Heinrich Steinfest: Der Chauffeur

LITERATURTAGE BIELEFELD 2020
EINE ART VON WAHRHEIT

Roman "Der Chauffeur" von Heinrich SteinfestIn der Welt des Chauffeurs Paul Klee herrschen Übersicht und Präzision. Aber das Leben hält keine Garantie für unendliche Ordnung bereit. Nach einem Autounfall und einer schweren Fehlentscheidung beschließt er, ein Hotel ganz nach seinen Vorstellungen zu führen. Und das Glück will es, dass er sich in die Maklerin Inoue verliebt. Also planen sie das Haus gemeinsam, von den Zimmern bis zum Frühstück. Aber Klees ideale Welt zerbricht ein zweites Mal.

„Der Chauffeur“ ist Heinrich Steinfests intensivster Roman und die Geschichte eines Mannes, den die Liebe und der Tod einmal zu oft behelligen.

Denis Scheck sagt über ihn:

„Heinrich Steinfest unterhält nicht nur, er öffnet einem buchstäblich die Augen für – ein großes Wort – die Vielfalt der Schöpfung.“

Der Österreicher wurde in Australien geboren, wuchs in Wien auf und lebt heute als freischaffender Künstler in Stuttgart. Das sind die geographischen Lebensstationen des erklärten Nesthockers Heinrich Steinfest. Er ist der Schöpfer des einarmigen Detektivs Cheng und wurde dafür mehrfach mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. Zudem war er zweimal für den Deutschen Buchpreis nominiert: 2006 mit „Ein dickes Fell“; 2014 mit „Der Allesforscher“. Über seinen letzten Roman „Die Büglerin“ geriet das Feuilleton ins Schwärmen.

„Ich meine, das Leben ist unglaublich zerbrechlich und das macht mich auch ein bisschen wütend auf das Leben.“ (Heinrich Steinfest)

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Heinrich Steinfest im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.
Das Literaturverzeichnis zur Lesung gibt es hier als PDF: HeinrichSteinfest

In der 3Sat-Buchzeit wurde der Roman in einem kurzen Film (ca. 3 Min.) vorgestellt.
Christine Westermann schwärmt geradezu in ihrer Kurzrezension bei WDR 5.
Peter Pisa verrät in seiner Rezension im Österreichischen Kurier „nur so am Rande“ fast schon zu viel, darum ein Spoileralarm hierfür.

Mittwoch, 21. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Angelika Teller
Musikalische Begleitung: Henning Rice, Flügel, und Ismail Özgentürk, Saxophon
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

Die Lesung ist bereits ausverkauft.
Wenn Ihr den Livestream buchen wollt: Hier entlang, bitte – LIVESTREAM

Dream it, Make it, Share it: MAKE OWL Goes China!

Stadtbibliothek Bielefeld, city2science und internationale Schüler*innen der Luisenschule Bielefeld produzieren Videos für die Tinker Faire Beijing 2020

„Maker“ sind kreative Selbermacher aller Generationen. Das Projekt „MAKE OWL“ bringt sie zusammen – über Workshops, MakerMeetUps, Maker Festivals und Makerthons in der gesamten Region Ostwestfalen-Lippe. Die Maker-Aktivitäten in Ostwestfalen finden immer häufiger auch internationale Anerkennung: Nach einer Präsentation auf der ersten globalen Maker Faire erhielt Dr. Annette Klinkert vom Büro city2science im August 2020 eine Einladung aus China, ausgewählte Maker-Projekte für Kinder auf der sog. „Tinker Faire“ in Peking zu präsentieren. Aufgrund der Corona Pandemie konnte leider kein persönlicher Besuch eines „Maker-Teams“ in China organisiert werden. Stattdessen produzierte ein engagiertes Team der Stadtbibliothek Bielefeld gemeinsam mit city2science und dem Filmemacher Mike Dennis Müller zwei Videos mit Schüler*innen der Luisenschule Bielefeld.

Im offenen „Makerspace“ der Stadtbibliothek Bielefeld bauten 14 Kinder im Alter zwischen 10 und 12 Jahren am 23. September zunächst fahrende „Brushbots“ – mobile Mini-Roboter aus Spülbürsten, Pfeifenputzern und kleinen Motoren. Danach durften die Schüler*innen echte „Laserschwerter“ basteln – aus Schaumstoffröhren mit funkelnden LEDs als Innenleben. Angeleitet wurden sie durch Kayhan Karakas, der neben dem beliebten Makerspace auch den erfolgreichen Gamerspace in der Stadtbibliothek Bielefeld betreut.

„Tinkering“ steht international für kreatives Basteln mit technischen Materialien. Die „Tinker Faire“ ist ein Erfinderfestival in Peking, das Anfang Oktober Tausende Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern einlädt, kreativ zu werden und über Mitmachangebote neue Zugänge zu Technik und Naturwissenschaften zu erleben. Veranstalter des Events ist das „China Soong Ching Ling Science & Culture Center for Young People“.

Die Schüler*innen stammten aus der internationalen Sprachklasse 1 der Luisenschule Bielefeld. In dieser Klasse lernen die Kinder die deutsche Sprache kennen, während sie parallel die Regelklassen der Schule besuchen. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Wiebke Horn nehmen die Schüler*innen einmal in der Woche am Projekt „Meine Sprache – Deine Sprache“ der Stadtbibliothek Bielefeld teil.  Mit dabei waren Kinder aus Griechenland, Italien, Spanien, Kroatien, Indien, Türkei, Libanon und Irak.

Im „Makerspace“ wird die Stadtbibliothek Bielefeld zum Labor und zur Werkstatt. Neben den Büchern entstand am Neumarkt ein kreativer Lernraum, in dem Mitmachen und Ausprobieren im Vordergrund stehen.  Neben der Vermittlung von Informations und Medienkompetenz bietet der Makerspace einen Beitrag zur digitalen Bildung, aber auch zum Spracherwerb – wie im Projekt „Meine Sprache – Deine Sprache“.

Dr. Annette Klinkert, city2science

Jackie Thomae: Brüder

LITERATURTAGE BIELEFELD 2020
EINE ART VON WAHRHEIT

„Er war allein auf der Welt, aber nicht entwurzelt. Ein nicht unerheblicher Teil seiner Energie floss in die Überzeugung, sein Leben wäre perfekt.“

Jackie Thomaes Roman „Brüder“ handelt von zwei gleichaltrigen Männern, Mick und Gabriel, die denselben Vater haben, aber lange nichts voneinander wissen. Ihre Geschichten, die zwischen 1985 und 2005 spielen, werden in zwei Teilen getrennt erzählt.

Der Vater, aus dem Senegal stammend, hat 1970 in der DDR Medizin studiert und in Berlin und Leipzig jeweils eine Frau mit einem kleinen Jungen hinterlassen. Beide Jungen wachsen in der DDR auf, ihren Vater kennen sie nur von Fotos, beide haben zwar beinahe die gleichen Voraussetzungen – allein erziehende Mutter, dunkle Hautfarbe – und schlagen doch völlig unterschiedliche Lebenswege ein, die sie bis nach London, Paris und Südamerika führen. Beide müssen sich eine gewisse Lässigkeit mit ihrer Herkunft und nicht-weißen Identität erst erarbeiten und sind gezwungen, sich im Laufe der Jahre als Persönlichkeiten zu erfinden.

In ihrem Roman fragt die 1972 in Halle an der Saale geborene Autorin danach, wie wir zu den Menschen werden, die wir sind, und macht auf kluge Weise deutlich, wie schwierig es sein kann, Fremdzuschreibungen zu überwinden und zum Herren über die eigene Biografie zu werden. Mit ihrem Roman „Brüder“ stand Jackie Thomae auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019. Für seine „mit Leichtigkeit“ aufgegriffenen Fragen erhält sie 2020 den Düsseldorfer Literaturpreis.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Jackie Thomae im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.
Das Literaturverzeichnis zur Lesung gibt es hier als PDF: JackieThomae

Der Roman wurde oft im Feuilleton besprochen, einige Rezensionen haben wir verlinkt:

René Aguigah interviewte die Autorin auf dem Blauen Sofa der Frankfurter Buchmesse 2019 für den Deutschlandfunk Kultur: Interview (ca. 30 Min.)

Donnerstag, 15. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Dr. Maria Kublitz-Kramer
Musikalische Begleitung: Henning Rice, Flügel und Valentin Katter, Trompete und Gesang
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit der Literarischen Gesellschaft OWL.

Die Lesung ist bereits ausverkauft.
Wenn Ihr den Livestream buchen wollt: Hier entlang, bitte – LIVESTREAM

Über Paul Celan, 100. Geburtstag

Literaturtage Bielefeld 2020
Eine Art von Wahrheit

Niemand knetet uns wieder aus Erde und Lehm,
niemand bespricht unseren Staub.
Niemand.

Paul Celan: Niemandsrose (1. Strophe)

Prof. Dr. Kai Kauffmann (Universität Bielefeld) lädt Prof. Dr. Dieter Burdorf (Universität Leipzig) zum Gespräch.

Drei Bücher über Paul CelanPaul Celan würde am 23. November 100 Jahre alt und vor 50 Jahre wurde seine Leiche in der Seine gefunden.
Zeit zum Erinnern an diesen großen Dichter. Als einziger Sohn deutschsprachiger, jüdischer Eltern im damals rumänischen Czernowitz geboren, die in den 40er Jahren durch das nationalsozialistische Regime ermordet wurden. Er hieß ursprünglich Paul Antschel, später rumänisiert Ancel, woraus das Anagramm Celan entstand, wie Wikipedia weiß. Ab 1948 lebte er in Paris.

Die „Todesfuge“ ist sein bekanntestes Gedicht, entstanden 1944/45, später auf Deutsch in seiner Gedichtsammlung „Der Sand aus den Urnen“ in Wien veröffentlicht und 1952 in Niendorf an der Ostsee der Gruppe 47 vorgetragen, wo der Text laut Heinrich Böll „auf die peinlichste Weise missverstanden“ wurde. Heute wird es in zahlreichen Anthologien und Schulbüchern abgedruckt, auf Gedenkfeiern zitiert und vielfach adaptiert. Hier gilt, wie für weite Bereiche seines Werkes, dass die Publikations- und die Rezeptionsgeschichte komplex ist und die Dechiffrierung keinesfalls auf der Hand liegt.

Genug Anlass für ein öffentliches Gespräch.
Kai Kauffmann, Professor für „Germanistische Literaturwissenschaft“ an der Universität Bielefeld, hat den ausgewiesenen Kenner Prof. Dr. Dieter Burdorf, Universität Leipzig, dazu eingeladen. Burdorf ist Herausgeber des Bandes „Im Geheimnis der Begegnung: Ingeborg Bachmann und Paul Celan“ und Verfasser einer „Einführung in die Gedichtanalyse“, die bereits in der dritten Auflage vorliegt.

Mit Rezitationen von kurzen Auszügen aus Celans Werk.


Eine Literaturliste mit zumeist neuen Büchern über Paul Celan und sein Werk gibt es als PDF: PaulCelan

Donnerstag, 8. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Musikalische Begleitung: Djamilija Keberlinskaja-Wehmeyer (Hochschule für Musik, Detmold) am Flügel mit Textrezitationen
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit der Literarischen Gesellschaft OWL.

Lutz Seiler: Stern 111

Literaturtage Bielefeld 2020
Eine Art von Wahrheit

„Ich bin achtundzwanzig, und es ist so gut wie nichts geschehen.“ (Rainer Maria Rilke)

Lutz Seiler wurde zunächst als Lyriker bekannt. Seine literarischen Anfänge fallen in die Zeit kurz nach dem Mauerfall. Jene Zeit, in der sein zweiter Roman „Stern 111“ spielt. Dafür erhielt er den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse. Sein Vorgängerroman „Kruso“ aus dem Jahr 2014 wurde mit dem Deutschen Buchpreis prämiert, auf Theaterbühnen gespielt und verfilmt. Die beiden Geschichten weisen Ähnlichkeiten auf und sind eng miteinander verbunden.

Roman "Stern 111" mit Programmheft Literaturtage 2020Stern 111 ist der Name eines im VEB Stern-Radio-Berlin gebauten Kofferradios. Und dieses Medium war für viele Jugendliche ein Tor zur Welt. Man empfing, je nach Wohnort in der DDR, denn nicht überall gab es „Westempfang“, Radio Luxemburg, AFN, Rias.

Carl Bischoff heißt der junge Mann, der am 10. November 1989 ein Telegramm seiner Eltern erhält, er möge dringend nach Hause, nach Thüringen kommen. Sie überraschen ihn mit der Mitteilung, dass sie in den Westen gehen wollen, bevor sich die Grenzen vielleicht wieder schließen. Das Mantra der Eltern: „Ab Gießen getrennt!“ Carl sollte in der elterlichen Wohnung die Stellung halten. Aber nach beklemmenden Wochen dort, flieht er. Er fährt mit dem Shiguli seines Vaters, einem sowjetischen Fiat-Nachbau, nach Berlin, dem Epizentrum der Veränderungen. Dieses Auto entwickelt sich zu einer wichtigen Nebenfigur des Romans.

Berlin-Mitte, Prenzlauer Berg, Kollwitz-Platz, 1989 –  das sind die Koordinaten. Carl, der jetzt Shigulimann genannt wird, gerät in die Ostberliner Hausbesetzer-Szene und ist Teil der Untergrund-Kneipe „Assel“, fühlt sich als Dichter und trifft seine Jugendliebe Effi wieder. Lutz Seiler entwirft ein schillerndes Panorama dieser ersten anarchischen Zeit nach dem Mauerfall.

Und en passant wird uns die Geschichte seiner Eltern erzählt. Über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime folgen sie einem lang gehegten Traum, von dem auch Carl nichts weiß.

„Der Roman fällt heraus aus allem, was bisher zu lesen war, weil Lutz Seiler nostalgiefrei etwas erzählt, was so bislang weder als Literatur noch als offizielle Geschichtsschreibung, sondern nur als mündliche Erinnerung existiert hat.“ (Christoph Schröder vom Deutschlandradio Kultur über Seilers Roman)

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Lutz Seiler im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.
Das Literaturverzeichnis zur Lesung gibt es hier als PDF: LutzSeiler

Der Roman wurde oft im Feuilleton besprochen, einige Rezensionen haben wir verlinkt:

Jana Hensel führte für die Reihe „Suhrkamp DISKURS“ ein Gespräch mit Lutz Seiler über seinen Roman: Interview (ca. 25 Min.)

Auf der Internetseite von Lutz Seiler findet Ihr weitere Informationen über Leben und Werk, aktuelle Termine, Texte aus der Werkstatt u.v.m.

Mittwoch, 7. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Angelika Teller
Musikalische Begleitung: Valentin Katter, Gesang und Trompete; Leon Brames, Schlagzeug; Milan Böse, Bass
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,– €

In Kooperation mit dem Verein der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, e.V.

Die Lesung ist bereits ausverkauft.
Wenn Ihr den Livestream buchen wollt: Hier entlang, bitte – LIVESTREAM

Aris Fioretos: Nelly B.s Herz

Literaturtage Bielefeld 2020
Eine Art von Wahrheit

„Bleib auf der Erde, Nelly. Sonst fällst du früher oder später vom Himmel.“

Der Roman "Nelly B.s Herz" mit dem Programmheft der Literaturtage 2020Und das bezieht sich nicht auf die Flugkünste der Protagonistin, sondern auf ihr schwaches Herz. Ihr „graues“ Herz, das nicht mehr genügend Sauerstoff aufnimmt. Eine Katastrophe, denn Nelly (Cornelia) B. –  ist die erste deutsche Frau, die eine Fluglizenz erhalten hat. Nein, dies ist kein technischer Roman und erst recht ist es keine Biographie über Melli Beese, die tatsächlich gelebt hat und Deutschlands erste Pilotin war. Es ist eine literarische Fantasie, die nur sehr lose auf die Realität zurückgreift. Das ist Artis Fioretos wichtig. Die „taz“ nennt den schwedischen Schriftsteller einen klugen, eleganten Romancier (hier), ARD-Literaturexperte Dennis Scheck spricht von Weltliteratur (in der SWR-Literatursendung „lesenswert“: die ganze Sendung vom 13.02.2020, ab 14. Minute mit Aris Fioretos).

„Als ich das erste Mal allein flog, war das Gefühl von Befreiung so stark, dass ich brüllte.“

Der Autor mit griechisch-österreichischen Wurzeln könnte auch Psychologe sein. Sein zentrales Thema ist der Rausch oder wie er es nennt: Sich selbst verlassen zu können, aus sich selber heraus zu fliegen. Es geht um Hingabe und Ekstase in Nellys lesbischer Liebe zu Irma, der jungen Modedesignerin – ihren Ehemann Paul hat sie zuvor verlassen. Sie ist zum ersten Mal in ihrem Leben nahezu verzweifelt verliebt, elektrisiert. Nelly rutscht langsam in eine „hungrige Zärtlichkeit“, dann in Abhängigkeit, fast schon Hörigkeit und endet im Drogenrausch, verlassen von der Geliebten. Nelly schreibt ihrem Exmann, dem sie sich tief in der Seele immer noch verbunden fühlt:

„Deine Cornelia hat kein Kerosin mehr in den Adern. Glaube es oder nicht, ich halte die Form“.

Allerdings nicht mehr lange.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu den Werken von Aris Fioretos im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.
Das Literaturverzeichnis zur Lesung gibt es hier als PDF: ArisFioretos

Hier noch Links zu weiteren Besprechungen des Romans oder Gesprächen mit dem Autoren:

Und hier noch der Link zur Internetseite von Aris Fioretos.

Wikipedia bietet einen recht ausführlichen Eintrag über die Flugpionierin Melli Beese.

Montag, 5. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Moderation: Solveig Münstermann, WDR-Journalistin
Musikalische Begleitung: Matthias Klause-Gauster, Flügel
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Livestream 2,- €

Die Lesung ist bereits ausverkauft.
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Bibliotheksgeschichte(n) – der „Wunsch-Zettel“

Zum Wochenende- ein klitzekleiner Beitrag aus der Bibliotheksgeschichte.

Heute laufen die Anschaffungsvorschläge meistens in digitaler Form bei uns auf, früher gab es diese netten Zettel. Dort konnte das gewünschte Buch vermerkt werden und dann nahmen die Dinge ihren Lauf. Damals hießen wir noch „Stadtbücherei“. Die Öffnungszeiten sind sehr interessant und nicht ganz leicht zu merken. 😉

„Wünsch dir was“ aus den 1960er-1970er Jahren:

 

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Denis Scheck: Schecks Kanon

Literaturtage Bielefeld 2020
Eine Art von Wahrheit

„Nur lesend verstehen wir die Welt – und fühlen uns gelegentlich sogar von der Welt verstanden.“

Was sollten wir lesen in unserer begrenzten Lebenszeit?

Sachbuch "Schecks Kanon" mit dem Programmheft der Literaturtage 2020Denis Scheck ist unser Held, der sich traut, dreitausendfünfhundert Jahre Weltliteraturgeschichte auf den Kern von einhundert empfehlenswerten Büchern zusammen zu zurren.

Der prominenteste Literaturkritiker hierzulande präsentiert seine originelle, alle Genre überspringende Auswahl. Und wir können ihn nun fragen, warum der Name Gustav Gans aber nicht Günther Grass bei den „wichtigsten Werken“ auftaucht. Unstrittig hingegen erscheint die Aufnahme von Ovid bis W. G. Sebald, von Gustave Flaubert und Virginia Woolf, an die wir uns gern mit einem genießerischen Lächeln erinnern lassen. Erwarten Sie einen höchst unterhaltsamen Abend mit einem wunderbaren Entertainer der Literatur: Denis Scheck. Danach wissen wir definitiv, was wir an Leseerlebnissen alles versäumt haben.

Feiern wir 25 Jahre Literaturtage Bielefeld, dieses Mal bewusst nicht mit einer einzigen prominenten Autorenpersönlichkeit, sondern mit einem weiten Blick, so Denis Scheck in die  “unermesslich weiten Gefilde der Literatur“.

Denis Scheck las bereits als Schüler im Schwabenland in der großen Pause gern das „Börsenblatt des deutschen Buchhandels“, was seine Klassenkameraden auf die irrige Idee brachte, er hätte irgendwas mit Aktien am Hut. Heute lebt der charmante und humorvolle Moderator von „Druckfrisch“ in Köln. Bereits an der Universität Bern führte er ein Seminar über die Geschichte des literarischen Kanons durch. Seine Auswahl beruht auch auf einer Kolumne in der „Welt“ und Radiosendungen im SWR und WDR.
Er engagiert sich temperamentvoll für die Belange der Literaturübersetzer.

(Text aus dem Programmheft zur Veranstaltungsreihe)


Die Katalogdaten zu Sachbüchern von Denis Scheck im Bestand der Stadtbibliothek findet Ihr hier.
Das Literaturverzeichnis zur Lesung gibt es hier als PDF: DenisScheck

Hier die Links zu den Literatursendungen von und mit Denis Scheck:

Donnerstag, 1. Oktober, 20 Uhr
Stadtbibliothek, Neumarkt 1
Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Eröffnung mit Dr. Katja Bartlakowski, Direktorin der Stadtbibliothek Bielefeld
und einem Grußwort durch den Förderverein
Moderation: Klaus-Georg Loest
Musikalische Begleitung: Henning Rice, Flügel und Ismail Özgentürk, Saxophon
Eintrittspreis: 10,– €, ermäßigt 6,– €, Streaming 2,– €

In Kooperation mit dem Verein der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, e.V.

Die Lesung ist bereits ausverkauft.
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Lieblingsklassiker – Hamlet

„Etwas ist faul im Staate Dänemark.“ // „Sein oder nicht sein; das ist hier die Frage.“ // „Der Rest ist Schweigen.“  Habt ihr es erkannt? Schon wieder ein Lieblingsklassiker – und schon wieder Shakespeare.
In London war ich (vor vielen Jahren) in Notting Hill in einem Buchladen – nein, nicht in dem aus dem Film mit Julia Roberts. 😎 Dieser kleine Buchladen war SO durcheinander und dermaßen voll, dass ich mich nicht traute, etwas aus den höheren Regalen herauszunehmen. Wahrscheinlich hätte ich dann den kompletten Inhalt auf den Füßen liegen gehabt. Also taperte ich einfach mit den Händen in den Hosentaschen an den Regalen entlang, staunte über mannshohe Bücherstapel auf dem Fußboden und ließ mich einfach treiben. Naja und da sah ich eben den „Manga-Hamlet“. Mangas interessieren mich an sich nicht so sehr, aber das Exemplar musste ich einfach haben – schließlich ist Hamlet eine der faszinierendsten Figuren der Weltliteratur und das gleichnamige Stück Shakespeares bekannteste Tragödie. Ich habe es geschafft, das Ding unfallfrei aus dem Regal herauszuziehen und kann ihn euch nun präsentieren:

„Hamlet“ entstand um 1600. Mord, Verdächtigungen, Rache, Wahnsinn, Intrigen, Erdolchungen, Vergiftungen… Würde man die Geschichte heute neu erfinden und verfilmen oder als Roman verfassen, würde sie bestimmt ein Bestseller. Aber nun zum Inhalt:  Der König von Dänemark wird von seinem Bruder ermordet. Kurz darauf erscheint er seinem Sohn (Hamlet) als Geist und fordert ihn auf, Rache zu üben. Hamlet ist jedoch ein Zauderer und schiebt die Tat immer weiter hinaus (wer kann es ihm verübeln??) und bringt nebenbei seine Intellektualität und Zerrissenheit manchmal durchaus mit Witz auf den Punkt. Ist sein Wahnsinn gespielt oder echt? In die Pfanne hauen lässt er sich jedenfalls nicht, muss er doch auch selber tätig werden und den schriftlich in Auftrag gegebenen Mord an seiner Person kurzerhand heimlich umschreiben, sodass leider jemand anders zu Schaden kommt. Doch auch er ist nicht frei von Fehlern. Er ersticht versehentlich den Vater seiner Geliebten Ophelia – die dann wiederum selbst zu Tode kommt. Wenn man meint, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann, der irrt. Der letzte Akt endet – typisch Trägödie – in einer Katastrophe…

Neugierig geworden? Traut euch, es muss ja nicht immer die kleine gelbe Reclam-Ausgabe sein.

 

 

 

 

 

 

 

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Bibliotheksgeschichte(n) – Das Berichtsheft

In meinem Betrag „Bibliotheksgeschichte(n)“ hatte ich ja schon darauf verwiesen, dass ich mir einzelne Sachen aus der Historie unseres Hauses einmal vornehme und etwas näher darauf eingehe.

Los geht es mit einem Berichtsheft. Während der Ausbildung hat man ein Berichtsheft zu führen, ob es einem gefällt oder nicht. Ich habe es auch noch handschriftlich gemacht, ein paar Jahre später kam dann aber die Ausfüllvariante am PC. Das Berichtsheft dient als vollständiger Nachweis über die Ausbildung. Man hält jeden Tag kurz fest,  was man an diesem Tag gemacht hat. Der Ausbilder/die Ausbilderin muss es in regelmäßigen Abständen gegenlesen und unterzeichnen. Früher mussten auch noch zusätzlich Abteilungsberichte geschrieben werden, also am Ende der Zeit in einer Abteilung wurde vom Azubi ein großer Bericht  über die Arbeit dort verfasst.

Dieses Berichtsheft stammt aus dem Jahre 1966. Ihr seht, Vordrucke gab es damals noch nicht. Es wurde auf einfachem Papier geschrieben und in einem Aktenordner abgeheftet.
Was sehr interessant ist- zusätzlich zu den Berichten aus den Abteilungen wurde ebenfalls darüber geschrieben, wie man sich vor Feuer schützt und was Gewerkschaften sind.

Zweierlei Bibliotheksausweise – damals wurde noch zwischen einheimischem und auswärtigem Leser unterschieden…

Teil eins einer Übersicht über die wichtigsten Begriffe. Oben am Blattrand erkennt man, dass Büroklammern auf lange Sicht dem Papier nicht gut tun.

 

Auf dem Bild seht ihr, wie katalogisiert wurde. Die eckigen Kästchen stellen die Katalogkarten da. Heute wird das alles über eine Eingabemaske am PC gemacht, das sind dann quasi virtuelle Katalogkarten.

Ich könnte noch so viel mehr zu den einzelnen Seiten schreiben. Aber das wird zu viel. Außerdem muss ich aufpassen, dass ich alles verständlich erkläre und nicht noch mehr Fachbegriffe einstreue (ganz schön schwierig…). Die Katalogkarten werden uns aber weiterhin begleiten, versprochen… 😉

kwk