Bitte, ein Gedicht #9

Lied im Advent
Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen!

Matthias Claudius (1740 – 1815)

Bitte ein Gedicht – das ist Wunsch und Angebot zugleich. In unregelmäßigen Abständen möchten wir gerne zur Lyrik verführen und präsentieren einzelne Gedichte oder weisen auf besondere Lyrikbände aus unserem Bestand hin.

Winterzeit ist Märchenzeit #6

Winter is coming – also machen wir auch weiter mit unserer Märchenzeit.
Und da das Theater Bielefeld das amerikanische Märchen „Der Zauberer von Oz“ als Familienstück zur Weihnachtszeit spielt und die Märchenvorlage von L. Frank Baum in Deutschland kaum bekannt ist, liegt es doch nahe, hier im Blog ein paar Informationen zusammen zu tragen.

 

Der Zauberer von Oz

Ich kenne das Märchen auch erst durch eine Theaterinszenierung vor vielen Jahren, bei der ich den Blechmann spielen durfte. Selbst den Filmklassiker von 1939 mit Judy Garland hatte ich vorher nie gesehen, kannte nur den Titel und ein paar Ausschnitte. Und natürlich das Lied: „Somewhere over the Rainbow“. Das Theaterstück damals war toll, also habe ich auch das Buch gelesen. Vielleicht lag es ja an der Übersetzung, jedenfalls gefiel mir die Märchenerzählung nicht besonders; und selbst der Musicalfilm konnte mich nicht begeistern. In den USA gehört er zum alljährlichen Weihnachtsprogramm im Fernsehen, ein Familienereignis. Als synchronisierte Fassung unter dem Titel „Das zauberhafte Land“ wird er zwar auch im deutschen Fernsehen regelmäßig um Weihnachten herum im Kinderprogramm gezeigt, aber weder Film noch Buch haben hier je große Popularität erreicht.

Illustration von W.W. Denslow – Library of Congress LC Control No.: 03032405 (p. 81), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4674617

L. Frank Baum (seinen Vornamen Lyman mochte er angeblich nicht, darum kürzte er ihn nur ab) schrieb mit „The Wonderful Wizard of Oz“ den ersten amerikanischen Kinderbuchklassiker. Seine Figuren sind in den USA ebenso vertraut wie bei uns das Märchenpersonal der bekanntesten Grimm’schen Erzählungen. Der große Erfolg schon gleich im ersten Erscheinungsjahr 1900 ist sicher auch seinem Illustrator William Wallace Denslow zu verdanken.

Dass die Hauptfiguren Dorothy und ihr Hund Toto sowie ihre neu gewonnenen Freunde Vogelscheuche, Blechmann und Löwe ebenso wie die große Gegenspielerin, die böse Hexe des Westens, als Charaktere seltsamerweise hierzulande bekannter als die Erzählungen selbst sind, liegt wohl an den vielen Zitaten aus Kinderbuch und Film in der amerikanisch geprägten Popkultur. Die roten Schuhe, der gelbe Steinweg, der Wirbelsturm, der das Haus weg trägt, die grüne Smaragdstadt und eben Vogelscheuche, Blechmann und Löwe, die für sich Verstand, Herz und Mut suchen – das wird oft in TV-Serien, Filmen, Werbung, Videoclips oder Songtexten aufgegriffen, weil es als bekanntes Allgemeinwissen in den USA vorausgesetzt werden kann. Hierzulande fehlt jedoch meist das Wissen um den Kontext.

Baum nutzte für seinen Märchenroman die klassische Struktur der Heldenreise:

Dorothy wird durch einen Wirbelsturm aus dem beschaulichen Kansas in das zauberhafte Land Oz getragen und dort gleich als Heldin gefeiert, weil durch ihre Ankunft – aber von ihr unbeabsichtigt – eine böse Hexe getötet wurde. Zur Belohnung erhält sie Zauberschuhe, doch leider hat sie sich auch die Feindschaft der ebenfalls bösen Hexe des Westens eingefangen. Dorothy will wieder zurück nach Hause, doch das geht nur mit Hilfe des großen und mächtigen Zauberers in der Smaragdstadt. Sie folgt dem gelben Steinweg und trifft unterwegs Freunde: Sie holt die Vogelscheuche von der Stange, ölt den eingerosteten Blechmann und beruhigt den ängstlichen Löwen. Die Drei schließen sich ihr an, denn sie haben ebenfalls Wünsche an den Zauberer. Gemeinsam erleben sie Abenteuer, besiegen sogar die Westhexe – doch der große und mächtige Zauberer ist nicht das, was alle glauben. Trotzdem gibt es für alle ein Happy End.

Die Wikipedia bietet zu Lyman Frank Baum und Der Zauberer von Oz sehr ausführliche Artikel und Bilder.

Die schon jetzt fast ausverkauften Aufführungen am Bielefelder Theater haben nun in unserer Bibliothek zu einer größeren Nachfrage nach dem Märchen geführt; Schulen, Kindergärten und auch einige Eltern wollen ihre Kinder auf den Theaterbesuch vorbereiten oder die auf der Bühne gesehene Geschichte noch einmal nachlesen.

Es gibt unterschiedliche Ausgaben und Übersetzungen, Bearbeitungen für verschiedene Altersgruppen, Bilderbücher und Vorlesebücher. In unseren Stadtteilbibliotheken und natürlich in der Kinderbibliothek am Neumarkt könnt Ihr fündig werden – wenn nicht gerade alles ausgeliehen ist. Ich habe jedenfalls nur zwei Ausgaben zum Fotografieren vorgefunden: die Übersetzung von Sybil Gräfin Schönfeldt im Dressler-Verlag und die illustrierte Ausgabe aus dem Coppenrath-Verlag.

Der Zauberer von Oz / von L. Frank Baum; übersetzt von Sybil Gräfin Schönfeldt. – Dressler-Verlag

Der Zauberer von Oz / von L. Frank Baum; nacherzählt von Heidemarie Brosche; Bilder von Markus Zöller. Coppenrath-Verlag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übrigens findet Ihr in unserem Videoarchiv sogar noch die erste Stummfilm-Verfilmung (mit Oliver Hardy als Blechmann) und auch den Filmklassiker mit Judy Garland als VHS-Videokassette; den Musicalfilm von 1939 gibt es aber auch als DVD (4 Discs mit viel Bonus-Material anlässlich des 70. Filmjubiläums). Und dann ist da noch die Musical-Verfilmung 1978 „The Wiz – Das zauberhafte Land“ von Sidney Lumet mit Diana Ross und Michael Jackson, Musik Quincy Jones.

Follow the yellow brick road …

HilDa

Bitte, ein Gedicht #8

Des Wunders lächelnd staunend, das geschah,
Stand ich am Morgen leise fröstelnd, sah
Die Heide blitzend, funkelnd, übersät;
Als die Dezembersonne mild und spät
Hinter den Kiefern aufstieg … Silberblinken,
Glitzern und Blitzen aller Nähe, Weite
Im Winterlicht … Und bronzen ein Geläute
Vom Dorf her: – Morgenglocken; – und ein Winken
Des Horizontes blauzart; fernklar, fein:
Wie hingehaucht. Und eine Stille dann
Fing durch das Strahlende zu wandern an,
Und fand auf weißen Wegen sich allein. … O, ganz allein.

Karl Röttger (1877-1942)

Bitte ein Gedicht – das ist Wunsch und Angebot zugleich. In unregelmäßigen Abständen möchten wir gerne zur Lyrik verführen und präsentieren einzelne Gedichte oder weisen auf besondere Lyrikbände aus unserem Bestand hin.

Bitte, ein Gedicht #7

Verse zum Advent

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.

Theodor Fontane (1819 – 1898)

 

Bitte ein Gedicht – das ist Wunsch und Angebot zugleich. In unregelmäßigen Abständen möchten wir gerne zur Lyrik verführen und präsentieren einzelne Gedichte oder weisen auf besondere Lyrikbände aus unserem Bestand hin.

Tomatenbaguette

Mit Hefe habe ich bisher eher selten gebacken, da mich das viele gehen lassen des Teigs etwas abschreckt.
Letztens habe ich aber ein Rezept gefunden, bei dem man den Hefeteig einfach über Nacht in den Kühlschrank stellen kann, das klingt schon viel einfacher. 🙂

Zutaten (für ein Brot):

  • 75 g getrocknete Tomaten (in Öl)
  • 330 g Weizenmehl Type 550
  • Salz
  • 1 EL getrocknete italienische Kräuter
  • 1 TL Zucker
  • 1 1/2 TL Trockenhefe

Die getrockneten Tomaten in einem Küchensieb abtropfen lassen. Mit Küchenpapier leicht trocken tupfen und anschließend in kleine Stücke schneiden.
Das Mehl, die Tomatenwürfel, 1 1/2 Teelöffel Salz, getrocknete Kräuter und Zucker in eine Schüssel geben und mischen. Die mit 250 ml lauwarmem Wasser verrührte Hefe zur Mehlmischung geben und alles gut mit den Knethaken des Handrührgeräts bzw. der Küchenmaschine oder mit einem Kochlöffel vermengen. Da der Teig stark aufgeht, diesen nun in eine große Schüssel füllen und abgedeckt für mindestens 8 Stunden in den Kühlschrank stellen (also zum Beispiel über Nacht und dann morgens frisch das Baguette backen).

Den Backofen auf 220 °C vorheizen.
Mit bemehlten Händen den Teig in eine Baguetteform bringen. Den Teigstrang anschließend mehrmals gegeneinander verdrehen.

Den Teig auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und in den Ofen schieben. Die Backzeit beträgt 45 Minuten. Das Brot auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.

Mehr zum Thema Brot backen findet ihr vor Ort unter der Signatur Xeo 240 oder auch in der Onleihe.

Ich glaube ich werde mich jetzt öfter an Hefeteig herantrauen. Ist ja doch nicht so schwer wie gedacht. 🙂

Guten Appetit!

lga

15-jähriges Jubiläum der Stadtteilbibliothek Heepen

Am 8. Oktober 2019 war es soweit: vor 15 Jahren gründete sich die ehrenamtliche Stadtteilbibliothek Heepen.  Als die beliebte Bibliothek von der Stadt Bielefeld aus Kostengründen geschlossen werden sollte, stemmten sich Heeper Bürger, Lehrer, Schüler und ortsansässige Politiker erfolgreich dagegen. Was niemand von den Verantwortlichen für möglich hielt, ist eingetreten: seit 15 Jahren versorgen 30 Ehrenamtliche zuverlässig und mit viel Engagement die Leserinnen und Leser mit Büchern, Zeitschriften, Hörbüchern und Filmen.

Wegen der Vielfalt des Angebots steigen nicht nur die Ausleihzahlen stetig an, auch die Möglichkeit, in den Bibliotheksräumen bei einer Tasse Kaffee zu verweilen, den neuen Kinder-Aufenthaltsbereich zum Vorlesen zu entdecken oder die beiden öffentlichen PCs zu nutzen, laden ein länger zu verweilen. All das trägt dazu bei, dass Heepen erklärtermaßen „Lieblingsbibliothek“ geworden ist.

Das wurde am 8. Oktober mit den Ehrenamtlichen, Sponsoren, der Leitung der Stadtbibliothek Bielefeld, Gästen aus Politik und Geschäftswelt sowie Freunden aus der Bücherszene gebührend gefeiert.

Petra Mülller (Förderverein der Stadtteilbibliothek Heepen; Blog der Stadtteilbibliothek Heepen)

Ein Abend mit Olga Tokarczuk

Um kurz nach 13 Uhr am 10. Oktober 2019 war großer Jubel auf den Gängen der Bibliothek zu vernehmen. Auf mehreren Bildschirmen wurde live die Übertragung der Vergabe des Literaturnobelpreises verfolgt. Schwedisch sprechen wir zwar nicht, den Namen Olga Tokarczuk haben wir dann aber doch verstanden. Die Freude über den Preis für Olga Tokarczuk war also groß, auch, weil sie zu dem Zeitpunkt schon im Auto, auf dem Weg nach Bielefeld, saß. Denn am Abend um 20 Uhr war sie für eine Lesung, im Rahmen unserer Literaturtage, bei uns zu Gast.

Schon einige Tage vorher tauchte Olga Tokarczuks Name als Favoritin für den Nobelpreis auf, sodass wir im Voraus schon die ein oder andere Überlegung anstellten. Dass sie den Preis dann aber wirklich gewonnen hat, hat uns doch überrascht. Wer rechnet auch schon mit einem solchen Zufall. 🙂

Mir ist Olga Tokarczuk durch die Vorbereitungszeit auf die Literaturtage nun schon gut bekannt. Auch ein Buch habe ich von ihr schon mit Begeisterung gelesen. Aber allen, die sie noch nicht kennen möchte ich sie und ihr aktuelles Buch einmal in Kürze vorstellen.

Olga Tokarczuk wurde 1962 geboren, studierte in Warschau Psychologie, lebt im südpolnischen Eulengebirge und ist heute eine bedeutende europäische Schriftstellerin des magischen Realismus. Für Ihren Roman Unrast erhielt sie 2018 den Man Booker International Prize.
Ihr jüngster Roman „Die Jakobsbücher“ erschien am 01.10.2019 auf deutsch, in Polen schon 2014. Der Roman handelt von Jakob Frank, eine der bedeutendsten Figuren, des 18. Jahrhunderts. Den einen galt er als Weiser und Messias, den anderen als Scharlatan und Ketzer. Als Anführer einer mystischen Bewegung, der Frankisten, war Jakob fest entschlossen, sein Volk, die Juden Osteuropas, endlich für die Moderne zu öffnen. Olga Tokarczuk zeichnet das schillernde Porträt dieser kontroversen historischen Figur und das Panorama einer krisenhaften Welt an der Schwelle zur Moderne.
Wegen dieses Romans erhielt Olga Tokarczuk Todesdrohungen von nationalistischen Fanatikern und benötigte einige Zeit lang Leibwächter. „Diese Hass-Reaktion hat sich nicht unmittelbar auf das Buch bezogen, sondern auf meine Aussage im Fernsehen, dass die Polen sich auch den dunklen Kapiteln in ihrer Geschichte stellen müssen. Auch die Polen haben Juden ermordet, sie haben im Osten kolonialisiert, und die Landbevölkerung musste feudalen Frondienst leisten, der sehr an Sklaverei erinnert. So habe ich das auch genannt. Das hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Man hat mir dann vorgeworfen, ich würde lügen und mein Land verraten. Und das Buch widerspricht nun der offiziellen Darstellung eines mono-ethnischen, heldenhaften Polens, in der die Polen immer nur Opfer, aber nie auch Täter sind“, erklärt Olga Tokarczuk.

Auch dieses Buch würde mich reizen zu lesen, auch wenn es mit über 1000 Seiten eine schwere Lektüre im wahrsten Sinne des Wortes ist. Es erscheinen demnächst aber auch noch weitere Bücher von ihr auf deutsch, die ebenfalls interessant klingen.

Auf die Lesung mit Olga Tokarczuk habe ich mich auch schon vor dem ganzen Nobelpreistrubel sehr gefreut. Sie war bereits zweimal in der Stadtbibliothek zu einer Lesung eingeladen. Kollegen sprachen von diesen Lesungen und der Autorin so positiv, dass ich schon ganz gespannt war auf den Abend mit ihr.

Durch den Nobelpreis wurde der Tag für uns etwas hektischer als geplant. Ein Raum wurde hergerichtet für die Pressekonferenz, die stattfinden sollte, sobald Olga Tokarczuk bei uns eintreffen würde. Ein Geschenk wurde für die Nobelpreisträgerin besorgt (allerdings keine Schnittblumen, die mag sie nämlich nicht), vor unserer Literaturbühne mussten wir noch etwas umräumen und anschließend weitere Stühle nachstellen, bei den Kollegen im Publikumsservice klingelte pausenlos das Telefon, da sich viele Leute noch eine Karte zur Lesung sichern wollten, und bei unserem Leiter der Zentralbibliothek stand das Telefon auch nicht still, da alle möglichen Pressevertreter um Auskunft baten.

Der Nachmittag ging jedenfalls, mit allem was noch so zu tun war, sehr schnell rum und gegen halb sechs waren wir tatsächlich mit allem einigermaßen fertig. Danach hieß es erstmal warten bis Olga Tokarczuk bei uns eintreffen würde.
In der Wartezeit war dann Gelegenheit, noch etwas auf Facebook zu posten. Schnell ein Bild von den letzten fünf Karten für die Lesung geknipst und als ich den Facebook-Post endlich fertig geschrieben hatte war er schon nicht mehr aktuell – denn da waren dann auch die letzten Karten weg (aus Brandschutzgründen konnten wir übrigens nicht einfach noch Karten nachdrucken und verkaufen – auch wenn noch Platz gewesen wäre, dürfen wir nur gut 300 Personen bei Lesungen herein lassen).

Unsere Nutzer haben sich bestimmt gewundert, was bei uns Seltsames los ist, da der Eingangsbereich mit Pressevertretern sowie Kollegen aus der Bibliothek und von der Stadt Bielefeld etwas verstopft war. Auch unser Oberbürgermeister Pit Clausen und Kulturdezernent Udo Witthaus gesellten sich zu den Wartenden.

Lothar Quinekstein, Klaus Loest, Olga Tokarczuk und Pit Clausen

Gegen 18 Uhr rollte Olga Tokarczuks Auto dann tatsächlich vor der Bibliothek vor. Kaum hatte sie die Beifahrertür geöffnet wurde sie auch schon von einem Pressepulk belagert, der sie den Weg bis ins 2. Obergeschoss, wo die Pressekonferenz stattfinden sollte, begleitet hat. Ganz viel habe ich von dem Pressegespräch allerdings nicht mitbekommen, da einige Kollegen und ich uns unten im Erdgeschoss dann schon wieder daran machten die Technik für die Lesung aufzubauen.
Die Technik hat uns natürlich ausgerechnet an einem Abend, an dem so viele Leute da waren und überall Kameras standen, ganz schön auf Trab gehalten. Es hat am Ende alles prima geklappt und die Zuschauer haben davon auch zum Glück nicht wirklich was mitbekommen aber uns hat es dann doch etwas gestresst.

Dementsprechend habe ich von der Lesung selber inhaltlich gar nicht richtig etwas aufnehmen können. Auf der Bühne saßen der Leiter unserer Zentralbibliothek, Klaus Loest, Olga Tokarczuk natürlich, Lothar Quinkenstein, einer der Übersetzer der Jakobsbücher und die Theaterwissenschaftlerin Barbara Frey aus Bielefeld. Olga Tokarczuk las Teile aus ihrem Buch im Original auf Polnisch, danach las Barbara Frey, die entsprechenden Abschnitte auf Deutsch. Lothar Quinkenstein übersetzte und Klaus Loest, (übrigens auch derjenige, der Olga Tokarczuk zu uns eingeladen hat) moderierte die Lesung.
Auch wenn ich mich nicht so richtig auf die Lesung konzentrieren konnte, war es trotzdem eine tolle Atmosphäre auf der Bühne.

Nach den ersten 20 Minuten gab es dann eine kleine Musikpause, in der die Pressevertreter ihre Kameras wieder einpacken mussten, damit wir für den Rest der Lesung „unter uns“ sein konnten.

Barbara Frey, Lothar Quinkenstein, Olga Tokarczuk und Klaus Loest

Die Pause haben einige aus dem Publikum aber auch zum Anlass genommen, Olga Tokarczuk persönlich zu gratulieren, wobei fast die Literaturbühne gestürmt wurde. Da hatte unser Sicherheitsdienst richtig was zu tun.

Die Lesung fiel dann vielleicht etwas kürzer aus, als üblich, was ich unter den gegebenen Umständen aber auch verständlich fand. Nach der Lesung hat Olga Tokarczuk nämlich noch signiert und dann standen immer noch einige Pressevertreter rum, die noch ein Interview mit ihr führen wollten. Ich glaube es war schon fast zwölf, als sie sich endlich auf den Weg zum Hotel machen konnte.

Zum Schluss waren noch eine Kollegin, ein Kollege und ich übrig. Nachdem alles was noch an dem Abend aufgeräumt werden musste, erledigt war, hatten wir auch endlich Feierabend (bzw. Feiermorgen? Es war schließlich schon 00:30 als ich nach Hause fuhr. Bis nach Mitternacht habe ich auch noch nie gearbeitet). 🙂

Es war auf jeden Fall ein verrückter Tag und ganz sicher ein Ereignis, an das wir uns noch lange erinnern werden. Regelmäßig brauche ich solche Veranstaltungen dann aber doch nicht. Es war schon ein bisschen verrückt, wie eine Unmenge Leute unbedingt ein Selfie mit Olga Tokarczuk haben wollten, sie umarmen, ihr gratulieren, sie sehen wollten und wie gefühlt 100 Pressevertreter wahrscheinlich alle genau dieselben Aufnahmen gemacht haben. Sehr sympathisch wie Olga Tokarczuk bei dem ganzen Rummel durchgehend gelassen und souverän geblieben ist und immer ein Lächeln im Gesicht hatte.

Hoffentlich habe ich irgendwann noch einmal eine Gelegenheit, eine Lesung mit ihr zu besuchen – dann aber bitte ganz in Ruhe und ohne, dass Sie ein paar Stunden vorher einen Nobelpreis verliehen bekommt!

lga

Deutschlands schönste Insel

Im Mai 2019 wurde die Nordseeinsel Borkum von den Lesern von „Travelbook“ zu Deutschlands schönster Insel gewählt. Borkum gewinnt knapp vor Rügen und Norderney, und mit Vorsprung vor Sylt. Das Ergebnis gibt es übrigens hier: https://www.travelbook.de/ziele/inseln/voting-schoenste-insel-deutschlands. 2018 ist der Borkumer Südstrand bereits zum schönsten Strand gewählt worden.

Neben Langeoog und Norderney ist Borkum nicht von der Tide abhängig. Wer nicht mit dem Auto anreisen möchte fährt mit dem Zug bequem bis an den Anleger. Die Bahnverbindungen sind auf die Fährverbindung abgestimmt – sehr praktisch, sofern die Bahn auch dann ankommt, wenn sie es soll. Die Überfahrt von Emden dauert zwei Stunden mit der Fähre und etwa eine Stunde mit dem Katamaran. Vom Hafen fährt die Inselbahn bis in den Ort.

Vom Bahnhof gelangt man in weniger als 5 Minuten zu einem der Hauptbadestrände, dem Nordbad mit Blick auf die Seehundbank „Hohes Riff“. Den besten Blick auf die Seehunde bekommt man von den Buhnen am Strand aus. Bei Ebbe ist es möglich, zu Fuß bis auf die Sandbank zu gelangen. Natürlich sind mit genügend Abstand zum Ruheplatz Grenzpfähle errichtet, bis zu denen man laufen darf, um die Tiere nicht zu stören. Dabei sollten immer die Zeiten von Hoch- und Niedrigwasser im Blick behalten werden.

Borkums Strände und das Ostland laden zu ausgedehnten Wanderungen und Radtouren ein. Zurück am Nordbad: Richtung Süd-Westen gelangt man nach etwa einem Kilometer auf der Promenade zum Aquarium und weiter zum Südstrand. Richtung Osten wird es nach dem Jugendbad und dem FKK-Strand ruhiger. Man kann noch mehrere Kilometer weiterlaufen, wir nehmen aber den Aufgang zur Aussichtsplattform „Olde Düne“. Das dürfte der erste Aufgang nach dem FKK-Strand sein (Viel zuverlässiger als meine Orientierung am Strand ist ein Inselplan!). Weiter im Inneren der Insel gelangt man zu zwei Cafés im Ostland, in denen man zur Stärkung einkehren kann. Für den Rückweg überqueren wir die Insel und kehren über den Tüskendör-Deich in den Ort zurück. Von hier hat man einen guten Blick aufs Watt und auf die Salzwiesen.

In Borkum Ort darf natürlich ein Besuch des neuen Leuchtturms nicht fehlen. Erbaut wurde der Turm mit der roten Mütze im Jahr 1879 in weniger als 5 Monaten, nachdem der alte Leuchtturm abgebrannt war. Auf dem Weg nach oben finden sich an mehreren Stationen Tafeln zur Geschichte des Turms und zur Funktion der Leuchtfeuer. Oben angekommen gelangt man über eine steile Leiter auf die Aussichtsplattform. Hier oben ist es sehr stürmisch, aber man wird mit einem herrlichen Blick über die Insel belohnt.

Ich war bislang einige Male auf Borkum und bin dort immer wieder gern. Noch nie aber war ich an der Ostspitze. Die ist beim nächsten Mal dran.

Weitere Infos gibt’s hier.

Natürlich haben wir auch Reiseführer für Borkum im Bestand.

Juliane

Waldbaden

Es war ein einfacher Sonntagsspaziergang mit Freunden. Eine Freundin hielt es nicht auf dem geteerten Weg, ebenso wie die Kinder lief sie zwischen den Bäumen durch das Unterholz. Plötzlich blieb sie stehen, breitete die Arme aus, reckte das Gesicht nach oben und schloss die Augen dabei, sie holte tief Luft und rief glücklich: „Hach, ist das schön!“

Damals gab es den Begriff „Waldbaden“ noch nicht, aber dieses Bild habe ich sofort wieder vor Augen, wenn ich ihn heute höre. Wir mussten alle unwillkürlich lachen; aber im Stillen habe ich, haben wir wohl alle unsere Freundin ein wenig beneidet: Sie war in den Wald hineingetaucht, genoss ihn mit allen Sinnen und ließ ihrer Freude einfach freien Lauf.
Das mag jetzt nicht der Methode und den bewussten Übungen zum Waldbaden entsprechen, aber das aufmerksame und bewusste Wahrnehmen der Natur ist schon ein erster Schritt – und wirkt.

In Japan zählt Shinrin Yoku = Baden im Wald als anerkannte Stress-Management-Methode zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge. Und mittlerweile hat sich auch bei uns der Begriff etabliert, die Übungen gehören zu den Naturtherapien mit stressreduzierender und immunstärkender Wirkung.

Zwei Beispieltitel zum Thema Waldbaden

 

Wer mehr über die Methode wissen möchte, wir haben natürlich Bücher zum Thema: die Katalog-Trefferliste allein zum Stichwort „Waldbaden“ hier.

 

Zwei Beispieltitel für Waldführer

Und wer einfach die Wälder der Region erwandern möchte, findet bei uns Wander- und Radwanderführer oder auch Bestimmungsbücher zu den Tieren und Pflanzen im Wald, zum Spurenlesen und Federnsammeln, Bücher zu Projekten und Erlebnisstreifzügen mit Kindern im Wald und vieles mehr.
Für Schulen und Kindergärten haben wir auch einige Medienboxen zum Thema vorbereitet.

 

Also, auch wenn jetzt die Blätter fallen und die Temperaturen sinken: Auf geht’s in den Wald, tief Luft holen, alle Sinne und Herzen öffnen und – „Hach, ist das schön!“

HilDa

 

Bitte, ein Gedicht #6

Herbstlied

Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.

Wie die volle Traube
aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.

Sieh! wie hier die Dirne
Emsig Pflaum’ und Birne
In ihr Körbchen legt;
Dort, mit leichten Schritten,
Jene, goldne Quitten
In den Landhof trägt!

Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.

Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und im Mondesglanz;
junge Winzerinnen
winken und beginnen
deutschen Ringeltanz.

Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834)

 

Bitte ein Gedicht – das ist Wunsch und Angebot zugleich. In unregelmäßigen Abständen möchten wir gerne zur Lyrik verführen und präsentieren einzelne Gedichte oder weisen auf besondere Lyrikbände aus unserem Bestand hin.