Vorlesetipp: Die Tiefseetaucherin

Ein Sachbuch als Vorlesetipp ist vielleicht ungewöhnlich. „Die Tiefseetaucherin“ erzählt aber auch eine Abenteuergeschichte, die Entdeckungsreise mit dem kleinen U-Boot Ulf bis zur tiefsten Stelle im Ozean. Die junge Entdeckerin ist das Mädchen Juli, nicht älter als die Zielgruppe dieses Kinderbuches: Jungforscher und Forscherinnen zwischen 6 und 10 Jahren. Da kann der eine oder die andere ja auch schon selber lesen, benötigt aber vielleicht noch etwas Unterstützung.

Bilderbuch "Die Tiefseetaucherin"; das Cover zeigt eine bunte Grafik mit einem tauchenden Mädchen inmitten einer lichtdurchfluteten Unterwasserszene mit Korallen, einer Qualle, einigen Fischen und einigen roten Krakenarmen, die hinter einem Felsen hervorkommen.

In einem Sachbuch erwartet man natürlich Wissen und Informationen. Hier geht es um die großen Ozeane und vor allem das, was bisher noch ziemlich unbekannt ist: die Tiefsee, ein Lebensraum, der uns fremder ist als die Mondoberfläche.

Von Doppelseite zu Doppelseite geht es tiefer hinab. Juli begegnet dabei ganz unterschiedlichen Lebewesen: Wale und ihre verschiedenen Jagdmethoden, Riesenkraken, die sogar mit zehn Armen winken können, Blobfische, die fast ganz aus Gelee bestehen und vieles mehr. Wir erfahren etwas über die Meeresverschmutzung und ihre Folgen. Und wusstet Ihr, dass in 8.000 Meter Tiefe ein Wasserdruck herrscht, als würden 1.600 Elefanten auf dem kleinen U-Boot stehen? Vor allem aber sehen wir die Schönheit und die skurrilen Lebensformen unter Wasser.

Für uns, die wir kein U-Boot haben, wird diese geheimnisvolle Welt sichtbar gemacht durch die Illustratorin Iris Ott. Überwiegend naturalistisch, kindgerecht und mit kräftigen Farben lässt sie uns die Unterwasserwelt miterleben. Text und Grafik erklären und laden zum eigenen Entdecken in den großformatigen Bildern ein. Da kommt man beim Vorlesen vielleicht auch schnell zum Fabulieren und Selbsterfinden von Abenteuern in der Tiefsee. Und spätestens da hat man sicher alle Kinder mit im (U-)Boot. 😉

Eine eigene Tiefseefahrt „buchen“ könnt Ihr mit unserem ganz neuen Exemplar in der Kinderbibliothek, Katalogdaten hier.

HilDa

Buchtipp: Louise Erdrich

GRENZEN|LOS|LESEN
USA

In meiner Jugend habe ich gerne Abenteuerliteratur gelesen. Ja, ich war Karl-May-Fan. Geblieben ist ein Interesse an indigenen Völkern und ihren Geschichten; ich lese ab und zu gern literarische Werke von Schriftsteller*innen aus den Kulturen selbst. Richard Wagamese habe ich hier bereits zweimal vorgestellt (Das weite Herz des Landes, Der gefrorene Himmel). Jetzt wird es Zeit, über Louise Erdrich zu sprechen. Ein Buch von ihr hatten wir schon mal im Blog (Ein Lied für die Geister).

Als ich im letzten Frühjahr Der Nachtwächter beim Buchhändler meines Vertrauens kaufte, rief der an der Kasse verzückt: „Ah, Erdrich, unsere Lieblingsschriftstellerin!“. Bisher hatte ich immer das Gefühl, niemand in meinem durchaus belesenen Umfeld kennt die amerikanische Autorin. Und jetzt diese enthusiastische Empfehlung nicht nur für das aktuelle Buch, sondern das Gesamtwerk! Nun, ein Punkt mehr für meine Lieblingsbuchhandlung. 😉

Roman "Der Nachtwächter" von Louise Erdrich. Aufbau-Verlag

Der Nachtwächter stand kurz darauf auf der SWR-Bestenliste, Literaturkritik und Feuilleton sind voll des Lobes. Und dann erhielt der Roman 2021 auch noch den Pulitzerpreis. Trotzdem bleibt Louise Erdrich hierzulande wohl sowas wie ein Geheimtipp.

So hat 2019 die ARD mit großem Aufwand den Roman The Master Butchers Singing Club verfilmt, ein Zweiteiler, von dem man sich offenbar viel versprochen hatte: Der Club der singenden Metzger. Nun, in der etwas verdrucksten Werbung zum Film kamen die literarische Vorlage und der Name der Autorin fast gar nicht vor. Wobei ich zu der Verfilmung selbst nichts weiter sagen kann, die habe ich nämlich verpasst. Aber ich könnte mir vorstellen, dass viele Zuschauer nach der Ankündigung eines Historiendramas rund um deutsche Auswanderer in den amerikanischen Westen so etwas wie eine Wild-West-Romanze erwartet hatten. Hm, der Filmkritik entnehme ich, dass es ganz so schlicht wohl nicht ist. Schaut selbst, wir haben die DVD. Und den Roman natürlich auch (englisch und deutsch): hier.

2 Romanausgaben und DVD der Verfilmung: "Der Club der singenden Metzger"

Bei meinem ersten Roman von der Autorin vor vielen Jahren hatte ich auch etwas ganz anderes erwartet und die Lektüre nach den ersten Seiten wieder abgebrochen. Mein zweiter Versuch traf dann aber genau meinen Geschmack, obwohl auch Die Krone des Kolumbus so ganz anders war. Der Roman erschien 1991 passend zum Kolumbus-Jahr und den 500-Jahr-Feiern zur „Entdeckung“ Amerikas – aber Louise Erdrich und ihr damaliger Ehemann Michael Dorris hatten einen Gegenentwurf zur US-patriotischen Feierstimmung im Sinn. Ihre Protagonisten haben wie sie indigene Wurzeln und sind Intellektuelle, die das Leid der amerikanischen Urbevölkerung als Folge des Rassismus der Eroberer und des europäischen Kolonialismus herausstellen wollen.

Zum Inhalt: Während ihr Geliebter an einem Epos schreibt, stößt die Halb-Indianerin Vivian zufällig in einer Bibliothek auf ein mysteriöses Manuskript aus der Zeit des Kolumbus, in dem von einem kostbaren Geschenk an den König des „indischen“ Heidenvolkes die Rede ist. Es beginnt eine Schatzsuche mit allem, was in Indianer-Jones-Manier dazu gehört, nur dass hier eine zerstrittene Familie im Wettlauf mit Verbrechern und Geschichtsverdrehern nach dem Geheimnis und der historischen Wahrheit sucht, Ehestreitigkeiten, Generationskonflikt und Teenager-Krisen inklusive, mal witzig, mal hochliterarisch und politisch, mal spannend wie ein Thriller. Mir gefiel die krude Mischung damals. An einigen Stellen könnte der Roman heute allerdings schon etwas angestaubt wirken (über Milli Vanilli lacht heute niemand mehr, oder).

Roman "Die Krone des Kolumbus" von Michael Dorris und Louise Erdrich. Rowohlt-Verlag

Vielleicht stelle ich mal noch weitere Romane von Louise Erdrich in eigenen Blog-Artikeln vor. Aber kommen wir endlich zu meiner aktuellen Lektüre: Der Nachtwächter.

Ein bigotter Politiker will die Bewohner des Chippewa-Reservats mit einem neuen „Terminierungsgesetz“ angeblich emanzipieren – ein Euphemismus für die ewig gleiche alte Geschichte: Den Ureinwohnern soll schlicht ihr Land weggenommen, ihre Gemeinschaft aufgelöst werden. Thomas ist der Sprecher der Chippewa-Gemeinschaft, einer der wenigen Männer mit einem festen Job. Seine Nachtwachen im einzigen Fabrikgebäude des Reservats nutzt er, um die Gesetzentwürfe zu studieren und Strategien zu entwickeln. Es geht um die Zukunft des Volkes, um den Erhalt der Kultur.

Inmitten der weiß-amerikanischen Welt werden die Chippewa wie Fremde im eigenen Land behandelt. Im Reservat leben sie auf dem kargen Boden ärmlich, die meisten sind arbeitslos und abhängig von den staatlichen Leistungen, die dem Stamm zustehen. Alkohol zerstört die Familien, viele Chippewa sprechen kaum Englisch – was für eine Chance haben sie gegen die US-amerikanische Politik und Bürokratie. Auf Thomas lastet eine große Verantwortung.

Die jungen Menschen, die es in die Stadt zieht, sei es der Liebe wegen, um dort Arbeit zu finden oder weil sie an Sportwettkämpfen teilnehmen, gehen nur allzu oft verloren. Die Familie von Patrice zum Beispiel vermisst die älteste Tochter Vera. Patrice nimmt also Urlaub und wagt sich in die Stadt, wo sie bizarres und auch beängstigendes erlebt. Patrice ist die zweite Hauptfigur des Romans. Sie ist noch sehr jung, aber auch sie ist die einzige in ihrer Familie mit geregeltem Einkommen. Während sie gern mehr über Liebe und Sex erfahren möchte, scheint die vermisste Schwester bereits die schlimmsten, schier unaussprechlichen Erfahrungen gemacht zu haben. Zumindest deuten das die Träume an.

Wie immer bei Louise Erdrich sind da viele Sippen und Generationen, die miteinander in Verbindung stehen, und auch Ahnen und andere Geister mischen mit. Doch der im Wesentlichen linear erzählte Roman liest sich trotz der Perspektivwechsel leicht und klar. Auch die Selbstverständlichkeit, mit der das Magische immer wieder in die Handlung eingreift, verstört die europäische Leserin nur kurz.

Roman "Der Nachtwächter" von Louise Erdrich

Louise Erdrich hat mit diesem Roman ihrem eigenen Großvater und seinem Engagement für den Stamm und das Reservat ein Denkmal gesetzt – und uns das Denken, die Gefühle, den Alltag und einige Traditionen, aber auch die Diversität der Menschen aus dem Chippewa-Volk näher gebracht, ebenso die Tristesse und die Gemeinschaft im Reservat. Das hat so gar nichts von den hierzulande so beliebten idealisierenden, oft auch esoterisch angehauchten Naturvolk-Stereotypen.

Louise Erdrich ist zweifellos eine der ganz großen der amerikanischen Literatur. Wer sie noch nicht für sich entdeckt hat – Der Nachtwächter ist ein guter Einstieg in ihr Werk. Sowohl sprachlich als auch von seiner Struktur und Personenkonstellation her ist der Roman nicht so kompliziert wie einige andere Erzählungen der Autorin.

Große Empfehlung.

HilDa

Buchtipp: The President is missing

Das Buch hat es in sich. Man muss schon politisch interessiert sein um durchzuhalten. 🙂 Aber wie soll es auch anders sein, wenn Bill Clinton mit James Patterson ein Buch schreibt… 😉

Der Inhalt kurz und knapp:

Präsident Jonathan Duncan hat ein Problem. Eine Superhackerin hat ein Virus programmiert, das auf die gesamte Infrastruktur des Landes abzielt. Außerdem droht ihm ein Amtsenthebungsverfahren und es scheint einen Verräter in seinem engsten Beraterkreis zu geben.

Leider hat man beim Lesen manchmal das Gefühl, es geht wieder nur um „America first“. Hmpf. Auch muss der arme Präsident irgendwie immer selber auf die Lösung der Probleme kommen, trotz eines Teams, welches vor Intelligenz nur so strotzt. Natürlich spielt der Terrorismus eine Rolle, auch die Beziehung des Landes zu seinen Veteranen wird kurz angerissen.

Mich hat vor allem der Aspekt des Virus interessiert. Denn es ist schon erschreckend, wie abhängig wir vom Internet sind. Die beiden Autoren beschreiben ganz gut, was passiert, wenn das Virus sozusagen „los gelassen“ wird und was für Möglichkeiten es geben könnte, es zu stoppen. Nun könnte man meinen, das FBI und die CIA müssen doch „nur“ die Programmiererin fassen. Leider wurde diese bei einem Attentat getötet. Der Präsident hat deshalb ihren Freund Augie, eine Gruppe sehr intelligenter junger Computer-Genies und sich selbst in ein Safe House gebracht – dort müssen sie zeigen, was sie können. Und das ist eine Menge. Aber wird es reichen?

Wer wissen möchte, was im Weißen Haus so vor sich geht und wie streng alle möglichen Sicherheitsprotokolle eingehalten werden müssen, für den ist das Buch sicherlich interessant. Ansonsten könnte es leicht langatmig werden. Mir hat es aber gefallen 🙂 Hier geht es zu den Katalogdaten…

kwk

Buchtipp: „Trauer ist das Glück, geliebt zu haben“

Chimamanda Ngozi Adichie ist eine der bekanntesten Autorinnen der zeitgeschichtlichen Weltliteratur, vor allem durch ihren internationalen Bestsellerroman „Americanah“ von 2013 (deutsch 2014). Sie gilt als eine der wichtigsten afrikanischen Stimmen.
Dieser kleine autobiographische Band (Originaltitel „Notes on grief“, übersetzt von Anette Grube) ist sicher ihr persönlichstes Buch. Es handelt von Trauer, speziell ihren eigenen Gefühlen nach dem Tod ihres geliebten Vaters, ein sehr emotionaler Essay über unbändigen Schmerz, liebende Erinnerung und Familienanekdoten. Viele Facetten der Trauer.

Buch "Trauer ist das Glück geliebt zu haben" von Chimamanda Ngozi Adichie. S.Fischer-Verlag

Adichie beschreibt ihre Gefühle und ihre Überlegungen dazu sehr offen, drastisch und schonungslos gegen sich selbst. Ich finde es bemerkenswert und war beim Lesen sogar erleichtert, wie da jemand auch über die Wut in der Trauer schreibt und seinen Schmerz buchstäblich herausschreit – und damit ein kleines Tabu bricht. Es ist die Wut über den unerbittlichen Tod, über verpasste Momente und das, was nun unausgesprochen und unbeantwortet bleiben muss.

Große Trauer ist etwas, was uns meist verstummen lässt, teils weil uns die Worte fehlen, teils weil wir verdrängen wollen. Trauer in unserer Kultur ist eher still, einsam und sie soll nach einer gewissen Zeit wieder überwunden sein, damit man weiter im Alltag funktioniert. In anderen Kulturen geht man durchaus anders mit Trauer um, zum Beispiel auch in der Igbo-Kultur.

Chimamanda Ngozi Adichie ist wortgewaltig, sie lässt nicht nur ihren Gefühlen freien Lauf; sie analysiert sich dabei gleichzeitig selbst. Sie schreibt in ihrem Aufsatz auch über ihre Familie und den unterschiedlichen Umgang mit der Trauer, über kulturelle Bedeutungen, über die Bürokratie rund um den Tod insbesondere in Zeiten einer Pandemie. Und über die gutgemeinten Ratschläge und Floskeln der Freunde, die nicht immer hilfreich sind, aber vielleicht erst später nachwirken.

Das ist sicher kein Buch, das ich einem trauernden Menschen unmittelbar empfehlen würde. Aber mit gewissem zeitlichen Abstand fand ich es befreiend, dass hier auch über die krassen Gefühle geschrieben wird. Ein wuchtiges kleines Buch.

Die Katalogdaten hier.
In der Psychologie-Untergruppe Mcl 33 findet Ihr noch mehr Medien zum Thema Trauer/Trauerbewältigung.

HilDa

Buchtipp: „Tagebuch eines Buchhändlers“ von Shaun Bythell

Kuriose Mitarbeiter, unverschämte Kunden, Wasserrohrbrüche, verschwundene Kater, Buchfestivals – Shaun Bythell hat so einiges aus seiner Buchhandlung zu berichten. Die trägt den zwar nicht kreativsten aber bestimmt treffendsten Namen: The Bookshop. Also Die Buchhandlung.

Seine Buchhandlung für gebrauchte Bücher befindet sich in der schottischen Stadt Wigtwon, auch bekannt als „Scotlands National Book Town“. Neben Shauns Buchhandlung gibt es dort noch viele weitere und ein jährliches Buchfestival. The Bookshop ist die größte Secondhand Buchhandlung in Schottland.

In seinem Tagebuch berichtet er für ein Jahr aus seinem Arbeitsalltag. Er erzählt von den Menschen, die ihm Bücher verkaufen wollen und aus welchen Beweggründen sie das tun. Wir lernen seine etwas kuriose Mitarbeiterin Nicci kennen, die gerne mal Shauns Ordnung der Bücher durcheinander bringt. Immer wieder gibt es auch neue und ehemalige Mitarbeiterinnen oder Praktikanten, die durch Shauns Buchhandlung streifen. Und natürlich die Kunden. Arbeit mit Menschen ist etwas echt tolles, zumindest mache ich das bei uns in der Bibliothek sehr gerne. Aber: es gibt halt auch diese Leute, die es einfach drauf haben, einem den Tag zu vermiesen. Man sollte das gar nicht so an sich ran lassen. Den ganzen Tag hatte man nur Kontakt zu netten Menschen und dann kommt ein Miesepeter, und das ist der einzige, an den man sich erinnert. Shaun beschreibt diese Leute mit sehr trockenem Humor (der sich eh durch das ganze Buch zieht) und man kann sich nur mit ihm über Kunden amüsieren, die um jeden Euro feilschen, Bücher aus Regalen ziehen, um scheinbar größtmögliches Chaos zu hinterlassen oder ihn nach Büchern fragen, die sie dann offensichtlich im Anschluss lieber bei Amazon bestellen. In diesen Beschreibungen blitzt wohl eine etwas misanthropische Haltung durch. 🙂

Bibliothekare sind leider auch nicht seine Lieblingsmenschen – die stempeln Bücher, kleben Signaturen und Barcodes auf ansonsten schöne Einbände oder bekleben sie gleich ganz mit schmutzabweisenden Folien. Für eine Secondhand-Buchhandlung nicht der idealste Buchzustand, da muss ich ihm Recht geben. 😉

Amazon ist auch so ein Lieblingsthema von Shaun. Irgendwie ist er darauf angewiesen, aber sein Verhältnis zum großen A zeigt sich ganz gut durch eine Trophäe, die er in der Buchhandlung aufgehängt hat: ein wortwörtlich erschossener Kindle.

Ganz nebenbei berichtet Shaun uns von seiner jeweils aktuellen Lektüre. Da verbirgt sich noch der ein oder andere Literaturtipp, den man gerne mitnimmt.

Shaun durch das Jahr in seiner Buchhandlung zu begleiten, war ein sehr unterhaltsames Unterfangen. Mittlerweile hat er sogar noch weitere Bücher geschrieben. Bisher ist jedoch nur das hier vorgestellte ins Deutsche übersetzt, da muss ich mir die anderen vielleicht mal im Original besorgen.

Das Buch könnt ihr bei uns in der Onleihe oder vor Ort ausleihen.

lga

Buchtipp: Sein oder Nichtsein

1999. Ein Jahrhundert endet, ein berühmtes Tragödien-Schauspiel soll in einer unkonventionellen Inszenierung neu entstehen. Einer der bekanntesten Regisseure im deutschsprachigen Raum will es noch einmal wissen: Peter Zadek inszeniert mit über 70 Jahren „Hamlet“. Zusammen mit einem handverlesenen Ensemble will er an seine Bochumer Erfolge in den 70ern anknüpfen. Damals (1977) spielte Ulrich Wildgruber den Hamlet, eine legendäre Inszenierung, noch immer unvergessen. Diesmal will Zadek Angela Winkler in der Titelrolle. Und dann sind noch weitere große Namen dabei: Hermann Lause, Eva Matthes, Otto Sander, Uwe Bohm, … .

Klaus Pohl, der Horatio, schreibt Tagebuch, die Grundlage für seinen Roman zwanzig Jahre später.

„Von dieser abenteuerlichen Expedition in ungewöhnlicher Besetzung erzähle ich hier anhand meiner Tagebücher aus jener Zeit in wohltemperierter dichterischer Freiheit.“

(Seite 10)

Ein Roman also, doch im wesentlichen nicht fiktiv.

Roman "Sein oder Nichtsein" von Klaus Pohl. Galiani-Verlag, Berlin

Peter Zadek weiß ganz genau, was er will – wenn er nicht mal eben alles bisher gesagte umschmeißt und genau das Gegenteil verlangt: zum Beispiel das Bühnenbild, plötzlich wünscht er es weiß, kaum dass der zuvor abgesprochene schwarze Anstrich getrocknet ist. Seine Wünsche gehören sofort umgesetzt. Keine Diskussionen, wenn „der Zampano“ will! Der große Zadek treibt sein Ensemble erbarmungslos durch quälende Proben.

Uli Wildgruber hadert mit seinem Alter, mit seinem künstlerischen Anspruch und mit der Demütigung, dass ausgerechnet eine Frau die Hauptrolle spielen soll; er selbst wäre doch trotz seines Alters, ja, gerade wegen seiner Reife der ideale Hamlet – und er wird nicht müde, das auch alle wissen zu lassen. Angela Winkler hadert mit dem Text, sie will den Hamlet nicht, immer wieder entflieht sie den Proben. Und treibt alle anderen Beteiligten in den Wahnsinn. Aufstand. Es wird viel geschrien, deklamiert, mit Abbruch gedroht. Alles ist hoch emotional. Doch davon abgesehen wollen alle unbedingt Teil des großen Geniestreichs werden, nichts weniger wird erwartet.

So entwickelt sich also Kunst? Es ist schon ein Heidenspaß, das zu lesen, nimmt aber auch ein wenig die Illusion von der reinen Kunst und vom Kollektiv eines Ensembles. Und wenn Zadek alle zusammenstaucht oder Wildgruber monologisiert oder Lause grummelt – also ich musste das laut lesen und brüllen, bramarbasieren, grummeln. Hoffentlich haben da die Nachbarn nicht mitgehört.😏

Die Probenbühne in Luxemburg, wo Peter Zadek alle Beteiligten versammelt, wird zur Großen Bühne für gleich mehrere exaltierte Persönlichkeiten; gespielt wird Shakespeare – und Das-Wunder-wie-aus-dem-Chaos-Kunst-entsteht.

Klaus Pohl gelingt ein hinreißender Roman nicht nur für Theaterfreunde. Und ein bitter-süßer Abgesang auf das Regietheater und seine alten Stars, auch eine schöne Hommage an den sensiblen Berserker Ulrich Wildgruber, der 1937 in Bielefeld geboren wurde und auch hier beerdigt ist.
Unsere Katalogdaten findet Ihr hier.

HilDa

Buchtipp: „Mein Onkel, den der Wind mitnahm“ von Bachtyar Ali

Grenzen|los|lesen
Irak, Kurdistan

Schon vor einigen Jahren hatte mich ein Roman von Bachtyar Ali fasziniert, obwohl ich auch zugeben muss, dass ich die symbolträchtigen Bilder und vor allem die alptraumhaften Szenen nicht immer verstehen konnte („Der letzte Granatapfelbaum“, der Blogbeitrag dazu hier). Die neue Erzählung ist kurz und klingt schon im Klappentext märchenhaft.

Roman "Mein Onkel, den der Wind mitnahm" von Bachtyar Ali. Unionsverlag

Djamschid Khan verliert im Gefängnis so sehr an Gewicht, dass er leicht wie Papier vom Wind davon geweht werden kann. Das verhilft ihm zur Flucht, doch diese seltsame Eigenheit bestimmt nun sein Leben. Und auch das des Ich-Erzählers, der als ungebildeter Jugendlicher zu einem der Beschützer und Seilträger seines außergewöhnlichen Onkels Djamschid bestimmt wird. Es wird seine Lebensaufgabe, seinen Onkel am Boden zu halten – und ihm mit Hilfe von Seilen auf Wunsch das geliebte Fliegen zu ermöglichen. Doch diese Kunst bleibt nicht lange geheim, das Militär hat größtes Interesse an Djamschid als „Geheimwaffe“ zur Aufklärung an der Front und so müssen der fliegende Onkel und seine jugendlichen Begleiter, die im Führen der Seile geübt sind, im grausamen Iran-Irak-Krieg ihren Dienst tun. Als Djamschid im Einsatz abstürzt, verliert er sein Gedächtnis und auch sein Charakter verändert sich. Iranische Gefangenschaft, Flucht in die kurdischen Berge, die trügerische Hoffnung auf ein normales Leben mit einer geliebten Ehefrau, das Exil in der Türkei als erfolgreicher Fluchthelfer, eine Odyssee durch Europa, die Demütigungen als Showattraktion, … . Immer wieder ist es der Ich-Erzähler, der den Onkel sucht oder in den Himmel starrend auf ihn wartet, wenn er mal wieder vom Wind weit fortgetragen wurde und irgendwo in der Welt abgestürzt ist. Der junge Mann und die Heimat Kurdistan sind wie Anker, zu denen der Onkel auch nach neuerlichem Gedächtnisverlust und vielen Irrungen wieder zurückfindet, denn an eines erinnert er sich immer: „Ich bin Kurde und kann fliegen“.

Eine märchenhafte Erzählung voller Rätsel, Abenteuer und Symbolik, aber ganz klar im zeitgeschichtlichen Umfeld von 1979 bis fast in unsere Gegenwart verortet: Iran-Irak-Krieg, die Willkür unter Saddam Hussein, Bürgerkrieg in Kurdistan, Flüchtlingsschicksale und Schlepper-Kriminalität.

Im Nordirak geboren (1966), lebt Bachtyar Ali bereits seit Mitte der 1990er Jahre in Deutschland. Er schreibt auf Kurdisch (Sorani), übersetzt wurde die Erzählung von Ute Cantera-Lang und Rawezh Salim. Die Romane von Bachtyar Ali werden dem Magischen Realismus zugeordnet, bei uns bekannter durch die lateinamerikanischen Vertreter dieser Richtung. Diese Erzählung kann man auch gut verstehen, ohne viel über kurdische Kultur zu kennen. Auch große Kenntnisse über die Nahost-Geschichte der letzten 40 Jahre sind nicht unbedingt nötig.

Ein guter Einstieg in das Werk dieses Autoren, der zur Weltliteratur zählt.

Unsere Katalogdaten zu den Werken von Bachtyar Ali findet Ihr hier, die Detaildaten zur neuen Erzählung hier.

Viel Freude beim Lesen.
HilDa

Buchtipp: „Frau Shibatas geniale Idee“ von Emi Yagi

Im Blog Literarische Abenteuer bin ich kürzlich auf das Buch Frau Shibatas geniale Idee der Japanerin Emi Yagi gestoßen.

Unsere alleinstehende Protagonistin, Frau Shibata, ist gefangen in einem einengenden Büroalltag. Vor allem ihre männlichen Kollegen scheinen das Problem zu sein. Obwohl sie genug mit ihrer eigentlichen Arbeit zu tun hat, ist immer sie es, die Kaffee für Besprechungen kochen muss, die Küche aufräumen, den Müll entsorgen oder Geschirr wegräumen soll. Weil sie eine Frau ist und für die Männer in ihrem Büro selbst Instant-Kaffee zu kochen scheinbar eine nicht zu meisternde Aufgabe darstellt.

Die Arbeitstage werden immer länger und diese auf sie abgeladenen Aufgaben immer lästiger. Bis ihr aus einer Eingebung die geniale Idee kommt. „Ich kann nicht.“, sagt sie dem Abteilungsleiter, als sie wieder einmal anderer Leute benutzte Kaffeetassen aufräumen soll. „Ich bin schwanger.“. Und sogleich passiert es – sie darf pünktlich Feierabend machen und wird vom ewigen Kaffeekochen befreit. Man nimmt plötzlich Rücksicht auf sie. Weil eine Frau in der japanischen Gesellschaft erst geschätzt wird, wenn sie schwanger wird? Also ihren eigentlichen Zweck erfüllt?

Frau Shibata lädt sich eine Schwangerschafts-App herunter und verliert sich immer mehr in der Vorstellung schwanger zu sein, sie stopft sich etwa den Bauch aus oder meldet sich für einen Aerobic-Kurs für Schwangere an. Und irgendwann spürt sie sogar eine Bewegung in ihrem doch eigentlich kinderlosen Bauch. In Kapiteln, die nach den einzelnen Schwangerschaftswochen unterteilt werden, folgen wir Frau Shibata durch ihre oft surreal anmutende „Schwangerschaft“.

Gefallen hat mir auch der von subtilem Humor begleitete Blick in die japanische Gesellschaft. Dahingehend fand ich auch schon Die Ladenhüterin von Sayaka Murata sehr interessant, dass ich vor einiger Zeit bei uns in der Onleihe als Hörbuch gehört habe. Auch dort geht es um eine alleinstehende Frau, die – allerdings auf andere Weise – den Druck der Gesellschaft zu spüren bekommt.

Das Buch habe ich mir über die Fernleihe bestellt, da wir es nicht in unserem Bestand haben. Wir haben zwar schon Unmengen an Büchern aber natürlich können wir nicht alles vorhalten. Für solche Fälle gibt es die Fernleihe. Hier könnt ihr nach einer Anmeldung mit euren Zugangsdaten (Ausweisnummer und Passwort) nach Medien, die ihr bei uns nicht findet, recherchieren und Titel bestellen. Wir beschaffen dann das gewünschte Buch aus einer anderen Bibliothek in Deutschland. Plant etwas Zeit ein, eine Bestellung kann ein bis zwei Wochen dauern und kostet 3 €.

lga

Vorlesetipp: Der etwas andere Nikolaus

Ja, das ist ein Buch passend für die Adventszeit, denn die Handlung spielt rund um den Nikolaustag. Aber es ist kein Weihnachtsbuch im engeren Sinne, denn wenn man Nikolaus heißt, ich ja eigentlich jeder Tag ein Nikolaustag. 😉 Und für Bielefelder ist das Bilderbuch noch mal besonders interessant, darum der Vorlesetipp auch außerhalb der Weihnachtszeit:

Nikolaus ist der Name eines weißen Hahns, der von seinem Besitzer einfach ausgesetzt wurde, weil er keine Eier legen kann. Nun irrt der einsame Vogel durch die Stadt und sucht eine neue Aufgabe, denn nur wenn er nützlich ist, so glaubt er, wird er ein neues Heim finden. Also will er es der Maus gleichtun, doch er passt nicht durch das Schlupfloch. Auch beim Wetterhahn auf dem Kirchturmdach findet er keine Antwort, denn der ist aus Kupfer und ganz platt und stumm. Der seltsame Mann mit rotem Mantel und langem Bart, der den Kindern auf dem Weihnachtsmarkt so viel Freude bringt, könnte ja vielleicht einen neuen Helfer brauchen. Doch Nikolaus der Hahn ist viel zu schwach, um den großen Sack mit den Geschenken seines menschlichen Namensvetters zu tragen.

So zieht der arme Vogel hinaus aus der Stadt und entdeckt einen Hof, der ihm heimelig vorkommt. Er sucht sich einen Unterschlupf, wo er vorerst gegen Schnee und Kälte Schutz findet.

Der nächste Morgen ist der 6.12., Nikolaustag. Eine Schar Hühner findet den Hahn – und sie heißen den Heimatlosen willkommen. Er muss nichts mitbringen, keine besonderen Fähigkeiten vorweisen, keine außergewöhnliche Aufgabe übernehmen: Er kann einfach so bleiben, denn der Hof ist ein Gnadenhof, auf dem verstoßene Tiere ein Zuhause finden. Ab und zu krähen wäre schön und vor Greifvögeln warnen – ja, das kann Nikolaus. Endlich hat er ein schönes neues Heim und neue Freunde gefunden.

Die Aussage der Geschichte passt in jede Jahreszeit: Du musst nichts Besonderes leisten, du darfst einfach sein wie du bist, und du bist willkommen. Trotz des vorweihnachtlichen Rahmens kann man das zu jeder Zeit vorlesen.

Das Bilderbuch hat noch eine andere Botschaft: Den weißen Hahn namens Nikolaus gibt es nämlich wirklich; er fand an einem Nikolaustag zum Begegnungs- und Gnadenhof Dorf Sentana bei Bielefeld und erhielt so seinen Namen. Niemand weiß, woher er kommt, denn ein echter Hahn kann seine Lebensgeschichte ja nicht erzählen.

Also erfanden Christiane Wittenburg und die Illustratorin Linda Mieleck diese Bilderbuch-Geschichte. Das Buch soll auch Werbung für das Dorf Sentana machen und um Spenden für den Gnadenhof werben. Übrigens: Nicht nur der Hof ist in der Nähe von Bielefeld, auch der Verlag CalmeMara hat in unserer Stadt seinen Sitz. Und die Künstlerin Linda Mieleck ist ebenfalls Bielefelderin. Da empfehlen wir das schön gemachte Kinderbuch doch besonders gerne.
Unsere Katalogdaten findet Ihr hier.

HilDa

Buchtipp: „Landnahme“ von Sara Paretsky

Sara Paretsky und ihre Hauptfigur, die Detektivin V. I. Warshawski, waren Ende des letzten Jahrhunderts der Krimi-Tipp, vor allem – aber bei weitem nicht nur – für weibliche Thrillerfreunde. Doch dann gab es lange keine neuen deutschen Übersetzungen ihrer Romane, die älteren Titel sind meist nicht mehr lieferbar. Ich dachte, die Bestsellerautorin schreibt nicht mehr und ist in Vergessenheit geraten. Doch die Serie mit Vic Warshawski ging originalsprachig weiter, die Detektivin löst inzwischen ihren 20. großen Fall und kämpft nicht nur gegen die üblichen Schurken, sondern auch mit immer deutlicher spürbarem „Rost in den Gelenken“. Endlich vor drei Jahren lag da wieder ein „neuer“ Warshawski beim Buchhändler meines Vertrauens, genauer ein Titel, der im Original bereits 2013 erschienen war: „Critical Mass“ (deutsch „Kritische Masse“. 2018). Im letzten Jahr kam „Landnahme“ heraus (Original: „Dead Land“. 2020). Eigentlich hatte ich mir den Krimi zum Geburtstag selbst geschenkt 🙂 , bin aber erst am Ende des Jahres zum Lesen gekommen.

Roman "Landnahme" von Sara Paretsky

Vic Warshawski könnte man beschreiben als eine Mischung aus Philip Marlowe und Bruce Willis (á la John McClane in „Die Hard“), nur in weiblich, gebildet und bei aller Härte auch einfühlsam. Wenn sie sich an einem Fall festgebissen hat, ruht sie nicht und riskiert alles, um die Wahrheit herauszufinden. Dabei schliddert sie in kriminelle Verstrickungen, die die offiziellen Ermittlungsbehörden gar nicht sehen, weil sie schnelle und einfache Antworten bevorzugen. Nur Warshawski bohrt weiter. Sie deckt die Hintergründe auf und entlarvt selbst die Strippenzieher aus Hochfinanz, Politik und Geldadel. Sie ist gut vernetzt, nicht korrumpierbar, hartnäckig und stur, hart im Nehmen; sie teilt aber auch ordentlich aus, nicht nur verbal. Ihr Revier ist Chicago, aber der aktuelle Fall bringt sie bis in die Great Plains von Kansas.

Ist das alles manchmal etwas dick aufgetragen? Ja. Darum auch der Bruce-Willis-Vergleich. 😉 Sara Paretsky schreibt Hardboiled Crime Fiction mit einer sehr weiblichen Actionheldin. Die Story ist trotzdem plausibel und selbst dann spannend, wenn die Detektivin mal auf der Stelle tritt und sich für Recherchen in ihr Büro oder in eine Bibliothek (ha, das musste ich jetzt natürlich erwähnen!) zurückzieht – Warshawski ist da ganz auf der Höhe der Zeit, nutzt alle Recherchemöglichkeiten, die das Internet so bietet und hat Kontakt zu einem forensischen Labor (das dem Hightech-Vergleich mit gerade angesagten Fernsehserien aber nicht standhalten kann, da ist Paretsky doch realistischer).

Paretskys besondere Stärke liegt in ihren originellen Figuren: den knorrigen Typen aus Kansas, die frühestens auf den 2. oder 3. Blick Vertrauen fassen; die Obdachlosen von Chicago, die durch unaussprechliche Traumata ihren Halt verloren haben; die Sheriffs und Chiefs und Polizistinnen, für die ihre Machtspielchen wichtiger sind als die Verbrechensopfer; die Prominenten, die Politiker und Diplomaten oder die einfach unverschämt Reichen, die sich für unantastbar halten; die Freunde und Nachbarn mit ihren Eigenheiten und Schrullen. Und nicht zuletzt die Ich-Erzählerin selbst, die unglaublich gute Detektivin, die nur mit Glück und Hilfe durch diesen verzwickten Fall findet – und auch nur knapp überlebt. Im Gegensatz zu vielen anderen Beteiligten, denn es geht um nicht weniger als einen Massenmord bei einem Festival, um Folter, Verschleppung und Mord in einer südamerikanischen Diktatur und um mehrere aktuelle Morde und Mordversuche in Chicago. Warshawski stolpert in diese monströse Verschwörung eigentlich nur, weil sie eine verwirrte Obdachlose sucht, für die sie sich nach einem dummen Fehler ein wenig verantwortlich fühlt. Doch dann muss sie plötzlich ihre Patentochter schützen, sich um einen weiteren Hund kümmern (sie hat schon zwei), eine Räumungsklage verhindern, Gewehrkugeln ausweichen.

Sara Paretsky hat seit 2018 im Argument-Verlag ein neues Zuhause im deutschsprachigen Buchmarkt gefunden, nach „Kritische Maße“ (eine Empfehlung gab es in unserem Blog 2019 hier) und „Altlasten“ ist dies jetzt schon der 3. Band in der schönen Ariadne-Reihe, in der es ja viele lesenswerte und preisgekrönte Krimi-Autorinnen zu entdecken gibt.

Es gibt ein kleines Vorwort von der Übersetzerin Else Laudan und am Ende ein Glossar mit einigen hilfreichen kleinen Erläuterungen und Quellenangaben. Da Musik und Songtexte eine große Rolle im Roman spielen, gibt es auch dazu Erklärungen und Übersetzungen.

Eigentlich frage ich mich, warum so viele Romane aus der Warshawski-Reihe bisher nicht in Deutsch erschienen sind. Das hat zwar keinen Einfluss auf das Leseverständnis bei den einzelnen Bänden – die Anspielungen auf ältere Fälle sind unerheblich für die Handlung und der Charakter der toughen Detektivin ist jetzt auch nicht so vielschichtig, dass wir alles über ihre private Vergangenheit wissen müssten. Aber von diesen süffigen Krimis hätte ich gerne mehr!

Die Romane, die wir von Sara Paretsky in der Stadtbibliothek Bielefeld haben, findet Ihr hier.
Die Katalogdaten speziell zu „Landnahme“ findet Ihr hier.

Viel Freude beim Lesen.
HilDa