Kinderbücher von Sasa Stanisic

Dass Saša Stanišić ein großartiger Erzähler ist, wissen wir nicht nur von seinen Romanen. Wir durften ihn einige Male in Live-Veranstaltungen auf der Bühne erleben, wie er aus seinen Büchern nicht etwa vorliest, sondern fast frei erzählt und sein Publikum in den Bann zieht. Da kann ich mir auch gut vorstellen, wie er mit seinem Sohn zusammen fabuliert und phantastische Geschichten für ihn und auch mit ihm zusammen erfindet. Nun, er hat einige davon auch für uns aufgeschrieben und zusammen mit der Illustratorin Katja Spitzer ein Kinderbuch zum Vorlesen und Zuhören daraus gemacht.

Buch und Hörbuch "Hey, hey, hey, Taxi!" von Sasa Stanisic, beide stehen auf einer Fensterbank; durch das Fenster sieht man Bäume und Gebäude

„Hey, hey, hey, Taxi!“ ist quitschebunt, nicht nur die Bilder, auch und vor allem die Geschichten. Auf der Suche nach einem Vorlesebuch für unsere Kinderveranstaltungen habe ich mir das Buch gleich gekauft, als ich davon hörte. Und dachte dann beim Lesen des „Vorortes“ (kein Schreibfehler!) etwas enttäuscht: Das ist vielleicht doch nicht das richtige.

Saša Stanišić empfiehlt, seine Geschichten als lose Vorgaben zu nutzen, da er sie ja speziell für seinen Sohn verfasst hat und sie aus seinen Erfahrungen leben; jeder Vorleser möge sie verändern und Variablen aus der eigenen Welt und der seiner Zuhörer daraus machen. Da ich aber normalerweise eine Vorleserin bin, die sehr am vorgegebenen Text klebt, schien dieses Konzept für mich weniger geeignet. Trotzdem habe ich es ausprobiert: Ich habe meinen Vater gebeten, den Zuhörer zu spielen und mir zu sagen, ob meine kleinen Improvisationsversuche ausreichen.

Was soll ich sagen: Ich liebe diese verrückten Geschichten, und meinem Vater gefiel es auch.

Da kommt ein Taxi, um den Ich-Erzähler abzuholen, denn er muss dringend irgendwohin: zum Hafen, zum Bahnhof, ja einmal auch in die Bibliothek. Aber am Ende jeder Geschichte kehrt er zurück: nach Hause zu dir – also zu dem Sohn des Erzählers, der immer wieder direkt angesprochen wird.

Tja, es ist klar, dass ich dieses Geschichtenende für ein Vorlesen vor vielen Kindern nicht verwenden kann. Dass viele Taxifahrten zu Orten aus Hamburg führen, stört nicht. Warum soll man die Kinder nicht mit auf eine Reise in eine andere Stadt nehmen? Ich würde mir eine kleine Einleitung einfallen lassen, vielleicht in Form einer neuen Rahmenhandlung. Und ich müsste mir die passenden Geschichten aussuchen und so ein Vorleseprogramm für ca. 20-30 Minuten erstellen. Das Einbeziehen der zuhörenden Kinder und das dafür notwendige Improvisieren werde ich üben müssen. Vielleicht hilft mir wieder mein Vater dabei. Aber die fantastisch-skurrilen Abenteuer mit den Schrumpfpiraten oder den auf einer Riesenwelle surfenden Bienen, mit einem kleinen Riesen namens Riesling oder einem Käsetaxi mit Maus als Fahrerin, von der man sich sogar bis zum Mond kutschieren lassen kann – ja, das ist es wert, ich will einmal etwas anderes ausprobieren, als nur Wort für Wort abzulesen.

Meine Kolleginnen haben sich übrigens in das Hörbuch hineingehört und begrüßen mich schon lachend mit „Odjo, odjo!“ – Das ist ein Zitat und gehört zu einer der lustigsten Figuren im Buch – natürlich ein Taxifahrer, einer von vielen. Mehr verrate ich jetzt aber nicht.

Und wenn Ihr glaubt, ich hätte hier schon die verrücktesten Figuren aufgeführt, dann ruft Euch selber ein Taxi und fahrt mit Saša Stanišić und seinem Sohn in alle Richtungen, die die Fantasie so zulässt: Ihr werdet Euch wundern. Hey, hey, hey Taxi! (Katalogdaten hier)

Mittlerweile gibt es schon ein neues Kinderbuch von Saša Stanišić. Prompt sind wir mitten in der Pandamie. 😉 Ha! Nein, wieder kein Schreibfehler. Da sind nämlich Panda-Bären mit ihrer Lieblingsspeise Bambus. Doch ein Panda aus China, der natürlich Nicht-Peter heißt, weil Pandas aus China natürlich nicht Peter heißen, macht die großartige Entdeckung, dass man mit Bambus auch Töne erzeugen kann: Musik. Und mit mehreren zusammen macht das Musizieren richtig Spaß. Also wird eine Panda-BPand gegründet. … – Damit wäre schon mal das Wortspiel im Titel erklärt. In der Geschichte gibt es noch mehr von diesen Sprachspielereien und vom umwerfend-fantasiereichen Humor des Saša Stanišić.
Sicher demnächst auch in der Stadtbibliothek.

Kinderbuch "PandaPand: Wie die Pandas mal Musik zum Frühstück hatten" von Sasa Stanisic

Nachtrag 30.11.2021: Ja, Buch und Hörbücher der „PandaPand“ sind geliefert,
müssen zum Teil aber noch eingearbeitet werden.
Hier findet Ihr die Katalogdaten.

Am 19. November 2021 ist übrigens der Bundesweite Vorlesetag.

Was auch immer Ihr heute vorlest, ob herrlich verrückt oder knuddelig-verspielt, habt viel Spaß dabei. 😉

HilDa

Logo für den Bundesweiten Vorlesetag

Vorlesetipp: Lappland

Gerne sei dieser prächtige Bildband allen empfohlen, die Naturfotografie und die fantastische Landschaft im hohen Norden Europas lieben. Aber ein Buch über das Naturparadies Lappland als Vorlesetipp? Nun, dazu wurde es durch meine Besuche bei einem älteren Herrn. Früher ist er viel gereist, besonders gerne in die skandinavischen Länder und nach Finnland, allein oder zu zweit, meist auf eigene Faust mit seinem Bulli. Heute sind seine Erinnerungen etwas verwirrt. Aber wenn er erzählt, ist es doch egal, ob seine großartigen Abenteuer wirklich erlebt oder Phantasie sind, er erzählt gerne über seine Reisen, nur das ist wichtig.

Der Bildband war ein Geschenk seiner Kinder. Damals war er wohl nicht wirklich interessiert an dem Buch, schön, ja, aber es taugte weniger zur Vorbereitung der nächsten Reise und Fotos hatte er selbst genug gemacht. Das Buch wanderte ins Regal.

Wenn er heute gemeinsam mit seiner Tochter in dem Buch blättert, glaubt er alles auf den Bildern wiederzukennen: Jaja, da sei er überall gewesen. Wenn man an diesem Felsen rechts vorbei gehe, so erzählt er voller Überzeugung, könne man das Meer sehen. Und als er bei dem Foto eines Adlers zwei ineinander verschränkte Greifvögel zu erkennen glaubt, wischt er den geäußerten Zweifel mit den Worten fort: „Ich muss es doch wissen, ich habe das Foto ja schließlich gemacht!“ Die Personen auf den Bildern am Ende des Buches kennt er natürlich persönlich, ihm fallen nur die Namen gerade nicht ein.

Und dann erzählt er von langen Wanderungen an der norwegischen Küste entlang, Übernachtungen unter freiem Himmel, den drei Elchen, die beim Aufwachen neben ihm gelegen hätten. Er fährt mit dem Finger über die Landkarte, um den Weg nachzuzeichnen.

Beim etwas hektischen Hin-und-Her-Blättern in dem Buch kommt er natürlich immer wieder auf die selben Bilder und Karten – nur seine Geschichten sind dann plötzlich ganz andere.

Ab und zu tippt er mit dem Finger auf einen Bilduntertitel; weil er gerade keine Brille aufsetzen mag („Ich brauch‘ keine Brille!“), soll die Tochter kurz vorlesen. Dann irritiert ihn der Text vielleicht für einen kurzen Moment (Aha, das ist also doch nur ein Adler? Ja klar, eine optische Täuschung eben!). Aber meist nickt er wissend. Er akzeptiert auch, dass die Menschen auf den Fotos am Ende Fotografin und Autor des Buches sind und sicher keine Reisebekanntschaften.

Ach, er würde so gerne noch einmal dort hoch fahren und alles wieder selbst sehen und erleben.

Fotos oder eben auch so ein Bildband können wunderbar helfen, einen Menschen mit Demenz zum Erzählen zu bringen. Es geht hier nicht um das Vorlesen im eigentlichen Sinn des Wortes, vielmehr soll ein Anlass zum aktiven Erzählen geboten werden. Das gemeinsame Lesen der Texte kann das unterstützen, die Bilder sind aber der entscheidende Ansatz. Es reicht, wenn man ein Buch auswählt, das den Interessen des alten Herrn entspricht und Erinnerungen wecken kann.

Ausschnitt aus dem Regal „Schaufenster Bielefeld“ des Stadtarchivs

Das kann z. B. auch ein Fotoband über die alte Heimatstadt sein (zum alten Bielefeld und seinen Stadtteilen, aber auch zu anderen Städten und Gemeinden in der Region findet man viel in der Landesgeschichtlichen Bibliothek des Stadtarchivs, ausleihbar mit der Bibliothekskarte). Gerade die Erinnerungen aus Kindheit und Jugend sind bei Menschen mit Demenz noch sehr präsent, sie erkennen die Orte auf den alten Bildern, erzählen über eigene Erlebnisse oder Spielgefährten aus der Vergangenheit, sie wissen, was im Krieg zerstört wurde, wo welches Geschäft war …

Oder man nimmt ein Buch über irgendein Interessengebiet des alten Herrn: VW-Bullis, die Länder, durch die er einst gereist ist, das Handwerk, das er als junger Mann erlernt hat – darüber gibt es Bücher mit Fotos und Zeichnungen, erzählen kann er dann selbst.

Dabei darf man nicht unbedingt eine lineare, wahrhaftige Geschichte erwarten. Man kann schon mal vorsichtig nachfragen, sollte aber möglichst nicht viel korrigieren, egal welche Sprünge der Erzähler macht und wie unglaubwürdig seine Reiseerlebnisse auch werden. Wenn er auf dem Bild einen zweiten Adlerkopf sieht, dann ist das eben so. Wenn er auf seinen Reisen so nebenbei und schon nach wenigen Wochen die Sprache der Samen gelernt haben will, dann ist das eben so. Wenn er ganz allein vom Nordkap bis nach Spanien, zu Fuß! – na, dann lassen wir ihn doch einfach weiter fabulieren.

Und wenn er dann das Buch zuklappt und mit einem zufriedenen Seufzer erklärt, dass er dieses Buch liebe und immer wieder gern darin blättere, dass es nicht zurück ins Regal, sondern für ihn griffbereit liegen solle, ja dann freut sich auch die Tochter, die es ihm einst geschenkt hatte. War also doch genau das richtige.

Die Daten zum National-Geographic-Bildband „Lappland: das Alaska Europas“ von Erlend Haarberg und Orsolya Haarberg findet Ihr hier.

HilDa

Vorlesetipp: Onkel Tobi

Darf ich vorstellen ?  Das ist „Onkel Tobi“!

Dies ist ein Kinderbuch, das mitten in der Angebotsvielfalt auf dem Kinderbuchmarkt ganz außergewöhnlich ist, so ganz normal altmodisch und gleichzeitig ungewöhnlich nett.

Es geht um einen Onkel, dessen Alter wir auch nach sechzigmal Vorlesen nicht herausgefunden haben, sagen wir mal er ist 50+…  Und er lebt in einer ganz normalen und schön gemütlichen Welt, wo man noch mit dem Pferdewagen in die Stadt einkaufen fährt und über die Straßenpflaster rattert, zum Geburtstag das Zimmer renoviert und aus Möbeln einen Parcours baut, eine Landpartie nach Bullerau unternimmt und sehr viel Zeit mit den Kindern aus der Nachbarschaft verbringt…
Und dabei entstehen viele nette lustige Abenteuer in Vers-Form.

Zum Vorlesen ganz wunderbar: schöne Melodie, schöner Text und ein ganz netter Onkel, der uns alle zurück in die Kindheit mitnimmt.

Hier als kleine Vorkost dazu, passend zu der Jahreszeit und mit einer Empfehlung zur Kinderbeschäftigung, falls mal die Kita wieder geschlossen hat:

Weil man, wenn es draußen regnet,
nur im Zimmer spielen kann,
zeigt der Onkel auch den Kindern,
was man alles malen kann.

Pinsel, Farben und Papier
hat der Onkel immer hier.
Sonne, Wolken, Mond und Sterne
malt er ganz besonders gerne,
(…)

Viele sonderbare Sachen
gibt’s in Onkel Tobis Haus,
hier packt er soeben seine
alte Puppenkiste aus:

(…)

Iulia Capros

Die Geschichten mit Onkel Tobi sind Vorleseklassiker aus den 60er- und 70er-Jahren, geschrieben von Hans Georg Lenzen, illustriert von Sigrid Hanck. In unserem Magazin sind noch zwei alte Bände vorhanden und ausleihbar.
Die Ausgabe mit allen Onkel-Tobi-Geschichten in einem Band ist gerade neu eingearbeitet und steht bei den Vorlese-Bilderbüchern in der Kinderbibliothek.
Die Katalogdaten hier.

Zwei Vorlesetipps: Frösche und Eulen

Die heutigen Vorlesetipps kommen aus unserer Schul- und Stadtteilbibliothek Stieghorst und wurden dort auch schon mehrfach bei Veranstaltungen erprobt:

Zwei Frösche, ein Stock und ein Hund“ von Chris Wormell. Ins Deutsche übersetzt von Andreas Steinhöfel.
Düsseldorf : Sauerländer, 2005.

Katalogdaten hier

In der Mitte eines Seerosenteiches sitzen zwei Frösche auf einem Seerosenblatt. Einer der Frösche hält einen Stock in der Hand. Auf die Frage wozu der gut sein soll, antwortet der Frosch: „Zu unserem Schutz“.

Ist es besser vor jeder Gefahr gewappnet zu sein? Eine humorvolle Diskussion beginnt über die große Frage: Was wäre wenn…? Wer bekommt Recht? Der Optimist oder der Pessimist?

Für mich sehr humorvoll geschrieben und illustriert von Chris Wormell. Vielleicht nicht unbedingt für kleine Kinder geeignet.

 

Wir haben es in der Stadtteilbibliothek Stieghorst mit einer OGS-Gruppe gelesen und anschließend einen Frosch gebastelt.

 

 

 

 

Ein Jahr mit den Eulen“ von Thomas Müller.
Hildesheim : Gerstenberg, 2014.
Katalogdaten hier

Was fliegt da so geheimnisvoll um den alten Kirchturm mitten in der Nacht? Es ist eine Schleiereule auf dem Weg zu ihrem Nistplatz. An einem verborgenen Ort hoch oben in der Spitze des Turms zieht das Eulenpaar seine Jungen auf. Die Kleinen werden liebevoll von den Eltern umsorgt, bis sie schließlich selbst auf Mäusejagd gehen können und sich ein eigenes Revier suchen. Damit beginnt ein neues Eulenjahr!

Ich mag dieses Buch sehr, auch die Kinder waren von dem Buch und den eindrucksvollen Zeichnungen begeistert.

 

 

Im Anschluss des Buches haben wir eine Eule getupft, siehe Bild.

 

Leseziel:  Empathie für Natur und Tiere entwickeln.

Heike Lahme

 

Zum 4. Advent … Winterzeit ist Märchenzeit #8

Märchenparodie als Vorleseempfehlung

Man muss die Originalerzählungen nicht kennen, um Spaß an den Märchen-Bilderbüchern von Sebastian Meschenmoser zu haben; aber noch witziger sind sie, wenn man den Gegensatz vom Volksmärchen zur neuen Parodie des originellen Künstlers, Illustrators und Kinderbuchautoren erkennt.

Rotkäppchen hat keine Lust

Beim Märchen vom Rotkäppchen kann man wohl zumindest bei den meisten Erwachsenen voraussetzen, dass es bekannt ist.
Sebastian Meschenmoser hat die Figuren Wolf, Großmutter und natürlich Rotkäppchen sowie einzelne Motive der Handlung genommen und daraus eine ganz andere Geschichte gemacht. Wolf will Rotkäppchen fressen und lauert dem Mädchen auf. Soweit so bekannt. Doch er trifft auf eine missmutige Göre, die zum Geburtstag der Großmutter gehen muss, aber eigentlich an diesem Sonntag etwas ganz anderes machen möchte. Ihre Geschenke sind lieblos, ihre Antworten patzig, ihre Laune sichtlich mies. Da hat der Wolf aber gute Ratschläge für viel passendere Mitbringsel und lädt sich auch gleich selbst als leutseligen Überraschungsgast mit ein – sehr zur Freude der Großmutter. Am Ende findet sogar das lustlose Rotkäppchen noch seinen Weg, aber alles so ganz anders als in dem bekannten Märchen.

Das Bilderbuch steckt voller Wort- und Bildwitz, eignet sich also nicht nur zum Vorlesen, sondern auch zu weiteren kleinen Entdeckungen. Wer will, kann das Ende noch weiterspinnen, denn was das Rotkäppchen von nun an macht, „das ist eine andere Geschichte“.
(Katalogdaten hier)

Ein populäres Märchen augenzwinkernd gegen den Strich erzählt. Wer Freude daran hat: Es gibt noch mehr dieser Art von Sebastian Meschenmoser – und er bleibt dabei in der Wolfsfamilie.

    • Die verflixten sieben Geißlein: Der Wolf will die 7 Geißlein fressen, doch das Haus der Ziege ist so unordentlich, dass er die Kleinen nicht finden kann. Also fängt er an, Ordnung in das wimmelige Durcheinander zu bringen. (Katalogdaten hier)
    • Vom Wolf, der auszog, das Fürchten zu lehren: Der Wolfsvater ist bitter enttäuscht von seinen Söhnen. Der erste hat sich mit einer alten Dame angefreundet, anstatt sie mitsamt dem Rotkäppchen aufzufressen und der zweite kam nicht einmal mit 7 jungen Geißlein zurecht. All seine Hoffnung liegt nun auf dem jüngsten Wolf, der voller Zuversicht auszieht, um das gefürchtetste Wesen im ganzen Wald zu werden. Das ist aber leider nicht so einfach wie gedacht. (Katalogdaten hier)

HilDa

Kinderbuchtipp: Der Ruf der Wölfe

Es ist Winter im Norden Deutschlands und der erste Schnee ist gefallen. Jan ist im Wald unterwegs, als plötzlich ein Wolf – groß und bedrohlich – vor ihm steht! …

So beginnt der Verlagstext zum Kinderbuch, das die Kollegin vorstellen möchte – ein Winterlesetipp für Euch aus der Kinderbibliothek – passt also, nun ja, in unseren vorweihnachtlichen Winter-Themenmonat (in jeden anderen Monat aber auch 😉 ):

 

Ich möchte heute ein Buch vorstellen, das heißt: Ruf der Wölfe von Robert Habeck und Andrea Paluch und handelt von einem Jungen, der plötzlich im Wald einem Wolf gegenübersteht.

Während die Erwachsenen das Tier jagen wollen, wird der Junge durch die Begegnung mit dem Thema Tier- und Umweltschutz konfrontiert und beschließt, dass der Wolf gerettet werden muss.

Das Buch ist spannend wie ein Krimi und Abenteuergeschichte zugleich. Ihr lernt gleichzeitig etwas über Ökologie und was passiert, wenn Tierarten aus diesem Kreislaufsystem wortwörtlich herausgeschossen und vernichtet werden – und natürlich ganz viel über den Wolf.

Der Kinderroman ist ab 9 Jahre und für Mädchen und Jungen geeignet.

Viel Spaß beim Lesen

Eure Petra aus der Kinderbibliothek

Die Katalogdaten zum Roman findet Ihr hier.

Vorlesetipp zum Bundesweiten Vorlesetag: Fuchs ganz nah

Logo für den Bundesweiten Vorlesetag

Zum Bundesweiten Vorlesetag am 20. November 2020 geben wir Vorlesetipps.

Heute eine Empfehlung unserer Kollegin aus der Schul- und Stadtteilbibliothek Schildesche:

 

Was passiert, wenn eine Jägerin statt des Rehbocks eine junge Füchsin entdeckt und sich mit Ihr anfreundet, kann man im Buch „Fuchs ganz nah“ von Klaus Echle und Anna Rummel nachlesen. Auch der Förster ist dem Jungfuchs schon begegnet. So freunden sich beide Menschen mit der Füchsin an.

Sophie, die Füchsin, ist etwas ganz Besonderes. Sie ist ungewöhnlich neugierig und mutig. Sie traut sich Kontakt mit den Menschen aufzunehmen und zeigt den Menschenfreunden ihre Welt.

Den Wald aus Fuchssicht kennen zu lernen, ist spannend und die wunderschönen Fotos laden zum Betrachten ein.

Das Buch steht bei uns im Sachbuchbereich für Erwachsene. Aber Kinder werden sicher auch Freude an der Geschichte und an den wirklich wunderschönen Fotos haben.

Das Buch gibt es in der Stadtbibliothek am Neumarkt und in der Stadtteil- und Gesamtschulbibliothek Schildesche.
Fuchs ganz nah: Geschichte einer Freundschaft“ von Klaus Echle und Anna Rummek im BLV-Buchverlag, die Katalogdaten sind hier.

Rieke

Für uns ist natürlich jeder Tag ein Vorlesetag. Darum werden wir auch nach dieser Woche und dem Bundesweiten Vorlesetag weitere Vorlesetipps geben.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen und Vorlesen.
Denn Vorlesen verbindet.

Vorlesetipps für Jung und Nichtmehrganzsojung

Logo für den Bundesweiten Vorlesetag

 

Zum Bundesweiten Vorlesetag am 20. November 2020 geben wir Vorlesetipps:

 

 

Heute geben wir noch mal etwas Gas vor dem Vorlesetag morgen, soll heißen: Wir geben gleich zwei Tipps, beide von Bibliothekarinnen aus der Kinderbibliothek:

Der Vorlesetipp von Anja Debrow:

Bärenstark & Falkenfrei : Neue Fantasiereisen und Meditationen für Kinder / von Dirk Grosser und Jennie Appel; aus dem Bielefelder Aurum-Verlag;
Katalogdaten hier.

Die Geschichten in diesem Buch laden alle dazu ein, den Wald und seine Bewohner zu erleben und kennen zu lernen. Die Zuhörerinnen werden durch direkte Ansprache und Aufgaben mit eingebunden in die Abenteuer. Das ist eine tolle Erzählperspektive, die sozusagen die Zuhörenden zu den Helden der Geschichten macht. Für einzelne Kinder ist immer ein Feld frei, um den Namen einzubinden. Für Gruppen lässt sich schnell improvisieren, dass der Text trotzdem passt. Ganz nebenbei vermitteln die Geschichten Wissen über die Natur und die einzelnen Tiere.

So können wir zum Beispiel mit dem Rotmilan große Kreise am Himmel fliegen und einen Freudenruf in die Welt schicken. Mich interessierte dann sofort, wie der Ruf des Rotmilans wohl in echt klingt? Dank Handy lässt sich das ja schnell recherchieren und in die Geschichte einbauen! Und diesen Ruf werden ich und auch alle Kinder, denen ich die Geschichte vorgelesen habe, ab jetzt immer wieder erkennen…

Weitere Geschichten zeigen zum Beispiel die Heilkraft der Brennnessel, die Schönheit von Kröten, die Verbundenheit im Wolfsrudel oder die Lebensfreude der Wildschweine. Anregungen für Naturerlebnisse, Liebe zu den Wesen des Waldes und Achtsamkeit im Umgang mit unseren Mitgeschöpfen schwingen in jeder Geschichte mit. Gleichzeitig vermitteln sie auch den Zuhörenden die Wertschätzung, dass sie so, wie sie sind in Ordnung und liebenswert sind, egal ob mal ängstlich oder vielleicht in der Schule mal nicht so erfolgreich.

Die auch als Meditation bezeichneten Fantasiereisen unterstützen Kinder darin Vertrauen in sich zu entwickeln und zur Ruhe kommen zu können. Die Länge der Geschichten ist zwischen 10-15 Minuten Lesezeit optimal. Mein Tipp: Gerade in unruhigen Zeiten einfach mal ausprobieren und am besten gleich im Anschluss raus gehen in die Natur, durchatmen und achtsam den Wald erleben!

Dirk Grosser und Jennie Appel geben Meditationskurse und schamanische Seminare. Sie leben im Kalletal und sind dort oft mit ihren Hunden im Wald unterwegs.

 

Der Vorlesetipp von Christine Tenger
für die Nichtmehrganzsojungen 🙂

Es ist nur eine Phase, Hase – Ein Trostbuch für Alterspubertierende / von Maxim Leo & Jochen Gutsch; aus dem Berliner Verlag Ullstein.
Katalogdaten hier

Du bleibst mein Sieger, Tiger – Noch mehr Trost für Alterspubertierende / von Maxim Leo & Jochen Gutsch; aus dem Berliner Verlag Ullstein.
Katalogdaten hier

Herrlich komisch berichten Leo Maxim und Jochen Gutsch über die ganz speziellen Verhaltensweisen der Ü-45ger. Wie sich das weibliche Alterspubertier „neu entdecken möchte“ und das männliche den ersten Besuch beim Urologen meistert, ist derart treffend beschrieben, dass man sich erst ertappt fühlt und dann herrlich amüsiert. Und das tut in diesen tendenziell trüben Corona-November-Zeiten sehr gut.

Buchtipp: Mein Buch vom Mond

Der nächste Vollmond kommt bestimmt.

Unter unseren neuen Büchern entdeckte ich ein Buch mit einem wunderschönen Titelbild.

Der Text ist von Laura Cowan.  Die Illustrationen sind von Diana Toledano.

Gedacht ist das Buch für Kinder ab 5 Jahren. Erwachsene dürfen aber auch! Es ist ein Buch für alle Menschen, die neugierig sind und sich von den schönen Illustrationen verzaubern lassen möchten.

Gleich auf der dritten Seite finden sich viele Fragen zum Mond. Die Antworten gibt es auf den folgenden Seiten. Spannend finde ich, dass nicht nur naturwissenschaftliche Fragen beantwortet werden, sondern dass auch Geschichten und Mythen aus aller Welt erzählt werden. Wer kennt das Kaninchen auf dem Mond?

Auch von Forschern aus aller Welt wird berichtet. Von den Mondlandungen erfährt man natürlich auch. Alles ist auf 32 Seiten mit abwechslungsreichen und wunderschönen Illustrationen zu entdecken. Ein toller Einstieg in das Thema.

Ganz unüblich für ein Bilderbuch ist das Register am Ende. Also ein richtiges Sachbuch wie es sich gehört. Naja zugegeben – ein Inhaltsverzeichnis gibt es nicht.

Hier die Katalogdaten.

Rieke

Mittendrin Mittwoch #95

Eines Tages beschlich die hohen Offiziere der ruhmreichen Nation Pandurien ein Verdacht: daß in den Büchern Ansichten stehen könnten, die dem Prestige des Militärs abträglich sind.
(Ein General in der Bibliothek / von Italo Calvino. Seite 74)

Anlass war eine Benutzerfrage: Jemand suchte kurze Erzählungen zum Vorlesen bei einer öffentlichen Kulturveranstaltung, Zuhörer würden also Erwachsene sein; der Vorleser wollte drei oder vier einzelne Erzählungen für insgesamt 20 Minuten vortragen, möglichst alle von einem Autoren oder zu einem gemeinsamen Thema, gerne mit Humor.

Ich habe bisher kein größeres Werk von Italo Calvino gelesen, erinnere mich aber an seine Märchensammlung. In diesem Band mit Erzählungen fand ich vier Geschichten, die ich selbst zum Vorlesen für geeignet hielt und empfahl sie weiter. Übrigens noch mit einem Alternativvorschlag, ein anderes kleines Buch, das ich vielleicht später mal an dieser Stelle vorstellen werde, denn der Nutzer hat das gewählt (hätte ich an seiner Stelle vielleicht auch). Das gibt mir die Gelegenheit, Calvinos Erzählungen weiterzulesen.

Der Sammelband „Prima che tu dica ‚Pronto’“ ist 1993, acht Jahre nach Calvinos Tod, erschienen, die deutsche Übersetzung von Burkhart Kroeber mit dem Titel „Ein General in seiner Bibliothek und andere Erzählungen“ wurde sogar erst 2004 im Hanser-Verlag veröffentlicht. Italo Calvino ist in Italien Schullektüre, er gilt vielen als der bedeutendste italienische Schriftsteller seiner Generation.

Da ich ja Geschichten zum Vorlesen suchte, hatte ich zunächst die kürzeren Erzählungen laut gelesen. Jetzt lese ich auch die anderen, die ich bisher nur überflogen habe. Dabei halte ich mich allerdings nicht unbedingt an die vorgegebene Reihenfolge.

Buch mit Lesezeichen vor einem vollgestopften Bücherregal

Der General in der Bibliothek und andere Erzählungen / von Italo Calvino. Hanser, 2004

Das Zitat oben ist aus der Erzählung, die für die deutsche Übersetzung der Sammlung titelgebend wurde. Eine märchenhaft-groteske Geschichte über die Wirkung von Buchempfehlungen durch einen alten, pfiffigen Bibliothekar auf einen General und seine Soldaten, die eigentlich in der Bibliothek Zensur üben sollen, statt dessen aber durch die Lektüren zum Denken und Diskutieren angeregt werden. Logisch, dass ich diese Erzählung empfehle!

Calvinos Sprache ist wunderbar klar. Seine Geschichten driften gerne ins Phantastische oder man liest sie als pure Ironie; die Aussage ist meist politisch und gesellschaftskritisch – und wirkt nach wie vor aktuell. Oder wieder. Oder immer. Ach.

Egal, ob Ihr die Erzählungen für Euch lesen wollt oder eventuell Vorlesen möchtet: hier unsere Katalogdaten.

HilDa

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.