Buchtipp: Puls von Stephen King

Kürzlich überkam mich mal wieder die Lust auf einen Stephen King Roman. Ich lese seine Bücher richtig gerne und warte tatsächlich immer noch darauf, dass er mich mit einem seiner Bücher mal enttäuscht.

Anfangs dachte ich, dass er dies mit Puls vielleicht schaffen würde. In Puls begleiten wir Clay Riddell, der geschäftlich in Boston unterwegs ist, als plötzlich jeder, der gerade ein Handy am Ohr hat, wahnsinnig wird. Was sich zum Beispiel darin äußert, dass diese Personen anderen die Kehle durchbeißen oder Hunden die Ohren abkauen. Nett. Zusammen mit Tom und Alice, die er zufällig trifft, verlässt er Boston, um nach Hause zu gelangen und seine Ex-Frau und besonders seinen Sohn zu finden. Der natürlich auch ein Handy hat. (Das Buch ist von 2006, da hatten ja noch nicht alle Menschen ein Handy und so ist es durchaus plausibel, dass eben nicht jeder den Verstand verliert.)

Ich mag ja solche Endzeitgeschichten. Diese ganzen Versionen davon, wie die Menschheit zu Grunde gehen könnte, finde ich immer wieder spannend, gerade weil sie oft Aspekte aus unserem echten Leben nehmen und auf die Spitze treiben, wohin das führen könnte. Das macht das Ganze dann gleich noch gruseliger.

Hier ist es ein Gegenstand, den heute so gut wie jeder in der Tasche hat. So werden die wahnsinnig Gewordenen dann auch Handy-Verrückte genannt. Während sie anfangs noch an Zombies erinnern, entwickeln sie später noch ganz andere Züge (stinknormale Zombies hätte ich King auch nicht zugetraut :)).

Enttäuschend war für mich, dass sich die Geschichte im ersten Drittel ganz schön hingezogen hat. Ich mag ja eigentlich Kings ausschweifende Schreiberei sehr gerne, hier war mir der Anfang aber einfach zu sehr in die Länge gezogen. Zum Glück hat sich das noch geändert und den Rest des Buches über viel es mir sehr schwer dasselbige überhaupt aus der Hand zu legen. Also noch immer keine Enttäuschung. 🙂

Die Katalogdaten zum Buch findet ihr hier. Dort ist ebenfalls die Verfilmung zum Buch verzeichnet. Der Film ist von 2017, ich habe ihn bisher aber noch nicht gesehen. Verfilmungen von Stephen Kings Werken sind ja immer so eine Sache … mal sind es Meisterwerke und dann wieder eher ein Griff ins Klo. Mal sehen in welche Kategorie dieser Film für mich fallen wird. 🙂

lga

Buchtipp: „Winter“ von Ali Smith

Die britische Schriftstellerin Ali Smith schreibt eine Jahreszeiten-Reihe, „Winter“ ist nach „Herbst“ (2019) der zweite Band, der ins Deutsche übersetzt wurde. „Frühling“ und „Sommer“ werden demnächst folgen. „Herbst“ hatte mich fasziniert (hier der Blogbeitrag), da war ich natürlich gespannt auf den neuen Band.

Man kann die Bücher unabhängig voneinander lesen. Aber der Vergleich ist natürlich reizvoll. Auch „Winter“ beginnt mit einer surreal wirkenden Szene: Eine Frau sieht einen Kopf durch ihr Haus schweben, Kopf und Schultern eines Kindes, aber kein Torso, keine Gliedmaßen; er spricht nicht, bleibt aber hartnäckig in ihrer Nähe. Danach folgt eine Szene, die auch wieder als Realsatire auf unsere moderne Zeiten gelesen werden kann: Waren es in „Herbst“ die Stolpersteine, die die Bürokratie ihren Bürgern zumutet, so ist es in „Winter“ der Service bzw. Nichtservice einer Bank. Obwohl die Dame im reifen Alter als ehemalige Geschäftsfrau und gute Kundin des Geldinstituts sogar für Extraservice bezahlt hat, wird sie auf die automatisierte Selbstbedienung verwiesen; der junge, arrogante Angestellte will beim „Servicegespräch“ nur überflüssige Versicherungen verkaufen, doch eine einfache Bargeldauszahlung – und mehr möchte die Kundin gar nicht – macht er nicht möglich.

Ali Smith schreibt einen Gegenwartsroman, in dem die Zeitgeschichte aber nicht nur satirischer oder surrealer Hintergrund ist. Da sind die Einwanderer, die ihre Nische in einem fremdenfeindlichen Land suchen, das sie als billige Arbeitskräfte ausnutzen, ansonsten aber am liebsten übersehen will, sie sollen unsichtbar bleiben oder werden hinausgeworfen (sogar aus der Bibliothek 😦 ). Da ist die leidige Brexit-Diskussion. Vor allem aber geht es in Rückblenden immer wieder zurück in die wilden Jugendjahre von Sophia und ihrer Schwester Iris. Letztere ist Aktivistin auf Demonstrationen gegen die atomare Aufrüstung, gegen Umweltzerstörung und die Ungerechtigkeiten in der Welt. Sophia dagegen hat sich ein erfolgreiches Geschäft aufgebaut und verkauft Leuten mit zu viel Geld überteuerten Design-Schnickschnack. (Auch in „Herbst“ kommt eine Mutter vor, sie ist Fan einer Antiquitäten-Show im Fernsehen und wünscht sich all diesen Schnickschnack.)

In der Rahmenhandlung des Romans fährt Arthur (Art) aus London, ein Blogger, der sich als Intellektueller versteht, nach langer Zeit mal wieder zu seiner Mutter Sophia ins ländliche Cornwall. Er hadert mit der Trennung von seiner Freundin und heuert spontan eine unbekannte junge Frau an, die er seiner Mutter unter dem Namen seiner Freundin vorstellen möchte. Doch sie finden Sophia verwirrt vor, das Haus ist kalt und so gar nicht für Besuch und die Weihnachtstage bereit. Es ist ausgerechnet die junge Frau von der Straße mit den vielen Piercings und dem fremden Akzent, die sich erwachsener und verantwortungsvoller benimmt als Art, der Sohn. Und es ist ausgerechnet Iris, die ewige Rebellin, die das seltsame Familienwochenende komplettiert. Sie kommt sofort, um zu helfen, obwohl ihre Schwester seit vielen Jahren nicht mehr mit ihr geredet hat. Vier Menschen, die einander fremd sind, auch und gerade die drei Familienmitglieder. In einem Haus, das für diese drei eine Vergangenheit hat, die dem einen völlig unbekannt ist, für die beiden anderen aber voller verdrängter, geleugneter oder erlogener Erinnerungen.

Das ist alles andere als ein seliges Weihnachtsfest im Kreis der Familie; diese Familie redet ja nicht miteinander, geht sich seit vielen Jahren erfolgreich aus dem Weg. Doch plötzlich verwirren seltsame Visionen. Die Zeitsprünge, Erinnerungen und Perspektivwechsel machen es aber auch dem Leser nicht einfach. Ali Smith lässt sogar die Zeit stillstehen, die Kirchenglocke schlägt Mitternacht – wieder und wieder.

Der Winter ist nicht mehr so, wie er früher war: das Klima erwärmt sich, doch das Zwischenmenschliche wird kälter. Wenn da nicht noch die Fremde wäre, die die Freundin von Art spielen soll (was sie aber schnell gegenüber Sophia eingesteht), die eigentlich nirgendwo dazu gehört, die durch eine Lüge ins Haus kommt und doch die Wahrhaftigste von allen ist. Sie nennt sich Lux.

Wie in „Herbst“ gibt es auch in diesem Roman viele literarische Anspielungen zu entdecken, vor allem natürlich auf Dickens und Shakespeare. Ali Smiths Sprache hat Rhythmus, ihre Dialoge sind bissig. „Herbst“ fand ich poetischer. Aber „Winter“ muss ich ja allein schon für die Bibliotheks-Szene mögen (obwohl: „Triggerwarnung“, liebe Kolleginnen und Bibliotheksfreunde, sie ist nicht unbedingt schmeichelhaft für unsere Zunft).

Wie „Herbst“ wurde auch „Winter“ von den Literaturkritikern auf die SWR-Bestenliste gewählt als eine der empfehlenswertesten Neuerscheinungen. Ausdrücklich wird auch die Übersetzerin Silvia Morawetz gelobt.

Den Roman findet Ihr sowohl in der Papierausgabe wie auch als eBook hier.

HilDa

Buchtipp: „Mein Herz in zwei Welten“

Als ich das erste Mal von Jojo Moyes hörte dachte ich „och nein, ich glaube das mag ich nicht“. Dann sah ich ganz viel später den Film „Ein ganzes halbes Jahr“ und war begeistert. Also musste das Buch auch her. Und was soll ich sagen, ich habe es quasi verschlungen. Auch Teil zwei habe ich fast in eins weg gelesen und bin nun bei Teil drei angelangt – „Mein Herz in zwei Welten“.

Und darum geht’s: Louisa Clark ist in New York bei ihrem neuen Arbeitgeber angekommen. Dem reichen Mr. Gropnik und seiner Frau. Sie soll der Dame des Hauses als Assistentin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Was bedeutet, irgendwie zwischen ihr und der Haushälterin zu vermitteln, da sich die beiden nicht ausstehen können. Überhaupt hält die gesamte New Yorker High Society nicht viel von Mrs. Gropnik. Weil sie Mr. Gropniks zweite Ehefrau ist, aus Polen kommt und seine Masseuse war. Also kauft man Lou ein dreitausend-Dollar-Kleid und bittet sie, bei sämtlichen Empfängen auf Mrs. Gropnik acht zu geben. Die würde nämlich den hochnäsigen Damen gerne so richtig die Meinung sagen.

Louisas Freund Sam ist natürlich in England geblieben, die beiden pflegen eine Fernbeziehung. Für das eine Jahr wird das schon gehen, oder? Sie schlagen sich ganz gut, allerdings taucht auf einmal ein Mensch auf, der Will Traynor ziemlich ähnlich sieht und Lou in Verwirrung bringt. Und auch auf der anderen Seit des Atlantiks passiert etwas. Sam bekommt eine neue Partnerin zugewiesen. Die, wie man das eben so macht, von Louisa erstmal via Facebook und Instagram inspiziert wird. War keine gute Idee. Bei einem Besuch von Sam wird es haarig. Sam findet in Louisas Badmülleimer einen Schwangerschaftstest. Negativ zwar, aber egal…


Bislang habe ich nicht viel an der Geschichte auszusetzen. Natürlich denkt man an manchen Stellen „oh Louisa, sei doch nicht so dumm“. Aber insgesamt ist der Schreibstil flüssig und die Geschichte sehr schön erzählt. Ich kann noch nicht sagen, wie ich das Buch abschließend finde, da ich mittendrin bin. 😉 Aber es ist sehr schön zu lesen, wie sich Lou nach Will’s Tod wieder gefangen hat. Das war in Band zwei teilweise krass. Aber ich glaube, dass mittlere Bände immer die am schwierigsten zu lesenden sind. Schön ist auch, dass sich Lou von ihrem Wesen her nicht verändert hat. Ihr verrückter Modestil ist immer noch so ausgeprägt wie früher und sie kümmert sich um die Menschen, die ihr wichtig sind.

Ich bin echt gespannt, was noch passiert. Ob unsere Hauptdarstellerin und der Typ aus New York ein Paar werden, oder ob sie doch bei Sam bleibt…oder keinen von beiden? Geht sie überhaupt wieder nach England zurück? Fragen über Fragen, ich hoffe, das Buch kann sie alle eindeutig beantworten. Für alle, die auch ein Fan werden möchten: Man sollte bei Band eins anfangen, damit man Louisa in all ihren Facetten richtig kennen und lieben lernt. 🙂

kwk

Buchtipp: Das Spiel von Stephen King

Jessie und ihr Mann Gerald haben sich in ihr einsam gelegenes Sommerhaus zurückgezogen. Gerald möchte etwas Schwung ins Eheleben bringen, in dem er Jessie mit Handschellen ans Bett fesselt. Doch Jessie verliert schnell die Lust an Geralds Spiel und hält ihn mit einem kräftigen Fußtritt auf Abstand. Für Geralds Herz war der Tritt zu viel und so liegt er kurze Zeit später tot neben dem Bett – an das Jessie noch immer gefesselt ist.

Was ich an der Geschichte spannend fand, war vor allem, wie Jessie mit der Situation umging. Die Fluchtversuche oder Pläne an Wasser zu kommen, die sie sich überlegt, aber auch wohin ihre Gedanken in den Phasen wandern, in denen sie außer Nachdenken nichts zu tun hat, wobei  lange verdrängte Erinnerungen an die Oberfläche kommen.

King schreibt ja nicht nur Horror, dieses Buch ging aber auf jeden Fall in die unheimliche Richtung. Nicht nur, dass die Lage, in der Jessie sich befindet, schon für genug Horror sorgt, auch ihre Kindheitserinnerungen sind unangenehm schaurig und als es bei Jessie Nacht wird, geschehen Dinge, nach denen ich tatsächlich erst mal in alle – durchaus gut beleuchteten – Ecken des Zimmers spähen musste, ob die auch wirklich leer sind. Das Ende war dann ganz anders als erwartet und hat die unheimlichen Begebenheiten eigentlich noch grauseliger gemacht.

Falls ihr euch auch mal ein kleines bisschen gruseln wollt: Ausleihen könnt ihr das Buch als eBook in der Onleihe OWL. 🙂

lga

Buchtipp: Die Detektive vom Bhoot-Basar

Der neunjährige Jai schaut am liebsten Polizeiserien im Fernsehen und weiß daher natürlich alles über Detektivarbeit. Als ein Junge aus seiner Klasse verschwindet will er sein Wissen endlich praktisch anwenden. Zusammen mit seinen Freunden Pari und Faiz begibt er sich auf Spurensuche in seinem Basti, seinem Armenviertel, und im nahe gelegenen Bhoot-Basar, wo er sich eigentlich nicht rumtreiben soll. Die drei Kinder nehmen Fährten auf, befragen die Verwandten der Verschwunden und stellen Verdächtigungen an. War es vielleicht Quater? Der ist schon in der neunten Klasse und hat eindeutig Verbrecherpotenzial. Oder hat gar ein böser Dschinn die Kinder mitgenommen?

Die Detektive vom Bhoot-Basar ist eine Geschichte, die mir auch nach Beendigung des Buchs noch im Gedächtnis blieb und wohl auch bleiben wird. Deepa Anappara beschreibt die Umgebung der Kinder und den Kriminalfall durch Jais Kinderaugen. Ja, er lebt in Indien in einem Armenviertel. Die Eltern arbeiten fast rund um die Uhr, Jais Freund Faiz hat auch schon einen Job. Es gibt Spannungen zwischen Hindus und Muslimen. Die Bewohner fürchten, ihr Basti könnte platt gemacht werden, um dort ein neues Hochhaus zu bauen. Und die Polizei ist korrupt und schert sich wenig um ein paar verschwundene Kinder.

So beklemmend das ist – Jai ist eben neun Jahre alt. Trotz allem wirkt er wie ein ganz normales Kind. Er geht in die Schule, aber ungern. Streitet sich mit seiner großen Schwester. Spielt mit seinen Freunden Detektiv. Diese kindlich positive Sicht der Dinge lässt einen beim Lesen manchmal vergessen, wie ernst diese Angelegenheit eigentlich ist. Fast glaubt man Jai, Pari und Faiz würden in bester Fünf Freunde oder TKKG Manier auf die Fährte der Entführer stoßen und am Ende alle verschwundenen Kinder putzmunter wieder finden. Und auch wenn Jai und seine Freunde dem Verbrechen schließlich doch sehr nahe kommen, gibt es hier kein Happy End. Wie sollen die Verschwundenen auch gefunden werden, wenn die Angehörigen völlig auf sich allein gestellt sind und nur ein paar Kinder versuchen, den Fall aufzuklären?

Der Kontrast zwischen dem tristen Leben und Jais Sicht auf die Dinge hat mich sehr berührt. Er ist nun mal ein Kind. Da hat man die Fantasie aus allem ein Spiel zu machen. Da braucht man nicht mal tonnenweise Spielzeug für.

Die verschwundenen Kinder kommen in kurzen Kapiteln ebenfalls zu Wort. Da merkt man dann schon, dass jedes Kind anders ist und manche schwerer zu tragen haben als andere. Da ist ein Junge, der manchmal tagelang im Bhoot-Basar herumstreunt und schläft, weil seine Mutter für eine Woche verreist ist und der Vater seine Kinder dann noch mehr als sonst verprügelt. Oder ein Mädchen, dass von den Eltern die Verantwortung für den Bruder auferlegt bekommt und unter der Bevorzugung des Bruders leidet. Und der Bruder wiederum rutscht gerade in eine Spielsucht  ab und hat ein schlechtes Gewissen seiner Schwester gegenüber.

Diesen Kontrast wollte Deepa Anappara einfangen, wie sie in ihrem Nachwort erklärt. Dort sagt sie:

„Ich interviewte Kinder, die als Müllsammler arbeiteten oder an Straßenkreuzungen bettelten, die wegen schwieriger Umstände kaum zu Hause lernen konnten oder aufgrund religiös bedingter Gewalt gezwungen gewesen waren, die Schule zu verlassen. Trotzdem erweckten die meisten nicht den Eindruck, Opfer zu sein: Sie waren frech, witzig und reagierten oft mit Ungeduld auf meine Fragen.“

Das Buch entstand, weil Anappara es schade fand, dass ihre Artikel, die sie vor Jahren als Journalistin in Indien schrieb, den Humor und die Energie dieser Kinder nicht einfingen.

Mit den Detektiven vom Bhoot-Basar hat sie genau das nun geschafft und eine berührende und trotz allem lebensbejahende Geschichte geschrieben.

Hier geht es zu den Katalogdaten.

lga

Buchtipp – Iris Wolff: Leuchtende Schatten

„Es war das Unausgesprochene, das mich beschäftigte, etwas war zwischen uns nie in Worte gefasst worden.“

Aber Iris Wolff vermag in Worte zu fassen. Sie breitet in wunderbar zarten Bildern eine verlorene Welt vor uns aus: die Welt einer abrupt endenden Kindheit, die Welt einer (noch) intakten Großfamilie und einer tiefen Mädchenfreundschaft – überschattet von einem Geheimnis – , nicht zuletzt die Welt einer ersten Liebe. Und die Welt einer untergehenden Kultur, einer Landschaft und einer Heimat. Der Roman spielt in Siebenbürgen, überwiegend in Hermannstadt, in den Jahren 1943/44; er endet kurz nach dem Frontwechsel Rumäniens 1944. Alles bleibt grüner, harmonischer und schöner in der Erinnerung, als es wohl je war – alles wird durch Ideologie und Krieg zerstört, durch Hass zerrissen, durch Flucht und Vertreibung verloren sein.

„Unsere Begegnung schließt die Erinnerung an die letzten Jahre ein, in denen es uns als Großfamilie gab.“

Roman "Leuchtende Schatten" von Iris Wolff auf den Knien der LeserinIris Wolff lässt die Geschichte von Ella erzählen. Offensichtlich aus großer zeitlicher Distanz blickt sie zurück auf diese prägenden Monate ihrer Jugendzeit, Monate eines unaufhaltsamen Wandels – und Verlustes. Es beginnt mit einem Unfall und einer Rettung, aus der eine ungewöhnliche Mädchenfreundschaft erwächst, ungewöhnlich wegen der Seelenverwandtschaft, die Ella gleich auf den ersten Blick spürt, und weil die beiden Mädchen aus ganz unterschiedlichen Gesellschaftsklassen und sozialen Verhältnissen kommen. Die Zeit mit Harriet bleibt Ella so klar in Erinnerung, Iris Wolff lässt sie detailliert erzählen. Sie beschreibt sehr genau und lebendig die Natur, das Zusammenleben, die einzelnen Personen, vor allem die Gefühle der Teenager.

„Unsere Geschichte wurde nie zu Ende erzählt, doch wenn ich die Augen schließe, sehe ich die Bilder unserer Freundschaft vor mir. Sie haben auch über die Zeit nichts von ihrer Klarheit und Intensität verloren. Sie tauchen auf, verlieren ihre Formen, fügen sich neu zusammen, wandern mit dem Lidschlag, doch sie verflüchtigen sich nicht.“

Das Zeitgeschehen bleibt anfangs noch im Hintergrund, aber immer gegenwärtig: Der Krieg rückt näher, bestimmt mehr und mehr den Alltag. Erst sind es die Aufmärsche und die Freiwilligen, die Ängste und Sorgen der Mütter, die ersten Verlustmeldungen in der Nachbarschaft.

Das Geheimnis, das die beste Freundin umgibt, die bereits ihre Mutter verloren hat, vermag Ella nicht auf den großen Verlust in ihrem Leben vorzubereiten: Alles ist mit einem Schlag anders. Das bisher so beständige und vertraute Umfeld verwandelt sich nicht nur im politischen Umbruch, sondern auch im Privaten. Die Trauer wird bleiben und alles überschatten – nur die Erinnerung bringt alles zum Leuchten.

Iris Wolff findet Metaphern, die ihren Beschreibungen diese Leuchtkraft und poetische Leichtigkeit geben. Sehr berührt haben mich zum einen die weiblichen Charaktere in diesem Roman, die beiden Mädchen sowie Ellas Mutter und ihre Großmutter; zum anderen diese intensive Trauer am Ende des Buches.

„Jener dunklen, verborgenen Stelle, der nie zu begreifenden Sinnlosigkeit des Verlusts, …“

ist dieser Roman gewidmet, so scheint mir.

(Alle Zitate sind von der letzten Seite des Romans)

Roman "Die Unschärfe der Welt" von Iris WolffIris Wolffs neuer Roman „Die Unschärfe der Welt“ ist übrigens hauptsächlich in der Nachbarregion Banat angesiedelt. Ich bin gespannt auf die Lesung und das Gespräch mit der Autorin am 27. Oktober im Rahmen der Literaturtage Bielefeld 2020. „Leuchtende Schatten“ habe ich gelesen, weil der neue Roman erst Ende August erschienen ist – kurz nachdem er schon auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis genannt wurde. Meine Kollegin, die „Die Unschärfe der Welt“ bereits vorab gelesen hat, ist jedenfalls begeistert.

Katalogdaten zu „Leuchtende Schatten“ und zu allen Werken der Autorin in unserem Bibliotheksbestand.

Übrigens gibt es in der WDR-Mediathek in der Reihe „Wunderschön!“ eine Folge „Geheimnisvolles Siebenbürgen – Reise in eine andere Zeit“, der Film widmet sich in fast 90 Minuten dem heutigen Siebenbürgen und zeigt auch einige Bilder aus Hermannstadt. Wer sich also ein bisschen auf diese Landschaft und Kulturregion einstimmen will – hier entlang, bitte.

HilDa

Buchtipp: Stern 111

Nur wenige Tage nach dem Fall der Mauer erhält Carl eine Nachricht seiner Eltern, in der sie um seine Hilfe bitten. Als er bei ihnen in Gera eintrifft eröffnen sie ihm, dass sie in den Westen wollen, Carl hingegen soll die Stellung in der elterlichen Wohnung halten. Während seine Eltern in Notaufnahmelagern und Durchgangswohnheimen landen, dabei aber scheinbar immer einem ganz speziellen Ziel folgen, nimmt Carl bald Reißaus nach Berlin. Dort wohnt er erst auf der Straße und landet danach beim Rudel – einer Gruppe von Frauen und Männern in der Hausbesetzerszene. Ihnen schließt er sich an, arbeitet in der Assel, einem Kellerlokal in einem der besetzen (oder wie es im Buch so schön heißt bewohnten) Häuser, dass er zusammen mit dem Rudel aufbaut. Gleichzeitig will er aber eigentlich Gedichte schreiben und veröffentlichen.

Ich finde Bücher oder auch Dokumentationen über die DDR und den Mauerfall immer ziemlich spannend, da sie von Geschichte handeln, die ich selbst nicht miterlebt habe, die aber dennoch noch so nah ist. Ich wundere mich tatsächlich immer wieder darüber, dass Deutschland noch bis ein paar Jahre vor meiner Geburt getrennt war. Für mich unvorstellbar.

In diesem Roman geht es nun um zwei verschiedene Geschichten, die sich so oder so ähnlich zugetragen haben könnten. Da hätten wir zum einen Carl, der den gesamten Roman eher ziellos durch Berlin irrt. Vom Rudel wird er zwar von der Straße aufgelesen und aufgenommen, eine richtige Zugehörigkeit zu Ihnen entsteht aber nicht. Immer spricht Carl vom Rudel, als wäre es eine Gruppe, zu der er selbst nicht dazu gehört. Carls Umhertreiben spiegelt sich sogar in seiner Wohnung wieder, vor dem Ofen liegt sein Matratzen-Floß, drei aneinander gebundene Matratzen, auf dem er in den Schlaf treibt, wie ansonsten durch sein Leben.

Carl tritt auf als Handwerker, der vom Rudel, wegen seiner Fähigkeiten, hoch geschätzt wird. Viel lieber würde Carl sich aber als Dichter sehen, doch so sehr er es versucht, über 20 gute Gedichte kommt er nicht hinaus. Hier hat er zwar das Ziel vor Augen irgendwann einmal seine Gedichte zu veröffentlichen, doch lässt er viele Gelegenheiten ungenutzt.

Immer wieder erhält Carl Briefe von seiner Mutter, die nicht gerade dazu beitragen, seine Verwirrtheit zu vertreiben. Es fühlt sich für ihn falsch an, diese Rollenverteilung zwischen ihm und seinen Eltern. Es sollten doch die Kinder sein, die von Zuhause fort gehen und nicht die Eltern, die in ein Abenteuer ziehen. Dazu kommt, dass Carls Eltern scheinbar etwas vor ihm verbergen. Ihr Weg durch den Westen führt sie zu verschiedenen Stationen. Erschreckend waren für mich vor allem die Vorurteile, mit denen sie konfrontiert wurden oder wie sie aufgrund dessen, dass sie aus der DDR kommen ausgenutzt wurden.

Bei historischen Geschichten finde ich es immer spannend, wenn man zum Schluss herausfindet, welche Aspekte der Geschichte tatsächlich passiert sind und welche nicht. Seilers Danksagung ließ darauf schließen, dass er Teile seiner eigenen Lebensgeschichte hat einfließen lassen. Daraufhin habe ich zum Beispiel dieses Interview im Tagesspiegel mit Seiler gelesen und war fasziniert, welche Orte es tatsächlich gegeben hat und welche Begebenheiten an die Wahrheit angelehnt sind.

Bei uns findet ihr Seilers Roman, als Buch oder Hörbuch vor Ort sowie als eBook in der Onleihe.

Lutz Seiler ist zudem am 7. Oktober im Rahmen der Literaturtage bei uns zu Gast. Wegen Corona sind alle neun Lesungen der Literaturtage seit einigen Tagen ausgebucht, da wir weit weniger Plätze als üblich zur Verfügung stellen können. Trotzdem kann ich an dieser Stelle für die Lesung mit Lutz Seiler werben. Denn von den Veranstaltungen wird es einen Livestream geben! Wer einen Zugang zum Livestream erwerben möchte, kann dies über unseren Veranstaltungskalender erledigen.

lga

Buchtipp: Herbst

Das Buch heißt Herbst, das klingt jetzt nicht nach einer passenden Sommerlektüre. Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Roman passt zu jeder Jahreszeit!
Mit dem titelgebenden Herbst ist hauptsächlich der des Jahres 2016 gemeint, in Großbritannien kurz nach dem Volksentscheid zum Brexit – ein gespaltenes Land. Eine düstere Stimmung hängt über allem; die eine Hälfte des Dorfes spricht nicht mit der anderen. Die Sprachlosigkeit hat viele Facetten und Gründe, die viel weiter reichen als nur zum EU-Streit und dem alltäglichen Rassismus. Ali Smith verwendet viele Bilder für Ausgrenzung und Abschottung und setzt ihre zwei Hauptfiguren dagegen: ein bemerkenswertes Paar.

Der Roman beginnt mit einer surrealen Szene aus der Zwischenwelt von Leben und Tod: Ist der Mann, der gerade an die Küste angespült wird, nun ein Geist, der sich erst in seine neue Rolle finden muss oder ist alles nur ein Traum? Der Leser bleibt vorerst im Unklaren, der lebende Tote bedeckt sich mit einem selbst genähten Mantel aus grünen Blättern und entschwindet in die Natur.

Die eigentliche Hauptfigur ist die Kunsthistorikerin Elisabeth, die mit dem Alltag, der Bürokratie, ihrer Mutter oder mit der Borniertheit anderer Mitmenschen ringt. Sie erinnert sich zurück an ihre Kindheit, wo der alte Nachbar zu einer Art Mentor für sie wurde; mit seinen Erzählungen und seinen herausfordernden Spielen hat er das aufgeweckte Mädchen an Kunst und an Literatur herangeführt. Er hat sie ermutigt, selbständig zu denken und Klischees zu hinterfragen. Jetzt besucht sie den inzwischen hundertjährigen Daniel im Pflegeheim und liest ihm vor, obwohl er schläft – und wahrscheinlich nicht mehr aufwachen wird. Selbst im Alltag hält Elisabeth innere Monologe, die an ihren alten Freund gerichtet sind.

Und so springen wir ein wenig durch die Zeit, durch Träume und Alpträume, durch die Bilder einer fast unbekannten Pop-Art-Künstlerin (Pauline Boty) und durch große Werke der Weltliteratur (z. B. Shakespeares Sturm, Ovids Metamorphosen). Und während die Menschen um Elisabeth und den sterbend-träumenden Daniel herum jede Kleinigkeit zum Kleinkrieg aufbauschen, lässt Elisabeth sich faszinieren von den Wildblumen am Wegesrand oder den Farben des Spätsommers.

Das ist mal poetisch, mal groteske Realsatire. Ali Smith setzt das wunderbar in Sprache um: Manchmal reiht sie einfache Aussagesätze aneinander, und dann wieder malt sie mit Worten Bildcollagen oder spinnt einen langen Gedanken-Faden-Satz voller Assoziationen. Ihr Sprachwitz und ihre Metaphern sind originell, und trotz der Zeitsprünge und den vielen Andeutungen und gesellschaftspolitischen Bezügen zum Zeitgeschehen ist der Roman erstaunlich leicht.  Und er ist kein „Brexit-Roman“, wie der Klappentext vermuten lässt.

Ich kannte die britische Autorin bisher nur dem Namen nach. Herbst ist nicht ihr erster ins Deutsche übersetzte Roman (übrigens wird die Übersetzung von Silvia Morawetz von den Kritikern sehr gelobt). Während Ali Smith in Großbritannien  schon viele renommierte Literaturpreise gewonnen hat und gleich mehrfach auf der Shortlist zum Booker Prize stand (u.a. auch für Autumn 2017), ist sie im deutschsprachigen Raum noch zu entdecken. Herbst stand immerhin auf der SWR-Bestenliste unter den 10 meist empfohlenen Neuerscheinungen.

Katalogdaten zum Roman „Herbst“ von Ali Smith, gebunden und eBook, hier.

Für den November 2020 ist die Übersetzung des zweiten Teils des Jahreszeiten-Zyklus der Autorin angekündigt: Winter. Zack, habe ich schon den ersten Wunsch auf der Liste für den Weihnachtsmann 😉

HilDa

Buchtipp: Trümmerkind

Trümmerkind ist das erste Buch, das ich von Mechtild Borrmann lese. Schon seit einigen Monaten empfiehlt mir eine Freundin die Bücher der Autorin, aber zugunsten anderer Bücher habe ich es immer wieder aufgeschoben, eins von ihr auszuleihen. Als ich vor kurzem beim Medien einstellen Trümmerkind in der Hand hielt, nahm ich das als Zeichen, es nun doch endlich mal anzugehen und habe es mit nach Hause genommen.

Der Winter 1946/47 ist ein bitterkalter Winter. Hanno Dietz, seine Mutter Agnes und seine Schwester Wiebke leben im zerstörten Hamburg. Hanno verdient mit dem Finden und Verkaufen von noch zu gebrauchenden Gegenständen aus den Trümmern Geld für die Familie dazu. Eines Tages findet er in den Trümmern die Leiche einer Frau. Und in unmittelbarer Nähe einen etwa dreijährigen Jungen. Er und seine Schwester nehmen den Jungen mit nach Hause. Agnes gibt ihm den Namen Joost und lässt ihn als ihren Sohn registrieren.

Auch folgen wir Anna Meerbaum und befinden uns mit ihr im Jahr 1992. Sie beschließt, die Heimat ihrer Mutter in der Uckermark, in der nun ehemaligen DDR, aufzusuchen. Annas Mutter hat sich immer ausgeschwiegen über ihre ehemalige Heimat und ist Annas Fragen stets ausgewichen. Auch wenn sie weiß, dass es ihrer Mutter nicht gefallen wird, fährt sie hin.

Gleichzeitig erleben wir auch, wie es Annas Mutter, Clara Anquist, kurz nach dem Krieg auf ihrem Gut in der Uckermark ergangen ist, wie sie und ihre Familie die Ankunft der Russen dort erlebt haben und was das für sie bedeutete.

Spannend fand ich die Spurensuche, die sich durch das Buch zieht. Dabei wird die Geschichte der verschiedenen Familien nach und nach auseinanderklamüsert, gleichzeitig spielt aber auch noch ein Verbrechen eine Rolle. Die Hamburger Trümmermorde fanden im Winter 46/47 tatsächlich statt, konnten aber bis heute nicht aufgeklärt werden. Mechtild Borrmann nimmt sich dieser Verbrechen an, gibt den nie identifizierten Opfern Gesichter, Namen und eine Geschichte – wenn auch eine fiktive.

Sehr nah gehen die vielen alltäglichen Kleinigkeiten, die die Familien in den Nachkriegsjahren erleben. Dieser bitterkalte Winter in den Trümmern, der dafür sorgt, dass eine Leiche sehen nichts besonderes mehr ist. Das Vertrieben werden aus dem eigenen Zuhause. Aber auch all die Verbrechen, die im und nach dem Krieg begangen worden sind und die Menschen, die sie begangen haben. Und doch schließt die Geschichte mit einem optimistisch stimmenden Ende.

Hier geht es zu den Katalogdaten.

lga

Buchtipp: Das Mädchen im Strom

„Es hatte eine Zeit vor dem Krieg gegeben, und nun gab es eine Zeit nach dem Krieg.
Auch wer ihn ohne Schaden überstanden hatte, würde ihn künftig in sich tragen.“

Eine ebenso nüchterne wie bittere Wahrheit im ersten Roman von Sabine Bode. (Katalogdaten zum Roman – gedruckt, als eBook und eAudio – hier)

Die Kölner Autorin und Journalistin wurde bekannt durch ihre wichtigen Sachbücher über die Traumata und seelischen Spätfolgen des Krieges, die sich von den Kriegskindern über die Nachkriegskinder bis zu den Kriegsenkeln übertragen, und sie hat sich als eine der ersten Autorinnen überhaupt an dieses schwierige und sensible Tabu-Thema herangewagt. (Hier die Katalogdaten zu allen Werken von Sabine Bode)

Ich habe Sabine Bode vor vielen Jahren bei der Vorstellung ihres Sachbuches „Kriegsenkel“ kennengelernt, und ihre Lesung hat mich zutiefst berührt. In vielen Lebensberichten habe ich mich wiedergefunden, hörte dieselben Fragen, die ich mir auch immer gestellt habe – und vieles fiel mir plötzlich wie Schuppen von den Augen. Ich habe das Buch verschlungen.

Als ich nun ihren Roman „Das Mädchen im Strom“ in Händen hielt, war ich einfach neugierig.

Sabine Bode nimmt die Leser*innen mit auf die Flucht und die Lebensgeschichte der Jüdin Gudrun Samuel.  Die Protagonistin ist mutig und selbstbewusst, aber als Tochter einer reichen jüdischen Familie in der Zeit des Nationalsozialismus ist für sie kein normales Leben möglich. Wir erleben ihre erste große Liebe zu Martin, die bereits vom aufkommenden Rassismus der Nazis überschattet wird. Dann Gestapo-Verhöre und Gefängnis, Flucht durch Russland bis nach Shanghai. Ihr Leben ist geprägt von Armut, Demütigung und ständiger Bedrohung, aber sie gibt nie auf und hat einen unerschütterlichen Willen – „Selbstachtung als Überlebensstrategie“, so hat die Autorin es umschrieben.

Die Erzählweise des Romans ist eher nüchtern gehalten, manches fast beiläufig erzählt, und ich musste mich erst mal einlesen in den distanzierten Schreibstil. Ungewöhnlich ist, dass bei der direkten Rede die entsprechende Zeichensetzung fehlt.

Gudrun war mir nicht von Anfang an sympathisch und ist mir auch nicht ans Herz gewachsen, aber gerade durch die emotionale Distanz war es leichter, die aufwühlende und spannende Lebensgeschichte zu verfolgen. Sehr besonders war die Brieffreundschaft zwischen Gudrun und ihrer Jugendfreundin Margot, die nie ganz abriss und die verdeutlichte, wie sehr das Trauma der Überlebenden auch Jahrzehnte nach Kriegsende noch andauerte.

Hinter der Geschichte von Gudrun Samuel (die sich später Judy nennt) steht übrigens eine wahre Person: es ist die Überlebensgeschichte von Gertrude Meyer-Jörgensen aus Mainz, die Sabine Bode erzählt. Sie hat sieben Tage lang mit der Überlebenden des Nazi-Terrors gesprochen, die 2011 im Alter von 93 Jahren starb.

Alles in allem finde ich das Buch sehr lesenswert: ein Roman mit biographischen Elementen sowie eine geschichtlich sehr interessante und fesselnde Geschichte.

S.Q.