Deutschlands schönste Insel

Im Mai 2019 wurde die Nordseeinsel Borkum von den Lesern von „Travelbook“ zu Deutschlands schönster Insel gewählt. Borkum gewinnt knapp vor Rügen und Norderney, und mit Vorsprung vor Sylt. Das Ergebnis gibt es übrigens hier: https://www.travelbook.de/ziele/inseln/voting-schoenste-insel-deutschlands. 2018 ist der Borkumer Südstrand bereits zum schönsten Strand gewählt worden.

Neben Langeoog und Norderney ist Borkum nicht von der Tide abhängig. Wer nicht mit dem Auto anreisen möchte fährt mit dem Zug bequem bis an den Anleger. Die Bahnverbindungen sind auf die Fährverbindung abgestimmt – sehr praktisch, sofern die Bahn auch dann ankommt, wenn sie es soll. Die Überfahrt von Emden dauert zwei Stunden mit der Fähre und etwa eine Stunde mit dem Katamaran. Vom Hafen fährt die Inselbahn bis in den Ort.

Vom Bahnhof gelangt man in weniger als 5 Minuten zu einem der Hauptbadestrände, dem Nordbad mit Blick auf die Seehundbank „Hohes Riff“. Den besten Blick auf die Seehunde bekommt man von den Buhnen am Strand aus. Bei Ebbe ist es möglich, zu Fuß bis auf die Sandbank zu gelangen. Natürlich sind mit genügend Abstand zum Ruheplatz Grenzpfähle errichtet, bis zu denen man laufen darf, um die Tiere nicht zu stören. Dabei sollten immer die Zeiten von Hoch- und Niedrigwasser im Blick behalten werden.

Borkums Strände und das Ostland laden zu ausgedehnten Wanderungen und Radtouren ein. Zurück am Nordbad: Richtung Süd-Westen gelangt man nach etwa einem Kilometer auf der Promenade zum Aquarium und weiter zum Südstrand. Richtung Osten wird es nach dem Jugendbad und dem FKK-Strand ruhiger. Man kann noch mehrere Kilometer weiterlaufen, wir nehmen aber den Aufgang zur Aussichtsplattform „Olde Düne“. Das dürfte der erste Aufgang nach dem FKK-Strand sein (Viel zuverlässiger als meine Orientierung am Strand ist ein Inselplan!). Weiter im Inneren der Insel gelangt man zu zwei Cafés im Ostland, in denen man zur Stärkung einkehren kann. Für den Rückweg überqueren wir die Insel und kehren über den Tüskendör-Deich in den Ort zurück. Von hier hat man einen guten Blick aufs Watt und auf die Salzwiesen.

In Borkum Ort darf natürlich ein Besuch des neuen Leuchtturms nicht fehlen. Erbaut wurde der Turm mit der roten Mütze im Jahr 1879 in weniger als 5 Monaten, nachdem der alte Leuchtturm abgebrannt war. Auf dem Weg nach oben finden sich an mehreren Stationen Tafeln zur Geschichte des Turms und zur Funktion der Leuchtfeuer. Oben angekommen gelangt man über eine steile Leiter auf die Aussichtsplattform. Hier oben ist es sehr stürmisch, aber man wird mit einem herrlichen Blick über die Insel belohnt.

Ich war bislang einige Male auf Borkum und bin dort immer wieder gern. Noch nie aber war ich an der Ostspitze. Die ist beim nächsten Mal dran.

Weitere Infos gibt’s hier.

Natürlich haben wir auch Reiseführer für Borkum im Bestand.

Juliane

Literarische Reiseberichte #2: Neuerwerbungen

Ich habe versprochen, dass hier die neuen Reiseerzählungen kurz vorgestellt werden, also gibt es heute den Teil 2 über Literarische Reiseberichte (Teil 1 hier) in der Stadtteilbibliothek; der Schwerpunkt liegt diesmal bei einzelnen Titeln und Empfehlungen. Die Titel sind wirklich ganz frisch, das heißt, ich schreibe, noch während die Bücher für die Ausleihe eingearbeitet werden. Den aktuellen Stand könnt Ihr im Katalog sehen. Bitte bedenkt, dass die hier vorgestellten Bücher nicht die einzigen Medien sind, die sich zurzeit in der Technischen Medienbearbeitung stapeln – bei weitem nicht.

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Baedeker’s Handbuch für Schnellreisende

Ach, reist einfach mit! Geht auch ganz bequem im Lesesessel, auf Balkonien, bei Wind und Wetter oder mal eben am Wochenende: Einmal um die Welt und zurück, bitte sehr.

Zu Beginn keine Erzählung, sondern ein Rückblick auf die Anfänge des Tourismus:

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Rückseite von „Baedekers Handbuch für Schnellreisende“

Der Baedeker ist seit nunmehr fast 200 Jahren Markenname für Reiseführer. In „Baedeker’s Handbuch für Schnellreisende“ versammeln Christian Koch und seine Mitautoren Fundstücke aus den ersten Hundert Jahren des Klassikers. Das hat natürlich heute keinen praktischen Wert für die individuelle Reiseplanung, ist aber ein unterhaltsamer Exkurs in die historische Reiseliteratur und bietet eine Mischung aus skurrilen Anekdoten, exzentrischen Empfehlungen und herrlich veralteten Besichtigungen noch heute beliebter Reiseziele.

„Vogelfrei“ von Noah Strycker

Vogelfrei“ von Noah Strycker könnte auch in der Sachgruppe Naturwissenschaften stehen; der Autor ist ein Birder, ein Vogelbeobachter. Das ganze Jahr 2015 nutzte er zu einer Weltreise, auf der er über 6000 Vogelarten sichtete. Sein Big Year – und ein Weltrekord (im Anhang sind tatsächlich alle Sichtungen aufgezählt). Seine Reise ist geprägt von dieser Leidenschaft für Vögel und die Natur, aber auch von Abenteuer und beeindruckenden Menschen und Begegnungen.

 

„Allein zwischen Fjorden“ von Angelika Wilke und „Mein Sohn und der Berg“ von Torbjorn Ekelund

In diesem Jahr ist Norwegen das Gastland der Frankfurter Buchmesse im Oktober. Hier zwei sehr unterschiedliche Reiseerzählungen aus diesem faszinierenden Land: Die freie Journalistin Angelika Wilke erfüllte sich einen Traum und radelte „Allein zwischen Fjorden„.
Auch Torbjorn Ekelund ist Journalist, bekannt wurde er schon mit seinen Naturbeobachtungen „Im Wald„. In „Mein Sohn und der Berg“ erzählt er über eine Expedition durch Norwegens Naturschönheit mit seinem siebenjährigen Sohn. Sie folgen dabei den Spuren eines kleinen Jungen, der 122 Jahre zuvor in der Wildnis verschwunden war. Eine berührende Erzählung über die Unerbittlichkeit der Natur und über eine schöne Vater-Sohn-Erfahrung.

„I’ll push you“ von Patrick Gray und Justin Skeesuck

Das Wandern über den Jakobsweg in Nordspanien ist ja nach Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ wieder sehr populär geworden, auch unabhängig vom religiösen Pilgerziel. Für Justin Skeesuck ist die Pilgertour ein Traum, bis sein bester Freund spontan zusagt: „I’ll push you“ – fast 800 Kilometer mit einem Rollstuhl. Beide Freunde erzählen abwechselnd von diesem gemeinsamen Abenteuer, das sie an die Grenzen ihrer Kräfte brachte.

 

Reisen mit einem Kleintransporter erscheint da schon etwas komfortabler.

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„Roadtrip mit Emma“ von Christina Klein

 

 

Christina Klein nennt den alten, umgebauten Van „Emma“ und entflieht zusammen mit ihrem Freund Paul dem Alltag, um ihre Großmutter in einem kleinen Dorf in Sibirien zu besuchen. Natürlich nicht auf dem kürzesten Weg – der „Roadtrip mit Emma“ führt durch halb Europa und Asien.

 

 

„Immer links der Atlantik“ von Marcus Haid

Marcus Haid und seine Familie fahren in einem VW T2 „Bulli“, Baujahr 1979, mit nur 50 PS und 80 km/h – vier Monate entschleunigtes Reisen von der Südspitze Spaniens bis zum Nordkap: „Immer links der Atlantik„. Marcus Haid ist Fotograf; das Buch enthält aber nicht nur viele schöne Fotos und einen detaillierten Reisebericht, sondern auch viele praktische Tipps und historisches Hintergrundwissen zu den einzelnen Regionen, schön illustriert von Dieter Braun.

Lust auf mehr?
Fortsetzung folgt: Die Reise geht weiter!

HilDa

Literarische Reisebeschreibungen

„Wenn Jemand eine Reise thut, // So kann er was erzählen“ (Matthias Claudius) – Das wird ja manchmal missverstanden als „… dann muss er viel erzählen!“

Ausschnittfoto: alter Koffer mit Aufklebern (u.a. „Stadtbibliothek“)

Den alten Koffer habe ich mir aus der Kinderbibliothek ausgeliehen

Da habe ich gleich zwei Assoziationen. Einmal eine Kindheitserinnerung: Gleich am ersten Schultag nach den Großen Ferien wussten wir, das Thema „Mein schönstes Ferienerlebnis“ – als Hausaufgabe oder gar als Klassenarbeit – würde uns nicht erspart bleiben. Das konnte uns im Nachhinein schon wieder die Ferien verleiden.
Oder wer kennt nicht den Familienbesuch bei diesem Onkel, der schon den Dia-Projektor aufgebaut hatte und schöne Bilder von der Tour mit dem alten Camping-Bulli durch Skandinavien zeigte? Endlose zweieinhalb Stunden lang!

Heute blüht uns das natürlich immer und überall: beim harmlosen Small Talk werden plötzlich die Fotos gezückt  – die hat man ja jetzt praktischerweise in der Hosentasche, sprich auf dem Smartphone immer dabei:

Dieses eine Bild muss ich Dir zeigen – wo ist es denn – *wischwisch* – hach, wir haben natürlich Hunderte Fotos gemacht, hihi – *wischwisch* – hier, da waren wir auch, Postkartenmotiv, das fotografiert ja jeder – *wischwisch* – und hier, lustig nicht – *wischwisch* – ach diese Sonnenuntergänge, jeden Abend so schön: hier und hier und hier …– *wischwisch* – aber was wollte ich dir noch mal zeigen – *wischwisch*

Ich muss leider sagen, so manche Reiseerzählung, die zwischen zwei Buchdeckeln gedruckt wird, ist nicht besser als das: eine Auswahl mehr oder weniger guter Amateurfotos und ein Text wie aus einem Schulaufsatz. Ich will jetzt nicht behaupten, dass wir bei unserer Auswahl für die Bibliothek niemals Fehlkäufe dieser Art dazwischen hätten. Und natürlich kann auch in einem Selbstverlag mal eine originelle Entdeckung zu finden sein.

aufgeklappter Koffer voller Reisebücher

Der Koffer ist gepackt: eine Auswahl Reiseberichte

Der Markt jedenfalls ist riesig. Wir könnten locker unseren gesamten Medienetat für das Sachgebiet Geografie nur für Reiseberichte und -erzählungen verbraten. Was wir aber nicht machen; unser Schwerpunkt liegt mehr bei den sachbezogenen Reiseführern, weniger bei den persönlichen Erlebnisberichten. Aber eine Auswahl schaffen wir in jedem Jahr an, denn literarische Reisebeschreibungen sind ein beliebtes Genre.

 

Beliebt war das Thema Reisen wohl schon an den Lagerfeuern der Steinzeit: Geschichten über das Gesehene und Erlebte jenseits des Horizonts wurden ausgeschmückt, über mehrere Generationen weitererzählt und schließlich zu Mythen, Legenden, Märchen, zuletzt vielleicht sogar von einem Dichter als Epos niedergeschrieben und verewigt. Das berühmteste Beispiel aus der Antike ist natürlich Homers Odyssee.

Das Motiv der Heldenreise ist ein Grundmuster in fiktionalen Erzählungen oder auch in Hollywoodfilmen: Der ungestüme Held zieht hinaus in die Welt, er muss fliehen oder wird mit einer Aufgabe fortgeschickt; er sieht wundersame Dinge, muss phantastische Abenteuer bestehen, gewinnt ungewöhnliche Freunde, muss sagenhafte Feinde besiegen; er besteht Prüfungen, löst Rätsel und erhält Zauberdinge; doch am Ende kehrt er in seine Heimat zurück – mit der rettenden Erkenntnis oder dem gesuchten Zaubergegenstand, aber vor allem klüger und verantwortungsvoller, ja erwachsener, denn die Heldenreise ist eben auch eine Reise zu sich selbst, eine Entwicklungsgeschichte, eine Initiation.

Ich habe jetzt sehr weit ausgeholt. Aber die Motive sind bis heute die gleichen geblieben, und man findet sie auch in nicht-fiktionalen Texten wie z.B. im Aufbau einiger Reisereportagen.

Als Leser erwarten wir von einer guten Reiseerzählung:

  • Exotik
  • Abenteuer und Anekdoten
  • nicht zuletzt Persönliches über den Erzählenden: wir wollen wissen, was die Reise mit ihm oder mit ihr gemacht hat.

Exotische Orte sind für uns heute nicht mehr unerreichbar, sie sind vom Pauschaltourismus erschlossen und in den Medien erklärt, sei es im Reiseführer, Bildband oder im dokumentarischen Film.
Exotisch kann aber auch die Art des Reisens sein:
Reisebücher aufgereiht auf einen alten Koffer

Das sind nur einige Beispiele.

Abenteuer und Anekdoten kann man durchaus auch im Weserbergland erleben. Es geht da weniger um Ort und Ziel der Reise, sondern um Originalität und vor allem das Wie des Erzählens. Wenn der in die Jahre gekommene Schriftsteller Bill Bryson so umwerfend komisch von seiner Wanderung zusammen mit seinem, nun sagen wir, auch nicht sehr sportlichen Freund erzählt, spielen weniger der Appalachian Trail oder die titelgebenden Bären die Hauptrolle (Picknick mit Bären, übrigens auch hinreißend verfilmt).

Reiseerzählung vor einem alten Koffer

Frühstück mit Kängurus / von Bill Bryson

Bill Bryson könnte, glaube ich, über jeden beliebigen Gegenstand humorvoll, selbstironisch und geistreich berichten.

Ähnlich gelang es Hape Kerkeling, das Pilgern und die historischen Pilgerrouten losgelöst vom religiösen Kontext wieder populär zu machen. Natürlich durch seine Komik, klar: Der berühmte Comedian machte aus dem Thema einen deutschen Mega-Bestseller, gedruckt und verfilmt; und auf dem Jakobsweg stieg in den Jahren nach der Veröffentlichung von „Ich bin dann mal weg“ die Zahl der deutschen Touristen auffällig an (der „Kerkeling-Effekt“). Der Autor gibt allerdings auch viel von sich selber preis, wie er in einer Schaffenskrise aufbricht zu einer ungewöhnlichen Reise und als veränderter Mensch heimkehrt. Und uns alle lässt er daran teilhaben.

Reisebuch vor altem Koffer

„Die Welt im Notizbuch“ von Ryszard Kapuscinski

Bei einer Reisereportage und einem Reisebericht erwarten wir, dass die Autorin / der Autor tatsächliche Begebenheiten schildert und wahre Erlebnisse erzählt. Aber nicht nur Karl May hat seine „Reiseerzählungen“ schlicht erfunden. In Polen wurde Ryszard Kapuściński als Journalist des Jahrhunderts ausgezeichnet; doch wenige Jahre nach seinem Tod wurden Zweifel am Wahrheitsgehalt einiger seiner Reportagen laut. Er habe fabuliert und die Fakten seinem erzählerischen Ziel untergeordnet, schrieb sein Biograf Domosławski. Aber auch wenn man diese Reportagen jetzt etwas zwiespältiger liest, gut geschriebene Literatur ist es allemal.

Ob am Lagerfeuer, in gedruckter Form, verfilmt oder im Blog – so viel hat sich nicht in diesem Genre geändert. Fakt und Fiktion fließen gerne mal durcheinander, sei es um der Dramaturgie des Textes willen oder um an der eigenen Legende zu stricken.

Das setzt mich als Bibliothekarin dann vor das Problem, dass ich nicht immer weiß, wohin ich das Buch stellen soll:

  • Reisebuch vor altem Koffer

    „Post aus Hawaii“ von Mark Twain

    Mark Twains vergnügliche Reiseberichte (z. B. „Post aus Hawaii„) aus dem Ende des 19. Jahrhunderts vielleicht besser nicht zur Geografie, sondern neben seine anderen Erzählungen und Romane? Oder zu seinen autobiografischen Schriften in die Literaturwissenschaft?

  • Hape Kerkelings Buch zu den Schauspieler-Biografien?

Geht es in einem Reisebericht um das Reisen an sich oder steht die Beschreibung einer Region,  der dortigen Sitten und der Bewohner im Vordergrund? Wo findet das Werk am ehesten seine Leser*innen?

Wenn Ihr in der Bibliothek ganz allgemein nach Reiseberichten fragt, findet Ihr diese nicht alle an einer Stelle versammelt. Die literarische Reisebeschreibung ist nun mal kein eindeutiges Genre und passt schlecht in unsere eindimensionale Aufstellungssystematik.

Nur kurz erwähnen möchte ich noch die wissenschaftliche Reisebeschreibung: die Berichte und Tagebücher zu den großen Forschungs- und Entdeckungsreisen der Geschichte. In diesem Jahr ist da besonders Alexander von Humboldt und sein Werk zu nennen.

Wir wollen Land und Leute erleben, wie wir sie selbst wohl nie mit eigenen Augen wahrnehmen und schon gar nicht in Worte fassen könnten. Wir wollen beim Lesen unterhalten werden, vielleicht mitlachen, vielleicht mitleiden – und schön bequem die Füße dabei hochlegen können. Wir wollen mehr über die Persönlichkeit des Autors oder der Autorin erfahren und durch die  Erfahrungen des anderen auch selbst ein wenig klüger und verantwortungsvoller, ja erwachsener werden. Denn Lesen und das Eintauchen in die Gedanken und Erkenntnisse eines anderen kann eben auch eine Reise zu sich selbst sein, eine Entwicklungsgeschichte, eine Heldenreise im Lesesessel.

Einige wenige Beispiele und Empfehlungen habe ich in diesen Text einfließen lassen. Mit den Hashtags #Reisebericht und #LesezeichenDerWoche geben wir einzelne Tipps auf Twitter. Und auch hier im Blog werden wir auf das Thema sicher zurückkommen: Wir haben gerade erst neue Reiseerzählungen bestellt.

Alter Koffer auf einem Rollwagen in einem leeren FlurDer nächste Koffer kann also demnächst gepackt und vorgeführt werden.

 

HilDa

 

(Für das Blog überarbeiteter Vortrag)

Mittendrin Mittwoch #66

In der Kombüse des EU-Dampfers wiederholt sich das Drama. Was passiert, wenn 27 Köche  – aus jedem Euroland einer – versuchen, eine Suppe zu kochen? Richtig: Man kann sie wegschütten. Die deutsche Wurst wird vom Feuer ungarischer Paprikas übertönt, Italiener schmeißen Farfalle hinein, Schweden Köttbullar, Finnen ein Handy. Das Ganze wird englisch lauwarm serviert…

Sebastian Schnoy: „Smørrebrød in Napoli„, S. 14/15

Da ich nun Camilla Läckberg fürs Erste beendet habe und etwas Ruhe von Fjällbacka und seinen Morden brauchte, habe ich am Wochenende das heimische Bücherregal durchforstet und dieses nette Buch gefunden. Ich glaube es war ein Exemplar, was ich vom Preis her noch brauchte, um bei Medimops keine Versandkosten zahlen zu müssen. 😉 Aber da ich Reiseberichte liebe und das hier mit Untertitel noch „Ein vergnüglicher Streifzug durch Europa“ heißt, habe ich es nun bei mir zuhause. Und ich muss sagen, es ist klasse. Ich habe ja noch nicht viel gelesen, aber musste gestern Abend im Bett so  manches Mal laut lachen. Mitunter liebe ich dieses überspannte, mit gutem Humor à la Bill Bryson- Geschriebene einfach. An der Stelle oben versucht der Autor dem Leser zu erklären, weshalb Europa nicht so einfach zu handhaben ist. Recht hat er. Ich bin echt gespannt, wohin mich das Buch noch mit nimmt. Im Inhaltsverzeichnis trifft man auf einen Abschnitt, der da heißt: „Deutschland & Frankreich – Kurtaxe trifft Savoir Vivre“ und vieles mehr.  🙂

kwk

Mallorca

Seit gefühlten Jahrzehnten (na gut, 4 Jahre sind noch lange kein Jahrzehnt aber egal ) hatten ein paar Freunde und ich vor zusammen nach Mallorca zu reisen. Uns kam leider immer der Umstand dazwischen, dass wir fast alle noch in der Ausbildungszeit steckten und ganz unterschiedliche Zeiten hatten, in denen wir Urlaub nehmen konnten. So hat es sich nach langem Warten erst in diesem Jahr ergeben, dass wir eine Woche gefunden haben, in der tatsächlich alle Zeit hatten.

Ohne Probleme hat uns erst der Zug nach Düsseldorf gebracht, dann das Flugzeug nach Mallorca, ein Shuttle zum Mietwagenverleih und dann die Mietwagen zu unserer Finka in Cala Pi. Das Haus sah nicht nur auf den ersten, sondern auch auf den zweiten und 20ten Blick noch sehr toll aus und das Wetter hätte besser nicht sein könne. Der Urlaub konnte also starten!

Unsere Mietwagen haben uns zuverlässig über die Insel gebracht, zum Beispiel auf den Puig de Randa (da hoch fahren war fürchterlich, alle paar Meter Kurven und hinter jeder Kurve ein Haufen Fahrradfahrer, die mir ganz arg im Weg waren – der Ausblick hat dafür aber alle mal entschädigt), zum Platja des Trenc, zur Kathedrale in Palma, nach Sóller…

Für einen Tag hatten wir eine Tour mit dem Speedboot nach Cabrera, der kleinen Insel, die südlich von Mallorca liegt, gebucht. Unser Bootsführer versprach uns erst noch eine ruhige Fahrt, der Wind hatte dann aber doch aufgefrischt, sodass die Fahrt einerseits sehr viel rasanter war, andererseits wurden wir dafür aber auch Literweise mit Salzwasser übersprüht… Bei unserer Rundfahrt konnten wir die Insel von allen Seiten betrachten und zwischendurch auch mal vom Boot hüpfen und eine Runde schwimmen. Das war vor allem in der Cova Blava (kastilisch Cueva Azul, „Blaue Grotte“), sehr eindrucksvoll. Leider hat uns dort zum Schluss eine Qualle aus dem Wasser vertrieben. Auch ein kleiner Landgang gehörte zur Tour, bei dem wir einen ehemaligen Festungsturm besteigen konnten, bei dem man sich durch eine außerordentlich schmale Wendeltreppe nach oben schlängeln musste – Gegenverkehr war da nicht mehr möglich.
Was wir recht nett fanden, war, dass wir erst im Nachhinein erfahren haben, dass am selben Tag bei Cabrera seit 30 Jahren mal wieder ein weißer Hai gesichtet wurde. Auch wenn wir dem natürlich nicht begegnet sind, war es schön, dass er uns nicht beim Meeresaufenthalt im Hinterkopf herumschwamm.

Enttäuschend war einzig das Fußballspiel Deutschlang gegen Südkorea, dass wir uns zuerst noch sehr zuversichtlich auf unserer Terrasse sitzend angeschaut haben angeschaut haben. Aber das Urlaubsfeeling hat ganz gut davon abgelenkt. 🙂

Mallorca ist irgendwann auf jeden Fall noch mal einen weiteren Besuch wert! 🙂

lga

Mittendrin Mittwoch #1

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken. Also Momentaufnahmen von Büchern und unseren Gedanken und Erwartungen dazu. Patricia von fiktive Welten hat uns diese nette Anregung gegeben. Danke! 🙂

Dann wollen wir doch gleich starten:

„Meine Frau mag Aveda-Shampoo (sie mag alles, was mehr kostet, als es kosten sollte), und ich dachte mir, ich überrasche sie mit einem kleinen Mitbringsel. „Hallo“, sagte eine freundliche junge Frau, „kann ich Ihnen behilflich sein?“
„Oh, nein, danke, ich sehe mich nur um“, erwiderte ich.
„Welchen pH-Wert haben Sie denn?“, fragte sie mich.
„Das weiß ich nicht. Ich habe mein Wasseruntersuchungsset nicht dabei.“ Ich schenkte ihr mein freundlichstes Lächeln. Ihr war nicht bewusst, dass ich scherzte.

aus „It’s teatime, my dear!“ von Bill Bryson,  S. 214

Amüsant bis schwarz-humorig geschrieben- eine typische Bill Bryson-Textpassage. Ich bin momentan mittendrin im neuen Buch von Mr. Bryson und könnte es quasi in einem Rutsch durchlesen (wie alle anderen von ihm übrigens auch :-)). Der Leser befindet sich in irgendeiner Ortschaft in England und neben zahllosen Ausflügen, die kräftig mit geschichtlichem Wissen gespickt sind, sitzt man auf einmal mitten im Famlienleben der Brysons. Ich lerne gerade wieder so manches über die Großbriten und ihr wunderbares Land, was ich vorher nicht für möglich gehalten hätte und bestimmt in keinem Geschichtsbuch finden werde. Für alle Bryson-Fans, Inselliebhaber und solche, die es werden wollen.

kwk

Neulich im sagenumwobenen Harz…

Es muss nicht immer der sonnige Süden sein – unsere schöne Heimat hat so viel zu bieten!

So z.B. den Harz, und diesmal hat es mich zum Wandern ins Bodetal verschlagen.

128Aufgrund der Vielzahl an mystischen und sagenhaften Geschichten trägt die Region auch den Namen „Sagenharz“. Die Landschaft hat bereits ihr schönstes Herbstkleid umgehängtund die Felsplateaus des Hexentanzplatzes und der Roßtrappe sind voller Faszination und Geheimnisse – ganz besonders mystisch ist die Stimmung in den Abendstunden.

Hexen:  sie gibt es hier in allen Variationen –  aber wieso nur werden sie immer alt und runzlig dargestellt?

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Auf dem Hexentanzplatz, dort wo die Hexen in der Walpurgisnacht feiern, bevor sie zum Brocken fliegen, um sich dort mit dem Teufel zu vermählen, sehen sie interessanterweise ganz anders aus… 😉

 

 

In Thale, am Fuße der sagenumwobenen Felsen und dem Ausgangspunkt der Bodetalschlucht, da trifft man sie überall, die germanischen Götter, die von Künstlern visualisiert wurden:

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Wotan, den Gott des Sturms und der Weisheit, oder Ägir, den Wasserriesen, oder die Nornen, die drei unseren Lebensfaden spinnenden Frauen.

 

 

 

Mein persönliches Highlight war die Wanderung durch die wildromantische Schlucht des Bodetals von Thale bis Treseburg: ein phantastischer, fast schon mystischer Ort, der nicht nur atemberaubend, sondern auch eines der ältesten Naturschutzgebiete in Deutschland ist. Am Ausgang des Bodetals zwischen den Granitfelsen der Roßtrappe und des Hexentanzplatzes ragen einige Felsen fast senkrecht bis zu 230m in die Höhe.

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Oder Werningerode: eine einzige Puppenstube voller bunter, liebevoll restaurierter Fachwerkhäuser, die sich malerisch aneinanderreihen – es macht einfach Spaß, durch die bunten Gassen zu bummeln!

 

 

Und wem das alles noch nicht spannend genug ist, den erwartet an der Rappbodetalsperre ein Kilometer pures Adrenalin: 120 m über dem Abgrund fliegt man mit der größten Doppelseilrutsche Europas (Megazipline) über die Talsperre – mir wurde schon beim Zuschauen schlecht, aber mein Freund hat sich getraut!

S. Quermann