Neu im Zeitschriftenregal!

Die Stadtbibliothek Bielefeld verfügt über ca. 400 analoge Zeitschriften-Abonnements (inkl. Fachzeitschriften und Mehrfachexemplaren für die Stadtteilbibliotheken.) Neben klassischen Titeln wie Ökotest, Stern und Brigitte, welche die Bibliothek schon seit vielen Jahren zur Verfügung stellt, gibt es auch jedes Jahr ein bisschen Bewegung im Bestand. „Verursacht“ durch die Kolleg*innen der Stadtteilbibliotheken und der Zeitschriftenstelle, aber auch die Bibliotheksnutzer*innen. Denn der häufigste Grund für Änderungen im Zeitschriftenbestand ist eine mäßige Nachfrage, weshalb wir uns von manchen Titeln verabschieden, um Platz für neue Themen und Trends zu schaffen. Dann heißt es z.B. „Goodbye, liebe Schachzeitschrift“.

In letzter Zeit fällt allerdings auf, dass auch andere Gründe uns zu Veränderungen zwingen. Einige Verlage bieten Zeitschriften nur noch digital an oder stellen Titel ein, weil sie sich diese nicht mehr leisten können – Corona und fehlende Einnahmen für Werbeanzeigen lassen grüßen … Davon betroffen sind bei uns konkret: Fit for fun, Chip Wissen, Laura, Novum, Running und Spiegel Wissen – mal abwarten, welche zum Ende des Jahres noch wegfallen.

Daher möchten wir gerne einen kleinen Überblick über neue Magazine in unserem Bestand bzw. teilweise auch wieder neu eingeführte Titel geben:

Bauen und Renovieren : einfach wissen wie’s geht! – Diese Fachzeitschrift richtet sich an private Bauherr*innen und bietet fundiertes Praxiswissen zu den Themen: Bauen und Renovieren, Innenausbau und Wohnen, Heiz- und Haustechnik, Wohnkomfort und Außenbereich.

Bluesnews – Das Magazin für Blues und Bluesrock informiert über Neuigkeiten aus der Szene, interviewt Künstler*innen und erinnert an wegweisende Musiker*innen sowie Plattenaufnahmen und stellt talentierte Newcomer vor. Weitere Schwerpunkte sind: Tournee- und Festival-Ankündigungen, Konzertkritiken dazu zahlreiche CD-, LP-, DVD- und Buchrezensionen.

Burda easy – Ein klassisches, aber trendorientiertes Handarbeitsheft mit einfachen und verständlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen darüber hinaus mit Tipps und Tricks rund ums Nähen für alle Näheinsteiger*innen.

Camping & Reise – Das Magazin für Camping, Reisen und Outdoor beschäftigt sich mit Reisezielen und deren Campingplätzen, Tourenmöglichkeiten, Aktivitäten vor Ort, aber auch mit Camping-Ausrüstung und Reisereportagen.

Caravaning : Europas großes Camping-Magazin – Sämtliche Aspekte des Campingurlaubs werden betrachtet. Tests und Besprechungen neuer Campingmobile, Wohnwagen oder Zubehörteile, aber auch über Reiseziele und Campingplätze wird berichtet.

Connect : die Test-Instanz für Smartphones und Connectivity – Magazin zur Telekommunikation mit Produktbesprechungen, Tests und Kauf- und Tarifempfehlungen.

EULENSPIEGEL : Unbestechlich, aber käuflich – Das Satiremagazin mit reichlich Geschichte und jeder Menge Kontroversen.

Focus Gesundheit – Jede Ausgabe widmet sich einem Spezialthema oder Krankheitsbild, welches hinsichtlich Ursachen, Therapiemöglichkeiten und Prävention betrachtet wird.

Food and Travel – Kulinarisches trifft Reisejournalismus. Küchen unterschiedlicher Länder und Regionen werden beleuchtet, Kochrezepte weitergegeben und Sehenswürdigkeiten vorgestellt.

Good Health – Ein Magazin für Ernährung, seelische und körperliche Gesundheit. Tipps rund um die Gesundheit werden gegeben, ebenso wie Möglichkeiten der Prävention.

Green Lifestyle : das Magazin für einen nachhaltigen Lebensstil – Auf die Themenfelder Mode, Beauty und Wellness, Wohnen, Umwelt, Technologie, Mobilität, Ernährung, Freizeit und Reisen wird aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit ein Blick geworfen. „Grüne“ Ideen und Inspirationen für den Alltag sind ebenfalls enthalten.

HolzWerken : Wissen. Planen. Machen. – Eine Zeitschrift für alle privaten Holzwerker*innen mit Anleitungen und Plänen zum Bau von Möbeln und Vorrichtungen, Werkzeug-, Maschinen- und Materialkunde, Tipps von erfahrenen Praktikern, Reportagen kreativer Holzwerker und Produktneuheiten.

Iss dich GESUND : Besser leben mit Genuss – Hier dreht sich alles um die richtige Ernährung. Dabei geht es um fundiertes Wissen vom „Ernährungs-Doc“ in Kombination mit zahlreichen Rezepten anstatt um Abnehmen oder Diäten.

KATAPULT : Magazin für Eis, Kartografik und Sozialwissenschaft – Populärwissenschaftliches Magazin, das Themen aus Politik, Geografie, Musik, Sprache mit Hilfe von Infografiken und Karten veranschaulicht.

Landapotheke : heilen und pflegen nach alter Tradition – Behandelt werden Hausmittel und deren Wirkungsweise sowie Kochrezepte für eine gesunde Ernährung.

Lonely Planet Deutschland – Das Reisemagazin vom Reiseführerverlag Lonely Planet mit spannenden Reisereportagen, City-Guides, Geheimtipps und atemberaubenden Fotografien.

Mollie MAKES : mit Liebe selbstgemacht – Modernes Handarbeitsmagazin, das handgemachte Accessoires, Geschenke und Dekoratives aus der Do-It-Yourself- und Fashionwelt bereithält. Mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Vorlagen.

Page : Design. Code. Business – Magazin für Mediengestaltung als Nachfolger vom eingestellten Grafikdesignmagazin novum.

Pflege & Familie – Das Magazin für pflegende Angehörige mit Experteninterviews, Checklisten, fundierten Tipps für Prävention und Problemlösungen. (Die Lieferung lässt aktuell leider noch auf sich warten)

RUNNER‘S WORLD – Sportzeitschrift mit Schwerpunkt Laufsport als Ersatz für die eingestellte Zeitschrift Running.

Socrates : die besten Stories schreibt der Sport – Sportmagazin, das auf keine Sportart festgelegt ist, den Schwerpunkt Fußball besitzt, aber auch über Basketball, E-Sport, Motorsport, NFL und Tennis schreibt.

Spiegel GESCHICHTE – Das Geschichts-Magazin berichtet über historische Ereignisse und vergangene Epochen. Auch enthalten sind Interviews mit Geschichts- und Politikwissenschaftlern oder Archäologen.

Trekking-Magazin : outdoor | wandern | camping – Magazin für den aktiven Outdoor-Fan mit Tourempfehlungen zu Fuß, mit dem Rad oder dem Kanu sowie Übersichten zu Equipment und Bekleidung.

Walden : Abenteuer vor der Haustür – Das Outdoor-Magazin von GEO für alle, die gerne draußen unterwegs sind. Mit Inspirationen und praktischen Tipps für Abenteuer und Wissenswertes über die Natur

Wohllebens Welt : das neue Naturmagazin von GEO und Peter Wohlleben – In Reportagen, Bildstrecken, Essays und Rubriken präsentiert Peter Wohlleben einen neuen Blick auf Wald, Wiese, Watt, Gebirge, Moor und Meer.

Wohnen im Landhausstil – Die Themen Wohnen, Einrichten und Lebensart im Landhausstil werden behandelt, des Weiteren geht es um Dekoration, Wohnreportagen und Reiseberichte.

ZEIT Verbrechen – Das Magazin beschäftigt sich mit echten Kriminalfällen, die in Deutschland verübt wurden und den Menschen hinter den Taten. Im Fokus liegen dabei die kriminologischen, psychologischen und politischen Aspekte der Verbrechen.

Ein kleiner Hinweis zum Schluss: Nicht alle der genannten Titel sind in der Bibliothek am Neumarkt vor Ort – können aber gerne aus den Stadtteilbibliotheken bestellt werden. Eine vorgefertigte Suche dazu findet man hier.

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„Mein schöner Garten“

So der Titel einer uns sehr bekannten Zeitschrift. Wer blättert als Gartenbesitzer nicht gerne durch diese Hefte und denkt sich „Ich möchte das auch so haben. Und das…und das…und das…“. Leider scheitert es oft an so banalen, aber nun mal schwer zu ändernden Dingen wie z.B. der Bodenbeschaffenheit oder der Tatsache, dass man nicht jeden Monat seinen Garten nach den neuesten Trends und Bildern umpflanzen kann. Aber ich denke mir, das dient alles nur der Inspiration und manches kann man dann einfach im nächsten Jahr, wenn wieder Pflanzzeit ist, einfließen lassen.

Und manchmal erledigt sich einiges auch von selbst. Im Vorgarten-Beet haben wir vor ein paar Jahren Tulpen gepflanzt. Schön nebeneinander. Im darauffolgenden Frühjahr wuchsen und blühten sie auch sehr schön, allerdings sahen sie sehr aneinander gereiht aus. Sehr ordentlich, eigentlich so gar nicht meine Vorstellung von Garten. Ich überlegte hin und her, ob ich sie ausbuddeln soll und nochmal anders einpflanzen soll, aber Gottseidank fehlte mir die Zeit und Lust dazu. Und manchmal sollte man der Natur eben ihren Lauf lassen. Denn nun, nach ein paar Jahren, haben sie sich selber so wunderbar vermehrt, dass ich das kleine Beet liebevoll als „Klein-Holland“ bezeichne. Scheinbar mögen sie den Standort, trotz Wind.

Manche Pflanzen haben es schwer bei uns, wir haben einen wunderbaren Lehmboden. Bei jedem Loch das wir graben sage ich scherzhaft „Nun erkennen wir im Boden wieder die verschiedenen Erdzeitalter“. Für Pflanzen schwere Kost, die wurzeln haben zu kämpfen. Fürchterlich. Allerdings hatten wir in den ganzen Jahren, in denen wir nun schon auf Lehmboden wohnen, noch nie mit Maulwürfen oder Wühlmäusen zu tun. Vermutlich ist denen der Boden auch zu blöd. Die Traum vom herkömmlichen Gemüsebeet war aber schnell begraben ohne es versucht zu haben, nun werde ich mich mal mit dem Thema Hochbeet befassen.

Wie sieht es bei euch aus, ich glaube, den perfekten Boden gibt es sehr selten oder? Habt ihr Tipps zum Thema „Gemüse im Hochbeet“? 🙂

kwk

Ein (fast) neuer Job

„Sie haben den Job“. Dieser Satz hat mich sehr froh gemacht und vor eine neue Herausforderung gestellt.

Aber am Besten fange ich von vorne an. Nach 36 Jahren Bibliotheksdienst (Fahrbibliothek, Musikbibliothek und Publikumsservice in der Zentralbibliothek) hat mich eine neue Aufgabe gereizt.

Ausgeschrieben war die Stelle Onleihe und Periodika (Zeitschriften). Mit der Onleihe hatte ich schon während der letzten Jahre im Publikumsdienst zu tun.

Die App erklären, den Leser*innen zeigen, wie man den E-Book-Reader bedient, und erläutern, wie man E-Medien herunterladen kann – dieser aktive Teil ist mir bestens bekannt. Mit den Zeitungen und Zeitschriften hatte ich jeden Tag zu tun. Ausleihen, zurück buchen und das ein oder andere Gespräch über den Zustand der Hefte führen („Nein, wir leihen die Zeitschriften nicht mit Rotweinflecken aus!“).

Doch wie sieht es mit der Medienbeschaffung im Online-Verbund aus? Wie werden die Lizenzen verwaltet? Welche Statistikmöglichkeiten gibt es? Wie werden die Kaufentscheidungen getroffen, die ja für 36 Bibliotheken verschiedenster Größenordnung in OWL gelten? Wie werden die ca. 400 Zeitschriften-Abonnements für die Stadtbibliothek und die Stadtteilbibliotheken verwaltet?

Hier habe ich in den letzten Wochen eine Menge dazugelernt (das letzte Mal, als ich in der Bestellabteilung gearbeitet habe, gab es noch Lochkarten!).

Ich freue mich auf meine neue Aufgabe in der OWL-Onleihe und in der Zeitschriftenstelle.

M. Orbke

Der Welttag des Buches

Habt ihr Lust zu feiern? – Wir auch. Aber mit Abstand und virtuell. Heute ist der Welttag des Buches und ich finde, das können wir ruhig mal zelebrieren.

Wie kam es eigentlich dazu, einen „Welttag des Buches“ auszurufen?

Nun, 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum „Welttag des Buches“, dem weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren. Die UN-Organisation für Kultur und Bildung hat sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Ganz nebenbei bemerkt ist der Tag der Geburtstag des isländischen Literaturnobelpreisträgers Halldór Laxness und der (vermutete) Geburts- und Todestag von William Shakespeare sowie der Todestag von Miguel de Cervantes. Wobei- zu dieser Zeit wurde in England noch mit dem julianischen Kalender gerechnet, während in Spanien schon der gregorianische Kalender galt. Somit starb Shakespeare zehn Tage später als Cervantes. Aber egal. 🙂

Außerdem begehen wir heute den Tag des deutschen Bieres. Zwei Events auf einmal, da lohnt sich doch das Feiern, oder? Für alle Statistik-Fans unter euch haben wir noch etwas von „Statista“ für euch:

kwk

Bielefeld-Verschwörung

Mit Verschwörungen kennen wir uns aus in Bielefeld, ist doch eine sehr populäre nach unserer Stadt benannt. Die „Bielefeld-Verschwörung“ ist, wer hätt’s gedacht, sogar schon 26 Jahre alt und offenbar unausrottbar; zumindest die Behauptung „gibt’s doch gar nicht“ kommt garantiert, sobald auch nur das Wort „Bielefeld“ erwähnt wird – als könnte dieser „Witz“ auch nach so vielen Jahren und Wiederholungen noch irgendwie originell sein.

Doch wenn man nachfragt, wissen die wenigsten, wie diese seltsame Geschichte entstanden ist. Dabei ist sie bestens dokumentiert – im Gegensatz zu den allermeisten Verschwörungsmythen. Deren Urheber sind in der Regel nicht bekannt, und – ähnlich wie Gerüchte – entwickeln Verschwörungstheorien schnell eine Art Eigenleben, verschränken sich gerne mit anderen Mythen und Ideologien, nehmen noch ein paar Halbwahrheiten mit, reißen die ein oder andere Tatsache aus dem Zusammenhang – kurz, sie schöpfen aus vielen anonymen Quellen. Das wirkt oft wie ein schlechter Witz. Ist es aber nicht.

Nun, die Bielefeld-Verschwörung war jedenfalls nie etwas anderes: ein Studentenulk, der zu einer Satire auf Verschwörungsmythen jeglicher Art wurde. Ein gutes Beispiel, wie schnell sich so ein Mythos verselbständigen und verbreiten kann, nicht zuletzt durch die modernen Medien.

Über die Bielefeld-Verschwörung gibt es genügend Material, das ist an anderer Stelle bereits aufgedröselt und kann z.B. bei Wikipedia leicht und anschaulich nachgelesen werden. Die Aktion von Stadtmarketing Bielefeld, die wie erwartet ja keinen Beweis für die Nichtexistenz der Stadt am Teutoburger Wald erbrachte – trotz der ausgelobten 1 Million Euro („Die Bielefeldmillion“ ) – hat der „Verschwörung“ nun endgültig den Garaus gemacht. Nur der Dauerwitz bleibt uns wohl trotzdem erhalten. Nun ja.

Einige der „echten“ Verschwörungsideologien sind womöglich ganz ähnlich entstanden. Ich erinnere mich noch gut, welches Aufsehen der durchaus spannende Roman „Das Sakrileg – Der Da Vinci Code“ von Dan Brown ausgelöst hatte: Konnte es sein, dass die dort beschriebene jahrtausendealte Verschwörung der Templer und sonstiger Bruderschaften auf Tatsachen beruhte? Klangen die Deutungen der geheimnisvollen Zeichen in der Erzählung nicht sehr plausibel?
Na klar, Dan Brown weiß natürlich, wie man eine Story in sich, also innerhalb ihrer Romanwirklichkeit, plausibel konstruiert. Aber einem Faktencheck in der realen Welt hielt das nicht stand. Das war für einige begeisterte Leser wohl etwas enttäuschend. Aber der Roman war eben nichts anderes als ein spannender Thriller, ein Pageturner. Und so – nur so! – gefallen mir fantasievolle Verschwörungsmythen. 😉

Stammt die Idee mit den Reptiloiden, die Menschengestalt annehmen können, nicht aus einer SF-Fernsehserie aus den 80ern? Und die Chemtrail-Ängste gehen doch auf einen Witz zurück, der komplett außer Kontrolle geraten ist, oder? Oh bitte!

Für manche passen diese puren Erfindungen und Ideen jedoch scheinbar perfekt als Erklärung für ein Rätsel oder ein Phänomen, ergänzen ein ohnehin schon versponnenes Weltbild oder irgendwelche Ängste – die sich dann, bestärkt durch die für echt gehaltenen Geschichten, sogar ins Wahnhafte steigern können. Die erst einmal seltsam erscheinenden Theoriekonstrukte verwandeln sich im Laufe der Zeit, passen sich an und werden immer vielschichtiger und umfassender. Jeder zupft sich heraus, was in sein Weltbild zu passen scheint. Gegenargumente gelten als Manipulation durch die vermeintlichen Verschwörer und ihre Handlanger – und damit prompt als Beweis für die Richtigkeit des Mythos.

Wichtig scheint auch ein ausgemachtes Feindbild, es muss schon das Böse schlechthin sein. Gerne wird da auf bekannte Stereotype zurückgegriffen. Man selbst gehört natürlich zu den Guten, zu den Wissenden, Erleuchteten, zu den Weltrettern gar. Dagegen gilt jeder, der nicht gläubig ist, als Unwissender, „Schlafschaf“ oder sogar als Teil der Verschwörung und somit als Feind.

Und was, wenn sich mehr und mehr Anhänger finden, die in einigen Fällen gar fanatisch werden? Neu ist dieses Phänomen nicht. Aber die digitale Vernetzung bestärkt zusätzlich – und macht aus kruden Ideen und Lügen eine global vernetzte Bewegung. So mancher findet aus seiner ideologisierten Filterblase nicht mehr heraus.

Offenbar lässt sich mit den Verschwörungsgläubigen ja auch viel Geld machen: Spenden, Bücher zum Thema, Wundermittel, Goldhandel u.v.m. Oder man nutzt die leichtgläubigen Anhänger gleich zur Verwirklichung eigener Machtphantasien oder gar Umsturzpläne aus. Während die einen noch handgemalte Protestplakate schwenken und Polonaise tanzen, stürmt in ihrem Schatten ein radikalisierter Mob die Parlamentsgebäude.

Das ist kein folkloristischer Spaß, auch wenn sie noch so seltsam kostümiert sein mögen! Sie tragen Galgen vor sich her, an denen sie Andersdenkende gelyncht sehen wollen, sie sind bewaffnet und auf einen Tag X fixiert – den Umsturz, die Machtübernahme, das Ende der Demokratie, die Apokalypse, what ever. Sie bedrängen gewählte Volksvertreter, bedrohen Journalistinnen und Wissenschaftler und überhaupt alle Andersdenkenden. Dabei nutzen sie geschickt demokratische Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit aus (die sie Andersdenkenden allerdings nicht zugestehen), tragen gar das Grundgesetz demonstrativ vor sich her, aber gleichzeitig eben auch Reichskriegsflaggen, Galgen, u. ä.  In Washington waren es sogar Waffen, Bomben, Kabelbinder zur Festsetzung von Geiseln. Bilder wie aus einem Alptraum.

Es ist mehr als verstörend, wenn Menschen im Namen der Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Freiheit, der Nächstenliebe, der Grundrechte, des Wohles der Kinder oder der ganzen Menschheit, im Namen eines gütigen und liebenden Gottes oder der Liebe zur Natur oder sonstiger hehrer Ziele aufmarschieren und dann doch nur Hass und Gewalt zeigen. Dass aus Gläubigen Fanatiker und sogar Terroristen werden können, ist schockierend, egal ob eine Religion oder Sekte, eine Ideologie oder irgendein verworrener Mythos der Auslöser ist.

Einige laufen auch einfach „nur“ gedankenlos mit den Hass- und Gewaltmenschen mit. Was für eine unselige Melange aus Impfgegnern, Esoterikern, irgendwie Unzufriedenen, Mythengläubigen und geschickt in diesem Fahrwasser lavierenden Demokratiefeinden hat sich da gebildet.

Ja, ich weiß, jetzt habe ich mich etwas weit von der doch harmlosen „Bielefeld-Verschwörung“ entfernt. Aber diese Bilder und Sprüche voller Gewaltbereitschaft und Hass in den letzten Wochen und Monaten schockieren mich. Wie einfach ist es doch für Radikale und Ideologen, die Leichtgläubigen und Faktenresistenten zu unterwandern.

Dass Menschen nicht wahr haben wollen, was nicht in ihre Weltanschauung passt, ist, wie gesagt,  nicht neu. Wir sind alle mehr oder weniger verführ- und manipulierbar. Egal wie gebildet und kultiviert wir uns wähnen, niemand gibt gerne zu, dass er/sie sich verrannt hat. Doch Scheuklappen auf und einfach an „alternative Wahrheiten“ glauben wollen? Und dann auch noch erkennbaren Demagogen und Demokratiefeinden eine Bühne geben und mit ihnen mitlaufen?

Aus Worten werden Taten – leider mussten wir das schon allzu oft erleben. Diese UnHeiligen Kriege, Hasspredigten, „Revolutionen“ und Hexenjagden kennen und fürchten wir schon seit Tausenden von Jahren. Ich dachte wirklich, unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert und in 70 Jahren Demokratie wäre stärker und aufgeklärter. Doch der kulturelle Firnis ist leider nur erschreckend dünn.

1 Million Euro, um dieses Verschwörungsgelaber bitte endlich zu beenden!

Ach, wenn’s doch nur so einfach wäre!

HilDa

Literaturtipps und im Text erwähnte Bücher:
  • Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit : wahr, falsch, plausibel? : die größten Streitfragen wissenschaftlich geprüft / Mai Thi Nguyen-Kim ; mit Illustrationen von Ivonne Schulze. Doemer-Verlag, 2021.
    Die Wissenschaftsjournalistin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim untersucht brennende Streitfragen unserer Gesellschaft; mit Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen kontert sie Halbwahrheiten, Fakes und Verschwörungsmythen – und zeigt, wo wir uns mangels Beweisen noch zurecht munter streiten dürfen.
  • Einspruch! : Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online / von Ingrid Brodnig ; Illustrationen Marie-Pascale Gafinen. Brandstätter-Verlag, 2021.
    Die österreichische Autorin und Publizistin Ingrid Brodnig ist Expertin für Lügengeschichten, Mobbing und Hass in unserer zunehmend digitalen Welt.
  • Verschwörungsmythen – woher sie kommen, was sie anrichten, wie wir ihnen begegnen können / von Michael Blume. Patmos-Verlag, 2020.
    Michael Blume ( Religionswissenschaftler, Beauftragter der Landesregierung Baden-Württemberg gegen Antisemitismus) analysiert die kulturgeschichtlichen und psychologischen Hintergründe, warum es solche Mythen gibt und wie sie »funktionieren«. Er gibt Rat, was man Verschwörungsgläubigen antworten kann. (aus dem Klappentext)
  • Fake Facts: wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen / von Katharina Nocun und Pia Lamberty. Quadriga-Verlag, 2020.
    Verschwörungstheorien verbreiten sich nicht nur im Netz wie Lauffeuer und sind schon lange kein Randphänomen mehr. Katharina Nocun (Publizistin, Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin, Politikerin) und Pia Lamberty (Sozialpsychologin, die zu Verschwörungsideologien forscht) beschreiben, wie sich Menschen aus der Mitte der Gesellschaft durch Verschwörungstheorien radikalisieren und die Demokratie als Ganzes ablehnen. Welche Rolle spielen neue Medien in diesem Prozess? Wie schnell wird jeder von uns zu einem Verschwörungstheoretiker? Und wie können wir verdrehte Fakten aufdecken und uns vor Meinungsmache schützen? (aus dem Klappentext)
  • Fake News und Verschwörungstheorien: Wie man Gerüchten nicht auf den Leim geht / Text Gérald Bronner ; Zeichnungen & Colorierung Krassinsky ; aus dem Französischen von Edmund Jacoby. – Verlagshaus Jacoby & Stuart, 2019.
    Der kurzweilige Comic erklärt, wie Fake News und Verschwörungstheorien funktionieren, warum wir so leicht auf sie hereinfallen und wie wir Informationen auf ihren Realitätsgehalt hin checken können. (aus dem Klappentext)
  • »Nichts ist, wie es scheint« : über Verschwörungstheorien / von Michael Butter. Suhrkamp-Verlag, 2018.
    Was macht eine Erklärung zu einer Verschwörungstheorie? Warum sind sie für viele so attraktiv? Und was kann man dagegen unternehmen? Michael Butter erläutert, wie solche Erzählungen funktionieren, wo sie herkommen und welche Auswirkungen sie haben können. (aus dem Klappentext)
    Michael Butter ist Professor für amerikanische Literatur und Kulturgeschichte an der Universität Tübingen. Er leitet außerdem ein EU-Forschungsprojekt zur Analyse von Verschwörungstheorien.
  • Bullshit-Resistenz / von Philipp Hübl. Nicolai Publishing & Intelligence, 2018.
    Essay des Philosophen und Publizisten Philipp Hübl über die Plicht zum kritischen Denken, um Wahrheit von Unwahrheiten zu unterscheiden und so den allgegenwärtigen Verschwörungstheorien und Fake News etwas entgegenzusetzen.

Zur Bielefeld-Verschwörung gibt es Romane und Comics:

Über Dan Browns Roman „Das Sakrileg – The Da Vinci Code“:

    • den Roman in verschiedenen Ausgaben findet Ihr hier
    • Sakrileg entschlüsselt : Dan Browns Bestseller von A bis Z / von Simon Cox. Heyne-Verlag.
    • Das Da-Vinci-Geheimnis : Wahrheit und Mythos in Dan Browns Sakrileg / von Sangeet Duchane. White-Star-Verlag.

(Auswahl: HilDa)

Mal dein Bookface!

– eine Social-Media-Aktion für Groß und Klein in den Osterferien –

Du malst gerne? Dann ist diese Aktion genau richtig für dich. Such dir ein Buch aus, dessen Cover dir gefällt und leg es auf ein größeres Blatt Papier. Jetzt kannst du das Coverbild malerisch erweitern. Dabei kannst du deiner Fantasie freien Lauf lassen. Wenn du mit deinem Kunstwerk fertig bist, fotografiere es und sende es uns bis zum 11.04.2021 als Direktnachricht oder per Mail an:

stadtbibliothek.socialmedia@bielefeld.de

Bitte nenne uns dabei deinen Vornamen und (falls vorhanden) deinen Profilnamen auf Instagram oder Facebook. Wir werden es für dich in der Bookface-Reihe in unseren Social-Media-Kanälen veröffentlichen.

Sei mutig, denn in der Kunst ist alles möglich und perfekt. Es soll dir Spaß machen! Also, ran an deinen Malkasten oder Buntstifte und viel Freude dabei!

Hier ein paar Beispiele zur Inspiration, natürlich funktioniert das auch mit Büchern für Jugendliche und Erwachsene:

 

Bücher auf Reisen!

Uns erreichte die tolle Nachricht, dass einige unserer makulierten Bücher eine neue Heimat gefunden haben. Lest selbst:

Letzten Sommer hatten wir (Maria Behrens und Laura Relitzki) vom Förderverein der Musikschule Ouagadougou A.M.E.M. e.V. das Glück, bei Ihnen im Archiv der Stadtbibliothek nach geeigneten Kinderbüchern für die Schulbibliothek unserer Musikschule Ouagadougou stöbern zu dürfen.

Im September haben sich diese Bücher dann von Hamburg über Lomé (Togo) auf dem Weg zu uns gemacht und sind letzte Woche bei uns in Ouagadougou angekommen. So haben Ihre Bücherspenden endlich bei uns in der Musikschule ihren Platz gefunden.

Ohne Menschen wie Sie wäre der Aufbau unserer Musikschul-Bibliothek nur schwer möglich, da kaum Bücher in Burkina Faso gedruckt werden und gute Bücher nur schwer zu bekommen sind. Somit sind wir auf Bücherspenden aus Deutschland / Frankreich angewiesen.

Es freut uns sehr, dass Sie sich dazu entschieden haben, Ihren Büchern ein neues Leben an einem Ort zu schenken, der sich so von seiner ursprünglichen Herkunft unterscheidet.

 

Einem Ort, an dem die Sonne so schnell auf und wieder untergeht, als hätte jemand blitzartig ihren Lichtschalter betätigt.

Einem Ort, an dem Gastfreundlichkeit regiert und die Menschen so offen und hilfsbereit sind, dass es einem beizeiten die Sprache verschlägt.

Einem Ort, an dem eine mittlerweile nicht mehr ganz so kleine Musikschule jeden Tag von hellem Kinderlachen gefüllt wird, das sich nun auch in den Seiten Ihrer Kinderbücher verfängt.

Auf dem Bild sehen Sie Faustin, Elie, Ima und Elisée (v.l.n.r.), 4 unserer treuen Schüler*innen, mit denen ich am Wochenende die Pakete zusammen ausgepackt und die Bücherei eingeräumt habe.

 

 

 

 

 

 

 

Jedes Ihrer Bücher wurde mit einem Aufkleber versehen, auf dem der Name der Stadtbibliothek Bielefeld als Unterstützer steht, sodass die Kinder immer an die Spende der Stadtbücherei erinnert werden.

Herzliche Grüße aus der Hauptstadt Burkina Fasos und erneut ein riesiges Dankeschön an Sie!

Maria Behrens

Systemrelevant? Echt jetzt?

Zu Beginn des letzten Jahres sah es für kurze Zeit so aus, als würde mit dem Begriff „systemrelevant“ endlich das Augenmerk auch mal auf die Menschen gelenkt, die mit ihrer Arbeit so viel für unser Gemeinwohl und das Funktionieren unseres Alltags tun – oft nur gering entlohnt oder gar unbezahlt. Aber längst wird der Begriff inflationär gebraucht und nahezu jeder beansprucht diese Zuschreibung für sich, seine Berufsgruppe oder seinen gesellschaftlichen Beitrag. Und bei der Frage, wer oder was ist denn nun relevanter, scheiden sich erst recht die Geister.

Sollten wir da nicht einmal fragen: relevant okay, aber in welchem System? In welchem Zusammenhang?

Ich erinnere mich an eine Übung bei einem Seminar vor etlichen Jahren. Wir sollten uns einen Astronauten vorstellen, der mit seinem Raumschiff auf einem fremden Planeten notlanden musste. Hilfe kann erst in einigen Wochen kommen. Es gibt da aber eine verlassene, noch funktionierende Versorgungsstation mit allem, was er für die nächsten Wochen benötigt – nur leider drei Tagesmärsche entfernt. Er muss jetzt aus seinem defekten Raumschiff die wichtigsten Sachen mitnehmen, die sein Überleben bei diesem Marsch ermöglichen. Unsere Aufgabe: Wir sollten eine Liste erstellen, 40 Dinge waren vorgegeben, die mussten nach der Relevanz sortiert und von 1 – 40 durchnummeriert werden.

In unserem Team brach schon gleich über die Position 1 Streit aus. Trinkwasser sei eindeutig das Wichtigste überhaupt, so lernt man es z. B. bei der Bundeswehr; ja selbst mit normalem Schulwissen ist doch klar: Ohne Wasser überlebt man keine drei Tage, bei körperlicher Anstrengung sogar deutlich weniger. Dagegen wirkten die sperrigen Sauerstoffflaschen erst einmal überflüssig, damit sollte der Astronaut lieber nicht belastet werden, schließlich waren sie fast das Schwerste auf unserer Liste.

Wie lange überlebt man noch mal ohne Sauerstoff?

Nirgendwo in der Testbeschreibung stand, dass es auf diesem Planeten atembare Luft gäbe. Allerdings stand da auch ebenso wenig das Gegenteil. Mit unserer normalen Raumschiff-Enterprise-Erfahrung gingen einige also zunächst einmal von letzterem aus. Luft ist doch normal!

Outdoor-Wasserflaschen

Aber Moment mal: Notlandung, fremder Planet! Ist nicht die Erde mit ihrer Sauerstoff-Stickstoff-Atmosphäre ganz einmalig? Zumindest ist bisher kein anderer auch nur annähernd ähnlicher Himmelskörper bekannt. Außer natürlich bei Raumschiff Enterprise und Co. Das brachte aber die Trinkwasser-Fraktion nicht ins Wanken. Da stehe nicht ausdrücklich „toxische Atmosphäre“, also könnten wir getrost davon ausgehen, dass dieser fremde Planet erdähnlich sei.

Nur wenn wir uns irrten, wäre unser Astronaut schon nach Sekunden bewusstlos und in drei Minuten tot. Tja, aber zumindest mit ausreichend Wasser für die nächsten Tage auf dem Rücken.

Den Ausschlag in unserer Diskussion gab dann, dass ich von einem ähnlichen Test schon mal gelesen hatte, ich konnte mich an die ersten beiden Positionen noch sehr gut erinnern: Sauerstoffflaschen! Und dann Trinkwasser. So kam in unserem Team dann doch eine Mehrheit für diese Reihenfolge zusammen, allerdings nur erstaunlich knapp und immer noch unter Protest einiger lautstarker Mitglieder; es war durchaus schwer, sich gegen sie durchzusetzen. Mein Wissen wurde angezweifelt: Ähnlicher Test, aber nicht exakt der gleiche; und an die anderen Positionen konnte ich mich ja nicht mal erinnern, da stimmte wohl etwas mit meinem Gedächtnis nicht; auch fehlten die Beweise, denn blöderweise hatte ich den zufällig in der Bibliothek gelesenen Zeitschriftenartikel ja nicht dabei.

Selbst als dann am Ende das offizielle Ergebnis unser Ranking mit Sauerstoff auf Platz Eins bestätigte, wurde gemurrt: unfaires Szenario, die Informationen waren unvollständig, die Aufgabe nur mit Insiderwissen zu lösen; man selbst hatte aber doch anderes gelernt und was bisher immer richtig war, könne doch jetzt nicht plötzlich falsch sein. Und überhaupt, ohne Trinkwasser wäre der blöde Astronaut dann eben später gestorben. Die Seminarleiter mussten die Diskussion, die auch nach der Bekanntgabe des Ergebnisses noch heftig weiterging, endlich abbrechen. Im Leben sei das eben manchmal so, dass man Entscheidungen treffen müsse, ohne vollständige Informationen zu haben. Und ja, das Leben ist unfair.
Ach.

Manchmal trifft man falsche Entscheidungen und hat mit dem derzeitigen Kenntnisstand sogar gute Gründe dafür. In unserem Fall hätte das zwar tödliche Folgen für den von uns betreuten Astronauten gehabt – zum Glück für ihn war er ja nur fiktiv.

Wenn sich plötzlich die Verhältnisse ändern, können die bisherigen Erfahrungen und Intuitionen in die Irre führen. Die Gefahr für eine Fehlentscheidung ist größer, wenn nur ein Einzelner entscheidet. Besser ist ein Team, das unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen einbringt, sich bespricht und abstimmt. Wichtig ist dabei die Kommunikation innerhalb des Teams, der Respekt vor dem Wissen anderer, das Zuhören und Abwägen miteinander.

Die Diskussion muss aber auch irgendwann zu einem Ergebnis führen, vor allem, wenn die Zeit drängt. Die Verantwortung für die Konsequenzen tragen alle gemeinsam. Weder ein besserwisserisches „Ich hab‘s ja gleich gesagt“ noch ein kleinlautes „Hätten wir doch …“ könnte das Leben des Astronauten im Nachhinein wieder zurückholen. Aber aus Angst vor einer Fehlentscheidung lieber gar nichts machen, hilft eben auch nicht.
Tja, nachher weiß es dann natürlich jeder besser.

Bei unserem Seminar ging es gar nicht um die eine perfekte Lösung. Die Seminarleiterinnen wollten nur unsere Art der Entscheidungsfindung beobachten. Mir ist in Erinnerung geblieben, wie schwer es ist, sich gegen vermeintlich sicheres Wissen durchzusetzen, zumal wenn dieses vehement und lautstark vertreten wird.

Übrigens gab es einige Positionen in dem Übungsergebnis, die ich auch fragwürdig fand. Warum stand das Familienfoto, das für den Astronauten sicherlich eine stark motivierende Bedeutung haben konnte, ganz weit hinten im Ranking, obwohl es doch kaum Platz oder Gewicht beanspruchte? Solche Herzens-Gegenstände können eine ganz eigene Relevanz entwickeln, die selbst der Astronaut nicht vorhergesagt hätte; aber er hätte spontan sicher anders entschieden als die Wissenschaftler und Ingenieurinnen im Controlcenter auf der Erde.

Und dann waren da noch einige Gegenstände auf der Liste, die völlig unsinnig für seinen gefährlichen Marsch erschienen – aber aus diesen Einzelteilen ließ sich mit etwas Geschick und Können ein Handkarren oder Schlitten bauen, der es wiederum erlaubte, noch mehr überlebenswichtige Gegenstände mitzunehmen. Muss man nur erst einmal drauf kommen: Um-die-Ecke-Denken, Improvisation und Kreativität sind für einen Lösungsansatz womöglich genauso wichtig wie Wissen.

In den letzten Monaten musste ich oft an diesen einsamen Astronauten und unsere Entscheidungen für ihn denken. Wenn uns unsere bisherigen Erfahrungen kaum weiterhelfen? Wenn wir sogar darüber streiten, was denn nun das Lebensnotwendigste in einer Krisensituation ist? Wie soll dann noch geklärt werden, was für jeden persönlich gerade besonders wichtig ist, z. B. weil er Ermutigung und Trost braucht.

Bei Mark Watney in „Der Marsianer“ waren es ja auch nicht nur die Vorräte und die selbst angebauten Kartoffeln, die ihn über Monate am Leben hielten. Die einzige Musik, die ihm zur Verfügung stand, war so gar nicht nach seinem Geschmack, aber sie beflügelte und ermutigte ihn trotzdem in seiner monatelangen Einsamkeit, und letztlich half auch sie ihm, das fast Unmögliche zu schaffen und allein auf dem Mars zu überleben. (Film und Buch wirken fast, als wären sie aus „unserem“ Test-Szenario entstanden 😉 .) Den empfehlenswerten SF-Roman hatten wir übrigens schon mal im Blog vorgestellt.

Die eine perfekte Lösung kann es gar nicht geben. Es ist schon schwer genug, für das Wohl eines Astronauten, äh, einer Person zu entscheiden. Für viele Personen oder gar für eine ganze Gesellschaft kann eine Festlegung, egal wie und von wem sie getroffen wird, einfach nicht tadellos gelingen. Wir könnten ewig diskutieren und streiten, wir könnten noch so viel Fach- und Expertenwissen einfordern – aber auch das hätte Konsequenzen, wenn darüber die Zeit davonläuft. Und je komplexer die Zusammenhänge, die dabei bedacht werden müssen, desto unmöglicher ist es, allem und jedem gerecht zu werden. Binsenweisheit.

Noch einmal zurück zum Anfang und dem Fragezeichen in der Überschrift. Der Begriff der Systemrelevanz funktioniert höchstens, wenn der Rahmen, innerhalb dessen er wirken soll, klar definiert ist. So ohne Zusammenhang dahin geworfen, halte ich ihn schlicht für ein aufgeblasenes Modewort. (Dass der Begriff ursprünglich nur im Zusammenhang von Bankenkrisen und Insolvenzen von Großunternehmen gebraucht wurde, macht ihn mir auch nicht sympathischer; siehe hier).

Unsere komplexe arbeitsteilige Gesellschaft funktioniert tatsächlich nur, wenn viele Dienste und Arbeiten ineinandergreifen, da ist viel mehr relevant, als wir bisher in unserem Alltag wahrgenommen haben. Wenn uns der Lockdown dafür die Augen geöffnet hätte, wäre das ja schon ein Gewinn.

Natürlich habe ich diesen überlangen Artikel nicht geschrieben, um jetzt ausgerechnet meine Profession und Öffentliche Bibliotheken allgemein für absolut systemrelevant zu erklären oder um das Lesen als „so wichtig wie die Luft zum Atmen“ zu bewerten. Das wäre doch wohl vermessen! Für den langen Marsch über die lebensfeindliche Planetenoberfläche hätte ich auf mein Lieblingsbuch verzichtet und lieber eine zusätzliche Sauerstoffflasche geschleppt!

Aber für die lange Einsamkeit in der Raumstation hätte ich dann doch gerne den Zugriff auf eine umfangreiche Datenbank voller Wissen und Ideen, auf Literatur, Musik, Filme, Theater- und Opernaufzeichnungen, Konzerte …

Und dass ich damals für unser Astronauten-Szenario den entscheidenden Hinweis einbringen konnte, weil ich zufällig in einer Zeitschrift aus unserer Bibliothek davon gelesen hatte, habe ich doch auch irgendwie geschickt mit einfließen lassen, oder?  🙂

Ebenso wie die auf den Fotos eingeschmuggelten Buchtipps unseres kleinen Astronauten, die ja eigentlich gar nichts mit dem Thema zu tun haben; aber man weiß ja nie, wann sie in irgendeinem Zusammenhang mal relevant werden könnten 😉 :

Ach, habt einfach viel Freude beim Lesen.

HilDa

 

 

 

 

Mitten aus dem Leben

Euch wird wahrscheinlich aufgefallen sein, dass wir in der letzten Zeit viele Buchtipps und nicht so ganz viel aus dem Leben getippt haben. Reisen fällt zur Zeit flach. Aber für Buchtipps und Rezepte sind wir immer zu haben, auch wenn es vielleicht für euch langweilig wirkt. 😉

Wie dem auch sei, irgendwie fallen mir wenn das Kind Mittagsschlaf hält, oft viele Dinge ein, zu denen ich etwas schreiben könnte. Bei genauerem Nachdenken entpuppt sich das Ganze dann aber doch zu kurz für einen füllenden Beitrag. Kennt ihr das?

Zum Beispiel dieses hier:

Jeder hat sie und jeder hasst sie- eine Schublade voller Kabel. Oder einen Korb. So auch bei uns zuhause. Zu unserem Haushalt gehören zwei Handys, ein eBook-Reader, ein Tablet, ein Babyphone…und so weiter. Aber das sind die wesentlichen, deren Kabelage sich in besagter Schublade tummelt. Als das Babyphone regelmäßig zum Einsatz kam (und wir somit ein Kabel mehr besaßen), ist uns einiges aufgefallen: Unsere Handys sind von der selben Marke. Nicht die neusten Exemplare. Meins ist eine Stufe schwächer als das von meinem Mann. Wir freuten uns, konnten wir doch ein und das selbe Ladekabel nehmen. Mich wunderte nach einiger Zeit, dass mein Handy und der Adapter immer so heiß wurden. Mein Mann fragte „hast du nicht auch einen Super Quick Charge-Adapter?“ Nö, hatte ich nicht. Meiner war nur ein „Quick“- Lader. Ok. Mein Adapter wiederum passt aber an das Kabel für das Babyphone. Mit dessen Kabel können wir übrigens auch unser Tablet laden. Und welches Kabel der Reader braucht weiß ich gerade ehrlich gesagt gar nicht, weil der so eine tolle Akkuleistung hat, dass man ihn nur einmal im Halbjahr aufladen muss. Nun ja, irgendeines wird schon passen. 🙂

Was ging mir denn noch so durch den Kopf…achja, Kindersicherungen im Haushalt. Schön, dass es so etwas gibt, wirklich. Es macht mir nicht aus, wenn der Sohnemann seinen Duplo-Anhänger mit Oregano-Gewürz belädt (nicht die ganze Dose, den ausgekippten Inhalt natürlich!) und es in der Küche riecht wie beim Italiener. Aber wenn die Kindersicherung auch Mama-sicher ist, wird es kritisch. 😉 Da wir die TV-Bank nicht mit einer angeklebten Sicherung verschönern wollten, besorgten wir eine „unsichtbare“- ein Magnet wird innen an der Schublade befestigt und mit einem anderen Magneten, den man von außen an die Schublade hält, wird das ganze entriegelt. Der „Entriegelungs-Magnet“ wird an einer sicheren Stelle aufbewahrt. So sicher, dass ich letztens nicht an die überlebensnotwendigen Teelichter kam, mit denen ich mir die knapp bemessene Mama-Freizeit verschönern wollte. Gut, dann eben ohne Teelichter. Später, während der Papa-Freizeit, hörte ich ein Klagen das Mann nicht an den überlebensnotwendigen Controller für die Playstation kam. Selbe Schublade und gleiches Recht für alle würde ich sagen. 🙂 Spätabends fanden wir den Magnetschlüssel dann wieder. Er lag, wo er lag. nur etwas weiter hinten als gewöhnlich und sein weiß harmoniert prächtig mit dem weiß der Möbel. Manches ist eben auch „Eltern-sicher“.

kwk

 

Erdbeer-Käsekuchen

Auf Suche nach Inspiration bin ich beim Durchblättern der „Backbibel“ auf ein Käsekuchenrezept gestoßen, das ich sogleich ausprobiert habe und aufgrund der Köstlichkeit heute mit euch teilen möchte.

Zutaten für den Keksboden:
200 g Butter
350 g Butterkekse

Zutaten für den Belag:
8 Eier
175 g Zucker
1 Vanilleschote
500 g  Mascarpone
1 kg Magerquark
1 Esslöffel Zitronensaft
100 g Speisestärke
500 g Erdbeeren (oder auch andere Beeren)

Die Zubereitung:
Zuerst wird der Keksboden gefertigt. Dazu die Butter in einem kleinen Topf zerlassen. Anschließend die Kekse in eine große Schüssel geben und zum Beispiel mit einem Stampfer zerkleinern, bis sie schön krümelig sind. Die Kekskrümel mit der Butter übergießen und vermengen. Die Masse wird dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes tiefes Backblech gegeben und gleichmäßig verteilt und angedrückt.

Für den Belag müssen nun die Eier getrennt werden. Die Eiweiße werden mit 100 g Zucker steif geschlagen. Der restliche Zucker und die Eigelb mit einer Küchenmaschine oder dem Handrührer cremig schlagen. Anschließend Vanille, Mascarpone, Quark, Zitronensaft und Stärke zur Eigelbcreme geben und alles unterrühren. Danach vorsichtig den Eischnee unterheben.

Auf dem Keksteig wird nun die Hälfte der Creme, zum Beispiel mit einem Teigschaber, verteilt. Es folgt die Hälfte der Erdbeeren. Wenn nicht Januar ist, können dazu auch frische Erdbeeren verwendet werden, bei mir sind es die tiefgefrorenen geworden. Und der Kuchen schmeckt mit allen anderen Beeren bestimmt genauso gut. Dann die restliche Creme und darauf die übrigen Erdbeeren verteilen. Nun darf der Kuchen etwa 45 Minuten bei 160 Grad im Ofen backen. Den Kuchen herausnehmen, abkühlen lassen und anschließend genießen!

Wenn euch ein ganzes Backblech zu viel ist, können die Zutaten auch einfach halbiert werden und man steckt mittels eines Backrahmens eine kleinere Fläche auf dem Backblech ab.

lga