Filmtipp: Girl on the Train

Jeden Tag fährt Rachel mit dem Zug zur Arbeit. Ihr Blick geht dabei nach draußen und richtet sich immer wieder auf ein spezielles Haus, nahe der Bahnstrecke. Das Pärchen, das dort wohnt scheint perfekt zu sein. Jedenfalls malt Rachel sich das Leben der beiden so aus. Ihr eigenes Leben läuft gerade alles andere als perfekt. Ihr Mann hat sie betrogen und verlassen und Rachel kommt nur noch mit Alkohol durch den Tag. Darum wirft es sie komplett aus der Bahn, als sie eines Tages die perfekte Frau beobachtet, wie sie auf ihrem Balkon einen anderen Mann küsst.

Mir gefielen an dem Film vor allem die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Situation. Zum einen begleiten wir Rachel; aber auch Annas, die neue Frau von Rachels Exmann und Megans, die Frau die Rachel beobachtet und für so perfekt hält, Sichtweisen lernt der Zuschauer kennen.

Auch Rachels Versuche die Kontrolle über ihr Leben zu behalten und ein Teil zu sein von dem Geschehen, das nach dem Verschwinden von Megan einsetzt, waren spannend zu beobachten.

Die Buchvorlage zum Film ist übrigens ebenfalls sehr lesenswert und bei uns in der Bibliothek hier zu finden.

Undercover – Spannung zwischen den Buchdeckeln

Hier eine kleine Auswahl Krimi- und Thriller-Neuerwerbungen aus dem ersten Halbjahr, Empfehlungen jenseits der Bestsellerlisten:

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Krimi-Trilogie von Tim Parks

Tim Parks Krimi-Trilogie – „Der ehrgeizige Mr Duckworth“, „Mr Duckworth wird verfolgt“ und „Mr Duckworth sammelt den Tod“ – dreht sich um einen mittellosen Englischlehrer, der in die bessere Gesellschaft Veronas aufsteigen will – und er schreckt dabei vor nichts zurück. Ein ehrgeiziger Hochstapler ohne Skrupel, denn Schuld sind für ihn sowieso immer die anderen. Doch selbst als er Reichtum, Erfolg und Ansehen wie gewünscht gewonnen hat, muss er sich mit seiner mörderischen „Genialität“ schützen. Der britische Schriftsteller Tim Parks lebt selbst in der Nähe von Verona. Die ersten beiden Bände wurden bereits in den 90ern veröffentlicht, 2013 setzte er die schwarze Krimikomödie über einen Serienmörder mit Charme fort. (Alle drei Bände sind in der Stadtbibliothek als Druckausgabe und als eBook ausleihbar)

Auch Massimo Carlottos Romanfigur Giorgio Pelegrini will endlich ein bürgerliches Leben und geht dafür über Leichen. Bei Carlotto ist das aber ganz gewiss keine Komödie, sondern er führt mit seinem Thriller mitten hinein ins korrupte, mafiöse Italien. (Am Ende eines öden Tages / von Massimo Carlotto)

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Nur eine Auswahl unserer neuen Krimis

In Hans Schefczyks Roman sind es Mitglieder einer militanten Zelle, die sich mit einer Kaufhauserpressung Mittel für ein Leben nach dem Untergrund sichern wollen. Aber ganz so einfach und idiotensicher wie geplant ist das nicht. (Das Ding drehn / von Hans Schefczyk)

Marina Heib lässt in „Drei Meter unter Null“ eine Frau aus ihrem Normalleben ausbrechen und zur Mörderin werden. Ein Thriller über Rache aus einer tiefen Verzweiflung heraus. (Drei Meter unter Null / von Marina Heib; Buch + eBook)

Rache ist auch das Motiv der Lehrerin in dem Psychothriller „Geständnisse“: Sie gibt ihren Schülern die Schuld am angeblichen Unfalltod ihrer kleinen Tochter. Der japanische Bestseller von Kanae Minato wurde von der Kritik hochgelobt, z. B. von Elmar Krekeler in der WELT vom 26.04.2017. (Geständnisse / von Kanae Minato; Buch + eBook)

Der Thriller von Jenny Milewski „Angstmädchen“ bedient sich im Horror-Genre: Die schüchterne Studentin Malin scheint mit ihrem neuen Zimmer im Wohnheim großes Glück zu haben – doch dann beginnt der Schrecken … (Angstmädchen / von Jenny Milewski; Buch + eBook)

Graeme Macrae Burnets historischer Kriminalroman „Sein blutiges Projekt“ fällt aus unserer Auswahl etwas heraus. Der psychologische Thriller spielt an der schottischen Nordwestküste im Jahr 1869. Der junge Roderick Macrae leugnet nicht die furchtbaren Morde, für die er angeklagt ist. Aber was waren seine Motive? Ist er überhaupt schuldfähig? In Form eines Dokumentarromans erzählt der Autor mit seiner fiktiven Geschichte auch über das soziale Elend Mitte des 19. Jahrhunderts in Schottland und über die Anfänge der heutigen Kriminalistik und Forensik. (Sein blutiges Projekt / von Graeme Macrae Burnet)

Zuletzt wieder eine Krimi-Komödie, in Frankreich ein Bestseller. Das „Kommando Abstellgleis“ ist ein neues Kommissariat in Paris, in das einfach alle unbequemen und arbeitsunwilligen Mitarbeiter abgeschoben wurden. Kommissarin Anne Capestan, selber schon einmal suspendiert, soll diese verkrachten Existenzen eigentlich nur still halten. Stattdessen lösen sie gemeinsam mit unkonventionellen Methoden alte Fälle – nicht unbedingt zur Freude ihrer Vorgesetzten. (Kommando Abstellgleis / von Sophie Hénaff; Buch + eBook)

Viel Freude beim Lesen.

hilda

Krimi, Thriller und Co.

Vor einiger Zeit habe ich euch schon einmal das Genre der Fantasyliteratur mit den verschiedenen Subgenres vorgestellt.

Nun werde ich mich heute mit einem anderen Thema bezüglich Genres beschäftigen, nämlich wo genau der Unterschied zwischen einem Krimi und einem Thriller besteht.

Ein Krimi beschäftigt sich in der Regel mit der Aufklärung einer schweren Straftat, wie etwa Erpressung oder Mord. Die Aufklärung wird übernommen von einem Ermittler, das kann sowohl ein Kommissar, ein Detektiv oder auch eine Privatperson sein. Dieser Ermittler findet im Verlauf des Krimis die Hintergründe der Tat und den Täter heraus.

Bei einem Thriller ist ein Hauptmerkmal, dass er kontinuierlich Spannung erzeugen soll, wie sich auch schon aus der Bezeichnung selbst entnehmen lässt (engl. thrill „Schauer, Erregung, Sensation“). Des Weiteren geht es hier nicht darum ein Verbrechen aufzuklären, sondern eher darum eines zu verhindern. Der Held rettet am Ende sich selbst oder auch andere vor einem Widersacher, wobei es auch vorkommen kann dass der Held dabei stirbt.

Ein bekanntes Subgenre ist der Psychothriller. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Beschreibung der Figuren und deren Psyche, bei einem normalen Thriller wird eher Wert gelegt auf die Beschreibung der Handlung. Thema des Psychothrillers ist häufig ein emotionaler Konflikt zwischen mehreren Personen oder auch innerhalb einer Person. Zudem werden bei Psychothrillern Vorgeschichten häufig ausführlich thematisiert.

Ich muss sagen, dass ich beide Genres sehr gerne lese. Mir gefallen zum Beispiel sehr die Krimis von Simon Becket rund um David Hunter oder auch die Reihe um Carl Morck von Jussi Adler Olsen. Genauso gerne lese ich aber auch all die Psychothriller von Sebastian Fitzek, bei denen ich mir immer wieder aufs Neue die Haare raufen könnte.

lga

Gregg Hurwitz: Orphan X

In diesem Thriller geht es um Evan Smoak. Er gehört dem Orphan-Programm an, einem geheimen Programm der Regierung, in dem Waisenkinder zu Killern ausgebildet werden. Die Aufträge, die er aber nie offiziell von der Regierung erhält, werden ihm irgendwann zu viel. Er wendet dem Programm den Rücken und widmet sich fortan dem Helfen Unschuldiger.

Seine Nachbarn wissen davon jedoch nichts, sie halten ihn für einen Vertreter. So macht ihm nicht nur sein neuster Fall, der aus dem Ruder zu laufen droht, zu schaffen, sondern auch dass Verheimlichen seiner wahren Aktivitäten vor seinen Nachbarn.

Mir hat das Buch richtig gut gefallen. Das liegt zum einen an dem sehr sympathischen Protagonisten. Auch wenn Evan ein Killer ist, hat er trotzdem ein gutes Herz und versucht immer das Richtige zu tun. Außerdem ist es sehr witzig, wenn er auf seine Nachbarn trifft, da er mit deren normalen Leben so gar nicht vertraut ist und somit auch manchmal etwas überfordert wirkt.

Auch die Nebenfiguren sind allesamt toll beschrieben. Ob sie jetzt nett, nervig oder böse waren, sie haben mich alle überzeugen können.

Daneben ist das Buch wirklich sehr spannend. Es gab immer wieder Kampfszene, welche gut und anschaulich beschrieben wurden. Aber auch Szenen, in denen Evan Recherchen am Computer anstellt oder Videoaufzeichnungen überprüft, haben zur Spannung beigetragen.

Bei uns ist das Buch in der eAusleihe zu finden

Zudem wusste man nie so richtig, wer Evans Gegenspieler eigentlich ist oder auch was hinter dem Ganzen steckt. Somit gab es zum Ende hin viele überraschende Wendungen und Auflösungen, mit denen ich so überhaupt nicht gerechnet hätte. Da am Ende auch nicht alle Fragen geklärt wurden und in der Danksagung etwas davon steht, dass Orphan X der Auftakt zu einer neuen Serien sei, freue ich mich jetzt schon sehr auf den nächsten Teil!

Insgesamt ein sehr gelungenes Buch, das mit tollen Charakteren und einer spannenden und wendungsreichen Handlung überzeugen kann.

lga