Abbas Khider: Deutsch für alle – das endgültige Lehrbuch

Literaturtage Bielefeld 2019: Wir lesen laut!

„Diese Sprache ist nichts weniger als ein Ungeheuer.“

Die drei Wörter, die Abbas Khider in deutscher Sprache kennt, als er aus dem Irak flieht, sind: Hitler, Scheiße, Lufthansa. Einige Jahre später hat er sich durch sein Philosophiestudium an der Universität München im Kampf mit den Sprachschöpfungen von Kant, Hegel und Heidegger bis zum „Himalaya des Deutschlernens“ hochgearbeitet. Wer könnte jetzt besser Auskunft über unsere Sprache geben?

Wobei Abbas Khider es nicht bei seinen urkomischen Anekdoten, scharfsinnigen Analysen und frechen Analogien belässt, sondern, aus menschenfreundlicher Motivation heraus, gleich die deutsche Sprache in einigen Teilen erneuert. Dabei geht es nur um die Korrektur der wüstesten logischen Fehler dieser unserer Sprache, Fehlentwicklungen der letzten Jahrhunderte, die jetzt endlich reformiert werden. Und selbst Bielefeld spielt dabei eine wichtige Rolle, nämlich wenn es um die katastrophale Trennung von Familien und Verben geht.

»Eine charmante Satire, nicht nur über die Sprache der Deutschen, sondern auch über ihre Gesellschaft.« (Florian Holler in der Süddeutschen Zeitung)

Wir konnten Abbas Khider bereits 2013 mit seinem Roman „Brief in die Auberginenrepublik“ in unserer Stadtbibliothek kennen lernen. Vier Romane sind von dem in Bagdad geborenen und heute in Berlin-Kreuzberg wohnenden Autoren erschienen. Ausgezeichnet wurde seine Erzählkunst unter anderem mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis und dem Villa Aurora-Stipendium.

Die Katalogdaten zu seinen Werken im Bestand der Standbibliothek findet Ihr hier.
Wer lieber unser Literaturverzeichnis ausdrucken möchte: PDF  Khider

Im BR-Fernsehen gab es in der Sendung puzzle: viele Kulturen – ein Land einen ausführlichen Bericht, den man hier sehen und nachlesen kann.
Launige Interviews mit Abbas Khider zu seinem nicht ganz ernst gemeinten Sachbuch-Bestseller sendeten Deutschlandfunk (ein Gespräch mit Dina Netz in der Sendung Büchermarkt hier) und Deutschlandfunk Kultur (Gespräch mit Joachim Scholl bei Lesart hier).

Dienstag, 1. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Eröffnung mit Dr. Katja Bartlakowski, Direktorin der Stadtbibliothek Bielefeld
Grußwort durch den Förderverein
Moderation: Klaus-G. Loest
Musikalische Begleitung: Thomas Schweitzer, Saxophon
Eintrittspreis: 8,– €, ermäßigt 6,– €, Dauerkarte 50,– €

In Kooperation mit dem Verein der Freunde und
Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld e.V.

In memoriam Prof. Dr. Dr. Ludwig Huber und gewidmet den Teamern und Teilnehmerinnen und Teilnehmern des „Dialogs in Deutsch“ (Verein der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, e.V.).

Literaturtage Bielefeld 2019

Wir lesen laut!

Seit Monaten bereiten wir sie bereits vor und nun wird es ernst: In der nächsten Woche beginnen die 24. Bielefelder Literaturtage mit 12 Autor*innen und ihren Werken. „Wir lesen laut!“ ist das Motto. Wer das live mit erleben möchte, kann schon für alle Veranstaltungen Karten erwerben.

Kartenvorverkauf: am Neumarkt im Erdgeschoss während unserer neuen personalgestützten Öffnungszeiten: montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr.
Der Eintritt beträgt 8,- €, ermäßigt 6,- €, Dauerkarte 50,- €

Ticket-Vorverkauf, auch mit Online-Kartenvorbestellung, bei der Tourist-Information Bielefeld , Tel. 0521 / 51-6999.

Alle Veranstaltungen beginnen um 20 Uhr, Einlass ist ab 19:30 Uhr.

An den Abenden gibt es außerdem musikalische Begleitung, einen Getränkestand und den Büchertisch einer örtlichen Buchhandlung.

Wir werden auf unseren Social-Media-Kanälen die Veranstaltungen begleiten (z.B. live twittern mit #LitBi19) und zusätzliche Informationen liefern (z.B. unser Literaturverzeichnis gedruckt und als PDF hier im Blog, dazu Links zu Rezensionen und Interviews).

Aber das kann natürlich nicht das Dabeisein, das Hören der Lesung und die Teilhabe am Gespräch ersetzen. Und auch nicht die Lektüre der vorgestellten Bücher.

Das ausführliche Programmheft findet Ihr hier. In gedruckter Form liegt es bei uns und auch an einigen anderen Orten in Bielefeld aus.

HilDa

 

Mittendrin Mittwoch #108

Erschöpft ließ ich mich auf einer harten Bank am Fenster nieder, der schweigenden Versammlung der Wachsfiguren  gegenüber, und Wogen der Rührung stiegen in mir auf. Welcher Muskel war das, der mir die Kehle zuschnürte, wie war noch sein Name? Wer hat den menschlichen Körper ersonnen – und wer hat auf ihn das Copyright?

Unrast von Olga Tokarczuk, Seite 146

Eine namenlose Ich-Erzählerin, die ständig rastlos unterwegs ist, berichtet episodenhaft von Erlebnissen auf Flughäfen, in Museen, von Gesprächen, die sie mit anhört, von Begegnungen mit Fremden.
Im Griechenlandurlaub verschwinden Frau und Tochter eines Mannes spurlos.
Und Eryk lenkt seine Fähre eines Tages, statt zur gegenüberliegenden Küste, einfach hinaus aufs Meer.

Die vielen Geschichten verbindet, dass sie alle vom Reisen handeln, von Menschen, die auf der Suche, auf Wanderschaft sind, denen eine Unrast anzumerken ist. Immer neue Menschen und Orte bereist man selbst beim Lesen. Die Ich-Erzählerin und Erzählungen anderer Menschen wechseln sich ab. Bisher scheinen die Geschichten noch kaum zusammenzuhängen, da ich aber noch relativ am Anfang des Romans stehe, bin ich gespannt, ob sich noch ein roter Faden zeigt.

Im Rahmen der Literaturtage der Stadtbibliothek Bielefeld wird Olga Tokarczuk am 10.10.2019 um 20 Uhr bei uns zu Gast sein und aus ihrem neuen Buch Die Jakobsbücher lesen. Dieses erscheint nächste Woche am 01.10.2019 in der deutschen Übersetzung.
Hier gelangt ihr zu den Büchern von Olga Tokarczuk, die wir bei uns in der Bibliothek zur Ausleihe vorrätig haben. Die Jakobsbücher werdet ihr in Kürze dann auch bei uns finden.

Das gesamte Programm der Literaturtage und weitere Informationen findet ihr hier.

lga

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

Mittendrin Mittwoch #107

Gstrein_Als ich jung warGenau zwei Tage vor seinem Tod hatte der Professor zu mir gesagt, er sei überzeugt, dass jeder Mensch wenigstens eine Geschichte in seinem Leben habe, von der er nicht wolle, dass jemand anderer sie zu hören bekomme, es gebe bei jedem ein Zentrum des Schweigens, ein Zentrum der Scham, an das er sich selbst kaum heranwage.

Als ich jung war von Norbert Gstrein, Seite 297

In Als ich jung war begleiten wir den Österreicher Franz. Die Kapitel wechseln zwischen seinen zwei Lebensschauplätzen. Dem Restaurant in Tirol, das früher seine Eltern betrieben haben und das nun sein Bruder wieder neu eröffnet hat. Und dem verschlafenen Nest in Wyoming in Amerika, in dem er 13 Jahre als Skilehrer arbeitete.

Im Restaurant seines Vaters wurden in seiner Jugend jeden Sommer zahlreiche Hochzeiten ausgerichtet, bei denen Franz von seinem Vater als Fotograf verpflichtet, die Brautleute ablichtete. Bei seiner letzten Hochzeit wird die Braut am nächsten Morgen mit gebrochenem Genick am Fuße eines Abhangs gefunden. Franz Aufbruch nach Amerika kurz darauf erscheint fast wie eine Flucht.

Nach und nach ergründet man zwar, wie Franz die Hochzeit der toten Braut erlebt hat, wie sein Leben in Wyoming aussah und wie er wieder nach Tirol zurückkehrt, dabei bleibt Franz aber stetig ein eher unzuverlässiger Erzähler, der vor sich selbst auf der Flucht zu sein scheint und sich mit vielem aus seiner Vergangenheit nicht beschäftigen will. Man weiß nie so ganz, ob das, was er dem Leser erzählt, die Wahrheit ist, ihr nur nahe kommt oder gar nicht stimmt. Sowohl in Amerika als auch in Tirol sieht Franz sich Gerüchten und Verdächtigungen ausgesetzt. Ob ich noch erfahre welche dieser Gerüchte tatsächlich stimmen, werde ich wohl auf den letzten Seiten sehen.

Wer sich übrigens lieber vom Autor als von mir überzeugen lassen möchte das Buch zu lesen: am 25. Oktober wird Norbert Gstrein im Rahmen der Literaturtage bei uns zu Gast sein, aus seinem Buch lesen und darüber sprechen.

Die Literaturtage starten dieses Jahr am 01. Oktober und bis zum 31. Oktober wird es insgesamt 12 Lesungen geben. Das gesamte Programm könnt ihr hier einsehen.

In Kürze könnt ihr das Buch auch bei uns in der Bibliothek ausleihen. Es durchläuft zur Zeit noch den Bestell- und Einarbeitungsprozess. 🙂

lga

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.