Bitte, ein Gedicht #14

Annette von Droste-Hülshoff hat unter der Überschrift „Der Säntis“ die vier Jahreszeiten lyrisch beschrieben. Hier die Strophen zum Frühling:

Der Säntis

Frühling

Die Rebe blüht, ihr linder Hauch
Durchzieht das tauige Revier,
Und nah und ferne wiegt die Luft
Vielfarb’ger Blumen bunte Zier.

Wie’s um mich gaukelt, wie es summt
Von Vogel, Bien‘ und Schmetterling,
Wie seine seidnen Wimpel regt
Der Zweig, so jüngst voll Reifen hing.

Doch sucht man gern den Sonnenschein
Und nimmt die trocknen Plätzchen ein;
Denn nachts schleicht an die Grenze doch
Der landesflücht’ge Winter noch.

O du mein ernst gewalt’ger Greis,
Mein Säntis mit der Locke weiß!
In Felsenblöcke eingemauert,
Von Schneegestöber überschauert,
In Eisenpanzer eingeschnürt:
Hu, wie dich schaudert, wie dich friert!

(Annette von Droste-Hülshoff, 1797-1848)

Bitte ein Gedicht – das ist Wunsch und Angebot zugleich. In unregelmäßigen Abständen möchten wir gerne zur Lyrik verführen und präsentieren einzelne Gedichte oder weisen auf besondere Lyrikbände aus unserem Bestand hin.

Stadtwanderung

Ich habe auch zu denen gehört, die zur Kirschblüte in die Straße „Auf dem langen Kampe“ gepilgert sind, um ein Foto von der Blütenpracht zu machen. Dabei stand unter fast jedem Baum bereits ein Grüppchen junger Leute, die sich gegenseitig in allen möglichen Posen mit der rosa Allee im Hintergrund fotografierten: lächelnd, hüpfend, scherzend, allein, zu zweit im Arm liegend, küssend; Eltern hockten mit den Kindern auf der Straße für ein Foto, da mussten die Autos halt kurz warten. Es gab viele Spaziergänger wie mich und auch Radfahrer. Nahezu jeder hatte sein Smartphone griffbereit und suchte die eine besondere Perspektive, das eine originelle Motiv. Oder beobachtete die anderen bei ihren Posen. Ich habe mich gar nicht getraut, mein Handy zu zücken. Wer möchte schon inmitten all der Möchtegern-Influencer* für eine Möchtegern-Influencerin gehalten werden?

Aber bei diesem einen Baum fast schon am Ende der Allee, der als einziger weiße Blüten hatte, konnte ich dann doch nicht widerstehen. Blöderweise waren kurz zuvor Wolken aufgezogen, so sieht man nicht gut, dass der Baum auch einige Äste mit rosa Blüten hat, eine botanische Besonderheit, die gerade niemanden sonst interessierte. Nun ja, ich bin auch keine gute Fotografin, ein Filter hat etwas geholfen.

Ihr werdet im Netz mit dem Hashtag #AufDemLangenKampe genügend Bilder finden: Schnappschüsse, Selfies, professionelle Fotografien, jeder Baum einzeln, die volle Blütenpracht in der Totalen und sogar Luftaufnahmen.

Die Straße ist übrigens auch zu jeder anderen Jahreszeit ein Spaziergang wert, nicht nur in den wenigen überlaufenen Tagen der Kirschblüte. Zumal man die Allee in einen Rundweg einbauen kann, als Spaziergang ein ordentlicher Marsch und auch als kleine Radtour gut geeignet. Mein Abendspaziergang nach dem Dienst hatte natürlich die Bibliothek am Neumarkt als Ausgangspunkt. Bis zum Ostbahnhof gibt es einen etwas versteckten Fußweg durch Kleingartenanlagen (parallel zur Werner-Bock-Straße hinter der Seidenstickerhalle vorbei, dann Am Stadtholz überqueren und rechts an der Feuerwache vorbei bis zur Bleichstraße).

Graffiti an einer Kleingarten-Vereinshütte

Ich muss gestehen, dort habe ich etwas die Orientierung verloren und bin einmal im Kreis gegangen, aber man kommt an der Bleichstraße in der Nähe des Ostbahnhofs heraus, an dem auch schon die insgesamt 1,3 km lange, mit Japanischen Kirschbäumen gesäumte Wohnstraße mit dem ungewöhnlichen Namen Auf dem Langen Kampe beginnt. Am anderen Ende erreicht man die Radrennbahn und kann von dort auch noch weiter wandern oder fahren z. B. in Richtung Heepen. Ich habe den Rückweg an den Lutter-Stauteichen vorbei gewählt. Bis zur Teutoburger Straße kann man durch einen Grünzug gehen und danach durch verkehrsberuhigte Wohnstraßen ins Zentrum gelangen (Ravensberger Straße). Auch ohne Kirschblüten gibt es genug zu sehen auf dieser Wanderung oder Radtour: Schrebergärten, Wasservögel, Spielplätze u.v.m. Ganz zu schweigen von den Menschen, die man unterwegs trifft, denn nicht nur zur Kirschblütenzeit haben auch andere diese stadtnahen Möglichkeiten entdeckt und nutzen sie bei schönem Wetter ausgiebig. Natürlich verrate ich hier alles andere als einen Geheimtipp; ich empfehle in dieser Zeit sicher nicht, dass sich jetzt halb Bielefeld zur gleichen Abendrunde aufmachen soll – während der Kirschblüte war es anstrengend genug, den Abstand einzuhalten, ein Slalomlauf.

Spielplatz in einer Wohnsiedlung
Weg zwischen Kleingärten
Stauteich in der Abendsonne

Bielefeld und seine nähere Umgebung bieten viele Möglichkeiten für Spaziergänge oder Radtouren. Es muss gar nicht die großgeplante Tour sein. Selbst ein Spaziergang durch das eigene Wohnviertel, durch Straßen und Fußwege, die man sonst nie nutzt, kann zu interessanten Entdeckungen und Beobachtungen in der eigenen Stadt führen: Mich interessieren zum Beispiel die Siedlungsarchitektur, die Bepflanzung und Gestaltung in Vor- und Schrebergärten, alte Hausfassaden, Haustüren aus Holz, schmiedeeiserne Gitter und Geländer, originelle Graffiti, … . Und dann sind da noch die Naturbeobachtungen, die man ohne viel Aufwand machen kann: zurzeit das Ergrünen und Aufblühen im Frühling, Schwäne und Enten mit ihren Küken, Reiher in Lauerstellung, Singvögel bei Nestbau oder Futtersuche, …

Ihr müsst nur los ziehen, die Augen offen halten und aufmerksam sein.

Die fabelhafte Wibke Ladwig (@sinnundverstand) nennt es ihre #CoronaWanderreisen, in denen sie ihre Stadt Köln neu kennen lernt. Und ihren #GangInsHeimbüro, bei dem sie in ihrem eigenen Viertel ungewöhnliche Alltagsentdeckungen macht. Die Fotos mit ihren witzigen Kommentaren findet Ihr bei Instagram und Facebook oder auch in einigen Beiträgen ihres Blogs (z.B. Gang ins Heimbüro hier). Ihr besonderer Blick für scheinbare Kleinigkeiten war es, der mich zu nun auch zu meinen Stadtspaziergängen angeregt hat. Und ihre wertschätzende Offenheit ist ein gutes Vorbild. Ich kann zumindest sagen: Es tut mir gut.

Im Juni ist in Bielefeld wieder für drei Wochen Stadtradeln, auch eine gute Gelegenheit, sein Umfeld neu zu „erfahren“.

HilDa

Currywurst-Gnocchi-Auflauf

Der Imbissklassiker mal anders – einfach und sehr schnell als Auflauf zubereitet. „Einfach und schnell“ klingt immer gut, oder? Viel Spaß beim Ausprobieren!

Zutaten (laut Rezept für 4 Personen, ich fand es eher für 3 ausreichend):

  • 3 Lauchzwiebeln
  • 4 feine Bratwürstchen
  • 1 EL Öl
  • 1 Packung (400g) frische Gnocchi aus dem Kühlregal
  • 1 TL Curry
  • 200g Tomatenketchup
  • 200 ml Gemüsebrühe
  • Salz
  • Pfeffer
  • geriebener Emmentaler

Und so geht’s:

  1. Backofen vorheizen (Umluft 175°C). Lauchzwiebeln waschen und in feine Ringe schneiden. Würstchen in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden.
  2. Öl in einer Pfanne erhitzen. Gnocchi und Wurstscheiben darin nacheinander 4-5 Minuten goldbraun braten. Beides in eine Auflaufform geben. Die Lauchzwiebeln mit dem Curry im Bratfett kurz andünsten, Ketchup und Brühe zugeben und aufkochen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  3. Soße über die Gnocchi und Wurstscheiben gießen und alle mit dem Käse bestreuen. Im heißen Ofen ca. 15 Mimuten überbacken.

Guten Appetit! 🙂

kwk

Neu im Zeitschriftenregal!

Die Stadtbibliothek Bielefeld verfügt über ca. 400 analoge Zeitschriften-Abonnements (inkl. Fachzeitschriften und Mehrfachexemplaren für die Stadtteilbibliotheken.) Neben klassischen Titeln wie Ökotest, Stern und Brigitte, welche die Bibliothek schon seit vielen Jahren zur Verfügung stellt, gibt es auch jedes Jahr ein bisschen Bewegung im Bestand. „Verursacht“ durch die Kolleg*innen der Stadtteilbibliotheken und der Zeitschriftenstelle, aber auch die Bibliotheksnutzer*innen. Denn der häufigste Grund für Änderungen im Zeitschriftenbestand ist eine mäßige Nachfrage, weshalb wir uns von manchen Titeln verabschieden, um Platz für neue Themen und Trends zu schaffen. Dann heißt es z.B. „Goodbye, liebe Schachzeitschrift“.

In letzter Zeit fällt allerdings auf, dass auch andere Gründe uns zu Veränderungen zwingen. Einige Verlage bieten Zeitschriften nur noch digital an oder stellen Titel ein, weil sie sich diese nicht mehr leisten können – Corona und fehlende Einnahmen für Werbeanzeigen lassen grüßen … Davon betroffen sind bei uns konkret: Fit for fun, Chip Wissen, Laura, Novum, Running und Spiegel Wissen – mal abwarten, welche zum Ende des Jahres noch wegfallen.

Daher möchten wir gerne einen kleinen Überblick über neue Magazine in unserem Bestand bzw. teilweise auch wieder neu eingeführte Titel geben:

Bauen und Renovieren : einfach wissen wie’s geht! – Diese Fachzeitschrift richtet sich an private Bauherr*innen und bietet fundiertes Praxiswissen zu den Themen: Bauen und Renovieren, Innenausbau und Wohnen, Heiz- und Haustechnik, Wohnkomfort und Außenbereich.

Bluesnews – Das Magazin für Blues und Bluesrock informiert über Neuigkeiten aus der Szene, interviewt Künstler*innen und erinnert an wegweisende Musiker*innen sowie Plattenaufnahmen und stellt talentierte Newcomer vor. Weitere Schwerpunkte sind: Tournee- und Festival-Ankündigungen, Konzertkritiken dazu zahlreiche CD-, LP-, DVD- und Buchrezensionen.

Burda easy – Ein klassisches, aber trendorientiertes Handarbeitsheft mit einfachen und verständlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen darüber hinaus mit Tipps und Tricks rund ums Nähen für alle Näheinsteiger*innen.

Camping & Reise – Das Magazin für Camping, Reisen und Outdoor beschäftigt sich mit Reisezielen und deren Campingplätzen, Tourenmöglichkeiten, Aktivitäten vor Ort, aber auch mit Camping-Ausrüstung und Reisereportagen.

Caravaning : Europas großes Camping-Magazin – Sämtliche Aspekte des Campingurlaubs werden betrachtet. Tests und Besprechungen neuer Campingmobile, Wohnwagen oder Zubehörteile, aber auch über Reiseziele und Campingplätze wird berichtet.

Connect : die Test-Instanz für Smartphones und Connectivity – Magazin zur Telekommunikation mit Produktbesprechungen, Tests und Kauf- und Tarifempfehlungen.

EULENSPIEGEL : Unbestechlich, aber käuflich – Das Satiremagazin mit reichlich Geschichte und jeder Menge Kontroversen.

Focus Gesundheit – Jede Ausgabe widmet sich einem Spezialthema oder Krankheitsbild, welches hinsichtlich Ursachen, Therapiemöglichkeiten und Prävention betrachtet wird.

Food and Travel – Kulinarisches trifft Reisejournalismus. Küchen unterschiedlicher Länder und Regionen werden beleuchtet, Kochrezepte weitergegeben und Sehenswürdigkeiten vorgestellt.

Good Health – Ein Magazin für Ernährung, seelische und körperliche Gesundheit. Tipps rund um die Gesundheit werden gegeben, ebenso wie Möglichkeiten der Prävention.

Green Lifestyle : das Magazin für einen nachhaltigen Lebensstil – Auf die Themenfelder Mode, Beauty und Wellness, Wohnen, Umwelt, Technologie, Mobilität, Ernährung, Freizeit und Reisen wird aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit ein Blick geworfen. „Grüne“ Ideen und Inspirationen für den Alltag sind ebenfalls enthalten.

HolzWerken : Wissen. Planen. Machen. – Eine Zeitschrift für alle privaten Holzwerker*innen mit Anleitungen und Plänen zum Bau von Möbeln und Vorrichtungen, Werkzeug-, Maschinen- und Materialkunde, Tipps von erfahrenen Praktikern, Reportagen kreativer Holzwerker und Produktneuheiten.

Iss dich GESUND : Besser leben mit Genuss – Hier dreht sich alles um die richtige Ernährung. Dabei geht es um fundiertes Wissen vom „Ernährungs-Doc“ in Kombination mit zahlreichen Rezepten anstatt um Abnehmen oder Diäten.

KATAPULT : Magazin für Eis, Kartografik und Sozialwissenschaft – Populärwissenschaftliches Magazin, das Themen aus Politik, Geografie, Musik, Sprache mit Hilfe von Infografiken und Karten veranschaulicht.

Landapotheke : heilen und pflegen nach alter Tradition – Behandelt werden Hausmittel und deren Wirkungsweise sowie Kochrezepte für eine gesunde Ernährung.

Lonely Planet Deutschland – Das Reisemagazin vom Reiseführerverlag Lonely Planet mit spannenden Reisereportagen, City-Guides, Geheimtipps und atemberaubenden Fotografien.

Mollie MAKES : mit Liebe selbstgemacht – Modernes Handarbeitsmagazin, das handgemachte Accessoires, Geschenke und Dekoratives aus der Do-It-Yourself- und Fashionwelt bereithält. Mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Vorlagen.

Page : Design. Code. Business – Magazin für Mediengestaltung als Nachfolger vom eingestellten Grafikdesignmagazin novum.

Pflege & Familie – Das Magazin für pflegende Angehörige mit Experteninterviews, Checklisten, fundierten Tipps für Prävention und Problemlösungen. (Die Lieferung lässt aktuell leider noch auf sich warten)

RUNNER‘S WORLD – Sportzeitschrift mit Schwerpunkt Laufsport als Ersatz für die eingestellte Zeitschrift Running.

Socrates : die besten Stories schreibt der Sport – Sportmagazin, das auf keine Sportart festgelegt ist, den Schwerpunkt Fußball besitzt, aber auch über Basketball, E-Sport, Motorsport, NFL und Tennis schreibt.

Spiegel GESCHICHTE – Das Geschichts-Magazin berichtet über historische Ereignisse und vergangene Epochen. Auch enthalten sind Interviews mit Geschichts- und Politikwissenschaftlern oder Archäologen.

Trekking-Magazin : outdoor | wandern | camping – Magazin für den aktiven Outdoor-Fan mit Tourempfehlungen zu Fuß, mit dem Rad oder dem Kanu sowie Übersichten zu Equipment und Bekleidung.

Walden : Abenteuer vor der Haustür – Das Outdoor-Magazin von GEO für alle, die gerne draußen unterwegs sind. Mit Inspirationen und praktischen Tipps für Abenteuer und Wissenswertes über die Natur

Wohllebens Welt : das neue Naturmagazin von GEO und Peter Wohlleben – In Reportagen, Bildstrecken, Essays und Rubriken präsentiert Peter Wohlleben einen neuen Blick auf Wald, Wiese, Watt, Gebirge, Moor und Meer.

Wohnen im Landhausstil – Die Themen Wohnen, Einrichten und Lebensart im Landhausstil werden behandelt, des Weiteren geht es um Dekoration, Wohnreportagen und Reiseberichte.

ZEIT Verbrechen – Das Magazin beschäftigt sich mit echten Kriminalfällen, die in Deutschland verübt wurden und den Menschen hinter den Taten. Im Fokus liegen dabei die kriminologischen, psychologischen und politischen Aspekte der Verbrechen.

Ein kleiner Hinweis zum Schluss: Nicht alle der genannten Titel sind in der Bibliothek am Neumarkt vor Ort – können aber gerne aus den Stadtteilbibliotheken bestellt werden. Eine vorgefertigte Suche dazu findet man hier.

Ra

Bärlauchzeit = Pestozeit

Der Bärlauch wird auch „Waldknoblauch“ genannt, weil es eine Waldpflanze ist und diese in Geschmack und Geruch sehr dem Knoblauch ähnelt. Ich bin inzwischen ein großer Fan dieses Gewächses, weil sich daraus – neben anderen Rezepten – ein superleckeres Pesto zubereiten lässt!

Wie das geht, beschreibe ich euch hier gerne:

Ab Mitte März beginnen die Blätter im Wald zu sprießen, und bis zur Blütezeit Ende April ist der beste Zeitraum, um Bärlauch zu ernten.

Grundsätzlich ist es erlaubt, Bärlauch für den Eigenbedarf zu pflücken, da er nicht unter Naturschutz steht. Aber bitte keine ganzen Pflanzen ausgraben, das ist tatsächlich verboten, sondern immer nur ein oder zwei Blätter pro Pflanze pflücken, damit diese sich weiterentwickeln kann.

Und nicht mit Maiglöckchen verwechseln, die sind nämlich giftig! Beide Pflanzen ähneln sich, und wer unsicher ist, sollte lieber vorher einmal googlen, ob er wirklich Bärlauch vor sich hat. 🙂

Die gepflückten Blätter sollten auf jeden Fall vorher gewaschen und anschließend trocken getupft oder geschleudert werden.

Die Stiele abschneiden, die Blätter grob hacken und in eine Rührschüssel geben. Pinienkerne (alternativ gehen aber auch Sonnenblumen- oder Walnusskerne) in der Pfanne anrösten, dazugeben und zusammen mit Olivenöl und Parmesan alles in der Rührschüssel mit einem Stabmixer/Pürierstab fein pürieren. Wenn die Masse zu fest ist, einfach mehr Öl dazutun. Am Ende mit Salz und Pfeffer abschmecken, in kleine Gläser füllen und obendrauf mit etwas Öl bedecken. So hält das Pesto auch ohne Einfrieren lange Zeit im Kühlschrank.

Ich wünsche guten Appetit!

S. Quermann

Buchtipp: Der Riss von Hye-Young Pyun

Grenzen|los|lesen
Südkorea

Ein Mann erwacht im Krankenhaus aus dem Koma. Er erinnert sich nicht an den Unfall, bei dem seine Ehefrau starb. Er selbst überlebte nur knapp, ist aber gelähmt und fast vollständig bewegungsunfähig, er kann nicht sprechen, seine Körperfunktionen nicht kontrollieren und wird wohl für immer auf fremde Hilfe angewiesen sein. Ein Riss geht durch sein Leben: Es gibt ein Davor, in dem er an seiner Karriere an der Universität arbeiten konnte, glücklich verheiratet schien, ein eigenes Haus einrichten konnte; und es gibt ein Danach, in dem alles anders ist und auf das niemand vorbereitet sein kann.

Von einigen Kleinigkeiten abgesehen, könnte der Roman auch in meiner Nachbarschaft spielen. Tatsächlich ist der Schauplatz Südkorea. Die Autorin ist dort, so entnehme ich dem Klappentext, sehr bekannt; „Der Riss“ ist bisher ihr einziges ins Deutsche übersetzte Werk. Ich weiß offen gesagt nicht allzu viel über Koreanische Kultur und Geschichte, vielleicht ist mir dadurch die ein oder andere Metapher entgangen. Aber für das Verständnis des Romans ist das irrelevant, die Psychologie der Charaktere ist auch so nachvollziehbar und verständlich.

Ich kann gar nicht genau bestimmen, was diesen Sog bei mir ausgelöst hat, das Buch weiter zu lesen, obwohl mich die Ausgangssituation doch eher abgeschreckt hatte und ungutes Kopfkino bei mir auslöste. Der Klappentext und das erste Drittel des Romans ließen auch nicht vermuten, dass es nachher noch spannend wird. Ich rechnete weiter mit einem Psychogramm des ganz auf seinen Körper und seine Erinnerungen reduzierten Protagonisten. Trotzdem ließ mich das Buch nicht los. Die Schuldfrage, die langsam zurückkehrenden Erinnerungen, die Trauer – ja, vor allem die stille, undurchsichtige Art der Trauer bei der Schwiegermutter berührten mich. Sie ist die einzig verbliebene Verwandte des Mannes, die sich nun um ihn kümmert, obwohl sie doch so sehr um ihre geliebte Tochter trauert.

Kaum besteht bei dem Schwerverletzten die Chance, dass er wenigstens kleine Bewegungsmöglichkeiten zurückgewinnen kann, träumt er wieder von Unabhängigkeit und einer Fortsetzung seiner beruflichen Karriere. Doch die Schwiegermutter scheint so naiv und gibt viel Geld ausgerechnet an einen Sektenpriester statt in die notwendigen Therapien zu investieren. Überhaupt benimmt sie sich immer seltsamer. Ist das noch Folge der Trauer? Oder verfolgt sie einen Plan?

Mehr verrate ich nicht. Man könnte den kleinen Roman durchaus als Psychothriller lesen oder als Psychogramm der Existenzangst, Schuld und Trauer. Jedenfalls geht die Erzählung unter die Haut.

Die Katalogdaten findet Ihr hier.

Noch eine Anmerkung: Im Koreanischen wird üblicherweise der Familienname vor den Vornamen einer Person gesetzt, die Reihenfolge des Namens müsste also Pyun Hye-Young sein, Pyun ist der Familienname, Hye-Young ist der Vorname. Der Verlag hat sich für die europäisierte Reihenfolge entschieden. Darüber hinaus gibt es verschiedene Formen zur Romanisierung koreanischer Schriftzeichen, somit gibt es auch noch andere Schreibweisen des Namens: z. B. Pyeon oder P’yŏn. Wir bemühen uns, im Katalog alle Schreibweisen in lateinischer Umschrift recherchierbar zu machen.

HilDa

Unter der Überschrift Grenzen|los|lesen möchten wir Weltliteratur aus anderen Kulturen und Sprachen vorstellen. Der Schwerpunkt soll bei Literaturen außerhalb des europäischen und anglo-amerikanischen Mainstreams liegen.
Wir wünschen viel Freude beim Entdecken und Lesen.

„Mein schöner Garten“

So der Titel einer uns sehr bekannten Zeitschrift. Wer blättert als Gartenbesitzer nicht gerne durch diese Hefte und denkt sich „Ich möchte das auch so haben. Und das…und das…und das…“. Leider scheitert es oft an so banalen, aber nun mal schwer zu ändernden Dingen wie z.B. der Bodenbeschaffenheit oder der Tatsache, dass man nicht jeden Monat seinen Garten nach den neuesten Trends und Bildern umpflanzen kann. Aber ich denke mir, das dient alles nur der Inspiration und manches kann man dann einfach im nächsten Jahr, wenn wieder Pflanzzeit ist, einfließen lassen.

Und manchmal erledigt sich einiges auch von selbst. Im Vorgarten-Beet haben wir vor ein paar Jahren Tulpen gepflanzt. Schön nebeneinander. Im darauffolgenden Frühjahr wuchsen und blühten sie auch sehr schön, allerdings sahen sie sehr aneinander gereiht aus. Sehr ordentlich, eigentlich so gar nicht meine Vorstellung von Garten. Ich überlegte hin und her, ob ich sie ausbuddeln soll und nochmal anders einpflanzen soll, aber Gottseidank fehlte mir die Zeit und Lust dazu. Und manchmal sollte man der Natur eben ihren Lauf lassen. Denn nun, nach ein paar Jahren, haben sie sich selber so wunderbar vermehrt, dass ich das kleine Beet liebevoll als „Klein-Holland“ bezeichne. Scheinbar mögen sie den Standort, trotz Wind.

Manche Pflanzen haben es schwer bei uns, wir haben einen wunderbaren Lehmboden. Bei jedem Loch das wir graben sage ich scherzhaft „Nun erkennen wir im Boden wieder die verschiedenen Erdzeitalter“. Für Pflanzen schwere Kost, die wurzeln haben zu kämpfen. Fürchterlich. Allerdings hatten wir in den ganzen Jahren, in denen wir nun schon auf Lehmboden wohnen, noch nie mit Maulwürfen oder Wühlmäusen zu tun. Vermutlich ist denen der Boden auch zu blöd. Die Traum vom herkömmlichen Gemüsebeet war aber schnell begraben ohne es versucht zu haben, nun werde ich mich mal mit dem Thema Hochbeet befassen.

Wie sieht es bei euch aus, ich glaube, den perfekten Boden gibt es sehr selten oder? Habt ihr Tipps zum Thema „Gemüse im Hochbeet“? 🙂

kwk

Buchtipp: Die Wurzeln des Zorns

Ein Leser hat uns nicht nur einen Anschaffungsvorschlag eingereicht, sondern auch gleich eine Buchbesprechung dazu geschrieben, die wir, natürlich mit seinem Einverständnis, hier als Gastbeitrag abdrucken möchten:

Die deutsche Übersetzung dieses französischen Fotoromans ist für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen interessant. Ein Stück französische Realität wird anhand aktueller sozialer Entwicklungen – den „Gelbwesten“ – und anhand von Porträts vorgestellt. Inhalt ist somit kein erfundener Roman, sondern die Darstellung des Alltagslebens und der Aussagen von ausgewählten Menschen anhand der Fotos eines preisgekrönten Fotografens.       

Ich selber habe als Zivildienstleistender/ Friedensdienstleistender der Aktion Sühnezeichen für „Emmaüs“ in Frankreich gearbeitet, eine nichtstaatliche Organisation, die mehr als 300 Gemeinschaften von Obdachlosen betreibt. Während unseres Dienstes hatten wir mit ähnlichen Menschen zu tun, wie sie in „Wurzeln des Zorns“ zu Worte kommen. Die Darstellung in dem Buch möchte ich als authentisch bewerten.

Das Buch ist gelungen, insbesondere auch durch die Vermittlung der Tatsache, dass es eine große Bandweite unterschiedlicher Schicksale gibt, und sich die vorgestellten Personen nicht alle in eine Schublade stecken lassen. Es gibt sowohl Langzeitarbeitslose als auch schon immer Beschäftigte innerhalb der gleichen Familie, Berufsanfänger, Behinderte.

Wenige Kritikpunkte sind zu nennen: Da sich das Buch an ein deutsches Publikum wendet, wäre die normale Groß- und Kleinschreibung besser gewesen. Das Lesen ausschließlich von Großbuchstaben ermüdet. 

Das französische System der Schulabschlüsse ist komplex und verwirrend. Ein Abitur ist nicht gleich einem deutschen Abitur. Es herrscht in Frankreich ein relativ großes Chaos von in der Regel immer nur mit ihrer Abkürzung genannten Qualifikationen. Damit einher geht auch eine soziale Problematik. Manche Abschlüsse sind in der öffentlichen Wahrnehmung ohne großen Wert; welche sozialen Unterschiede dadurch entstehen – das wäre sinnvoll aufzuzeigen.

Meiner Erfahrung nach von vor Ort und der jahrelangen Beschäftigung mit dem Thema wiegen soziale Problematiken in Frankreich stärker als in Deutschland. Bestimmte Problematiken findet man in Frankreich, wie man sie hier nicht finden würde. Andererseits ist auch der erheblich frühere Renteneintritt der Franzosen erwähnenswert.       

Zuletzt: Der Aufsatz der Soziologin Belton-Chevallier am Ende des Buches ist für ein jugendliches Publikum sicherlich etwas zu abgehoben-wissenschaftlich. Er sollte in einer verlängerten Fassung mit mehr Erklärungen erscheinen.

Dennoch bietet sich das Buch insbesondere auch für den Französisch-Unterricht an – ob durch die Bereitstellung der französischen Ausgabe oder als Buch, das nach und nach unter den Schülern getauscht wird; die Lektüre dauert kaum mehr als 2 Stunden. Auch Schulbüchereien würden durch die Anschaffung des Buches gewinnen.

Michael Wiersing
Detmold

Die Wurzeln des Zorns : aus dem Alltag von Menschen, die in unserer Gesellschaft nicht mehr zählen / von Vincent Jarousseau ; aus dem Französischen von Tobias Scheffel ; Zeichnungen: Eddy Vaccaro ; mit einem Vorwort von Katharina Hartmann. – München : Blessing, 2020.
Originaltitel: Les racines de la colère
ausführliche Katalogdaten hier

Ein (fast) neuer Job

„Sie haben den Job“. Dieser Satz hat mich sehr froh gemacht und vor eine neue Herausforderung gestellt.

Aber am Besten fange ich von vorne an. Nach 36 Jahren Bibliotheksdienst (Fahrbibliothek, Musikbibliothek und Publikumsservice in der Zentralbibliothek) hat mich eine neue Aufgabe gereizt.

Ausgeschrieben war die Stelle Onleihe und Periodika (Zeitschriften). Mit der Onleihe hatte ich schon während der letzten Jahre im Publikumsdienst zu tun.

Die App erklären, den Leser*innen zeigen, wie man den E-Book-Reader bedient, und erläutern, wie man E-Medien herunterladen kann – dieser aktive Teil ist mir bestens bekannt. Mit den Zeitungen und Zeitschriften hatte ich jeden Tag zu tun. Ausleihen, zurück buchen und das ein oder andere Gespräch über den Zustand der Hefte führen („Nein, wir leihen die Zeitschriften nicht mit Rotweinflecken aus!“).

Doch wie sieht es mit der Medienbeschaffung im Online-Verbund aus? Wie werden die Lizenzen verwaltet? Welche Statistikmöglichkeiten gibt es? Wie werden die Kaufentscheidungen getroffen, die ja für 36 Bibliotheken verschiedenster Größenordnung in OWL gelten? Wie werden die ca. 400 Zeitschriften-Abonnements für die Stadtbibliothek und die Stadtteilbibliotheken verwaltet?

Hier habe ich in den letzten Wochen eine Menge dazugelernt (das letzte Mal, als ich in der Bestellabteilung gearbeitet habe, gab es noch Lochkarten!).

Ich freue mich auf meine neue Aufgabe in der OWL-Onleihe und in der Zeitschriftenstelle.

M. Orbke

Wiedergelesen: Eine kurze Geschichte der Menschheit

Ich gebe zu, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, habe ich einiges übersprungen oder nur quer gelesen. Das mache ist meistens bei Sachbüchern so, ich ziehe mir die Informationen heraus, die mich gerade interessieren und überfliege den Text ansonsten nur. Doch der wunderbare Stil von Harari lädt einfach zum gründlichen Lesen ein; wie bei Belletristik wollte ich auch die Sprache, ja, jeden einzelnen Satz genießen. So blieb das Buch vorerst auf dem SUB, dem Stapel der ungelesenen Bücher, in diesem Fall zum Wiederlesen, dann aber richtig.

Es brauchte endlich einen Urlaub. Und wie bei einem spannenden Roman hätte ich fast einige Nächte durchgelesen, wenn die Augen mitgemacht hätten.

Dieses Sachbuch zur Geschichte der Menschheit besticht nicht nur durch seinen ungewöhnlichen inhaltlichen Ansatz, sondern vor allem durch seine Sprache. Es vermögen leider nicht viele Sachbuchautoren, einen komplexen Sachverhalt allgemeinverständlich und gleichzeitig auch schön zu formulieren. Harari kann.

Und das, was er dabei vermittelt, ist wahrlich komplex: die Geschichte der Menschheit von ihren Anfängen bis heute, physikalisch-biologisch, evolutionär, historisch, philosophisch, soziologisch, kulturell. Zum Schluss wagt der Autor auch einen visionären Blick in die Zukunft, denn den Fragen müssen wir uns heute stellen: Wie soll die Geschichte der Menschheit weitergehen, wohin wollen wir uns weiterentwickeln?

Harari schreibt dabei nicht das übliche Geschichtsbuch über all die großen historischen Ereignisse, die Kriege, die Erfindungen. Er löst sich fast ganz von der Chronologie; Geschichtsdaten, Epochen, Dynastien, einzelne historische Persönlichkeiten und ganze Imperien kommen nur als Beispiele vor. Dem Autor geht es um die großen Entwicklungssprünge der Menschheit: dem Homo Sapiens, der zur beherrschenden Spezies auf der Erde wurde, zum Umgestalter und letztlich auch Zerstörer der Ökosysteme dieses Planeten. Harari stellt für einen Historiker ungewöhnliche Fragen: Haben uns all die Errungenschaften und erstaunlichen Leistungen der letzten 100 000 Jahre glücklicher und zufriedener gemacht? Was wollen wir werden und wollen wir überhaupt Verantwortung für die Zukunft übernehmen? Was wollen wir wollen?

Klingt jetzt sehr philosophisch, ist aber gar nicht abgehoben, sondern Harari erläutert gut nachvollziehbar, verständlich und nicht zuletzt mit viel Humor. Man muss sich nicht einmal für Geschichte interessieren, das Werk bietet so viele anregende Gedankengänge und sagt mehr über uns Menschen heute aus als über die alten Völker, mehr über die vielen unbekannten Menschen als über einzelne Eroberer, Religionsgründer und Denker der Geschichte, die sonst so im Vordergrund historischer Abhandlungen stehen.

Das Buch ist ein Bestseller, das heißt ja nicht unbedingt, dass es auch gelesen wird. Vielleicht habt Ihr es geschenkt bekommen so wie ich. Nun, diesem klugen, witzigen und wunderbaren Werk wünsche ich viele Leser. Also fischt es aus dem SUB heraus oder leiht es Euch bei uns. Und natürlich kann man es auch gut ein zweites Mal lesen.

Das Buch findet Ihr in verschiedenen Ausgaben hier in unserer Bibliothek.
Es gibt auch eine Graphic Novel zum 1. Teil des Buches: Sapiens – Der Aufstieg

HilDa