Ankommen hat viele Seiten

Plakat zur Lesereihe „Ankommen hat viele Seiten“

Zu unserem buchstäblich vielseitigen Programm gehört die Interkulturelle Bibliothek mit Medien für Kinder in unserer Kinderbibliothek und für Jugendliche und Erwachsene im 1. Obergeschoss: mehrsprachige Bilderbücher, Sprachkurse zum Deutschlernen, Grammatik- und Wörterbücher, Lesebücher in Einfacher Sprache, Einführungen in das Miteinander-Leben in Deutschland und in Bielefeld speziell. Ein vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördertes Projekt ermöglicht es uns in diesem Jahr, viele neue Medien für diesen gefragten Bereich zu kaufen; wir arbeiten sie gerade ein.

Eine Lesereihe mit dem Motto „Ankommen hat viele Seiten“ soll jetzt das Projekt abschließen: eine Schriftstellerin und drei Schriftsteller, die uns mit ihren Büchern verschiedene Blickwinkel auf Migration und ihre Folgen für den einzelnen Menschen zeigen.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

 

Liliana Corobca liest aus ihrem Roman
Der erste Horizont meines Lebens

Donnerstag, 22. November, 19 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.00 Uhr
Moderation: Iulia Capros

Die zwölfjährige Cristina kümmert sich um alles: Sie kocht, putzt, füttert die Hühner und Schweine und ist Elternersatz für ihre jüngeren Brüder. Die Geschwister leben in einem Dorf in Moldawien, während die Mutter in Italien fremde Kinder hüten muss und der Vater in Sibirien arbeitet. Dabei ist Cristina eigentlich in Cousin Lucian verliebt, träumt vom ersten Kuss und einer besseren Zukunft. Eine einprägsame Geschichte in starken Bildern, geschildert aus der Sicht von Kindern, die am Rande von Mitteleuropa alleine zurückbleiben.

 

Firas Alshater liest und erzählt aus
Versteh einer die Deutschen! Firas erkundet ein merkwürdiges Land.

Freitag, 23. November, 19 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.00 Uhr

Firas Alshater ist ein ganz normaler Berliner mit Hipsterbart und Brille, ein Comedian und erfolgreicher YouTuber. Nur, dass er in Syrien für seine politischen Videos sowohl vom Assad-Regime als auch von Islamisten verhaftet und gefoltert wurde. Erst die Arbeit an einem Film erbrachte ihm das ersehnte Visum für Deutschland. Seitdem versucht er, uns zu verstehen. In manchen Fällen kann nicht mal Firas‘ Freund Jan großartig helfen – aber sie können gemeinsam lachen, über sich, alle anderen und die kleinen Sternstunden, die Deutsche und Nicht-ganz-so-Deutsche in ihrem gemeinsamen Land ja dann doch immer wieder erleben können. Wenn sie denn wollen. Firas Alshater studiert derzeit an der Filmhochschule in Babelsberg. Er glaubt unerschütterlich daran, dass Integration funktionieren kann.

 

Gemici

Bahattin Gemici liest aus dem Kinderbuch
Stefans Zuckerfest und Alis Weihnachten –
Stefan’ın Şeker Bayramı ve Ali’nin Noel’i.
Deutsch-Türkische Lesung.

Dienstag, 4. Dezember, 16.30 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Beginn: 16:30 Uhr

Durch Ali erfährt Stefan, dass Türken 30 Tage beim Ramadan fasten und anschließend das Zuckerfest feiern. Ohne es seinen Eltern zu erzählen, feiert Stefan heimlich mit Ali das Zuckerfest. Als das Weihnachtsfest vor der Tür steht, möchte Ali auch zu Hause Weihnachten feiern. Doch seine Eltern wehren sich. “Wir sind Muslime, wir feiern keine Weihnachten”, sagen sie. Aber Ali möchte unbedingt das Weihnachtsfest feiern. Ob es ihm gelingt?

 

Senthuran Varatharajah liest aus seinem Roman
Vor der Zunahme der Zeichen

Mittwoch, 5. Dezember, 19 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass 18.30 Uhr, Beginn 19 Uhr

Durch Zufall beginnen Senthil Vasuthevan und Valmira Surroi ein Gespräch auf Facebook. Er lebt als Doktorand der Philosophie in Berlin, sie studiert Kunstgeschichte in Marburg. Sieben Tage lang erzählen sie sich von ihrem Leben, ohne sich zu begegnen. Ihre Nachrichten handeln von ihren Familien, ihrer Flucht aus Bürgerkriegsgebieten, ihrer Kindheit im Asylbewerberheim und ihrer Schul- und   Studienzeit. Hochreflektiert schreibt Senthuran Varatharajah in seinem Debütroman über Herkunft und Ankunft, über Erinnern und Vergessen und über die Brüche in Biographien, die erst nach einiger Zeit sichtbar werden.

Hier der Link zum Veranstaltungsflyer.

HilDa

Mittendrin Mittwoch #74

Die Chimära ist ein seltenes griechisches Monster mit einem Löwenkopf, einem Ziegenleib und einem Drachenschwanz. Von heimtückischer und blutrünstiger Natur, ist die Chimära höchst gefährlich. Unseres Wissens ist es bisher nur einem Zauberer gelungen, eine Chimära zu erlegen, und der Unglückliche stürzte kurz danach zu Tode erschöpft von seinem Geflügelten Pferd (siehe dort) und starb. Chimära-Eier gelten als nicht verkäufliche Güter der Klasse A.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
von Newt Scamander (bzw. Joanne K. Rowling 😉 )

Nachdem ich vor kurzem mal wieder die Harry Potter Bücher gelesen habe, dürfen nun die drei  Zusatzbücher zur eigentlichen Reihe auch nicht fehlen. Quidditch im Wandel der Zeiten, Phantastische Tierwesen und wo sie zufinden sind und Die Märchen von Beedle dem Barden heißen sie. Das Buch über den beliebtesten Sport der Zauberer habe ich schon durchgelesen und momentan stecke ich mitten in den Beschreibungen von phantastischen Tierwesen (der Film, der lose auf dem Buch basiert, ist übrigens auch sehr sehenswert und Teil 2 kommt diese Woche auch endlich in die Kinos! 😀 ).

Die drei Bücher haben jeweils um die 100 Seiten und sind somit ruck zuck durchgelesen und eher ein kurzes Vergnügen. Sie machen dafür aber sehr viel Spaß. Ich mag die Idee, Bücher aus dem Harry Potter Universum zu nehmen und tatsächlich zu schreiben. Quidditch im Wandel der Zeiten steht in der Bibliothek von Hogwarts und enthält somit vorne eine recht bedrohliche Warnung von Madam Pince der Bibliothekarin: „Achtung: Wer dieses Buch zerreißt, zerfetzt, zerschnipselt, verbiegt, faltet, verunstaltet, entstellt, beschmiert, bekleckst, durch die Gegend wirft, fallen lässt oder auf andere Weise beschädigt, misshandelt oder mit mangelndem Respekt behandelt, dem jage ich die schlimmsten Strafen auf den Hals, derer ich fähig bin.“ Vielleicht sollten wir so was auch in unsere Bücher kleben?
In Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind gibt es kleine Kritzeleien von Harry, Ron und Hermine zu entdecken, da es eines ihrer Schulbücher ist (unter die Beschreibung der Chimära hat Harry zum Beispiel „Hagrid hat sicher schon welche bestellt“ geschrieben). Und im Buch von Beedle dem Barden kann man neben dem Märchen von den drei Brüdern, das schon in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes vorkommt, weitere Märchen aus der Zaubererwelt kennen lernen.

Schön finde ich auch, dass J. K. Rowling alle Verkaufserlöse der drei Bücher an gemeinnützige Organisationen spendet. Die Bücher könnt ihr aber natürlich auch bei uns in der Bibliothek ausleihen 😉

lga

Bauarbeiten

Vor einigen Wochen durfte ich aus meinem alten Büro in ein neues umziehen. Die Vorteile überwiegen auf jeden Fall. So sitze ich nun nicht mehr allein, sondern mit einer sehr netten Kollegin im Büro und dieses ist daher auch geräumiger als vorher.

Der einzige Nachteil befindet sich vor meinem Fenster. Während über die Sommermonate der Baustellenlärm nur ein bisschen abgedämpft durch das gegenüberliegende Büro in mein altes Büro herüberwehte, ist die Baustelle nun auf eine andere Gebäudeseite umgezogen, und zwar auf die Seite, wo auch das neue Büro liegt. Ich bin der Baustelle also hinterher gezogen. 🙂

Bei den Bauarbeiten geht es darum, den Platz, den ihr auf dem Bild seht, attraktiver zu gestalten. Mehr Bäume sollen auf den Neumarkt und auch neue Bänke und Spielflächen. Im Endeffekt also sehr gut für mich, da ich dann eine schönere Bürofensteraussicht bekomme und man zum Beispiel die Bänke bestimmt auch gut für eine Mittagspause in der Sonne nutzen kann. Aber bis dahin werde ich mich wohl trotzdem noch das eine oder andere mal über – für die Ohren recht unangenehmes – Pflastersteine-Zurechtschneiden oder ähnliches ärgern. 😉

lga

Vier Lesezeichen

5 Lesezeichen: 4 mit der künstlerisch gestalteten Vorderseite in dunklen Grüntönen, Rückseite mit Aufzählung vieler Autoren und Autorinnen der Literaturtage

Lesezeichen Stadtbibliothek, 4. Quartal; von Elisabeth Lasche

Zumindest den Besuchern der Literaturtage dürften sie aufgefallen sein, lagen sie doch bei allen Veranstaltungen auf den Tischen und Sitzplätzen vor der Literaturbühne aus. Aber auch so manch anderer Besucher in unserem Haus hat ja bereits im Laufe des Jahres zumindest eines der vier ergattert: Zu jedem Quartal des Jahres 2018 ist ein neues Lesezeichen erschienen und verteilt worden, das letzte pünktlich zur Eröffnung der Literaturtage am 4. Oktober.

 

5 Lesezeichen, 4 mit der künstlerisch gestalteten Vorderseite, rostfarben; eine Rückseite mit Text über die Artothek

Lesezeichen Stadtbibliothek, 1. Quartal 2018; von Elisabeth Lasche

Es wird wohl niemanden verwundern, dass uns Lesezeichen lieber sind als die scheinbar recht beliebten „Eselsohren“ – die in geliehenen Büchern natürlich nur aus Versehen eingeknickt werden, oder? Wir finden in unseren Büchern eine Vielzahl unterschiedlichster Lesezeichen: Postkarten, Werbezettel, Selbstgebasteltes, Einkaufszettel, Fotos, ja sogar schon Geldscheine; leider auch manchmal eher unappetitliches, da musste dann auch schon mal ein Buch entsorgt und ersetzt werden. Vielleicht nutzt Ihr dann doch lieber unsere schönen Lesezeichen.

2 Lesezeichen: Vorderseite künstlerisch gestaltet in dunklen, fast schwarzen Farben mit einzelnen grün-bunten Strichen; Rückseite mit Text über die Musikbibliothek

Lesezeichen Stadtbibliothek, 2. Quartal; von Elisabeth Lasche

 

Auf der Rückseite stehen unter der Überschrift „Lernraum Bibliothek“ Informationen: über die Artothek, die Kunstmedien in der Bibliothek, die Musikbibliothek und last but not least über die vielen Autoren und Autorinnen, die in den letzten 20 Jahren zu den Bielefelder Literaturtagen bei uns gelesen haben.

 

 

mehrere Lesezeichen: Vorderseite helle Grüntöne, Rückseite mit Text über Kunstbücher

Lesezeichen Stadtbibliothek, 3. Quartal; von Elisabeth Lasche

 

Die Vorderseite wurde von der Bielefelder Künstlerin Elisabeth Lasche gestaltet. Jedes Lesezeichen ist somit ein kleiner Kunstdruck. Die Auflagen sind limitiert, es wird nicht nachgedruckt; die Lesezeichen liegen nur so lange in der Stadtbibliothek am Neumarkt aus, wie der Vorrat reicht.

Wir wünschen viel Freude damit.

 

 

HilDa

Es weihnachtet (noch nicht so) sehr

Kaum zu glauben nach dem ewigen Sommer, den wir dieses Jahr hatten, aber so langsam ist tatsächlich schon wieder die Vorweihnachtszeit in Sicht. Die Temperaturen haben sich dem ja immerhin auch schon ein wenig angepasst, sodass man durchaus schon darüber nachdenken kann Lebkuchen, Spekulatius und Co. zu kaufen und zu verspeisen.

Bei uns in der Bibliothek fängt es ebenfalls wieder an weihnachtlich zu werden. Die Weihnachtsbücher sind aus dem Keller geholt und stehen zur Ausleihe bereit und für alle die sich schon mal auf Weihnachten und den Advent einstimmen wollen, bieten wir verschiedene Veranstaltungen an:

Vielleicht ist ja etwas für euch dabei? 😉

lga

 

Literaturtage: Esther Kinsky „Hain. Ein Geländeroman“

Es ist kaum zu fassen, aber am Freitag ist bereits die letzte von insgesamt zwölf Autorenlesungen der Literaturtage Bielefeld 2018. Zum Abschluss gehen wir mit der Autorin, Lyrikerin und Übersetzerin Esther Kinsky auf Reisen – Italienische Reisen besonderer Art.

„Jeden Morgen wache ich in einer Fremde auf.“

Buch mit Programmheft der Literaturtage 2018

Esther Kinsky „Hain. Ein Geländeroman“

Esther Kinsky schreibt in ihrem Buch „Hain. Ein Geländeroman“ über den Verlust eines geliebten Menschen. Es ist das stille Buch einer Liebenden, einer Zurückgelassenen.

Die Ich-Erzählerin reist in ein Italien, das wir so vielleicht noch nie gesehen haben. Grau- und Brauntöne dominieren. Es sind zumeist kleine, entlegene Ortschaften, die sie besucht, und Ihre Wahrnehmung des Geländes spiegelt ihr „schweres Herz“. Immer wieder sucht sie Friedhöfe auf, beobachtet Menschen, beschreibt die Natur, das Licht, erinnert sich an M., den verstorbenen Partner und auch an den Vater ihrer Kindheit, der mit der Familie oft Italien bereiste, schafft Verbindungen zu Künstlern wie Pasolini und Bassani. Ihre Sprache ist dabei frei von Sentimentalität, sucht keine Effekte, ist poetisch und spröde zugleich.

„Mein Thema ist: Wie filtert und beeinflusst eine Verlusterfahrung den Blick? Man sieht die Welt durch einen anderen Filter. Das finde ich einen wichtigen Vorgang. Es geht eigentlich in dem ganzen Buch ums Sehen und wie man das Sehen in Sprache umsetzt. Das ist etwas, was mich überhaupt immer beschäftigt: Was passiert zwischen dem Sehen, Erkennen und dem Benennen? Ein trauernder Mensch sieht die Welt einfach anders, liest sie einfach anders.“ (Esther Kinsky)

Esther Kinsky, die vor allem auch als Übersetzerin aus dem Polnischen und Russischen bekannt ist, hat für diesen Roman den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 erhalten.

Freitag, 2. November, 19 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.00 Uhr
Moderation: Angelika Teller
Musikalische Begleitung: Henning Rice am Flügel und Ismail Özgentürk, Saxophon
Eintrittspreis: 8,– €, ermäßigt 6,– €, Dauerkarte 50,– €

Ausleihhinweise zu Esther Kinskys Werken einschließlich einiger ihrer Übersetzungsarbeiten findet Ihr hier. Zum gesamten Programm der Literaturtage geht es hier.

Literaturtage: Jakob Hein „Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Buchcover

Jakob Hein: Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Diese Geschichte ist wahr, obwohl sie kaum zu glauben ist. Während des ersten Weltkrieges schmiedet der Orientalist und Abenteurer Max Freiherr von Oppenheim unter der Ägide der deutschen Militärführung einen aberwitzigen Plan. Um die Kolonialmächte England und Frankreich zu schwächen, soll der türkische Sultan, milde gestimmt durch die feierliche Übergabe von 14 muslimischen Kriegsgefangenen, animiert werden, den Dschihad auszurufen. Diese „Orient-Mission“ wird dem jungen, tollkühnen Leutnant Stern übertragen. Er soll die Gefangenen heimlich im Balkanexpress von Berlin nach Konstantinopel bringen. Damit dieser bizarre Plan gelingt, verwandelt er die Häftlinge in eine illustre Zirkustruppe.

„Er deklarierte die Orientalen als Reit- und Trapezkünstler. Auf diese Weise konnte es den Grenzbeamten nicht einfallen, spontan von ihnen Kunststücke als Arbeitsnachweis einzufordern. Er selbst würde den Zirkusdirektor geben…“

Immer wieder wechselt der Autor die Erzählperspektiven von Stern über den Gefangenen Tassaout bis zum mitreisenden Gesandten Schabinger Freiherr von Schowingen.

Hein erzählt diese absurde, historisch belegte Geschichte mit viel Feingefühl, Witz und Humor und schafft es dabei, Bezüge zur Gegenwart herzustellen.

Er zeigt die verheerende Wirkung der Konstruktion von Feindschaft, ohne sich selbst darauf einzulassen. Dem Einzelnen Menschen, jedem, bleibt er freundlich gesinnt.
(Martin Hatzius, Neues Deutschland)

Jakob Hein, der auch als Psychiater arbeitet, hat sich in diesem Roman erstmals einem historischen Stoff zugewandt. Von ihm liegen bereits 14 Bücher vor, darunter „Herr Jensen steigt aus“, „Wurst und Wahn“ sowie „Kaltes Wasser“.

Montag, 29. Oktober, 19 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.00 Uhr
Moderation: Prof. Dr. Ludwig Huber
Musikalische Begleitung: Valentin Katter (Trompete / Flügelhorn), Alexander Lipan (Oud / Gitarre)
Eintrittspreis: 8,– €, ermäßigt 6,– €, Dauerkarte 50,– €

Ausleihhinweise zu Jakob Heins Werken findet Ihr hier. Zum gesamten Programm der Literaturtage geht es hier.

Literaturtage: Sigrid Damm „Im Kreis treibt die Zeit“

Wir kennen Sigrid Damm als akribische Biographin und Chronistin über Personen aus dem Umfeld der Weimarer Klassik. Erinnert sei an den Bestseller „Christiane und Goethe“ von 1998 und das Buch „Goethes letzte Reise“ von 2007. Mit beiden Büchern war die Autorin zu Gast bei den „Bielefelder Literaturtagen“. Diesmal ist sie mit einem autobiographischen Werk vertreten.

In ihrem neuen Buch wendet sie sich Ihrem Vater zu, der neunzigjährig im thüringischen Gotha starb. Das Verhältnis zu ihm war seit der Kindheit zerrüttet, hatte der von ihr verehrte Großvater doch das Bild des Vaters vergiftet und die Mutter es nie korrigiert. So lehnt die Autorin jahrzehntelang sowohl den Vater als auch die Vaterstadt Gotha ab. Eine vorsichtige Annäherung wird erst möglich nach dem Tod der Mutter, in seinen zwei letzten Lebensjahren. Zwanzig Jahre danach schreibt Sigrid Damm dieses Doppelporträt über den Vater Willi Och und ihre Geburtsstadt.

Im Nachlass findet die Autorin Papiere und alte Fotos, verschränkt diese Fragmente und ihre eigenen eingeschlossen Erinnerungen mit den Zeitläuften und der Geschichte Gothas. Daraus ist ein sensibles, zeitgeschichtliches Panorama entstanden, das wieder einmal vor Augen führt, wie eng das persönliche Schicksal mit den politischen Verhältnissen verknüpft ist.

„Wärme spricht aus dem Buch. Es macht etwas mit seinen Lesern, es bringt den eigenen festen Platz ins Wanken.“ (Cornelia Geißler, Frankfurter Rundschau)

Sigrid Damm wurde mit zahlreichen Preisen geehrt und ist seit 2010 Ehrenbürgerin der Stadt Gotha.

Freitag, 26. Oktober, 19 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.00 Uhr
Moderation: Angelika Teller
Musikalische Begleitung: ZATIE – Mylene Kroon (Vocals), Kevin Hemkemeier (Bass)
Eintrittspreis: 8,– €, ermäßigt 6,– €, Dauerkarte 50,– €

Ausleihhinweise zu Sigrid Damms Werken findet Ihr hier. Zum gesamten Programm der Literaturtage geht es hier.

Mittendrin Mittwoch #73

Das Leder fühlte sich gut an zwischen den Fingern. Sprotte sah, wie Snegla die Ohren spitzte, hörte, wie sie die Hufe im feuchten Sand aufsetzte – und wünschte sich wieder einmal, dass man Augenblicke wie diesen aufbewahren könnte, in einem Marmeladenglas oder einer Keksdose. Um ab und zu davon zu kosten, an anderen, langweilig grauen Tagen, an Tagen, die nicht nach feuchtem Pferdefell rochen. Für so viel Glück braucht man aber ein großes Glas, dachte Sprotte, während sie hinter Trude her ritt.

Die Wilden Hühner und das Glück der Erde von Cornelia Funke, Seite 165

Die Wilden Hühner – das sind Sprotte, Frieda, Trude, Wilma und Melanie. Sie sind eine Bande und haben zusammen schon so einiges erlebt. Rettungsaktionen für echte Hühner, Gespensterjagd auf Klassenfahrt, Ferien auf einem Reiterhof, immer wieder neue Racheaktionen gegen die Pygmäen, vier Jungs, die in die selbe Klasse wie die Wilden Hühner gehen (und wenn es drauf ankommt, eigentlich ganz in Ordnung sind). Ich lese momentan im vierten Buch Die Wilden Hühner und das Glück der Erde, in dem die Hühner Ferien auf einem Reiterhof machen (auf dem sich die Pygmäen natürlich auch irgendwann blicken lassen).

Als Kind habe ich Die Wilden Hühner-Bücher von Cornelia Funke immer wieder gerne gelesen. Als ich letztens mein Bücherregal etwas umgeräumt habe und die Bücher in der Hand hatte, dachte ich mir, dass ich da eigentlich auch mal wieder reinschauen könnte. Und es hat richtig viel Spaß gemacht, nach so langer Zeit mal wieder in die Geschichte einzutauchen. Bücher aus der Kindheit zu lesen, finde ich auch unter dem Aspekt spannend, dass da so viele Erinnerungen dran hängen. Vom ersten Buch hatte ich zum Beispiel auch das Hörbuch, das von Cornelia Funke selber gesprochen wird und das ich früher ebenfalls sehr oft gehört habe. So hatte ich bei bestimmten Abschnitten immer wieder Cornelia Funkes Stimme im Kopf (und habe jetzt eigentlich Lust ins Hörbuch reinzuhören).
Plötzlich kam mir dann auch wieder der Soundtrack zu den Verfilmungen der Bücher in den Sinn (auch immer noch wunderschön), die damals genau passend rauskamen, als ich die Bücher selber noch gelesen habe.
In den Büchern werden viele lebensnahe Themen verarbeitet, von geschiedenen Eltern über abwesende Väter, arbeitslose Eltern, Probleme in der Schule, Freundschaft, erste Liebe bis zu unnahbaren, bevormundenden Großmüttern. Durch diese Nähe zum echten Leben kann sich da auch jedes Kind in den Büchern wieder finden. Die Wilden Hühner unternehmen eben Sachen, die auch jedes normale Kind unternehmen könnte und jagen keine Verbrecher oder erleben sonst welche Abenteuer, die in echt nie jemandem passieren. Sie treffen sich zum Tee trinken und Waffeln backen, kümmern sich um echte Hühner, spielen Theater, legen Gemüsebeete an, schreiben sich in der Schule Zettelchen in selbst erdachter Geheimsprache.
Was mir außerdem grundsätzlich an allen Büchern von Cornelia Funke gefällt, ist, dass sie diese meist selbst illustriert. Das macht ihre Bücher auch optisch zu etwas ganz Besonderem. Das ist vielleicht Geschmackssache, aber ich mag ihren Zeichenstil richtig gerne.

Hier nochmal die Bücher der Reihe:
Die Wilden Hühner
Die Wilden Hühner auf Klassenfahrt
Die Wilden Hühner – Fuchsalarm
Die Wilden Hühner und das Glück der Erde
Die Wilden Hühner und die Liebe
Die Wilden Hühner und das Leben (Das ist allerdings die Adaption des dritten Wilde Hühner Films, der zwar teilweise auf den Büchern beruht, aber eine eigene Geschichte aufweist, die nach Die Wilden Hühner und die Liebe spielt und auch nicht von Cornelia Funke adaptiert wurde. Zu dem Buch kann ich nicht viel sagen, da ich das nie gelesen habe.)

Ausleihhinweise zu allem, was wir zu den Wilden Hühnern in der Bibliothek haben findet ihr hier.

lga

Elizzy von read books and fall in love hat sich für alle, die teilnehmen mögen, folgende Blogaktion ausgedacht: der „Mittendrin Mittwoch“. Er besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

Literaturtage: Klaus Cäsar Zehrer „Das Genie“

Buch lugt aus dem Regal der Stadtbibliothek hervor

Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie

Darf man heute noch so erzählen? „Das Genie“ ist ein biographischer Roman über das Leben des als Exzentriker geltenden William James Sidis (1898 – 1944). Es ist zugleich die Geschichte einer sich energisch behauptenden und nach oben durchboxenden Einwanderergeneration in den USA in Gestalt des aus der Ukraine kommenden Boris Sidis, der 1886 in New York inmitten eines vielsprachigen, multikulturellen Menschenwirrwarrs eintrifft. Eine angeborene Intelligenz, Zielstrebigkeit und Ehrgeiz ebnen ihm den Weg zu akademischer Bildung, Ansehen und Besitz. An seinem Sohn William will er schlussendlich demonstrieren, dass jedes Kind zum Genie werden kann. Vorausgesetzt es erhält die richtige Förderung. Doch die Dinge entwickeln sich meist anders als geplant. Zwar bricht der kleine William alle Rekorde, macht mit acht Jahren seinen High-School-Abschluss, ist der „Wunderjunge von Harvard“, doch als Erwachsener hat er nach all‘ dem Drill, der Fremdbestimmtheit und den, allerdings selbstauferlegten, 154 Lebensregeln nur noch den Wunsch, sein Leben selbst in die Hand nehmen und gestalten zu können. Eine Katastrophe scheint absehbar.

„Im Ernst: Es gibt tatsächlich eine Methode, die eigens dazu entwickelt wurde, ein Kind in ein Genie zu verwandeln.“ [aus dem Roman, S.7]

Klaus Cäsar Zehrer, Jahrgang 1969, nimmt wegen der zusammen mit Robert Gernhart herausgegeben Anthologie „Hell und schnell. 555 komische Gedichte aus 5 Jahrhunderten“ (2005) einen festen Platz im Herzen seiner Leserschaft ein. Darüber hinaus hat er sich als promovierter Kulturwissenschaftler intensiv mit der Neuen Frankfurter Schule und deren Satirekonzept beschäftigt. „Das Genie“ ist sein erster Roman.

Dienstag, 23. Oktober, 19 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.00 Uhr
Moderation: Harald Pilzer
Musikalische Begleitung: Thomas Schweitzer, Saxophon
Eintrittspreis: 8,– €, ermäßigt 6,– €, Dauerkarte 50,– €

Einen persönlichen Eindruck von der Lektüre hatte die Kollegin lga bereits im MittendrinMittwoch #71 beschrieben.

Ausleihhinweise zu Klaus Cäsar Zehrers „Das Genie“ findet ihr hier. Zum gesamten Programm der Literaturtage geht es hier.