SchreibRaum 2021 – Abschlussveranstaltung

Auch diese Schreibwerkstatt musste wieder unter Corona-Bedingungen stattfinden, das bedeutete, sieben der insgesamt zehn Treffen mussten online stattfinden. Die meisten Teilnehmer*innen kannten das bereits vom Kurs 2020, der zudem mehrmals verschoben und unterbrochen werden musste. Das zumindest blieb uns in diesem Jahr erspart. Andrea Gehlen, Leiterin des Kurses, hatte sich auf alle Möglichkeiten bestens vorbereitet und die Jugendlichen waren ohnehin hoch motiviert.

Es existiert eine ausführliche Dokumentation über die 10 Termine des Workshops, wichtig für den Bericht an das Literaturbüro NRW, das diese Schreibwerkstatt für Jugendliche im Rahmen der Initiative SchreibLandNRW überhaupt erst möglich gemacht hat.

Der Höhepunkt war natürlich der Abschlussabend.

Einladungskarte
(c)Gehlen

Endlich konnten wir dazu auch auf die Literaturbühne, und die Teilnehmer*innen konnten ihre Texte vor Publikum präsentieren. Im Kurs hatten sie nicht nur mit verschiedenen Textaufgaben Kreatives Schreiben geübt, sie hatten sich nicht nur mit dem Beschreiben von Charakteren und dem Vermitteln von Stimmungen beschäftigt, über unterschiedliche Genre gesprochen, die großen Themen Liebe/Intrige sowie, auf Wunsch der Jugendlichen, das Böse und die bekanntesten literarischen Bösewichte behandelt.

Andrea Gehlen am Stehpult mit Mikrophon
Andrea Gehlen
Foto (c)Klaus Hansen

Andrea Gehlen hatte auch das Präsentieren der eigenen Texte zum Thema gemacht und Interviewfragen mit den Teilnehmer*innen vorbereitet. Wie engagiert die Leiterin des Workshops gegenüber ihren jungen Kolleginnen und Kollegen ist, war an diesem Abschlussabend schön zu sehen: Sie hatte für jeden Mitwirkenden Blumen mitgebracht. Und an der Art, wie sie jeden Autoren, jede Autorin ankündigte, war deutlich ihre Wertschätzung zu erkennen.

Schon bei der Begrüßung platzte sie voller Stolz mit einer großartigen Neuigkeit heraus: eine Teilnehmerin, Enni, hatte sich erfolgreich auf ein Stipendium beworben und einen von den fünf begehrten Plätzen bekommen; damit hat sie individuelle Förderung für ihr junges Talent gewonnen.

Nicht nur von dieser Jungautorin werden wir sicher dereinst mehr hören und lesen und dann sagen: Damals beim Workshop in der Stadtbibliothek konnten wir schon ahnen, dass da eine neue Generation Bielefelder Schriftkünstler*innen wächst.

Sieben der insgesamt neun Teilnehmer*innen lasen an diesem Abend ihre Erzählungen und Gedichte vor, zum Teil Übungstexte aus dem Kurs. Aber nicht nur: Eine Geschichte war sogar spontan unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung im Vorbereitungsraum entstanden, fast unglaublich, so ausgereift wirkte sie beim Vortrag wenige Minuten später.

Jugendliche mit OP-Masken unterhalten sich angeregt in einer bunt gestalteten Sitzecke
Die jugendlichen Autor*innen im Vorbereitungsraum
(eigentlich der Veranstaltungsraum der Kinderbibliothek)
Foto (c)Klaus Hansen

Die Erzählungen handelten von Mördern, Einbrechern oder von seltsamen alten Damen, es gab Liebeserklärungen, Beichten, Schmerz und Selbstzweifel, Allmachts- und Ohnmachtsgefühle, geschrieben als Thriller, fantastisch-gruselige Geschichte oder Innerer Monolog; angeregt waren sie durch das Hören von Klassischer Musik, durch Ovids „Metamorphosen“ oder eben Schreibübungen aus dem Kurs. Und dann gab es noch vegane Schildkrötensuppe, als Geschichte serviert natürlich. Übrigens live aus München, denn ein Kursteilnehmer war inzwischen für sein Studium dorthin gezogen und nahm nun per Livestream an der Lesung teil.

Bühnentechnik, im Monitor ist ein Teilnehmer zu sehen.
Equipment der Bühnentechnik, im Monitor Lars aus München
Foto (c)Klaus Hansen

Sieben sehr unterschiedliche Lesungen von sehr verschiedenen Schriftstellerpersönlichkeiten, jung und kreativ, angeleitet von der Bielefelder Schriftstellerin Andrea Gehlen. Das war ein erfolgreicher Kurs, alle Gäste der Veranstaltung konnten das hören.

Aber was mich am meisten beeindruckt hat: der Zusammenhalt und die gegenseitige Wertschätzung unter den Jugendlichen. Jeder freute sich für den anderen mit. Ich weiß nicht, ob da Freundschaften entstanden sind, aber diese gemeinsame Freude war mehr als nur kollegialer Respekt. Und mindestens so stolz wie die Eltern und Freunde zeigte sich die Workshopleiterin.

Alle Teilnehmer*innen
Alle Teilnehmer*innen und die Workshopleiterin auf der Bühne zum Schlussapplaus
Foto (c)Klaus Hansen

Und wir sind auch ein bisschen stolz, dass wir die Gastgeber für diesen tollen Kurs sein durften. Hoffentlich im nächsten Jahr wieder.

HilDa

Ergänzung: Dieser Beitrag erscheint zugegebenermaßen mit großer Verspätung (die Abschlussveranstaltung war bereits am 2. Juli). Aber das gibt mir Gelegenheit zu einigen wunderbaren Nachträgen:

  • Im Literaturmagazin „Tentakel“ wurde der Text „Phaetons Wagenfahrt“ von Finn veröffentlicht. Den Text hatte er auch am 2. Juli auf der Literaturbühne präsentiert.
  • Teilnehmerin Caroline hat für zwei ihrer Texte einen Buchpreis bei dem Bundeswettbewerb Treffen junger Autor*innen in Berlin gewonnen.
  • Wir planen auch für 2022 wieder eine Schreibwerkstatt für Jugendliche, voraussichtlich ab März; Arbeitstitel bisher: SchreibRaum 2022.
Logo von SchreibLand NRW 2021

Diese Werkstatt wurde gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen von SchreibLand NRW – einer Initiative des Verbands der Bibliotheken des Landes NRW und des Literaturbüros NRW.


„Das Leben ist mehr als …“

Das Leben ist mehr als … : Eine Fotoausstellung über Lesen, Schreiben, Leidenschaften – So das Motto der Ausstellung, die zurzeit noch im 1. Obergeschoss der Stadtbibliothek am Neumarkt zu sehen ist. Auf über 20 Tafeln sind jeweils vier Fotos zu sehen, die einmal das Portrait einer Person zeigen und dann eben diesen Menschen mit seinen Hobbys oder seiner Berufung: Was ist den Abgebildeten wichtig in ihrem Leben.

Es gehört zum Konzept der Fotoserie, dass die Hälfte der Personen Teilnehmer*innen eines Alphabetisierungsprogramms waren, die andere Hälfte nicht. Das wird nicht weiter aufgelöst und lädt zur Spekulation ein – und konfrontiert uns mit unseren eigenen Vorurteilen.

„6,2 Millionen deutschsprachige Erwachsene können gar nicht oder nur wenig lesen und schreiben. Sie scheitern an der Schriftsprache, haben aber trotzdem individuelle Interessen, Fähigkeiten und Leidenschaften. Sie meistern ihren Alltag und freuen sich an ihren Hobbys und Interessen.

Denn das Leben ist mehr als … Lesen und Schreiben.“

(aus dem Begleittext zur Ausstellung)

Beim Aufbau der Ausstellung haben wir bewusst nur die Wände zur Aufhängung gewählt und die Fläche frei gelassen, nur Sitzmöglichkeiten eingeplant. So kann man die einzelnen Fotos und Panels von nahem oder auch mit Abstand betrachten, man kann sie einzeln genauer auf sich wirken lassen oder den Zusammenhang sehen und Vergleiche ziehen.

Foto

Die Wanderausstellung ist nur wenige Wochen in Bielefeld zu sehen, Eröffnung war bereits am 4.11. Da die nächste Ausstellung schon am 8.12. folgt, wird „Das Leben ist mehr als …“ in der letzten Novemberwoche wieder abgebaut.

Die Ausstellung entstand in Kooperation der Volkshochschulen Bielefeld, Essen und Wuppertal/Solingen. Die Fotos machten die Essener Fotograf*innen Meike Altenkamp und Daniel Gasenzer.

Regal in der Bibliothek, es sind viele schmale Bücher zu erkennen. An der Stirnseite ein Schild "Großdruck, Einfache Sprache, Vorlesebücher"
Mehrere schmale Bücher stehen nebeneinander und haben den Aufkleber "Einfache Sprache"

Wir haben diese Ausstellung Marion Döbert von der VHS Bielefeld zu verdanken, mit der wir schon viele Veranstaltungen zu den Themen Alphabetisierung, Einfache Sprache und Lektüren für erwachsene Leseanfänger in der Zentralbibliothek durchführen konnten. Und so folgten wir auch ihrem Vorschlag, als wir einen eigenen Bereich „Lektüren in Einfacher Sprache“ bei den Romanen im Erdgeschoss eingerichtet haben. Zwar gab es Ähnliches bereits in der Sachgruppe Sprache (sogenannte Easy Reader gibt es in diversen Sprachen, auch bei Deutsch als Fremdsprache im Regal „Interkulturelle Bibliothek“), aber als eigener Bereich bei den Romanen erreichen wir noch andere Zielgruppen.

HilDa

Judith Hermann: Daheim

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

„…jeder Satz stimmt.

Ijoma Mangold

Roman "Daheim" von Judith Hermann mit Programmheft der Literaturtage Bielefeld 2021

Daheim. Ein Wort das Beheimatung und Geborgenheit suggeriert. Aber so richtig gemütlich wird es in dem gleichnamigen Roman von Judith Hermann nicht.

Die Ich-Erzählerin ist siebenundvierzig Jahre alt und geschieden. Sie hat eine erwachsene Tochter und lebt seit ungefähr einem Jahr allein in einem kleinen, maroden Haus an der Küste, gleich hinter dem Deich. Sowohl die Landschaft als auch die Gefühlswelt der Protagonistin zeichnen sich durch eine spröde Kargheit aus.

Dabei beginnt die Geschichte zauberisch. Die damals zwanzigjährige trifft in einer Tankstelle einen seltsam anmutenden Mann, der sich als Zauberer entpuppt und sie einlädt, mit ihr den etwas angestaubten Trick der „zersägten Jungfrau“ zu probieren. Dieses Kunststück soll auf einem Kreuzfahrtschiff mit dem Zielhafen Singapur vorgeführt werden. Doch sie, Bandarbeiterin in einer Zigarettenfabrik, lehnt überraschend ab.

Mit dieser Episode bereitet die Autorin das Motiv der Kiste, des Eingesperrtseins vor. Immer wieder wird dieser Gegenstand, in unterschiedlichen Varianten und Ausdeutungen, eine Rolle spielen.

Das überschaubare Figurenensemble besteht aus Menschen, die wie Strandgut an diesen Küstenstreifen gespült wurden. Da gibt es den angeberischen Bruder, die dissoziale Nike, den Ex-Ehemann und Messie Otis, die burschikose Mimi und deren überaus pragmatischen Bruder Arild, sowie ihre Tochter Ann, die irgendwo auf einem Schiff durch die Welt segelt. Allen gemeinsam scheint eine gewisse Verlorenheit, Unbehaustheit. Judith Hermann schreibt keine auserzählten Welten, sondern lässt vieles ungesagt und den Lesern damit viel Freiraum.

Judith Hermann lebt in Berlin und wurde durch ihren 1998 erschienenen Erzählungsband „Sommerhaus. später“ bekannt. Es folgten weitere Erzählbände und ein Roman. Für ihr Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen wie dem Kleist-Preis und dem Friedrich Hölderlin-Preis geehrt.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Judith Hermann im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Hier die Literaturliste als PDF:

Eine Auswahl Rezensionen und Gespräche über den Roman haben wir hier verlinkt:

  • Daheim sei „wahrscheinlich das beste Buch, das Judith Hermann geschrieben hat“, meint Christoph Schröder im Deutschlandfunk, hier.
  • „Das Bezwingende an Judith Hermanns schmalem Roman ist die Atmosphäre“, sagt Maike Albath in ihrem Beitrag für Deutschlandfunk Kultur, hier.
  • „Ein im literarischen Sinne des Wortes zauberhafter Roman“ – so Carsten Otte in seiner Buchkritik für SWR2, hier.
  • Judith Hermann habe „sich als Schriftstellerin neu erfunden“ titelt Carsten Otte dann sogar in der TAZ, hier.
  • Der Roman erzähle „von einer besonderen Gabe, die der Mensch besitzt: der Augenblickswahrnehmung“, meint Terrance Albrecht im WDR, hier.
  • Auch Roman Bucheli von der NZZ ist hingerissen, hier.
  • Ingeborg Jaiser sieht im online-Magazin TITEL-kulturmagazin Judith Hermanns Ruf als große zeitgenössische Erzählerin bekräftigt, hier.
  • In der 3Sat-Kulturzeit gab es einen 2-minütigen Filmbeitrag als Einführung zum Roman (in der Mediathek bis 19.05.2022), hier, und ein Gespräch mit Iris Radisch (ca. 5 Min.), hier.
  • Das lesenswert Quartett im SWR2 mit Denis Scheck, Insa Wilke, Ijoma Mangold und Antje Rávic Strubel lobt in seiner Runde den Roman einstimmig (Video in der SWR-Mediathek, ca. 11:30 Min.), hier.

Dienstag, 2. November, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Angelika Teller
Musikalische Begleitung: Nils Rabente, Flügel, Elmar Lappe, Schlagzeug, und Kevin Hemkemeier, Bass
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

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Es wird keinen Livestream zur Lesung geben.

Dante und seine Commedia

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

„Da war von Seufzen, Weinen, Wehgeschrei 
rings um mich her in sterneloser Luft 
ein Widerhall, dass mir die Tränen kamen.
 
Verschiedne Sprachen, fürchterliche Reden
und Worte, Ausbrüche von Schmerz und Wut
mit Stimmen scharf und dumpf, und Handgeklatsche“

(Inf., III, vv. 22-27)
Dante-Statue vor Santa Croce, Florenz, Enrico Pazzi, 1865

Auch in diesem Jahr findet auf der Literaturbühne der Stadtbibliothek Bielefeld in traditioneller Kooperation mit der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Bielefeld e.V. und unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Italienischen Republik wieder ein „Lesemarathon“ statt.

Im Rahmen der Feierlichkeiten, die anlässlich des 700. Todestages von Dante Alighieri 2021 ausgerichtet werden, steht im Mittelpunkt des Abends die erste Cantica seines weltberühmten Werkes „Die göttliche Komödie“, von der Jorge Luis Borges behaupten konnte, sie sei „das beste von Menschen geschaffene Buch“ überhaupt.

„Ich bin der Eingang in das ewige Leid“, „Tu, der du eintrittst, alle Hoffnung ab.“  So lautet die Inschrift auf dem Höllentor, das jeder durchschreitet, über den das Urteil ewiger Verdammnis gefällt wurde. Am 25. März 1300 – so datiert die Forschung – auf dem Höhepunkt seines Lebens, tritt der vom rechten Wege abgekommene Dante, vor Angst zitternd, lebend über die Schwelle jener Unheils-Pforte. Eine Reise ins Jenseits steht ihm bevor, die er dank seines Mentors und Wegbegleiters, des großen Vergil, übersteht. Wir begleiten ergriffen die beiden Dichter durch das Inferno und begreifen, warum über die Jahrhunderte Dantes Werk nichts von seiner Faszination verloren hat und warum sich so viele Künstler von ihm inspirieren ließen.

Kulturschaffende und Persönlichkeiten des öffentlichen Bielefelder Lebens lesen Passagen auf Deutsch (in der Übersetzung von Karl Vossler) und – in wenigen kurzen Auszügen – auf Italienisch.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Wir haben verschiedene Ausgaben der Commedia von Dante in unserer Bibliothek, hier. (Bitte beachten Sie, dass wir Bücher, die älter als 100 Jahre sind, nicht mehr ausleihen.)

Wir haben auch eine Literaturliste zu Dante und seinem Werk zusammengestellt:

Freitag, 29. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Dr. Maddalena Agliati Werner
Musikalische Begleitung: tricorder, Blockflöten
Der Eintritt ist frei.

In Kooperation mit der Deutsch-Italienischen Gesellschaft e.V., Bielefeld

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Lena Gorelik: Wer wir sind

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

„Ich erzähle eine Geschichte, die uns allen gehört, ich sammle Geschichten in meiner.“

Roman "Wer wir sind" von Lena Gorelik mit dem Programmheft der Literaturtage Bielefeld 2021

In Lena Goreliks Schreiben spielt die Frage der Identität immer wieder eine wichtige Rolle. In ihrem jüngsten autobiographischen Roman erzählt sie, wie sie als Elfjährige in den frühen 1990er Jahren mit ihren Eltern, ihrem Bruder und der Großmutter Sankt Petersburg verließ, um fortan in Deutschland zu leben. Ob die Familie dort im fremden Ludwigsburg auch eine ‚Heimat‘ gefunden hat, was dies überhaupt bedeuten mag und ob es letztlich auch so etwas, wie ein Ende der Migration geben könnte, all dies beschreibt Lena Gorelik in ihrem hochgelobten Roman «Wer wir sind» (2021). Sie erzählt davon, wie sich Fremdheit anfühlt und wie im fremden ‚Westen‘, dem einstigen Sehnsuchtsort, nun für die Eltern ihre Nostalgie für alles Russische erwächst. Der Roman zeigt Identität dabei als das, was gerade dann besonders drängend wird, wenn sie ihre Selbstverständlichkeit verliert und zugleich als etwas, das immer auch im Zwiespalt zwischen Stolz und Scham, Eigensinn und Anpassung, Fremdsein und allem Dazwischen anzusiedeln ist.

Lena Gorelik, 1981 in Sankt Petersburg geboren, kam 1992 mit ihren Eltern nach Deutschland. Ihr Roman «Hochzeit in Jerusalem» (2007) war für den Deutschen Buchpreis nominiert, der viel­gelobte Roman «Mehr Schwarz als Lila» (2017) für den Deutschen Jugendbuchpreis. Regel­mäßig schreibt Lena Gorelik Beiträge zu gesellschaftlichen Themen, u.a. für die «Süddeutsche Zeitung» oder «Die Zeit». Sie lebt in München.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Lena Gorelik im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Hier die Literaturliste als PDF:

Einige Rezensionen und Interviews haben wir hier verlinkt:

  • Sigrid Löffler besprach den autobiografischen Roman für den Deutschlandfunk Kultur, hier.
  • Ebenfalls im Deutschlandfunk Kultur ist ein Gespräch mit Christine Watty auf dem Blauen Sofa nachzuhören (ca. 18 Min.), hier.
  • Einen kurzen Filmbeitrag gibt es in der BR Mediathek, Kulturmagazin puzzle: Interview moderiert von Özlem Sarikaya (ca. 10 Min.), hier.
  • Ein „Roman wie ein Webteppich“ mit der Sprache als Hauptfigur – schreibt Franziska Wolffheim für den Tagesspiegel, hier.
  • Holger Moos schrieb für das Goethe-Institut über den Roman, hier.
  • Noch einmal ein Interview auf dem Blauen Sofa: Joachim Dicks interviewte für ARD-Forum, mdr (ca. 25 Min.; Video verfügbar bis 30.05.2022) hier.

Donnerstag, 28. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Saskia Fischer
Musikalische Begleitung: Henning Rice, Flügel und Valentin Katter, Trompete und Gesang
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bielefeld

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Hilmar Klute: Oberkampf

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

Hilmar Klute erzählt beeindruckend die Geschichte einer spektakulären Desillusionierung – mit einem Knalleffekt-Ende, das einen lange nicht loslassen wird.  

(Anja Höfer, SWR2)

Roman "Oberkampf" von Hilmar Klute, Galiani-Verlag, Berlin

Der Titel des Buches „Oberkampf“ entlehnt sich dem Namen einer Pariser Metrostation. Gelegen im 11. Arrondissement, einem lebendigen Quartier, in dem sich die Pariser und Touristen zum Feiern treffen. Es gibt zahllose Cafés und Restaurants, Konzerthallen und Museen. Dorthin verschlägt es den Mittvierziger Jonas Becker. Er ist in diese Stadt gekommen, um ein Buch über einen mehr oder minder berühmten Schriftsteller zu schreiben und um aus seinem bisherigen Leben zu flüchten, einem gescheiterten Startup-Unternehmen, einer schon lang erloschenen Liebesbeziehung.

Kurz nach seiner Ankunft wird in diesem Viertel das Attentat auf die Redaktion der Satire Zeitschrift „Charlie Hebdo“ verübt. Dabei werden zwölf Menschen getötet und mehrere verletzt. Paris steht unter Schock. Bei einer spontanen Demonstration sieht er die junge Französin Christine wieder, die er an seinem ersten Abend in der Stadt kennengelernt hat. Sie werden ein Paar und Jonas erlebt, nicht zuletzt durch sie, wie die Menschen versuchen, diese Ungeheuerlichkeit zu bewältigen und sich ihr Leben zurückzuholen.

Gleichzeitig trifft er sich regelmäßig mit dem Autor Richard Stein, der ihn schon früh fasziniert hat. Die Begegnungen mit dem 86jährigen charismatischen, aber auch selbstverliebten Mann werden nach und nach unbehaglich. Denn Stein versteht es, seinen Biographen wie eine Spinne in sein Netz zu locken.

Hilmar Klute ist Streiflicht-Kolumnist der SZ, hat eine Biographie über Joachim Ringelnatz „War einmal ein Bumerang“ geschrieben und 2018 sein vielbeachtetes Romandebüt „Was dann nachher so schön fliegt“ veröffentlicht. Er lebt in Berlin.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Hilmar Klute im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Hier die Literaturliste als PDF:

Einige Rezensionen haben wir hier verlinkt:

  • Anja Höfer, SWR, meint „Klute setzt den schweren Stoff mit Leichtigkeit und Humor um“, hier.
  • Hannes Krauss, literaturkritik.de, lobt Klutes „originelle Milieuschilderungen und präzise Dialoge“, hier.
  • In der ARD-Kultursendung ttt-titel, thesen, temperamente gab es einen Filmbeitrag (ca. 6:20 Min.; nur noch bis zum 23.11.2021 in der Mediathek), hier.
  • Hilmar Klute im Gespräch mit Joachim Scholl im Deutschlandfunk Kultur, hier.

Dienstag, 19. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Angelika Teller
Musikalische Begleitung: Thomas Schweitzer, Saxophon
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

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Hans-Ulrich Treichel: Schöner denn je

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

Eine durchaus psychoanalytische Lektüre, geprägt vom unverwechselbar trockenen Humor Hans-Ulrich Treichels. (…) Das alles liest sich herrlich …

(Claudia Ingenhoven, MDR)

Roman "Schöner denn je" von Hans-Ulrich Treichel, Suhrkamp-Verlag

Das ambivalenter Verhältnis zweier Männer beschreibt der 1952 in Versmold geborene Schriftsteller, Germanist und ehemalige Direktor am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, Hans-Ulrich Treichel, in seinem neuen Roman „Schöner denn je“: Während Erik Filmarchitekt in der glamourösen Welt Hollywoods ist, arbeitet Andreas, der Ich-Erzähler, als Fachdidaktiker für Französisch im ummauerten Westberlin. Immer wenn letzterer in die Lebenswelt Eriks eintaucht, spürt er seine vermeintlichen Defizite. Einmal so wie Erik sein, das hat sich Andreas Reiss sehnsüchtig gewünscht und sich von ihrer gemeinsamen Schulzeit an um eine Freundschaft mit dem zwar stets höflichen und gelassenen, aber letztlich unnahbaren Erik bemüht.

Was letztlich der Grund für Eriks beneidenswertes Lebensgefühl war, wusste ich nicht. Dazu ließ er mich nicht nahe genug an sich heran. Er war freundlich, er war kameradschaftlich, aber jeder wirklich engeren Verbindung wich er aus. Ich hätte einiges darum gegeben, sein bester Freund zu sein. Oder auch nur sein zweit- oder drittbester.

Erik ist gut in der Schule, aber kein Streber, hat Chancen bei den Mädchen, besitzt schon ein Auto, und seine dichten Haare sehen einfach lässig aus, Andreas dagegen fühlt sich eher wie der Typ Buchhalter mit seinen früh sich abzeichnenden Geheimratsecken:

Er war der Star und ich der Fan.

Nach dem Abitur in der norddeutschen Provinz werden die zwei nach Berlin ziehen, verlieren sich aus den Augen, dennoch kann Andreas nicht aufhören, den Schulfreund, den er einen „Wettbewerber des Lebens“ bezeichnet, zu idealisieren, wobei diese Konkurrenz, von der Erik nichts ahnt, meist zu seinen, Andreas‘ Ungunsten ausfällt. Zu einer filmreifen Dreiecksgeschichte wird die Beziehung zwischen den beiden Ungleichen mit dem besonderen Verhältnis des Ich-Erzählers zum Filmstar Hélène Grossmann, für die er seit Jugendjahren schwärmt, die aber offensichtlich auch eine besondere Verbindung mit Erik unterhält. Als Andreas ein paar Tage mit der prominenten Dame verbringt, die quasi von der Leinwand zu ihm herabsteigt, und sich damit zwischen  Erik und der berühmten Schauspielerin stellen kann, hält er sich für „auserwählt“ , bis die Illusionsblase platzt und er sich mit seiner Mittelmäßigkeit zufrieden geben muss

„Schöner denn je“ ist eine lakonisch-komische Geschichte von Freundschaft und Sehnsucht.  Und Andreas Reiss ist einer dieser typischen Treichel-Helden, mit dem der Romancier die Untiefen im Alltag der Gegenwart auslotet. Aber auch für diejenigen, die psychoanalytischen Deutungen zugetan sind, hat der Roman einiges zu bieten.

Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Hans-Ulrich Treichel hat als Lyriker und Prosaautor ein umfangreiches Werk geschaffen, bekannt wurde er vor allem mit den Romanen „Der Verlorene“ (1998) und „Tristanakkord“ (2000). Zuletzt erschien seine Erzählung „Tagesanbruch“ (2016).

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Hans-Ulrich Treichel im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Aber wir haben auch eine Literaturliste als PDF:

Hier einige Links zu Rezensionen über „Schöner denn je“:

  • Aus der Rezension von Claudia Ingenhoven, MDR Kultur, stammt das Zitat zu Beginn dieses Beitrags, hier.
  • Hilmar Klute nennt in der SZ das Buch „einen leichten und doch auch geheimnisvollen kleinen Roman“ und bescheinigt ihm „eine perfekte Dramaturgie“, hier.
  • Jörg Magenau betont im Radiobeitrag des Deutschlandfunk Kultur vor allem die Komik in der „grotesken Beziehungskomödie“: „Verbergen und Vorzeigen, Verrätseln und Enthüllen: Das sind die immanenten Themen dieses Romans.“ hier
  • Peter Mohr nennt im Rezensionsforum literaturkritik.de den Roman traurig-komisch, hier.
  • Judith von Sternburg erklärt in der Frankfurter Rundschau, dass dem Autor ein Paradoxon gelingt: eine uninteressante Hauptfigur erlebe gerade mal halbwegs Interessantes – und das Buch darüber „gelingt ausgezeichnet“, hier.
  • Carsten Otte zeigte sich in seiner Rezension für den SWR etwas enttäuscht im Gegensatz zu den älteren Romanen des Autors, hier.

Freitag, 15. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Dr. Maria Kublitz-Kramer
Musikalische Begleitung: Henning Rice, Flügel und Ismail Özgentürk, Saxophon
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit der Literarischen Gesellschaft OWL

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Andreas Platthaus: Lyonel Feininger

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

„In Feininger spiegelt sich die Zeit“.

Sachbuch "Lyonel Feininger: Porträt eines Lebens" von Andreas Platthaus

Was wissen wir eigentlich über Lyonel Feininger? Viele hängen die Reproduktionen seiner intuitiv als schön wahrgenommenen kristallinen Gemälde in ihre Wohnungen: nur Dekoration? Zum 150. Geburtstag des herausragenden Künstlers Lyonel Feininger zeigt uns Andreas Platthaus den enorm vielfältigen Ausnahmekünstler der Klassischen Moderne. Wir folgen seinem wechselhaften 84jährigen Lebensweg: in New York geboren und dort zu einem Bankier in die Lehre gegeben, als 16jähriger von den Eltern zum Musikstudium nach Deutschland geholt, glücklicherweise dann der eigenwillige Wechsel zum Kunststudium.

Andreas Platthaus ist einer der besten Kenner der Mediengeschichte des Comics, zu deren frühen Höhepunkten Feininger wesentlich beitrug. Heute ist er der einflussreiche Literatur-Ressort-Leiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Schwerpunkt dieses einzigen Sachbuchs, das in unseren Literaturtagen vorgestellt wird, liegt aber bei Feiningers prägendem Einfluss als Meister des Bauhauses. Aus der Analyse von hunderten, bisher nicht in dieser Form aufgearbeiteten Briefen Feiningers wird erstmals verständlich, warum er es als „Unpolitischer“, so beschrieb er sich selbst, vier Jahre im tausendjährigen Reich aushielt, trotz der bedrohlichen Lage für seine Ehefrau, der jüdischen Künstlerin Julia Berg. Dabei war er bereits zum Ende des Ersten Weltkriegs als „feindlicher Ausländer“ diffamiert worden. Als 66jähriger, international vernetzter Künstler ging er, der nie seine US-Staatsbürgerschaft aufgab, erst im Juni 1937 zurück in seine Geburtsstadt, wo sich das Willkommen der Kunstwelt für ihn allerdings sehr in Grenzen hielt. Das Portrait eines Künstlerlebens, präzise recherchiert, leicht erzählt.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Andreas Platthaus im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Literaturlisten zu den Büchern von Andreas Platthaus und zu Lyonel Feininger:

Im Feuilleton gab es einige Besprechungen und Interviews, hier ein paar Links:

  • „Ein Maßstäbe setzendes Buch“ sagt Eva Hepper im Deutschlandfunk Kultur hier.
  • Harald Eggebrecht hebt in der SZ besonders hervor, dass der Autor der Biographie auch „von der dunklen, egomanen Seite des Grafikers und Bauhaus-Meisters“ erzähle, hier.
  • Auch Stefanie Leibetseder lobt im online-Rezensionsforum Literaturkritik.de einen detaillierten und vor allem „einen wohltuend kritischen Blick“, den Andreas Platthaus auf Feininger werfe; hier.
  • Auf dem Blauen Sofa sprach Thorsten Jantschek für Deutschlandfunk Kultur mit dem Autor über sein Buch, hier.

Mittwoch, 13. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Dr. Udo Witthaus
Musikalische Begleitung: Dr. Djamilija Keberlinskaja-Wehmeyer, Flügel
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

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Felicitas Hoppe: Fieber 17 / Die Nibelungen

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

Gestern, endlich, die erlösende Nachricht aus dem Labor. Ich bin nicht bloß müde. Ich bin tatsächlich krank. Und plötzlich erklärt sich alles von selbst.

Fieber 17

Ich wurde verschickt. An einem Sonntagmorgen ging es an der Hand des Vaters erstmals zum Bahnhof. Abenteuer, Sand und Strand wurden versprochen. Ich war Fünf und hatte bloß Asthma. Plötzlich war ich im Zug umzingelt von Wärterinnen, die behaupteten, „Tanten“ zu sein, die für Ordnung sorgten. Später im Kinderkurheim: Ohrfeigen und Morgenappell. Verspottung die Nichtschwimmer am Strand. Pflichtbewusste Wärterinnen, durch und durch lieblos. Nach Hause geschickt wurden fröhliche Ansichtskarten: Mir geht es gut – wie geht es Euch. Als das Kuscheltier eines Nachts verschwindet, taucht erstmals das eigenartige Fieber auf, das das kleine Halborgan, das man früher Seele nannte, befallen hatte.

Äußerst kompakt wird so, mit autobiografischen Anklängen, vom Anfang ihres Lebens als Reisende erzählt – und zugleich vom Trennungstrauma, das Millionen verschickte Nachkriegskinder hierzulande erlitten haben. Es ist eine alptraumhafte Geschichte vom wirklichen Leben, flankiert von einem Essay über die Kindheit und dem vergeblichen Versuch, endlich erwachsen zu werden. Und natürlich ist es wieder ein sprachliches Meisterwerk der Büchner-Preisträgerin, die soeben für „ihren feinen Humor als Haltung zur Welt“ in Kassel ausgezeichnet wurde.

Zudem präsentiert Felicitas Hoppe ihren neuesten Roman: „Die Nibelungen: Ein deutscher Stummfilm“. Das erste gesamteuropäische Heldenepos, ein unschlagbar guter Stoff, so sagt Hoppe, sei der Ausgangspunkt. Was Quentin Tarantino und der deutsche Stummfilm damit zu tun haben, wird die 1960 in Hameln geborene Autorin von „Picknick der Friseure“, „Johanna“ und „Prawda“ uns live erzählen.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Felicitas Hoppe im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Eine Literaturliste als PDF haben wir auch:

Der Roman „Die Nibelungen“ wurde im Feuilleton besprochen, einige Rezensionen haben wir verlinkt:

  • Juliane Bergmann für NDR-Kultur spricht von einem „sprudeligen Feuerwerk“, mit dem Buch gelinge ein „witziges und kluges Experiment“ (hier)
  • Angela Gutzeit im SWR sieht in dem Roman eine „kapitalismuskritische, gleichzeitig aber auch ungemein unterhaltsame Deutung (…) voller sprachlicher Raffinesse, Witz, Verspieltheit und feiner Ironie.“ (hier)
  • Tilman Spreckelsen lobt in der FAZ, die Autorin habe „zu unserem Glück den Nibelungen-Schatz gehoben und ihn sich zu eigen gemacht, um ihn verwandelt zurück in die Welt zu schicken.“ (hier)
  •  Im Rezensionsforum literaturkritik.de glaubt Sascha Seiler am Ende seiner Besprechung, der Roman „wäre ein würdiger Sieger“ des Deutschen Buchpreis 2021. (hier)
  • Carsten Otte titelt in der TAZ, Felicitas Hoppe habe „die Nibelungensaga furios neu geschrieben“. (hier)

Auch zu „Fieber 17“ hier einige Besprechungen und Gespräche mit der Autorin:

  • Svenja Frank ordnet im Rezensionsforum literaturkritik.de die Erzählung und den Essay in das bisherige Werk der Autorin ein. (hier)
  • Judith von Sternburg ist in der FR fasziniert, „wie geschwind und freundlich und keineswegs aufdringlich die Büchnerpreisträgerin Hoppe Gewissheiten aus den Angeln hebt“, wenn sie „die fast tückische Frage nach der glücklichen oder unglücklichen Kindheit“ stelle. (hier)
  • Im Podcast des BR kann man noch bis zum 22.4.2022 eine Autorenlesung mit Gespräch (Redaktion und Moderation: Cornelia Zetzsche) (29 Min.) anhören. (hier und einführenden Text hier)
  • Auch im WDR gab es ein Gespräch mit der Autorin (13 Min.). (hier)

Die Website der Autorin findet Ihr hier.

Freitag, 8. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Klaus-Georg Loest
Musikalische Begleitung: Reinhold Westerheide, Gitarre
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit dem Verein der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, e.V.

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Zora del Buono: Die Marschallin

Literaturtage Bielefeld 2021
„Vom Wunsch anzukommen“

Einen lebenssatteren Roman mit interessanteren Figuren kann man derzeit kaum finden.

Elke Heidenreich

Zora del Buono schreibt über Zora del Buono. Aber sie schreibt nicht über sich, sondern über ihre gleichnamige Großmutter – die Marschallin! Den Namen bekam diese für ihre Verehrung des Marschalls Josip Broz Tito. Gleichzeitig spiegelt diese Titulierung auch ihre herrische Seite wieder, denn Zora del Buono war eine streitbare, eine widersprüchliche Frau. In ihr vereinten sich ganz unterschiedliche Begabungen und Eigenschaften. Sie war klug und kühn, eigenwillig und charismatisch, großzügig und gleichzeitig beängstigend. Geboren wurde sie vor dem ersten Weltkrieg in einem kleinen Ort in Slowenien. Dort lernte sie ihren späteren sizilianischen Ehemann, den Radiologie-Professor Pietro del Buono kennen. Sie folgte ihm nach Bari in Italien. Dort führten die beiden, obgleich überzeugte Kommunisten, ein großbürgerliches Haus mit Angestellten, großen Gesellschaften und einer angeschlossenen Privatklinik. Zora rieb sich an ihrer tradierten Frauenrolle, wollte nicht ausschließlich Mutter sein, wollte gestalten. So entwarf sie die eigene Villa – modern und schnörkellos, verbündete sich während des Krieges mit Partisanen, leistete vehementen Widerstand gegen Mussolinis Faschismus, dominierte das Leben ihrer Brüder und drei Söhne. Gleichzeitig war das Schicksal dieser unbeugsamen Frau geprägt von entsetzlichen Verlusten. Es scheint, als läge ein Fluch über der Familie und damit nicht genug, auch ein fatales Familiengeheimnis.

Zora del Buono ist Schriftstellerin, Architektin und Mitbegründerin der Zeitschrift „mare“. Sie lebt in Zürich und Berlin.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Zora del Buono im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.

Eine Literaturliste als PDF haben wir auch:

Die web-Adresse von Zora del Buono findet Ihr hier.

Der Roman wurde oft im Feuilleton besprochen, einige Rezensionen haben wir verlinkt:

Im Literaturclub des SRF-Kultur diskutierten vier Literaten am 6.10.2020 über den Roman; mit einer kurzen Lesung durch den Schauspieler Thomas Sarbacher. (Video, insgesamt etwas mehr als 11 Minuten)

Marie Sagenschneider interviewte die Autorin auf dem Blauen Sofa des ZDF am 16.10.2020 (Video, 16 Minuten; in der Mediathek nur noch verfügbar bis 16.10.2021).

Dienstag, 5. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Angelika Teller
Musikalische Begleitung: Valentin Katter, Gesang und Trompete; Leon Brames, Schlagzeug; Milan Böse, Bass
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit dem Verein der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, e.V.

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