Buchtipp: Sheroes von Jagoda Marinić

Jagoda Marinić ist mir vor allem als Kolumnistin bekannt, sie führt einen erfolgreichen Podcast-Kanal (FREIHEIT DELUXE bei hr2-kultur) mit immer wieder interessanten Gästen und Gesprächen, sie ist Schriftstellerin und Kulturmanagerin in Heidelberg. Ich schätze ihre Äußerungen und Kommentare auf Twitter, wo sie sich sachkundig und pointiert mit aktuellen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt.
Eines ihrer Themen ist die Gleichberechtigung der Geschlechter. Und mit „Sheroes: neue Held*innen braucht das Land“ hat sie in einem ausführlichen Essay ihre Gedanken formuliert zum Feminismus, zur #MeToo-Bewegung und zu den Anforderungen an die neuen „Heroes/Sheroes“, die unsere Vorbilder sein könnten, um unsere Gesellschaft zu einem besseren Miteinander zu führen.

Tablet, auf dessen Bildschirm die Daten zum Buch "Sheroes" von Jagoda Marinic stehen: "MeToo war ein öffentliches Gesprächsangebot - nehmen wir es wahr! Jetzt haben wir endlich die Chance ...
Im Bestand seit: 30.03.2020
Verfügbar", sowie ein Download-Button "Jetzt ausleihbar"

Die bisher üblichen Klischees von Männlichkeit und Frausein verändern sich und damit auch die Machtstrukturen. Aber sind diese Veränderungen nur marginal, betreffen sie – vor allem weltweit betrachtet – vorwiegend eine kleine, im Vergleich zur Mehrheit ohnehin privilegierte Gesellschaftsschicht? Ist der Fortschritt insgesamt schlicht zu langsam? Gibt es selbst in den Industrieländern gerade einen Backlash, d. h. Rückschritte in veraltete Geschlechterzuteilungen? Oder könnte ein neuer, globaler Feminismus getragen von Frauen und Männern der Weg zu einem besseren und gerechteren Zusammenleben aller sein?

Das kurze Buch hat mir viele Denkanstöße gegeben.

Die Katalogdaten zu allen Büchern von Jagoda Marinić in der Stadtbibliothek hier.

HilDa

Das Weltall, unendliche Weiten – und ein Lesetipp

Als Jugendliche wollte ich Astronomin werden – zumindest war das einer meiner vielen Berufswünsche. Ich wollte Kometen entdecken, Schwarze Löcher erforschen, astronomische Phänomene erklären. Doch dann habe ich die Relativitätstheorie nur so halb verstanden. Oder eigentlich gar nicht. 🙄 Und die Quantenphysik … , also nun ja, das ist doch wie mit Schrödingers Katze: Mal habe ich verstanden, dass sie da und gleichzeitig nicht da ist, und mal verstehe ich es eben nicht. 😬

Bleibe ich halt lieber Laie und reise nur ab und zu mit Star Trek und Co. durchs All. Und mit Carl Sagan, Harald Lesch, Neil deGrasse Tyson und all den anderen Astrophysiker*innen, die in Fernsehdokumentationen das Unerklärliche erklären können.

Als Lektüre empfehle ich nach wie vor „Die Milchstraße“, ein Heft aus der Reihe Geo Kompakt mit vielen, gut erklärenden Aufsätzen; es gibt auch eine schöne DVD „Rätsel der Galaxis“ dazu. (Hatte ich schon mal im Blogbeitrag „Imaginäre Linien“ erwähnt, hier, Empfehlung gilt immer noch.)
Und die kleine, aber feine Einführung von Neil deGrasse Tyson „Das Universum für Eilige“.

Und dann ist da jetzt diese Neuerscheinung: „Das Weltall oder Das Geheimnis, wie aus nichts etwas wurde“ von Ian Paul Schutten, illustriert von Floor Rieder, übersetzt aus dem Niederländischen von Verena Kiefer.

Sachbuch "Das Weltall oder Das Geheimnis, wie aus nichts etwas wurde" von Ian Pauk Schutten und Floor Rieder, Gerstenberg-Verlag.
Das Cover zeigt eine Grafik mit einem wilden Durcheinander von astronomischen Instrumenten, Flugobjekten und Himmelskörpern, ausschließlich in den 3 Farben Blau (Hintergrund und Konturen), Weiß und Bronze

Ich gebe zu, ich hatte etwas anderes erwartet, als ich das Buch aufgrund einer sehr guten Rezension für mich gekauft hatte. Für ein Jugendsachbuch hat es ungewöhnlich viel Text und keine Fotos; als Illustrationen sind da viele witzige Cartoons, die weniger erklären, sondern das wissenschaftliche Thema des Buches satirisch auflockern. Der Ton des Textes passt dazu: flapsig, augenzwinkernd, die jugendlichen Leser*innen direkt ansprechend. Aber dieser Ton ändert nichts daran, dass da hochkomplexe Wissenschaft vermittelt wird: anschaulich, verständlich und spannend.

„Aber keine Angst – dein Kopf wird von all dem neuen Wissen nicht explodieren. Wir haben es im Vorhinein getestet und bislang ist noch kein Gehirn geplatzt!“

(aus dem Vorwort, Seite 14)

Wenn man sich für Sternkunde und Astrophysik interessiert, aber wie ich wenig Ahnung von so etwas wie Relativitätstheorie und Quantenphysik hat, findet Ihr hier eine gut erklärende Einführung: das Weltall, das Nichts und der ganze Rest. 😊

Für Kinder ab 13 Jahre empfohlen, aber auch für Erwachsene gleichermaßen informativ und unterhaltsam zu lesen. Ich habe es wirklich mit Gewinn studiert und – ganz wie im Vorwort insbesondere den Erwachsenen empfohlen – einige Passagen eben zweimal gelesen. 😉

„Manche dieser Informationen haben es ganz schön in sich. (…) Dir wird es nicht schwerfallen, das ist mir schon klar! Aber viele Kinder lesen solche Bücher gemeinsam mit ihren Eltern. Die verstehen solche Sachen vielleicht weniger fix als du.“

(aus dem Vorwort S. 15)

Sogar meinem alten Vater habe ich einige Seiten vorgelesen, er hat sich früher ja ein wenig für Sternkunde interessiert. Auch wenn er jetzt nicht mehr viel versteht, hat er doch gerne zugehört; und er hat mit mir über die witzigen Beispiele und Gedankenexperimente sowie den kalauernden Text gelacht. Er blätterte auch alleine noch eine ganze Weile aufmerksam in dem Band, und wie ich erst später festgestellt habe, hat er seinen Namen in das eingedruckte „Dieses Buch gehört …“ geschrieben. Tja, jetzt kann ich das nun offiziell in den Familienbesitz inventarisierte Buch leider nicht mehr wie geplant der Kinderbibliothek schenken. 🤭 Aber die haben es mittlerweile sowieso schon.

Das schön gemachte Buch ist in der Kategorie Sachbuch nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis.

In ähnlicher Machart gibt es noch weitere Sachbücher: „Evolution oder Das Rätsel von allem, was lebt“ und „Der Mensch oder Das Wunder unseres Körpers und seiner Billionen Bewohner“.

HilDa

Titanic

110 Jahre ist das jetzt her, wir kennen alle die Geschichte.

Jungfernfahrt. Technisch vollkommen und unsinkbar.
Dekadente Champagnerseeligkeit in der Luxusklasse.
Und dann mit Volldampf gegen den Eisberg.

Die Schiffskatastrophe der Titanic am 14. April 1912 steht auch als Sinnbild für den Untergang der alten Klassengesellschaft und ist ein Menetekel für die folgenden menschgemachten globalen Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Aber gelernt haben wir daraus ja wohl nix.

3 Kindersachbücher: "Die Geschichte der Titanic", Illustrationen von Steve Noon; "Titanic: Die berühmteste Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt", Gerstenberg-Verlag; "Titanic: Entdeckung auf dem Meeresgrund", Maja Nielsen erzählt.

Na ja, auch bei der x-ten Wiederholung weinen wir noch um das unglückliche, aber fiktive Film-Liebespaar (Titanic, 1997, Regie James Cameron; Katalogdaten zu DVD, Blu-ray und Sachbuch über den Film hier). Wir erschauern ganz wohlig, wenn wir die Bilder vom rostenden Wrack in der Tiefsee sehen oder aufwändig geborgene Gegenstände in Ausstellungen und bei Versteigerungen gezeigt und gehandelt werden. Aber die wahren Opfer sind nur eine Zahl. Die wenigen Namen, die genannt werden, sind die der Multimillionäre, Prominenten oder Offiziere an Bord. Über den Prunk und Luxus der 1. Klasse sowie die Kunst- und Wertgegenstände, die unrettbar versunken sind, werden die namenlosen Opfer aus der 3. Klasse vergessen. Bis auf Leonardo DiCaprio natürlich.😉
Ach.

Filmbuch zu "Titanic" von James Cameron
Filmbuch zu „Titanic“ von James Cameron

Kein anderes Schiffsunglück ist so bekannt, wie dieses; auch nach einem Jahrhundert gehört es zum kollektiven Gedächtnis der Welt. Allein das Wort Titanic reicht aus. Und wenn jemand von „Unsinkbarkeit“ spricht, versteht jeder die sarkastische Anspielung.

Roman "Choral am Ende der Reise" von Erik Fosnes Hansen und Sachbuch "Titanic: das Schiff, der Untergang, die Legenden" von Linda Maria Koldau

Auch das 21. Jahrhundert ist reich an durch Menschen verursachte Katastrophen – und mindestens ebenso reich an arroganter Hybris und borniertem Narzissmus; die Technikgläubigkeit ist sogar noch größer als vor 100 Jahren; auch Klassenunterschiede sind nach wie vor bestimmend für Lebensläufe; und noch immer wird menschenverachtend auf „die Anderen“ herabgeblickt, wie auch immer man das Andere definiert. Klassismus, Ableismus, Rassismus, Chauvinismus, … – es gibt einfach zu viele dieser toxischen -ismen.😑

Und da ist auch dieses trügerische Gefühl der Unsinkbarkeit. Alles soll im Prinzip so bleiben, wie es ist, nur vorwärts soll es gehen – als gäbe es nur diese eine Richtung. Als wäre uns das Erreichte sicher und jetzt kann es nur noch besser werden. Gerne besser für alle, mehr für alle, wenn’s denn reicht, aber Hauptsache besser und mehr für mich, denn ich bin ja für mich der Maßstab aller Dinge. Wer vermag schon über seinen Tellerrand hinaus zu blicken. Oder will es wirklich. Narzissmus, Neoliberalismus, Fanatismus – okay, ich hör ja schon auf.

Doch dann kommt da so ein blöder Eisberg daher und verändert einfach alles. „Plötzlich“ gibt es eben doch noch eine ganz andere Richtung, nämlich das kalte Wasser, die Tiefe, der Untergang.

Hybris.
Doch wir haben eben nicht alles unter Kontrolle.

Das Meer und die Tiefe waren natürlich schon immer da, vor Eisbergen wurde gewarnt, Unsinkbarkeit gibt es nicht, Rettungsboote bieten nicht genug Platz für alle und selbst die Überlebenden verlieren und können kaum das Trauma bewältigen.

Trotzdem vergessen wir schnell. Kassandrarufe sind halt lästig. Ach, es wird schon alles gut gehen, wir wollen uns die Stimmung nicht verderben lassen. Freiheit, Eigenverantwortung – wir wollen Polonaise, Schampus!
Volldampf voraus!
Und hey, so viel frisches Eis für unseren Drink, haha!

HilDa

Buch "Mythos Titanic" und 3 DVDs gleichen Titels
Bildband "Die Geburt einer Legende: Entstehung und Bau der Titanic" von Michael McCaughan und Buch "Das Titanic-Bordbuch: eine Handreichung für Passagiere"

Hier noch ein paar Literaturtipps:

  • Ein sehr schön und anschaulich illustriertes Sachbilderbuch ist „Die Geschichte der Titanic“ . Die detailreichen Panoramazeichnungen von Steve Noon und der Text von Eric Kentley zeigen und erklären alle Decks und ihre Besonderheiten, die Technik an Bord, den Ablauf der Schiffskatastrophe und seine Auswirkungen – für Kinder gedacht, aber da können auch Erwachsene noch interessantes entdecken.
  • Auch die Kindersachbücher der bewährten Reihe „Sehen Staunen Wissen“ aus dem Gerstenberg-Verlag legen viel Wert auf detailreiche Illustrationen, und auch die Texte und Beschreibungen von Simon Adams zu „Titanic : die berühmteste Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt“ bieten viele interessante Details zur Ausstattung des Luxusliners und zum folgenreichen Unglück.
  • Maja Nielsen erzählt in „Titanic : Entdeckung auf dem Meeresgrund“ sehr anschaulich über die Jungfernfahrt, den Untergang und ebenso ausführlich über die abenteuerliche Suche nach dem Wrack.
  • Im Roman des Norwegers Erik Fosnes Hansen „Der Choral am Ende der Reise“ geht es um sieben Musiker an Bord der Titanic, ein internationaler Bestseller in den frühen 1990ern, also noch vor dem Film von James Cameron.
  • Linda Maria Koldau rekonstruiert in ihrem Sachbuch „Titanic : das Schiff, der Untergang, die Legenden“ nicht nur die Schiffskatastrophe und den Forschungsstand zu den Ursachen, sondern auch die kulturgeschichtliche Bedeutung und die ganze Mythenbildung.
  • Die National-Geographic-Dokumentation von 2012 in 3 DVDs zeichnet das Unglück nach und sucht nicht zuletzt anhand der Bilder vom Wrack in der Tiefsee nach der Ursache dieser Katastrophe. Dazu passt der kleine Bildband: „Mythos Titanic“ .
  • Der Bildband „Die Geburt einer Legende : Entstehung und Bau der Titanic“ von Michael McCaughan ist schon etwas älter. Hier geht es weniger um das katastrophale Ende des Luxusschiffes, sondern seinen Bau, seine Technik und seine Ausstattung; mit vielen schwarz-weiß Fotos und Zeichnungen.
  • Das Titanic-Bordbuch: eine Handreichung für Passagiere“ ist hübsch gemacht, eine ausführliche Anleitung, als wenn wir uns als Passagiere auf die Jungfernfahrt vorbereiten wollten, ebenfalls mit vielen Fotos und Grafiken. Logischerweise spielt hierin der Untergang gar keine Rolle.
  • Und dann ist da noch das Filmbuch zu James Camerons Blockbuster-Film „Titanic“ mit vielen Fotos von den Dreharbeiten, mit Interviews und einem Überblick zu den Kostümen, Nachbauten und Kulissen, zu den Special Effects und den Anstrengungen für alle Beteiligten: „James Camerons Titanic“ .
  • Wer aber mehr über die echten Passagiere und vor allem vom Schicksal der überlebenden Frauen und Kinder an Bord wissen möchte, der kann viele einzelne Schicksale in „Titanic: Frauen und Kinder zuerst“ von Judith B. Geller nachlesen.

(Auswahl: HilDa)

Sachbuch "Titanic: Frauen und Kinder zuerst" von Judith B. Geller

Buchtipp: „Trauer ist das Glück, geliebt zu haben“

Chimamanda Ngozi Adichie ist eine der bekanntesten Autorinnen der zeitgeschichtlichen Weltliteratur, vor allem durch ihren internationalen Bestsellerroman „Americanah“ von 2013 (deutsch 2014). Sie gilt als eine der wichtigsten afrikanischen Stimmen.
Dieser kleine autobiographische Band (Originaltitel „Notes on grief“, übersetzt von Anette Grube) ist sicher ihr persönlichstes Buch. Es handelt von Trauer, speziell ihren eigenen Gefühlen nach dem Tod ihres geliebten Vaters, ein sehr emotionaler Essay über unbändigen Schmerz, liebende Erinnerung und Familienanekdoten. Viele Facetten der Trauer.

Buch "Trauer ist das Glück geliebt zu haben" von Chimamanda Ngozi Adichie. S.Fischer-Verlag

Adichie beschreibt ihre Gefühle und ihre Überlegungen dazu sehr offen, drastisch und schonungslos gegen sich selbst. Ich finde es bemerkenswert und war beim Lesen sogar erleichtert, wie da jemand auch über die Wut in der Trauer schreibt und seinen Schmerz buchstäblich herausschreit – und damit ein kleines Tabu bricht. Es ist die Wut über den unerbittlichen Tod, über verpasste Momente und das, was nun unausgesprochen und unbeantwortet bleiben muss.

Große Trauer ist etwas, was uns meist verstummen lässt, teils weil uns die Worte fehlen, teils weil wir verdrängen wollen. Trauer in unserer Kultur ist eher still, einsam und sie soll nach einer gewissen Zeit wieder überwunden sein, damit man weiter im Alltag funktioniert. In anderen Kulturen geht man durchaus anders mit Trauer um, zum Beispiel auch in der Igbo-Kultur.

Chimamanda Ngozi Adichie ist wortgewaltig, sie lässt nicht nur ihren Gefühlen freien Lauf; sie analysiert sich dabei gleichzeitig selbst. Sie schreibt in ihrem Aufsatz auch über ihre Familie und den unterschiedlichen Umgang mit der Trauer, über kulturelle Bedeutungen, über die Bürokratie rund um den Tod insbesondere in Zeiten einer Pandemie. Und über die gutgemeinten Ratschläge und Floskeln der Freunde, die nicht immer hilfreich sind, aber vielleicht erst später nachwirken.

Das ist sicher kein Buch, das ich einem trauernden Menschen unmittelbar empfehlen würde. Aber mit gewissem zeitlichen Abstand fand ich es befreiend, dass hier auch über die krassen Gefühle geschrieben wird. Ein wuchtiges kleines Buch.

Die Katalogdaten hier.
In der Psychologie-Untergruppe Mcl 33 findet Ihr noch mehr Medien zum Thema Trauer/Trauerbewältigung.

HilDa

Buchtipp: „Tagebuch eines Buchhändlers“ von Shaun Bythell

Kuriose Mitarbeiter, unverschämte Kunden, Wasserrohrbrüche, verschwundene Kater, Buchfestivals – Shaun Bythell hat so einiges aus seiner Buchhandlung zu berichten. Die trägt den zwar nicht kreativsten aber bestimmt treffendsten Namen: The Bookshop. Also Die Buchhandlung.

Seine Buchhandlung für gebrauchte Bücher befindet sich in der schottischen Stadt Wigtwon, auch bekannt als „Scotlands National Book Town“. Neben Shauns Buchhandlung gibt es dort noch viele weitere und ein jährliches Buchfestival. The Bookshop ist die größte Secondhand Buchhandlung in Schottland.

In seinem Tagebuch berichtet er für ein Jahr aus seinem Arbeitsalltag. Er erzählt von den Menschen, die ihm Bücher verkaufen wollen und aus welchen Beweggründen sie das tun. Wir lernen seine etwas kuriose Mitarbeiterin Nicci kennen, die gerne mal Shauns Ordnung der Bücher durcheinander bringt. Immer wieder gibt es auch neue und ehemalige Mitarbeiterinnen oder Praktikanten, die durch Shauns Buchhandlung streifen. Und natürlich die Kunden. Arbeit mit Menschen ist etwas echt tolles, zumindest mache ich das bei uns in der Bibliothek sehr gerne. Aber: es gibt halt auch diese Leute, die es einfach drauf haben, einem den Tag zu vermiesen. Man sollte das gar nicht so an sich ran lassen. Den ganzen Tag hatte man nur Kontakt zu netten Menschen und dann kommt ein Miesepeter, und das ist der einzige, an den man sich erinnert. Shaun beschreibt diese Leute mit sehr trockenem Humor (der sich eh durch das ganze Buch zieht) und man kann sich nur mit ihm über Kunden amüsieren, die um jeden Euro feilschen, Bücher aus Regalen ziehen, um scheinbar größtmögliches Chaos zu hinterlassen oder ihn nach Büchern fragen, die sie dann offensichtlich im Anschluss lieber bei Amazon bestellen. In diesen Beschreibungen blitzt wohl eine etwas misanthropische Haltung durch. 🙂

Bibliothekare sind leider auch nicht seine Lieblingsmenschen – die stempeln Bücher, kleben Signaturen und Barcodes auf ansonsten schöne Einbände oder bekleben sie gleich ganz mit schmutzabweisenden Folien. Für eine Secondhand-Buchhandlung nicht der idealste Buchzustand, da muss ich ihm Recht geben. 😉

Amazon ist auch so ein Lieblingsthema von Shaun. Irgendwie ist er darauf angewiesen, aber sein Verhältnis zum großen A zeigt sich ganz gut durch eine Trophäe, die er in der Buchhandlung aufgehängt hat: ein wortwörtlich erschossener Kindle.

Ganz nebenbei berichtet Shaun uns von seiner jeweils aktuellen Lektüre. Da verbirgt sich noch der ein oder andere Literaturtipp, den man gerne mitnimmt.

Shaun durch das Jahr in seiner Buchhandlung zu begleiten, war ein sehr unterhaltsames Unterfangen. Mittlerweile hat er sogar noch weitere Bücher geschrieben. Bisher ist jedoch nur das hier vorgestellte ins Deutsche übersetzt, da muss ich mir die anderen vielleicht mal im Original besorgen.

Das Buch könnt ihr bei uns in der Onleihe oder vor Ort ausleihen.

lga

Landkarten und Atlanten

Mein erster Weltatlas war ein Atlas für Kinder, den ich mir gerne angeschaut habe. Daraus ergab sich als beliebtes Spiel am Abendbrottisch das Abfragen von Hauptstädten. Heute kommt auf Spielenachmittagen Deutschland– oder Europareise auf den Tisch. Ja, Weltreise kommt auch noch dran.

Karten bilden nicht nur physische oder politische Gegebenheiten ab. Die ICA (Internationale kartographische Vereinigung) definiert Karten als symbolische Darstellung der geographischen Realität mit ausgewählten Merkmalen, die der Kreativität des Kartographen unterliegen.

Geograph Simon Küstenmacher stellt in seinem Buch „Mad Maps“ (Standort in der Bibliothek: Allgemeines Aax Kueste) Karten zusammen, die zu einem großen Teil auf Datensammlungen basieren. In Kategorien wie Reisen, Tiere, Größenvergleiche und Geschichte beantwortet er Fragen wie der Reisedauer von London an verschiedene Orte weltweit in den Jahren 1914 und 2016. Oder: Wie lauten die wörtlichen Übersetzungen europäischer Länder? Wo gibt es wie viele giftige Tiere? Wohin kann man auswandern, falls das Tempolimit eingeführt wird? Und wo komme ich raus, wenn ich mich an Ort und Stelle durch die Erde zur anderen Seite durchgrabe?

In „100 Karten über Sprache“ (Standort: Sprache Oa Hund) erfährt man wo das Ende der Welt oder das mit deutlichem Abstand größte „Dorf“ liegt. Es gibt eine Auswahl an Wörtern, die aus anderen Sprachen ins Deutsche entlehnt bzw. in andere Sprachen übernommen wurden sowie Wörter, die sich gar nicht übersetzen lassen. In „Gute Karten“ (Standort: Geografie Cfk 2 Fische) konzentriert sich Tin Fischer auf Deutschland: Wo muss man wie lange zum nächsten Supermarkt oder Bushaltestelle laufen? Wie viele Autofahrten könnten eigentlich auch zu Fuß oder mit dem Rad erfolgen?

Atlanten sind nicht nur Sammlungen von Landkarten, sondern nach dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) ebenso eine „Sammlung von Bildtafeln aus einem Wissensgebiet“. Im Bereich Geographie ist das zum Beispiel der „Atlas Obscura“. Auf der Website www.atlasobscura.com wurden seit 2009 über 20.000 außergewöhnliche Orte weltweit gesammelt. Dabei soll es nicht um Sehenswürdigkeiten gehen, die in normalen Reiseführern zu finden sind. Viele dieser Ziele können besucht werden, andere sind nicht oder nur schwer zugänglich.

Das Buch „Atlas Obscura“ (Standort: Geografie Cal Foer) umfasst eine Auswahl dieser Orte. Da ist z.B. das Schneeschloss LumiLinna in Finnland, das jeden Dezember neu aufgebaut wird. Oder die natürlich entstandene Marmorkathedrale in Chile. In Thailand entstand ab 1984 ein Tempel aus 1,5 Millionen Bierflaschen – man wollte den Recyclinggedanken stärken. In Südafrika ist das Bier – oder auch ein anderes Getränk – dagegen noch trinkbar: in einer Bar, die in einen Baumstamm eingearbeitet wurde. Die Vorstellung jedes Ortes nimmt ½ bis 1 Seite ein. Jeder Beitrag ist mit einem Bild, Koordinatenangaben sowie einer Lagebeschreibung und Informationen zur Zugänglichkeit versehen.

Die Ausgabe für Kinder mit gleichem Titel (Standort Kinderbibliothek: Erde Thur) ist auf 100 Orte weltweit beschränkt und damit etwas handlicher. Es geht nach Island, wo man wie bei Jules Verne in einen Vulkan herabfahren kann (man muss aber nicht durch den Mittelpunkt der Erde wieder raus) oder nach Peru, wo es die letzte erhaltene Inka-Grasbrücke gibt. Auf den Philippinen kann man Schokoladenhügel sehen – leider heißen sie nur so. Das Buch ist ganzseitig illustriert und beginnt als Abenteuerreise mit Hinweisen zur Ausrüstung und weiteren Tipps für Entdecker.

Historische Karten

Planen Sie einen Urlaub auf Bermeja (bei Yucatan) oder Sandy Island (zwischen Australien und Neukaledonien)? Nein? Gut! Sie würden nasse Füße bekommen. Beide Inseln existieren nicht und haben nie existiert – was erst Jahre nach Einführung von Google Maps auffiel. Wie aber sind diese Inseln auf Land- und Weltkarten gekommen?

Der „Atlas der erfundenen Orte“ (Standort: Geografie Cal Broo) von Edward Brooke-Hitching enthält etwa 50 Inseln, die nicht existieren, aber lange auf Karten zu finden waren. Manche Inseln waren Irrtümer, andere wiederum Erfindungen. Die vier- bis sechsseitigen Beiträge sind mit Karten und Fotos versehen. Etwas ausführlicher befasst sich Malachy Tallack in dem Buch „Von Inseln, die keiner je fand“ (Standort: Geografie Cbl Tall) mit dem Thema. In schön illustrierten Kapiteln von ‚Inseln des Lebens und des Todes‘ und ‚Aufbruch‘ bis hin zu ‚Widerrufene Entdeckungen‘ nimmt Tallack den Leser mit auf eine Zeitreise.

Das Buch beginnt mit Inseln wie den elysischen Gefilden aus Homers Odysseus oder Tír na nÓg. Sie existierten auch zu ihrer Zeit nur in der Vorstellung der Menschen. Mit zunehmender Seefahrt werden neue Inseln entdeckt, aber auch Irrtümer landen auf Weltkarten. Manche werden schon zu ihrer Zeit angezweifelt. 330 v. Chr. berichtet Pytheas von einer Insel Thule, die sechs Tage nördlich von Britannien liegen sollte. Sein nur aus Zitaten bekanntes Werk wurde bereits damals angezweifelt. Man konnte sich nicht vorstellen, dass soweit nördlich Menschen leben sollten.

Literarische Karten

Nicht fehlen dürfen an dieser Stelle Karten aus der Literatur. Hier begegnen uns sowohl real existierende Orte, als auch fiktive Welten. Die Karten entstehen beim Lesen oder werden vom Autor zur Verfügung gestellt. Angefangen bei der Schatzkarte von Robert L. Stevenson, bis hin zu Tolkiens Mittelerde oder Pratchetts Scheibenwelt.

Das Buch „Verrückt nach Karten“ (Standort: Geografie Cck Verr), herausgegeben von Huw Lewis-Jones, befasst sich mit der Faszination, die Landkarten ausüben. Der Band enthält Texte verschiedener Autoren in den Kategorien Täuschend echt, literarische Karten, Karten erstellen und Karten lesen. Die Beiträge sind mit zum Teil ganzseitigen Karten versehen. Auch wenn das Buch sehr umfangreich ist, lässt es sich gut lesen.

In der Kategorie ‚Karten erstellen‘ kommen unter anderem die Illustratorin der Karte des Rumtreibers aus Harry Potter, Miraphora Mina, oder Daniel Reeve, der Mittelerde zeichnete, zu Wort. Man erfährt aber auch etwas über real existierende Karten, wie der Weltkarte von Ebstorf, welche von Nonnen aus dem dort ansässigen Kloster gefertigt wurde und die umfangreichste Karte im Mittelalter war. Oder von Phyllis Pearsall, die einer von ihr nicht bestätigten Legende zufolge 3000 Meilen und 23.000 Londoner Straßen abgelaufen sein soll, um einen aktuellen Londoner Stadtplan mit Register zu erstellen.

An reale Schauplätze führt uns Sarah Baxter im „Atlas der literarischen Orte“ (Standort: Literaturwissenschaft Pal Baxt). Auf jeweils vier bis sechs Seiten nimmt sie den Leser mit auf einen Spaziergang an 25 Orte der Literatur. Darunter London zu Zeiten von Dickens Oliver Twist, der Mississippi, auf dem Huckleberry Finn und Jim ihre Abenteuer erlebten oder die Moore von Yorkshire (Bronte: Sturmhöhe). Die Texte sind gut zu lesen und mit sehr schönen ganz- oder doppelseitigen Illustrationen versehen.

Judith Schalansky geht im „Atlas der abgelegenen Inseln“ (Standort: Geografie Cdn Schala) den umgekehrten Weg. Einleitend erzählt sie vom Aufwachsen in der DDR und dem wachsenden Interesse für Atlanten und Geographie. Noch heute gibt es Inseln, die schwer zugänglich sind oder in der Vergangenheit als Wohnort aufgegeben wurden. Schalansky nimmt sich 50 dieser Inseln nach Erdteilen geordnet vor und verfasst zu jeder Insel eine kurze Erzählung. Ganzseitig sind alle Inseln in einem einheitlichen Maßstab abgebildet. Ebenfalls werden die Entfernungen zu den nächsten Inseln oder zum Festland angegeben.

Ein Reiseführer an phantastische Orte wie Hogwarts oder Narnia ist der „Atlas literarischer Orte“ (Standort: Literaturwissenschaft Pal Oliv) von Cris F. Oliver. Jeder Ort ist mit ganzseitigen Karten und Hinweisen z. B. zur Anreise oder Sehenswürdigkeiten versehen. Natürlich gibt es auch weitere Hinweise wie die zu probierenden Süßigkeiten in Harry Potter. Manche Orte sind natürlich nicht ungefährlich. So wie Panem oder der Vulkan, der zum Mittelpunkt der Erde führt. Wenn man das ein oder andere Buch gelesen hat, fühlt man sich durch die Beschreibungen sofort in die Welt des Erzählten versetzt. Wenn nicht, dann möchte man jetzt das ein oder andere Buch lesen.

Juliane

Buchtipp: 1918 – Die Welt im Fieber

2018 gab es ein Jubiläum. 100 Jahre waren nach dem Ausbruch der Spanischen Grippe 1918 vergangen. Passend dazu erschien ein Buch, dass die Spanische Grippe und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft beleuchtet.

1918 – Die Welt im Fieber von Laura Spinney ist eins dieser Bücher, dass mir in der Bibliothek immer wieder in die Hände fällt und scheinbar unbedingt von mir gelesen werden will. Dieses Jahr hat es dann endlich geklappt. Und da wir uns bekanntlich momentan ebenfalls in einer Pandemie befinden, blickt man ganz anders auf die Schilderungen dieser vergangenen Pandemie.

Laura Spinney erzählt uns die Geschichte der Spanischen Grippe. Wie sie sich ab 1918 über die Welt ausbreitete, welche Orte besonders schlimm betroffen waren und welche auch nicht. Warum es eigentlich „Spanische Grippe“ heißt und warum dieser Name nicht zutreffend ist. Und Spinney analysiert die Auswirkungen der Spanischen Grippe auf die damalige Gesellschaft. Dabei findet natürlich ein anderes Ereignis immer wieder Erwähnung – der Erste Weltkrieg. Spinney versucht die Auswirkungen dieser beiden Ereignisse auseinanderzudröseln. Gar nicht so einfach, da der Erste Weltkrieg schon damals viel mehr in der Erinnerung verankert war. Spinney stellt zwar fest, dass in den letzten Jahren ein vermehrtes Interesse an dieser Pandemie, die 1918 über die Welt hereinbrach, besteht – aber so richtig aus dem Schatten des Ersten Weltkriegs ist sie bisher nicht herausgetreten. Und das, obwohl schätzungsweise zwischen 50 und 100 Millionen Menschen an der Spanischen Grippe starben – zum Vergleich: im Ersten Weltkrieg starben 17 Millionen Menschen. Und tatsächlich weiß ich noch, dass mich diese Zahlen sehr erschreckt haben, als ich das erste Mal von der Spanischen Grippe las. Da war ich doch erstaunt, dass ich von dieser Pandemie, die so vielen Menschen das Leben kostete, so viel weniger gehört hatte, als vom Ersten Weltkrieg. Laura Spinney versucht diesen Umstand, dass die Spanische Grippe so lange eine Randnotiz der Geschichte war, zu erklären.

Mir hat das Buch die Spanische Grippe auf jeden Fall anschaulich näher gebracht. Natürlich können viele Informationen heute, nach gut 100 Jahren, nicht mehr letztlich verifiziert werden. Aber die verschiedenen Vermutungen und Theorien werden vorgestellt und erläutert.

Besonders interessant las sich der Ausblick zum Ende des Buches. Wann wird es die nächste gefährliche Grippepandemie geben? Oder wird es einen anderen Erreger geben, der eine Pandemie auslöst? Äh, ja… Hätte ich das Buch tatsächlich schon das erste Mal, als es mir in die Hände fiel, gelesen, hätte mich die ganze Coronageschichte vielleicht ein kleines bisschen weniger überrascht.

Wer sich also mal mit einer anderen Pandemie als der aktuellen beschäftigen möchte, dem sei 1918 – Die Welt im Fieber sehr empfohlen. Hier geht es zu den Katalogdaten.

lga

Wiedergelesen: Eine kurze Geschichte der Menschheit

Ich gebe zu, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, habe ich einiges übersprungen oder nur quer gelesen. Das mache ist meistens bei Sachbüchern so, ich ziehe mir die Informationen heraus, die mich gerade interessieren und überfliege den Text ansonsten nur. Doch der wunderbare Stil von Harari lädt einfach zum gründlichen Lesen ein; wie bei Belletristik wollte ich auch die Sprache, ja, jeden einzelnen Satz genießen. So blieb das Buch vorerst auf dem SUB, dem Stapel der ungelesenen Bücher, in diesem Fall zum Wiederlesen, dann aber richtig.

Es brauchte endlich einen Urlaub. Und wie bei einem spannenden Roman hätte ich fast einige Nächte durchgelesen, wenn die Augen mitgemacht hätten.

Dieses Sachbuch zur Geschichte der Menschheit besticht nicht nur durch seinen ungewöhnlichen inhaltlichen Ansatz, sondern vor allem durch seine Sprache. Es vermögen leider nicht viele Sachbuchautoren, einen komplexen Sachverhalt allgemeinverständlich und gleichzeitig auch schön zu formulieren. Harari kann.

Und das, was er dabei vermittelt, ist wahrlich komplex: die Geschichte der Menschheit von ihren Anfängen bis heute, physikalisch-biologisch, evolutionär, historisch, philosophisch, soziologisch, kulturell. Zum Schluss wagt der Autor auch einen visionären Blick in die Zukunft, denn den Fragen müssen wir uns heute stellen: Wie soll die Geschichte der Menschheit weitergehen, wohin wollen wir uns weiterentwickeln?

Harari schreibt dabei nicht das übliche Geschichtsbuch über all die großen historischen Ereignisse, die Kriege, die Erfindungen. Er löst sich fast ganz von der Chronologie; Geschichtsdaten, Epochen, Dynastien, einzelne historische Persönlichkeiten und ganze Imperien kommen nur als Beispiele vor. Dem Autor geht es um die großen Entwicklungssprünge der Menschheit: dem Homo Sapiens, der zur beherrschenden Spezies auf der Erde wurde, zum Umgestalter und letztlich auch Zerstörer der Ökosysteme dieses Planeten. Harari stellt für einen Historiker ungewöhnliche Fragen: Haben uns all die Errungenschaften und erstaunlichen Leistungen der letzten 100 000 Jahre glücklicher und zufriedener gemacht? Was wollen wir werden und wollen wir überhaupt Verantwortung für die Zukunft übernehmen? Was wollen wir wollen?

Klingt jetzt sehr philosophisch, ist aber gar nicht abgehoben, sondern Harari erläutert gut nachvollziehbar, verständlich und nicht zuletzt mit viel Humor. Man muss sich nicht einmal für Geschichte interessieren, das Werk bietet so viele anregende Gedankengänge und sagt mehr über uns Menschen heute aus als über die alten Völker, mehr über die vielen unbekannten Menschen als über einzelne Eroberer, Religionsgründer und Denker der Geschichte, die sonst so im Vordergrund historischer Abhandlungen stehen.

Das Buch ist ein Bestseller, das heißt ja nicht unbedingt, dass es auch gelesen wird. Vielleicht habt Ihr es geschenkt bekommen so wie ich. Nun, diesem klugen, witzigen und wunderbaren Werk wünsche ich viele Leser. Also fischt es aus dem SUB heraus oder leiht es Euch bei uns. Und natürlich kann man es auch gut ein zweites Mal lesen.

Das Buch findet Ihr in verschiedenen Ausgaben hier in unserer Bibliothek.
Es gibt auch eine Graphic Novel zum 1. Teil des Buches: Sapiens – Der Aufstieg

HilDa

Buchtipp: Nahostkonflikt

Seit einiger Zeit halte ich beim Einstellen immer wieder Bücher der Reihe 33 Fragen – 33 Antworten des Piper-Verlags in der Hand. Die erscheinen seit letztem Jahr und beschäftigen sich kurz und bündig mit verschiedenen Themen wie Klimawandel, Künstliche Intelligenz oder Rechtsextremismus. Nun habe ich mir mal eines davon mit nach Hause genommen und zwar Nahostkonflikt von Wolfram Eberhardt.

Die Fragen werden meist auf etwa drei bis vier Seiten beantwortet, das Buch ist daher mit seinen 128 Seiten also eher übersichtlich. Ich finde das zum Auffrischen von Wissen beziehungsweise zum Einstieg in ein neues Thema aber sehr geeignet. Wenn man für sich merkt, dass man tiefer in die Materie einsteigen will, kann man dann nach weiterer Literatur recherchieren.

Das Buch gibt einen guten ersten Überblick über die Ursprünge des Nahostkonflikts, definiert, was der Nahe Osten überhaupt ist, wie es zum Arabischen Frühling kam, welche Probleme die Region hat. Bei all den Schwierigkeiten zeigt der Autor aber auch auf, wo Hoffnung besteht und warum ein offener Dialog, zum Beispiel auch bei Reisen in den Nahen Osten, so wichtig ist.

Mir hat das Buch genau das geliefert was ich gesucht habe: einen guten kurzen Überblick über Ursachen und Auswirkungen des Nahostkonflikts. Hinten gibt es noch zwei Seiten mit Literatur- und Internetquellen, da hat man direkt Anreize, wo man sich weiter informieren kann.

Die Katalogdaten findet ihr hier.

lga

Do you read me?

Ich liebe schöne Buchläden. Egal, ob sie nostalgisch oder modern eingerichtet sind, Hauptsache sie strahlen eine heimelige Atmosphäre aus. Zum Wohlfühlen eben. In vielen Buchhandlungen wird außer Büchern mittlerweile oft auch anderer Kram angeboten. Gegen Lesezeichen habe ich nichts, aber Kekse, Tassen, Tee und anderen Klüngel… ich weiß nicht.

Dieses Buch habe ich mal wieder durch Zufall entdeckt. Die besten Bücher entdeckt man irgendwie zufällig, oder? 😉 Meine Kollegin verriet mir, dass sie das Buch gekauft hat, weil sie das Cover so ansprechend fand. Geht einem ja oft so. In diesem Buch werden Buchläden über die ganze Welt verteilt beleuchtet. Afrika, Indien, USA, Paris, Deutschland, China… die Liste ist lang und fantastisch. Lasst uns eintauchen in die fantastische Welt der Bücher und wo es sie zu kaufen gibt mit „Do you read me?

Besonders angetan war ich von einer Apartment-Buchhandlung aus New York City. Der Inhaber von Brazenhead-Books, Michael Seidenberg, hatte einen eigenen Laden. Doch nach einer Mieterhöhung verlegte er sein Sortiment in seine Wohnung. Daraus wurde quasi ein „Speakeasy“-Buchladen, jeder durfte nach einer kurzen Anmeldung per Telefon vorbei kommen und stöbern. Leider lebt der Inhaber nicht mehr und damit schloss sich 2019  die Tür zu diesem außergewöhnlichen Ort. Hier ein netter Artikel aus dem New Yorker.

Nicht fehlen darf natürlich die Livraria Lello in Porto. Wunderschön, von außen wie von innen. Aber mittlerweile leider völlig von Touristen überlaufen. Kein Wunder, dass man nun einen Eintrittspreis zu entrichten hat, wenn man sich die tollen Räumen ansehen möchte.

Kommen wir nun zu einem etwas moderneren Design. in der Cafebrería El Péndulo in Mexiko-Stadt wächst eine Palme. Und zwar eine große. Sieben dieser Buchhandlungen gibt es in der Stadt, ich finde es toll, dass jede das Buch- und Eventangebot individuell auf ihr Viertel zuschneidet.