Literaturtage Bielefeld 2019

Wir lesen laut!

Seit Monaten bereiten wir sie bereits vor und nun wird es ernst: In der nächsten Woche beginnen die 24. Bielefelder Literaturtage mit 12 Autor*innen und ihren Werken. „Wir lesen laut!“ ist das Motto. Wer das live mit erleben möchte, kann schon für alle Veranstaltungen Karten erwerben.

Kartenvorverkauf: am Neumarkt im Erdgeschoss während unserer neuen personalgestützten Öffnungszeiten: montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr.
Der Eintritt beträgt 8,- €, ermäßigt 6,- €, Dauerkarte 50,- €

Ticket-Vorverkauf, auch mit Online-Kartenvorbestellung, bei der Tourist-Information Bielefeld , Tel. 0521 / 51-6999.

Alle Veranstaltungen beginnen um 20 Uhr, Einlass ist ab 19:30 Uhr.

An den Abenden gibt es außerdem musikalische Begleitung, einen Getränkestand und den Büchertisch einer örtlichen Buchhandlung.

Wir werden auf unseren Social-Media-Kanälen die Veranstaltungen begleiten (z.B. live twittern mit #LitBi19) und zusätzliche Informationen liefern (z.B. unser Literaturverzeichnis gedruckt und als PDF hier im Blog, dazu Links zu Rezensionen und Interviews).

Aber das kann natürlich nicht das Dabeisein, das Hören der Lesung und die Teilhabe am Gespräch ersetzen. Und auch nicht die Lektüre der vorgestellten Bücher.

Das ausführliche Programmheft findet Ihr hier. In gedruckter Form liegt es bei uns und auch an einigen anderen Orten in Bielefeld aus.

HilDa

 

Welttag des Buches

Am 23. April, dem Welttag des Buches, sind zwei Autoren bei uns zu Gast. Die erste Lesung findet im Rahmen unseres Lesefrühlings statt und am Abend kommt Susan Kreller, ehemalige Kinderliteraturpreisträgerin aus Bielefeld. Sie stellt ein Buch für Erwachsene vor.

Fangen wir aber erst einmal mit der Lesung für Kinder an:

In der Vergangenheit  gehörten zweisprachige Lesungen hin und wieder zum Programm des Lesefrühlings, aber seit 2016 sind sie zu einem festen Programmbaustein geworden. Da waren Renate Ahrens mit ihren „Detectives at Work“, David Fermer mit seinem Freund „Red“, Aygen Sibel Celik mit ihrem erfolgreichen Buch „Sinan und Felix“ beliebte Gäste. Es ist ein großer Genuss, den Muttersprachlern zuzuhören und das Buch in der Originalsprache kennenzulernen.

Auch die Kinder hören gespannt zu, und manche Hemmschwelle schwindet, wenn sie erleben dürfen, dass ihre Sprache im Zentrum einer Lesung steht und einfach etwas ganz Normales ist. Denn es kommt nicht ganz so selten vor, dass Kinder es ablehnen, ihre Muttersprache zu sprechen und wir in der Kinderbibliothek häufiger mal den Satz hören: „Mama, du sollst nicht immer Türkisch mit mir reden“. Da kann man nur erahnen, welche sprachlichen Konflikte es in zwei- oder mehrsprachigen Familien eventuell geben könnte…

Wir würden uns jedenfalls wünschen, dass unsere fremdsprachigen bzw. zweisprachigen Lesungen einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass  Kinder ihre Muttersprache und Kultur schätzen lernen und stolz darauf sein können, so viele Sprachen zu beherrschen.

Am Montag  kommt Arzu Gürz Abay und präsentiert in deutscher und türkischer Sprache ihr Buch „Omas Teekanne in Kreta“. Frau Gürz Abay ist Tochter eines türkischen Diplomaten und hat schon in vielen Kulturen gelebt und das Schöne ist: Sie spricht fließend Deutsch, Englisch, Türkisch und Französisch! Na, wenn sie da mal kein gutes Vorbild ist…

Und um 19 Uhr haben wir dann folgendes für euch:

Pirasol. Roman

Zwei alte Damen leben in der Papierfabrikantenvilla „Pirasol“: Die scheue Gwendolin ist 84 Jahre alt, Witwe und Alleinerbin des Hauses, Thea ist fünfzehn Jahre jünger und verfolgt einen eigenen Plan. Als man den vom Vater verstoßenen und seit drei Jahrzehnten verschollenen Sohn Gwendolins in der Stadt gesehen haben will, versucht Thea, ihren Einfluss zu sichern und vollends das Regiment im Haus zu übernehmen. Für Gwendolin der Auslöser, sich zu erinnern: an eine Berliner Kindheit während der Zeit des Nationalsozialismus, an den Verlust der Eltern und das eigene Überleben, an einen neuen Anfang mit dem despotischen Papierkönig Willem, einen Brandanschlag und schließlich an die Verbannung des gemeinsamen Kindes. Am Ende lernt Gwendolin, allen Widrigkeiten etwas entgegenzusetzen – sich selbst.

Susan Kreller, geboren 1977 in Plauen, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte über englischsprachige Kinderlyrik. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie 2012 mit dem Jugendbuch »Elefanten sieht man nicht« bekannt und erhielt 2015 den Deutschen Jugendliteraturpreis für »Schneeriese«. Sie arbeitet als Schriftstellerin, Journalistin und Literaturwissenschaftlerin und lebt in Bielefeld.

 

Lesefrühling 2018

Der Lesefrühling ist die größte Kinder-Literaturreihe zwischen Hamburg und dem Ruhrgebiet. Dort treffen Kinder ihre Lieblingsautoren, lernen aktuelle Bücher kennen und erleben die Freude am Lesen gemeinsam. Die Veranstaltungsreihe für neugierige Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren findet in diesem Jahr vom 12. April bis zum 18. Mai statt.

Der Eintritt beträgt 1 Euro für alle Menschen, egal wie groß sie sind.

Karten für die Lesungen gibt es ab dem 01. März in der Kinderbibliothek | Telefonnummer: 0521 51-2457.

Eine Programmübersicht findet ihr hier.

Literaturtage 2017: Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten – Kristina Pfister

Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten | Roman

Moderation: Angelika Teller

Was fange ich an, wenn ich mit dem Studium fertig bin, aber noch lange nicht fertig für den sogenannten Ernst des Lebens? Alles scheint vorgezeichnet und verlangt nach Anpassung, und auch die Lebensläufe sollten lückenlos und erfolgversprechend sein.

Es waren drei Monate hier, dann drei dort, dann drei woanders, vierzig Wochenstunden und vierhundert Euro, während meine ehemaligen Kommilitonen Fotos von neuen Freunden, die sie auf Auslandssemestern kennengelernt hatten, von ihren neuen Errungenschaften, die sie sich von ihrem ersten Gehalt gekauft hatten, Bildern und Partys zum Studienabschluss ins Internet stellten… Ich wohnte in Wohnblöcken am Rande der Stadt und war ständig erkältet.

Das Leben scheint sinn- und ereignislos an Annika vorüberzuziehen. Sie ist Mitte zwanzig, hat einen Abschluss in Kulturwissenschaften, langweilt sich und ist dabei ziemlich einsam. Ihre gleichaltrige Nachbarin Marie-Louise hingegen verkörpert das genaue Gegenteil. Sie ist draufgängerisch, unvernünftig, leichtsinnig und planlos. Zwischen den beiden ungleichen Frauen entsteht eine enge Freundschaft und gemeinsam verbringen sie einen Sommer voller Dynamik. Für Annika ist es ein Aufbruch.

Musikalische Begleitung: Valentin Katter, Trompete/Flügelhorn und Nils Rabente am Flügel

Am 10.11.2017 | Literaturbühne im Erdgeschoss | Einlass ab 18.30 Uhr

Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Dauerkarte 50 Euro.

Literaturtage 2017: Geschichte der Zukunft – Joachim Radkau

Geschichte der Zukunft: Prognosen, Visionen, Irrungen in Deutschland von 1945 bis heute | Sachbuch

Moderation: Klaus-G. Loest

Den Kindern der 50er Jahre, die Bücher wie Das Neue Universium mit großen Augen verschlungen haben, war völlig klar, dass in Kürze Roboter im Haus arbeiten und vielleicht sogar die Macht übernehmen, Ferienausflüge zum Mars gebucht und kleine Atomreaktoren im Garten aufgebaut werden. Sind wir heute nur Besserwisser? Radkaus Buch bleibt bei diesem verführerischen, aber viel zu simplen Gestus selbstverständlich nicht stehen.
Die Zukunftserwartungen der Nachkriegszeit sind nur zu erfassen, wenn der Blick viel weiter reicht. Hier geht es umfassend um Wirtschaft, Politik, Kultur, um höchst unterschiedliche Zukunftskonstruktionen in Ost und West, um das völlig unerwartete Wirtschaftswunder, das zu einem viel schnelleren Wiederaufbau führte als viele zu hoffen gewagt hatten. Was wird aber aus Wald und Landwirtschaft als Lebensgrundlagen? Kommen die Russen oder doch die Roboter? Ist zuerst eine Bildungs- und dann eine Wirtschaftskatastrophe zu erwarten? Auch die Frage, wo Arbeit und Einkommen bleiben, wenn die Arbeitswelt bald vollautomatisiert sein würde, ist keineswegs neu. Wir begegnen aber auch fast vergessenen Prognosen. Der Historiker erinnert an die Zick-Zack-Idee zum gesellschaftlichen Fortschritt, die Jürgen Kuczynski äußerte, Pichts Bildungsalarm, Robert Jungks Entwicklung vom Technikeuphoriker zum gewichtigen Atomkraftgegner und an Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie vor dem Hintergrund der Heimatlosigkeit.

Joachim Radkau hat erforscht, wie sich die Deutschen seit 1945 ihre Zukunft ausgemalt haben. Hoffnungen und Ängste, Unkenrufe und Utopie-Blasen, fatale Irrtümer und unerwartete Wendungen: Im Rückblick staunt man, wie sicher wir zu wissen glauben, was auf uns zukommt.

Musikalische Begleitung: Matthias Kämper am Flügel

Am 08.11.2017 | Literaturbühne im Erdgeschoss | Einlass ab 18.30 Uhr

Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Dauerkarte 50 Euro.

Literaturtage 2017: Skip – Katharina Hacker

Skip | Roman

Moderation: Dr. Saskia Fischer, Universität Bielefeld

Skip, die titelgebende Figur des neuesten Romans von Katharina Hacker, macht urplötzlich eine Erfahrung, die alles verändert: Eine innere Stimme ruft ihn an Orte, wo wenig später eine Katastrophe geschieht – ein Zugunglück in Paris, ein Flugzeugabsturz in Amsterdam.
Offenbar soll er einzelne Sterbende auf ihrem schwierigen Weg in den Tod begleiten. Selbst unsicher, was zu tun ist, steht er ihnen bei, ja versetzt sich ganz in sie hinein. Die Aufgabe, die ihn durch ganz Europa, immer wieder aber auch nach Tel Aviv, wo er lebt, zurücktreibt und die er sich nicht ausgesucht hat, belastet seine Ehe und lässt seine Familie fast auseinanderbrechen.

Hackers Text wirft damit auch die großen Fragen unserer Zeit auf: Wie lässt sich in Zeiten von Terror und Gewalterfahrungen und ganz generell angesichts von Tod und Zerstörung das eigene Leben leben? Inwiefern fordert das Leid der Anderen unsere ganze Empathie?

 

 

 

 

Musikalische Begleitung: Matthias Kämper am Flügel

Am 07.11.2017 | Literaturbühne im Erdgeschoss | Einlass ab 18.30 Uhr

Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Dauerkarte 50 Euro.

Eine Kooperationsveranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e. V., Bielefeld, und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e. V. mit der Stadtbibliothek Bielefeld.

 

Literaturtage 2017: Sie kam aus Mariupol – Natascha Wodin

Sie kam aus Mariupol | Roman

Moderation: Angelika Teller

Ihr Leben als Fremde in Deutschland war vermutlich keine neue Erfahrung für sie, sondern eine Fortsetzung dessen, was sie seit jeher kannte. Ich hatte mir seit jeher ein falsches Bild von ihr gemacht. Sie war keine Entwurzelte, sondern eine Wurzellose von Anfang an, schon geboren als eine Displaced Person.

Zu dieser schmerzlichen Erkenntnis kommt Natascha Wodin in ihrem Buch auf der Suche nach ihrer Mutter – Jewgenja Jakowlewna Iwaschtschenko, die sich im Alter von 36 Jahren ertränkte. Zu diesem Zeitpunkt war Natascha Wodin zehn Jahre alt und lebte mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester in verschiedenen, deutschen Lagern für Displaced Persons. Auch sie fühlte sich ausgestoßen, nicht zugehörig – das Russenkind. Nach nunmehr sechzig Jahren begibt sich die Tochter via Internet auf die Suche und findet mit Hilfe des genealogiebesessenen Konstantin tatsächlich Spuren ihrer Familie aus Mariupol, einer Stadt am Asowschen Meer. Das spärliche Wissen über die eigene Herkunft füllt sich an mit nie gekannten Familienmitgliedern und deren Lebensgeschichten, die geprägt waren von den Verheerungen des 20. Jahrhunderts, dem grausamen Bürgerkrieg nach der Revolution 1917, der stalinistischen Willkürherrschaft und den deutschen Verbrechen in der Sowjetunion.

Musikalische Begleitung: Das Lemming-Duo

Am 02.11.2017 | Literaturbühne im Erdgeschoss | Einlass ab 18.30 Uhr

Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Dauerkarte 50 Euro.

Literaturtage 2017: Hagard – Lukas Bärfuss

Hagard | Roman

Moderation: Dr. Maria Kublitz-Kramer, Literarische Gesellschaft

Das Leben vollzieht sich in ruhigen Bahnen. … Selten wird hier eine Existenz nach dem vierzigsten Lebensjahr anders zu Ende gehen als mit einem allmählichen Verglühen, was vielleicht der falsche Begriff ist, da er ein Brennen voraussetzt.
Philip, ein Liegenschaftsverwalter Ende Vierzig, bestens eingefügt in das normierte Gefüge, wird sich innerhalb von 36 Stunden ruinieren. Anfangs ist es ein Spiel, das er jederzeit abbrechen könnte. Um eine Wartezeit zu überbrücken, folgt der termingetriebene Mann aus einer Laune heraus einer wildfremden Frau quer durch Zürich. Genauer gesagt, er folgt ihren Schuhen, die ihm als Erstes auffallen: pflaumenblaue Ballerinas. Wissend um die Ungehörigkeit, bleibt er ihr, deren Gesicht er nicht einmal sehen kann, trotzdem distanziert auf den Fersen, wird dadurch erst zum Schwarzfahrer, dann zum Betrüger.
Er will ja nur sehen, wohin die junge Frau geht. Er lässt sich betören, genießt ihre Gesten, ihre Anmut, sieht das Licht auf ihrem Haar. Vielleicht könnte ihn seine Sekretärin Vera retten, die allerdings, wegen einer flauen Liebschaft, den entscheidenden Anruf im Büro verpasst. Und da gibt es die übergenaue Kinderfrau, die illegal in der Schweiz lebt. Eigentlich sollte Philip sich um die vielleicht inzwischen verunglückten Senioren kümmern, denen er das Ferienhausobjekt in Spanien verkaufen will.
Eine völlig andere Dimension der Unsicherheit wird im Handlungshintergrund virulent, als Philip von der spurlos verschwundenen Boeing 777 der Malaysia Airlines und anderen verstörenden Weltereignissen erfährt. Während die Energiereserven seines Smartphone-Akkus kontinuierlich absacken, die Hinweise auf die Pegelstände durchziehen den Roman, rennt der effektivitätsgetrimmte Mann weiter in sein Unglück.

Musikalische Begleitung: Matthias Klause-Gauster am Flügel

Am 26.10.2017 | Literaturbühne im Erdgeschoss | Einlass ab 18.30 Uhr

Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Dauerkarte 50 Euro.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Literarischen Gesellschaft OWL, Literaturhaus Bielefeld e.V.