Bitte, ein Gedicht #15

Annette von Droste-Hülshoff hat unter der Überschrift „Der Säntis“ die vier Jahreszeiten lyrisch beschrieben. Hier die Strophen zum Sommer:

Der Säntis

Sommer

Du gute Linde, schüttle dich!
Ein wenig Luft, ein schwacher West!
Wo nicht, dann schließe dein Gezweig
So recht, daß Blatt an Blatt sich preßt.

Kein Vogel zirpt, es bellt kein Hund;
Allein die bunte Fliegenbrut
Summt auf und nieder übern Rain
Und läßt sich rösten in der Glut.

Sogar der Bäume dunkles Laub
Erscheint verdickt und atmet Staub.
Ich liege hier wie ausgedorrt
Und scheuche kaum die Mücken fort.

O Säntis, Säntis! läg‘ ich doch
Dort, – grad‘ an deinem Felsenjoch,
Wo sich die kalten, weißen Decken
So frisch und saftig drüben strecken,
Viel tausend blanker Tropfen Spiel;
Glücksel’ger Säntis, dir ist kühl!

(Annette von Droste-Hülshoff, 1797-1848)

Ein bewaldetes Tal im Sonnenschein

Bitte ein Gedicht – das ist Wunsch und Angebot zugleich. In unregelmäßigen Abständen möchten wir gerne zur Lyrik verführen und präsentieren einzelne Gedichte oder weisen auf besondere Lyrikbände aus unserem Bestand hin.

Buchtipp: Gimme more

Roman "Gimme more" von Liza Cody auf der Tastatur eines E-Pianos

„Gimme More“ von Liza Cody wurde schon im Jahr 2000 veröffentlicht, 2003 in der deutschen Übersetzung von Pieke Biermann. Nach dem Erfolg des Romans „Ballade einer vergessenen Toten“ (deutsch 2019), der ja auch im Musikermilieu spielt, war eine Wiederveröffentlichung nur folgerichtig.

Die Hauptfigur des Romans ist alles andere als ein naives Opfer der „Musikmafia“. Das war sie vielleicht mal, aber jetzt nutzt sie all ihre Erfahrungen und ihre vielfältigen Talente und Beziehungen, um endlich ihren Teil vom Kuchen zu erhalten.

Birdy, eigentlich Linnet Walker, begegnete schon als minderjähriges Groupie den ersten Jazz- und Rockgrößen. Ihre wilde Liebesgeschichte mit der Rocklegende Jack machte auch sie berühmt – oder besser berüchtigt, wurde diese Beziehung doch in der Klatschpresse und von den Fans zerlegt. Ihr Anteil an seinen Songs wurde nie gewürdigt, sie wurde gar zum Hassobjekt, während Jack zur Ikone aufstieg. Doch nach seinem plötzlichen Tod war ihr nichts von seinem Erbe geblieben.

Jetzt gibt es Gerüchte von bisher unbekannten Studioaufnahmen und noch nie gehörten Songs, die neu vermarktet werden könnten. 20 Jahre nach Jacks Tod sieht seine Witwe endlich ihre Chance. Doch bei dem intriganten Spiel mischen viele mit. Und Birdy will nicht nur ihre Trümpfe geschickt ausspielen, um nicht schon wieder über den Tisch gezogen zu werden; sie will die Gespenster aus der Vergangenheit besiegen und gegeneinander ausspielen. Dabei weiß sie nur allzu gut, dass es im Musikbusiness keine Skrupel gibt.

Liza Cody schreibt unverblümt und rüde über die Szene, die sie aus eigener Erfahrung kennt.

Das ist nun schon der dritte Titel von Liza Cody, der mir ausgesprochen gut gefällt. Und kein Roman war wie der andere, auch wenn „Ballade einer unbekannten Toten“ ebenfalls das heuchlerische Musikbusiness zum Thema hat. Man kann ihre Bücher als sozialkritische Milieustudien lesen und als Psychothriller. Der Spannungsbogen beginnt bei der „Ballade …“ und besonders bei „Miss Terry“ eher verhalten, nimmt erst im letzten Drittel richtig an Fahrt auf und bietet dann sogar einiges an Action – was allerdings zu sehr dem Genre geschuldet wirkt, beide Geschichten könnten auch ohne diese Actionelemente auskommen. Das beweist „Gimme More“.

Roman "Ballade einer vergessenen Toten" von Liza Cody auf einer Klavier-Tastatur
„Ballade einer vergessenen Toten“
Roman "Miss Terry" von Liza Cody
„Miss Terry“

Liza Codys Stärken sind ihre Charakterzeichnung und ihre Sprache, ihre schnörkellose Art des Erzählens und ihre knackigen Dialoge. So nebenbei lässt sie dann auch Sätze fallen, die man sich in den Kalender schreiben möchte, pointiert und frech über Themen, zu denen andere eine ganze Doktorarbeit schreiben. Wie denken Frauen über Männer? Und was denken Männer, wie Frauen über sie denken? Können Kunst und Kommerz fair zusammen wirken? Müssen Sex, Drugs and Rock’n’Roll wirklich unweigerlich in die Katastrophe führen?

Ich will nicht spoilern, und, nein, Liza Cody hat natürlich nicht die Antwort auf alles. Bei ihr gibt es kein eindeutiges Schwarz oder Weiß, alles ist so kompliziert (fast) wie im realen Leben.
Nur besser erzählt.

Katalogdaten zu „Gimme more“ hier.

Ich denke, das war sicher nicht das letzte Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe. Die Auswahl ist ja auch durchaus groß bei dieser produktiven Schriftstellerin.

HilDa

„PressReader“ – Aktuelles

Ihr Lieben, eine kurze, aber wichtige Nachricht für euch. Bei unserem „PressReader“- Angebot hat sich leider etwas geändert.

Bitte beachtet: Der Zugriff auf die „Neue Westfälische“ ist nicht mehr möglich. 
Der Vertrag zwischen dem Verlag und PressReader wurde zum 31.05.2021 beendet. Die Stadtbibliothek Bielefeld hat leider keinen Einfluss auf diese Entscheidung.
Wir danken für euer Verständnis.

Lorem ipsum*

Ich würde jetzt so gerne etwas Geistreiches schreiben.

Ja, geistreich und bewegend soll es sein. Und mit Humor natürlich. Kurz, prägnant und doch vielsagend. Ein Schuss Pathos darf auch mit dazu, aber nicht zu viel, sonst wird’s schwülstig. Wortgewandt, aber doch allgemeinverständlich. Sachlich, aber auch gerne emotional. Nur nicht allzu persönlich. Ein wenig provokant, damit’s aufrüttelt; aber ich möcht‘ auch niemandem weh tun, es soll schon jedem gefallen.

Man soll dem Werk nicht anmerken, dass jeder Satz abgewogen, jedes Wort wohl überlegt, jeder Gedankenstrich bedeutungsschwanger ist; leicht soll der Text wirken und ganz natürlich, als wäre er spontan entstanden und nicht stundenlang erarbeitet. Schlicht genial. Originell. Und bedeutend, zeitlos gut, auch in vielen Jahren wird man dies noch mit Gewinn lesen.

Und dieses epochale Stück Prosa nutze ich dann, um endlich die neuen Formatierungsmöglichkeiten dieses Programmes auszuprobieren. Dazu zeige ich dann zwei bis drei Fotos oder so, das reicht schon, sie müssen nur das Thema unterstreichen und einen kunstsinnigen Kontrapunkt setzen. Dann kann ein Gesamtkunstwerk entstehen, bei dem Inhalt und Form in gleicher Weise ansprechen.

Mir fällt halt nur überhaupt kein Thema ein.

ICH WEISS NICHT, WAS ICH SCHREIBEN SOLL!!11!!!

Blume im Pflaster

Ach, zur Not muss dann eben diese Schreibübung zum Experimentieren herhalten. Und zur Bebilderung nutze ich einfach all die versehentlich ausgelösten Schnappschüsse oder misslungenen Bilder, die ich eigentlich längst löschen wollte, hehe.

Wer weiß, irgendjemand interpretiert dann vielleicht etwas Geistreiches hinein. Oder hält es für herrlich intellektuellen Nonsense. Kunst womöglich.

Egal, Hauptsache ich habe etwas, was ich aus dem Homeoffice vorweisen kann.

HilDa

*Lorem ipsum …: das sind die ersten Worte eines Blindtextes, „der nichts bedeuten soll, sondern als Platzhalter im Layout verwendet wird, …“ – mehr und ausführlicher bei Wikipedia hier.

Neu im Zeitschriftenregal!

Die Stadtbibliothek Bielefeld verfügt über ca. 400 analoge Zeitschriften-Abonnements (inkl. Fachzeitschriften und Mehrfachexemplaren für die Stadtteilbibliotheken.) Neben klassischen Titeln wie Ökotest, Stern und Brigitte, welche die Bibliothek schon seit vielen Jahren zur Verfügung stellt, gibt es auch jedes Jahr ein bisschen Bewegung im Bestand. „Verursacht“ durch die Kolleg*innen der Stadtteilbibliotheken und der Zeitschriftenstelle, aber auch die Bibliotheksnutzer*innen. Denn der häufigste Grund für Änderungen im Zeitschriftenbestand ist eine mäßige Nachfrage, weshalb wir uns von manchen Titeln verabschieden, um Platz für neue Themen und Trends zu schaffen. Dann heißt es z.B. „Goodbye, liebe Schachzeitschrift“.

In letzter Zeit fällt allerdings auf, dass auch andere Gründe uns zu Veränderungen zwingen. Einige Verlage bieten Zeitschriften nur noch digital an oder stellen Titel ein, weil sie sich diese nicht mehr leisten können – Corona und fehlende Einnahmen für Werbeanzeigen lassen grüßen … Davon betroffen sind bei uns konkret: Fit for fun, Chip Wissen, Laura, Novum, Running und Spiegel Wissen – mal abwarten, welche zum Ende des Jahres noch wegfallen.

Daher möchten wir gerne einen kleinen Überblick über neue Magazine in unserem Bestand bzw. teilweise auch wieder neu eingeführte Titel geben:

Bauen und Renovieren : einfach wissen wie’s geht! – Diese Fachzeitschrift richtet sich an private Bauherr*innen und bietet fundiertes Praxiswissen zu den Themen: Bauen und Renovieren, Innenausbau und Wohnen, Heiz- und Haustechnik, Wohnkomfort und Außenbereich.

Bluesnews – Das Magazin für Blues und Bluesrock informiert über Neuigkeiten aus der Szene, interviewt Künstler*innen und erinnert an wegweisende Musiker*innen sowie Plattenaufnahmen und stellt talentierte Newcomer vor. Weitere Schwerpunkte sind: Tournee- und Festival-Ankündigungen, Konzertkritiken dazu zahlreiche CD-, LP-, DVD- und Buchrezensionen.

Burda easy – Ein klassisches, aber trendorientiertes Handarbeitsheft mit einfachen und verständlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen darüber hinaus mit Tipps und Tricks rund ums Nähen für alle Näheinsteiger*innen.

Camping & Reise – Das Magazin für Camping, Reisen und Outdoor beschäftigt sich mit Reisezielen und deren Campingplätzen, Tourenmöglichkeiten, Aktivitäten vor Ort, aber auch mit Camping-Ausrüstung und Reisereportagen.

Caravaning : Europas großes Camping-Magazin – Sämtliche Aspekte des Campingurlaubs werden betrachtet. Tests und Besprechungen neuer Campingmobile, Wohnwagen oder Zubehörteile, aber auch über Reiseziele und Campingplätze wird berichtet.

Connect : die Test-Instanz für Smartphones und Connectivity – Magazin zur Telekommunikation mit Produktbesprechungen, Tests und Kauf- und Tarifempfehlungen.

EULENSPIEGEL : Unbestechlich, aber käuflich – Das Satiremagazin mit reichlich Geschichte und jeder Menge Kontroversen.

Focus Gesundheit – Jede Ausgabe widmet sich einem Spezialthema oder Krankheitsbild, welches hinsichtlich Ursachen, Therapiemöglichkeiten und Prävention betrachtet wird.

Food and Travel – Kulinarisches trifft Reisejournalismus. Küchen unterschiedlicher Länder und Regionen werden beleuchtet, Kochrezepte weitergegeben und Sehenswürdigkeiten vorgestellt.

Good Health – Ein Magazin für Ernährung, seelische und körperliche Gesundheit. Tipps rund um die Gesundheit werden gegeben, ebenso wie Möglichkeiten der Prävention.

Green Lifestyle : das Magazin für einen nachhaltigen Lebensstil – Auf die Themenfelder Mode, Beauty und Wellness, Wohnen, Umwelt, Technologie, Mobilität, Ernährung, Freizeit und Reisen wird aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit ein Blick geworfen. „Grüne“ Ideen und Inspirationen für den Alltag sind ebenfalls enthalten.

HolzWerken : Wissen. Planen. Machen. – Eine Zeitschrift für alle privaten Holzwerker*innen mit Anleitungen und Plänen zum Bau von Möbeln und Vorrichtungen, Werkzeug-, Maschinen- und Materialkunde, Tipps von erfahrenen Praktikern, Reportagen kreativer Holzwerker und Produktneuheiten.

Iss dich GESUND : Besser leben mit Genuss – Hier dreht sich alles um die richtige Ernährung. Dabei geht es um fundiertes Wissen vom „Ernährungs-Doc“ in Kombination mit zahlreichen Rezepten anstatt um Abnehmen oder Diäten.

KATAPULT : Magazin für Eis, Kartografik und Sozialwissenschaft – Populärwissenschaftliches Magazin, das Themen aus Politik, Geografie, Musik, Sprache mit Hilfe von Infografiken und Karten veranschaulicht.

Landapotheke : heilen und pflegen nach alter Tradition – Behandelt werden Hausmittel und deren Wirkungsweise sowie Kochrezepte für eine gesunde Ernährung.

Lonely Planet Deutschland – Das Reisemagazin vom Reiseführerverlag Lonely Planet mit spannenden Reisereportagen, City-Guides, Geheimtipps und atemberaubenden Fotografien.

Mollie MAKES : mit Liebe selbstgemacht – Modernes Handarbeitsmagazin, das handgemachte Accessoires, Geschenke und Dekoratives aus der Do-It-Yourself- und Fashionwelt bereithält. Mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Vorlagen.

Page : Design. Code. Business – Magazin für Mediengestaltung als Nachfolger vom eingestellten Grafikdesignmagazin novum.

Pflege & Familie – Das Magazin für pflegende Angehörige mit Experteninterviews, Checklisten, fundierten Tipps für Prävention und Problemlösungen. (Die Lieferung lässt aktuell leider noch auf sich warten)

RUNNER‘S WORLD – Sportzeitschrift mit Schwerpunkt Laufsport als Ersatz für die eingestellte Zeitschrift Running.

Socrates : die besten Stories schreibt der Sport – Sportmagazin, das auf keine Sportart festgelegt ist, den Schwerpunkt Fußball besitzt, aber auch über Basketball, E-Sport, Motorsport, NFL und Tennis schreibt.

Spiegel GESCHICHTE – Das Geschichts-Magazin berichtet über historische Ereignisse und vergangene Epochen. Auch enthalten sind Interviews mit Geschichts- und Politikwissenschaftlern oder Archäologen.

Trekking-Magazin : outdoor | wandern | camping – Magazin für den aktiven Outdoor-Fan mit Tourempfehlungen zu Fuß, mit dem Rad oder dem Kanu sowie Übersichten zu Equipment und Bekleidung.

Walden : Abenteuer vor der Haustür – Das Outdoor-Magazin von GEO für alle, die gerne draußen unterwegs sind. Mit Inspirationen und praktischen Tipps für Abenteuer und Wissenswertes über die Natur

Wohllebens Welt : das neue Naturmagazin von GEO und Peter Wohlleben – In Reportagen, Bildstrecken, Essays und Rubriken präsentiert Peter Wohlleben einen neuen Blick auf Wald, Wiese, Watt, Gebirge, Moor und Meer.

Wohnen im Landhausstil – Die Themen Wohnen, Einrichten und Lebensart im Landhausstil werden behandelt, des Weiteren geht es um Dekoration, Wohnreportagen und Reiseberichte.

ZEIT Verbrechen – Das Magazin beschäftigt sich mit echten Kriminalfällen, die in Deutschland verübt wurden und den Menschen hinter den Taten. Im Fokus liegen dabei die kriminologischen, psychologischen und politischen Aspekte der Verbrechen.

Ein kleiner Hinweis zum Schluss: Nicht alle der genannten Titel sind in der Bibliothek am Neumarkt vor Ort – können aber gerne aus den Stadtteilbibliotheken bestellt werden. Eine vorgefertigte Suche dazu findet man hier.

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„Mein schöner Garten“

So der Titel einer uns sehr bekannten Zeitschrift. Wer blättert als Gartenbesitzer nicht gerne durch diese Hefte und denkt sich „Ich möchte das auch so haben. Und das…und das…und das…“. Leider scheitert es oft an so banalen, aber nun mal schwer zu ändernden Dingen wie z.B. der Bodenbeschaffenheit oder der Tatsache, dass man nicht jeden Monat seinen Garten nach den neuesten Trends und Bildern umpflanzen kann. Aber ich denke mir, das dient alles nur der Inspiration und manches kann man dann einfach im nächsten Jahr, wenn wieder Pflanzzeit ist, einfließen lassen.

Und manchmal erledigt sich einiges auch von selbst. Im Vorgarten-Beet haben wir vor ein paar Jahren Tulpen gepflanzt. Schön nebeneinander. Im darauffolgenden Frühjahr wuchsen und blühten sie auch sehr schön, allerdings sahen sie sehr aneinander gereiht aus. Sehr ordentlich, eigentlich so gar nicht meine Vorstellung von Garten. Ich überlegte hin und her, ob ich sie ausbuddeln soll und nochmal anders einpflanzen soll, aber Gottseidank fehlte mir die Zeit und Lust dazu. Und manchmal sollte man der Natur eben ihren Lauf lassen. Denn nun, nach ein paar Jahren, haben sie sich selber so wunderbar vermehrt, dass ich das kleine Beet liebevoll als „Klein-Holland“ bezeichne. Scheinbar mögen sie den Standort, trotz Wind.

Manche Pflanzen haben es schwer bei uns, wir haben einen wunderbaren Lehmboden. Bei jedem Loch das wir graben sage ich scherzhaft „Nun erkennen wir im Boden wieder die verschiedenen Erdzeitalter“. Für Pflanzen schwere Kost, die wurzeln haben zu kämpfen. Fürchterlich. Allerdings hatten wir in den ganzen Jahren, in denen wir nun schon auf Lehmboden wohnen, noch nie mit Maulwürfen oder Wühlmäusen zu tun. Vermutlich ist denen der Boden auch zu blöd. Die Traum vom herkömmlichen Gemüsebeet war aber schnell begraben ohne es versucht zu haben, nun werde ich mich mal mit dem Thema Hochbeet befassen.

Wie sieht es bei euch aus, ich glaube, den perfekten Boden gibt es sehr selten oder? Habt ihr Tipps zum Thema „Gemüse im Hochbeet“? 🙂

kwk

Ein (fast) neuer Job

„Sie haben den Job“. Dieser Satz hat mich sehr froh gemacht und vor eine neue Herausforderung gestellt.

Aber am Besten fange ich von vorne an. Nach 36 Jahren Bibliotheksdienst (Fahrbibliothek, Musikbibliothek und Publikumsservice in der Zentralbibliothek) hat mich eine neue Aufgabe gereizt.

Ausgeschrieben war die Stelle Onleihe und Periodika (Zeitschriften). Mit der Onleihe hatte ich schon während der letzten Jahre im Publikumsdienst zu tun.

Die App erklären, den Leser*innen zeigen, wie man den E-Book-Reader bedient, und erläutern, wie man E-Medien herunterladen kann – dieser aktive Teil ist mir bestens bekannt. Mit den Zeitungen und Zeitschriften hatte ich jeden Tag zu tun. Ausleihen, zurück buchen und das ein oder andere Gespräch über den Zustand der Hefte führen („Nein, wir leihen die Zeitschriften nicht mit Rotweinflecken aus!“).

Doch wie sieht es mit der Medienbeschaffung im Online-Verbund aus? Wie werden die Lizenzen verwaltet? Welche Statistikmöglichkeiten gibt es? Wie werden die Kaufentscheidungen getroffen, die ja für 36 Bibliotheken verschiedenster Größenordnung in OWL gelten? Wie werden die ca. 400 Zeitschriften-Abonnements für die Stadtbibliothek und die Stadtteilbibliotheken verwaltet?

Hier habe ich in den letzten Wochen eine Menge dazugelernt (das letzte Mal, als ich in der Bestellabteilung gearbeitet habe, gab es noch Lochkarten!).

Ich freue mich auf meine neue Aufgabe in der OWL-Onleihe und in der Zeitschriftenstelle.

M. Orbke

Der Welttag des Buches

Habt ihr Lust zu feiern? – Wir auch. Aber mit Abstand und virtuell. Heute ist der Welttag des Buches und ich finde, das können wir ruhig mal zelebrieren.

Wie kam es eigentlich dazu, einen „Welttag des Buches“ auszurufen?

Nun, 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum „Welttag des Buches“, dem weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren. Die UN-Organisation für Kultur und Bildung hat sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Ganz nebenbei bemerkt ist der Tag der Geburtstag des isländischen Literaturnobelpreisträgers Halldór Laxness und der (vermutete) Geburts- und Todestag von William Shakespeare sowie der Todestag von Miguel de Cervantes. Wobei- zu dieser Zeit wurde in England noch mit dem julianischen Kalender gerechnet, während in Spanien schon der gregorianische Kalender galt. Somit starb Shakespeare zehn Tage später als Cervantes. Aber egal. 🙂

Außerdem begehen wir heute den Tag des deutschen Bieres. Zwei Events auf einmal, da lohnt sich doch das Feiern, oder? Für alle Statistik-Fans unter euch haben wir noch etwas von „Statista“ für euch:

kwk

Bielefeld-Verschwörung

Mit Verschwörungen kennen wir uns aus in Bielefeld, ist doch eine sehr populäre nach unserer Stadt benannt. Die „Bielefeld-Verschwörung“ ist, wer hätt’s gedacht, sogar schon 26 Jahre alt und offenbar unausrottbar; zumindest die Behauptung „gibt’s doch gar nicht“ kommt garantiert, sobald auch nur das Wort „Bielefeld“ erwähnt wird – als könnte dieser „Witz“ auch nach so vielen Jahren und Wiederholungen noch irgendwie originell sein.

Doch wenn man nachfragt, wissen die wenigsten, wie diese seltsame Geschichte entstanden ist. Dabei ist sie bestens dokumentiert – im Gegensatz zu den allermeisten Verschwörungsmythen. Deren Urheber sind in der Regel nicht bekannt, und – ähnlich wie Gerüchte – entwickeln Verschwörungstheorien schnell eine Art Eigenleben, verschränken sich gerne mit anderen Mythen und Ideologien, nehmen noch ein paar Halbwahrheiten mit, reißen die ein oder andere Tatsache aus dem Zusammenhang – kurz, sie schöpfen aus vielen anonymen Quellen. Das wirkt oft wie ein schlechter Witz. Ist es aber nicht.

Nun, die Bielefeld-Verschwörung war jedenfalls nie etwas anderes: ein Studentenulk, der zu einer Satire auf Verschwörungsmythen jeglicher Art wurde. Ein gutes Beispiel, wie schnell sich so ein Mythos verselbständigen und verbreiten kann, nicht zuletzt durch die modernen Medien.

Über die Bielefeld-Verschwörung gibt es genügend Material, das ist an anderer Stelle bereits aufgedröselt und kann z.B. bei Wikipedia leicht und anschaulich nachgelesen werden. Die Aktion von Stadtmarketing Bielefeld, die wie erwartet ja keinen Beweis für die Nichtexistenz der Stadt am Teutoburger Wald erbrachte – trotz der ausgelobten 1 Million Euro („Die Bielefeldmillion“ ) – hat der „Verschwörung“ nun endgültig den Garaus gemacht. Nur der Dauerwitz bleibt uns wohl trotzdem erhalten. Nun ja.

Einige der „echten“ Verschwörungsideologien sind womöglich ganz ähnlich entstanden. Ich erinnere mich noch gut, welches Aufsehen der durchaus spannende Roman „Das Sakrileg – Der Da Vinci Code“ von Dan Brown ausgelöst hatte: Konnte es sein, dass die dort beschriebene jahrtausendealte Verschwörung der Templer und sonstiger Bruderschaften auf Tatsachen beruhte? Klangen die Deutungen der geheimnisvollen Zeichen in der Erzählung nicht sehr plausibel?
Na klar, Dan Brown weiß natürlich, wie man eine Story in sich, also innerhalb ihrer Romanwirklichkeit, plausibel konstruiert. Aber einem Faktencheck in der realen Welt hielt das nicht stand. Das war für einige begeisterte Leser wohl etwas enttäuschend. Aber der Roman war eben nichts anderes als ein spannender Thriller, ein Pageturner. Und so – nur so! – gefallen mir fantasievolle Verschwörungsmythen. 😉

Stammt die Idee mit den Reptiloiden, die Menschengestalt annehmen können, nicht aus einer SF-Fernsehserie aus den 80ern? Und die Chemtrail-Ängste gehen doch auf einen Witz zurück, der komplett außer Kontrolle geraten ist, oder? Oh bitte!

Für manche passen diese puren Erfindungen und Ideen jedoch scheinbar perfekt als Erklärung für ein Rätsel oder ein Phänomen, ergänzen ein ohnehin schon versponnenes Weltbild oder irgendwelche Ängste – die sich dann, bestärkt durch die für echt gehaltenen Geschichten, sogar ins Wahnhafte steigern können. Die erst einmal seltsam erscheinenden Theoriekonstrukte verwandeln sich im Laufe der Zeit, passen sich an und werden immer vielschichtiger und umfassender. Jeder zupft sich heraus, was in sein Weltbild zu passen scheint. Gegenargumente gelten als Manipulation durch die vermeintlichen Verschwörer und ihre Handlanger – und damit prompt als Beweis für die Richtigkeit des Mythos.

Wichtig scheint auch ein ausgemachtes Feindbild, es muss schon das Böse schlechthin sein. Gerne wird da auf bekannte Stereotype zurückgegriffen. Man selbst gehört natürlich zu den Guten, zu den Wissenden, Erleuchteten, zu den Weltrettern gar. Dagegen gilt jeder, der nicht gläubig ist, als Unwissender, „Schlafschaf“ oder sogar als Teil der Verschwörung und somit als Feind.

Und was, wenn sich mehr und mehr Anhänger finden, die in einigen Fällen gar fanatisch werden? Neu ist dieses Phänomen nicht. Aber die digitale Vernetzung bestärkt zusätzlich – und macht aus kruden Ideen und Lügen eine global vernetzte Bewegung. So mancher findet aus seiner ideologisierten Filterblase nicht mehr heraus.

Offenbar lässt sich mit den Verschwörungsgläubigen ja auch viel Geld machen: Spenden, Bücher zum Thema, Wundermittel, Goldhandel u.v.m. Oder man nutzt die leichtgläubigen Anhänger gleich zur Verwirklichung eigener Machtphantasien oder gar Umsturzpläne aus. Während die einen noch handgemalte Protestplakate schwenken und Polonaise tanzen, stürmt in ihrem Schatten ein radikalisierter Mob die Parlamentsgebäude.

Das ist kein folkloristischer Spaß, auch wenn sie noch so seltsam kostümiert sein mögen! Sie tragen Galgen vor sich her, an denen sie Andersdenkende gelyncht sehen wollen, sie sind bewaffnet und auf einen Tag X fixiert – den Umsturz, die Machtübernahme, das Ende der Demokratie, die Apokalypse, what ever. Sie bedrängen gewählte Volksvertreter, bedrohen Journalistinnen und Wissenschaftler und überhaupt alle Andersdenkenden. Dabei nutzen sie geschickt demokratische Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit aus (die sie Andersdenkenden allerdings nicht zugestehen), tragen gar das Grundgesetz demonstrativ vor sich her, aber gleichzeitig eben auch Reichskriegsflaggen, Galgen, u. ä.  In Washington waren es sogar Waffen, Bomben, Kabelbinder zur Festsetzung von Geiseln. Bilder wie aus einem Alptraum.

Es ist mehr als verstörend, wenn Menschen im Namen der Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Freiheit, der Nächstenliebe, der Grundrechte, des Wohles der Kinder oder der ganzen Menschheit, im Namen eines gütigen und liebenden Gottes oder der Liebe zur Natur oder sonstiger hehrer Ziele aufmarschieren und dann doch nur Hass und Gewalt zeigen. Dass aus Gläubigen Fanatiker und sogar Terroristen werden können, ist schockierend, egal ob eine Religion oder Sekte, eine Ideologie oder irgendein verworrener Mythos der Auslöser ist.

Einige laufen auch einfach „nur“ gedankenlos mit den Hass- und Gewaltmenschen mit. Was für eine unselige Melange aus Impfgegnern, Esoterikern, irgendwie Unzufriedenen, Mythengläubigen und geschickt in diesem Fahrwasser lavierenden Demokratiefeinden hat sich da gebildet.

Ja, ich weiß, jetzt habe ich mich etwas weit von der doch harmlosen „Bielefeld-Verschwörung“ entfernt. Aber diese Bilder und Sprüche voller Gewaltbereitschaft und Hass in den letzten Wochen und Monaten schockieren mich. Wie einfach ist es doch für Radikale und Ideologen, die Leichtgläubigen und Faktenresistenten zu unterwandern.

Dass Menschen nicht wahr haben wollen, was nicht in ihre Weltanschauung passt, ist, wie gesagt,  nicht neu. Wir sind alle mehr oder weniger verführ- und manipulierbar. Egal wie gebildet und kultiviert wir uns wähnen, niemand gibt gerne zu, dass er/sie sich verrannt hat. Doch Scheuklappen auf und einfach an „alternative Wahrheiten“ glauben wollen? Und dann auch noch erkennbaren Demagogen und Demokratiefeinden eine Bühne geben und mit ihnen mitlaufen?

Aus Worten werden Taten – leider mussten wir das schon allzu oft erleben. Diese UnHeiligen Kriege, Hasspredigten, „Revolutionen“ und Hexenjagden kennen und fürchten wir schon seit Tausenden von Jahren. Ich dachte wirklich, unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert und in 70 Jahren Demokratie wäre stärker und aufgeklärter. Doch der kulturelle Firnis ist leider nur erschreckend dünn.

1 Million Euro, um dieses Verschwörungsgelaber bitte endlich zu beenden!

Ach, wenn’s doch nur so einfach wäre!

HilDa

Literaturtipps und im Text erwähnte Bücher:
  • Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit : wahr, falsch, plausibel? : die größten Streitfragen wissenschaftlich geprüft / Mai Thi Nguyen-Kim ; mit Illustrationen von Ivonne Schulze. Doemer-Verlag, 2021.
    Die Wissenschaftsjournalistin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim untersucht brennende Streitfragen unserer Gesellschaft; mit Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen kontert sie Halbwahrheiten, Fakes und Verschwörungsmythen – und zeigt, wo wir uns mangels Beweisen noch zurecht munter streiten dürfen.
  • Einspruch! : Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online / von Ingrid Brodnig ; Illustrationen Marie-Pascale Gafinen. Brandstätter-Verlag, 2021.
    Die österreichische Autorin und Publizistin Ingrid Brodnig ist Expertin für Lügengeschichten, Mobbing und Hass in unserer zunehmend digitalen Welt.
  • Verschwörungsmythen – woher sie kommen, was sie anrichten, wie wir ihnen begegnen können / von Michael Blume. Patmos-Verlag, 2020.
    Michael Blume ( Religionswissenschaftler, Beauftragter der Landesregierung Baden-Württemberg gegen Antisemitismus) analysiert die kulturgeschichtlichen und psychologischen Hintergründe, warum es solche Mythen gibt und wie sie »funktionieren«. Er gibt Rat, was man Verschwörungsgläubigen antworten kann. (aus dem Klappentext)
  • Fake Facts: wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen / von Katharina Nocun und Pia Lamberty. Quadriga-Verlag, 2020.
    Verschwörungstheorien verbreiten sich nicht nur im Netz wie Lauffeuer und sind schon lange kein Randphänomen mehr. Katharina Nocun (Publizistin, Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin, Politikerin) und Pia Lamberty (Sozialpsychologin, die zu Verschwörungsideologien forscht) beschreiben, wie sich Menschen aus der Mitte der Gesellschaft durch Verschwörungstheorien radikalisieren und die Demokratie als Ganzes ablehnen. Welche Rolle spielen neue Medien in diesem Prozess? Wie schnell wird jeder von uns zu einem Verschwörungstheoretiker? Und wie können wir verdrehte Fakten aufdecken und uns vor Meinungsmache schützen? (aus dem Klappentext)
  • Fake News und Verschwörungstheorien: Wie man Gerüchten nicht auf den Leim geht / Text Gérald Bronner ; Zeichnungen & Colorierung Krassinsky ; aus dem Französischen von Edmund Jacoby. – Verlagshaus Jacoby & Stuart, 2019.
    Der kurzweilige Comic erklärt, wie Fake News und Verschwörungstheorien funktionieren, warum wir so leicht auf sie hereinfallen und wie wir Informationen auf ihren Realitätsgehalt hin checken können. (aus dem Klappentext)
  • »Nichts ist, wie es scheint« : über Verschwörungstheorien / von Michael Butter. Suhrkamp-Verlag, 2018.
    Was macht eine Erklärung zu einer Verschwörungstheorie? Warum sind sie für viele so attraktiv? Und was kann man dagegen unternehmen? Michael Butter erläutert, wie solche Erzählungen funktionieren, wo sie herkommen und welche Auswirkungen sie haben können. (aus dem Klappentext)
    Michael Butter ist Professor für amerikanische Literatur und Kulturgeschichte an der Universität Tübingen. Er leitet außerdem ein EU-Forschungsprojekt zur Analyse von Verschwörungstheorien.
  • Bullshit-Resistenz / von Philipp Hübl. Nicolai Publishing & Intelligence, 2018.
    Essay des Philosophen und Publizisten Philipp Hübl über die Plicht zum kritischen Denken, um Wahrheit von Unwahrheiten zu unterscheiden und so den allgegenwärtigen Verschwörungstheorien und Fake News etwas entgegenzusetzen.

Zur Bielefeld-Verschwörung gibt es Romane und Comics:

Über Dan Browns Roman „Das Sakrileg – The Da Vinci Code“:

    • den Roman in verschiedenen Ausgaben findet Ihr hier
    • Sakrileg entschlüsselt : Dan Browns Bestseller von A bis Z / von Simon Cox. Heyne-Verlag.
    • Das Da-Vinci-Geheimnis : Wahrheit und Mythos in Dan Browns Sakrileg / von Sangeet Duchane. White-Star-Verlag.

(Auswahl: HilDa)