Einladung zur Diskussionsrunde

Im April haben die Mitarbeiter*innen der Bibliothek in einem Workshop zum Thema „Bibliothek der Zukunft“ gearbeitet und erste Ideen entwickelt. Jetzt sollen die Bielefelder*innen einbezogen werden. Wir möchten erfahren, wie sie sich ihre zukünftige Bibliothek vorstellen, wünscht sich das Bibliotheksteam und freut sich über eine rege Beteiligung interessierter Bürger*innen am begonnenen Strategieprozess. Dabei sind alle ab 16 Jahren herzlich eingeladen!

Am Dienstag, 13. Juni, von 17.30 Uhr bis 20.30 Uhr in der Zentralbibliothek am Neumarkt findet dafür ein Workshop in Form eines World Cafés statt. Das ist eine Methode zum Wissensaustausch und Brainstorming in größeren Gruppen, zu verschiedenen Fragestellungen. 

Für das leibliche Wohl und nette Atmosphäre während des Workshops wird gesorgt.

Wir bitten um eine Anmeldung bis zum 05. Juni unter https://events.stadtbibliothek-bielefeld.de/Event16BB1306/ oder 51-3172.

Buchtipp: Mutterzunge

Für ein langes Wochenende hatte ich vorsorglich gleich mehrere eBooks heruntergeladen, nur eines davon wollte ich wirklich lesen, die anderen nur mal so an- oder querlesen, so auch das Buch der Büchner-Preisträgerin Emine Sevgi Özdamar. „Mutterzunge“ war ihr Prosadebüt 1990.

Tablet mit dem Titelbild von "Mutterzunge" von Emine Sevgi Özdamar

Mir ist erst spät aufgefallen, dass es sich um vier einzelne Erzählungen handelt und nicht um einen Roman mit vier Kapitelüberschriften. Allerdings ein verständlicher Irrtum, passen doch die ersten beiden Erzählungen nahtlos aneinander und genau wie die letzte Erzählung haben sie eine weibliche Ich-Erzählerin. Die dritte Erzählung „Karagöz in Alamania – Schwarzauge in Deutschland“ fällt da etwas aus dem Rahmen: eine märchenhaft erzählte Migrationsgeschichte mit sprechendem Esel, der türkische Arbeitsmigranten nach Deutschland und zurück begleitet, also in die Fremde und dann zurück in ein jetzt ebenfalls fremd gewordenes Land.

Das Thema Sprache zieht sich durch alle vier Erzählungen.

In der titelgebenden Erzählung „Mutterzunge“ beklagt eine Ich-Erzählerin, dass sie den Bezug zu ihrer Muttersprache verloren hat. Sie erzählt das in einem Deutsch mit manchmal seltsamem Satzbau, auch einzelne Worte wirken etwas fremd so wie eben die Bezeichnung „Mutterzunge“; und es gibt einzelne türkische Begriffe, denen die Erzählerin nachspürt – eine Auseinandersetzung mit Sprache sowie mit Erinnerung und mit der Suche nach Identität. Am Ende steht der Beschluss, über das Lernen der arabischen Sprache, der „Großvaterzunge“, die Mutterzunge Türkisch neu zu erschließen, ein Sprach-Umweg, der in der zweiten Geschichte nach Berlin zu einem charismatischen Arabisch-Lehrer führt. Und zu einer poetischen Liebesgeschichte: das Arabische nicht nur als Sprache des Koran, sondern der Liebe und der Erotik. Die Suche nach der reinen Liebe wird stellenweise sehr blumig, klingt manches Mal sogar fast schwülstig – und passt zufällig ganz wunderbar zu einem anderen Thema, mit dem ich mich gerade beschäftige: Liebeslyrik aus dem Hochmittelalter. Lesen schafft manchmal ungewöhnliche Brücken und Assoziationen.

Die Suche nach der eigenen Sprache führt in der letzten Erzählung auf eine deutsche Theaterbühne. Die Erzählerin, die als Schauspielerin engagiert werden möchte, soll den Bühnenboden bohnern …

Emine Sevgi Özdamar war im Januar Gast auf unserer Literaturbühne, die Lesung habe ich leider verpasst. Aber ich bin jetzt doch neugierig auf den aktuellen Roman, mit dem sie im letzten Jahr übrigens auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis stand.

Viel Freude beim Lesen
HilDa

Rezept: Schoko-Melonen-Lollis

Die Grillsaison hat begonnen! Ich habe hier ein ganz einfaches Rezept für einen tollen „Grill-Nachtisch“. Viel Spaß beim Ausprobieren! 🙂

Für ca. 8 Lollis benötigt ihr:

  • 1/2 kleine Wassermelone (ca. 1,5 kg)
  • Holzstiele (oder Schaschlikspieße)
  • 200 g Zartbitterschokolade
  • 2 EL Kokosrasepeln
  • Küchenpapier
  • Backpapier

So geht’s:

  1. Die Wassermelone in 2-2,5 cm dicke Scheiben, diese dann in große Stücke schneiden. In die Schalenseite je ein Holzstäbchen stecken.
  2. Melonen auf dem heißen Grill ca. 1 Minute von jeder Seite grillen und auf Küchenpapier legen.
  3. Die Zartbitterschokolade in Stücke teilen und über einem heißen Wasserbad schmelzen lassen.
  4. Melonenspitzen in die Schokolade tauchen und mit den Kokosraspeln bestreuen. Auf dem Backpapier trocknen lassen.

Wer es noch süßer mag, kann anstatt Kokosraspeln bunte Zuckerstreusel verwenden. 😉

Guten Appetit!

kwk

Abschied – es ist nichts mehr los in der Stadtteilbibliothek Brackwede

Der letzte Tag bot noch eine Überraschung. In der allerhintersten Ecke einer Stifteschublade fand ich einen Schatz. Lauter 2 Pfennigstücke und einen einzigen Glückspfennig. 

Einen netten Besuch in der Schule am Möllerstift habe ich auch noch gemacht. Eigentlich wollten die Kinder zu uns in die Bibliothek kommen. Aber die Bücher sind alle eingepackt und so bin ich mit dem Kamishibai in die Schule gegangen und wir haben erst Bilder aus den 30er Jahren betrachtet. Anschließend das Märchen von Sterntaler erzählt. Das arme Mädchen verschenkt erst sein letztes Stück Brot an einen hungrigen Mann und anschließend alle seine Kleider an frierende Kinder. Das letzte Hemd verschenkte es in der Nacht, mit dem Gedanken: Es sieht mich ja keiner, wenn ich nackt bin da es ja dunkel ist.  Am Ende fallen die Sterne als Sterntaler vom Himmel. Wir fragten uns wie das Mädchen aus der Geschichte so ganz ohne Kleider einkaufen gehen konnte. Aber es ist ja ein Märchen und auf dem letzten Bild hatte sie doch ein Hemdchen an. Die Taler mussten ja auch aufgefangen werden. Anschließend wurde ich von den Kindern durch die Schule geführt. Sehr gefreut habe ich mich über die kleine, gemütliche Büchereiecke. In der Aula hatte die Klasse auch schon ein Theaterstück aufgeführt. Einige Sätze wurden vorgetragen. Und dann ging es auf den schönen Schulhof. Da das Mädchen aus dem Märchen barfuß laufen musste, haben wir das dann ganz spontan auf dem Schulhof ausprobiert. Das war das erste Mal, dass ich dienstlich barfuß gelaufen bin. Nun sitz ich hier mit dreckigen, aber gut durchbluteten Füßen und sauberen Schuhen und schreibe. Naja sieht ja keiner und das Abendprogramm steht fest. Ein Fußbad ist was Schönes. Ich empfehle hiermit das Barfußlaufen mal auszuprobieren. Es gibt ja Barfußpfade. Zum Beispiel im Barfußpark Bad Rothenfelde.


Es ist geschafft:

Die Regale sind leer, die Schränke ausgeräumt, die Ecken entrümpelt, der Dachboden vollgepackt, der Keller zugestellt und 132 Umzugskartons sind voll.

Alle Telefonnummern unserer Stadtteilbibliothek sind umgeleitet auf die zentrale Servicenummer, der Briefkasten ist zugeklebt, die Fenster geschlossen, der Geschenkewagen reingeholt. Das Licht ist aus wir gehen nach Haus.

Bald ist ganz viel los auf der Baustelle der Stadtteilbibliothek Brackwede.

Wir vertrauen unsere Bibliothek nun dem Bau- und Renovierungsteam an und freuen uns auf die Wiedereröffnung!

Rieke

Sachbuch-Tipp: Einspruch!

Nach den Büchern von Pia Lamberty und Katharina Nocun habe ich nun endlich auch Ingrid Brodnigs „Einspruch!“ gelesen. Es gibt mittlerweile eine ergänzte Neuauflage, ich hatte aber noch ein Exemplar der Bestseller-Ausgabe von 2021.

Ingrid Brodnig ist eine österreichische Autorin, die bereits mehrere Bücher und Aufsätze zu den Themen Hass und Hetze im Internet geschrieben hat, sie gibt Workshops und Tipps zum Umgang mit Fake News und Verschwörungsmythen. Ihr Buch „Einspruch!“ überschneidet sich an vielen Punkten mit den beiden Büchern von Lamberty/Nocun und ergänzt sie (oder umgekehrt 🤓).

Das Buch "Einspruch" Verschwörungsmythen und Fake News kontern - in der Familie, im Freundeskreis und online. Strategien und Tipps, damit Fakten wirken" von Ingrid Brodnig, es liegt auf Zeitungsschnippseln

Die Beispiele und Tipps sind sehr anschaulich und nachvollziehbar. Ingrid Brodnig bezieht sich auf wissenschaftliche Studien, zum Teil auch auf persönliche Gespräche mit Kommunikationswissenschaftlern und Soziologen – und nicht zuletzt mit Betroffenen: mit Menschen, die selbst gefangen waren in einem Konstrukt von Verschwörungsmythen, und mit deren Angehörigen. Ausgehend von diesen konkreten Beispielen erklärt die Autorin die Wirkungsweise von Falschmeldungen (egal ob bewusst als Lüge in die Welt gesetzt oder ob weitergegeben, weil sie geglaubt werden) und sie führt mögliche Strategien dagegen auf. Sie sagt in der Einleitung:

Ich gehe auf den kommenden Seiten vor allem einer Frage nach: Was können Sie als Einzelne oder Einzelner tun, wenn Sie sachlich diskutieren möchten – wenn Sie zur Aufklärung bei einzelnen Themen beitragen oder auch Menschen erreichen wollen, die Ihnen wichtig sind?

Es geht ihr in dem Buch um konkrete Empfehlungen und Tipps, die uns helfen, ausufernde Diskussionen wieder auf die sachliche Ebene zu bringen, Mechanismen der Irreführung zu durchschauen und angemessen zu kontern. Oder wie der Klappentext die Ziele kurz zusammenfasst:

„Warnsignale erkennen – Grenzen ziehen – geschickter argumentieren – Fallstricke durchschauen – Denkmuster aufbrechen – effizienter diskutieren“.

Ich finde das Buch klar verständlich und hilfreich. Die Beispiele, die Ingrid Brodnig erzählt, drehen sich um aktuelle Diskussionsthemen, die leicht auch im persönlichen Umfeld eskalieren können: Corona, Rassismus, Chemtrails, Impfung, Antisemitismus, etc. – leider scheinen die Themen austauschbar, aber die Mechanismen ähneln und wiederholen sich. Internet und Social Media dienen als Beschleuniger im Verbreiten von Gerüchten, Falschmeldungen und Verschwörungsmythen. Menschen verfangen sich im Lügengestrüpp und einige verfallen ihm sogar wie in einer Sekte. Und das ist keine Frage des Alters oder der Bildung. Es kann jeden treffen und uns am Arbeitsplatz, beim Einkauf, in der WhatsApp-Gruppe oder bei der Familienfeier mit der plötzlichen Frage konfrontieren: Wie reagiere ich am besten, ohne mich selbst zu verbiegen. Oder ist vielleicht Schweigen besser in der jeweiligen Situation?

Hilfreich ist auch, dass Ingrid Brodnig beide Gruppen zu Wort kommen lässt: ehemalige Verschwörungsgläubige, die erzählen, wie sie auf Diskussionen und Widerlegungen einst reagiert haben, und Menschen, die Falschmeldungen widersprechen möchten, aber nicht recht wissen, wie.

Ich erinnere mich selbst auch an Situationen, die mich schier sprachlos gemacht haben. Manchmal fehlte mir auch einfach die Kraft, mich auf eine Auseinandersetzung einzulassen. Und manchmal war ich den rhetorischen Kniffen und Gedankensprüngen meines Gegenübers einfach nicht gewachsen. Die Fragen, hätte ich es besser machen können, hätte ich den mir lieben Menschen anders erreichen können, habe ich zu früh aufgegeben – diese Fragen quälten mich schon oft. Wer kennt es nicht, dass man in einer unangenehmen Situation widersprechen möchte, doch es fehlen die rechten Worte; aber kaum ist man aus der Situation heraus, weiß man genau, was man hätte sagen können, hat gar eine geistreiche oder originelle Replik parat – nur eben zu spät. Die Geschichte meines Lebens, nun ja.

Auch Ingrid Brodnig macht mich jetzt nicht mal eben auf ca. 150 Seiten zum überzeugenden, schlagfertigen Diskutanten. Das verspricht sie in ihrem Buch auch gar nicht. Aber sie ermutigt zum Nicht-Aufgeben und zum beharrlichen Kontakthalten auch über Differenzen hinweg, um Menschen, die irgendwie abgedriftet sind, wenigstens eine Tür offen zu halten. Sie verhehlt aber auch das mögliche Scheitern nicht, vor allem, wenn persönliche Gefühle und Verletzungen einfließen.

Auch wenn „Einspruch!“ im Vergleich zu meinen vorherigen Lektüren nichts grundsätzlich Neues brachte, hat es mich doch anders angesprochen und zum Nachdenken gebracht.

HilDa

Auf Fernwanderschaft

Eine Reise zu sich selbst, unvergessliche Blicke in die Natur, scheinbar unüberwindbare Hindernisse – in der letzten Zeit haben mich verschiedene Wanderberichte mit auf die Reise genommen. Ich gehe selbst unheimlich gerne spazieren und wandern und habe mich schon immer von jeglicher Art von Wald- und Wanderweg wie magisch angezogen gefühlt. Auch literarisch begebe ich mich immer wieder gerne auf Wanderschaft. In letzter Zeit habe ich einige Bücher gelesen und gehört, in denen sich die unterschiedlichsten Menschen auf Fernwanderschaft begeben haben. So eine weite Wanderung habe ich bisher noch nicht unternommen, umso spannender ist es, in die Reisen, Geschichten und Schicksale anderer einzutauchen. Einige dieser Reiseberichte möchte ich euch heute empfehlen.

Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg

Zu Hape Kerkelings Reise auf dem Jakobsweg kehre ich immer wieder gerne zurück, seit ich vor einigen Jahren das erste Mal das Hörbuch gehört habe. Gelesen vom Autor selbst fand ich Hapes Geschichte, der sich 2001 nach einem Hörsturz eine berufliche Auszeit nehmen muss und sich schließlich aufmacht den Jakobsweg zu wandern, schon immer faszinierend und berührend, humorvoll und einfach rundum sympathisch. Hape trifft auf allerhand kuriose Pilger, erlebt Verzweiflung und Einsamkeit genauso wie Hilfsbereitschaft und Freundschaft.

Raynor Winn: Der Salzpfad

Raynor und ihr Mann Moth stehen vor dem Aus. Sie haben ihr Haus verloren, ihre Ersparnisse, die Farm, die sie seit Jahren ihr Zuhause genannt haben. Sie könnten bei Freunden unterkommen wollen aber auch niemandes Gastfreundschaft ausnutzen. Und so führt sie ihr Weg schließlich auf den South West Coast Path, einen rund 1000 km langen Küstenweg in England, der sie von Somerset über Devon und Cornwall nach Dorset führt. Nur das Nötigste haben sie dabei, ein Zelt und das knappe Budget von 50 € pro Woche. Das Wandern ist für sie ein Ausweg aus der Obdachlosigkeit schließlich haben sie ja ein Zeltdach über dem Kopf. Und doch bleibt genau das immer ein Thema für sie.

Cheryl Strayed: Der große Trip

Cheryl Strayed bezeichnet sich selbst als die Frau mit dem Loch im Herzen. Sie ist 26 Jahre alt, ihre Mutter verstarb vor ein paar Jahren, ihre Ehe ist gerade mit einer Scheidung zu Ende gegangen als sie sich aufmacht den Pacific Crest Trail zu wandern. Ein US-amerikanischer Fernwanderweg, der von der Grenze in Mexiko durch die drei Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington bis zur kanadischen Grenze verläuft. Und Cheryl läuft nun einen Teil dieses Weges, mit einem Zelt im Gepäck und einem riesigen Ungetüm von Rucksack, den sie das Monster nennt, auf dem Rücken. Bei ihrer Wanderung trifft sie auf viel Hilfsbereitschaft, Schwarzbären und Klapperschlangen, Hitze und Kälte und findet dabei zu sich selbst zurück.

Christine Thürmer: Laufen. Essen. Schlafen.

Und auch im nächsten Buch geht es auf den Pacific Crest Trail. Bei Christine Thürmer ist es eine Kündigung, die den Anstoß zu der Wanderung gibt. Jetzt hat die erfolgreiche Geschäftsfrau schließlich mal Zeit für sich selbst. Auch wenn die Dialoge zum Teil etwas holprig geschrieben sind, haben mir doch vor allem die Beschreibungen der Trails gefallen. Genau, Trails in der Mehrzahl. Nach dem Pacific Crest Trail findet Christine Thürmer zwar schnell einen tollen neuen Job als Geschäftsführerin, doch eigentlich zieht es sie zurück in die Natur, zurück auf einen Wanderpfad. Und so findet sie sich schließlich auch auf den beiden anderen großen Trails der USA wieder – dem Continental Divide Trail und dem Appalachian Trail.

Die verschiedensten Menschen haben sich hier auf die unterschiedlichsten Wege gemacht und doch scheinen sie am Ende alle am selben Ziel angelangt zu sein: bei sich selbst. In ihren Bücher lassen sie uns an diesen Reisen teilhaben und geben uns dabei gleichzeitig inspirierende Erkenntnisse über das Leben mit. Da möchte man sich gleich selbst die Wanderschuhe schnappen und sich aufmachen zu unbekannten Pfaden.

Gro

Buchtipp: „Mission erfüllt“

Ganz zufällig stolperte ich in der Onleihe über diesen Titel. Vermutlich wurde er mir als Empfehlung angezeigt, weil ich die Biografie von Michelle Obama ausgeliehen hatte. Algorithmen machen es möglich.

Vorab ein paar Informationen, was es mit der Kampfeinheit auf sich hat, um die es im Buch geht. Es handelt von den Navy SEALs. Die SEALs sind eine Truppe der U.S. Navy. Ihr Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Wörter „Sea“, „Air“, „Land“ zusammen. Schwupps, schon hat man auch schon die Einsatzgebiete dieser Spezialeinheit. Ihre Aufgaben sind zahlreich und vielfältig – unter anderem Aufklärung/Abwehr feindliche Aufklärung, direkte Kampfeinsätze, Terrorismusbekämpfung, verdeckte Operationen, Befreiungs- und Rettungsoperationen und viele mehr. Ein ehemaliges Mitglied dieser Truppe erzählt in diesem Buch von seiner Aufnahme, dem Training und den Einsätzen in dieser Gruppe. Zum Schutz aller Beteiligten sind die verwendeten Namen nicht die echten.

Der Autor war unter anderem an zwei Einsätzen beteiligt, die uns allen ein Begriff sind – die Rettung Captain Philips und der Einsatz mit dem Codenamen „Geronimo“. Der markige Untertitel den Buches sagt dazu alles.

Uns Außenstehenden ist natürlich nicht bewusst, mit welchen Gerätschaften die Einsatzkräfte operieren und was die Männer für Trainingseinheiten absolvieren müssen. Neben körperlichen Ertüchtigungen liegt ein Aspekt auch auf dem psychologischen Training. Im Buch werden zwar eine Reihe von Fachbegriffen gebraucht, aber trotzdem ist alles verständlich. Auch die Sprache ist keineswegs kompliziert, ich fand es gut zu lesen. Und tatsächlich ist es auch spannend geschrieben. Auch dass manchmal politische Überlegungen und Entscheidungen vieles hinauszögern, wird thematisiert.

Sehr gut fand ich den Aufbau des Buches. Der Autor fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus und erzählt von seinem spektakulärsten Einsatz. Man beginnt mit dem Autor zusammen den beschwerlichen Weg hin zu den SEALs. Und auch dabei wird nichts beschönigt, wenn man denkt man sei gut genug um zu den Besten zu gehören, schafft man es doch trotzdem nicht und muss sich in Geduld üben. Wenn man es denn geschafft hat, nimmt Owen den Leser mit in den Alltag, in die Trainingseinheiten und man erfährt wie es ist, als SEAL auch mal Urlaub zu haben. Mit Spannung liest man weiter, bis es dann wirklich soweit ist – Osama bin Laden ist aufgespürt…

kwk

Leichen und Larven

Eine meiner Lieblingsbuchreihen als Jugendliche waren die Thriller von Simon Beckett um den forensischen Anthropologen David Hunter. Die ersten drei Bände habe ich sehr oft gelesen, 2011 erschien dann Band vier auf Deutsch und danach gab es eine längere Pause. Erst 2017 und 2019 gab es Nachschub. Da war mein Interesse schon etwas abgeflaut und ich habe zu dem Zeitpunkt nicht weitergelesen. Erst kürzlich überkam mich eine kleine Nostalgiewelle und ich habe mal wieder den ersten Band Die Chemie des Todes aus dem Regal gezogen.

Darin treffen wir David Hunter in einem kleinen Dorf in England an, in das er nach dem Unfalltod seiner Frau und seiner Tochter geflüchtet ist. Er arbeitet dort als Hausarzt – die Arbeit als forensischer Anthropologe hat er an den Nagel gehängt. Aber natürlich nicht dauerhaft. Trotz einigem Widerstreben, die Arbeit an den Toten wiederaufzunehmen, wird er nach dem Fund einer Leiche in die Ermittlungen verwickelt und erklärt sich schließlich bereit, die Untersuchung der Leiche zu übernehmen. Es stellt sich natürlich die übliche Thrillerfrage nach Motivation und Identität des Mörders.

Schön war, dass ich tatsächlich einige der Wendungen mittlerweile vergessen hatte und mich an der ein oder anderen Stelle erneut überraschen lassen konnte.

Beim vierten Buch angelangt, habe ich mich auch bereits um die weitere Lektüre gekümmert und die für mich noch ganz neuen Teile 5 und 6 ausgeliehen. Dieses Jahr wird zudem der siebte Teil erscheinen – perfektes Timing also für einen Reread oder um neu in die Reihe einzusteigen.

Liest man die Reihe hintereinander weg, drängt sich spätestens ab dem vierten Buch der Gedanke auf, dass David Hunter doch sehr viel Pech hat. Immer wird er auf mehr oder weniger persönliche Weise in die jeweiligen Fälle verstrickt. Auch tritt er charakterlich in den späteren Büchern etwas auf der Stelle. Trotzdem bleibt er ein Protagonist, den man gerne begleitet und so habe ich mich wenig daran gestört – dazu haben mir die Bücher einfach weiterhin zu gut gefallen. Ein wenig spielt, denke ich, der Nostalgiefaktor mit hinein, aber vor allem gefallen mir immer noch der Spannungsaufbau und die unerwarteten Wendungen zum Ende. Auch die Handlungsorte finde ich immer wieder toll gewählt. Das entlegene Dorf aus Band 1, eine Insel auf den Hebriden, ein altes leerstehendes Krankenhaus mitten in London. Perfekte Schauplätze, um eine bedrohliche und geheimnisvolle Stimmung zu erzeugen.

Immer schon fasziniert war ich von den eingestreuten Informationshäppchen über die forensische Anthropologie. Sie befasst sich im Kern vor allem mit der Identifizierung von Menschen. Bei David Hunter dreht sich alles um die Identifizierung unbekannter Toter und im speziellen um stark verweste oder skelettierte Leichen. Von Buch zu Buch spielen unterschiedliche Aspekte eine Rolle. Mal geht es um Wasserleichen, dann um Torfleichen, Mumifizierungen, mysteriös verbrannte Leichen, Larven usw. Im dritten Teil ist David Hunter zu Besuch in Tennessee auf der „Body Farm“. Die hat dem Autor sogar als Inspiration für die Bücher gedient. Sie gehört zur University of Tennessee und bietet Wissenschaftlern die Möglichkeit, Verwesungsprozesse unter freiem Himmel zu beobachten und zu erforschen. Sie war die erste Body Form und auch heute noch gibt es nur wenige Einrichtungen dieser Art.

Die Bücher geben hier Einblicke in ein ziemlich abseitiges Berufsfeld. Die Vorstellungen, die ich davon habe, beruhen eher auf Film und Fernsehen. Da sieht man meist Leichen, die wie frisch umgefallen aussehen. Bis zur Unkenntlichkeit verweste Leichen werden da eher weniger präsentiert. Natürlich zeigen auch die Bücher nur eine fiktive Variante dieses Arbeitsgebiets, dennoch finde ich die kleinen Einblicke immer wieder spannend.

Ich bin nun sehr neugierig, in welche missliche Lage sich David Hunter im bald erscheinenden siebten Teil manövrieren wird und mit welcher Art von Leichen er es diesmal zu tun bekommt. 🙂

Die Bücher von Simon Beckett findet ihr bei uns im Katalog. Folgend eine kurze Übersicht zu allen Titeln der Reihe in der richtigen Abfolge:

Die Chemie des Todes
Kalte Asche
Leichenblässe
Verwesung
Katz und Maus (Kurzgeschichte)
Totenfang
Die ewigen Toten

Gro

Sachbuch-Tipp: Amerikas Gotteskrieger

Auf dieses Sachbuch war ich sehr gespannt. Ich dachte, mehr über den christlichen Fundamentalismus in den USA zu erfahren, denn ich hatte schon mehrfach gehört, dass Anhänger der evangelikalen Kirchen Einfluss auf den Schulunterricht nehmen wollen, aber auch auf Bibliotheksbestände (siehe zum Beispiel: „Zensur in den USA: Diese Literatur ist unerwünscht“ / von Rieke Havertz bei zeitonline) und nicht zuletzt auf die Politik, vor allem in der Republikanischen Partei. Aber insgesamt, so dachte ich, ist das ja eher eine Randgruppe; in einem so fortschrittlichen, demokratischen Land glauben doch nur einige wenige Menschen, dass die Bibel wörtlich zu nehmen ist und alle politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen danach ausgerichtet werden müssen. Ja, dachte ich. Naiv wie ich bin.

Taschenbuch "Amerikas Gotteskrieger: Wie die Religiöse Rechte die Demokratie gefährdet" von Annika Brockschmidt, Rowohlt-Verlag.
Das Buch wird von einer Hand in die Kamera gehalten. Im Hintergrund sieht man eine weiße Zimmerwand u.a. mit einem Heiligenbild links (die Heilige Familie mit Maria, dem Jesuskind und Joseph) und ein Holzkreuz rechts

Annika Brockschmidt fasst in ihrem Buch „Amerikas Gotteskrieger“ viele Forschungsergebnisse und Untersuchungen zusammen, ihr Quellenverzeichnis ist beeindruckend. Sie führt auch viele direkte Zitate an: von christlich-rechten Politikern, erzkonservativen Geistlichen, libertären Wirtschaftsmagnaten, von propagandistischen Medienvertretern und rechtsradikalen, rassistischen Organisationen – und es ist erschreckend. Nein, es sind eben nicht nur die paar Evangelikale, die die Bibel wörtlich nehmen und entsprechend leben wollen. Die Netzwerke der Religiösen Rechten sind viel komplexer und einflussreicher, als ich je befürchtet hatte.

Ziel ist die Auflösung der verfassungsmäßigen Trennung von Staat und Kirche, ein Kulturkampf gegen die säkulare Moderne – das Untergraben der demokratischen Grundordnung inklusive. Und die Religiöse Rechte ist längst im Zentrum der Macht angekommen.

Wie konnte ein Mann wie Trump zum Präsidenten gewählt werden? Wie konnte die krude Behauptung von der „gestohlenen Wahl“ ein Land wie die USA spalten? Wie konnte es zur gewalttätigen Stürmung des Capitols am 6.1.2021 kommen? Und welchen unsäglichen Einfluss haben da so Verschwörungsmythen wie die der obskuren QAnon-Bewegung?

Zu Verschwörungsmythen hatte ich in letzter Zeit schon einiges gelesen und auch hier im Blog Empfehlungen gegeben. Annika Brockschmidts Buch passt in diesen Themenkomplex, sie schreibt aber nicht über den Einfluss von manipulativen Falschmeldungen und Verschwörungsmythen auf uns im privaten Umfeld, sondern über die ganz großen gesellschaftlichen Umbrüche. Es geht um den Griff zur Macht – und zwar um jeden Preis. Weil sich da einige christliche Nationalisten für „Berufene“ halten und sich einen göttlichen Auftrag zuschreiben. Sie sehen Amerika als „gods own country“ und sich selbst als „Gotteskrieger“. Sie wollen eine neue Zeit erstehen lassen, in der (wieder) White Supremacy gilt, also Rassismus mit weißer Vorherrschaft. Sie wollen zurück zu einer alten Geschlechterordnung, sie kämpfen gegen Abtreibung, LGPTQ*-Rechte und – gerade wieder ganz aktuell – sie hetzen gegen trans Menschen. Aber auch Themen wie Wissenschaftsfeindlichkeit (z. B. die Leugnung der Klimakrise oder auch die Leugnung der Evolution) werden für Propaganda und zur Rekrutierung von Anhängern genutzt. Sie kämpfen mit der Bibel in der einen und der Waffe in der anderen Hand – so ihr eigenes Selbstbild. Ihre Einflussnahme geht durch alle Schichten und Parteien. Aber unüberhörbar sind sie in der Republikanischen Partei – nicht nur bei den Trump-Anhängern. Wohin die zunehmende Radikalisierung der Anhängerschaft führen kann, bewies der  sogenannte Sturm auf das Capitol.

Das Erschreckende ist nicht, dass da eine im Grunde eher kleine, radikal-gläubige Gruppe in einem demokratischen Land überproportional großen Einfluss gewinnen kann. Es sind Netzwerke entstanden, die weit über diesen Kreis hinausgehen. Dazu kommt eine parallele Infrastruktur: eigene Schulen und Hochschulen, eigene Fernsehsender, politisch einflussreiche Think Tanks und vieles mehr. Noch beängstigender finde ich die Bereitschaft, auch unheilige Allianzen einzugehen ganz nach dem Motto: „Der Zweck heiligt alle Mittel“. Die Verbindungen reichen weit ins Rechtsradikale Milieu (um nur zwei auch hierzulande bekannte Stichwort zu nennen: „KuKluxKlan“, „Proud Boys“), als sogenannte „Wolfskönige“ werden auch Männer akzeptiert, die nun wirklich nicht nach christlichen Werten leben, Hauptsache sie sind wirkmächtig (siehe Trump).
Übrigens beschränken sich diese Netzwerke nicht nur auf die USA. Ach.

Klingt das nicht selbst schon wieder nach einer großen Verschwörungstheorie?
Ich habe ein wenig recherchiert und nach Kritiken an Annika Brockschmidts Buch gesucht. Sie selbst wird, vor allem in den Sozialen Medien, sehr persönlich und scheinbar auch heftig aus der rechten Ecke angegangen. Ich suchte aber inhaltliche Kritik und Widerlegungen mit Fakten und Quellen und habe da kaum etwas gefunden. In der Rezension von Benjamin Dahlke in der FAZ („Einblick in eine fremde Welt“ ) wurde der Stil des Buches kritisiert: so viele Namen und Organisationen, man verliere schnell den Überblick. Das ging mir tatsächlich auch so. Vielleicht hätten ergänzende Grafiken oder tabellarische Darstellungen mehr Übersicht gebracht. Der Rezensent vermisste auch, dass „zwar viel dargestellt, aber nur wenig tiefenscharf analysiert wird“.

Ich habe das Buch mehrfach ruhen lassen müssen, denn gerade als Abendlektüre taugte es für mich nicht: Es löste zu viel Grübelei aus, die mich um den Schlaf brachte. Aber Annika Brockschmidt gibt Antworten auf die obigen Fragen. Und mehr. Das Buch hilft, das Amerika nach dem 2. Weltkrieg besser zu verstehen, vor allem natürlich die letzten 2 Jahrzehnte.

Ein beunruhigendes Buch. Ein wichtiges Sachbuch. Leider.
Ich empfehle es mit Nachdruck.

HilDa

Gnocchi in Tomatensugo

In der Zeitschrift „kochen & genießen“ (4/2022) habe ich ein tolles einfaches Rezept entdeckt, was ich euch nicht vorenthalten möchte. Nachgekocht und für gut befunden selbstverständlich! 🙂

Zutaten für 4 Personen:

  • 800g frische Gnocchi (Kühlregal)
  • Salz
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 EL Öl
  • 1 EL Zucker
  • 2 EL Balsamico-Essig
  • 1 Dose (425 ml) Kirschtomaten
  • Pfeffer
  • 4 Stiele Basilikum

So wird’s gemacht:

  1. Gnocchi in kochendes Salzwasser geben und ca. 2 Min. ziehen lassen, dann abgießen. Zwiebel schälen und fein würfeln, das Öl in einer großen Pfanne erhitzen und die Zwiebeln darin glasig dünsten. Mit Zucker bestreuen und leicht karamellisieren lassen. Zwiebel mit Essig und Tomaten ablöschen, aufkochen. Mit Salz und Pfeffer würzen und offen ca. 5 Min. köcheln lassen.
  2. Gnocchi unter das Tomatensugo mengen und kurz erhitzen. Basilikum waschen und die Blättchen abzupfen. Unter die Gnocchipfanne mischen und servieren.

Das war’s auch schon. Klingt doch ganz easy-peasy oder? 😎

Viel Spaß beim Nachkochen und guten Appetit!

kwk