Wo gibt’s denn heute noch was umsonst?

Na, bei uns, in der Stadtteilbibliothek Sennestadt!

Im Dezember laden wir sehr herzlich dazu ein, unseren Adventskalender zu plündern.

Dienstags bis samstags gibt es kleine Überraschungen und Mitmachangebote für die ganze Familie.

Neugierig geworden? Wir freuen uns auf Groß und Klein!

(Hier geht es zu den Öffnungszeiten und Infos zu den aktuellen Coronaregeln.)

Meine Sprache, deine Sprache

Meine Sprache, deine Sprache – das ist ein Projekt der Stadtbibliothek Bielefeld mit einer internationalen Klasse der Luisenschule und einer OGS Gruppe des Schulverbundes Hellingskampschule / Standort Josefschule. Es ist ein Projekt zur Lese- und Sprachförderung für Schüler und Schülerinnen, die erst kurze Zeit in Deutschland leben. Gefördert wird das Ganze vom Lions-Club Bielefeld-Ravensburg.

Mit viel Leidenschaft, Ideenreichtum und Engagement haben wir den Schülern und Schülerinnen, die bisher nur geringe Deutschkenntnisse besitzen, das Lesen näher gebracht. Auch im Jahr 2020/21 wurden, trotz Corona, Projekte umgesetzt und neue Wege gefunden, Wissen und Kultur zu vermitteln. Unsere Bibliothek spielt dabei als Ort der Begegnung eine wichtige Rolle. So können Schüler und Schülerinnen in der Gemeinschaft Hemmschwellen abbauen, ihre Sprachkenntnisse erweitern und spielerisch neue Erfahrungen machen, die ihnen zur Selbstorientierung verhelfen.
Wir freuen uns immer wieder, wenn „unsere Kinder“ auch über den wöchentlichen Klassenbesuch hinaus die Bibliothek als Lern- und Begegnungsraum nutzen.

Die einzelnen Projekte wollen wir euch heute näher vorstellen.

Lesen
Wir möchten die Leselust der Kinder wecken, sie zum Erzählen und Sprechen anregen, das alles in einer gemütlichen und sicheren Atmosphäre, in der sie sich ausprobieren und einbringen können. Dafür bieten wir verschiedenste Anlässe, zu denen wir oft auch von den Kindern selbst angeregt werden. Sie dürfen die Bibliothek als IHREN Raum zum Lernen und Stöbern kennen lernen. Hier dürfen sie ihre eigenen Sprach-Interessen finden und entwickeln. Wir begleiten sie, fordern sie manchmal heraus und unterstützen sie im Rahmen unserer Möglichkeiten.

Spaziergang
Weil wir uns noch nicht wieder in der Bibliothek treffen durften, machten wir einen gemeinsamen Ausflug in die Umgebung der Schule und der Bibliothek. Mit Hilfe von Büchern lernten wir die Baumarten kennen und sammelten ihre Herbstfrüchte. Bewegung, Spaß und gemeinsame Entdeckungsfreude an frischer Luft tun allen gut!

Ringelnatz
Im Winter ein Wintergedicht – auch wenn die Sprache des Gedichtes nicht gleich verständlich war, haben die Kinder den Witz mit dem Gips und dem Stips sofort verstanden. Wir übten zusammen das Schönschreiben und gestalteten das Rehgedicht.

Honigbienen
Yassine ist der Bienenexperte bei den Dienstagskindern. Wir vertieften das Thema mit einer Sachgeschichte als Kamishibai-Erzähltheater über das Leben der Bienen. Jeder malte seine eigene Biene und zur Erinnerung wurde der Entwurf in eine echte Stoffbiene verwandelt! Kinder sind halt genauso individuell wie Bienen! 🙂

Lebkuchenmänner
Leider untersagte uns die Corona-Hygienevorschrift das Backen und Singen in der Vorweihnachtszeit. So bastelten wir uns halt unsere eigenen Lebkuchenmänner. Dazu sammelten wir viele Winterwörter, die wir dann rappen und klatschen konnten. Stärkung gab es mit Mandarinen, die, selbst geschält, einen tollen Duft verbreiteten. So entstand doch noch eine weihnachtliche Stimmung. Und spannend war es auch, sich über Weihnachtsbräuche und -wünsche auszutauschen!

Digitales Lernen für alle
Die Luisenschule ging zwischenzeitlich ins Homeschooling, alle Projektkinder bekamen Tablets von der Schule geliehen. Damit sie sicher verwahrt sind, nähten wir Taschen aus alten Jeanshosen. Und über eine Lernplattform konnten wir auch in der Lockdown-Zeit zusammen arbeiten und auch selber dazulernen.

Post
Während des Lockdowns – was macht man denn, wenn man sich nicht sehen kann? Unsere Antwort heißt: Briefe schreiben! Also machten wir uns auf den Weg in die Hellingskampschule und erzählten, was Briefe schreiben bedeutet, wie die Post funktioniert und wozu eine Briefmarke nötig ist. Zusammen schrieben wir dann selber Briefe an liebe Menschen und lasen sie uns gegenseitig vor.

Ich bin ich
Endlich wieder in der Bibliothek! Nach dem Lockdown durften die Kinder ihr Bild von sich an unserem Kinderzimmer verewigen. Damit die Bibliothek nicht noch einmal so lange ohne sie auskommen muss. Und ob mit oder ohne Maske, wir sind, was wir sind: Die Dienstagskinder!

Wundertüte
Damit die Dienstagskinder uns nicht vergessen, schickten wir Wundertüten in die Schule mit einer Geschichte, Bastelanleitung und Material zum Thema Vogelstimmen. Passend dazu sangen wir über Whatsapp das Lied „Kommt ein Vogel geflogen“.
Mit diesem Lied wurden wir von den Kindern beim ersten Wiedersehen in der Bibliothek begrüßt!

Vogelbaum
Die Kinder haben so viel Freude am Basteln gehabt, dass sie uns beim ersten Besuch nach dem Lockdown ihre Vögel schenkten. Wir gestalteten einen Baum am Fenster des Kinderzimmers, auf dem alle bunten Vögel ihren Platz fanden. Die Kinder haben sich Botschaften überlegt, die die Vögel überbringen – für alle Kinder, die in die Bibliothek kommen.

Maker Space
Kurz vor den Sommerferien gab es ein besonderes Erlebnis: Wir machten einen Technik-Workshop und bastelten echte Lichtschwerter. Gar nicht so einfach, die richtigen Strippen zu ziehen, bis die Lampen der Lichterketten wirklich alle leuchteten. Aber DIE MACHT ist mit uns!

Lettering
Wir ließen Türschilder sprechen, die gerade für das Homeschooling und die lange Zeit Zuhause hilfreich waren. Oder einfach als lieben Gruß und herzliches Willkommen, für die Zeit, als ein Wiedersehen wieder möglich war!

Wir pflanzen…
…und wachsen wieder zusammen
Nach dem langen Winterlockdown ließen wir beim ersten Treffen in der Bibliothek neue Blumen wachsen. Vorgezogene kleine Pflanzen wurden bestimmt und eingetopft. Durch selbstgeschriebene Pflanzenstecker blieben die Namen in Erinnerung. Die Blumen wurden mit in die Schule genommen und dort beim Weiterwachsen begleitet.

Wiesenkräuter
Die gepflanzten Wiesenkräuter wuchsen in der Luisenschule weiter. Vertiefend lernten wir die Arten mit Hilfe von Büchern kennen. Beim Abzeichnen war ganz genaues Hinschauen gefragt.

Nähprojekt
In den Sommerferien kamen Schülerinnen freiwillig und nutzten das Nähangebot der Bibliothek.
Erstes Nähprojekt war ein Bücherrucksack, der auch gleich gefüllt wird!

Die Recycling Roadshow kommt nach Bielefeld

Aus alt mach neu. Getreu dem Motto werden in Bielefeld zur Zeit alte Jeans gesammelt, die in etwas neues verwandelt werden sollen: einen Bielefeld-Sweater! Organisiert wird diese Recycling Roadshow, die zur Zeit durch Europa tourt, vom Unternehmen Blue LOOP Originals. Zusammen mit der Stadt Bielefeld möchte das Unternehmen zeigen, wie Kleidung nachhaltiger produziert werden kann.

Der Bielefeld-Sweater wird aus den recycelten Jeans nachhaltig in Europa produziert – ohne Unmengen wertvollen Wassers zu verbrauchen und ohne riesigen CO2 Abdruck. Die Jeans werden in Gronau bei ALTEX zu einer Reissfaser verarbeitet, bei ESG in Belgien zu einem Garn gesponnen und in Portugal bei Sampaio und CPC zu einem individuellen Bielefeld Sweater gefertigt.

Wenn ihr auch alte abgetragene, zu klein oder zu groß gewordene oder nicht mehr reparierbare Jeans Zuhause liegen habt, könnt ihr diese bis zum 20.11.2021 bei verschiedenen Sammelstellen in Bielefeld abgeben, unter anderem auch bei uns in der Stadtbibliothek am Neumarkt. Dort findet ihr im Erdgeschoss bei den Medien aus dem Bereich Hauswirtschaft einen schwarzen Korb. Die weiteren Sammelstellen findet ihr hier. Dort wird es auch Informationen geben, wo und wann ihr die Bielefeld-Sweater kaufen könnt.

lga

Achtung Achtung, Bücherstau im Geschäftsgang

Ihr habt sicher schon einmal den Hinweis in der „Status“-Spalte im Katalog gesehen: „z.Zt. beim Lektor“. Ich kann Euch versichern, das bedeutet nicht, dass wir die Bücher erst lesen müssen (oder dürfen), bevor sie weiter eingearbeitet werden. Aber bevor die Medien fertig für die Ausleihe sind, müssen sie einen sogenannten Geschäftsgang durchlaufen. Den versuchen wir so kurz wie möglich zu halten. Doch dabei geht es nicht nur um ein einzelnes Buch, das einfach von Hand zu Hand gereicht wird und schnell mal eben inventarisiert, katalogisiert, inhaltlich erschlossen, mit den Signaturen beklebt und foliiert werden muss.

Jede Lektorin sucht Monat für Monat Medien im Rahmen ihres Etats aus, außerdem haben wir Verträge und bekommen Grundbestandstitel automatisch geliefert. Jeden Tag kommen kistenweise neue Medien. Nach der Prüfung der Lieferungen und Rechnungen müssen die Medien erst einmal katalogisiert werden. Dann bekommt jedes Exemplar den Status „z.Zt. beim Lektor“; ab jetzt seht Ihr in unserem Web-Katalog, dass wir den Titel angeschafft haben, und Ihr könnt den Geschäftsgang weiterverfolgen: „Techn. Medienbearbeitung“ oder „in Bearbeitung“ und dann endlich „Verfügbar“.

Screenshot mit Katalogdaten aus dem online-Katalog zu dem Sachbuch "Die grosse Illusion"; die Felder "Signatur" und "Status" sind markiert

Als Lektorin bin ich u.a. zuständig für die sogenannte Inhaltliche Erschließung, damit man ein Medium im Katalog auch nach inhaltlichen Gesichtspunkten finden kann. Vor allem die Sachbücher benötigen eine systematische Einordnung, denn danach werden sie im Regal sortiert, das legt also ihren genauen Standort im Regal fest. Wir nennen das „Signieren“ oder „Signatur vergeben“. Am Ende steht diese Signatur (man könnte auch Standort-Code dazu sagen) auf dem Schildchen, mit dem der Buchrücken beklebt ist; die gleiche Signatur findet Ihr im Katalog in der Spalte „Signatur“. Mit diesem Code findet Ihr somit das gewünschte Buch im Regal – und Medien mit ähnlicher Thematik direkt daneben. (Die Spalte „Standort“ zeigt übrigens das Regal oder den Bereich an; damit soll die Signatur etwas erklärt werden: z. B. das S in der Signatur Sek 4 Gross steht für den Sachbereich Tanz/Theater/Film)

Während jeder Lektor nur die Medien aus „seinem“ Sachbereich signiert, kommen alle Medien dann in die Technische Medienbearbeitung, wo sie die Signaturschilder und die Schutzfolie erhalten. Das ist aufwändiger als es klingt, denn das Titelbild und bei Romanen auch die Klappentexte müssen erst zurechtgeschnitten werden, für unterschiedliche Beilagen wie z. B. Karten, Schnittmuster, CDs, Lösungshefte müssen Taschen eingeklebt werden. AV-Medien sind noch mal schwieriger zu bearbeiten, bekommen neue Hüllen, noch mehr Aufkleber, … . Über die TMB, so nennen wir die Abteilung kurz, könnten wir einen eigenen Beitrag schreiben. Frisch beklebt und foliiert kommen die Medien von hier dann jedenfalls ausleihfertig ins Neuerwerbungs-Regal oder auf die Ausstellungsbretter in den Regalen der jeweiligen Sachgruppe. Oder in die Stadtteilbibliotheken.

Wir bestellen regelmäßig neue Medien, das sind hunderte jeden Monat. Wie gesagt, wir bemühen uns, den Geschäftsgang so kurz und fließend wie möglich zu halten. Trotzdem entsteht immer wieder etwas, das wir einen „Bücherstau“ nennen. Das geschieht vor allem, wenn besonders viele Medien gleichzeitig geliefert werden. Oder wenn wir für andere Aufgaben eingeteilt sind: so haben z.B. der Publikumsservice oder manchmal auch besondere Projekte Vorrang, dann müssen die sogenannten Hintergrundarbeiten eben ruhen – also bleiben auch neue Medien manchmal eine Weile liegen. Um einen Stau dann wieder abzuarbeiten, können wir die Medien entweder ganz nach der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeiten oder wir ziehen die Medien vor, die besonders gefragt werden.
Immer vorgezogen werden übrigens die Bestseller-Medien, die haben ohnehin einen verkürzten Geschäftsgang.

Tja, und dann gibt es noch Verzögerungen durch Krankheit und Urlaub. 😏 Klar, immer genau dann, wenn Ihr doch auf diesen einen wichtigen Titel wartet.

Ach ja, Lektor*innen und ebenso alle Bibliotheksmitarbeiter*innen lesen natürlich gerne und viel – und neue Bücher besonders gerne. Dann leihen wir aber aus, so wie Ihr. Manchmal benötigen wir die Medien – z. B. zur Vorbereitung von Veranstaltungen – tatsächlich etwas länger.

Im Online-Katalog seht Ihr den Stand des Geschäftsgangs im Feld Status. Fragt im Eilt-Fall gerne nach, aber bitte nicht bei jedem Wunschtitel. Wenn wir alle Medien gleichzeitig vorziehen, geht natürlich gar nichts schneller. Ist wie beim Stau auf der Autobahn, da lässt man auch nicht für jeden Wagen eine Gasse, sondern nur für die mit Blaulicht. 😉 Okay, der Vergleich hinkt jetzt ein wenig. Aber wenn wir auf all den Bücherwagen ein einzelnes Buch suchen, geht ja nur weitere Zeit verloren; darum machen wir das auch nur in wichtigen Einzelfällen.

Ich könnte jetzt erzählen, dass der Geschäftsgang früher sogar Monate brauchte. Vor allem durch die elektronische Datenverarbeitung und Digitalisierung konnten mehrere Arbeitsschritte zusammengefasst und vereinfacht werden. Außerdem übernehmen wir sogenannte Fremddaten, also Katalogdaten, Inhaltsangaben etc., die bereits von anderen Bibliotheken oder Datenbanken erstellt sind und die wir übernehmen dürfen.

Heute diskutieren wir aus verschiedenen Gründen über weitere Vereinfachungen, z.B.: Wo können wir die Foliierung wegfallen lassen? Das spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern letztlich auch Müll.

Aber das ist wieder ein eigenes Thema.

HilDa

Vom Puzzle der Balken zum fertigen Fachwerkhaus

Wie baut man eigentlich ein Fachwerkhaus? Das haben 13 Kinder im Rahmen der Ferienspiele des Amts Heepen erkunden können. Die 8- bis 13-Jährigen haben an drei Tagen im Juli an dem Projekt „Fachwerkbau“ teilgenommen, das vom Heeper Heimat- und Geschichtsverein (HGV) und dem Förderverein zum Erhalt der Stadtteilbibliothek Heepen angeboten wurde.

Am ersten Tag des Projekts, das in der Alten Vogtei (passenderweise selbst ein altes Fachwerkhaus) stattfand, wurde gemeinsam in der Stadtteilbibliothek und im Archiv des HGV zu Fachwerkhäusern recherchiert. Die Kinder lernten spielerisch die Grundlagen des Fachwerkbaus – und damit auch Begriffe wie Pfette und Schelle, Rähm und Strebe – kennen.

Tag zwei brachte einen Exkurs zu römischen Zahlen mit sich, da die Holzbauteile im Fachwerkhaus mit römischen Zahlen gekennzeichnet sind. Die Kinder konnten mit viel Gelächter persönliche Tischkarten aus Holz mit Namen und römisch geschriebenem Geburtsdatum anfertigen. Beim Bau kleiner Modellhäuser wurden die am vorigen Tag gelernten Begriffe verfestigt. Ein Spaziergang mit dem Suchen von Fachwerkhäusern im Heeper Ortskern und etliche Spiele rundeten den Tag ab.

Abschluss des Projekts bildete am dritten Tag der Aufbau echter Fachwerkhäuser! Na gut, Miniaturfachwerkhäuser, aber das Prinzip konnten die Kinder so auch praktisch erfahren. Die Teile für die Fachwerkhäuser wurden im Vorfeld vom Handwerksbildungszentrum in Brackwede angefertigt. Unter der Leitung der Handwerksmeister Markus Ortmann und Lukas Kassing haben einige Auszubildende des ersten Lehrjahrs in Eigenregie Häuser geplant und die Balken vorgefertigt. Dabei wurden 2,3 Festmeter heimisches Holz verbaut. Das gesamte Holz hat die Firma Holzland Brinkmann in Brake großzügig gespendet und geliefert.

Die Kinder konnten in drei Gruppen jeweils ein Haus aufbauen – durch die gute Vorbereitung an den vorherigen Tagen ging das Ruckzuck. Eins darf nach einem Hausbau natürlich nicht fehlen: das Richtfest! Und so wurden noch Richtkränze gebastelt. Beim anschließenden Fest trugen die Kinder auch einen traditionellen Richtspruch vor.

Dann war es endlich geschafft! Stolz und mit viel Applaus ging es mit Kuchen von Bäckerei Wulfhorst und Bionade zum Richtschmaus. Als Ehrengäste konnten Holm Sternbacher, Herr Skarabis und Markus Ortmann vom Handwerks-Bildungszentrum begrüßt werden.

Ganz erledigt war die Arbeit damit aber noch nicht. Die Initiatoren Adelheid Speer, Anne Krüger-Gembus, Christian Gembus und Wilhelm Speer bauten am nächsten Tag die Häuser wieder ab und lagerten sie für den nächsten Einsatz bei Schulen, Stadtteilfesten und Ferienspielen ein, um auch in Zukunft die Frage, wie man eigentlich ein Fachwerkhaus baut, anschaulich beantworten zu können.

Radtour nach Dienstschluss

Stadtradeln in Bielefeld ist für dieses Jahr vorbei, aber wir möchten gerne unsere gemeinsame Radtour mit Euch teilen.

Wir trafen uns an einem Samstag mittags kurz nach Dienstschluss: Kolleginnen und Partner, insgesamt 12 Teilnehmer*innen. Die gemeinsam gefahrenen Kilometer sollten unserem Stadtradeln-Team „Stadtbibliothek auf Rädern“ gut geschrieben werden. Als es hieß, die Strecke sei ca. 30 km lang, war ich nicht sicher, ob ich mithalten könnte. Zum Glück war nicht die einfache Strecke gemeint, sondern wirklich der gesamte Rundkurs. Nun, das erschien machbar, auch wenn ich keine elektrische Unterstützung an meinem Fahrrad habe.

Eine erfahrene Kollegin hatte den Kurs für uns ausgesucht und vorbereitet; gleich zu Beginn skizzierte sie kurz den Schwierigkeitsgrad und die Richtung, „warnte“ uns schon mal vor, es gäbe unterwegs auch ein bisschen Stadtgeschichte und Kultur, vor allem aber eine Eisdiele als Zielort. Und schon ging es los.

Erste Wegmarke war das Gelände bei den Oetker-Werken. Wir mussten erst einmal durch die Stadt: Turnerstraße, Altstadt, am Naturkundemuseums vorbei, über den Adenauerplatz unter der Sparrenburg her nach Bethel, dort dann zur Radrennbahn.

Auf dem Foto ist ein Schotterweg, dahinter eine umzäunte Grünfläche zu erkennen, im Hintergrund Bäume und Häuser, in der Ferne der Turm der Sparrenburg

Moment, sagt jetzt vielleicht nicht nur die Zugezogene, sondern auch so mancher ortskundige Bielefelder: Die Radrennbahn ist doch im Osten der Stadt in den Heeper Fichten. Stimmt, doch die erste Bielefelder Radrennbahn vor gut 130 Jahren – und noch mit den kuriosen Hochrädern befahren – war am Bolbrinker in Gadderbaum. Viel erkennen kann man von der alten Pracht zwar nicht mehr, aber ein Zeitungsartikel vom 12.2.2016 in der NW erzählt etwas mehr über die Geschichte des Bolbrinkers. Ich bin nur froh, dass unsere Fahrräder heute moderner und leichter zu fahren sind als die Hochräder, auf denen damals hier die Rennen ausgetragen wurden. Eine Skulptur gibt einen Eindruck. Sieht ja beeindruckend aus. Aber auf so einem Hochrad und noch dazu mit langem Kleid hätte ich unsere Radtour nicht gemacht. Wir fuhren eine Ehrenrunde auf der 333,3-Meter-Strecke und stellten uns dabei den tosenden Applaus der Massen auf den Rängen vor: Wir gewannen das Mannschaftsrennen.

Ohne Applaus ging es weiter: erst den Ostwestfalendamm überqueren (Brücke natürlich) und eine kurze Strecke parallel dazu über den Kamm (die erste anstrengende Steigung) zur Lutter, genauer zu der Ems-Lutter. Wusste ich auch nicht: Es gibt zwei Lutter, die Weser-Lutter (auch Bielefelder Lutter oder Lutterbach genannt) fließt (wieder) durch die Stadt und mündet später über Aa und Werre in die Weser; wir folgten ein Stück der Ems-Lutter (auch Gütersloher Lutter genannt) durch ein herrliches Wäldchen mit vielen kleinen Feuchtbiotopen.

Schild "Luttertal: Wandern auf dem Ems-Lutter-Weg" mit Karte, Legende und Beschreibungen (auf dem Foto nicht lesbar)
Das Luttertal ist Teil eines Wander- und Radwanderweges

Da kam es zu einer kleinen Panne, wir bemerkten erst gar nicht, dass wir zwei Mitfahrerinnen verloren hatten. Zum Glück gibt es Smartphones. Und zumindest einer von uns hatte Werkzeug dabei und konnte helfen. Während wir warteten, habe ich diese gelbe Blume fotografiert, die ich später als Wasserlilie identifizieren konnte.

Wasserlilie inmitten von Gras und Schilf
Wasserlilie im Feuchtbiotop

Der nächste kurze Haltepunkt war der Campingplatz in Quelle „Campingpark Bielefeld, Meyer zu Bentrup“ mit Hinweis auf den kleinen Zoo, den Hofladen und vor allem den Biergarten. Aber wir machten hier noch keine Rast. Nach einer kurzen Diskussion über die Lokalpolitik zum geplanten Badesee bei Bielefeld, der wohl nicht öffentlich zugänglich, sondern nur für Campingplatzkunden nutzbar sein wird, fuhren wir weiter, vorbei an grünen Landschaften und blühenden Vorgärten.

Die Autobahnbrücke über die A33 war die zweite Steigung auf unserer Strecke, aber hatte dann auch eine schöne Abfahrt. Und schon rollten wir in das alte Städtchen Steinhagen, an der Gemeindebücherei vorbei zur Kirche, wo wir die Fahrräder abgestellt haben, um uns mit einem Eis zu belohnen. „Mandarine-Schmand“ war die besondere Empfehlung, der ich mich anschließen kann. Lecker.

Alte Kirche, an der Mauer zum Kirchhof lehnen Fahrräder, im Hintergrund ein Fachwerkhaus
Ev. Pfarrkirche Steinhagen, Rückfront

Aus Steinhagen kommt übrigens auch der „Steinhäger“ – klingt jetzt wenig originell, aber mir war das wirklich neu, den Ortsnamen Steinhagen gibt es ja wohl öfter. Die urigen Flaschen („Kruke“ aus braunem Steinzeug) des Branntweins kenne ich natürlich. Also vom Sehen.

Für den Rückweg nahmen wir fast die gleiche Strecke nur mit einem kleinen Schlenker zu Niemöllers Mühle, die letzte noch funktionstüchtige Mühle Bielefelds, liebevoll restauriert und gepflegt von ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern. Ein schönes Ausflugsziel, normalerweise auch mit einem Veranstaltungsprogramm: Führungen, Brotbacken und andere Workshops. Mehr findet Ihr auf der Website des Mühlenvereins.

Foto von dem Mühlrad, auf das von oben Wasser fällt, das in einem Bach weiterfließt
Niemöllers Mühle

Wieder in Bielefeld City angekommen, war der logische Abschluss ein Biergarten in der Altstadt. Ein runder Nachmittag: gut vorbereitete Tour, fröhliches und rücksichtsvolles Team. Und das ideale Radfahr-Wetter: trocken, nicht zu warm und ohne Gegenwind. Die schönen Tour- und Ausflugsziele geben wir hiermit gerne weiter.

Zum Schluss noch unser Ergebnis beim Stadtradeln:
Unser Team „Stadtbibliothek auf Rädern“ hatte 40 aktive Mitfahrer*innen. Zusammen haben wir fast genau 11.800 km erradelt, das macht im Durchschnitt 295 km pro Person; nun ja, Durchschnitt heißt, einige sind sportlich auf über 1000 km gekommen und andere haben einen deutlich kleineren Beitrag geleistet. Jeder nach seinen Möglichkeiten, jeder einzelne Kilometer war willkommen. Ich liege mit meiner Gesamtleistung von 140 km jedenfalls sehr deutlich unter dem Durchschnitt, aber immerhin über meinem Vorjahresergebnis.
Spaß gemacht hat‘s, darauf kommt es an.

HilDa

Lieblingsraum …

… was macht einen Lieblingsraum eigentlich aus? Mit dieser Frage werden wir uns in den kommenden Monaten eingehend beschäftigen. Denn – wir wollen gerne die Kinderbibliothek in der Stadtbibliothek am Neumarkt umgestalten. Und zwar nicht einfach irgendwie – nein, wir wollen dazu von euch erfahren, wie euer Wohlfühlraum aussieht. Wie sollte die Kinderbibliothek aussehen, welche Atmosphäre sollte sie ausstrahlen, damit sie eurem Lieblingsraum gleich kommt?

Ein Lieblingsraum ist laut Definition „ein Raum, in dem man sich gerne aufhält“. Es kann also jeder Raum sein oder werden, Hauptsache man fühlt sich wohl. Sei es in einem kleinen Lokal in der Stadt, im Geschäft um die Ecke oder das eigene Zuhause.

Um unsere Kinderbibliothek zu genau so einem Ort zu machen, möchten wir euch einladen an unserer Umfrage teilzunehmen. Wir freuen uns auf eure Antworten! 🙂

Recherche-Tipps #6: Statista

Wie der Name bereits vermuten lässt, ist Statista ein umfangreiches Statistikportal mit vielen Möglichkeiten. Es erleichtert die mühsame Suche im Internet nach Daten, die dann auch noch mühsam aufbereitet werden müssten. So findet ihr hier nicht nur einzelne Statistiken, sondern auch gebündelte Marktübersichten zu einzelnen Branchen, Infografiken zu tagesaktuellen Themen, Studien und Dossiers. Ihr könnt zum Beispiel den Pro-Kopf-Verbrauch von Schokolade nach Ländern ermitteln (Deutschland isst am meisten Schoko: 11,9 kg / Person!, die Österreicher gerade mal 0,83 kg) oder gleich ein ganzes Dossier zum Thema Schokoladenwaren herunterladen.

Im Suchfeld kann man die gewünschten Suchbegriffe eingeben, sie lassen sich auch kombinieren. Links der Trefferliste gibt es zusätzliche Filtermöglichkeiten, die Checkboxen und darunter weitere Auswahlmöglichkeiten nach Zeitraum, Regionen und Länder.  Interessant ist in diesem Zusammenhang die Checkbox „Themen“, hier findet man weitere,  zum Thema gehörige Statistiken. Aber Vorsicht, das lädt ein, sich in interessanten Details zu verzetteln… 🙂

Mit eurem Bibliotheksausweis könnt ihr dieses Portal über den Login kostenfrei nutzen, privat muss man für ein Dossier schon mal locker 500,- € hinblättern. Auch die Lizenzkosten, die wir zahlen müssen, sind nicht ganz billig, deshalb freuen wir uns, wenn das Portal rege genutzt wird. In eurer Facharbeit könnt ihr sicherlich punkten, wenn ihr eure Thesen mit gut recherchierten Statistiken oder Infografiken belegt bzw. untermauert. Außerdem macht sie eine Arbeit oder eine Präsentation lebendiger und unterbricht einen theoretischen Text in willkommener Weise.


Beim Aufruf der Statistik sehen wir die Darstellung der Grafik, darunter eine umfangreiche Beschreibung und rechts im Feld den Hinweis auf Downloadmöglichkeiten in allen möglichen Formaten wie PDF, XLS, PNG oder PPT. Auch eine Angabe der Quelle ist vorhanden, woher die Daten stammen und wer sie wann erhoben hat. 

Und noch ein interessantes Detail, das ihr auch schon von unseren anderen Datenbanken kennt: Per Copy & Paste einfach die bibliographischen Angaben übernehmen. Klickt dazu auf die Anführungszeichen rechts der Grafik, so könnt ihr die Zitierweise (vermutlich MLA – das soll die meist genutzte Zitierweise sein) auswählen und sogleich in euer Literaturverzeichnis übernehmen!


Habi

Im Blog-Artikel Informationskompetenz haben wir alle bisher erschienenen Recherche-Tipps verlinkt. Die Tipps sind Teil unserer Workshops zum Thema Facharbeitsrecherche. Informationen dazu und unseren anderen pädagogischen Angeboten findet Ihr hier.

Baumheide bekommt Beine

In der Stadtteilbibliothek Baumheide herrscht seit kurzem gähnende Leere. Keine Regale, keine Bücher. Keine Tische, keine Stühle. Das orange Sofa ist genauso verschwunden wie der Tresen und die Computer Arbeitsplätze. Aber keine Sorge. Alles ist sicher verpackt und eingelagert worden und wartet darauf bald wieder in die Stadtteilbibliothek zurückkehren zu können. Denn die Bibliothek, genauso wie das ganze Freizeitzentrum Baumheide, werden in den nächsten Monaten umgebaut und renoviert.

Wir sind selbst schon richtig gespannt, ob wir die Stadtteilbibliothek nach dem Umbau überhaupt noch wiedererkennen. 🙂

Bis dahin wurden alle in Baumheide entliehenen Medien bis September verlängert. Schaut zur Sicherheit bitte in eurem Bibliothekskonto nach der genauen Leihfrist.

Wer bisher ausschließlich die Stadtteilbibliothek Baumheide genutzt hat, den laden wir ein, in der Schließungszeit unsere anderen Stadtteilbibliotheken, wie etwa die in Heepen oder Schildesche oder auch die Stadtbibliothek am Neumarkt, zu besuchen. Also ein richtig Besuch ist momentan natürlich nicht möglich (danke Corona) aber ihr könnt wie gehabt in allen Standorten Medien bestellen und abholen.

Bei Fragen erreicht ihr uns montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr unter 0521 51-5000 oder per Email an stadtbibliothek.information@bielefeld.de.

Und hier haben wir noch einen kleinen Einblick in die Umzugsarbeiten. Schaut gerne rein. 🙂

lga

Unsere Bibliothek und die freche Corona: Gedanken zu einem ganz außergewöhnlichen Jubiläum…

Gerne schreibt man einen schönen Text zu einem speziellen Anlass. Man feiert 25 Jahre Dienstjubiläum, 50 Jahre Hochzeit, (Schriftsteller feiern) 100 Jahre Einsamkeit, oder auch den 111. Bibliotheksgeburtstag (wie wir es in Bielefeld 2016 gemacht haben). Irgendwie gibt es jedes Jahr hier und überall mehrere Gründe und Anlässe zum Feiern. Da blickt man gerne zurück und redet über Geschehenes, Erreichtes und Schönes. Man bedankt sich und freut sich auf die Zukunft… und auf das nächste Jubiläum.

Nun haben wir in dieser Woche auch ein besonderes Jubiläum zu begehen, nämlich ein ganzes Jahr „Zusammenlebens“ unserer Bibliothek mit Corona. Ein ganzes langes Jahr ist vergangen, seitdem unsere Bibliothek ihre Türen komplett schließen musste und seitdem nichts mehr ist, wie es war.

Wollen wir mit einem Rückblick beginnen und schauen was uns dieses Coronajahr gebracht, gelehrt und bedeutet hat?  In diesem ganz besonderen Jahr haben wir geschafft, was man sonst in den 115 Jahren Bestehens unserer Bibliothek nicht schaffte. Wir haben nämlich geschafft, zweimal in einem Jahr unsere Zentralbibliothek und alle unsere Stadtteilbibliotheken komplett zu schließen und wieder zu eröffnen. Vor zwei Jahren nur wäre so was nicht mal als Dystopie vorstellbar gewesen.

Eine komplett geschlossene Bibliothek ist eine Erfahrung für sich und eine mögliche Kulisse für Krimis. Das sind: leere Regale, alleinstehende Stühle und Sessel, verlassene PCs und Kopiergeräte, dunkle Bildschirme, leere Körbe und verstaubte Arbeitsplätze. Wir hatten Zeit für den größten Frühjahrsputz seit Jahren und anschließend genügend Zeit zum Nachdenken darüber, was wir alles vermissen in diesen ruhigen, wartenden und irgendwo traurigen Räumen. Alles was man in den letzten Jahren mit viel Kreativität aufgebaut hat, um unsere Bibliothek als das städtische Wohnzimmer, als den dritten Ort neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz den Bielefelder*innen und Gästen unserer Stadt bereitzustellen, sieht jetzt leer und verlassen aus. Man hört nicht mehr so häufig das Geräusch unserer Rückgabeanlage, das Piepen an den Türen, sogar das Blättern in der Zeitung an dem großen Tisch im Erdgeschoß fehlt uns. Nicht zu sprechen von den ganzen Veranstaltungen, die wir schon seit über einem Jahr nicht mehr so wie früher durchführen können. Ja, über ein Jahr ist es her, dass wir keine Samstagslesung für Kinder mehr anbieten, keinen kunterbunten Bücherspaß am Freitag, keine Strickrunde, keine Spiele-Wiese, keine Makerspace-Veranstaltungen, keine öffentlichen Hausführungen, keine Ausstellungen…

Nun ja. Während die Komplettschließung der Bibliothek relativ unproblematisch ablief, mussten wir für die Wiedereröffnung komplexe und nicht immer selbsterklärende und oft herausfordernde Prozesse und Szenarien durchspielen. Mehrmals haben wir den Eingangsbereich umgestaltet und dekoriert, Stühle und Sessel wurden gezählt, hin und her bewegt und manches auch komplett entfernt (bis heute befinden sich eine Reihe Stühle in „Haft“, in der Lernbox 3, und können dort besichtigt – aber nicht benutzt! – werden). Die verschiedensten Ecken und Sitzmöglichkeiten wurden durch unpassierbare (Bücher-)Mauern und leicht passierbares Flatterband gesperrt, Tresen wurden mit Plexiglas ausgestattet. Mehrmals in diesem Jahr wurde über die Zahl unserer Besucher*innen pro Tag beraten, auch eine Möglichkeit für die Kontrolle musste her. Alles nur damit wir öffnen und unseren Kund*innen eine bestimmte Sicherheit anbieten können. Ob wir uns daran schon gewöhnt haben?

Sogar unser hauseigener Goethe trägt in Zeiten von Corona einen Mundschutz.

Gewöhnen mussten wir uns in dieser Zeit an Vieles. An die Masken, die uns alle irgendwie anders aussehen und manchmal klingen lassen. Nach den Stoffmasken, wo mindestens noch etwas Farbe, Muster und Fantasie vorhanden war, sehen nunmehr unsere unteren Gesichtspartien nur noch gleich, weiß, aus. Das Betreten der Bibliothek – wenn diese nun mal geöffnet ist – verlangt nach einem bestimmten, gar nicht so einfachen Ritual: Maske aufsetzen, Hände desinfizieren, Ausweis suchen, Chip nehmen, sich mit dem Ausweis am Easy Check registrieren lassen und flink durch die Tür, da sie sonst ziemlich schnell wieder zuschlägt. Unser Vorraum im Erdgeschoß erinnert jetzt mehr oder weniger an einen Lagerraum: größere und kleinere Tische wurden aufgestellt, ein Regal steht in der Ecke, Sitzmöglichkeiten für unser nettes Wachpersonal wurden geholt. Man findet Anmeldeformulare, Masken, Stifte, Körbe mit und ohne Chips, Aufsteller, Desinfektionsmittelständer, einen Heizungskörper bei kalten Tagen und einen Ventilator bei der Hitze. Auch ein kleiner Weihnachtsbaum – wirklich ein Hingucker – fand da eine Ecke, ziemlich gedrängt, auf so einem kleinen Platz…

Dieser Text sollte aber, bitte, auf keinen Fall als Nekrolog auf unser ehemaliges Bibliotheksleben klingen.  Er ist als Jubiläumstext gedacht, und normalerweise rundet man einen Jubiläumstext mit einem schönen optimistischen Satz und einem Blick in die Zukunft ab. Gibt es auch etwas Positives an dem ganzen Geschehen, das uns das Jahr 2020 und auch bisher 2021 beschert hat?

Lasst uns mal darüber sprechen, was wir alles in dieser Zeit gelernt haben. Wir haben noch einmal bestätigt bekommen, dass wir als Bibliothek wichtig sind und vermisst werden. Unsere Kund*innen haben sich alle riesig über unsere im Voraus bestellten Bücherpakete gefreut, so viel Dankbarkeit – mal versüßt mit einer Tafel Schokolade – haben wir so noch nicht erlebt. Unsere Räume wurden vermisst, unsere Veranstaltungen, die Begegnungen. Wir haben gelernt, dass wir mit dem Aufbau unseres digitalen Angebots auf dem richtigen Weg waren. Ob man ein eBook gut findet oder nicht, in den Zeiten der Pandemie erwies sich unsere Onleihe als eine begehrte und gut benutzte Alternative. Nicht nur Bücher verschiedenster Art kann man bei uns digital lesen, man kann auch in Zeitungen und Zeitschriften aus aller Welt in mehreren Sprachen oder im „Spiegel“-Archiv stöbern, man kann eine oder mehrere Fremdsprachen lernen, Statistiken und Dossiers aufrufen, Musik streamen, eine Oper oder ein Ballettstück bewundern, an mehreren digitalen Kursen teilnehmen, und sogar unsere begehrten Literaturtage gab es im letzten Jahr auch digital per Streaming ganz bequem von zu Hause auf dem Sofa zu sehen.

Wir haben eine neue Art der Kommunikation unter uns und mit unseren Kunden, mit anderen Bibliotheken, mit anderen Institutionen ausprobieren dürfen. Anfangs ungewohnt und zaghaft, zögerlich setzte sich die Methode Videokonferenz langsam durch. Nicht nur für Sitzungen und Konferenzen, auch für kulturelle Veranstaltungen und Bildungsaktivitäten hat uns diese Form als praktische Alternative gute Dienste leisten können und leitest sie weiterhin, auch jetzt. Facharbeitsrecherche, Ferienprogramme oder Makerspace Aktivitäten lassen sich auch ganz gut auf dieser Weise durchführen. Somit können ja auch Menschen daran teilnehmen, die es sonst  nicht zu uns schaffen konnten, warum auch immer. Und wann sonst konnte man sich noch ohne zusätzliche Kosten einen Vortrag in einer Bibliothek in den Niederlanden, den USA oder Australien ganz bequem liegend anhören? Und wie wäre es mit einer Kaffee-Runde digital? Noch nicht ausprobiert?

Dann lasst uns jetzt mal eine Tasse guten Tee oder Kaffee nehmen und nochmal über unsere Zukunft und unsere Rolle in und für die Gesellschaft in diesen, nicht so ganz einfachen, Zeiten nachdenken. Wenn nicht jetzt wann sonst? Wir haben im Herbst 2019 unsere Öffnungszeiten nach dem Open Library Model erweitert und unser Motto las sich „Offen wie nie zuvor“. Wir haben im Frühjahr 2020 unsere Bibliothek komplett geschlossen und unser Motto wurde „Digital wie nie zuvor“. Jetzt befinden wir uns Anfang des Frühjahres 2021, partiell geöffnet und unser Motto lautet „Flexibel wie nie zuvor“. Und kreativ waren wir ja sowieso immer. Trinken wir unsere Tasse aus, und freuen uns auf unsere Zukunft. Wenn wir einen Stein auf eine Palme legen, wächst sie besonders hoch!

I.C.