Schon gesehen? – Inspector Barnaby

… eine zeitlose, alt und doch gleichzeitig modern erscheinende Serie mit einer Ohrwurm-Titelmelodie…

Ich mag keine Thriller. Oder Krimis. Aber ist es draußen regnerisch und bedeckt, habe ich immer Lust auf eine Folge der britischen Krimiserie „Inspector Barnaby“. Es geht um Detective Chief Inspector Tom Barnaby, dessen Wirkungskreis in der fiktiven Grafschaft Midsomer liegt. Kurz gesagt – mit seinem Assistenten klärt er Morde auf. Man muss wissen, die  Geschichten sind keineswegs blutrünstig und die Drehorte durchaus nett anzuschauen. Typisch englisch, ohne ins kitschige abzudriften. Toll ist auch, dass die beiden quasi nie zu einer Tasse Kaffee eingeladen werden, sondern immer eine Tasse Tee angeboten bekommen. Very britisch eben.

Ohje, das Licht spielte mir wieder nicht in die Karten… :-/

Neben Tom und seinem Assistenten (je nach Staffel mit den Nachnamen Troy, Scott oder Jones) spielen Toms Frau Joyce und Tochter Cully mit. Joyce ist oft nörgelig, bekommt Tom doch immer dann die passenden Geistesblitze, wenn die beiden eigentlich gemeinsame Ausflüge machen wollen oder einfach schön essen gehen wollen. Apropos essen gehen – das wird bei der Familie Barnaby recht oft gemacht, Joyce kocht zwar, aber ihre Kochkünste sind nicht so der Hit. 🙂

Tja, und was passiert nun Aufregendes in Midsomer? Es wird erdolcht, erstochen, erhängt, ermistgabelt, erpresst (manchmal auch Menschen in Maschinen gepresst), erschlagen, erschwertet… so ziemlich alles (auch leicht absurdes) ist vorgekommen. Aber bei mittlerweile 21 Staffeln kann man schon mal vergessen, wer nun der Mörder war und sich die Folgen gerne nochmal anschauen. Wie sagte doch die Queen: „Eigentlich dürfte es dort keine Einwohner mehr geben“. Ihre Majestät hat gesprochen.

1997 lief die Serie erstmals in Großbritannien im Fernsehen, bei uns erst ab 2005. Deshalb erscheinen einem die leicht altmodischen Anzüge und Frisuren merkwürdig, aber doch liebenswert. Die Serie hat den Sprung ins digitale Zeitalter mühelos geschafft und stattete die Charaktere irgendwann auch mit Handys, E-Mail und Co. aus. John Nettles, der den liebenswerten Inspector spielt, stieg irgendwann aus der Serie aus (ich glaube in Staffel 13…) und mit ihm seine Frau und Tochter. Den Polizeiausweis übernahm dann sein Cousin John Barnaby, der mit Frau und Hund in ein tolles Landhaus zog und nun die Fäden in der Hand hält. Ein großer Unterschied ist nun, dass seine Frau Sarah keine Hausfrau ist, sondern die Leitung der örtlichen Grundschule übernommen und deshalb beruflich so einiges zu tun hat. So bleibt John oft nur Hund Sykes zum Reden.

Ich kann es drehen und wenden wie ich will, die neuen Folgen sind gut und ich schaue sie gerne, aber für mich bleibt der „alte“ Barnaby eben immer der „richtige“ Barnaby.

kwk

 

Lieblingsklassiker – Viel Lärm um nichts

Ich mag Shakespeare. Ja, wirklich. 🙂 Nicht umsonst habe ich mir aus einem Antiquariat vor ein paar Jahren eine Gesamtausgabe gegönnt.

Das Stück „Viel Lärm um nichts“/“Much ado about nothing“ gehört zu meinen Lieblingsstücken und das möchte ich euch heute näher bringen. Keine Angst, es wird kein schriftlicher Erguss über Stilmittel und Co., sondern etwas ganz anderes…:

Der Inhalt, ganz kurz und knapp:
Ein Bote berichtet dem Gouverneur von Messina (Leonato), dass Don Pedro von Aragonien nach einem erfolgreichen Feldzug in die Stadt kommt. Insbesondere Claudio, ein junger Florentiner Edelmann, sei vom Prinzen für seinen außerordentlichen Mut im Kampf ausgezeichnet worden.
Es kommt, wie es kommen muss: Claudio sieht Leonatos Tochter Hero und verliebt sich in sie. Eine Intrige durch Don Pedros unehelichen Halbbruder Don Juan macht ihn glauben, dass sie ihn betrügt und dann will er sie nicht mehr heiraten.
Die überzeugten Singles Beatrice (Heros Cousine) und Benedikt (Gefolgsmann von Don Pedro) schlagen ihre eigene, sehr wortreiche Schlacht.
Kommen die Paare am Ende zusammen? Und was wird aus dem Bösewicht der Geschichte?

Wer keine Lust auf die Leseversion hat, dem sei wärmstens die Verfilmung von Kenneth Branagh (von 1993) ans Herz gelegt – ich habe sie als Jugendliche das erste Mal gesehen und bin seitdem ein Riesenfan. Als ich den Film die ersten Male sah, habe ich mir noch nichts aus dem Text gemacht, sondern fand einfach Hero und Claudio (Kate Beckinsale und Robert Sean Leonard) toll. Jaja.
Dann las ich das Stück und fand die beiden eher langweilig und konservativ – Beatrice und Benedikt waren so viel lebendiger. Shakespeare hat den beiden eine Sprachgewalt und einen Wortwitz mitgegeben, es ist unglaublich.
Noch viel später fiel mir dann auf, welche großartigen Schauspieler in dem Stück mitwirkten. Kate Beckinsale (Hero), Denzel Washington (Don Pedro), Emma Thompson (Beatrice)… die Liste geht noch ein wenig weiter. Kenneth Branagh ist übrigens auch mit von der Partie, er spielt Benedikt. 🙂

Zum Schluss – bitte, ein Gedicht! Im Film bildet es den Anfang, die Mitte und wird am Ende der musikalische Abschluss (mit Ohrwurmqualität):

 

kwk

Lieblingsklassiker: Vom Winde verweht

Mit Olivia de Havilland ist nun auch die letzte Grand Dame der goldenen Hollywood-Ära von uns gegangen. Für viele stand ihr Name unter anderem für die Rolle der Melanie in dem Südstaaten-Epos „Vom Winde verweht“ von Margaret Mitchell. Lieblingsbuch und Lieblingsfilm– Grund genug, den Klassiker einmal vorzustellen.

Entschuldigt, das Exemplar ist schon etwas älter 🙂

„Vom Winde verweht“… fast jedem sind diese drei Worte ein Begriff. Dahinter verbirgt sich ein gewaltiges Buch und ein ebenso monumentaler Film. Ich werde mich in diesem kleinen Beitrag mehr mit dem Film und allem drumherum beschäftigen weil dieser einfach irgendwie ein Muss ist. Über die Geschichte lasse ich mich nicht aus, ich denke die meisten von euch wissen grob, worum es geht. Und wenn nicht – einfach anschauen! 🙂

Vier Stunden müssen wir vor dem Fernseher verbringen, damit wir über die (Liebes-)Geschichte von Scarlett, Rhett, Melanie und Ashley vollends im Bilde sind. Aber bereuen tut man keine Sekunde. Gedreht wurde er 1939 und kostete 4 Millionen Dollar, für die damalige Zeit ein Vermögen.
Bei der Oscarverleihung 1940 erhielt Hattie McDaniel als erste Schauspielerin afroamerikanischer Herkunft einen Oscar als beste Nebendarstellerin für die Rolle als „Mammy“. Auch Vivian Leigh wurde ausgezeichnet- sie erhielt den Oscar als beste Hauptdarstellerin.

Randnotiz: Es war die Oscarverleihung, bei der „Over the rainbow“ als bester Filmsong gewann. Zu dieser Zeit wurden zwei Preise für die beste Kamera verliehen: Farbfilm und Schwarz/Weiß-Film. Lang lang ist’s her. Ich werde ganz nostalgisch.

Aber zurück zum Film. Die Figur der Scarlett O’Hara wird oftmals als „Südstaatenschönheit“ bezeichnet, von Vivian Leigh perfekt umgesetzt: „Der Begriff Southern Belle („Südstaatenschönheit“) bezeichnet ein in der amerikanischen Kultur weitverbreitetes Stereotyp einer jungen, gebildeten und kultivierten schönen weißen Frau aus den amerikanischen Südstaaten, die, obschon oft flirtend, eine Ausstrahlung der Prüderie mit sich bringt.“  (Wikipedia) Auch die Kostüme sind eine Wucht. Der arme Kostümbildner hatte einiges zu tun, denn vor allem die Damenmode machte einige Wandlungen durch: Vorkriegs-Reifrock-Kleider samt Hüten, Handschuhen und allerlei anderem Zubehör, schlichtere, aus der Not heraus geborene Mode während des Krieges und die Nachkriegskleidung mussten entworfen und produziert werden.

Berühmte Zitate oder Dialoge hat der Film auch hervorgebracht. Allen voran Rhett Butlers „Frankly, my dear, I don’t give an damn“. („Offen gesagt ist mir das gleichgültig“) Ich verrate nicht, wann Clark Gable diese Wörter ausspricht, das wäre ein Spoiler. 😉
Am Besten hat mir jedoch immer Scarletts Gedankengang gefallen: „Ich muss darüber nachdenken. Aber nicht jetzt. Verschieben wir’s auf Morgen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

kwk

Serien-Tipp: The night manager

Ja ich weiß, ganz neu ist die Mini-Serie nicht. Aber gut ist sie allemal. Kurz vorweg: Der Spionageroman (Thriller) „Der Nachtmanager“ von John le Carré erschien bereits 1993, für die Verfilmung wurde das Geschehen in die heutige Zeit gelegt.

Es beginnt in Kairo in einem Luxushotel. Auf den Straßen herrschen die Unruhen des arabischen Frühlings, das Hotel selbst ist eine Oase der Ruhe. Zum Personal zählt der britische Ex-Soldat Jonathan Pine (Tom Hiddleston), er hält als Nachtmanager im Dunkeln die Zügel in der Hand. Entgegen seiner Gewohnheit lässt er sich in private Angelegenheiten einer seiner Gäste verwickeln: Sophie, die Geliebte des ägyptischen Geschäftmanns Freddie Hamid, weiß um dessen Beziehungen zu Richard Roper (Hugh Laurie). Einem undurchsichtigen Waffenhändler wie er im Buche steht. Sie bittet Pine um Hilfe, doch bei dem Versuch Kontakt zum britischen Geheimdienst aufzunehmen, wird Sophie ermordet. Pine fühlt sich mitschuldig an ihrem Tod und lässt sich vom MI6 als Undercover-Agent anwerben um in Ropers Nähe zu gelangen. Ein äußerst gefährlicher Einsatz, denn Ropers bezaubende Frau Jed und sein Handlanger Corcoran (Tom Hollander) machen ihm das Leben nicht einfach.

Der Vorspann, in dem Kristalle, Sektgläser und ein Tee-Service zu Bomben, Granatwerfern und ähnlichem mutieren, lässt die Gedanken zu James Bond aufkommen.
Doch die Serie kommt sehr gut ohne Action-Szenen aus und einen Aston Martin gibt es auch nicht. Die Handlung lebt von den Dialogen zwischen Laurie und Hiddleston. Und nicht zu vergessen: Olivia Colman. Die fungiert als Pine’s MI6-Kontakt und hat den Männerclub in ihrer Behörde gründlich satt.
Great Britain at its finest eben.

Gefilmt wurde vor toller Kulisse unter anderem auf Mallorca und der Türkei. Das lässt trotz manchmal etwas altbacken erscheinender Agentenmethoden (verstecken hinterm Reiseführer) Kinofeeling aufkommen. 🙂

Hier findet ihr die DVD und das Buch in unserem Bestand.

kwk

Filmtipp: Inception

Ein Film, der mir schon seit dem ersten Mal sehen im Gedächtnis geblieben ist und den ich mir immer wieder ansehen kann ist Inception.

Christopher Nolan inszeniert hier mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle einen sehr vielschichtigen Film, bei dem man als Zuschauer ständig aufmerksam sein muss.

Das vom Militär erfundene Traum-Sharing, bei dem mehrere Träumer denselben Traum miteinander erleben und gestalten können, wird mittlerweile auch genutzt, um Geheimnisse aus dem Unterbewusstsein von Menschen zu extrahieren und zu stehlen. Ein solcher Extractor ist der von DiCaprio verkörperte Dom Cobb. Doch sein neuester Auftrag lautet nicht einen Gedanken auszulesen, sondern einen Gedanken einzupflanzen. Dies gilt als extrem schwierig, doch Cobb lässt sich auf den Deal ein. Mit seinem Team entwirft er einen Plan, wie sie Robert Fischer, dem Erben eines riesigen Konzerns, den Gedanken einpflanzen, diesen Konzern nach dem Tod seines Vaters aufzuteilen. Dieser Plan beinhaltet gleich mehrere Traumebenen. Ein Traum in einem Traum in einem Traum.

Mir gefiel immer schon die durch die verschiedenen Traumschichten in einander verschachtelte Handlung. Nicht alle Teammitglieder steigen auf alle Traumebenen mit hinab, sodass die Handlung zwischen den verschiedenen Traumebenen hin und her wechselt. Auch die visuellen Effekte finde ich beeindruckend. So zum Beispiel, wenn die von Ellen Page verkörperte Ariadne zum ersten Mal einen Traum gestaltet und dabei gleich eine ganze Stadt auf den Kopf stellt.
Auch den Soundtrack von Hans Zimmer finde ich ziemlich gelungen.

Für alle, die den Film noch nicht kennen, ihn mal wieder sehen oder einmal in den Soundtrack hineinhören möchten: Hier geht es zu den Katalogdaten.

lga

DVD-Tipp: Lascaux – Prähistorische Kunst in der Höhle

Der Sachfilm (unsere Katalogdaten hier) gehört zur Reihe „Palettes – Faszinierende Entdeckungsreisen ins Reich der Malerei“ von Alain Jaubert. In der gleichen Hülle leiht man auch den Film „Malerei der Antike: Euphronios, Faijum, Pompeji“ mit aus, auf den ich hier aber nicht weiter eingehe (nur so viel: auch er ist sehenswert).

Ich interessiere mich insgesamt für Vor- und Frühgeschichte, da fasziniert mich die frühe Höhlenmalerei natürlich auch. Denn näher kann man den Menschen aus der frühen Steinzeit nicht kommen als über ihre Kunst. Auch wenn wir wohl nie verstehen werden, was die Menschen vor zigtausend Jahren bewegte, wie sie dachten, was sie wollten. Aber die Vorstellung über Rituale und Feste, die über viele Generationen hinweg von diesen Bildern geprägt waren, die Mythen und Geschichten, die mit ihnen erzählt wurden – da braucht es nicht viel Phantasie, um diese Zeichnungen und Ritzungen wieder lebendig werden zu lassen.

Wirklich beeindruckend ist die Kunstfertigkeit, mit der die Tiere und Symbole an die Höhlenwand gebannt wurden: so viel handwerkliches Know-How, so viel Wissen über die dargestellten Tierarten, ihre Anatomie, ihre Bewegung, dann diese überraschenden Perspektiven, die Abstraktionen, die unterschiedlichen Techniken.

Der Film zeigt auch die Werkzeuge und Farben, die gefunden werden konnten; Wissenschaftler und heutige Künstlerinnen versuchen, die verschiedenen alten Techniken zu rekonstruieren. Doch viele Fragen bleiben offen. Interpretationen und die Schlussfolgerungen über Lebensart und Glauben der Menschen vor ca. 20.000 Jahren bleiben sowieso spekulativ. Aber diese Kunst berührt auch ohne Erklärung.

Die Höhle von Lascaux in der Dordogne wurde 1940 zufällig entdeckt, sie ist bereits recht gut erforscht und dokumentiert. Es gibt Nachbildungen, Bildbände und eben auch filmische Dokumentationen, durch die wir diese Kunst erleben können, denn die Höhlengänge selbst sind natürlich nicht öffentlich zugänglich.

Lascaux ist nur ein Beispiel für die europäische Höhlenmalerei des Jungpaläolithikums. Als nächstes muss ich mir unbedingt den Werner Herzog Film „Die Höhle der vergessenen Träume“ über die Chauvet-Höhle ansehen.

 

In dem großartigen Bildband „Grotte Chauvet“ habe ich schon öfter geblättert, ich kann mich gar nicht satt sehen an den fast 100 Farbtafeln.

 

Von Brian Fagan hoffe ich mehr über den Cro-Magnon-Menschen zu erfahren: Der erste anatomisch moderne Mensch (Homo Sapiens), der vor vielleicht 40.000 Jahren nach Europa einwanderte und dort jahrtausendelang mit dem Neandertaler in mehr oder weniger enger Nachbarschaft lebte – und der unter anderem die Kunst mitbrachte.

HilDa

Alpi – ein DVD-Tipp

Es war ein Witz: Mein Bruder nannte seinen Freund halb im Scherz „Alptraum“, der andere antwortete schlagfertig: „Selber Alpi, du bist doch im Alpenverein“, und so nannten sie sich gegenseitig lachend „Alpi“. Als ich das Wort als Filmtitel auf einer DVD sah, musste ich an diese Szene denken und lachen; vielleicht ein alberner Grund, einen Sachfilm auszuleihen. Die Dokumentation zeigt aber tatsächlich beides: Alpen und Alptraum.

DVD-Sachfilm „Alpi“

Alpi [DVD] : eine Dokumentation von Armin Linke

Die Bilder bleiben ganz unkommentiert, überhaupt wird kaum gesprochen. Es beginnt mit einem Team, das Szenen für einen Bollywood-Film vorbereitet: indische Darsteller und Darstellerinnen, die mitten auf einer Dorfstraße ihre Tanzmoves üben und dabei vorbeifahrenden Autos ausweichen müssen. Genauso bizarr geht es weiter: eine Ski-Anlage in einer riesigen Halle in Dubai, in der die Alpenwelt nachgestellt wird einschließlich Sessellift, Seilbahnstation und wahlweise österreichischen, französischen oder Schweizer Wochen … . Labore mit Modellen zur Lawinen- und Klimaforschung, Bergwerke und Steinbrüche, Wellness und Sicherheitskonzepte für die Schönen und Reichen in Davos, riesige Talsperren, eine Kletterhalle, futuristische Touristenzentren mit Durchsagen in Englisch, Japanisch, … .

Die anrührendsten Bilder und Worte kommen von einem alten Bergbauern, der noch lebt und arbeitet wie einst seine Eltern, während alle anderen Familien ringsum fortgezogen sind: „Aber verstehst du nicht, dass das Leben hier, mein Leben alleine, hart ist?“

Bereits die Inhaltsangabe und das Interview mit dem Filmemacher Armin Linke (beides im Klappentext) hatten mich darauf vorbereitet, dass ich hier keine Panoramabilder von gewaltigen Bergmassiven oder Alm-Idyllen sehen würde. Es geht mehr um die Illusionen der Alpenromantik und die Transformationen des Alpenraumes und seiner Kulturen. Ein Film, der keine Antworten bieten will, sondern Denkanstöße.

Der Titel „Alpi“ ist übrigens weder Verniedlichung noch Anspielung, sondern schlicht das italienische Wort für die Alpen.

Unsere Katalogdaten zur DVD hier.

HilDa

Filmtipp: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Der Film eröffnet mit einer Autofahrt. Wir schauen Mildred über die Schulter, die ihren Wagen über eine schmale Straße lenkt und schon kommen auch die drei titelgebenden Billboards ins Bild. Mildred hält plötzlich und man sieht es ihrem Gesicht an, sie hat eine Idee. Gesagt getan, sie mietet die drei Billboards und kurze Zeit später stechen jedem Vorbeifahrenden riesige schwarze Lettern auf rotem Grund ins Auge. Raped while dying sagt das erste Billboard. And still no arrests? und How come, Chief Willoughby? fragen das zweite und das dritte.

So erfährt der Zuschauer, des Mildreds Tochter Angela vor über einem Jahr vergewaltigt und ermordet wurde, ohne dass bisher der Täter gefunden wurde. Die verbitterte Mildred will das nicht akzeptieren und eckt dabei nicht nur mit den provozierenden Billboards, sondern auch mit ihrer ruppigen Art an. Der Film beschäftigt sich im Folgenden weniger damit, den Täter zu finden, sondern eher damit, einen Blick auf das Innenleben von Mildred, Sheriff Willoughby und Officer Dixon zuwerfen und welche Auswirkung die Billboards auf diese drei und die Menschen um sie herum haben.

Es ist ein intensiver Film, der mich sehr mitgenommen hat. Sehr positiv aufgefallen sind mir zudem die schauspielerischen Leistungen der drei Hauptfiguren, als von Frances McDormand, Woody Harrelson und Sam Rockwell.

Hier sehr ihr, wo der Film bei uns zu finden ist.

lga

 

Filmtipp: Blade Runner 2049

Blade Runner ist einer dieser Kultfilme, über den ich schon viel gehört habe und weiß, den ich aber tatsächlich noch nie gesehen habe. Der Film erschien 1982, Regie führte Ridley Scott, in der Hauptrolle ist Harrison Ford zu sehen. Die Grundlage bildet der Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen“ von Philip K. Dick. Den habe ich sogar gelesen, somit bin ich zumindest ansatzweise mit der Story vertraut, auch wenn der Film sich in vielen Punkten vom Roman unterscheiden soll. Den Film gibt es zudem in verschiedenen Fassungen – da wüsste ich nicht mal welche Fassung ich denn nun anschauen soll.

Was ich jedoch gesehen habe, ist die Fortsetzung „Blade Runner 2049“. Regie führt hier Denis Villeneuve (den kenne ich schon von Arrival, ein Film, der mich ebenfalls sehr beeindruckt hat und über den ich hier schon mal berichtet habe), die Hauptrolle hat Ryan Gosling inne aber auch Harrison Ford ist in seiner alten Rolle als Rick Deckard zu sehen.
Vor allem beeindruckt haben mich der Soundtrack und die visuelle Optik. Sie haben viel zu der düsteren und beklemmenden Atmosphäre beigetragen, sodass ich den ganzen Film hindurch unter Spannung stand. Ich mochte sehr, dass das hier nicht so ein typischer Actionfilm war, das Ganze hat auch ohne ewig viele Actionszenen eine wahnsinnige Spannung erzeugt. Gesprochen wird auch nicht wahnsinnig viel. Ryan Gosling schaut zum Beispiel hauptsächlich ziemlich eindringlich und eindrucksvoll durch die Gegend.

Mir hat der Film jedenfalls sehr viel Lust darauf gemacht mir nun auch das Original anzuschauen!

Hier kommt ihr zu den Katalogdaten.

lga

Filmtipp: „Loving Vincent“

Armand Roulin erhält von seinem Vater, dem Postmeister, den Auftrag, einen Brief des verstorbenen Vincent van Gogh an dessen Bruder zu liefern. Es stellt sich heraus, dass dieser ebenfalls bereits verstorben ist. Auf seiner Reise versucht Roulin, van Gogh besser kennen zu lernen. Er trifft auf verschiedene Personen aus dem Leben des Malers:  darunter den Farbenverkäufer, die Hauswirtin der Pension, in der van Gogh zuletzt gelebt hat, und seinen Therapeuten. Nach und nach entsteht ein Bild von van Goghs letzten Jahren, seinem Leben und den Umständen seines Todes. Im Laufe des Films erhärtet sich bei Roulin der Verdacht, dass van Goghs Tod eventuell kein Selbstmord gewesen sein könnte…

Loving Vincent ist eine im Krimistil erzählte Filmbiographie. Er ist der erste Animationsfilm in Spielfilmlänge, der mit realen Personen gedreht, und anschließend Bild für Bild mit Öl nachgemalt wurde. Dadurch erwachen die Bilder von van Gogh zum Leben: 130 Bilder wurden als Kulisse genutzt. Reale Schauspieler spielten ihre Szenen vor einem Greenscreen oder Teilkulissen, anschließend wurde Bild für Bild abgemalt. War das erste Bild einer Szene fertiggestellt, wurde es abfotografiert, um anschließend nur noch die Änderungen aus dem Filmmaterial übernehmen zu müssen. Schließlich wurden die gemalten Bilder in die Kulissen eingefügt.

Insgesamt wurden 65.000 Bilder auf über 1000 Leinwänden gemalt. Über 100 Maler arbeiteten an den Werken. Insgesamt wurde über 6 Jahre an dem Film gearbeitet. 2 davon, um die Bilder fertigzustellen. Die Inspiration, den Film komplett als Ölgemälde zu schaffen, war quasi ein Zitat van Goghs aus seinem letzten Brief an seinen Bruder: “Wel, de waarheid is, dat we niet anders kunnen spreken dan door middel van onze schilderijen“ (Nun ja, die Wahrheit ist, dass wir nicht anders sprechen können, als mithilfe unserer Werke).

Mir hat der Film sehr gut gefallen. Er ist spannend erzählt und durchaus auch für Zuschauer geeignet, die sich ansonsten nicht für Malerei interessieren. Die handelnden Personen sind sehr detailreich gestaltet und van Goghs Bilder bilden eine sehr schöne Hintergrundkulisse.

Juliane