Vulkanausbruch 1815

Als 1815 der Tambora in Indonesien ausbrach, hatte das weltweit katastrophale Folgen. Doch erst in den letzten Jahren hat die Wissenschaft diese Zusammenhänge erkannt. Heute erscheinen die Ereignisse wie ein Menetekel auf die großen Themen unserer Zeit: globale Auswirkungen auf das Weltklima, ungewöhnlich viele Wetterextreme und Naturkatastrophen, Migrationsbewegungen, Epidemien, sogar eine Pandemie, Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Wirtschaftskrisen, Kriege … . Kommt da was bekannt vor?

  • Für einige Jahre nach dem gewaltigen Vulkanausbruch am Äquator geriet überall auf der Welt das Klima durcheinander; das führte in vielen Regionen zu Extremwetterlagen wie Starkregen, Hagel, Überflutungen, anderswo zu Dürren oder zu Kälteeinbrüchen, ja, sogar Schnee im Sommer, das berüchtigte „Jahr ohne Sommer“ .
  • Eine besonders schwere Cholera-Epidemie breitete sich entlang der Handels- und Migrationswege über mehrere Kontinente aus und wurde zur Pandemie. In einigen Ländern gab es auch Typhus- und Pest-Epidemien.
  • Missernten, Hungersnöte, Seuchen führten zu Revolten, Kriegen und neuen Auswanderungswellen.
  • Aber es gab auch bemerkenswerte wissenschaftliche und technische Innovationen, die wahrscheinlich durch die Not inspiriert waren, z. B. die systematische Wetterbeobachtung und Auswertung der Wetterdaten oder die Schaffung von Abwasserkanalsystemen in den Metropolen Europas (Vorbild war London, wo der Mediziner John Snow einen Zusammenhang zwischen der Cholera-Epidemie und der Vermischung von Trink- mit Abwasser nachweisen konnte).

Der (wahrscheinlich) größte Vulkanausbruch in geschichtlicher Zeit bewirkte, dass die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur kurzzeitig um etwa 0,4 bis 0,8 Grad Celsius sank. Das erscheint doch gar nicht viel, und das Klima erholte sich immerhin schon nach wenigen Jahren. Trotzdem waren die Auswirkungen so einschneidend.

Sachbücher "Vulkanwinter 1816 : die Welt im Schatten des Tambora" von Gillen D'Arcy Wood und "Tambora und das Jahr ohne Sommer: wie ein Vulkan die Welt in die Krise stürzte" von Wolfgang Behringer

Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehle ich das informative Sachbuch „Vulkanwinter 1816 : die Welt im Schatten des Tambora“ von Gillen D’Arcy Wood. Es ist allgemeinverständlich geschrieben; wirklich spannend werden die teils überraschenden Zusammenhänge für Ökologie, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur geschildert und die sensible Abhängigkeit der menschlichen Zivilisationen von stabilen Klimaverhältnissen aufgezeigt. Die globalen und auch langfristigen Folgen der immerhin recht kurzen Klimakrise um 1816 erschrecken – nicht zuletzt angesichts der globalen Klimaerwärmung in unserer Zeit.

Auch der Historiker Wolfgang Behringer stellt in seinem Buch „Tambora und das Jahr ohne Sommer: wie ein Vulkan die Welt in die Krise stürzte“ anschaulich und fundiert dar, wie die durch den Vulkanausbruch bewirkte Klimakatastrophe weltweit politische und soziale Krisen auslöste.

Ein interessanter Radiobeitrag des BR von Dagmar Röhrlich „Der Ausbruch des Tambora – der Vulkan, der den Winter brachte“ erzählt kurz zusammengefasst vom Ausbruch und seinen Folgen: die Katastrophe für die Menschen rund um den Tambora, die weltweiten Folgen und die Frage, was ein ähnlicher Ausbruch heute bedeuten würde. (Audio ca. 22 Min.)

Roman "Mary Shelleys Zimmer: als 1816 ein Vulkan die Welt verdunkelte" Von Timo Feldhaus. Das Buch steht auf einem Regal, im Hintergrund ist an einer Wand der Schriftzug "AUSLEIHEN" zu lesen und hinter einer Glasscheibe, in der sich Lichter spiegeln, sitzen Menschen.

Auch einige kulturelle Höhepunkte werden letztlich dem Tambora-Ausbruch zugeschrieben:

  • Eine Gruppe von jungen Schriftsteller*innen saß wegen des schlechten Wetters in der Schweiz fest und vertrieb sich die Zeit u.a. mit Schauergeschichten. Lord Byron schrieb Gedichte, sein Leibarzt, der Schriftsteller John W. Polidori verfasste die erste Vampir-Geschichte der Weltliteratur „The Vampyre“ und Mary Shelley (geb. Godwin) erfand mit „Frankenstein“ gleich ein neues Genre: Science Fiction. (Markus Hofmann schrieb dazu in der NZZ „Wie die Explosion des Tambora die Weltliteratur beflügelt“ .) Eine Biografie über Mary Shelley findet Ihr hier.
  • Die Landschaftsbilder z. B. von William Turner und Caspar David Friedrich sind geprägt von den außergewöhnlichen Sonnenuntergängen und der diesigen Atmosphäre jener Jahre, wie wir heute wissen eine Folge des Vulkanstaubs und der Aerosole, die sich nach dem riesigen Vulkanausbruch rund um den Erdball verteilt hatten und erstaunlich lange in höheren Atmosphärenschichten blieben.

Der 2022 erschienene Roman „Mary Shelleys Zimmer“ von Timo Feldhaus hat gerade diesen ungewöhnlichen Einfluss auf die europäische Kultur zum Thema und erzählt die unkonventionelle Liebesgeschichte der Mary Godwin zu dem Dichter Percy Bysshe Shelley.

Der Leiter des Stadtarchivs Dr. Jochen Rath erzählt in einem zitat- und quellenreichen Blog-Artikel über die konkreten Auswirkungen in Ostwestfalen und die Not in Bielefeld: „August 1816: Achtzehnhundertunderfroren – Das Jahr ohne Sommer im Kreis Bielefeld“.


Bildband "Vulkane" von Olivier Grunewald und Jacques-Marie Bardintzeff und Sachbuch "Das Jahr ohne Sommer: die großen Vulkanausbrüche der Menschheitsgeschichte und ihre Folgen" von Jelle Zeilinga de Boer und Donald Theodore Sanders

Wenn Ihr mehr über Vulkane allgemein erfahren wollt, hier eine Empfehlungsliste zu Kindersachbüchern, populär-wissenschaftlichen Erklärungen, Bildbänden und einem wissenschaftlichen Standardwerk:

  • Kindersachbücher über Vulkane findet Ihr in der Kinderbibliothek am Neumarkt in der Gruppe „Erde“, in den Stadtteilbibliotheken im Regal „Natur“ oder „Erdkunde“. Eine Liste aus unserem Katalog mit Büchern und CDs haben wir für Euch hier.
  • Das Sachbuch von Jelle Zeilinga de Boer und Donald Theodore Sanders „Das Jahr ohne Sommer : die grossen Vulkanausbrüche der Menschheitsgeschichte und ihre Folgen“ hat auch ein Kapitel über den Tambora-Ausbruch; es beginnt mit dem bronzezeitlichen Ausbruch des Thera (auf der Insel, die heute Santorin heißt) und dem recht gut dokumentierten Vesuvausbruch im Jahre 79, weitere Themen sind z. B. die gewaltige Explosion des Krakatau 1883, der Vulkanismus auf Island und den Hawaii-Inseln und der Ausbruch des Mount St. Helens 1980, dessen Stärke und Zerstörungskraft selbst die Geologen vor Ort überrascht hat.
  • Der Bildband „Vulkane“ von Olivier Grunewald und Jacques-Marie Bardintzeff zeigt großformatige, spektakuläre Fotos von Vulkanen, heißen Quellen, Geysiren und den von ihnen geprägten Landschaften.
  • Kompaktes Wissen über „Erdbeben und Vulkane“ findet Ihr in dem gleichnamigen Buch von Rolf Schick.
  • Noch immer das deutschsprachige Standardwerk ist die ausführliche Einführung „Vulkanismus“ des renommierten Vulkanologen Hans-Ulrich Schmincke: mit vielen Fotos und erklärenden Grafiken.
Sachbücher "Vulkanismus" von Hans-Ulrich Schmincke und "Erdbeben und Vulkane" von Rolf Schick

Viel Freude beim Stöbern und Lesen.
HilDa

Wohn(t)räume. Der Hauswirtschaftsraum

Nutzt ihr Instagram? Ich bin zwar angemeldet, aber schaue nur ab und zu mal rein. Letztes Jahr hatte ich mich sogar ganz abgemeldet, weil mich diese ganzen perfekten Bilder von perfekt aufgeräumten Häusern nur noch genervt haben. Deshalb einmal die Reißleine gezogen. Mittlerweile bin ich wieder da, sehe aber vieles nun aus einem anderen Blickwinkel. Und dabei ist mir einiges aufgefallen… zu einer Sache muss ich dringend etwas schreiben. Ich bleibe bei den Häuser-Accounts und nehme mir den Hauswirtschaftsraum vor.

Ich kenne noch die typische Waschküche meiner Großeltern im Keller. Mit Waschmaschine(n) und einer alten Schleuder. Der Boden ist gefliest und in der Mitte befindet sich tatsächlich ein kleiner Abfluss, falls mal was passiert… Immerhin wird mit Wasser gearbeitet. Auch ein kleiner Kohleofen hat seinen Platz und quer durch den Raum hängen lange Wäscheleinen. Selbstverständlich gibt es dort auch ein altes Waschbecken. So war das.

In den Hauswirtschaftsräumen der Generation von mir ist von der Waschküche oft nur noch die Waschmaschine geblieben. Standen früher die Vorräte in einer extra Speisekammer, sind sie heutzutage auch oft in diesem Raum untergebracht. Damals war eben mehr Vorratshaltung als heute. Der Boden hat oft denselben Design-Belag wie der in den übrigen Wohnräumen und einen Abfluss sucht man dort vergebens, die Wände sind hell gestrichen und oft nicht mehr gefliest. Und was sich dort an Suppendosen, Toilettenpapier und ähnlichem befindet, ist besser sortiert und verstaut als in jedem Supermarkt. Ich staune immer wieder. In solchen Räumen kann man echt wohnen. So freundlich sehen sie aus. Hier und da sind oft sogar kleine Deko-Elemente versteckt – nette Schilder mit der Aufschrift „Laundry“, dekorative Hocker mit blumengefüllten Vasen drauf (echt jetzt? Oder ist das wieder nur fürs Foto dahin gestellt?) und so weiter. Bei mir ist die einzige Deko das Bügelbrett. Das benutze ich so gut wie nie und es macht sich echt gut in seiner Ecke. Ich kann zumindest sagen, ja, ich habe eins. 🙂

Meine Gedanken schwirren weiter. Vermutlich ist es auch die Bauweise. Oft wird ohne Keller gebaut bzw. die Häuser sind nicht mehr so riesig wie früher. Da muss dann eben alles zusammen in einen Raum, Heizungsanlage, Waschmaschine (+Trockner), Wasserkisten, Vorräte, Wäsche… und seit neuestem noch die Elektronik für die Solaranlage auf dem Dach. Ganz schön viel. Ich weiß noch, dass unsere Architektin damals der Meinung war, man bräuchte keinen großen Hauswirtschaftsraum und ich ihr wirklich jeden Quadratmeter abgerungen habe (manchmal sollte man eben doch auf die Kunden hören). Und er könnte wirklich noch einen oder zwei Quadratmeter mehr haben. Immerhin waren wir damals auf einer Wellenlänge, was das Schmutzwasserbecken angeht. Wir alle wollten eins. 😉 Also Leute, falls ihr bauen wollt – plant ein bisschen Platz ein.

Nun aber zurück zu den Räumen, die direkt aus einem Katalog gesprungen sind. Der Trend geht scheinbar jetzt dahin, im Obergeschoss einen Raum mit Waschmaschine und Trockner zu haben. Weil sich dort die Schlafräume befinden, in denen die Wäsche anfällt. Klingt erstmal ok. Aber ich bin der Typ „wann immer es geht, Wäsche draußen aufhängen“ und freue mich, einen direkten Zugang zum Garten zu haben. Und mir ist das mit dem Wasser nicht geheuer. Gut, im Bad oben können auch Wasserschäden passieren, ganz klar. Was seht ihr das?

Und nun möchte ich zum Ende kommen mit diesem Blogartikel der anderen Art. 🙂 Mir gefallen diese Raum-Träume durchaus. Warum sollte man diesen Raum vernachlässigen – er ist schließlich ziemlich wichtig. Gut, Deko-Zeug oder „Stehrümmchen“ brauche ich dort trotzdem nicht. Aber schön anzuschauen ist es. Nur nicht zu viele Gedanken dazu machen, wenn es bei einem selber nicht so ausschaut ^^‘ . Bei Gesprächen sagt man „in ein Ohr rein, aus dem anderen wieder raus“. Wie kann man das auf Fotos übertragen? „In ein Auge rein, aus dem anderen wieder heraus“? Etwas besseres fällt mir nicht ein.

Aber so könnte ich quasi eine Tour durch das ganze Haus machen. Instagram liefert echt gutes Material für Überlegungen, die dann niedergeschrieben werden wollen. Ob ihr lieben Follower das lesen wollt, ist ja nochmal eine ganz andere Sache… 😉

Ich poste jetzt KEIN Foto von meinem HWR, ihr würdet enttäuscht sein. Der ist nämlich eher funktional ausgestattet. Heißt: Ohne Blumen. Die hätten nur auf dem Trockner Platz. Oder auf der Heizungsanlage. Kommt beides nicht so gut. Dafür mit Bügelbrett und der Rasenmäher-Roboter wäre auch dabei. Der überwintert dort nämlich. Also nicht auf der Heizung, aber in dem Raum. #mehrRealitätbitte 🙂

kwk

Vorlesetipps

Zum jährlich stattfindenden Bundesweiten Vorlesetag haben wir euch vor kurzem bereits viele Bücher, die sich ausgezeichnet zum Vorlesen eignen, hier im Blog vorgestellt. Heute folgt Teil zwei, mit Buchtipps für Kinder und Erwachsene. Schließlich macht vorlesen nicht nur zum Vorlesetag Spaß, sondern auch in der gemütlichen Vorweihnachtszeit – und eigentlich auch zu jeder anderen Zeit im Jahr. 🙂

Für Kinder

„Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne“ von Martin Strid:

Dieses Bilderbuch ist für kleine Abenteurer ab 4 Jahren geeignet. Die Protagonisten Kater Mika und Elefant Sebastian finden eine Flaschenpost mit einem Samenkorn. Sie pflanzen es ein und über Nacht wächst daraus eine Riesenbirne, die sich nicht bewegen lässt und zu allem Unglück auch noch das Haus von Mika und Sebastian zerstört.

Professor Glykose kommt dazu und schlägt vor, die Birne auszuhöhlen und da ja das Haus der beiden Hauptpersonen zerstört ist ziehen Mika und Sebastian dort ein. Der Bürgermeister der Stadt Glückshafen möchte die Birne nicht behalten, stellt sie auf ein Rollbrett und gibt ihr einen Schubs, sodass sie ins Meer fällt. Jetzt beginnt ein großes Abenteuer für die drei, denn auch Professor Glykose ist mit an Bord.

Das Buch ist spannend, liebevoll geschrieben und voller Abenteuer.

„Der Maulwurf Grabowski“ von Luis Murschatz:

Wer kennt sie nicht, die kleinen Erdhügel im Garten, die Gartenbesitzer nicht gerade schön finden. Maulwurf Grabowski lebt unter der Erde auf einer großen Wiese am Stadtrand und wie es sich für einen Maulwurf gehört, gräbt er unter Tage lange Gänge und kleine Erdhügel. Abends, wenn alles ruhig ist, kommt er aus der Erde heraus. Bis eines Tages Bagger anrollen und Maulwurf Grabowskis Idylle zerstören.

Das Buch ist ein Klassiker, aber immer noch aktuell, denn es zeigt die Zerstörung von Grünflächen.

„Nils Holgerssons wunderbare Reise mit den Wildgänsen“ von Selma Lagerlöf:

Das Buch ist ein Klassiker zum Vorlesen, aber auch zum Selberlesen und ebenso interessant für Erwachsene. Denn die Reise des kleinen Nils führt uns durch viele Teile Schwedens.

Nils lebt auf einen Bauernhof und gilt als Taugenichts. Er hat mehr oder weniger nur Unsinn im Kopf, er quält Tiere und auch Menschen, seine Eltern leiden sehr darunter. Eines Tages begegnet er auf dem Hof einem Kobold, er fängt diesen und ärgert ihn so sehr, dass dieser Nils in einen kleinen Wichtel verzaubert. Für Nils beginnt jetzt das große Abenteuer. Zum einen versteht er nun die Sprache der Tiere und zum anderen schließt er sich auf dem Rücken der Hausgans Martin einer Gruppe Wildgänse an, die über den Hof der Familie zogen und die Gänse lockten, mitzufliegen.

Eine abenteuerliche Reise durch Schweden beginnt. Nils bewältigt viele Gefahren vor allem durch die Füchse, die immer wieder versuchen, Gänse zu stehlen und zu fressen. Besonders Smirre setzt ihnen zu und nimmt immer wieder die Fährte der Gänse auf. Nils wird zu einem Helfer der Tiere, und da er als Wichtel alle Wild- und Haustiere verstehen kann, wird ihm nach und nach bewusst, dass auch Tiere Gefühle, ein Herz und Verstand haben. Nach der Reise durch Schweden, kehrt er dann im Herbst wohlbehalten zurück zu seinen Eltern.

Für Erwachsene

„Vom Aufstehen“, Ein Leben in Geschichten von Helga Schubert:

Helga Schubert erzählt in diesem Buch ihre Geschichte in kurzen Episoden. Sie schreibt über ihre Kindheit in der DDR, über ihre Mutter, ihren Sohn und ihre Enkelin und den Untergang der DDR. Ein Jahrhundert deutscher Geschichte!

„Was ich sonst noch verpasst habe“ Storys von Lucia Berlin:

Das Buch ist eine Sammlung von Storys über Frauen und deren Schicksale, es geht um Mütter und Töchter in unterschiedlichen Lebensphasen und Frauen in verschiedenen Berufen und an verschiedenen Orten. Sie eignen sich zum Selberlesen aber einzelne Schicksale für sich genommen auch sehr gut zum Vorlesen.

„Die Lieblingsgedichte der Deutschen“  herausgegeben von Lutz Hagestedt:

Dies ist eine wunderbare Sammlung von klassischen deutschen Gedichten. Von Goethe, Rilke, Fontane, Erich Fried, also Liebesgedichte, aber auch Humorvolles von Ringelnatz, Kästner und Tucholsky um nur einige zu nennen. Eine wahre Fundgrube also!!!

So findet sich zum Beispiel dieses Gedicht in der Sammlung:

Die Ameisen von Joachim Ringelnatz

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee
Da taten ihnen die Beine weh.
Und da verzichteten sie weise
Denn auf den letzten Teil der Reise.

Hilde Wilken-Holthaus
ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Stadtteilbibliothek Jöllenbeck

Weihnachtsschließung

Auf Grund der Energiekrise bleiben in den Weihnachtsferien alle Bibliotheken, inklusive der Zentralbibliothek am Neumarkt, vom 24. Dezember 2022 bis zum 1. Januar 2023 geschlossen. Auch die Open Library in der Zentralbibliothek am Neumarkt und in Sennestadt schließen. Eine telefonische Beratung kann während der Schließung leider nicht stattfinden.

Die Rückgabe von Medien ist in dieser Zeit ebenfalls nicht möglich. Leihfristen, die in diesen Zeitraum fallen, werden entsprechend angepasst, es entstehen euch keine Säumnisgebühren. Bitte überprüft euer Bibliothekskonto!

Die digitalen Angebote (Onleihe OWL, OverDrive, Tigerbooks, PressReader, der Streaming Dienst Freegal music und alle Munzinger-Archiv Inhalte) könnt ihr wie gewohnt nutzen.

Ab dem 02. Januar 2023 sind alle Bibliotheken, bis auf Heepen, wieder geöffnet! Heepen öffnet eine Woche später, ab dem 11. Januar 2023.

Mittagsschließung der Stadteilbibliothek Schildesche und Stieghorst:

Vom 02. Januar 2023 bis zum 06. Januar 2023 gelten für die Schul- und Stadtteilbibliotheken Schildesche und Stieghorst geänderte Öffnungszeiten:

Montag: 10.00 – 14.00 Uhr
Dienstag bis Freitag: 10.00 – 13.00 Uhr und 15.00 – 18.00 Uhr

Ab dem 09.01.2022 gelten wieder die üblichen Öffnungszeiten.

Habt ihr Fragen? So könnt ihr uns erreichen:

Wer „schön“ sein will, muss leiden.

Ich muss gestehen, ich bin nicht auf dem neuesten Stand, was die Welt der Schminke angeht. Ist auch gar nicht schlimm und es gibt wichtigere Dinge, aber neulich ist mir was passiert.

Jahrelang habe ich keinen Lipgloss benutzt und nun kam mir der Gedanke, dass es doch mal wieder schön wäre, mir das klebrige Zeug auf die Lippen zu schmieren. Nix farbenfrohes, aber mit Glitzer sollte es sein. Also pickte ich mir den Laden mit dem größten Sortiment raus und stand erstmal bedeppert da. Früher gab es halt nur ganz normales Lipgloss, also in farblos, farblos mit Glitzer, rosa und wenn man Glück hatte etwas in braun. Mit Glitzer. Mir präsentierten sich „Lipgloss Filler Instinct Plumping Lip Polish“, „Lipgloss Better Than Fake Gloss“, „Lipgloss Butter Gloss“, „Lip Gloss Hydra Lip Booster“ und so weiter… In allen Farbnuancen. Oje.

Also besann ich mich auf das wesentliche (Glitzer!!) und schaute quasi diagonal durchs Angebot. Tatsächlich fand ich dann auch was, Farbe stimmte, Kopf brummte von den ganzen Namen, meine Augen sahen nur noch rosa, rot und gold, ich musste raus aus dem Laden.

Am nächsten Tag stand der Vormittagsspaziergang an. Und ich dachte mir – warum nicht. Also flugs den neuen Lippenkleister draufgeschmiert. Was dann kam, hatte ich nicht voraus gesehen. Meine Lippen begannen zu brennen. Nach ein paar Sekunden mit tapferen Gedanken à la „das hört bestimmt gleich auf!“ folgte der Impuls „runter damit“. Den Spaziergang über war ich nun damit beschäftigt das Internet zu befragen, was das für ein Phänomen war. Wahrscheinlich wissen es die meisten von euch, wer es nicht wusste und kein Interesse an der Auflösung oder Lipgloss generell hat, kann jetzt aufhören zu lesen. Ich habe meine Wissenslücke aufgefüllt. Es lag natürlich an diversen Inhaltsstoffen, die ich mir nicht gemerkt habe. Aber was ich mir gemerkt habe, ist, dass ich die Wörter „plumping“ oder „booster“ und bestimmt noch zwei andere vermeiden sollte. Diese Produkte haben die Eigenschaft, auf den Lippen zu brennen, die Durchblutung anzuregen und die Lippen dann voller erscheinen zu lassen. So die Kurzversion für Laien.

Da ich keine schmerzhafte Lippenvergrößerung wünschte, brachte ich meine stolz erstandenen Glosse wieder zurück (natürlich hatte ich gleich zwei gekauft, eins war aber gottseidank noch nicht geöffnet). Und wurde auch von der stark geschminkten Kassiererin belehrt, dass das eben so sein muss. „Weiß ich jetzt auch, kaufe ich nie wieder, mag ich nicht“, fiepte ich nur und war froh, das Teil wieder los zu sein.

Mal schauen, wann ich Lust habe, einen nächsten Versuch zu starten… 🙂

Limerick Lesung

Kultur unter der Platane

Am Freitag, 9. September, ging es humorvoll zu unter der Platane, hinter der Stadtteilbibliothek in Brackwede. Eugen Flöthmann erzählte erst wissenswertes über die Geschichte des Limericks. Er berichtete, wie er einen neuen Limerick dichtete und wie es auch ganz anders geht. Wir erfuhren, dass es Damen-Limericks, Limericks für gebildete Menschen und dann die wahren Limericks – mit der oft nicht ganz jugendfreien Pointe – gibt.  Dann wurden die Preisträger und Preisträgerinnen des Bielefelder Limerick-Wettbewerbs auf die Bühne gebeten, und es wurden Beispiele aus allen Kategorien zu Gehör gebracht.

Wappen von Limerick, Ireland

Aber nicht nur Limericks, nein, auch Schüttelreime reizten die Humornerven des Publikums. Überrascht wurden wir dann durch die gekonnte Verschmelzung von Schüttelreim und Limerick – also ein schüttelgereimter Limerick oder ein gelimerickter Schüttelreim?

Heiter und beschwingt ging das Publikum nach Hause und beteiligt sich hoffentlich am Bielefelder Klapphornverse-Wettbewerb 2022. Alle anderen sind auch herzlich eingeladen, Klapphornverse bis zum 31.12.2022 in der Stadtteilbibliothek Brackwede, Germanenstraße 17, 33647 Bielefeld einzusenden.

Ich freu mich jetzt schon auf „Kultur unter der Platane 2023“ – Klapphornverse-Lesung. Bis dahin meldet sich ja vielleicht auch ein Musiker, der uns ein Klappenhorn zeigen kann und es uns auch vorspielt – und zwar einigermaßen.

Der erste Klapphornvers von 1878:

Zwei Knaben gingen durch das Korn,

Der Andere blies das Klappenhorn,

Er konnt‘ es zwar nicht ordentlich blasen,

Doch blies er’s wenigstens einigermaßen.

                                           von Friedrich Daniel

Rieke

Plakat mit dem Text:
Kultur unter der Platane 2022
Ort: Parkplatz hinter der Stadtteilbibliothek Brackwede (Germanenstraße 17, 33647 Bielefeld), Eintritt frei - Austritt erwünscht!
Freitag, 19.8.22, 18-19:30 Uhr: Für alle Sinne - 1001 Nacht. Eine Reise durch die Welt des Orients mit Märchen, Musik und Cig Köfte
Freitag, 2.9.22, 18-19:30 Uhr: Limmerick Lesung. Highlights aus dem Bielefelder Limmerick-Wettbewerb (...)
Freitag, 9.9.22, 18-19:30 Uhr: Krimilesung Bitterer Zorn mit Norbert Horst
Plakat zur Veranstaltungsreihe „Kultur unter der Platane“

Ausstellung: Popart – Zwischen Liebe und Konsum

Auf der Ausstellungsfläche im 1. OG und in der Südlounge unserer Zentralbibliothek am Neumarkt ist bis zum 31. August die Ausstellung „Popart – Zwischen Liebe und Konsum“ zu sehen. Die Exponate im Stil von Roy Lichtenstein und Andy Warhol stammen von Abiturient*innen des Berufskollegs Senne. Auch über die Entstehungsgeschichte der Bilder erfährt man etwas. Die Werke befassen sich humoristisch und teils gesellschaftskritisch mit den Themen Liebe und Konsum. In der Südlounge können eigene Gedanken hierzu geteilt werden.

Literatur zum Thema Pop Art steht im Bereich Rml 21 (Einzelne Kunstgattungen) und Rml 212 (Einzelne Kunstgattungen – Malerei und Grafik). Einen Überblick über Geschichte, Themen und Stile bietet Tilman Osterwold in „Pop Art“. Außerdem werden wichtige Künstler wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder Claes Oldenburg vorgestellt. Die Kapitel sind mit teils ganzseitigen Bildern verschiedener Werke versehen. Nicht so bekannt sind Frauen in der Pop Art. In der Kunsthalle Wien war 2010/2011 die Ausstellung „POWER UP – Female Pop Art“ zu sehen. Der dazugehörige Katalog porträtiert diese Künstlerinnen. Darunter Jann Haworth, die am Album-Cover Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band von den Beatles mitarbeitete. Auch hier sind die Kapitel mit reichlich Bildmaterial versehen.

Jbl

Göbekli Tepe

In meinem Bücherschrank gibt es einige Sachbücher, die ich dann doch nie gelesen habe. Eines hatte ich aus einem Impuls heraus gekauft, nachdem ich diese faszinierende Geschichte gehört hatte: Ein Archäologe (Klaus Schmidt) schaut sich einen Hügel in Südostanatolien genauer an, von dem schon seit längerem bekannt war, dass dort wahrscheinlich altertümliche Objekte unter der Erde verborgen liegen. Und er findet den ältesten monumentalen Steinbau der Menschheit. Das war Ende 1994. Heute zählt Göbekli Tepe zum UNESCO-Welterbe. Wir kennen die Pyramiden von Gizeh und Stonehenge, beides entstand vor ca. 4.500 Jahren. Die Kultanlagen vom Göbekli Tepe sind mehr als doppelt so alt. Sie stammen aus einer Zeit, als die Menschen noch nicht sesshaft waren – der Baubeginn war wohl vor rund 11 600 Jahren.

Menschen, die in kleinen Gruppen umherzogen und vom Jagen und Sammeln lebten, trafen sich regelmäßig mit vielen anderen Sippen auf einem Hügel, auf dem es nicht einmal genug Wasser für alle gab. Die meisten müssen von weit her gekommen sein. Sie sind mehrere Wochen im Jahr zusammen geblieben, um mühsam Steine aus dem Fels zu schlagen. Es brauchte viele Jahre, bis eine Anlage mit im Kreis aufgestellten, tonnenschweren Steinpfeilern fertig war. Und es gibt mehrere dieser Steinanlagen. Das erforderte also langfristige Planung und die Zusammenarbeit vieler Clans über mehrere Generationen. Arbeitsteilung war notwendig: Die einen besorgten Nahrung, Wasser und was sonst zum Leben gebraucht wurde, die anderen kloppten auf den Steinen herum, lösten riesige Quader aus dem Fels, verzierten sie mit Reliefs, wuchteten sie dann irgendwie gemeinsam an den gewünschten Ort und richteten sie auf.
Aber wofür diese ganze Mühe?

Zuerst einmal: Wir stellen uns die vorzeitlichen Menschen gern primitiv vor; aber die Menschen vor 10.000 Jahre waren nicht anders als wir, ihre Lebensweise, die technischen Möglichkeiten und das Wissen natürlich schon, nicht aber die Intelligenz oder die Gefühle.

3 Sachbücher: "Der Ursprung der Religion" von Robert Bellah, "Die Ordnung des Himmels" von Bernhard Maier, "Rätselhafte Religionen der Vorzeit" von Ina Mahlstedt

Es wird angenommen, dass sie sich in Göbekli Tepe zu religiösen Feierlichkeiten versammelten. Ein Kult, vielleicht ein Bergheiligtum, vielleicht Ahnenverehrung oder der Glaube an Götter. Die Tierreliefs auf den Steinen könnten Tiergeister darstellen. Wahrscheinlich gab es Schamanen.

Wie wohl frühzeitliche Religionen und ihre Zeremonien ausgesehen haben?
Wer sich für diese Fragen interessiert, dem empfehle ich Bernhard Maier „Die Ordnung des Himmels: eine Geschichte der Religionen von der Steinzeit bis heute“ – der erste Teil des Sachbuches (überschrieben mit „Von den Anfängen bis zum Ende der altorientalischen Großreiche“) gibt eine gute Einführung in die Altsteinzeit und das Neolithikum aus religionsgeschichtlicher Sicht; im Abschnitt „Die frühesten Heiligtümer Alteuropas“ (Seite 78f) geht es u. a. auch kurz um Göbekli Tepe. Noch ausführlicher rekonstruiert der 2013 verstorbene Soziologe Robert N. Bellah die Weltanschauungen der Menschen in der Steinzeit (bis in die frühe Eisenzeit): „Der Ursprung der Religion : vom Paläolithikum bis zur Achsenzeit“, allerdings noch ohne Göbekli Tepe zu erwähnen. Die Religionswissenschaftlerin Ina Mahlstedt geht in ihren Thesen zu vorzeitlichen Religionen ausführlich auf die Symbolik von Göbekli Tepe ein: „Rätselhafte Religionen der Vorzeit“ , Kapitel „Ein Heiligtum für Wasser und Erde“ (Seite 29-55).

Zeitschriftenheft Geo-Epoche Nr. 96: Revolution in der Steinzeit.

Die Funde in Anatolien lassen jedenfalls auf eines schließen: Die Menschen haben am Göbekli Tepe nicht nur durch gemeinsame Anstrengungen Monumentalbauten geschaffen. Sie haben auch gemeinsam gefeiert, gegessen und getrunken. Ich stelle mir vor, dass man sich zu einer bestimmten Jahreszeit traf. Aus allen Himmelsrichtungen kamen die Menschen zusammen. Erst baute man mehrere Tage an dem Kultplatz weiter, dann wurde mit großem Zeremoniell den Göttern gedankt. Zum Abschluss feierte man gemeinsam: mit Festschmaus und Bier. Ja, Bier. Die Archäologen haben Reste und Nachweise für das Brauen gefunden.

Mehr über die Kulturgeschichte des Bieres findet Ihr in dem Sachbuch „Bier : eine Geschichte von der Steinzeit bis heute“ von Gunther Hirschfelder und Manuel Trummer, Theiss-Verlag, 2016; auf Seite 22f geht es im Kapitel „Lebensweise im Wandel: Der Rausch als Motor des Sesshaftwerdens?“ um die Frage nach dem „Bier als Treibstoff für einen der größten Epochenwandel der Menschheit“ .

Es muss also ausreichend jagbares Wild in der Gegend gegeben haben, z. B. große Herden wilder Schafe, Ziegen oder sogar Auerochsen. Aber es muss auch wildes Getreide in großen Mengen gegeben haben, das man sammeln und zu Bier verarbeiten konnte. Möglicherweise war das einer der Gründe, warum man sich gerade hier traf.

Doch die großen Zusammenkünfte mit den gemeinschaftlichen Aktivitäten – das große Jagen, die Festvorbereitungen, der Bau an der Tempelanlage – bewirkte noch mehr: Erfahrungen und Fertigkeiten wurden ausgetauscht, Geschichten und Mythen weitergegeben, neue Familienbande geknüpft. Gemeinsam probierte man Neues aus und entwickelte Ideen weiter, neue Techniken entstanden. So wurde vielleicht gerade hier entdeckt, dass man besonders ertragreiche Getreidesorten gezielt wieder aussäen kann; die ersten Felder entstanden. Mit der Zeit konnten sich diese Nutzpflanzen mehr und mehr durchsetzen. Irgendwann entschlossen sich einige Sippen, nicht mehr umherzuziehen, sondern an diesem Heiligen Ort zu bleiben und die Felder zu pflegen. Sie wohnten dauerhaft in Hütten und züchteten gezielt die Pflanzen weiter. Andere Sippen folgten nicht mehr nur den wilden Herden, sondern hielten sich ihre eigenen Tiere, mit denen sie als Halbnomaden zu frischen Weidegründen zogen; mit der Zeit züchtete man sich besondere Nutztiere heran.

Diese neuen Lebensweisen verbreiteten sich im Nahen und Mittleren Osten, der Region, die als Fruchtbarer Halbmond zu der Zeit die besten Voraussetzungen für die Entwicklung der Landwirtschaft bot. Vorratshaltung und Tauschhandel ermöglichte es immer mehr Familien, sesshaft an einem Ort zu bleiben. Dörfer und später ganze Städte entstanden.

Göbekli Tepe war wahrscheinlich ein Ausgangspunkt für die sogenannte Neolithische Revolution. Weil sich die Menschen friedlich treffen und ausgelassen miteinander feiern wollten, haben sie etwas Großes erschaffen – und so ganz nebenbei eine neue Form des Zusammenlebens entwickelt. Mir gefällt die Vorstellung, dass wir diesen wichtigen Schritt in die Zivilisation einer Art steinzeitlicher Libori-Woche verdanken (man verzeihe mir den Vergleich – meine Paderborner Wurzeln): einer Mischung aus religiösem Anlass mit vielen Kulthandlungen und einem ausgelassenen Jahrmarkt. Mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung wurde gleichzeitig auch der würdige Ort für dieses Großevent der Steinzeit geschaffen (so als würde rund um die Liboriwoche in freiwilliger Gemeinschaftsarbeit der Dom wieder ein Stück weiter gebaut): diese großartigen Monumente, die uns auch 12.000 Jahre später noch in Erstaunen versetzen.

Zu was die Menschen doch fähig sind, wenn sie friedlich miteinander kooperieren!

5 Bücher: "Sapiens - Die Falle" von Yuval Noah Harari u.a., "Die Kinder des Prometheus" von Hermann Parzinger, "Sie nannten es Arbeit" von James Suzman, "Bier" von Günther Hirschfelder und Manuel Trummer, "Vergessene Kulturen der Weltgeschichte" von Harald Haarmann

Der Archäologe Jens Notroff arbeitet seit 2006 im Göbekli Tepe Project. Im Süddeutsche Zeitung Magazin gab es im letzten Jahr einen schönen, kurzen Bericht mit vielen Illustrationen des Wissenschaftlers und Zeichners über die Funde, aber auch über den Alltag am Ausgrabungsort (hier). Im Blog Tepe Telegrams findet Ihr noch mehr.

Bei Planet Schule gibt es einen kurzen Film: Göbekli Tepe: Der älteste Tempel der Menschheit (WDR 2013, 14:50 Min.) noch mit dem 2014 verstorbenen Klaus Schmidt. Einen weiteren Bericht könnt Ihr bei GEO finden (von Dirk Hempel), hier online oder auch im Heft GEO Epoche 96 (2019): Revolution in der Steinzeit.

In „Vergessene Kulturen der Weltgeschichte : 25 verlorene Pfade der Menschheit“ widmet Harald Haarmann ein ganzes Kapitel der mesolithischen Jägerkultur von Göbekli Tepe (Kapitel 4: „Die ersten Tempelbauten der Menschheit“, Seite 37-45).

Der Sozialanthropologe James Suzman geht in seinem Buch „Sie nannten es Arbeit : eine andere Geschichte der Menschheit“ auch auf den erheblichen Zeit-, Energie-, Organisations- und vor allem Arbeitsaufwand zum Bau der komplexen und monumentalen Anlage ein (Seite 184-191).

Der Prähistoriker Hermann Parzinger beschreibt in seinem fulminanten Werk „Die Kinder des Prometheus : eine Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Schrift“ auch den Forschungsstand rund um den Kultplatz von Göbekli Tepe und seine Bedeutung für die Anfänge der Domestikation von Pflanzen und Tieren (vor allem Seite 130-139).

Auch das großartige Buch von Yuval Noah Harari „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ empfehle ich in diesem Zusammenhang gerne noch einmal (im Blog schon zweimal hier und hier). Ganz neu ist der darauf basierende Sachcomic-Band „Sapiens – Die Falle“ , der genau die Zeit des Umbruchs vor ca. 10 000 Jahren umfasst.

Viel Freude beim Stöbern und Lesen.

HilDa

Buchtipp: Von hier bis zum Anfang

Roman "Von hier bis zum Anfang" von Chris Whitaker

Ich wollte die Lektüre schon abbrechen, denn den 100-Seiten-Test hatte der Roman von Chris Whitaker nicht so recht bestanden: packte mich anfangs nicht. Nur weil ich in der Nacht aufwachte und nicht wieder einschlafen konnte, wollte ich halt noch ein Kapitel lesen, um auf andere Gedanken zu kommen. Und dieses Kapitel brachte dann die Wende: Was für ein Knaller war das! Jetzt konnte ich erst recht nicht schlafen, die Nacht war kurz.

Ja, der Roman hat seine Schwächen: viele Stereotype, sprachlich ist das auch nicht gerade Hochliteratur – das hatte ich auch gar nicht erwartet. Aber mich hat dann doch etwas genervt, dass alle Personen fast auf dem gleichen Niveau sprechen, egal welchen sozialen Hintergrund sie haben oder welches Alter. Auch die Beschreibungen sind anfangs so detailliert, als würde der Autor verbal eine Kamerafahrt durch die Stadtbezirke beschreiben und jedes einzelne Straßenschild abfilmen. Nun ja, viel Milieu und Atmosphäre, man bekommt eine Ahnung, dass hinter den Hausfassaden noch mehr schlummert. Ansonsten geschieht auf den ersten 100 Seiten genau das, was auch schon im Klappentext steht. Was sollte da noch kommen?

Doch mit einem Mal spielen die Schwächen des Romans keine Rolle mehr, man fiebert nur noch mit den Figuren mit, wünscht ihnen ein besseres Leben, endlich mal Glück. Die Story hat immer wieder überraschende Plot Twists bereit. Der Autor spielt in diesem Thriller geschickt mit einer Achterbahn zwischen Hoffnung und schlimmstmöglicher Wendung und konzentriert sich dabei ganz auf seine beiden sympathischen Hauptcharaktere.

Da ist einmal Chief Walker, von seinen Freunden schlicht Walk genannt, der Polizist in einer kleinen kalifornischen Küstenstadt, der einsame Mann mit dem Herzen aus Gold. Er möchte seinem besten Freund helfen, der gerade eine lange Gefängnisstrafe wegen der Tötung eines Mädchens abgesessen hat; und gleichzeitig kümmert sich Walk um die zerrüttete Familie des damaligen Opfers. Das bringt ihn natürlich in einen Zwiespalt.

Die zweite Perspektive kommt von dem Teenager Duchess. Das Mädchen wächst zusammen mit dem 6jährigen Robin prekär und vernachlässigt auf, übernimmt viel zu früh Verantwortung für den kleinen Bruder und die depressive Mutter, ist rebellisch, eigenwillig und impulsiv.

In der Kleinstadt Cape Heaven haben mehrere Bewohner etwas zu verbergen, von dem auch Walk bisher nichts ahnte. Nun, er selbst verheimlicht allerdings auch so einiges.

Mehr werde ich hier nicht über die Story verraten, für Walk und Duchess wird es jetzt so richtig hart, auch für Robin und seine Mutter Star. Spannende Urlaubslektüre, da konnte ich gerne auf ein paar Nachtstunden verzichten.
(Katalogdaten)

HilDa