Wackelpeter 2022

Der Wackelpeter 2022 war ein voller Erfolg, wie überall zu lesen war, „voll“ tatsächlich auch wörtlich genommen, denn der Besucherzuspruch war überraschend groß. Damit hatte niemand nach 2 Jahren Pause und einem leicht eingeschränkten Programm gerechnet. (Ein paar Fotos z. B. bei Radio Bielefeld hier)

Der Stand der Stadtbibliothek war wieder wie gewohnt neben dem Historischen Museum zu finden. Drei Kolleginnen betreuten ihn auf den Tag verteilt, wobei eine Kollegin sogar den ganzen Tag blieb und auch die ganzen Vorbereitungen sowie die Transportfahrten wuppte. Zu wenig Leute, um die Postkartendruckerei aufzubauen, die Handpressen sind schließlich sehr schwer. Und das Drucken erfordert viel Erklärung und Hilfe für die Kinder. Das Ersatzprogramm war aber mehr als nur eine Notlösung: Mit schwarzer Farbe und Pinsel konnten die Kinder – und gerne auch die Erwachsenen – chinesische Schriftzeichen nachmalen, wahlweise auf einem Blatt Papier oder auf einer Postkarte. Es gab mehrere Schriftzeichen mit Übersetzung als Vorlage.

Tisch (lila) von oben fotografiert, auf ihm ausgebreitet Pinsel, Farbtöpfe mit schwarzer Farbe, laminierte Zettel mit chinesischen Schriftzeichen, leeres Papier und etwas ungelenk bemaltes Papier (in Postkartengröße). Um den Tische stehen mehrere rot-graue Kinderhocker.
Maltisch

Die kleinen Kinder interpretierten diese Vorlagen sehr frei, ignorierten sie nach den ersten Pinselstrichen meist ganz und malten einfach weiter, einige bis die Postkarte sogar komplett schwarz war. Tatsächlich kamen unabhängig voneinander mehrere Kinder auf die gleiche künstlerische Idee und schufen so ihr eigenes Kunstwerk „Variation in Schwarz“ oder wie wir es im Stillen nannten „China bei Nacht“. Es entstanden aber auch Postkarten mit chinesischen Grüßen und Wünschen wie Liebe, Blume, Glück, Zufriedenheit, Mutter, Vater, Bruder, … .

Großaufnahme von mehreren laminierten Zetteln mit jeweils einem chinesischen Schriftzeichen und der Übersetzung, z.B. Mensch, Engel, Ehrlichkeit, Treue, Liebe, Gesundheit, Hoffnung
einige Malvorlagen

Einige Kinder wollten durchaus mehr über die chinesische Schrift erfahren und blätterten aufmerksam im ausliegenden Buch („Gemalte Wörter„). Und es gab auch zwei Passantinnen, die uns etwas über die Kalligrafie der Schriftzeichen erklären konnten. Auch arabische Kalligrafie wurde uns einmal demonstriert. Ja, so nebenbei ergaben sich noch viele andere Gespräche.

Die meist gestellte Frage zu unserem Büchertisch war, ob wir die ausgelegten Bilderbücher verkaufen wollten und zu welchem Preis. Nein, die Kinderbücher lagen nur zur Ansicht da, wir wollten neugierig machen auf das Lesen; ausleihen kann man sie und noch viel mehr in unseren Bibliotheken, der Zentralbibliothek am Neumarkt und den acht Stadtteilbibliotheken. Nicht wenige Besucher erklärten dann, dass sie von auswärts kämen; aber Bibliotheken gibt es auch in Köln, Berlin, Essen, Paderborn, … . Der Wackelpeter ist offenbar nicht nur für Familien aus der Region attraktiv. Und wir werben gerne auch für Bibliotheken in anderen Städten. 😃

Eine Familie zeigte sich ganz enttäuscht, dass diesmal keine Postkarten wie sonst all die Jahre gedruckt werden konnten: „Wir sammeln die nämlich.“

Vielleicht war der Andrang an unseren Bücher- und Maltischen nicht ganz so groß wie in so manchen Jahren zuvor. Aber wir hatten mehr Zeit und Gelegenheit, den Kindern beim Schreiben und Malen zuzusehen und mit den Menschen zu reden: über die Bücher, über die Bedeutung der Schriftzeichen, über die Kinderbibliothek und unsere Zweigstellen in den Stadtteilen oder einfach so über dies und das.

Und am Ende, als wir alles wieder zusammengepackt und verstaut hatten, als ich endlich doch leicht ermattet abends auf dem Sofa lag und den Tag noch einmal Revue passieren ließ, da erst fiel mir auf, dass ich vom Wackelpeter sonst so gar nicht viel gesehen hatte, nicht mal an einem der Imbissstände war ich.
Aber schön war‘s. Im nächsten Jahr hoffentlich wieder.

HilDa

Großaufnahme Zettel mit dem chinesischen Schriftzeichen für Glück
Einmal Glück für alle!

Stadtradeln mit Pillepoppen

Um gleich allen möglichen Missverständnissen vorzubeugen: Pillepoppen sind Kaulquappen – das ist Bielefelder Platt. Und sie sind die Namensgeber einer sehr schönen Radstrecke zwischen Bielefeld-Brackwede und Isselhorst, sie ist entsprechend ausgeschildert: ein Frosch (die Grafik einer Kaulquappe hätte ja vielleicht doch missverständlich ausgesehen).

Logo Pillepoppen: rund, auf grünem Grund eine Frosch-Silhouette ganz in weiß und darüber das Wort Pillepoppen
Logo Pillepoppen
Beschilderung: ganz oben ein rotes Schild mit "Knotenpunkt 50", dann mehrere Richtungsschilder "Bielefeld 7,1" (km), "Brackwede 2,4", "Aquawede 0,7"; darunter 2 quadratische Schilder mit dem Hinweis, dass es nach links zum Knotenpunkt 65 geht und das Logo "Pillepoppen"

Für unsere Radtour im Rahmen des Bielefelder Stadtradelns hatte eine Kollegin diese Route vorbereitet. Unser Team „Stadtbibliothek auf Rädern“ traf sich natürlich an der Bibliothek am Neumarkt. Wir waren zu zwölft, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek, einige mit Partner, eine Kollegin im offensichtlich sehr aktiven Ruhestand. Unsere Gruppe war nicht nur altersmäßig sehr gemischt: tourenerfahrene Radfahrer trafen auf Alltags-Kurzstreckenfahrer, manche mit eBike, manche ausschließlich auf Muskelkraft angewiesen.

Wir haben mehrere kurze und eine längere Pause gemacht. Die überwiegend flache Strecke ist nicht anspruchsvoll. Nur der Weg von Bethel nach Brackwede hat eine Steigung – irgendwie muss man ja über den Teutoburger Wald. Diesen Teil der Strecke kannten wir auch schon vom letzten Jahr: erst zur Kunsthalle, unten an der Sparrenburg vorbei, dann neben der alten Radrennbahn via Brücke über den „Ostwestfalendamm“ (OWD), ab hier kommt man etwas ins Keuchen, es geht eine Zeitlang parallel zum OWD, aber hoch über ihm, dann aber auch schon wieder bergab. In Brackwede verlor ich dann ehrlich gesagt die Orientierung. Ich bin einfach mitgeradelt und habe die Fahrt genossen. Ohne Hilfe könnte ich sie nicht nachvollziehen. Nur einige Haltepunkte habe ich mir gemerkt.

Das Museum Osthusschule haben wir nur von außen gesehen, weil dort gerade eine geschlossene Gesellschaft feierte. Aber für eine kleine Trinkpause nahmen wir uns die Zeit in Sichtweite der alten Häuser und der schön gestalteten Außenanlage, inmitten des kleinen Waldlehrpfades, der zum Gelände gehört. Eine Dose mit Apfelkuchen kreiste und die leckere Stärkung wurde gerne angenommen. Das Rezept gibt es bereits hier im Blog. Weiter ging‘s vorbei an Wiesen und Feldern und durch schattige Wälder und Alleen. Nächster Halt: der Hof Ramsbrock . Wir haben ihn uns nicht näher angeschaut, aber der Link führt Euch zu mehr Informationen. Mich beeindruckte die schöne Hofbepflanzung neben den Wegen und an den Gebäuden. Es blühte herrlich sommerlich.

Fachwerkhaus mit großer Rasenfläche davor und Bäume im Hintergrund, außerdem ein Schuppen neben dem Haus und ein Kinderspielplatz auf dem Rasen
Osthusschule
Stein mit einem Relief, das ein lächelndes Schaf zeigt, dass über eine Pflanze springt
Stein vor dem Hof Ramsbock
Ecke eines Backsteingebäudes mit gepflastertem Weg und einer Bepflanzung vor dem Gebäude
Hof Ramsbock, Scheune

Unser Hauptziel war der Ortskern von Isselhorst, genauer die Eisdiele dort. Auch unsere mitfahrende Eisdielenexpertin kann bestätigen: ein lohnendes Ziel, sehr empfehlenswert, vor allem wenn man draußen sitzen kann.

Für den Rückweg sind wir fast die gleiche Strecke zurückgefahren, allerdings mit einer Abweichung: Wir kamen wieder zur Niemöller Mühle für eine kurze Rast – wieder mit einem leckeren Gebäck als Imbiss: Cantuccini á la Jutta, schaut hier. Weiter fuhren wir die schöne Wander- und Radwegstrecke durch das Luttertal, die wir vom letzten Jahr schon kannten. (Mehr über unsere Radtour 2021 hier.)

Bis zurück an der Kunsthalle konnten wir insgesamt je 37 Kilometer für unser Stadtradel-Team notieren. Aber da kamen ja noch weitere Kilometer dazu, denn jeder musste auch wieder nach Hause fahren – mit einem kleinen Umweg und Zwischenstopp im Biergarten, in dem unsere Stadtbibliothek-auf-Rädern-Stadtradeln-Tour 2022 ausklang.

Das Wetter war ideal, trocken und sonnig, doch nicht zu warm, die Gesellschaft fröhlich und entspannt. Besser kann man eine solche Tour nicht planen.🌞

Ob Stadtradeln oder einfach so, wir empfehlen die Route gerne weiter. Ihr müsst dazu nicht meinen vagen Beschreibungen folgen. Die Tour ist sehr gut ausgeschildert, man kann den Pillepoppen-Radweg komplett nehmen, es gibt aber auch Abkürzungen, Nebenstrecken und mögliche Abstecher. Mit Hilfe des ausgeschilderten Knotenpunkte-Systems kann man sich eine eigene Route zusammenstellen, die Beschreibungen und Karten für viele Radwege und Themenrouten rund um Bielefeld findet Ihr hier. Diese und weitere Broschüren könnt Ihr auch in der Bielefelder Touristinformation erhalten. Weitere Informationen findet Ihr online hier oder auch beim ADFC-Bielefeld. Dort findet Ihr auch eine Beschreibung, wie es zu diesem Netz mit Freizeit-Radrouten rund um Bielefeld gekommen ist (hier).

Viel Freude beim Radeln. Auf geht’s.

PS: Unser Team Stadtbibliothek auf Rädern hat mit 42 aktiven Radlern in den 3 Wochen 9.448 km er-fahren. Damit sind wir in der Auswertung für die Kommune auf Platz 19 gekommen, also unter die ersten Zwanzig (von 248 Teams!). In der Unterkategorie „Ämter/Verwaltung“ sind wir sogar Platz 1 (von 6), allerdings auch das Team mit den meisten Mitgliedern.
Dieses Ranking sagt ja eigentlich nicht viel aus, weil die einzelnen Teams eine ganz unterschiedliche Größe haben. Aber ein bisschen stolz sind wir auf den Platz dann doch 🙂

Und es sagt ja auch etwas über uns aus, wenn wir als eigentlich recht kleines Amt so viele Radler*innen mobilisieren können. Ganz olympisch: Dabeisein ist alles!
Und wie ergänzte unsere Teamleiterin noch so schön:

Hinzu kommen: 0 Unfälle, 100 Prozent Motivation und unzählige verbrannte Kalorien.“ 🙂

Wir freuen uns auf das nächste Jahr.

HilDa

Biele fällt

Als Kind kannte ich von Bielefeld nicht mehr als diese Geschichte, die mein Großvater erzählte:

Beim Richtfest für das Rathaus der neuen Stadt, die noch keinen rechten Namen hatte, fiel dem Zimmermann mitten in der feierlichen Zeremonie das Beil aus der Hand. Jemand rief entsetzt: „Die Biele fällt“ – Plattdeutsch für: „Das Beil fällt“. Niemand wurde verletzt, aber durch dieses Missgeschick und den Warnruf erhielt die Stadt endlich ihren Namen.

Muss ich erwähnen, dass unsere Familie nicht aus Bielefeld stammt? Mein Großvater fügte auch immer hinzu, dass Bielefeld zwar größer, unsere Stadt Paderborn aber viel älter und historisch bedeutender sei. Und das schönere Rathaus hätten wir auch. 😉

Also ich habe die lustige Anekdote von meinem Großvater geglaubt. Tatsächlich habe ich viel später, als ich dann selbst in diese Stadt gezogen bin, eine ähnliche Version der „Biele“-Geschichte gelesen, allerdings mit dem Hinweis, dass daran aber auch gar nichts wahr sein könne. Ach.

Sachbuch "Bielefeld: eine Stadtgeschichte" von Jochen Rath, im Hintergrund eine Wand mit verschiedenen Schreibweisen des Namen "Bielefeld" als Dekoration an einer Wand: Bielfeld, byluelde, Bielefeld

Der Name „Bielefeld“ leitet sich wahrscheinlich von bil für „schlagen, spalten“ ab, hier ein Zitat von Dr. Jochen Rath, Leiter des Stadtarchivs Bielefeld, in seinem Blogbeitrag über 1214: Ersterwähnung Bielefelds als Stadt (und auch im Buch „Bielefeld: eine Stadtgeschichte“ von Jochen Rath, Seite 9):

Demnach wird das Grundwort „feld” durch das Bestimmungswort „Biele” ergänzt, dessen Wurzel in „bīl” (schlagen, spalten) zu finden ist. Gemeinsam bezeichnen sie eine Fläche am „Spalt im Höhenzug des Teutoburger Waldes”.

Noch ausführlicher erläutert Birgit Meineke in „Die Ortsnamen der Stadt Bielefeld“ (Seite 38-48) die Herkunft des Namens Bielefeld mit vielen Quellenangaben (der Link zum eBook als PDF auf dem Dokumentenserver res doctae der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen hier).

Pffft. Ich finde ja immer noch die Geschichte von meinem Opa lustiger.

HilDa

Lesefrühling 2022 – wieder live vor Ort!

Der Lesefrühling findet vom 2. Mai bis 2. Juni statt. 🙂

Auch in diesem Jahr haben wir wieder zahlreiche Kinderbuchautoren und -autorinnen nach Bielefeld und Gütersloh eingeladen!  Mit dabei sind unter anderem Nina Blazon, Alexander Steffensmeier, Rieke Patwardhan, THiLo… und Katja Brandis mit den Seawalkers! Eröffnet wird der Leserfrühling mit Jochen Vahle aus Bielefeld. Er ist bekannt als Sänger der Rockgruppe „Randale“ und wird aus seinem neuen Buch „Antonius Priemelmann“ lesen. In Bielefeld wird es drei Veranstaltungen am Vormittag geben, zu denen besonders Schulklassen herzlich eingeladen sind. Alle weiteren Veranstaltungen beginnen um 16.30 Uhr in der Stadtbibliothek am Neumarkt. Das komplette Programm findet ihr hier.

Die Recycling Roadshow kommt nach Bielefeld

Aus alt mach neu. Getreu dem Motto werden in Bielefeld zur Zeit alte Jeans gesammelt, die in etwas neues verwandelt werden sollen: einen Bielefeld-Sweater! Organisiert wird diese Recycling Roadshow, die zur Zeit durch Europa tourt, vom Unternehmen Blue LOOP Originals. Zusammen mit der Stadt Bielefeld möchte das Unternehmen zeigen, wie Kleidung nachhaltiger produziert werden kann.

Der Bielefeld-Sweater wird aus den recycelten Jeans nachhaltig in Europa produziert – ohne Unmengen wertvollen Wassers zu verbrauchen und ohne riesigen CO2 Abdruck. Die Jeans werden in Gronau bei ALTEX zu einer Reissfaser verarbeitet, bei ESG in Belgien zu einem Garn gesponnen und in Portugal bei Sampaio und CPC zu einem individuellen Bielefeld Sweater gefertigt.

Wenn ihr auch alte abgetragene, zu klein oder zu groß gewordene oder nicht mehr reparierbare Jeans Zuhause liegen habt, könnt ihr diese bis zum 20.11.2021 bei verschiedenen Sammelstellen in Bielefeld abgeben, unter anderem auch bei uns in der Stadtbibliothek am Neumarkt. Dort findet ihr im Erdgeschoss bei den Medien aus dem Bereich Hauswirtschaft einen schwarzen Korb. Die weiteren Sammelstellen findet ihr hier. Dort wird es auch Informationen geben, wo und wann ihr die Bielefeld-Sweater kaufen könnt.

lga

Buchtipp: Autobiographie von Hannes Wader

Buch "Trotz alledem" von Hannes Wader
Wader, Hannes : Trotz alledem – Mein Leben

Autobiografien sind eigentlich nicht so mein Ding. Aber als mir eine Mitarbeiterin der Stadt-Bibliothek den dicken Wälzer von Hannes Wader in die Hand drückte, hat es mich sofort gepackt – zumal ich ihn in den 60er, 70er-Jahren in Bielefeld gelegentlich live erlebte.

Ich wusste, dass er während des 2. Weltkrieges in Bielefeld geboren ist, am Poetenweg aufwuchs und eine Dekorateurslehre bei Sievert (Fiebach) absolvierte, bevor er seinen Weg in die Singer-Songwriter-Szene fand. Was ich nicht wusste ist, unter welchen Entbehrungen er Kindheit und Jugend verbrachte, arm, ohne familiäre Nestwärme, ohne Freunde, scheu und voller Komplexe, mehr oder weniger alleine barfuß im Wald. Allein die Musik gibt ihm später Halt und Selbstsicherheit – aber eine richtige Rampensau wird er nie. 

Aufrichtig, schonungslos und ehrlich schildert Wader sein Leben. Für mich ist das ein „Bielefeld-Buch“ mit vielen Orten, Lokalen, Menschen, die auch ich kenne oder kannte. Ein „Geschichts-Buch“, in dem gesellschaftliche Entwicklungen von der (Nach-)Kriegszeit bis heute leicht nachvollziehbar werden. Ein „Musik-Buch“ – nicht nur über die Liedermacher-Szene. Und gleichzeitig liest es sich wie ein Roman, denn was Hannes Wader in seinen bisher 79 Jahren alles so erlebt – und angestellt – hat, da mag man das Buch gar nicht aus der Hand legen!

Zusatztipp 1: 592 Seiten machen das Buch recht schwer. Wer´s leichter mag: Es kann auch per Onleihe auf den eBook-Reader geladen werden.
(Die Katalogdaten aller Ausgaben findet Ihr hier)

Zusatztipp 2: Waders alter Schulweg, die „Apfelbaumallee“ in Hoberge-Uerentrup wurde 2020 auf Initiative alter Weggefährten in „Hannes-Wader-Aue“ umbenannt. Mit Erinnerungsstein – und schön zu erwandern.
(Der Beitrag der WDR-Lokalzeit OWL vom 30. Oktober 2020 hier)

Findling mit der Aufschrift "Hannes Wader Aue" an einem Wanderweg
Findling zur Hannes-Wader-Aue

Website von Hannes Wader hier

Ein Gastbeitrag von
Jörg-Ingo Peter



Wir haben die Kolleginnen und Kollegen nach ihren Lesetipps für diesen Sommer gefragt und werden diese so nach und nach hier veröffentlichen.
Viel Freude beim Lesen.

Radtour nach Dienstschluss

Stadtradeln in Bielefeld ist für dieses Jahr vorbei, aber wir möchten gerne unsere gemeinsame Radtour mit Euch teilen.

Wir trafen uns an einem Samstag mittags kurz nach Dienstschluss: Kolleginnen und Partner, insgesamt 12 Teilnehmer*innen. Die gemeinsam gefahrenen Kilometer sollten unserem Stadtradeln-Team „Stadtbibliothek auf Rädern“ gut geschrieben werden. Als es hieß, die Strecke sei ca. 30 km lang, war ich nicht sicher, ob ich mithalten könnte. Zum Glück war nicht die einfache Strecke gemeint, sondern wirklich der gesamte Rundkurs. Nun, das erschien machbar, auch wenn ich keine elektrische Unterstützung an meinem Fahrrad habe.

Eine erfahrene Kollegin hatte den Kurs für uns ausgesucht und vorbereitet; gleich zu Beginn skizzierte sie kurz den Schwierigkeitsgrad und die Richtung, „warnte“ uns schon mal vor, es gäbe unterwegs auch ein bisschen Stadtgeschichte und Kultur, vor allem aber eine Eisdiele als Zielort. Und schon ging es los.

Erste Wegmarke war das Gelände bei den Oetker-Werken. Wir mussten erst einmal durch die Stadt: Turnerstraße, Altstadt, am Naturkundemuseums vorbei, über den Adenauerplatz unter der Sparrenburg her nach Bethel, dort dann zur Radrennbahn.

Auf dem Foto ist ein Schotterweg, dahinter eine umzäunte Grünfläche zu erkennen, im Hintergrund Bäume und Häuser, in der Ferne der Turm der Sparrenburg

Moment, sagt jetzt vielleicht nicht nur die Zugezogene, sondern auch so mancher ortskundige Bielefelder: Die Radrennbahn ist doch im Osten der Stadt in den Heeper Fichten. Stimmt, doch die erste Bielefelder Radrennbahn vor gut 130 Jahren – und noch mit den kuriosen Hochrädern befahren – war am Bolbrinker in Gadderbaum. Viel erkennen kann man von der alten Pracht zwar nicht mehr, aber ein Zeitungsartikel vom 12.2.2016 in der NW erzählt etwas mehr über die Geschichte des Bolbrinkers. Ich bin nur froh, dass unsere Fahrräder heute moderner und leichter zu fahren sind als die Hochräder, auf denen damals hier die Rennen ausgetragen wurden. Eine Skulptur gibt einen Eindruck. Sieht ja beeindruckend aus. Aber auf so einem Hochrad und noch dazu mit langem Kleid hätte ich unsere Radtour nicht gemacht. Wir fuhren eine Ehrenrunde auf der 333,3-Meter-Strecke und stellten uns dabei den tosenden Applaus der Massen auf den Rängen vor: Wir gewannen das Mannschaftsrennen.

Ohne Applaus ging es weiter: erst den Ostwestfalendamm überqueren (Brücke natürlich) und eine kurze Strecke parallel dazu über den Kamm (die erste anstrengende Steigung) zur Lutter, genauer zu der Ems-Lutter. Wusste ich auch nicht: Es gibt zwei Lutter, die Weser-Lutter (auch Bielefelder Lutter oder Lutterbach genannt) fließt (wieder) durch die Stadt und mündet später über Aa und Werre in die Weser; wir folgten ein Stück der Ems-Lutter (auch Gütersloher Lutter genannt) durch ein herrliches Wäldchen mit vielen kleinen Feuchtbiotopen.

Schild "Luttertal: Wandern auf dem Ems-Lutter-Weg" mit Karte, Legende und Beschreibungen (auf dem Foto nicht lesbar)
Das Luttertal ist Teil eines Wander- und Radwanderweges

Da kam es zu einer kleinen Panne, wir bemerkten erst gar nicht, dass wir zwei Mitfahrerinnen verloren hatten. Zum Glück gibt es Smartphones. Und zumindest einer von uns hatte Werkzeug dabei und konnte helfen. Während wir warteten, habe ich diese gelbe Blume fotografiert, die ich später als Wasserlilie identifizieren konnte.

Wasserlilie inmitten von Gras und Schilf
Wasserlilie im Feuchtbiotop

Der nächste kurze Haltepunkt war der Campingplatz in Quelle „Campingpark Bielefeld, Meyer zu Bentrup“ mit Hinweis auf den kleinen Zoo, den Hofladen und vor allem den Biergarten. Aber wir machten hier noch keine Rast. Nach einer kurzen Diskussion über die Lokalpolitik zum geplanten Badesee bei Bielefeld, der wohl nicht öffentlich zugänglich, sondern nur für Campingplatzkunden nutzbar sein wird, fuhren wir weiter, vorbei an grünen Landschaften und blühenden Vorgärten.

Die Autobahnbrücke über die A33 war die zweite Steigung auf unserer Strecke, aber hatte dann auch eine schöne Abfahrt. Und schon rollten wir in das alte Städtchen Steinhagen, an der Gemeindebücherei vorbei zur Kirche, wo wir die Fahrräder abgestellt haben, um uns mit einem Eis zu belohnen. „Mandarine-Schmand“ war die besondere Empfehlung, der ich mich anschließen kann. Lecker.

Alte Kirche, an der Mauer zum Kirchhof lehnen Fahrräder, im Hintergrund ein Fachwerkhaus
Ev. Pfarrkirche Steinhagen, Rückfront

Aus Steinhagen kommt übrigens auch der „Steinhäger“ – klingt jetzt wenig originell, aber mir war das wirklich neu, den Ortsnamen Steinhagen gibt es ja wohl öfter. Die urigen Flaschen („Kruke“ aus braunem Steinzeug) des Branntweins kenne ich natürlich. Also vom Sehen.

Für den Rückweg nahmen wir fast die gleiche Strecke nur mit einem kleinen Schlenker zu Niemöllers Mühle, die letzte noch funktionstüchtige Mühle Bielefelds, liebevoll restauriert und gepflegt von ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern. Ein schönes Ausflugsziel, normalerweise auch mit einem Veranstaltungsprogramm: Führungen, Brotbacken und andere Workshops. Mehr findet Ihr auf der Website des Mühlenvereins.

Foto von dem Mühlrad, auf das von oben Wasser fällt, das in einem Bach weiterfließt
Niemöllers Mühle

Wieder in Bielefeld City angekommen, war der logische Abschluss ein Biergarten in der Altstadt. Ein runder Nachmittag: gut vorbereitete Tour, fröhliches und rücksichtsvolles Team. Und das ideale Radfahr-Wetter: trocken, nicht zu warm und ohne Gegenwind. Die schönen Tour- und Ausflugsziele geben wir hiermit gerne weiter.

Zum Schluss noch unser Ergebnis beim Stadtradeln:
Unser Team „Stadtbibliothek auf Rädern“ hatte 40 aktive Mitfahrer*innen. Zusammen haben wir fast genau 11.800 km erradelt, das macht im Durchschnitt 295 km pro Person; nun ja, Durchschnitt heißt, einige sind sportlich auf über 1000 km gekommen und andere haben einen deutlich kleineren Beitrag geleistet. Jeder nach seinen Möglichkeiten, jeder einzelne Kilometer war willkommen. Ich liege mit meiner Gesamtleistung von 140 km jedenfalls sehr deutlich unter dem Durchschnitt, aber immerhin über meinem Vorjahresergebnis.
Spaß gemacht hat‘s, darauf kommt es an.

HilDa

Stadtwanderung

Ich habe auch zu denen gehört, die zur Kirschblüte in die Straße „Auf dem langen Kampe“ gepilgert sind, um ein Foto von der Blütenpracht zu machen. Dabei stand unter fast jedem Baum bereits ein Grüppchen junger Leute, die sich gegenseitig in allen möglichen Posen mit der rosa Allee im Hintergrund fotografierten: lächelnd, hüpfend, scherzend, allein, zu zweit im Arm liegend, küssend; Eltern hockten mit den Kindern auf der Straße für ein Foto, da mussten die Autos halt kurz warten. Es gab viele Spaziergänger wie mich und auch Radfahrer. Nahezu jeder hatte sein Smartphone griffbereit und suchte die eine besondere Perspektive, das eine originelle Motiv. Oder beobachtete die anderen bei ihren Posen. Ich habe mich gar nicht getraut, mein Handy zu zücken. Wer möchte schon inmitten all der Möchtegern-Influencer* für eine Möchtegern-Influencerin gehalten werden?

Aber bei diesem einen Baum fast schon am Ende der Allee, der als einziger weiße Blüten hatte, konnte ich dann doch nicht widerstehen. Blöderweise waren kurz zuvor Wolken aufgezogen, so sieht man nicht gut, dass der Baum auch einige Äste mit rosa Blüten hat, eine botanische Besonderheit, die gerade niemanden sonst interessierte. Nun ja, ich bin auch keine gute Fotografin, ein Filter hat etwas geholfen.

Ihr werdet im Netz mit dem Hashtag #AufDemLangenKampe genügend Bilder finden: Schnappschüsse, Selfies, professionelle Fotografien, jeder Baum einzeln, die volle Blütenpracht in der Totalen und sogar Luftaufnahmen.

Die Straße ist übrigens auch zu jeder anderen Jahreszeit ein Spaziergang wert, nicht nur in den wenigen überlaufenen Tagen der Kirschblüte. Zumal man die Allee in einen Rundweg einbauen kann, als Spaziergang ein ordentlicher Marsch und auch als kleine Radtour gut geeignet. Mein Abendspaziergang nach dem Dienst hatte natürlich die Bibliothek am Neumarkt als Ausgangspunkt. Bis zum Ostbahnhof gibt es einen etwas versteckten Fußweg durch Kleingartenanlagen (parallel zur Werner-Bock-Straße hinter der Seidenstickerhalle vorbei, dann Am Stadtholz überqueren und rechts an der Feuerwache vorbei bis zur Bleichstraße).

Graffiti an einer Kleingarten-Vereinshütte

Ich muss gestehen, dort habe ich etwas die Orientierung verloren und bin einmal im Kreis gegangen, aber man kommt an der Bleichstraße in der Nähe des Ostbahnhofs heraus, an dem auch schon die insgesamt 1,3 km lange, mit Japanischen Kirschbäumen gesäumte Wohnstraße mit dem ungewöhnlichen Namen Auf dem Langen Kampe beginnt. Am anderen Ende erreicht man die Radrennbahn und kann von dort auch noch weiter wandern oder fahren z. B. in Richtung Heepen. Ich habe den Rückweg an den Lutter-Stauteichen vorbei gewählt. Bis zur Teutoburger Straße kann man durch einen Grünzug gehen und danach durch verkehrsberuhigte Wohnstraßen ins Zentrum gelangen (Ravensberger Straße). Auch ohne Kirschblüten gibt es genug zu sehen auf dieser Wanderung oder Radtour: Schrebergärten, Wasservögel, Spielplätze u.v.m. Ganz zu schweigen von den Menschen, die man unterwegs trifft, denn nicht nur zur Kirschblütenzeit haben auch andere diese stadtnahen Möglichkeiten entdeckt und nutzen sie bei schönem Wetter ausgiebig. Natürlich verrate ich hier alles andere als einen Geheimtipp; ich empfehle in dieser Zeit sicher nicht, dass sich jetzt halb Bielefeld zur gleichen Abendrunde aufmachen soll – während der Kirschblüte war es anstrengend genug, den Abstand einzuhalten, ein Slalomlauf.

Spielplatz in einer Wohnsiedlung
Weg zwischen Kleingärten
Stauteich in der Abendsonne

Bielefeld und seine nähere Umgebung bieten viele Möglichkeiten für Spaziergänge oder Radtouren. Es muss gar nicht die großgeplante Tour sein. Selbst ein Spaziergang durch das eigene Wohnviertel, durch Straßen und Fußwege, die man sonst nie nutzt, kann zu interessanten Entdeckungen und Beobachtungen in der eigenen Stadt führen: Mich interessieren zum Beispiel die Siedlungsarchitektur, die Bepflanzung und Gestaltung in Vor- und Schrebergärten, alte Hausfassaden, Haustüren aus Holz, schmiedeeiserne Gitter und Geländer, originelle Graffiti, … . Und dann sind da noch die Naturbeobachtungen, die man ohne viel Aufwand machen kann: zurzeit das Ergrünen und Aufblühen im Frühling, Schwäne und Enten mit ihren Küken, Reiher in Lauerstellung, Singvögel bei Nestbau oder Futtersuche, …

Ihr müsst nur los ziehen, die Augen offen halten und aufmerksam sein.

Die fabelhafte Wibke Ladwig (@sinnundverstand) nennt es ihre #CoronaWanderreisen, in denen sie ihre Stadt Köln neu kennen lernt. Und ihren #GangInsHeimbüro, bei dem sie in ihrem eigenen Viertel ungewöhnliche Alltagsentdeckungen macht. Die Fotos mit ihren witzigen Kommentaren findet Ihr bei Instagram und Facebook oder auch in einigen Beiträgen ihres Blogs (z.B. Gang ins Heimbüro hier). Ihr besonderer Blick für scheinbare Kleinigkeiten war es, der mich zu nun auch zu meinen Stadtspaziergängen angeregt hat. Und ihre wertschätzende Offenheit ist ein gutes Vorbild. Ich kann zumindest sagen: Es tut mir gut.

Im Juni ist in Bielefeld wieder für drei Wochen Stadtradeln, auch eine gute Gelegenheit, sein Umfeld neu zu „erfahren“.

HilDa

Eine Art von Wahrheit – Literaturtage 2020

Die Literaturtage sind immer wieder eines der vielen Highlights unseres Veranstaltungsjahres. Olga Tokarczuk hat uns im letzten Jahr einen ziemlich aufregenden Tag bereitet, indem sie nur wenige Stunden vor der Lesung bei uns den Literaturnobelpreis gewann. Mit ihrer Nobelpreisrede am 7. Dezember 2019 liefert sie uns auch das diesjährige Motto: „In der Flut von Definitionen, die es für den Begriff ‚Fiktion‘ gibt, gefällt mir die Älteste am besten, die auf Aristoteles zurück geht und besagt, dass Fiktion immer eine Art von Wahrheit sei.“

Im letzten Jahr waren mit Abbas Khider und Olga Tokarczuk gleich zwei Veranstaltungen restlos ausverkauft. Ich wage die Vermutung aufzustellen, dass wir das in diesem Jahr toppen und alle neun Lesungen ausverkauft sein werden. Denn statt der gewohnten 300 Plätze stehen in diesem Jahr aufgrund einiger Komplikationen mit einem gewissen Virus – wir wollen an dieser Stelle keine Namen nennen – weit weniger Plätze zur Verfügung. Aber solange die Lesungen überhaupt stattfinden, sind wir schon zufrieden. Und alle, die jetzt schon fürchten, keine Karten mehr zu bekommen, möchte ich direkt beruhigen. Zu allen Lesungen wird es einen Livestream geben. Wir haben uns für diese Möglichkeit entschieden, um trotz allem so vielen unserer Gäste wie möglich einen – wenn auch etwas anderen – Zugang zu den Veranstaltungen zu ermöglichen.

Ein Ticket für den Livestream kostet 2 €. Die Tickets können ab dem 28. September über unsere Webseite erworben werden. Die regulären Tickets gibt es ab sofort über unsere Ticketbuchung oder vor Ort in der Stadtbibliothek am Neumarkt. Der Eintritt beträgt 10 €, ermäßigt 6 €.

Aber auf das wichtigste bin ich bisher noch gar nicht zu sprechen gekommen. Das sind natürlich wie immer die Autorinnen und Autoren, die sich auf den Weg zu uns nach Bielefeld machen. Die Eröffnungsveranstaltung am 1. Oktober begehen wir mit Denis Scheck, der uns seinen Kanon „Die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur von ‚Krieg und Frieden‘ bis ‚Tim und Struppi'“ vorstellt und uns die Bücher präsentiert, die wir in unserer begrenzten Lebenszeit gelesen haben sollten.
Mit Lutz Seiler erleben wir am 7. Oktober eine Geschichte, die  kurz nach dem Mauerfall spielt und von zwei Eltern handelt, die sich einen Lebenstraum erfüllen und einem Sohn der zurückbleibt und ziellos durch Berlin treibt.
Die DDR ist auch eines der Themen in Jackie Thomaes Roman „Brüder“. Zwei Brüder, die sich nicht kennen, die aber verbunden sind durch den selben Vater, der 1970 aus dem Senegal in die DDR kam um Medizin zu studieren. Ihre Geschichten, die zwischen 1985 und 2005 spielen, werden in zwei Teilen getrennt erzählt.

Damit habe ich nun wahllos einige unserer Autorinnen und Autoren herausgegriffen, das ganze Programm könnt ihr ausführlich hier nachlesen.

Mit musikalischer Umrahmung und bei einem Gläschen Wein stellen uns all diese Autoren ihre eigene Art von Wahrheit vor.

lga

Der Turm der Sparrenburg – wie hoch ist er wirklich?

Vor einiger Zeit wurde der Turm der Sparrenburg von Radio Bielefeld und einem Vermessungsbüro neu vermessen. Dabei stellte sich heraus, dass der Turm nicht wie gedacht 37 m hoch ist, sondern kleiner ist als gedacht. Nur 31,5 m misst der Turm tatsächlich. Die Sparrenburg selbst liegt 60 Meter über der Stadt. Das ist immer noch hoch genug, wie ich finde.

Urkundlich erstmals erwähnt wurde sie im 13. Jahrhundert, und im Laufe der Jahrhunderte erweitert. Sie ist die nördlichste Spornburg Deutschlands. Eine Spornburg hat zu mindestens zwei Seiten steil abfallendes Gelände. Außerdem hat man einen sehr guten Überblick über das umliegende Gebiet. Nach dem 30-jährigen Krieg verliert die Sparrenburg ihre Bedeutung als Festung. Sie wird als Gefängnis genutzt und schließlich dem Verfall preisgegeben. Um 1840 gründete sich ein Komitee zur Wiederherstellung des Turmes. 40 Jahre später kaufte die Stadt Bielefeld die Burg vom Staat Preußen für 8.934,90 Mark.

Zurück in das Jahr 2020 vor einigen Wochen auf der Sparrenburg: Ich hatte das schöne Wetter für einen Spaziergang zur Sparrenburg genutzt. Der Weg führte mich in den Burghof und anschließend einmal rum. Als ich den Hof verlassen wollte, wurde dieser von einer Familie betreten. Das etwa 4-jährige Kind sah nun den Turm und rief: „WOW! Ist der hoch!“ Hier hatte sich der Tag also schon mal gelohnt. Auf der anschließenden Runde fiel mir ein etwa 10 bis 12-Jähriger auf (ich kann schlecht schätzen), der – wie man das heute so macht – sein Smartphone in Richtung Turm hielt und andächtig sprach: „Das ist der Turm der Sparrenburg. Wie im Mittelalter. Einfach genial!“ Ob für eine Instagram-Story oder vielleicht doch für eine Schulaufgabe ist nicht überliefert.

Juliane