Filmtipp: Inception

Ein Film, der mir schon seit dem ersten Mal sehen im Gedächtnis geblieben ist und den ich mir immer wieder ansehen kann ist Inception.

Christopher Nolan inszeniert hier mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle einen sehr vielschichtigen Film, bei dem man als Zuschauer ständig aufmerksam sein muss.

Das vom Militär erfundene Traum-Sharing, bei dem mehrere Träumer denselben Traum miteinander erleben und gestalten können, wird mittlerweile auch genutzt, um Geheimnisse aus dem Unterbewusstsein von Menschen zu extrahieren und zu stehlen. Ein solcher Extractor ist der von DiCaprio verkörperte Dom Cobb. Doch sein neuester Auftrag lautet nicht einen Gedanken auszulesen, sondern einen Gedanken einzupflanzen. Dies gilt als extrem schwierig, doch Cobb lässt sich auf den Deal ein. Mit seinem Team entwirft er einen Plan, wie sie Robert Fischer, dem Erben eines riesigen Konzerns, den Gedanken einpflanzen, diesen Konzern nach dem Tod seines Vaters aufzuteilen. Dieser Plan beinhaltet gleich mehrere Traumebenen. Ein Traum in einem Traum in einem Traum.

Mir gefiel immer schon die durch die verschiedenen Traumschichten in einander verschachtelte Handlung. Nicht alle Teammitglieder steigen auf alle Traumebenen mit hinab, sodass die Handlung zwischen den verschiedenen Traumebenen hin und her wechselt. Auch die visuellen Effekte finde ich beeindruckend. So zum Beispiel, wenn die von Ellen Page verkörperte Ariadne zum ersten Mal einen Traum gestaltet und dabei gleich eine ganze Stadt auf den Kopf stellt.
Auch den Soundtrack von Hans Zimmer finde ich ziemlich gelungen.

Für alle, die den Film noch nicht kennen, ihn mal wieder sehen oder einmal in den Soundtrack hineinhören möchten: Hier geht es zu den Katalogdaten.

lga

Vorlesen in Leichter und Einfacher Sprache

Der Bundesweite Vorlesetag war bereits Mitte November, aber ich möchte hier noch einen Bericht über eine Veranstaltung nachreichen. Die Stadtbibliothek am Neumarkt war nur Veranstaltungsort und zusammen mit der Volkshochschule Bielefeld Kooperationspartner; hauptverantwortlicher Veranstalter war Alles klar für alle – das Büro für Leichte Sprache.
Ich muss gestehen, bis zu den Vorbereitungen dieser Lese-Veranstaltung wusste ich gar nicht, dass es ein Büro dieser Art in Bielefeld gibt (seit 2018; Träger ist die Diakonische Stiftung Ummeln). Dabei widmen wir uns schon seit vielen Jahren dem Thema Alphabetisierung, bieten Medien zum leichten Lesen für Erwachsene und Jugendliche an und haben auch bereits so einige Lesungen für die Teilnehmer der Alphabetisierungskurse der VHS mitorganisiert.

Es gibt eine EU-Richtlinie über die Barrierefreiheit von Internetangeboten öffentlicher Stellen (mehr dazu hier), das heißt, es gibt bzw. wird bald gesetzliche Vorgaben geben. Angebote in Leichter Sprache dienen der Inklusion und der barrierefreien Information; aus unterschiedlichen Gründen ist das für viele Menschen hilfreich und notwendig. Für Leichte Sprache gilt ein eigenes Regelwerk. Das Büro für Leichte Sprache übernimmt das Übertragen von Texten aus der Standardsprache in Leichte Sprache, z. B. für Flyer, Briefe, Formulare oder Internetseiten, und bietet auch Schulungen an. Wer mehr zu den Angeboten wissen möchte, findet die Webseite hier.

Erzählungen in Leichter und in Einfacher Sprache sollen Geschichten für alle zugänglich machen. „Lesungen sind auch für Menschen mit Einschränkungen oder geringen Deutschkenntnissen eine ganz tolle Sache und finden in Einfacher oder Leichter Sprache noch viel zu selten statt“, erklärte Stephanie Blume von Alles klar für alle. Nicht zuletzt deshalb war der Bundesweite Vorlesetag am 15.11. ideal als Termin – und die Bibliothek als Veranstaltungsort passte natürlich auch wunderbar.

Drei Bielefelder Prominente lasen Texte vor:

Regina Kopp-Herr

Regina Kopp-Herr, Mitglied der SPD-Landtagsfraktion in NRW, las einen Auszug aus der Leichte-Sprache Fassung des Erfolgsbuches „Ziemlich beste Freunde“ (nach dem autobiografischen Roman von Philippe Pozzo di Borgo, in einer Bearbeitung von Sonja Markowski).

 

Marion Döbert

Marion Döbert, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V. und leitende Mitarbeiterin der VHS Bielefeld, trug eine von ihr verfasste Weihnachtsgeschichte vor.

 

Fabian Kunze, Profi bei Arminia Bielefeld, liest vor

Und als Überraschungsgast kam Fabian Kunze von Arminia Bielefeld. „Lesen verbindet“, meinte der junge Profi-Fußballer zu seinem Engagement; er las passend zum Vorlesetag-Motto „Sport und Bewegung“ eine Geschichte darüber vor, wie ein Arminen-Trikot zwei Menschen glücklich macht. Und nach der Lesung gab er auch noch geduldig Autogramme und beantwortete Fragen. Ein Heimspiel für ihn.

Ungefähr 70 Gäste lauschten den Vorlesern. In den Pausen war Raum für Gespräche, einen kleinen Snack, und man konnte am Büchertisch des Spaß am Lesen Verlags ein Angebot an Büchern in Einfacher Sprache kennen lernen.

Wer selbst Bücher in Einfacher Sprache lesen oder vorlesen möchte, findet bei uns weit über 100 Bücher, die meisten in der Zentralbibliothek am Neumarkt: In der Roman-Abteilung im Erdgeschoss ist ein Regal entsprechend beschriftet, außerdem gibt es leichte Lektüren in der Sprachen-Abteilung im 1. Obergeschoss – in verschiedenen Sprachen und natürlich auch in Deutsch in der Interkulturellen Bibliothek.

HilDa

 

 

Weihnachtsgebastele

In der Adventszeit wurde in der Stadtbibliothek viel gebastelt: Es gab Angebote für Kindergruppen (z.B. KiTa-Gruppen oder OGS-Klassen), Makerspace-Workshops und einen Familientag gleich mit mehreren Basteltischen. Da war sicher auch schon das eine oder andere als Weihnachtsgeschenk gedacht, aber jetzt dürfen wir die Fotos sicher zeigen. 😉

Beim vorweihnachtlichen Familientag am 7.12.2019 wurde gehäkelt, Papier zu Skulpturen gefaltet und aus alten Fahrradschläuchen wurden originelle Schlüsselanhänger. Wir hatten an dem Tag Unterstützung von mehreren ehrenamtlichen Helfer*innen.

Einige fertige Beispiele vom Familientag (Fotos: Juliane)

Auch die Stadtteilbibliotheken haben uns Fotos geschickt:

In Sennestadt bastelten Kinder einer Offenen Ganztagsschule (OGS) diese Weihnachtsmänner hauptsächlich aus Papprollen, Wolle und Watte. Die Bartmode setzt bestimmt schon den neuen Trend für das nächste Jahrzehnt: Kein Weihnachtsmann, der auf sich hält, wird in den 20ern ohne seinen rosa Bart durch den Schornstein schlüpfen.

Man beachte die rosa Bärte! (Foto: N.E., Sennestadt)

In Stieghorst hatte die Kollegin Weihnachtssinger vorbereitet, die dann von den Kindern fertig beklebt wurden. Ist eine bunte Schar geworden – und keiner singt schief!

Weihnachtssinger (Foto: H.L., Stieghorst)

Das sind nur einige Beispiele. Wer jetzt Lust an Selbstgemachtem bekommen hat und meint, alles verpasst zu haben, der muss nicht auf die nächste Adventszeit warten. Makerspace-Angebote, Workshops, Nähcafés für Jugendliche und Erwachsene gibt es das ganze Jahr über, Vorlesen mit Bastelei für Kinder auch; und der nächste Familientag am Neumarkt kommt bestimmt. Guckt einfach in unseren Online-Kalender, unseren Facebook-Account oder unseren Drei-Monate-Veranstaltungsflyer (gibt es gedruckt und als PDF).
Kindergruppen können direkt bei den Kolleg*innen der Stadtteilbibliotheken oder der Kinderbibliothek (Information Kinderbibliothek: Tel: 0521/51-2457, E-Mail: stadtbibliothek.kinderbibliothek@bielefeld.de) nachfragen und einen Termin ausmachen.

HilDa

Buchtipp zum „Neujahr“

Henning setzt sich am Neujahrsmorgen im Lanzaroteurlaub aufs Fahrrad und fährt los, um den Steilaufstieg nach Femés zu bezwingen. Dabei gehen ihm immer neue Gedanken durch den Sinn. Über seine Frau, die am Vorabend ungeniert mit einem Franzosen am Tisch nebenan geflirtet hat, über seine Kinder, die er über alles liebt, bei denen er sich aber dennoch fragt, ob er und seine Frau in der Erziehung nicht irgendetwas falsch machen, über die Schwiegereltern, über seine eigene Mutter, die ihn und seine Schwester als Alleinerziehende zwar mit allem Nötigen versorgt hat, aber auch immer das Gefühl vermittelte, die Kinder seien eine Belastung und Zumutung.
Und über ES denkt er nach. Über seine Panikattacken und Angstzustände, unter denen er seit einer ganzen Weile leidet.

Als er den Pass schließlich völlig erledigt erreicht, trifft ihn eine furchtbare Erkenntnis. Als Kind ist er schon einmal an diesem Ort gewesen. Und er erinnert sich an die schrecklichen Geschehnisse dieses lange zurückliegenden Familienurlaubs, der die Ursache, für seine Angstzustände zu sein scheint.

Hennings Fahrradtour den Berg hinauf fühlt sich an, wie ein Weglaufen vor sich selbst. Immer wieder kommen seine Gedanken auf ES zurück. Er spricht nicht von Panikattacken und Angstzuständen, immer nur von ES. Man spürt, dass etwas dahintersteckt, an das Henning nicht denken will, etwas das er verdrängt. Wenn seine Gedanken zurück zu ES wandern versucht er jedes Mal sie umzulenken, aber alle Themen führen ihn doch wieder dorthin zurück.
Man fragt sich, was Henning erlebt hat. Ist er einfach so unzufrieden mit Job, Familie und seinem ganzen Leben? Was steckt dahinter?
Es war spannend herauszufinden, was Henning als Kleinkind im Urlaub auf Lanzarote erlebt hat, und wie ihn dies bis heute verfolgt.
Am Ende stellte sich mir die Frage, wie es mit Henning weitergehen wird. Wird er sich endlich ärztliche Hilfe holen? Hat es ihm geholfen, sich an das Trauma aus seiner Kindheit zu erinnern?

Sehr gut gefallen hat mir übrigens auch die Inszenierung des Buchs im Theater am Alten Markt in Bielefeld. Das Stück war sehr nah am Buch und die beiden Darsteller vermochten durchgehend zu fesseln. Sehr empfehlenswert!

lga

Hörtipp: Polkageist

Fröhliche Polkaklänge im Balkan-Style, vielleicht auch noch ein wenig vermischt mit Punkrock oder anderen Einflüssen sind normalerweise gar nicht meins. Meist sind mir die Lieder zu „wild“, zu „laut“ oder das Zusammenspiel der verschiedenen Instrumente geht mir nach kurzer Zeit auf die Nerven.

Neulich bin ich aber – dank YouTube – über die Berliner Band Polkageist gestolpert. Neugierig wie ich bin, klicke ich den ein oder anderen Vorschlag der rechts am Seitenrand steht schon mal an. Polkageist klang witzig und interessant zugleich, ebenso wie der Titel des Liedes: Immer auf der Kippe.
Nun denn, dachte ich und drückte den Startknopf. Sogleich ging die fröhlich-beschwingte Musik los. Der Text ist eine Mischung aus verschiedenen Sprachen und der Refrain ist ohrwurmverdächtig. Während das Lied läuft, lese ich die Kommentare und erfahre: Die Band hatte 2017 mit dem Stück sogar schon einen Auftritt im Tatort Hannover. Das ist doch schon mal nicht schlecht.

Kurzerhand schaute ich nach einem Album. Denn ich dachte mir, dass die Musik etwas für die Musikbibliothek sein könnte. Zufällig ist dieses Jahr eines erschienen. Der Titel: Rückwärts durch die Geisterbahn. Aber mal ehrlich? Allein für die Kombination aus Band und Albumtitel: Polkageist – Rückwärts durch die Geisterbahn hätte das Album schon den Kauf verdient. Auch wenn man sich nicht zu sehr von schönen Covern oder Titeln beeinflussen lassen sollte (was mir leider nicht immer ganz gelingt ;))

Und hält die Gesamtpackung, was sie verspricht? Ich möchte gar nicht zu viel über das Album schreiben, weil ich denke, dass jeder für sich selbst entscheiden soll, ob er es gut findet oder nicht. Aber es ist kurzweilig, die Musik ist frisch und verleitet dazu fröhlich mit dem Fuß mit zu wippen oder eine kleine Tanzrunde durch den Raum zu drehen. Die Texte sind nicht immer nur „lustig“, sondern können durchaus auch „kritisch“ sein.

Alles in allem lohnt es sich reinzuhören. Und wenn ich jetzt den einen oder anderen hiermit packe und er ebenfalls mal eine Runde „Rückwärts durch die Geisterbahn“ dreht, dann habe ich mein Ziel schon erreicht. 🙂

Hier könnt ihr mal in Immer auf der Kippe reinhören und hier findet ihr die CD in unserem Katalog.

Bitte, ein Gedicht #10

Heute gibt es ein Gedicht für alle, die sich auch mal wieder ein bisschen Schnee wünschen. Bei den milden Temperaturen ist eine weiße Weihnacht dieses Jahr, zumindest hier in Bielefeld und Umgebung, leider wieder außerhalb des Möglichen. Dann lese ich zumindest ein Gedicht darüber und träume von ein bisschen Schnee… 🙂

Neuschnee

Flockenflaum zum ersten Mal zu prägen
mit des Schuhs geheimnisvoller Spur,
einen ersten schmalen Pfad zu schrägen
durch des Schneefelds jungfräuliche Flur –

kindisch ist und köstlich solch Beginnen,
wenn der Wald dir um die Stirne rauscht
oder mit bestrahlten Gletscherzinnen
deine Seele leuchtende Grüße tauscht.

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Bitte ein Gedicht – das ist Wunsch und Angebot zugleich. In unregelmäßigen Abständen möchten wir gerne zur Lyrik verführen und präsentieren einzelne Gedichte oder weisen auf besondere Lyrikbände aus unserem Bestand hin.

DVD-Tipp: Lascaux – Prähistorische Kunst in der Höhle

Der Sachfilm (unsere Katalogdaten hier) gehört zur Reihe „Palettes – Faszinierende Entdeckungsreisen ins Reich der Malerei“ von Alain Jaubert. In der gleichen Hülle leiht man auch den Film „Malerei der Antike: Euphronios, Faijum, Pompeji“ mit aus, auf den ich hier aber nicht weiter eingehe (nur so viel: auch er ist sehenswert).

Ich interessiere mich insgesamt für Vor- und Frühgeschichte, da fasziniert mich die frühe Höhlenmalerei natürlich auch. Denn näher kann man den Menschen aus der frühen Steinzeit nicht kommen als über ihre Kunst. Auch wenn wir wohl nie verstehen werden, was die Menschen vor zigtausend Jahren bewegte, wie sie dachten, was sie wollten. Aber die Vorstellung über Rituale und Feste, die über viele Generationen hinweg von diesen Bildern geprägt waren, die Mythen und Geschichten, die mit ihnen erzählt wurden – da braucht es nicht viel Phantasie, um diese Zeichnungen und Ritzungen wieder lebendig werden zu lassen.

Wirklich beeindruckend ist die Kunstfertigkeit, mit der die Tiere und Symbole an die Höhlenwand gebannt wurden: so viel handwerkliches Know-How, so viel Wissen über die dargestellten Tierarten, ihre Anatomie, ihre Bewegung, dann diese überraschenden Perspektiven, die Abstraktionen, die unterschiedlichen Techniken.

Der Film zeigt auch die Werkzeuge und Farben, die gefunden werden konnten; Wissenschaftler und heutige Künstlerinnen versuchen, die verschiedenen alten Techniken zu rekonstruieren. Doch viele Fragen bleiben offen. Interpretationen und die Schlussfolgerungen über Lebensart und Glauben der Menschen vor ca. 20.000 Jahren bleiben sowieso spekulativ. Aber diese Kunst berührt auch ohne Erklärung.

Die Höhle von Lascaux in der Dordogne wurde 1940 zufällig entdeckt, sie ist bereits recht gut erforscht und dokumentiert. Es gibt Nachbildungen, Bildbände und eben auch filmische Dokumentationen, durch die wir diese Kunst erleben können, denn die Höhlengänge selbst sind natürlich nicht öffentlich zugänglich.

Lascaux ist nur ein Beispiel für die europäische Höhlenmalerei des Jungpaläolithikums. Als nächstes muss ich mir unbedingt den Werner Herzog Film „Die Höhle der vergessenen Träume“ über die Chauvet-Höhle ansehen.

 

In dem großartigen Bildband „Grotte Chauvet“ habe ich schon öfter geblättert, ich kann mich gar nicht satt sehen an den fast 100 Farbtafeln.

 

Von Brian Fagan hoffe ich mehr über den Cro-Magnon-Menschen zu erfahren: Der erste anatomisch moderne Mensch (Homo Sapiens), der vor vielleicht 40.000 Jahren nach Europa einwanderte und dort jahrtausendelang mit dem Neandertaler in mehr oder weniger enger Nachbarschaft lebte – und der unter anderem die Kunst mitbrachte.

HilDa

Bitte, ein Gedicht #9

Lied im Advent
Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen!

Matthias Claudius (1740 – 1815)

Bitte ein Gedicht – das ist Wunsch und Angebot zugleich. In unregelmäßigen Abständen möchten wir gerne zur Lyrik verführen und präsentieren einzelne Gedichte oder weisen auf besondere Lyrikbände aus unserem Bestand hin.

Winterzeit ist Märchenzeit #6

Winter is coming – also machen wir auch weiter mit unserer Märchenzeit.
Und da das Theater Bielefeld das amerikanische Märchen „Der Zauberer von Oz“ als Familienstück zur Weihnachtszeit spielt und die Märchenvorlage von L. Frank Baum in Deutschland kaum bekannt ist, liegt es doch nahe, hier im Blog ein paar Informationen zusammen zu tragen.

 

Der Zauberer von Oz

Ich kenne das Märchen auch erst durch eine Theaterinszenierung vor vielen Jahren, bei der ich den Blechmann spielen durfte. Selbst den Filmklassiker von 1939 mit Judy Garland hatte ich vorher nie gesehen, kannte nur den Titel und ein paar Ausschnitte. Und natürlich das Lied: „Somewhere over the Rainbow“. Das Theaterstück damals war toll, also habe ich auch das Buch gelesen. Vielleicht lag es ja an der Übersetzung, jedenfalls gefiel mir die Märchenerzählung nicht besonders; und selbst der Musicalfilm konnte mich nicht begeistern. In den USA gehört er zum alljährlichen Weihnachtsprogramm im Fernsehen, ein Familienereignis. Als synchronisierte Fassung unter dem Titel „Das zauberhafte Land“ wird er zwar auch im deutschen Fernsehen regelmäßig um Weihnachten herum im Kinderprogramm gezeigt, aber weder Film noch Buch haben hier je große Popularität erreicht.

Illustration von W.W. Denslow – Library of Congress LC Control No.: 03032405 (p. 81), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4674617

L. Frank Baum (seinen Vornamen Lyman mochte er angeblich nicht, darum kürzte er ihn nur ab) schrieb mit „The Wonderful Wizard of Oz“ den ersten amerikanischen Kinderbuchklassiker. Seine Figuren sind in den USA ebenso vertraut wie bei uns das Märchenpersonal der bekanntesten Grimm’schen Erzählungen. Der große Erfolg schon gleich im ersten Erscheinungsjahr 1900 ist sicher auch seinem Illustrator William Wallace Denslow zu verdanken.

Dass die Hauptfiguren Dorothy und ihr Hund Toto sowie ihre neu gewonnenen Freunde Vogelscheuche, Blechmann und Löwe ebenso wie die große Gegenspielerin, die böse Hexe des Westens, als Charaktere seltsamerweise hierzulande bekannter als die Erzählungen selbst sind, liegt wohl an den vielen Zitaten aus Kinderbuch und Film in der amerikanisch geprägten Popkultur. Die roten Schuhe, der gelbe Steinweg, der Wirbelsturm, der das Haus weg trägt, die grüne Smaragdstadt und eben Vogelscheuche, Blechmann und Löwe, die für sich Verstand, Herz und Mut suchen – das wird oft in TV-Serien, Filmen, Werbung, Videoclips oder Songtexten aufgegriffen, weil es als bekanntes Allgemeinwissen in den USA vorausgesetzt werden kann. Hierzulande fehlt jedoch meist das Wissen um den Kontext.

Baum nutzte für seinen Märchenroman die klassische Struktur der Heldenreise:

Dorothy wird durch einen Wirbelsturm aus dem beschaulichen Kansas in das zauberhafte Land Oz getragen und dort gleich als Heldin gefeiert, weil durch ihre Ankunft – aber von ihr unbeabsichtigt – eine böse Hexe getötet wurde. Zur Belohnung erhält sie Zauberschuhe, doch leider hat sie sich auch die Feindschaft der ebenfalls bösen Hexe des Westens eingefangen. Dorothy will wieder zurück nach Hause, doch das geht nur mit Hilfe des großen und mächtigen Zauberers in der Smaragdstadt. Sie folgt dem gelben Steinweg und trifft unterwegs Freunde: Sie holt die Vogelscheuche von der Stange, ölt den eingerosteten Blechmann und beruhigt den ängstlichen Löwen. Die Drei schließen sich ihr an, denn sie haben ebenfalls Wünsche an den Zauberer. Gemeinsam erleben sie Abenteuer, besiegen sogar die Westhexe – doch der große und mächtige Zauberer ist nicht das, was alle glauben. Trotzdem gibt es für alle ein Happy End.

Die Wikipedia bietet zu Lyman Frank Baum und Der Zauberer von Oz sehr ausführliche Artikel und Bilder.

Die schon jetzt fast ausverkauften Aufführungen am Bielefelder Theater haben nun in unserer Bibliothek zu einer größeren Nachfrage nach dem Märchen geführt; Schulen, Kindergärten und auch einige Eltern wollen ihre Kinder auf den Theaterbesuch vorbereiten oder die auf der Bühne gesehene Geschichte noch einmal nachlesen.

Es gibt unterschiedliche Ausgaben und Übersetzungen, Bearbeitungen für verschiedene Altersgruppen, Bilderbücher und Vorlesebücher. In unseren Stadtteilbibliotheken und natürlich in der Kinderbibliothek am Neumarkt könnt Ihr fündig werden – wenn nicht gerade alles ausgeliehen ist. Ich habe jedenfalls nur zwei Ausgaben zum Fotografieren vorgefunden: die Übersetzung von Sybil Gräfin Schönfeldt im Dressler-Verlag und die illustrierte Ausgabe aus dem Coppenrath-Verlag.

Der Zauberer von Oz / von L. Frank Baum; übersetzt von Sybil Gräfin Schönfeldt. – Dressler-Verlag

Der Zauberer von Oz / von L. Frank Baum; nacherzählt von Heidemarie Brosche; Bilder von Markus Zöller. Coppenrath-Verlag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übrigens findet Ihr in unserem Videoarchiv sogar noch die erste Stummfilm-Verfilmung (mit Oliver Hardy als Blechmann) und auch den Filmklassiker mit Judy Garland als VHS-Videokassette; den Musicalfilm von 1939 gibt es aber auch als DVD (4 Discs mit viel Bonus-Material anlässlich des 70. Filmjubiläums). Und dann ist da noch die Musical-Verfilmung 1978 „The Wiz – Das zauberhafte Land“ von Sidney Lumet mit Diana Ross und Michael Jackson, Musik Quincy Jones.

Follow the yellow brick road …

HilDa

Bitte, ein Gedicht #8

Des Wunders lächelnd staunend, das geschah,
Stand ich am Morgen leise fröstelnd, sah
Die Heide blitzend, funkelnd, übersät;
Als die Dezembersonne mild und spät
Hinter den Kiefern aufstieg … Silberblinken,
Glitzern und Blitzen aller Nähe, Weite
Im Winterlicht … Und bronzen ein Geläute
Vom Dorf her: – Morgenglocken; – und ein Winken
Des Horizontes blauzart; fernklar, fein:
Wie hingehaucht. Und eine Stille dann
Fing durch das Strahlende zu wandern an,
Und fand auf weißen Wegen sich allein. … O, ganz allein.

Karl Röttger (1877-1942)

Bitte ein Gedicht – das ist Wunsch und Angebot zugleich. In unregelmäßigen Abständen möchten wir gerne zur Lyrik verführen und präsentieren einzelne Gedichte oder weisen auf besondere Lyrikbände aus unserem Bestand hin.