Irgendwas is immer.

„Bloggen“… ein Wort. Ok. Man schreibt fleißig Beiträge, vernetzt sich, schaut sich um, liked, kommentiert… . Aber das ist ja nur ein ganz kleiner Teil. Auch bei uns läuft nicht immer alles glatt, man lernt nie aus. 🙂 Folgendes Problem haben wir seit einiger Zeit mit uns herumgeschleppt:
Ihr habt euch bestimmt gewundert (oder auch nicht 😉 ), warum wir in letzter Zeit nur sehr wenige „gefällt mir“ oder Kommentare unter eure Blogbeiträge gesetzt haben. Wir haben, als wir mit dem Blog an den Start gegangen sind, eingestellt, dass wir über neue Beiträge von euch per Mail informiert werden. So konnten wir uns (meistens) morgens durch die von uns abonnierten Blogs wühlen und fleißig lesen. Leider hat sich WordPress etwas selbstständig gemacht . Diese Einstellung war auf einmal geändert, seit Dezember war quasi Ebbe im Postfach und wir mussten uns dann immer über das Dashboard informieren – für uns leider im Alltag der Arbeit nicht immer ganz einfach.

Nachdem nun Weihnachten, Silvester, Urlaube und Krankheitsausfälle überstanden sind, habe ich mich jetzt durch verschiedene Foren geklickt, dreimal unserer angegebene Mailadresse gecheckt (obwohl kein Mensch die geändert hat- warum auch?) und bin letztendlich leider nicht schlauer geworden.
Dann dachte ich mir: „Selbst ist die Frau, was soll schon schief gehen?“ und habe mich mutig in die „puh-fertig-eingestellt-und-bloß-nicht-mehr-ändern“- Blogeinstellungen gestürzt. Und siehe da- in unserer Blogliste war tatsächlich hinter jedem Blog unter „Einstellungen“ die Benachrichtigung deaktiviert. Ich habe sie jetzt bei euch allen wieder angestellt (bei über 200 abonnierten Blogs dauerte das ETWAS) und nach und nach jede Menge Bestätigungsmails von WordPress bekommen. (Gerade flattern die ersten Nachrichten über neue Posts von euch ins Postfach- es hat funktionieeeeeert!!!  🙂 )

Ist euch das auch schon mal passiert?

Und nun auf zu neuen Taten- die nächste Blog-Baustelle wartet schon. 😎

kwk

 

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MittendrinMittwoch #40

Leise. Schritte. Etwas schleicht. Um ihn herum. Als Viktor einen klaren Gedanken fassen kann, fühlt er sich wie auf einer Streckbank. Ziehen. Es ist mitten in der Nacht, und bevor er weiß, was eigentlich los ist, fliegt er durch die Luft. Wie eine Katze wendet er sich um und sieht im Mondschein Silhouetten, emporgereckte Fäuste. Dann klatscht er aufs Wasser, schluckt, flucht und versinkt.

Das Floß der Medusa von Franzobel, Seite 538

Dieser Roman geht unter die Haut. Haupt-Handlungsort ist die Fregatte Medusa, die im Juni 1816 ihre Reise in den Senegal von La Rochefort in Frankreich aus beginnt. Es ist der 2. Juli 1816, die Medusa bewegt sich in Gewässern, von denen sie sich eigentlich fernhalten sollte und läuft auch prompt auf die gefürchtete Arguin-Sandbank vor der Küste Mauretaniens auf. Das Schiff lässt sich nicht mehr befreien, so beginnt man die Passagiere auf die Rettungsboote zu verteilen, von denen es a la Titanic natürlich zu wenige gibt. So landen 147 Menschen auf einem selbstgezimmerten Floß, das nun 13 Tage manövrierunfähig auf dem Meer treibt, bis es schließlich von einem anderen Schiff entdeckt wird.

Als Leser wissen wir von Anfang an wie das ganze ausgeht. Von den 147 Menschen auf dem Floß sind am Ende nur noch 15 übrig. Das spannende an dem Buch ist, zu erfahren, wie es nur dazu kommen konnte, dass die Medusa auf eine Sandbank auflief, deren Standort eigentlich bekannt war. Man erfährt nicht nur, was dem dilettantischen Kapitän so durch den Kopf geht, sondern erlebt die Geschichte auch aus anderen Blickwinkeln, wie des Schiffarztes Savigny oder des Kombüsenjungen Viktor, der zwar ein Abenteuer erleben wollte, dem das ziemlich raue Leben auf See dann aber doch entschieden zu abenteuerlich wird.

Was mir persönlich sehr gut gefallen hat, war der Schreibstil des Autoren. Zwar handelt es sich hier um einen historischen Roman, der allwissende Erzähler sieht allerdings aus unserer heutigen Sicht auf die Ereignisse zurück. So begegnen einem Begriffe wie Dermatologe oder Whistelblower, Stephen Spielberg oder Emma Stone und zwei der Offiziere der Medusa werden fortwährend mit den französischen Schauspielern Alain Delon und Lino Ventura verglichen. Das Buch strotzt dann auch noch von beißendem Humor, so dass man immer wieder laut auflachen möchte. Bei der eigentlich ziemlich grausigen Geschichte bleibt einem dabei aber auch immer wieder mal ein Lacher im Halse stecken.

Das Grauen in dieser Geschichte wird sicherlich auch viel von dem Wissen getragen, dass es sich hierbei zwar um einen Roman handelt, der aber auf wahren Begebenheiten beruht. Für seine Recherchen ist der Autor u.a. sogar zum Wrack der Medusa und nach Senegal gereist.

Insgesamt bin ich wirklich sehr beeindruckt von dem Buch. Die letzten gut 40 Seiten werden sich dann wohl auch sehr schnell durchgelesen haben.

lga

 

Hörbuchtipp: World War Z

In unserer Onleihe bin ich letztens über das Hörbuch „World War Z“ von Max Brooks gestolpert. Der Titel sagte mir direkt was, da gab es doch einen gleichnamigen Film, in dem Brad Pitt Horden von Zombies gegenüber steht. Beim Hören des Buches fiel mir dann aber recht schnell auf, dass der Film mit dem Buch nicht viel gemein hat.

Das Buch besteht aus vielen Interviews, die Jahre nach dem Ausbruch der Zombieseuche, als der Krieg gegen die Zombies als gewonnen gilt, mit verschiedensten Personen geführt werden.

All diese Interviews geben im Endeffekt ein Gesamtbild ab, vom Ausbruch des Zombievirus bis zum Sieg über die Zombies. Dabei gefiel mir vor allem, wie umfassend das Ganze war. Der Autor scheint sich wirklich viele Gedanken gemacht zu haben, was so eine Zombieseuche für die Menschheit bedeuten würde. So hören wir von ganz unterschiedlichen Leuten, von Soldaten, Regierungsangehörigen, Geschäftsleuten, ganz normalen Privatmenschen, die zu überleben versuchen. Von körperlich oder geistig beeinträchtigten Menschen, Studenten, Filmemachern, Astronauten. Vor allem das Interview mit dem Astronauten war sehr spannend, weil das eine Perspektive war, an die ich gar nicht gedacht hatte. Auch interessant war, wie unterschiedlich verschiedenste Länder auf die Zombieseuche reagiert haben bzw. wie manche Länder auch einfach ganz andere Voraussetzungen hatten. Man hat das Gefühl, der Autor hätte wirklich an alle möglichen Auswirkungen und Situationen gedacht.

Mir hat das als Gedankenspiel, wie so eine Zombieseuche vom Anfang bis zum Ende aussehen könnte wirklich gut gefallen, vor allem da man so eine Geschichte sonst häufig nur aus der Sicht einer Person oder nur zu einem bestimmten Zeitpunkt erfährt.

Gefallen hat mir auch, dass Interviewer und Interviewte von 2 Sprechern gesprochen wurden. Ich mochte sowohl Michael Pan als Interviewer als auch David Nathan, der die Interviewten gesprochen hat (vor allem David Nathan hat einfach eine wahnsinnig coole Stimme, den kennt man zum Beispiel auch als Synchronsprecher von Johnny Depp).

Wer jetzt auch Lust auf das Hörbuch hat, bei uns ist es in der Onleihe zu finden.
Den Film (der zwar nur lose auf dem Buch basiert aber Zombies gibt es ja trotzdem 😉 ) findet ihr hier.

lga

Die Litfaßsäule

Zum Wochenende habe ich mal wieder ein kleines bisschen „interessantes, vielleicht nützliches Wissen“. für euch. Viel Spaß! 🙂

Ernst Litfaß (1816-1874) war Druckereibesitzer und Verleger in Berlin. Wie man sich schon denken kann, ist der Herr der Erfinder der Litfaßsäule.

Bekanntmachungen, Werbung für Orchester, Zirkus, Oper und Co. wurden damals einfach wild an Mauern oder Hauswände geklebt. Litfaß zeigte sich von dieser Wildplakatierung wenig erbaut und deshalb führte er sogenannte „Anschlagssäulen“ ein. Die Idee importierte er aus Paris und London.
Der Zirkusdirektor Ernst Renz übernahm die Finanzierung der Berliner Säulen. 1855 wurde die erste Säule in der Münzstraße in Berlin errichtet. 50 Brunnen wurden neu mit Holz ummantelt und dienten fortan ebenfalls der Plakatierung.  Litfaß bekam von der Stadt die Auflage, die neuesten Nachrichten zu publizieren und aufzuhängen. Das kam seiner Druckerei natürlich zugute, er verdiente ziemlich viel Geld und wurde zum „Reklamekönig“. Die Berliner nannten ihn nach einiger Zeit in Anlehnung an die antiken Statuen in Tempeln „Säulenheiliger“.
Die Säulen waren teilweise aufwändig gestaltet, ein verzierter Kranz zierte oft das obere Ende der Säulen.

Heute sind fast 70.000 Litfaßsäulen in Deutschland noch in Betrieb.

  • Und hier noch ein Paar interessante Fakten:
    Litfaß druckte als erster Riesenplakate im Format 6,28m x 9,42m, heute spricht man von „Big Banner“. Diese wurden im Jahre 1846 „Litfaßzettel“ genannt.
  • 1863 wurde er zum Königlichen Hof-Buchdrucker ernannt
  • Das Wort Litfaßsäule wird auch nach der neuen Rechtschreibung mit „ß“ geschrieben, da die Schreibung von Namen nicht den Regeln der Rechtschreibung unterliegen. 🙂

kwk

Mittendrin Mittwoch #39

Ich pfeife dazu die Melodie, als liefen wir an einem Sommertag durch ruhige See und nicht mitten durch die Vereinigung eines furchtbaren Tiefdruckgebiets mit dem Hurrikan „Grace“ – eine Konstellation, die manche Meteorologen später „Monsterorkan“ oder „Jahrhundertsturm“ nennen werden. Sogar Hollywood hat einen Film darüber gedreht, „Der Sturm“ mit George Clooney in der Hauptrolle; sehr realistisch übrigens, ich habe mir das auf Video angesehen.“

aus: „Axel Prahl präsentiert: „Wilde Welle“, ausgewählt, eingeleitet und kommentiert von Axel Prahl. Aufgeschrieben von Stefan Krücken. S. 58
ISBN 978-3-940138-90-3
Bei uns zu finden unter Wkk Wild

Das Buch habe ich wieder durch Zufall entdeckt- ich bin kein Seebär, aber was ich bis jetzt gelesen habe, ist auf Deutsch gesagt der Hammer. Verschiedene Geschichten alter Kapitäne wurden in einem Buch zusammengefasst. Direkt nach der ersten Geschichte war ich froh, festen Boden unter den Füßen zu haben. Der oben aufgeführte Abschnitt lässt einiges erwarten- wer kennt nicht den Film „Der Sturm“? Und nun einmal einen Bericht von jemandem zu lesen, der sich zu dem Zeitpunkt (30.10.1991) auch auf hoher See befand und überlebt hat, ist wie ein Krimi. Gänsehaut pur. Da der Film als „sehr realistisch“ von besagtem Kapitän eingestuft wurde, werde ich mir den in Zukunft mit noch anderen Augen ansehen, als man es sowieso schon tut, wenn etwas auf einer wahren Begebenheit beruht.

Auch die vorherigen Geschichten in dem Buch sind besser als jeder „Tatort“: man ist mitten drin im Leben auf einem U-Boot-Versorger  im Indischen Ozean, an Bord einer alten Autofähre auf dem Weg von Wyk auf Föhr nach Ko Samui in Thailand… Und immer zeigt sich, wie wichtig der Zusammenhalt zwischen Mannschaft und Kapitän ist.

Mein Fazit bis jetzt (und ich bezweifle, dass es sich ändern wird): Unbedingt lesen!!! 🙂

kwk

 

Elizzy von read books and fall in love hat sich die Blogaktion ausgedacht. Der „Mittendrin Mittwoch“ besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

„Mein Motiv ist meine Gegenwart“

Am Mittwoch, den 21. Februar,  startet bei uns die Ausstellung „Ralf Theniors Wortwelten, Bielefelder Sprachfunde“. Das PoesieLabor wird bei uns in der Stadtbibliothek am Neumarkt bis zum Donnerstag, den 15. März 2018 zu sehen sein.

Die Ausstellung wird  am 21.02.2018 um 19 Uhr in Form einer Lesung mit Ralf Thenior eröffnet. Der Eintritt für diese Veranstaltung ist frei.

Die Textbilder des Schriftsellers Ralf Thenior basieren auf Beobachtungen und Experimenten mit Sprachfunden  in öffentlichen Räumen. Ausgehend von dieser künstlerischen Strategie fragt die Ausstellung nach poetischen Potentialen im Stadtraum Bielefelds. Studierende der Univer­sität erforschen Sprachphänomene  an unterschiedlichen  Orten. Schilder und Werbemedien in Einkaufszentren, öffentliche Toiletten, Street Art und Skulpturen im öffentlichen Raum kommen ebenso in den Fokus wie Reiseführer oder amtli­che Verordnungen der Stadt. Die ausgestellten Arbeiten machen die Poesie von Alltagserfahrungen sichtbar, lustvolle Grenzüberschreitungen inbegriffen.

Die Ausstellung ist das Ergebnis eines Praxisseminars mit Studierenden der Fa­kultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld unter der Leitung von Dirk Bogdanski.
Eine Kooperation vom Kulturgut Haus Nottbeck, der Universität und der Stadtbibliothek Bielefeld.

Saftiger Nusskuchen

Kuchen geht immer, vor allem wenn er soo schön saftig ist 😉

halber Nusskuchen mit Krümel

Saftiger Nusskuchen à la Juliane

Zutaten:

250g weiche Butter
5 getrennte Eier
250g Zucker
125g Mehl
1 P Backpulver
1 Tasse Milch
400g gem. Haselnüsse

 

 

Zubereitung:

  1. Die Eier trennen, das Eiweiß steif schlagen
  2. Butter, Eigelbe und Zucker zu einem glatten Teig rühren.
  3. Mehl und Backpulver mischen und unterrühren
  4. Die Milch dazugeben und die Haselnüsse unterrühren.
  5. Schließlich das Eiweiß unterheben.
  6. Eine Springform mit Rohrboden gut einfetten, mit Paniermehl ausstreuen und den Teig einfüllen.

Backzeit ist bei 170°C vorgeheiztem Ofen 40 Minuten. Jeder Ofen ist natürlich unterschiedlich. Es kann auch länger sein. Es empfiehlt sich eine „Stichprobe“.

Wenn der Kuchen ausgekühlt ist, kann man ihn noch mit Kuvertüre überziehen, ist aber kein Muss.

Guten Appetit. 🙂

Juliane

 

Mittendrin Mittwoch #38

Er hatte eine entsetzliche Angst vor Schmerzen, er dachte nur an das: vielleicht weil er jung war. Ich dachte nicht viel darüber nach, und es war nicht die Angst vor den Schmerzen, die mich schwitzen ließ. (Seite 29)

Die Mauer : französische Erzählungen aus der klassischen Moderne ; Französisch/Deutsch. – ISBN 3-9501612-6-0

 

 

Die Mauer : französische Erzählungen aus der klassischen Moderne ; Französisch und Deutsch / [Sartre – Camus – Aymé – Aragon – Yourcenar – Ionesco – Prassinos.] Mit sieben Zeichn. von Irene Neumann. [Hrsg. von Friedrich Stockmann]. – Bad Vöslau : Stockmann, 2004. – 269 S. – (Die doppelte Bibliothek ; Bd. 7)
Standort:  Französisch Maue

 

Sartre, Jean-Paul : Die Mauer. – Hamburg : Rowohlt, 1962.
Standort: Magazin 664-2875

Jean-Paul Sartres Erzählung „Le mur“, so der Originaltitel, wurde zuerst 1937 in der Literaturzeitschrift Nouvelle Revue Française veröffentlicht, 1939 war sie die titelgebende Erzählung in einem Novellenband mit insgesamt fünf Erzählungen . „Die Mauer“ (in manchen Übersetzungen auch „Die Wand“) spielt in der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs, drei Republikaner erhalten ihr Todesurteil und warten auf ihre Erschießung. Sartre schildert die Todesangst in allen Facetten: der Ich-Erzähler, der abgeklärt erscheint und sich selbst fast wie von außen betrachtet analysiert, der Kämpfer, der sich nicht rechtfertigen will, keine Gefühle zeigen will und der junge, unschuldige Mann, der sein Schicksal gar nicht fassen kann und von der Angst geschüttelt wird. Dazu kommen die kaltschnäuzigen Wächter und ein Arzt, der die Todeskandidaten studiert.

Noch vor seinen großen philosophischen Werken, mit denen Sartre zum Vordenker und Hauptvertreter des Existenzialismus wurde, befasste er sich literarisch mit Menschen in Grenzsituationen, Menschen, die sich ihrer Existenz nicht stellen wollen, aber zu einer Entscheidung gedrängt werden.

Auf die Erzählung „Die Mauer“ von Jean-Paul Sartre bin ich nur wegen des Titels gestoßen. Ich suchte gestern Bücher zum Thema Mauer, vor allem Berliner Mauer, aber auch Mauern anderer Art: Chinesische Mauer, die Mauer im Garten, … – Hauptsache das Wort „Mauer“ taucht irgendwie im Titel auf; Bücher jeder Art, egal ob Sachbuch, Roman, Comic. Was immer mir dann gefiel, sollte kurz über unseren Twitter-Account vorgestellt werden. (Wenn Ihr dort unter dem Hashtag #LesezeichenderWoche stöbert, könnt Ihr das Ergebnis sehen). Aber ich schweife ab.

An Sartre hatte ich bei dem Thema offen gesagt nicht gedacht, aber ein zweisprachiges Buch mit französischen Erzählungen aus der klassischen Moderne ist nach dieser Geschichte benannt: Die Mauer. Die Titelgeschichte hat nur knapp 30 Seiten, trotzdem war ich gestern zu müde und bin mittendrin hängengeblieben. Eigentlich sollte man Erzählungen in eins durchlesen, um sie so als Ganzes auf sich wirken lassen zu können; aber für diese Blog-Rubrik passt die Unterbrechung ja.

Ich bin froh, auf meiner Suche eigentlich nach etwas ganz anderem auf diese meisterhafte Erzählung gestoßen zu sein. Aber so ist das schon mal in einer Bibliothek: Man sucht und stöbert – und findet das Unerwartete.

hilda

Elizzy von read books and fall in love hat sich die Blogaktion ausgedacht. Der „Mittendrin Mittwoch“ besteht aus immer neuen Zeilen aus Büchern, in denen wir aktuell wortwörtlich mittendrin stecken.

Winterzeit ist Märchenzeit #4

Der Rattenfänger von Hameln

Moment – das ist doch gar kein Märchen, sondern eine Sage! Das ist richtig. Doch die Brüder Grimm, um die es in den vergangen Beiträgen ging, brachten neben ihrer Sammlung der Kinder- und Hausmärchen eine bedeutende Sammlung von Sagen aus dem deutschen Sprachraum heraus. Die Erstauflage erschien 1816 und 1818 in 2 Bänden mit insgesamt 579 Sagen. Hameln liegt an der Weser zwischen Bielefeld und Hannover, und damit ist der Ort des Geschehens gar nicht mal so weit weg.

Rattenfängerbrunnen in Hameln

Sagen haben meistens einen wahren Kern. Der Auszug der Hamelner Kinder wird mit den Auswanderungswellen im Hochmittelalter Richtung Osten in Zusammenhang gebracht. Damit dürfte es sich vorwiegend um junge Erwachsene gehandelt haben, die in ihrer Heimat keine Perspektive sahen. Für diese Theorie sprechen Orte in Brandenburg und der Uckermark, deren Ortsnamen aus der Hamelner Region stammen könnten. Auswanderer neigen dazu, neu gegründete Siedlungen nach Orten ihrer Heimat zu benennen.

In der Nähe von Templin liegt das Dorf Hammelspring. Eine Angabe ist, dass der Ort von Conrad II. de Hamelspring und seinem Halbbruder gegründet wurde. Hamelspringe liegt 20km nördlich von Hameln. Eine andere Quelle nennt eine spätere erste urkundliche Erwähnung als Havelspryng. Die Havel entspringt aber nicht in Hammelspring, sondern in Mecklenburg. Die bekannteste Stadt dort dürfte Kratzeburg sein. Gut 75 km von Hammelspring entfernt. So war der Rattenfänger womöglich ein Werber, welcher der Jugend eine Perspektive versprach.

Die Rattenfänger-Sage in verschiedenen Buchbearbeitungen

 

Der Rattenfänger ist eine der bekanntesten Sagen. Das Motiv findet vielfach in Film und Musik Verwendung. 1879 komponierte Viktor Nessler die Oper „Der Rattenfänger von Hameln“, Günther Kretzschmar eine Kantate für Kinder mit dem selben Titel. Abba interpretierte die Sage mit „The Piper“ auf dem Album „Super Trouper“ und aus der Mittelalterszene Saltatio Mortis mit „Rattenfänger“ auf „Zirkus Zeitgeist“. In Extremo’s „Der Rattenfänger“ von dem Album „Sünder der Zügel“ orientiert sich sehr nah an der Sage.

 

Die Rattenfänger-Sage in Film- und Musikbearbeitungen

Eine der neuesten Verfilmungen ist „Die Toten von Hameln“. Eine Schülergruppe fährt für einen Chorauftritt nach Hameln. Auf der Fahrt beschäftigen sich die Jugendlichen mit der Sage. Während ihres Aufenthalts unternehmen sie eine Wanderung über den Ith, in den der Rattenfänger seinerzeit die Kinder geführt haben soll. Ein Teil der Gruppe verschwindet in einer Höhle. Auf der Fahrt und während der Suche brechen bei der Chorleiterin und Bewohnern Hamelns alte Wunden auf… Ein sehr spannender Film, mit schöner Kulisse der Landschaft und der Hamelner Innenstadt selbst.

Juliane

Lesungen in der Stadtbibliothek am Neumarkt

In der nächsten Woche gibt es in der Stadtbibliothek gleich zwei Lesungen, die vor allem für Geschichtsinteressierte spannend sein dürften.

Am Mittwoch, den 07.02.2018 um 19 Uhr lesen Hans-Peter Föhrding und Heinz Verfürth aus ihrem Buch „Als die Juden nach Deutschland flohen. Ein vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte“:

„Wer weiß schon, dass nach dem Zweiten Weltkrieg 300.000 Juden nach Deutschland flohen und als Überlebende der Schoah in vielen DP-Lagern (für „Displaced Persons“, also Entwurzelte, Staatenlose) lebten? Antisemitische Exzesse in Osteuropa, besonders in Polen, hatten diese Fluchtbewegung 1946/47 ausgelöst. Vor neuer Verfolgung retteten sie sich ausgerechnet ins Land der Täter. Aber sie suchten lediglich den Schutz der westlichen Alliierten, vor allem der Amerikaner. Die DPs glaubten sich nur auf der Durchreise nach Palästina, doch mussten sie in den Camps oft jahrelang ausharren. Erst 1948, nach der Staatsgründung, öffneten sich die Tore Israels. Andere DPs gingen in die USA. Dennoch bestand bis 1957 das letzte Lager im bayerischen Föhrenwald.
Der rote Faden des Buches ist das Schicksal der Lea Waks. 1946 verließ sie Polen mit ihrer Familie panikartig. Zunächst lebte Lea im DP-Lager Ziegenhain in Hessen, dann mit ihrem Mann Aron und zwei Söhnen in verschiedenen Camps.“

Die Veranstaltung findet auf der Literaturbühne im Erdgeschoss statt.
Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro.

Weiter geht es direkt am Donnerstag, den 08.02.2018 um 19 Uhr. Prof. Dr. Dr. h.c. H. Schilling referiert zum Thema „Luther und die Reformation 1517 – 2017. Zugleich der Versuch einer Bilanz“.

Zuletzt erschien sein Buch „1517. Weltgeschichte eines Jahres“, das sich mit dem Reformationsjahr auf etwas andere Art befasst:

Prof. Dr. Dr. h.c. Heinz Schilling

„1517 schaut nicht auf den Bauchnabel Wittenberg, sondern auf die ganze Welt. Wie sah diese Welt zur Zeit Luthers eigentlich aus? Heinz Schilling, einer der großen Kenner der Epoche, nimmt uns mit auf eine faszinierende Zeitreise, die uns nach Italien und Spanien, zu den Osmanen, an den chinesischen Kaiserhof und ins Reich der Azteken führt.
In diesem Buch wird das Zeitalter der Reformation aus einem ungewohnten Blickwinkel betrachtet. Es nimmt die Ereignisse von 1517 als Ausgangspunkt für eine Erkundung der Welt, in der Luther und seine Zeitgenossen lebten. Fremde Länder und Kontinente rücken dabei ins Licht, Machtkonstellationen und Lebensverhältnisse werden besichtigt, wir lernen den Geld- und Warentransfer kennen, die Erfindungen der Gelehrten und die Entdeckungen der Abenteurer. Neben die religiösen Kämpfe tritt der nach wie vor lebendige Glaube an Magie, Hexen und Dämonen. Spannend, kurzweilig und höchst informativ präsentiert Heinz Schilling einen der originellsten Beiträge zum Reformationsjahr.“

Heinz Schilling ist em. Professor für Europäische Geschichte der frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Die Moderation des Abends übernimmt Prof. Dr. W. Braungart.

Veranstaltungsort ist ebenfalls die Literaturbühne im Erdgeschoss. Der Eintritt ist frei.

Wir freuen uns auf viele Besucher und zwei interessante Abende mit euch! 🙂