxi!“ ist quitschebunt, nicht nur die Bilder, auch und vor allem die Geschichten. Auf der Suche nach einem Vorlesebuch für unsere Kinderveranstaltungen habe ich mir das Buch gleich gekauft, als ich davon hörte. Und dachte dann beim Lesen des „Vorortes“ (kein Schreibfehler!) etwas enttäuscht: Das ist vielleicht doch nicht das richtige.

Saša Stanišić empfiehlt, seine Geschichten als lose Vorgaben zu nutzen, da er sie ja speziell für seinen Sohn verfasst hat und sie aus seinen Erfahrungen leben; jeder Vorleser möge sie verändern und Variablen aus der eigenen Welt und der seiner Zuhörer daraus machen. Da ich aber normalerweise eine Vorleserin bin, die sehr am vorgegebenen Text klebt, schien dieses Konzept für mich weniger geeignet. Trotzdem habe ich es ausprobiert: Ich habe meinen Vater gebeten, den Zuhörer zu spielen und mir zu sagen, ob meine kleinen Improvisationsversuche ausreichen.

Was soll ich sagen: Ich liebe diese verrückten Geschichten, und meinem Vater gefiel es auch.

Da kommt ein Taxi, um den Ich-Erzähler abzuholen, denn er muss dringend irgendwohin: zum Hafen, zum Bahnhof, ja einmal auch in die Bibliothek. Aber am Ende jeder Geschichte kehrt er zurück: nach Hause zu dir – also zu dem Sohn des Erzählers, der immer wieder direkt angesprochen wird.

Tja, es ist klar, dass ich dieses Geschichtenende für ein Vorlesen vor vielen Kindern nicht verwenden kann. Dass viele Taxifahrten zu Orten aus Hamburg führen, stört nicht. Warum soll man die Kinder nicht mit auf eine Reise in eine andere Stadt nehmen? Ich würde mir eine kleine Einleitung einfallen lassen, vielleicht in Form einer neuen Rahmenhandlung. Und ich müsste mir die passenden Geschichten aussuchen und so ein Vorleseprogramm für ca. 20-30 Minuten erstellen. Das Einbeziehen der zuhörenden Kinder und das dafür notwendige Improvisieren werde ich üben müssen. Vielleicht hilft mir wieder mein Vater dabei. Aber die fantastisch-skurrilen Abenteuer mit den Schrumpfpiraten oder den auf einer Riesenwelle surfenden Bienen, mit einem kleinen Riesen namens Riesling oder einem Käsetaxi mit Maus als Fahrerin, von der man sich sogar bis zum Mond kutschieren lassen kann – ja, das ist es wert, ich will einmal etwas anderes ausprobieren, als nur Wort für Wort abzulesen.

Meine Kolleginnen haben sich übrigens in das Hörbuch hineingehört und begrüßen mich schon lachend mit „Odjo, odjo!“ – Das ist ein Zitat und gehört zu einer der lustigsten Figuren im Buch – natürlich ein Taxifahrer, einer von vielen. Mehr verrate ich jetzt aber nicht.

Und wenn Ihr glaubt, ich hätte hier schon die verrücktesten Figuren aufgeführt, dann ruft Euch selber ein Taxi und fahrt mit Saša Stanišić und seinem Sohn in alle Richtungen, die die Fantasie so zulässt: Ihr werdet Euch wundern. Hey, hey, hey Taxi! (Katalogdaten hier)

Mittlerweile gibt es schon ein neues Kinderbuch von Saša Stanišić. Prompt sind wir mitten in der Pandamie. 😉 Ha! Nein, wieder kein Schreibfehler. Da sind nämlich Panda-Bären mit ihrer Lieblingsspeise Bambus. Doch ein Panda aus China, der natürlich Nicht-Peter heißt, weil Pandas aus China natürlich nicht Peter heißen, macht die großartige Entdeckung, dass man mit Bambus auch Töne erzeugen kann: Musik. Und mit mehreren zusammen macht das Musizieren richtig Spaß. Also wird eine Panda-BPand gegründet. … – Damit wäre schon mal das Wortspiel im Titel erklärt. In der Geschichte gibt es noch mehr von diesen Sprachspielereien und vom umwerfend-fantasiereichen Humor des Saša Stanišić.
Sicher demnächst auch in der Stadtbibliothek.

Kinderbuch "PandaPand: Wie die Pandas mal Musik zum Frühstück hatten" von Sasa Stanisic

Nachtrag 30.11.2021: Ja, Buch und Hörbücher der „PandaPand“ sind geliefert,
müssen zum Teil aber noch eingearbeitet werden.
Hier findet Ihr die Katalogdaten.

Am 19. November 2021 ist übrigens der Bundesweite Vorlesetag.

Was auch immer Ihr heute vorlest, ob herrlich verrückt oder knuddelig-verspielt, habt viel Spaß dabei. 😉

HilDa

Logo für den Bundesweiten Vorlesetag

Buchtipp: Andy Weir – Der Astronaut

Als Ryland Grace erwacht weiß er weder wo noch wer er ist. Ein erster untrüglicher Hinweis: es herrscht Schwerelosigkeit. So findet er bald heraus, dass er sich in einem Raumschiff befindet. Doch warum? Und warum liegen in den anderen Betten zwei Leichen?

Erst nach und nach kehrt seine Erinnerung zurück. Erinnerungen daran, dass es auf der Erde ein sehr bedrohliches Problem gab. Etwas, dass, die ganze Erdbevölkerung auslöschen könnte. Und ausgerechnet er befindet sich auf einer Mission dieses Problem zu lösen. Einer Mission weit, weit entfernt von der Erde, auf der er nicht so allein ist, wie anfangs gedacht.

Unser Astronaut befindet sich nun also in einem fernen Sternsystem, mit dem Wissen, dass das Überleben der Menschheit von ihm abhängt. Zum Glück hat er sich seinen Galgenhumor bewahrt, so gibt es für uns beim Lesen viel zu schmunzeln. Über was man da so schmunzelt will ich gar nicht mehr erzählen. Das findet man beim Lesen besser selbst heraus. Und da gibt es so einige überraschende Wendungen. Erst ganz zum Schluss lüftet sich der Schleier vollständig von Grace Erinnerungen und man sieht das ganze Ausmaß. Der Weg dahin war ein sehr spannender und unterhaltsamer. Dabei wird auch die Wissenschaft hinter allem beleuchtet – da habe ich gleich wieder Lust mir auch mal ein paar Sachbücher zum Thema zu Gemüte zu führen.

Hier geht es zu den Katalogdaten des Buchs.

lga

Buchtipp: 1918 – Die Welt im Fieber

2018 gab es ein Jubiläum. 100 Jahre waren nach dem Ausbruch der Spanischen Grippe 1918 vergangen. Passend dazu erschien ein Buch, dass die Spanische Grippe und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft beleuchtet.

1918 – Die Welt im Fieber von Laura Spinney ist eins dieser Bücher, dass mir in der Bibliothek immer wieder in die Hände fällt und scheinbar unbedingt von mir gelesen werden will. Dieses Jahr hat es dann endlich geklappt. Und da wir uns bekanntlich momentan ebenfalls in einer Pandemie befinden, blickt man ganz anders auf die Schilderungen dieser vergangenen Pandemie.

Laura Spinney erzählt uns die Geschichte der Spanischen Grippe. Wie sie sich ab 1918 über die Welt ausbreitete, welche Orte besonders schlimm betroffen waren und welche auch nicht. Warum es eigentlich „Spanische Grippe“ heißt und warum dieser Name nicht zutreffend ist. Und Spinney analysiert die Auswirkungen der Spanischen Grippe auf die damalige Gesellschaft. Dabei findet natürlich ein anderes Ereignis immer wieder Erwähnung – der Erste Weltkrieg. Spinney versucht die Auswirkungen dieser beiden Ereignisse auseinanderzudröseln. Gar nicht so einfach, da der Erste Weltkrieg schon damals viel mehr in der Erinnerung verankert war. Spinney stellt zwar fest, dass in den letzten Jahren ein vermehrtes Interesse an dieser Pandemie, die 1918 über die Welt hereinbrach, besteht – aber so richtig aus dem Schatten des Ersten Weltkriegs ist sie bisher nicht herausgetreten. Und das, obwohl schätzungsweise zwischen 50 und 100 Millionen Menschen an der Spanischen Grippe starben – zum Vergleich: im Ersten Weltkrieg starben 17 Millionen Menschen. Und tatsächlich weiß ich noch, dass mich diese Zahlen sehr erschreckt haben, als ich das erste Mal von der Spanischen Grippe las. Da war ich doch erstaunt, dass ich von dieser Pandemie, die so vielen Menschen das Leben kostete, so viel weniger gehört hatte, als vom Ersten Weltkrieg. Laura Spinney versucht diesen Umstand, dass die Spanische Grippe so lange eine Randnotiz der Geschichte war, zu erklären.

Mir hat das Buch die Spanische Grippe auf jeden Fall anschaulich näher gebracht. Natürlich können viele Informationen heute, nach gut 100 Jahren, nicht mehr letztlich verifiziert werden. Aber die verschiedenen Vermutungen und Theorien werden vorgestellt und erläutert.

Besonders interessant las sich der Ausblick zum Ende des Buches. Wann wird es die nächste gefährliche Grippepandemie geben? Oder wird es einen anderen Erreger geben, der eine Pandemie auslöst? Äh, ja… Hätte ich das Buch tatsächlich schon das erste Mal, als es mir in die Hände fiel, gelesen, hätte mich die ganze Coronageschichte vielleicht ein kleines bisschen weniger überrascht.

Wer sich also mal mit einer anderen Pandemie als der aktuellen beschäftigen möchte, dem sei 1918 – Die Welt im Fieber sehr empfohlen. Hier geht es zu den Katalogdaten.

lga

Kinderbuchtipp: „Despereaux“ von Kate diCamillo

Wir hatten vor Jahren wohl mal ein Projekt für Schulkinder rund um das Kinderbuch „Despereaux“ von Kate diCamillo geplant, aber daraus wurde dann nichts. Ich hatte das Buch nie komplett gelesen, aber trotzdem für mich gekauft. Vielleicht wollte ich es verschenken. Jedenfalls lag es in einem Umzugskarton und fiel mir jetzt eher zufällig wieder in die Hände. Zwischen zwei nicht gerade leichten Romanen sollte das Kinderbuch eine kleine auflockernde Lektüre sein. Aber leichte Kost ist „Despereaux“ nun auch wieder nicht.

Die ungewöhnliche, kleine Maus mit den großen Ohren, die sich mit ihren besonderen Vorlieben von allen anderen Mäusen unterscheidet und sich dann auch noch ausgerechnet in eine Prinzessin verliebt, muss durchaus gruselige Abenteuer bestehen. Auch den anderen Figuren wird nichts erspart – nicht gerade eine Geschichte für zarte Gemüter. Kate diCamillo erzählt ganz lakonisch von grausigen Verliesen, von Tod und Misshandlung. Aber sie schreibt auch in poetischen und märchenhaften Bildern und Worten von Mut, Fantasie und Mitgefühl, von der Kraft des Verzeihens und der Liebe.
Ja, vor allem von der Liebe.

Eine Aventiure, wahrhaftig eine Heldenreise für eine kleine tapfere Maus, aber auch für eine verständnisvolle Prinzessin mit dem seltsamen Namen Erbse, für ein armes und leider auch sehr einfältiges Mädchen, das auch einmal Prinzessin werden will, und für einen König, der in seiner Trauer jedes Maß verloren hat, ja, sogar für eine fiese Ratte, die sich nach dem Licht sehnt.

Despereaux und Prinzessin Erbse entsprechen nicht den üblichen Klischees der Märchenhelden und erfüllen doch gerade deswegen alle Voraussetzungen, um am Ende zu bestehen. Allerdings gehört auch noch märchenhaftes Glück dazu.

Das ist kein Kinderbuch für Leseanfänger, keine simple Märchengeschichte. Eher eine Fabel. Und die passt sogar erstaunlich gut in unsere jetzige Zeit: Diese falschen Versprechungen und Verführungen, diese scheinbar einfachen Antworten, mit denen intrigante Ratten die Leichtgläubigen und Hilflosen in die Irre führen und quälen, erinnerten mich doch sehr an so ein paar zeitgeschichtliche Parallelen.

Nun, gute Märchen bieten für alle Zeiten Denkanstöße und Interpretationsspielraum. Despereaux würde ich in genau diese Kategorie packen. Das preisgekrönte Kinderbuch von Kate DiCamillo ist darüber hinaus auch sprachlich bezaubernd schön, allerdings eben auch anspruchsvoll.

Vielleicht wäre das wirklich ein schönes Schülerprojekt, Teil eines literarischen Märchen- und Fabelprojekts für eine Sekundarstufe I zum Beispiel.

Jedenfalls ist dieser verträumte, lesekundige, hoffnungslos verliebte Despereaux, der seine Furcht überwindet, um das Unmögliche zu erlangen, ein wahrer Held, ein wunderbarer Klassiker.

Es gibt übrigens auch eine Verfilmung, den Zeichentrickfilm von 2008 haben wir aber nicht mehr in unserem Bibliotheksbestand. Das Buch aber schon: hier.

HilDa


Buchtipps gegen das Sommerloch

Wir haben die Kolleginnen und Kollegen nach ihren Lesetipps für diesen Sommer gefragt und werden diese so nach und nach hier veröffentlichen.

Viel Freude beim Lesen!

Buchtipp: „Frühling“ von Ali Smith

Nach Herbst und Winter kommt Frühling. Und dann auch Sommer – letzteres ist soeben erschienen und schon auf der SWR-Bestenlisten unter den 10 von Literaturkritikern besonders empfohlenen Neuerscheinungen. Ich bin aber gerade erst mit „Frühling“ fertig geworden.

Die Rede ist, manche ahnen es wohl schon, von der nach den Jahreszeiten benannten Roman-Tetralogie der britischen Autorin Ali Smith. Die beiden ersten Titel wurden hier bereits vorgestellt („Herbst“; „Winter“). Nun also „Frühling“.

Wieder ist es nicht leicht, den Inhalt wiederzugeben, obwohl mir dieser Roman einfacher konstruiert erscheint – vielleicht weil ich nun den Stil der Autorin kenne. Ali Smith erzählt nicht linear; sie lässt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven wachsen, dadurch beginnt sie immer wieder neu aus einer anderen Richtung, einer anderen Zeitebene. In einem Kaff in Schottland treffen die Protagonisten zusammen, die scheinbar nichts gemein haben. Auf einer ruckelig-unbequemen Fahrt nach Inverness in einem Catering-Van mit nur einer Sitzbank kommen sie sich buchstäblich näher. Und auf einem historischen Schlachtfeld … – aber nein, ich will nicht vorgreifen.

Ein alter, einst zumindest in intellektuellen Kreisen bekannter Dokumentarfilmer sucht nach einem Sinn in seinem neuen Auftrag, ein Film über eine Fast-Begegnung zweier literarischen Größen des frühen 20. Jahrhunderts: Rainer Maria Rilke und Katherine Mansfield. Zugleich versucht er seine Trauer über den Tod seiner langjährigen Mitarbeiterin und Freundin zu verarbeiten.

Eine Frau vom Wachdienst einer geschlossenen Anstalt für Flüchtlinge verfolgt spontan ein Mädchen, das feengleich und ganz unerklärlich in der Anstalt aufgetaucht war und Veränderungen bewirkt hatte – nur kleine Verbesserungen, aber wie durch Zauberhand. Oder hat das außergewöhnliche Kind hypnotische Fähigkeiten?

Eine Aktivistin will über ein geheimes Netzwerk Menschen retten und Flüchtlinge verstecken.

Zwei gegensätzliche Frauen, ein desillusionierter Mann und ein Mädchen. Das Mädchen scheint der Schlüssel. Traumwandlerisch verbindet sie die Personen miteinander, für die sich danach alles verändern wird.

Wieder benutzt Ali Smith surreal wirkende Szenen. Waren es in „Herbst“ die Träume eines in tiefer Bewusstlosigkeit liegenden alten Mannes am Ende seines Lebens, waren es in „Winter“ die Visionen einer Frau mit den ersten Anzeichen einer Demenz, so sind es in „Frühling“ eher märchenhafte Elemente.

Aber auch Märchen gehen nicht immer gut aus; manche, und gerade die wahrhaftigsten, haben kein Happy End á la „sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage“-Blabla. Nein, am End sind vielleicht alle froh, wenn sie überhaupt wieder oder noch irgendeine Perspektive haben.

Immerhin: Der Frühling steht für Hoffnung. Die Hoffnung, auf einen neuen Anfang. Niemand sagt, dass das leicht wird. Auch Ali Smith nicht.

Eine beeindruckende Romanreihe.

HilDa

PS: Der „Sommer“ ist auch geliefert und eingearbeitet: hier.


Buchtipps gegen das Sommerloch

Wir haben die Kolleginnen und Kollegen nach ihren Lesetipps für diesen Sommer gefragt und werden diese so nach und nach hier veröffentlichen.


Viel Freude beim Lesen!

Buchtipp: Carsten Henn – Der Buchspazierer

Der Buchhändler Carl Kollhoff liefert nach Ladenschluss Bücher an Kunden aus, für die er häufig der einzige Kontakt zur Außenwelt ist. Auf einem seiner Spaziergänge trifft er auf die neunjährige Schascha, die ihn von nun an begleitet. Durch sie lernt Carl seine Kunden besser kennen und lernt, dass er nicht die Bücher liefern muss, die sie wollen, sondern solche, die sie brauchen. Denn jeder hat mit eigenen Problemen zu kämpfen wie Einsamkeit, Analphabetismus oder Gewalt.

Schließlich verstirbt Carls ehemaliger Chef, mit dem er eng befreundet war. Die neue Inhaberin sieht in Carls Service ein Relikt aus vergangenen Tagen und kündigt ihm schließlich. Nach einem Unfall benötigt er selbst die Macht der Bücher und die Hilfe von Schascha.

Der Buchspazierer ist eine Hommage an Bücher und die Brücken, die sie zwischen Menschen schlagen können. Mir haben Buch und Personen sehr gut gefallen.

Carl, der eigentlich bereits im Ruhestand sein könnte, kann sich schlecht Namen merken, so dass er seine Kunden treffend nach Romanfiguren benennt. Wie sein ehemaliger Chef glaubt er, man könne jeden zum Lesen bringen, wenn man ihm nur das richtige Buch gibt. Auch bei Praktikant Leon, der – obwohl Fußballfan – das von Carl offensichtlich platzierte ‚Fever Pitch‘ von Nick Hornby nicht anfasst – gibt er die Hoffnung nicht auf.

Durch ihre offene Art bewirkt Schascha, dass sich Carls Kunden öffnen und man sie besser kennenlernt. Sie sieht mehr zwischen den Zeilen als Carl und ist davon überzeugt, dass sich ein Problem einfacher lösen lässt, wenn man erst einmal ein Eis isst. Und natürlich versucht Carl auch für sie einen Namen aus einem Roman zu finden.

Juliane


Wir haben die Kolleginnen und Kollegen nach ihren Lesetipps für diesen Sommer gefragt und werden diese so nach und nach hier veröffentlichen.


Viel Freude beim Lesen!

Buchtipp: Mädelsabend

Ruth und Walter leben seit Ruths Sturz im Seniorenheim. Walter möchte am liebsten sofort zurück nach Hause. Ruth hingegen genießt die Gesellschaft von Gleichgesinnten. Sie lauscht den Lebensgeschichten der anderen Frauen und singt endlich wieder im Chor. Unter keinen Umständen möchte sie von hier weg. Als ihre Enkelin Sara, Mutter eines kleinen Sohnes, die Zusage für ein Forschungsstipendium in Cambridge erhält und von ihrem Mann vor eine Entscheidung gestellt wird, sucht sie Rat bei Ruth.

Geschickt verwebt Anne Gesthuysen Gegenwart und Vergangenheit und erzählt von einem bewegten Frauenleben am Niederrhein, das den Bogen vom Zweiten Weltkrieg über die Fünfziger- und Siebzigerjahre bis in die Jetztzeit spannt. Eindrücklich zeigt sie, dass es keine einfachen Antworten gibt, nur individuelle Wege zum Glück.

Das innige Verhältnis zwischen der Oma und der Enkelin hat mich an meine Oma erinnert. Ich, die aus einer ganz anderen Ecke der Welt stamme, habe viele Begebenheiten in dem Roman entdecken können, die ich aus meiner Kindheit ähnlich kannte.

Und dieser Satz aus dem Buch hätte auch von meiner Oma stammen können: „Kämpfe nicht gegen dich selbst, sondern richte Dich in dem Leben ein, das Dich froh macht. Du hast nur dieses eine.“

Diesen Roman findet ihr bei uns als Buch, Hörbuch oder eBook. Hier geht es zu den Katalogdaten.

MRo




Wir haben die Kolleginnen und Kollegen nach ihren Lesetipps für diesen Sommer gefragt und werden diese so nach und nach hier veröffentlichen.
Viel Freude beim Lesen.

Buchtipp: Autobiographie von Hannes Wader

Buch "Trotz alledem" von Hannes Wader
Wader, Hannes : Trotz alledem – Mein Leben

Autobiografien sind eigentlich nicht so mein Ding. Aber als mir eine Mitarbeiterin der Stadt-Bibliothek den dicken Wälzer von Hannes Wader in die Hand drückte, hat es mich sofort gepackt – zumal ich ihn in den 60er, 70er-Jahren in Bielefeld gelegentlich live erlebte.

Ich wusste, dass er während des 2. Weltkrieges in Bielefeld geboren ist, am Poetenweg aufwuchs und eine Dekorateurslehre bei Sievert (Fiebach) absolvierte, bevor er seinen Weg in die Singer-Songwriter-Szene fand. Was ich nicht wusste ist, unter welchen Entbehrungen er Kindheit und Jugend verbrachte, arm, ohne familiäre Nestwärme, ohne Freunde, scheu und voller Komplexe, mehr oder weniger alleine barfuß im Wald. Allein die Musik gibt ihm später Halt und Selbstsicherheit – aber eine richtige Rampensau wird er nie. 

Aufrichtig, schonungslos und ehrlich schildert Wader sein Leben. Für mich ist das ein „Bielefeld-Buch“ mit vielen Orten, Lokalen, Menschen, die auch ich kenne oder kannte. Ein „Geschichts-Buch“, in dem gesellschaftliche Entwicklungen von der (Nach-)Kriegszeit bis heute leicht nachvollziehbar werden. Ein „Musik-Buch“ – nicht nur über die Liedermacher-Szene. Und gleichzeitig liest es sich wie ein Roman, denn was Hannes Wader in seinen bisher 79 Jahren alles so erlebt – und angestellt – hat, da mag man das Buch gar nicht aus der Hand legen!

Zusatztipp 1: 592 Seiten machen das Buch recht schwer. Wer´s leichter mag: Es kann auch per Onleihe auf den eBook-Reader geladen werden.
(Die Katalogdaten aller Ausgaben findet Ihr hier)

Zusatztipp 2: Waders alter Schulweg, die „Apfelbaumallee“ in Hoberge-Uerentrup wurde 2020 auf Initiative alter Weggefährten in „Hannes-Wader-Aue“ umbenannt. Mit Erinnerungsstein – und schön zu erwandern.
(Der Beitrag der WDR-Lokalzeit OWL vom 30. Oktober 2020 hier)

Findling mit der Aufschrift "Hannes Wader Aue" an einem Wanderweg
Findling zur Hannes-Wader-Aue

Website von Hannes Wader hier

Ein Gastbeitrag von
Jörg-Ingo Peter



Wir haben die Kolleginnen und Kollegen nach ihren Lesetipps für diesen Sommer gefragt und werden diese so nach und nach hier veröffentlichen.
Viel Freude beim Lesen.

Buchtipp: Potilla von Cornelia Funke

Eine meiner Lieblingsautorinnen ist schon seit langem Cornelia Funke. Als Kind habe ich Die Wilden Hühner oder Drachenreiter geliebt und immer wieder von neuem gelesen. Und mache das auch jetzt noch manchmal. 🙂

Potilla hat mir vor vielen Jahren mal eine Freundin ausgeliehen. Da kannte ich auch schon andere Bücher von Cornelia Funke und ich habe das Buch auch seither in Erinnerung behalten, allerdings aus unerfindlichen Gründen nie ein zweites Mal gelesen. Das habe ich jetzt geändert! Das Buch wird auf der Verlagsseite für Leser und Leserinnen ab 10 Jahren empfohlen, ungefähr in dem Alter habe ich es damals auch kennen gelernt. Aber auch jenseits der 10 Jahre hat mir das Buch wieder viel Spaß gemacht.

Arthur ist zu Besuch bei seiner Tante, seinem Onkel und seinen unsäglichen Cousins. Bei einem Spaziergang im Wald findet er ein seltsames Bündel, das sich als Socke herausstellt. Und darin steckt die Feenkönigin Potilla. In der Socke steckt sie nicht freiwillig und mit ihrer Befreiung ist Arthur unwiederbringlich in die Rettung von Potillas Feenvolk verstrickt.

Damals wie heute mag ich diese lustige und auch ein bisschen spannende Geschichte sehr gerne – und wie so oft bei Cornelia Funkes Büchern gibt es auch noch ihre wundervollen Illustrationen zu bestaunen.

Ausleihen könnt ihr das Buch bei uns natürlich auch. Hier geht es zu den Katalogdaten.

lga

Buchtipp: Der Riss von Hye-Young Pyun

Grenzen|los|lesen
Südkorea

Ein Mann erwacht im Krankenhaus aus dem Koma. Er erinnert sich nicht an den Unfall, bei dem seine Ehefrau starb. Er selbst überlebte nur knapp, ist aber gelähmt und fast vollständig bewegungsunfähig, er kann nicht sprechen, seine Körperfunktionen nicht kontrollieren und wird wohl für immer auf fremde Hilfe angewiesen sein. Ein Riss geht durch sein Leben: Es gibt ein Davor, in dem er an seiner Karriere an der Universität arbeiten konnte, glücklich verheiratet schien, ein eigenes Haus einrichten konnte; und es gibt ein Danach, in dem alles anders ist und auf das niemand vorbereitet sein kann.

Von einigen Kleinigkeiten abgesehen, könnte der Roman auch in meiner Nachbarschaft spielen. Tatsächlich ist der Schauplatz Südkorea. Die Autorin ist dort, so entnehme ich dem Klappentext, sehr bekannt; „Der Riss“ ist bisher ihr einziges ins Deutsche übersetzte Werk. Ich weiß offen gesagt nicht allzu viel über Koreanische Kultur und Geschichte, vielleicht ist mir dadurch die ein oder andere Metapher entgangen. Aber für das Verständnis des Romans ist das irrelevant, die Psychologie der Charaktere ist auch so nachvollziehbar und verständlich.

Ich kann gar nicht genau bestimmen, was diesen Sog bei mir ausgelöst hat, das Buch weiter zu lesen, obwohl mich die Ausgangssituation doch eher abgeschreckt hatte und ungutes Kopfkino bei mir auslöste. Der Klappentext und das erste Drittel des Romans ließen auch nicht vermuten, dass es nachher noch spannend wird. Ich rechnete weiter mit einem Psychogramm des ganz auf seinen Körper und seine Erinnerungen reduzierten Protagonisten. Trotzdem ließ mich das Buch nicht los. Die Schuldfrage, die langsam zurückkehrenden Erinnerungen, die Trauer – ja, vor allem die stille, undurchsichtige Art der Trauer bei der Schwiegermutter berührten mich. Sie ist die einzig verbliebene Verwandte des Mannes, die sich nun um ihn kümmert, obwohl sie doch so sehr um ihre geliebte Tochter trauert.

Kaum besteht bei dem Schwerverletzten die Chance, dass er wenigstens kleine Bewegungsmöglichkeiten zurückgewinnen kann, träumt er wieder von Unabhängigkeit und einer Fortsetzung seiner beruflichen Karriere. Doch die Schwiegermutter scheint so naiv und gibt viel Geld ausgerechnet an einen Sektenpriester statt in die notwendigen Therapien zu investieren. Überhaupt benimmt sie sich immer seltsamer. Ist das noch Folge der Trauer? Oder verfolgt sie einen Plan?

Mehr verrate ich nicht. Man könnte den kleinen Roman durchaus als Psychothriller lesen oder als Psychogramm der Existenzangst, Schuld und Trauer. Jedenfalls geht die Erzählung unter die Haut.

Die Katalogdaten findet Ihr hier.

Noch eine Anmerkung: Im Koreanischen wird üblicherweise der Familienname vor den Vornamen einer Person gesetzt, die Reihenfolge des Namens müsste also Pyun Hye-Young sein, Pyun ist der Familienname, Hye-Young ist der Vorname. Der Verlag hat sich für die europäisierte Reihenfolge entschieden. Darüber hinaus gibt es verschiedene Formen zur Romanisierung koreanischer Schriftzeichen, somit gibt es auch noch andere Schreibweisen des Namens: z. B. Pyeon oder P’yŏn. Wir bemühen uns, im Katalog alle Schreibweisen in lateinischer Umschrift recherchierbar zu machen.

HilDa

Unter der Überschrift Grenzen|los|lesen möchten wir Weltliteratur aus anderen Kulturen und Sprachen vorstellen. Der Schwerpunkt soll bei Literaturen außerhalb des europäischen und anglo-amerikanischen Mainstreams liegen.
Wir wünschen viel Freude beim Entdecken und Lesen.