Familiensamstag / Jubiläum 10 Jahre am Neumarkt

Zusammen mit Euch möchten wir am 11. Juni gern 10 Jahre am Neumarkt feiern!

Von 11:00 bis 15:00 Uhr laden die Stadtbibliothek Bielefeld und das Stadtarchiv Bielefeld zu verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen ein. 

So lange der Vorrat reicht: Leckerer Platenkuchen und Getränke
Wann? Ab 11:00 Uhr | Wo? EG an der Haupttreppe

Unsere Bot-Familie stellt sich vor: Bee-Bots, Dash-Roboter, Ozobots & Co warten auf Euren Besuch. Für alle Neugierigen ab 4 Jahren. Ohne Anmeldung.
Wann? 11:00 – 15:00 Uhr, fortlaufend | Wo? EG vor der Bühne

Zusammen macht das Spielen Spaß: Der Verein Spielwiese lädt ein, neue und alte gute Brettspiele auszuprobieren! Für alle Spielfreudigen ab 4 Jahren. Ohne Anmeldung.
Wann? 11:00 – 15:00 Uhr | Wo? EG, Südlounge

Mal-Tisch für die Kleinen: Jetzt kann es bunt werden! Für alle kleinen Künstlerinnen und Künstler ab 0 Jahren. Ohne Anmeldung.
Wann? 11:00 – 15:00 Uhr | Wo? Kinderbibliothek

Das Bildarchiv Hermann Albrecht Insinger: Ein außergewöhnlicher Fotobestand stellt sich vor und lädt ein zur Zeitreise in die „Belle Époque“. Für alle Interessierten. Ohne Anmeldung.
Wann? 11:00 – 15:00 Uhr | Wo? 1. OG, Seminarraum

Großer Bücherflohmarkt: Romane, Kinderbücher und Sachliteratur. Für alle Lesebegeisterten ab 0 Jahren.
Wann? 11:00 – 15:00 Uhr | Wo? 1. OG, Ausstellungsfläche

Die eigene Familiengeschichte erforschen: Hilfsmittel und Quellen, die bei der Erstellung des eigenen Familienstammbaums helfen. Für alle Interessierten. Ohne Anmeldung.
Wann? 11:00 – 15:00 Uhr | Wo? 1. OG, Lesesaal des Stadtarchivs

Geschichtenzeit: Für alle, die gerne Geschichten lauschen. Ab 3 Jahren. Ohne Anmeldung.
Wann? 11:30 Uhr | Wo? 1. OG, Rotunde

Bibliotheksführung mit Magazinbesichtigung: 10 Jahre im neuen alten Haus am Neumarkt. Für alle Wissbegierigen ab 16 Jahren. Mit Anmeldung
Wann? 11:30 Uhr und 13:00 Uhr | Wo? Treffpunkt Empfangstresen

Die grosse Sauresani-Sause: Der Clown Rudolf gratuliert zum 10-jährigen Jubiläum mit einer Show in der Bibliothek! Für alle Leute von 4 bis 100 Jahren. Ohne Anmeldung.
Wann? 12:30 Uhr | Wo? EG vor der Bühne

Führung Stadtarchiv mit Magazinbesichtigung: Präsentation von Originalquellen zur Bielefelder Stadtgeschichte. Für alle Interessierten ab 12 Jahren. Mit Anmeldung.
Wann? 12:30 Uhr | Wo? 1. OG, vor der Ausstellungsfläche

Der Eintritt ist frei.

Eine Anmeldung ist teilweise erforderlich. Für die jeweiligen Veranstaltungen könnt Ihr Euch hier anmelden.

Den Veranstaltungsflyer erhaltet Ihr hier[PDF/1,17 MB].

Games On! wird Medienaktiv-Festival OWL 2022

Das Netzwerk Medienaktiv OWL lädt ein, um gemeinsam das erste Medienaktiv-Festival OWL in der Region zu feiern. In der Stadtbibliothek Bielefeld erleben Kinder, Jugendlichen, Eltern und andere Interessierte an zahlreichen Mitmachstationen Spiele-, Bastel-, Experimentier- und sonstige mediale Kreativangebote. Daneben werden Informationen zu Medienerziehung, Daten- und Verbraucherschutz gegeben.

Beim Medienaktiv-Festival OWL präsentieren sich Jugendeinrichtungen, Bibliotheken und Verbraucher*innenorganisationen, die sich im Netzwerk Medienaktiv OWL zusammengeschlossen haben. Sie stellen eine große Bandbreite an medienpädagogischen Methoden vor, die zeigen, dass Medienarbeit Spaß macht und Kreativität und Phantasie anregt. Medienkompetenz, eine der Schlüsselkompetenzen in zunehmend digitaler werdenden Zeiten, wird so nachhaltig Kindern und Jugendlichen vermittelt.

Hervorgegangen ist das Medienaktiv-Festival OWL aus den etablierten Familientagen Games On!, die an denselben Orten bereits seit 2012 jährlich durchgeführt wurden, den Fokus aber vor allem auf digitalen Spielen hatten. Mit dem neuen Festival ist schon im Namen erkennbar, dass medienpädagogische Angebote weit über digitale Spieleangebote hinausgehen. 

Unsere offenen Angebote:

  • mehrere Gaming-Konsolen
  • Mini-Games
  • Spiele testen
  • DIY-Geschicklichkeitsspiele
  • Passwort-Quiz
  • Bastelangebote
  • Infostände und Beratungsangebote

wann: 07. Mai 2022 | Beginn: 11.00 Uhr | Ende: 15 Uhr
wo: Stadtbibliothek Bielefeld

Der Eintritt ist frei | Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
In der Stadtbibliothek gilt die Maskenpflicht.

Vom Puzzle der Balken zum fertigen Fachwerkhaus

Wie baut man eigentlich ein Fachwerkhaus? Das haben 13 Kinder im Rahmen der Ferienspiele des Amts Heepen erkunden können. Die 8- bis 13-Jährigen haben an drei Tagen im Juli an dem Projekt „Fachwerkbau“ teilgenommen, das vom Heeper Heimat- und Geschichtsverein (HGV) und dem Förderverein zum Erhalt der Stadtteilbibliothek Heepen angeboten wurde.

Am ersten Tag des Projekts, das in der Alten Vogtei (passenderweise selbst ein altes Fachwerkhaus) stattfand, wurde gemeinsam in der Stadtteilbibliothek und im Archiv des HGV zu Fachwerkhäusern recherchiert. Die Kinder lernten spielerisch die Grundlagen des Fachwerkbaus – und damit auch Begriffe wie Pfette und Schelle, Rähm und Strebe – kennen.

Tag zwei brachte einen Exkurs zu römischen Zahlen mit sich, da die Holzbauteile im Fachwerkhaus mit römischen Zahlen gekennzeichnet sind. Die Kinder konnten mit viel Gelächter persönliche Tischkarten aus Holz mit Namen und römisch geschriebenem Geburtsdatum anfertigen. Beim Bau kleiner Modellhäuser wurden die am vorigen Tag gelernten Begriffe verfestigt. Ein Spaziergang mit dem Suchen von Fachwerkhäusern im Heeper Ortskern und etliche Spiele rundeten den Tag ab.

Abschluss des Projekts bildete am dritten Tag der Aufbau echter Fachwerkhäuser! Na gut, Miniaturfachwerkhäuser, aber das Prinzip konnten die Kinder so auch praktisch erfahren. Die Teile für die Fachwerkhäuser wurden im Vorfeld vom Handwerksbildungszentrum in Brackwede angefertigt. Unter der Leitung der Handwerksmeister Markus Ortmann und Lukas Kassing haben einige Auszubildende des ersten Lehrjahrs in Eigenregie Häuser geplant und die Balken vorgefertigt. Dabei wurden 2,3 Festmeter heimisches Holz verbaut. Das gesamte Holz hat die Firma Holzland Brinkmann in Brake großzügig gespendet und geliefert.

Die Kinder konnten in drei Gruppen jeweils ein Haus aufbauen – durch die gute Vorbereitung an den vorherigen Tagen ging das Ruckzuck. Eins darf nach einem Hausbau natürlich nicht fehlen: das Richtfest! Und so wurden noch Richtkränze gebastelt. Beim anschließenden Fest trugen die Kinder auch einen traditionellen Richtspruch vor.

Dann war es endlich geschafft! Stolz und mit viel Applaus ging es mit Kuchen von Bäckerei Wulfhorst und Bionade zum Richtschmaus. Als Ehrengäste konnten Holm Sternbacher, Herr Skarabis und Markus Ortmann vom Handwerks-Bildungszentrum begrüßt werden.

Ganz erledigt war die Arbeit damit aber noch nicht. Die Initiatoren Adelheid Speer, Anne Krüger-Gembus, Christian Gembus und Wilhelm Speer bauten am nächsten Tag die Häuser wieder ab und lagerten sie für den nächsten Einsatz bei Schulen, Stadtteilfesten und Ferienspielen ein, um auch in Zukunft die Frage, wie man eigentlich ein Fachwerkhaus baut, anschaulich beantworten zu können.

Geschichtenzeit

Die Geschichtenzeit in der Kinderbibliothek startet wieder! Ehrenamtliche lesen Geschichten für 3-6jährige Kinder und ihren Eltern. Es geht los am Samstag, 3.7., wie immer um 11.30 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Veranstaltung wird allerdings nicht wie gewohnt im Kinderzimmer stattfinden, sondern auf der Fläche vor der Bühne, dort haben wir ausreichend Platz, um genügend Abstand zu halten.

Faltkunst

Herzen, Hundepfoten, kurze Wörter, wie Lesen oder Danke, Katzen, Blumen – aus einfachen Buchseiten lassen sich – von leicht bis kniffelig – die schönsten Kunstwerke falten. Dazu braucht es auch gar nicht viel: ausgediente Bücher mit einer angemessenen Seitenzahl; sowie Bleistift, Lineal, Schere und Cuttermesser für die anspruchsvolleren Motive, die nicht nur gefaltet sondern auch ausgeschnitten werden.

In unserer FreitagsKreativReihe „Irgendwas is immer“ bieten wir seit einiger Zeit „Buchfaltkunst“ an. In dieser sind viele wunderbare Exemplare der oben genannten Motive entstanden. Die Vorlagen sucht überwiegend Christine Köhler als Leiterin der Veranstaltung aus. Manchmal bringen die Teilnehmer*innen aber auch eigene Ideen mit oder fragen gezielt nach Vorlagen.
Wie im Fall des Notenschlüssels. So wunderschön er aussieht, wenn er fertig ist, umso friemeliger ist aber der Weg dort hin: Denn die vielen Rundungen haben es in sich. Um diese hinzubekommen werden die einzeln Seiten nicht nur fein säuberlich gefaltet, sondern es wird auch sehr viel ausgeschnitten. Zu all dem Fingerspitzengefühl gehört aber auch noch ein großer Topf Geduld und Ausdauer. Denn auf Grund des Schwierigkeitsgrads ist es nicht gerade ein Projekt, das sich in einem Rutsch herstellen lässt. Rund fünf Stunden reiner Arbeitsaufwand sollten schon eingeplant werden.

Woher wir das wissen? Meine Kollegin Christine Köhler nimmt auch gerne die Herausforderung an und probiert die Ideen und Wünsche der Teilnehmer*innen oft auch selber aus. So war es auch bei dem Notenschlüssel. 🙂

Doch ich finde, Arbeit und Mühen haben sich in jedem Fall gelohnt. Und ein Plätzchen zum Verweilen hat der Notenschlüssel ebenfalls schon gefunden: Er ziert das Büro einer Kollegin und erfreut sie so gleichzeitig mit seiner Anwesenheit. Nur ab und an am Freitag muss er seinen Platz dort für ein paar Stunden verlassen – um sich bei „Irgendwas is immer“ zu präsentieren und vielleicht als Inspiration zu dienen.

 

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Ausgediente Bücher

Die Medien, die in unseren Regalen stehen, gehen durch viele Hände. Man kennt das vielleicht vom eigenen Lieblingsbuch, das man über die Jahre immer wieder liest und irgendwann ziemlich zerfleddert aussieht. Und was dann einfach kaputt ist, wo Seiten raus fallen, der Einband eingerissen ist, das landet in der Mülltonne.

Auch Bücher, die einfach nicht mehr ausgeliehen werden, kommen weg – was noch gut erhalten ist, landet im Keller, so dass wir es bei unserem hin und wieder stattfindenden Flohmarkt anbieten können. Momentan findet zum Beispiel unser Sommerflohmarkt auf der Ausstellungsfläche im 1. OG der Stadtbibliothek am Neumarkt statt. Noch bis zum 14.09.2019 könnt ihr dort Romane, Krimis, Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher und Filme ergattern.

Das Aussortieren macht auf jeden Fall Sinn. Was nicht mehr ausgeliehen wird, nimmt auf den Regalen nur Platz für neue Bücher weg, und was halb auseinander fällt oder durch fehlende Seiten nicht mehr vollständig ist, will verständlicherweise auch keiner mehr ausleihen.
Trotzdem war ich minimal verstört, als ich ganz am Anfang meiner Ausbildung das erste Mal Bücher makulieren, also aus dem Bestand aussortieren sollte. Bücher wegwerfen, das geht? Nach einer kleinen Überwindung landeten die kaputten Bücher dann also im Müll. Wenn ein Buch 100-mal oder mehr ausgeliehen wurde, hat es seinen Dienst ja auch erfüllt. 😉

Einige der Bücher haben aber auch das Glück noch ein zweites Leben als Dekoobjekt anzutreten. Wir bieten schon seit ein paar Jahren Veranstaltungen an, bei denen man in die Kunst des Buchfaltens einsteigen kann.

Dabei entstehen dann richtige Kunstwerke. Nur ein wenig Geduld braucht man, wenn man zwei-, dreihundert Buchseiten zu falten hat. 🙂

Die nächste Veranstaltung zum Buchfalten findet  am 20.09.2019 von 14:30 Uhr bis 17:30 Uhr statt. Eine frühzeitige Anmeldung ist durchaus zu empfehlen, da die Veranstaltungen immer gut ausgebucht sind. 🙂

lga

Bart Somers und Peter Zudeick

Bart Somers „Zusammen leben“ am 7.3. und Peter Zudeick „Heimat. Volk. Vaterland“ am 11.3.

Plakat zu den Veranstaltungen in der Stadtbibliothek bei den Aktionstagen gegen Rassismus 2019

Am 7. März kam Bart Somers, der Bürgermeister der belgischen Stadt Mechelen, auf unsere Literaturbühne. 2016 wurde er von der City Mayors Foundation zum „besten Bürgermeister der Welt“ ausgezeichnet; vor allem für sein erfolgreiches Integrationskonzept ist er berühmt und gefragt. Das ist auch das Thema seines Buches „Zusammen leben. Meine Rezepte gegen Kriminalität und Terror“ (Originaltitel: Samen leven. Een hoopvolle strategie tegen IS), in dem er sehr anschaulich und mit vielen Beispielen über seine Ideen und die Umsetzung in seiner Gemeinde erzählt.

Lesung und Podiumsgespräch mit Thomas Wolff (Vorleser des deutschen Textes), Bart Somers, Brenda Kreis (Übersetzerin) und Hidayet Tuncer (Moderator) (v.l.n.r)

Die gut zweistündige Lesung und Podiumsdiskussion begann Bart Somers mit einem sehr persönlichen Einstieg: Sein Onkel, der Lieblingsbruder seines Vaters, wurde 1944 in Paderborn beerdigt, er hatte für die Deutschen als Soldat gekämpft, aus Überzeugung als flämischer Patriot. Ein Jahr später verbrachten die Familienangehörigen einige Monate im Exil in Paderborn, weil sie fürchteten, in Belgien als Kollaborateure verurteilt zu werden. Das Bewusstsein über Radikalisierung und Kollaboration in seiner eigenen gutbürgerlichen Familie wurde Jahrzehnte später zur Motivation für das politische Engagement des 1964 geborenen Bart Somers.

Bart Somers liest in der Stadtbibliothek

In seinem Vortrag erklärte er, was für ihn gelebte Diversität bedeutet, warum er die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaates und die Einhaltung, notfalls auch Durchsetzung von Regeln, die für alle gleichermaßen gelten müssen, für eine Grundvoraussetzung hält: Ungerechtigkeit und Diskriminierung zerstören das Vertrauen. Wichtig sei der Kampf gegen Kriminalität, für Sauberkeit in den Stadtteilen und für eine Kultur der Bürgerschaft, an der sich alle Gruppen beteiligen können und sollen; alle sollen angesprochen werden, sollen gehört werden, aber auch selber zuhören. Freiheit sei nicht nur Anspruch, sondern auch Verantwortung. Wenn sich der Einzelne, egal welcher Gruppe er angehöre, als individueller Bürger und nicht als Klischee angenommen fühle, könne die Entmenschlichung durch die Radikalisierer und populistischen Verführer aufgebrochen werden.

Im Buch beschreibt der Autor viele Beispiele und persönlichen Erfahrungen. Seine Sprache ist verständlich und klar, ein gut lesbares politisches Buch. Doch noch mitreißender ist es, den charismatischen Bürgermeister selbst zu hören. Das Publikum wirkte an diesem Abend sehr konzentriert und nachdenklich.

Peter Zudeick kannte ich bisher vor allem durch seinen Satirischen Wochenrückblick, der mir – beim Autofahren gehört – schon so manchen fragenden Blick von Passanten an roten Ampeln eingebracht hat, weil ich lauthals lachend am Steuer sitze; und so manches Mal bleibt das Lachen auch im Halse stecken bei seiner politischen Satire – vielleicht auch nicht gut während einer Autofahrt. Aber ich schweife ab.

Heimat.Volk.Vaterland / von Peter Zudeick

 

Der Journalist Peter Zudeick kam am 11. März zu uns mit seinem Buch „Heimat. Volk. Vaterland : eine Kampfansage an Rechts“.

 

 

In ihrer Begrüßung erinnerte Angelika Teller an Victor Klemperer und sein wichtiges Werk „LTI : Notizbuch eines Philologen„, in dem der Sprach- und Literaturwissenschaftler bereits 1947 die Sprache des Nationalsozialismus und ihre Wirkungsmacht analysierte.

Peter Zudeick auf der Literaturbühne

Peter Zudeick möchte wenigstens einige Begriffe wieder aus dem Propaganda-Feld der Nazis zurückholen. Ganz im Sinne des Philosophen Ernst Bloch hinterfragt er „Heimat“, „Vaterland“ und „Volk“ nach ihrer ursprünglichen Bedeutung und versucht, diese Begriffe von ideologischer Vereinnahmung und Verkitschung zu lösen. Denn sie gehören zur emotionalen Grundausstattung vieler Menschen und: „Wir dürfen ihnen [den Rechten] nicht das Begriffs-Arsenal überlassen, mit denen das ‚Volk‘ für dumm verkauft werden soll.“ (Vorwort, Seite 15)

Unsere Kollegin Angelika Teller, die die beiden Veranstaltungen im Rahmen der Bielefelder Aktionswochen gegen Rassismus vorbereitet hatte, war selbst überrascht, wie gut beide doch eigentlich so unterschiedlichen Lesungen inhaltlich zusammenpassten und sich ergänzten.

Wer nicht zu den Veranstaltungen kommen konnte, kann aber natürlich noch nachlesen: die Katalogdaten zu den beiden Werken:

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Ankommen hat viele Seiten

Plakat zur Lesereihe „Ankommen hat viele Seiten“

Zu unserem buchstäblich vielseitigen Programm gehört die Interkulturelle Bibliothek mit Medien für Kinder in unserer Kinderbibliothek und für Jugendliche und Erwachsene im 1. Obergeschoss: mehrsprachige Bilderbücher, Sprachkurse zum Deutschlernen, Grammatik- und Wörterbücher, Lesebücher in Einfacher Sprache, Einführungen in das Miteinander-Leben in Deutschland und in Bielefeld speziell. Ein vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördertes Projekt ermöglicht es uns in diesem Jahr, viele neue Medien für diesen gefragten Bereich zu kaufen; wir arbeiten sie gerade ein.

Eine Lesereihe mit dem Motto „Ankommen hat viele Seiten“ soll jetzt das Projekt abschließen: eine Schriftstellerin und drei Schriftsteller, die uns mit ihren Büchern verschiedene Blickwinkel auf Migration und ihre Folgen für den einzelnen Menschen zeigen.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

 

Liliana Corobca liest aus ihrem Roman
Der erste Horizont meines Lebens

Donnerstag, 22. November, 19 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.00 Uhr
Moderation: Iulia Capros

Die zwölfjährige Cristina kümmert sich um alles: Sie kocht, putzt, füttert die Hühner und Schweine und ist Elternersatz für ihre jüngeren Brüder. Die Geschwister leben in einem Dorf in Moldawien, während die Mutter in Italien fremde Kinder hüten muss und der Vater in Sibirien arbeitet. Dabei ist Cristina eigentlich in Cousin Lucian verliebt, träumt vom ersten Kuss und einer besseren Zukunft. Eine einprägsame Geschichte in starken Bildern, geschildert aus der Sicht von Kindern, die am Rande von Mitteleuropa alleine zurückbleiben.

 

Firas Alshater liest und erzählt aus
Versteh einer die Deutschen! Firas erkundet ein merkwürdiges Land.

Freitag, 23. November, 19 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.00 Uhr

Firas Alshater ist ein ganz normaler Berliner mit Hipsterbart und Brille, ein Comedian und erfolgreicher YouTuber. Nur, dass er in Syrien für seine politischen Videos sowohl vom Assad-Regime als auch von Islamisten verhaftet und gefoltert wurde. Erst die Arbeit an einem Film erbrachte ihm das ersehnte Visum für Deutschland. Seitdem versucht er, uns zu verstehen. In manchen Fällen kann nicht mal Firas‘ Freund Jan großartig helfen – aber sie können gemeinsam lachen, über sich, alle anderen und die kleinen Sternstunden, die Deutsche und Nicht-ganz-so-Deutsche in ihrem gemeinsamen Land ja dann doch immer wieder erleben können. Wenn sie denn wollen. Firas Alshater studiert derzeit an der Filmhochschule in Babelsberg. Er glaubt unerschütterlich daran, dass Integration funktionieren kann.

 

Gemici

Bahattin Gemici liest aus dem Kinderbuch
Stefans Zuckerfest und Alis Weihnachten –
Stefan’ın Şeker Bayramı ve Ali’nin Noel’i.
Deutsch-Türkische Lesung.

Dienstag, 4. Dezember, 16.30 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Beginn: 16:30 Uhr

Durch Ali erfährt Stefan, dass Türken 30 Tage beim Ramadan fasten und anschließend das Zuckerfest feiern. Ohne es seinen Eltern zu erzählen, feiert Stefan heimlich mit Ali das Zuckerfest. Als das Weihnachtsfest vor der Tür steht, möchte Ali auch zu Hause Weihnachten feiern. Doch seine Eltern wehren sich. “Wir sind Muslime, wir feiern keine Weihnachten”, sagen sie. Aber Ali möchte unbedingt das Weihnachtsfest feiern. Ob es ihm gelingt?

 

Senthuran Varatharajah liest aus seinem Roman
Vor der Zunahme der Zeichen

Mittwoch, 5. Dezember, 19 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass 18.30 Uhr, Beginn 19 Uhr

Durch Zufall beginnen Senthil Vasuthevan und Valmira Surroi ein Gespräch auf Facebook. Er lebt als Doktorand der Philosophie in Berlin, sie studiert Kunstgeschichte in Marburg. Sieben Tage lang erzählen sie sich von ihrem Leben, ohne sich zu begegnen. Ihre Nachrichten handeln von ihren Familien, ihrer Flucht aus Bürgerkriegsgebieten, ihrer Kindheit im Asylbewerberheim und ihrer Schul- und   Studienzeit. Hochreflektiert schreibt Senthuran Varatharajah in seinem Debütroman über Herkunft und Ankunft, über Erinnern und Vergessen und über die Brüche in Biographien, die erst nach einiger Zeit sichtbar werden.

Hier der Link zum Veranstaltungsflyer.

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Literaturtage: Jakob Hein „Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Buchcover

Jakob Hein: Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Diese Geschichte ist wahr, obwohl sie kaum zu glauben ist. Während des ersten Weltkrieges schmiedet der Orientalist und Abenteurer Max Freiherr von Oppenheim unter der Ägide der deutschen Militärführung einen aberwitzigen Plan. Um die Kolonialmächte England und Frankreich zu schwächen, soll der türkische Sultan, milde gestimmt durch die feierliche Übergabe von 14 muslimischen Kriegsgefangenen, animiert werden, den Dschihad auszurufen. Diese „Orient-Mission“ wird dem jungen, tollkühnen Leutnant Stern übertragen. Er soll die Gefangenen heimlich im Balkanexpress von Berlin nach Konstantinopel bringen. Damit dieser bizarre Plan gelingt, verwandelt er die Häftlinge in eine illustre Zirkustruppe.

„Er deklarierte die Orientalen als Reit- und Trapezkünstler. Auf diese Weise konnte es den Grenzbeamten nicht einfallen, spontan von ihnen Kunststücke als Arbeitsnachweis einzufordern. Er selbst würde den Zirkusdirektor geben…“

Immer wieder wechselt der Autor die Erzählperspektiven von Stern über den Gefangenen Tassaout bis zum mitreisenden Gesandten Schabinger Freiherr von Schowingen.

Hein erzählt diese absurde, historisch belegte Geschichte mit viel Feingefühl, Witz und Humor und schafft es dabei, Bezüge zur Gegenwart herzustellen.

Er zeigt die verheerende Wirkung der Konstruktion von Feindschaft, ohne sich selbst darauf einzulassen. Dem Einzelnen Menschen, jedem, bleibt er freundlich gesinnt.
(Martin Hatzius, Neues Deutschland)

Jakob Hein, der auch als Psychiater arbeitet, hat sich in diesem Roman erstmals einem historischen Stoff zugewandt. Von ihm liegen bereits 14 Bücher vor, darunter „Herr Jensen steigt aus“, „Wurst und Wahn“ sowie „Kaltes Wasser“.

Montag, 29. Oktober, 19 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.00 Uhr
Moderation: Prof. Dr. Ludwig Huber
Musikalische Begleitung: Valentin Katter (Trompete / Flügelhorn), Alexander Lipan (Oud / Gitarre)
Eintrittspreis: 8,– €, ermäßigt 6,– €, Dauerkarte 50,– €

Ausleihhinweise zu Jakob Heins Werken findet Ihr hier. Zum gesamten Programm der Literaturtage geht es hier.